Tierschutz

Wer hat Schuld, wenn die Regale leer bleiben?

Wer ist schuld, wenn die Regale leer bleiben und die Förderbänder stillstehen? Die Antwort scheint für viele ganz einfach zu sein! Nie wird in Erwägung gezogen, dass die Politik dafür verantwortlich zeichnet.

Offenbar ist man sich einig, Schuld sind einzig die geldgierigen Unternehmer, die alles ins Ausland verlagert haben! So oder so ähnlich wird in den Kommentarspalten derzeit das Zusammenbrechen der Lieferketten einzig den Herstellern zugeschoben.

Aber warum produzieren Firmen eigentlich im Ausland? Warum kaufen sie ihre Bauteile in Fernost?

Warum wird ein so großer Teil der Waren importiert, anstatt sie im eigenen Land herzustellen? Ist es nur die Gier?

In meinen Augen ist es längst nicht nur Gewinnmaximierung. Wer ein Produkt herstellt und die letzten Jahre überleben wollte, der war beinahe schon gezwungen, sich im Ausland nach neuen Produktionsquellen umzusehen. In einer freien Marktwirtschaft entscheidet nicht nur Qualität sondern auch der Preis. Wer nach wie vor in Deutschland herstellt und Arbeitsplätze schafft, muss tief in die Tasche greifen.

Allein die Arbeitskosten in Deutschland liegen durchschnittlich rund ein Drittel über dem EU-Durchschnitt … von unseren Handelspartnern in Fernost gar nicht zu reden.

Gemessen am EU-Durchschnitt von 28,00 Euro zahlten deutsche Arbeitgeber des Produzierenden Gewerbes und wirtschaftlicher Dienstleistungen im Jahr 2020 rund 31 % mehr für eine Stunde Arbeit.

Die Arbeitsstunden in der deutschen Industrie waren 46 % teurer als im EU-Durchschnitt.

Das bedeutet für jeden Unternehmer, ehe ein Cent Gewinn fliesst für seine Arbeit und für seine Investitionen, muss er diese Differenz im Preis für seine Erzeugnisse erst einmal zusätzlich erwirtschaften.

Der beliebte Slogan in den 80er Jahren: Die 35 Stundenwoche schafft Arbeitsplätze … aber leider in Fernost!… ist zwar überzogen aber zeigte auf, wo die Reise hingehen würde. Andere Unternehmen, Nachbarn in Europa oder in Fernost können weitaus günstiger produzieren, selbst wenn man die Transportkosten zusätzlich einrechnet…

Hand aufs Herz, wer kann es sich leisten, einzig im Land produzierte Ware zu kaufen, die dann fast doppelt so teuer ist. Das kann weder der kleine Konsument noch ein mittelständischer Hersteller, der den höheren Preis ebenfalls aufschlagen müsste, wenn er sein fertiges Produkt anbietet.

Auch in Sachen Steuern sind wir an der Spitze. Hiesige Betriebe müssen im rechnerischen Mittel 30 Prozent vom Gewinn an Unternehmenssteuern abgeben. Nein, diese Zusammenfassung erhebt keinerlei Anspruch auf wirtschaftliches Fachwissen. Es ist gesunder Menschenverstand, der mich oft die Stirn runzeln lässt, wenn die derzeitige Problematik einzig auf die bösen Unternehmer geschoben wird. Ich sehe die Problematik in der Wirtschaftspolitik der letzten Jahre.

Die Verlagerung der Produktion oder von Bauteilen ins Ausland geschah in vielen Fällen nicht freiwillig.

Wenn eine Regierung Steuern, Lohnnebenkosten, Sozialabgaben, Energie und Rahmenbedingungen für Unternehmen beständig verteuert, dann treibt sie sie damit langfristig entweder in den Ruin oder ins Ausland, um die Verteuerungen auszugleichen. In der globalisierten Welt kann nur der überleben, der preislich mit den günstigeren Anbietern mithalten kann.

Es gibt sie, die gierigen Konzerne, die einzig aus Geldgier im Ausland produzieren aber nach wie vor ist es besonders der Mittelstand, der entweder durch die (staatlich vorangetriebene) Kostenexplosion vertrieben wurde, der aufgeben musste, (wir haben bereits ganze Branchen verloren), oder der Lieferketten und Produktionsstandorte umstellte, die Bauteile für seine Produkte im Ausland produzieren oder erwerben musste, um Kosten einzusparen, damit er weiterhin wettbewerbsfähig bleibt.

Die Energieverteuerung wird diesen Vorgang noch einmal dramatisch befeuern. Ich sehe darin endgültig das AUS für die deutsche Wirtschaft, mit allen unguten Konsequenzen.

Um Ware zu produzieren wird Strom benötigt.

Deutschland hatte 2021 bereits den zweithöchsten Strompreis weltweit!

Keine guten Voraussetzungen für Hersteller, die gerne im eigenen Land produzieren möchten… wenn andere Hersteller aus dem Ausland mit deutlich günstigeren Konditionen in den Markt drängen.

Geiz ist nicht nur geil sondern für viele Konsumenten mittlerweile eine Notwendigkeit.

Corona und der Krieg sind nicht die Ursache für die derzeitigen Probleme, sie zeigen nur auf, was passiert, wenn man in einer globalisierten Welt die Unternehmen im Land über die Schmerzgrenze belastet.

Alle reden von den „gierigen Großkonzernen“. Aber es sind andere, die unsere Wirtschaft am Laufen halten. Sie kämpfen jeden Tags um ihr Überleben!

Mittelständische Unternehmen sind der Erfolgsfaktor der deutschen Wirtschaft:

„Über 99 Prozent aller Unternehmen in Deutschland sind Mittelständler.

Sie tragen rund 61 Prozent zur gesamten Netto-Wertschöpfung bei, stellen 55 Prozent der Arbeitsplätze bereit

und beschäftigen 80 Prozent der Auszubildenden.“ (Diese Zahlen stehen auf der Webseite des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz.)

Seid nett zu den deutschen Unternehmen… auch wenn man euch bereits von Klein auf beigebracht hat, dass Unternehmer von Haus aus böse und raffgierig wären.

Wir benötigen sie und ihre Leistungskraft mehr denn je… klingt seltsam ist aber so ❤

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