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Geschichten aus Lunas Sternengarten – Das große Sterben auf den Straßen hat begonnen…

Geschichten aus Lunas Sternengarten 🌠

Auch in Lunas Sternengarten beobachtet man besorgt, was gerade auf der Erde passiert. Corona, Krise und Krieg, wohin das Auge sieht und immer sind die Tiere die ersten, die die Folgen zu spüren bekommen.

„Ist alles in Ordnung, meine Liebe? Du wirst in der Halle erwartet, wir haben so viele Neuankömmlinge, vielleicht möchtest du ein paar Worte zur Begrüßung sagen…“

Valerion leckte seiner Gefährtin besorgt über die Ohren. Sie saß seit Stunden regungslos am Rande des Sternengartens. Einzig ihre Augen wanderten von einem Drama zum nächsten, das sich gerade irgendwo auf den Straßen oder in einem armen Shelter abspielte. Auch jetzt verzog sie keine Miene während sie antwortete.

„Gib mir noch ein paar Minuten, ich bin gleich soweit. Geh schon einmal vor… und sag Leo bitte, wir brauchen mehr Platz … viel mehr Platz! Er soll sein Rudel mit einspannen, Enzo ist bereits informiert.“

Dann richtete sie den Blick wieder konzentriert auf einen Punkt, weit entfernt, auf der Erde. Eine durchscheinende Wolke aus Sternenstaub schwebte über ihr in der Luft, bereit, auf die Reise zu gehen. Es war ein magischer Traum, der jemandem Trost und Linderung bringen sollte, während er mit dem Hungertod rang.

Valerion kannte Luna mittlerweile gut genug, um zu wissen, dass er sie jetzt besser allein lassen sollte. Er schnurrte noch einmal aufmunternd und dann machte er sich daran, ihre Aufträge auszuführen. Seit Wochen war im Sternengarten Hochbetrieb! So viele Neuankömmlinge, so viele, die Trost benötigten. In Lunas Sternengarten genauso, wie auf der Erde!

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Das Schwarz wechselte manchmal zu Grau, dann konnte er zumindest Umrisse ausmachen. Der Regen hatte die sengende Hitze abgelöst und schluckte alle Geräusche. Es war schwer für ihn, sich zu orientieren. Er wusste nicht, warum die Mülltonne seit Wochen leer blieb, warum keine Urlauber mehr das kleine Restaurant besuchten, dessen Abfälle ihn ernährt hatten. Er rätselte wie alle anderen Katzen in seiner Straße, wo die Menschen waren, die zwar oft Tritte und Schläge verteilten, aber auch stets kostbare Abfälle.

Besonders freundliche Menschen warfen die Essensreste sogar auf den Boden oder stellten sie neben den Abfallcontainer, so dass er nicht hinein springen musste. Jeder Sprung ein Risiko, jede Mahlzeit ein kostbarer Schatz. Jede Mahlzeit ein Kampf. Er hatte sich tapfer in diesem Kampf geschlagen. Drei Winter und drei Sommer lang. Wer es schaffte, den Winter, die lange Zeit der Futterknappheit, auf der Straße zu überleben, der wurde im Frühling belohnt, wenn es endlich wieder Abfälle gab.

Warum sein Restaurant in diesem Frühling nicht mehr öffnete, warum der Platz, wo sonst Tische und Stühle standen, leer blieb, wusste niemand zu sagen. Er verlor erst seinen Futterplatz, dann die Kraft und zuletzt sein Augenlicht. Versonnen blickte er in den grauen Regenhimmel, dahin, wo er den grauen Regenhimmel vermutete. Obwohl er wusste, dass es nicht sein konnte, dass seine Augen längst zerstört waren, hatte er dort gestern Nacht eine weiße Katze gesehen, die zwischen den Wolken saß und ihm zublinzelte. „Alles wird gut…“ schien dieses Blinzeln zu sagen.

