Tierschutz

Nur ein Regenwurm? Ihr habt ja keine Ahnung!

Es gab eine Zeit, da machte ich mir wenig Gedanken, was mit den Bewohnern unter der Erde passiert, sobald im Garten Pickel und Schaufel zum Einsatz kommen. Eigentlich machte ich mir gar keine Gedanken, so wie die Arbeiter, die gerade nach meinen Wünschen Pflanzlöcher gruben und Rasenkanten stachen. Sie waren sichtlich irritiert, als ich hartnäckig darauf bestand, nach jedem Arbeitsschritt die Regenwürmer vor dem Zerstückeln zu retten. Immer wieder fischte ich noch heil gebliebene Exemplare aus dem Erdreich und setzte sie in ungefährliches Areal.

„Haha…lustig…“ wenn man sich sogar noch um Regenwümer sorgt…

Aber warum sollte man sich eigentlich nicht um sie sorgen? Es sind beeindruckende Lebewesen, deren wichtiger Beitrag zum Ökosystem gerne unterschätzt wird.

Regenwürmer sind gemessen an ihrer Körpergröße das stärkste Tier auf der Erde!

Beim Graben stemmen sie das 50 – 60 -fache ihres eigenen eigenen Körpergewichts. Sie sind die heimlichen Multitalente in unseren Gärten. Ohne sie läuft gar nichts! Regenwürmer erledigen für uns die lästigen Umgrabearbeiten, denn bis zu drei Meter tief in die Erde lockern sie den Boden auf und düngen ihn praktischerweise gleich mit ihren nährstoffreichen Ausscheidungen, während sie umschichten.

Regenwürmer kompostieren das alte Laub und belüften die Böden. Durch viele Regenwurmgänge unter der Erde, staut sich nämlich die Nässe nicht sondern kann gleichmässig aufgesaugt werden. Alles wächst und gedeiht leichter, wo sie am Werk sind. Oder anders ausgedrückt:

Wo sie fehlen, leidet das Ökosystem!

Bis zu 20 Blätter zieht so ein Wurm jede Nacht in seine Gänge und klebe sie dann dort mit seinem Schleim fest. Da Regenwürmer keine Zähne besitzen, warten sie, bis Pilze und Bakterien die Pflanzenteile mundgerecht vorbereitet haben. Sobald die Pflanzenteile verrottet sind, kann der Brei mühelos aufgenommen und verdaut werden. In ihrem Darm wird Erde, Pflanzenreste und co wieder mit Pilzen und Bakterien vermischt. Regenwurmhäufchen sind deshalb der beste und nährstoffreichste Dünger für jeden Garten! Für jeden Boden! Und das ganz umsonst!

Ich versuche die Würmer bei der Gartenarbeit nicht aus Tierliebe zu verschonen, eher aus …Respekt… und aus Eigennutz! Je mehr Würmer, desto besser… 🙂

Natürlich spreche ich auch mit ihnen, wenn ich sie vorsichtig von der Straße sammle oder wenn sie meiner Schaufel im Wege sind. Die Gartenwürmer haben zwar weder Augen noch Ohren, nur lichtempfindliche Zellen, über den gesamten Körper verteilt …aber es schadet nie, nett zu sein…

Von der Straße sammle ich sie übrigens deshalb, weil Sonne und Trockenheit schnell zum Tod durch Ersticken führen. Regenwürmer benötigen stets einen bestimmten Feuchtigkeitsgehalt, denn die Aufnahme von Sauerstoff und die Abgabe von Kohlenstoffdioxid erfolgen durch die dünne, immer etwas feuchte und schleimige Haut. Sie sind Hautatmer!

Viele Menschen glauben tatsächlich, dass sich aus einem in der Mitte getrennten Regenwurm, zwei neue entwickeln würden. Das ist natürlich Blödsinn! Wenn das stimmen würde, müsste ein Teil des Wurms dann mit seinem Hinterteil essen. Einzig das Ende mit den lebenswichtigen Organen lebt weiter, und kann nachwachsen. Aber auch das funktioniert nur selten, denn ein verletzter Regenwurm wird meist Opfer von Bakterien und Pilzen. Also Vorsicht bei der Gartenarbeit.

Regenwürmer stehen für Leben im Garten, für Bio und Vielfalt! Aber wie allen Lebewesen, machen wir auch den Würmern das Leben schwer oder wir tun unser Bestes, sie zu dezimieren oder auszurotten. Pestizide im Garten und auf den Feldern sind des Wurmes Tod. Bereits eine Anwendung genügt.

Der Ammoniak, in der Düngung mit Gülle, verätzt ihre Haut. Die intensive maschinelle Bodenbearbeitung zerstückelt sie und das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat vermindert ihre Fortpflanzung! Auch Monokulturen bedeuten eine erschwerte Lebensgrundlage, denn werden die Äcker gesäubert, verhungern die Würmer.

Mehr als die Hälfte der insgesamt 46 Wurmarten, die es in Deutschland gibt, werden bereits als „selten“ oder sogar „extrem selten“ eingestuft. Zum Teil ist die Anzahl bereits unter 30 Tiere pro Quadratmeter gesunken! Der Durchschnitt lag einmal bei rund 120 Exemplaren.

Leider kann ich allein wenig gegen die Dummheit anderer Menschen ausrichten, die mutwillig eine wichtige Lebensgrundlage für unser Ökosystem vernichten … Aber zumindest in meinem Garten gibt es kein Gift, hier legt niemand Hand an die Würmer … und nach meinem kleinen Vortrag, hat das auch jeder verstanden. Am Ende des Tages fischten alle erst nach den Regenwürmern in den Pflanzlöchern, ehe Spaten und Schaufel zum Einsatz kamen und wir freuten uns über jedes gerettete Exemplar. Na also …geht doch 😉

Bettina Marie Schneider – Gutes Karma to go

3 Gedanken zu „Nur ein Regenwurm? Ihr habt ja keine Ahnung!“

  1. Liebe Bettina, ich danke Dir für diesen Beitrag und freue mich sehr, eine weitere Regenwurmretterin und -schützerin kennen zu lernen ❤ Selbst während meiner Arbeit (ich bin unterwegs mit dem Rad) halte ich für Regenwürmer an, um sie in sichere Gefilde zu bringen und hoffe, wie bei den Schnecken ebenfalls 🤭, die für sie richtige Richtung gewählt zu haben. Ich kann einfach nicht vorbei fahren. Regenwürmer sind ein Indikator für guten Boden, so wurde es mir immer gesagt und das ist eben hängen geblieben. Und das ist gut so. 🙂

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  2. Danke … und ja, sie sind ein Indikator für guten Boden … wir werden das vermutlich erst bemerken, wenn es zu wenige von ihnen gibt …

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