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Der Prophet gilt nichts im eigenen Land…

Gerade habe ich aufmerksam einen Beitrag unserer örtlichen Lokalzeitung gelesen. Man lädt Tierschutzvereine aus der Region ein, sich vorzustellen. Man darf bei dieser Gelegenheit dann auch um Spenden werben.

Nun kaue ich grübelnd auf meinem imaginären Stift und überlege, ob eine Teilnahme Sinn machen würde und was ich schreiben sollte. Noch nie hat sich irgend jemand in meinem Städtchen dafür interessiert, was ich tue oder was wir tun. Bis auf ein paar enge Freunde hat mir noch nie jemand einen Cent Spenden gesendet. Während regelmäßig Interviewanfragen aus aller Herren Länder bei mir in der Post sind, weil viele Menschen gerne mehr über unsere Arbeit- und Arbeitsweise erfahren möchten, erhalte ich vor Ort nicht einmal eine Antwort, wenn ich meine Stadt freundlich um Stellungnahme zum Thema Stadttauben bitte…

Der Prophet gilt nichts im eigenen Land, jedenfalls nicht, wenn seine Tätigkeit weder mit Taubenzucht, mit Obst- und Gartenbau oder mit einer Schützengesellschaft in Verbindung steht. Fand man dann noch die Mitgliedschaft in einem der ansässigen Serviceclubs wenig erstrebenswert und findet bei keiner Partei so richtig „Heimat “ , dann ist man raus und arbeitet unter dem Radar der öffentlichen lokalen Wahrnehmung.

Was mir, das gebe ich ehrlich zu, stets sehr angenehm war. Ich würde ungern in einem Lokal sitzen und alle naselang kommt jemand an den Tisch, der mir von einem schrecklichen Fall von Tierquälerei berichtet oder diskutieren möchte, ob ich mich nicht schäme, mit meinen kritischen Artikeln zur Massentierhaltung und zum Thema Milchkonsum die fleißigen Landwirte zu diskreditieren.

Nein, das muss jetzt nicht unbedingt sein 🙂

Auf der anderen Seite… wenn es um Spenden geht …

Frieden für Pfoten e.V. hat über die Jahre vielen tausend Tieren ein würdiges Leben an einer betreuten Futterstelle ermöglicht. Heerscharen von ungewolltem Nachwuchs auf der Straße verhindert, weil Kastration oberste Priorität ist. Leid lindern ist gut, Leid verhindern, ehe es entsteht, ist besser!

Frieden für Pfoten e.V. wirkt ehrenamtlich mit einem Team das über ganz Deutschland verstreut ist. Jeder ein Spezialist auf seinem Sachgebiet. Übersetzungen, Kenntnisse über Landesgesetze, Zollvorgaben, Transportwesen, Medizinisches Know How gehört ebenfalls zum Aufgabenbereich. Meine Artikel, Kurzgeschichten und Ausführungen rund um das Thema Tierschutz werden von vielen großen Plattformen übernommen und haben mittlerweile Millionen Menschen erreicht.

Unsere Arbeit für Tiere findet nicht nur in Deutschland sondern quer durch Europa statt. Wir unterstützen unbürokratisch kleine Tierheime, Shelter, Gnadenhöfe, Wildtierhilfen und Privathelfer in Not. Auch für zurückgelassene Tiere im Krieg und für die Opfer der zahlreichen Waldbrände leisten wir Unterstützung.

Unsere Hauptaufgabe liegt jedoch buchstäblich auf der Straße. Die unzähligen hungrigen, kranken und vergessenen Straßentiere, für die niemand zuständig ist, um die sich niemand kümmert, für die es keinen Platz auf der Welt gibt, außer in einem der grausamen Todesshelter.

Dafür erhielt unser Verein den Europäischen Tierschutzpreis.

Jeden Tag versorgen wir durch unsere Netzwerke mittlerweile rund 2000 von ihnen mit Futter, medizinischer Versorgung und natürlich auch mit Kastrationen. Unsere Partner im Tierschutz wirken in Griechenland, in Serbien, Spanien, Italien, in Rumänien und natürlich auch in Deutschland.

Die Frieden für Pfoten Community umfasst mittlerweile rund 50.000 Menschen. Viele von ihnen spenden oder wirken aktiv mit. Jede geleistete Arbeit ist ehrenamtlich. Das war uns von Anfang an sehr wichtig. Nur so ist es möglich, die Verwaltungskosten weiterhin unter einem Prozent zu halten. Das Geld kommt dort an, wo es dringend benötigt wird, einzig bei den Tieren.

Hm … an dieser Stelle höre ich auf zu schreiben. Das klingt vielleicht für manche so, als ob wir so groß wären, dass wir kein Geld bräuchten. Auch nicht gut.

Denn nie war die Not größer, nie war Tierschutz verzweifelter. Wir bangen um jeden Cent, denn die Einbrüche durch Corona, Krieg und Krise sind dramatisch, überall.

Aber möchte ich meine/unsere Arbeit mit einem Jammer Artikel in unserer Lokalzeitung vorstellen? Da schlafe ich noch eine Nacht drüber. Vielleicht bleibt aber auch alles, wie es ist.

Denn der Prophet muss gar nichts im „eigenen Land“ gelten, wenn er bereits in „anderen Ländern“ wunderbar unterstützt und gefördert wird. Dort sagt auch niemand herablassend mir:

„Ach, du kümmerst dich also in jeder freien Minute um Tiere in Not? Du bist doch eine attraktive Frau. Da gibt es doch sicher angenehmeres! Hast du kein Leben?“

—-

Das Kätzchen auf dem Bild stammt aus Annas betreuter Straßen-Kolonie in Griechenland. Es benötigte medizinische Behandlung. Leider hat es nicht überlebt. Die Hilfe kam zu spät…

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