„Lass los … es gibt bessere Plätze für eine Straßenkatze, als deine schmutzige Pfütze vor einer leeren Mülltonne. Wir warten bereits auf dich… du musst keine Angst haben, komm zu uns in den Sternengarten, dort wird es dir gefallen … ich zeige dir den Weg dahin!“

Er war müde, so unendlich müde, beständig einen Kampf zu kämpfen, den er niemals gewinnen konnte. Auf dieser Welt war kein Platz für einen schmutzigen, kranken Streuner wie ihn. Der struppige Kater schloss die Augen, das undurchdringliche Grau wurde wieder zu Schwarz. Er zitterte vor Erschöpfung und Schwäche, während der Gewitterregen unbarmherzig sein Fell durchnässte. Die weiße Katze wich nicht von seiner Seite und schnurrte ihn in den ewigen Schlaf.

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Auch auf der Erde beobachte jemand seit geraumer Zeit die zunehmende Not der heimatlosen Straßentiere, deren Leben bereits ohne Krise ein einziger Überlebenskampf war, und sie wollte gerne helfen.

„Bist du mein süßer Schatz oder bist du mein allersüßester Schatz?“ Sie lachte und drückte ihre Nase in flauschiges Fell, während von der anderen Seite eine dicke, weiche Pfote vorsichtig nach ihrer Hand angelte. Gruppenkuscheln mit Katzen war angesagt.

„Gleich gibt es Frühstück, Jungs … und dann brauche ich euch, geschniegelt und gebügelt und ohne Prügeleien! Fotosession steht an! Keine Ausreden! Wenn man so hübsch ist wie ihr, dann muss man sich auch fotografieren lassen … ich brauche eure hübschen Näschen für Werbung … nicht allen geht es so gut wie euch!“

Während sie auf dem Weg ins Erdgeschoss kurz am Computer Halt machte und mit gerunzelter Stirn die neuesten Hilferufe nach Futter und Geld überflog, die beständig bei ihrer Tierschutzorganisation eintrafen, sprangen die beiden jungen Kater aus dem Bett, sausten an ihr vorbei, in die Küche und stürzten sich über das Frühstück. Erst kuscheln, dann lecker Futter, so viel das Herz begehrt und dann eine Runde prügeln! Dass sie fotografiert werden sollten, hatten sie bereits wieder vergessen. Das Leben war schön…

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Lunas Stimme war weich und ungewohnt zärtlich, als sie ihn in Empfang nahm.

„Ich habe auf dich gewartet! Du hast es geschafft. Jetzt machen wir dich erst einmal trocken und dann wird gegessen! Keine Sorge, deine Augen sind bald wieder OK, es dauert manchmal ein wenig, bis die Magie des Sternengartens wirkt.“

Der magere Kater öffnete zaghaft die Augen und bestaunte die schimmernde Wolke aus Sternenstaub, die ihn wie ein schützender Mantel umhüllte. Man konnte förmlich zusehen, wie die Kraft wieder in seinen gezeichneten kleinen Körper zurückströmte. Luna schnurrte beruhigend auf ihn ein, während ihre Magie wirkte.

„Und jetzt folge mir einfach, ich zeige dir den Weg! Nicht erschrecken, die Hunde hier sind manchmal ein bisschen ungehobelt und manche der Ratten sind kleine Nervensägen aber jeder hier meint es gut mit dir. Willkommen in meinem Sternengarten! Du wirst nie wieder hungern, das verspreche ich dir! Wie heißt du eigentlich, hattest du einen Namen auf der Erde?“

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Ehe sie sich mit ihrem Neuzugang auf den Weg zum großen Festsaal machte, um ihn den anderen vorzustellen, warf Luna noch einmal einen kurzen Blick über den Rand des Sternengartens. Ihre Schnurrhaare zuckten amüsiert. Fotosession mit den Austen Boys. Die beiden waren wenig begeistert aber meisterten ihre Aufgabe hervorragend!

Sie war stolz auf ihre Nachfolger auf Erden und auch auf ihren Herzensmenschen, auf jeden, der gerade mit aller Kraft versuchte, gegen diesen Strudel aus Elend und Verzweiflung anzugehen. Das große Sterben auf den Straßen hatte begonnen. Auch alle Bewohner von Lunas Sternengarten wollten gerne helfen, die Not etwas zu lindern. Jetzt wurde jede Pfote gebraucht! Es gab noch viel zu tun…

(c) Geschichten aus Lunas Sternengarten – Bettina Marie Schneider

#GeschichtenausLunasSternengarten

#guteskarmatogo

#friedenfuerpfoten

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