Aufreger, Tierschutz

Manchmal würde ich gerne sterben

Jeder ist gerade auf seine Weise damit beschäftigt, sich selbst, seine Liebsten, seine Wohnung, sein Haus, sein Unternehmen so gut wie irgend möglich zu wappnen, vor dem, was kommt. Das ist längst nicht nur abhängig von dem jeweiligen Einkommen. Jeder kämpft. Es war nicht so, als ob man vorher nicht wusste, wohin mit dem Geld, auch wenn die allgegenwärtigen Spartipps das suggerieren.

Ich habe für mich an Vorsorge getroffen, was im Rahmen meiner Möglichkeiten machbar war. Ob es ausreichend sein wird, für das, was nun kommt? Ich weiss es nicht. Mehr war nicht möglich. Nun lehne ich mich aber nicht zurück sondern jetzt versuche ich, andere über Wasser zu halten.

Manche von ihnen schreiben mir:

„Manchmal würde ich gerne sterben.“

Es sind Menschen, die für ganz besonders schutzbedürftige Wesen Herz, Haus und Geldbeutel geöffnet haben.

Für ein ausgemergeltes Kutschenpferd, das bisher nur Schläge kannte.

Für ein kleines Kaninchen, das die Besitzer in seinem engen Käfig fast verhungern und verdursten liessen, ehe sich jemand erbarmte.

Für den Hund, der so geprügelt wurde, dass sein Bauch fast auf der Erde schleift, wenn er wagt, sich zu bewegen.

Für das Täubchen, das mit gebrochenen Flügeln auf der Straße kauerte.

Für das Schwein, das tapfer vom Transporter in den Tod auf die Straße in die Freiheit sprang.

Für die blinde Katze, der man Säure ins Gesicht gespritzt hatte.

Für das Huhn, das federlos und wie ein Geisterschatten seiner selbst aus der Massentierhaltung ausgemustert wurde.

Für das Eichhörnchen, das mutterlos umher irrte.

Für den Igel, der mit abgefrästem Gesicht im Garten lag.

Tierheime, Wildtierstationen und Gnadenhöfe werden überwiegend privat geführt und finanziert. Hier in Deutschland genau wie im benachbarten Ausland.

Wer die Tiere aufnimmt, ganz gleich ob es heimatlose Straßentiere im Süden oder verletzte Wildtiere und ausgemusterte „Nutztiere“ in unseren Breitengraden sind … der ist für sie verantwortlich. Der ist beseelt von dem Wunsch, irgendwie wieder gut zu machen, was ihnen angetan wurde.

Der ist finanziell komplett auf sich allein gestellt!

Was glaubt ihr, was gerade los ist, landauf, landab, hier im Land genau wie bei vielen unserer europäischen Nachbarn. Während täglich die wunderschöne Bilder von Tierrettungen in der Ukraine das Herz der Leser erfreuen, treffen bei mir ganz andere Bilder und Nachrichten ein.

„Was soll ich nur mit meinen Tieren machen?“

„Wir müssen schliessen“

„Wir sind am Ende!“

„Wir haben kein Futter mehr, kein Geld für den Tierarzt“

„Wir haben Aufnahmestopp“

Und ja, immer öfter auch der Wunsch, sich all dem für immer zu entziehen.

Einfach die Augen zu schliessen, für immer.

Keine Existenzsorgen mehr, die jeden Tag gravierender werden.

Das hungrige Bellen, das Jammern verletzter Tiere nicht mehr zu hören, denen man nicht mehr helfen kann, weil das Geld fehlt. Keine schlaflosen Nächte mehr, in denen man verzweifelt überlegt, was mit den Tieren in Obhut passieren soll, wenn man aufgeben muss, schutzlose Lebewesen, die man liebt, die bereits so viel durchgemacht haben und die nun bald wieder zurück auf die Straße gesetzt werden müssen, die man abholen, einschläfern in irgendein Todesshelter oder zum Pferdemetzger bringen wird.

Das große Sterben des Tierschutzes in Europa hat begonnen.

Diejenigen, die nicht zuletzt auch für Tierschutz gewählt wurden, sind zynischerweise seine Totengräber.

Wohin man sieht, herrscht Angst und Verzweiflung. Von behördlicher Seite kommt keine Hilfe, einzig mehr Bürokratie. Und die Spender, die bisher alles notdürftig über Wasser hielten, müssen jetzt selbst kämpfen.

Ich hatte Tränen in den Augen, als ich die Nachricht abhörte, die immer wieder von Schluchzen unterbrochen war und mit den Worten endete:

„Manchmal würde ich gerne sterben. ich schaffe es einfach nicht mehr, meine Hunde zu versorgen, aber sie haben doch nur mich!“.

Zu oft hatte ich das in ähnlicher Form in den letzten Tagen und Wochen lesen oder hören müssen.

Mein Verein Frieden für Pfoten e.V. hat heute dorthin 800 Euro gesendet. 800 Euro sind viel Geld aber für 110 hungrige Hunde wird es leider nicht lange reichen, bis zum nächsten Futternotstand.

Viele Patenschaften sind dort weggebrochen, viele Spender haben die Überweisungen eingestellt, nachdem sie ihre Nebenkostenabrechnungen erhalten haben und nun selbst kämpfen. Zeitgleich explodieren Futterkosten, Energiepreise und Tierarztrechnungen.

Manche Leser schreiben mir erbost, warum ich oftmals so zornig bin, warum ich so oft unsere derzeitige Politik anprangere und auf deren desaströse Folgen hinweise. Nun, ich habe gute Gründe dafür und viele der Folgen schlagen bei mir oftmals schon ein wenig eher auf, bevor andere es schmerzhaft spüren. Ich spreche nicht nur mit Tierschützern sondern auch mit Unternehmern. Same Story.

Dann schreibe ich über Dinge und Zukunftsszenarien, die mir anfangs niemand so recht glauben will. Das tat ich auch zu Beginn des Krieges, ich wies daraufhin, dass darüber der restliche Tierschutz in Europa crashen wird.

Es ist gerade die traurige Realität, sie ist nur nicht in den Medien zu finden.

Bei Krieg, in Katastrophenfällen und bei Geldnot sind es immer die Tiere, die als erste leiden. Dann sind die Menschen an der Reihe.

Und jetzt versuche ich weiter, zu retten, was zu retten ist.

Sie alle tun mir so unendlich leid. Die allein gelassenen Menschen genau so, wie die Tiere ❤

3 Gedanken zu „Manchmal würde ich gerne sterben“

  1. Liebe Bettina, Marie,
    diese Zeit ist wirklich hart und irgendwie hat man das Gefühl, all die Krisen, Katastrophen und das Klima, es wird immer mehr, hört nicht auf.
    Aber, so merkwürdig sich das anhören mag, es muss so sein. Der Mensch wird gezwungen sein umzudenken oder alles geht hernieder.
    Wir sind zuviele Menschen auf dem Planet, die Erde wird immer mehr nur ausgebeutet. Massentierhaltung, Überdüngung, Überfischung, Plastik überall.
    Wir machen sie nicht nur Untertan, sondern kaputt.

    Es ist zum heulen oder zum verzweifeln. Wir müssen da durch. So gut es geht zusammenhalten, helfen.
    Ich überweise demnächst auch wieder etwas, versprochen.

    Herzliche Grüße
    Claudia

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