Aufreger, Lifestyle

Lehrt eure Kinder, zurück zu schlagen!

Ich hatte das unglaubliche Glück in einer friedlichen Gesellschaft aufzuwachsen…

Die Gewalt, die hinter verschlossenen Türen stattfindet, die gab es leider auch…aber zumindest der sogenannte „öffentliche“ Raum war eine Schutzzone, die sich über das gesamte Land erstreckte.

Mit wenigen Ausnahmen, die jedem bekannt waren, und die man mied, wenn man keine Lust auf Schlägereien, Betrunkene oder aggressive Mitmenschen hatte, konnte man sich als Frau, als Kind, als Behinderter oder Obdachloser überall in der Öffentlichkeit bewegen. Wir kannten Regeln, in öffentlichen Verkehrsmitteln, bei Veranstaltungen, auf den Straßen, in den Pausenhöfen, eigentlich überall, wo Menschen aufeinander trafen… und das Beste daran, sie wurden weitestgehend eingehalten.

Wenn bei einer Auseinandersetzung jemand am Boden lag, trat man ihm nicht brutal gegen den Kopf, man achtete Bedienstete, in Bahn und Bussen, man hatte tatsächlich so etwas wie Respekt vor Polizeibeamten und wer es wagte, sie trotzdem vorsätzlich zu verletzen und Widerstand zu leisten, hat das schnell bereut.

Wer im „öffentlichen Raum“ angegriffen wurde, konnte mit Hilfe rechnen, darauf würde ich mich heute nicht mehr verlassen und, was noch schlimmer ist, ich würde es auch niemandem guten Gewissens raten, Hilfe zu leisten denn jeden Tag gibt es Berichte über Helfer, die dann selbst zum Opfer brutaler Gewalt wurden. Die Hemmschwellen sind verschwunden, die Gerichte überlastet und wenn mittlerweile selbst Polizeibeamte berechtigte Angst um Leib und Leben haben, sollte sich jeder überlegen, ob er schwerste Verletzungen oder Schlimmeres riskiert, wenn wieder einmal ein „Psychisch Kranker“ , „Tierhasser“, „Randalierer“, wenn  „Gruppen“ oder „Jugendliche“,  hemmungslos Gewalt ausüben. Früher nannte man sie einfach „Verbrecher“. Deutschland hat viele Probleme aber vor allem ein gewaltiges „Gewaltproblem“, das sich durch alle Schichten, Altersklassen und Bereiche zieht und eine neue Form der Brutalität und Hemmungslosigkeit macht sich breit, die mir Angst macht und die besonders die Schwächeren trifft.

Sie trifft Kinder, Frauen, Alte, gebrechliche Menschen, Tiere, sie trifft alle aber bevorzugt Schwächere, die ein leichtes Ziel sind und dazu die Menschen, die ihnen beistehen möchten.

Ich möchte hier nicht darauf eingehen, woher die zunehmende Gewalt kommt, sie wurde lange in Statistiken beschönigt aber mittlerweile sprechen die Zahlen eine deutliche Sprache, wobei man sich darüber im Klaren sein muss, die Dunkelziffer ist ungleich höher und dabei ist Tierquälerei noch nicht einmal eingerechnet.. Da draußen tobt mittlerweile Krieg, und nur wenige, meist ländliche Bereiche, sind bisher davon verschont geblieben. Aber wir holen gerade rasant auf.

Mir wurde noch beigebracht, Konflikte friedlich zu lösen, ich lernte in der Freizeit tanzen und malen aber es wäre mir lieber gewesen, ich hätte diese Zeit mit Kampfsport, Schießen oder anderen Optionen der Selbstverteidigung verbracht. Es schien nie notwendig, unser Leben war ein anderes, ehe sich die gesellschaftlichen Werte verschoben, die Erziehung wandelte, Familie eine Randerscheinung einzig am Wochenende wurde, seit sich Grenzen öffneten (damit meine ich längst nicht nur das Jahr 2015) , seit die Justiz zur Kuscheljustiz wurde und Dinge zur Normalität, die einst zu einem Aufschrei in allen Medien geführt hätten. Gewalt ist heute eher eine Randnotiz, zu viel davon an zu vielen Stellen.

Wer also Kinder, Tiere, alte Menschen oder andere Schutzbedürftige…vielleicht auch sich selbst… schützen möchte, wer in der Lage sein möchte, sich und andere zu verteidigen, darf heute weder auf Staat auf Polizei oder auf die lieben Mitmenschen hoffen, sie können nicht überall sein und sie sind oft genauso schutzlos und fassungslos. Die Zeiten haben sich geändert, unsere Gesellschaft hat sich verändert, unser ganzes Land hat sich verändert.

Ich denke es ist an der Zeit, unseren Kindern beizubringen, sich auf diese Veränderungen einzustellen…sie müssen lernen, sich und andere zu verteidigen, wenn es darauf ankommt,  und zwar von klein auf.

Die meisten Kampfsportarten vermitteln nicht nur Disziplin und Werte sondern ermöglichen effektive Verteidigung, wenn es tatsächlich einmal zum Schlimmsten kommt. Sie ermöglichen auch Frauen, effektive Gegenwehr, lehren, wie man entwaffnet und Verletzungen bei Stürzen vermeidet. Genau das,was unsere Kinder derzeit benötigen, wenn sie alleine auf Bahnhöfen, auf dem Schulweg, in der Stadt oder am Abend unterwegs sind. An manchen Schulen benötigen sie es bereits am Pausenhof…

Peace und Love, die Botschaft meiner Generation wird leider nur noch von einer Minderheit gelebt. Schenkt euren Kindern neben Liebe und einer guten Schulbildung die Chance auf Selbstverteidigung und Schutz. Wenn sie sich und andere schützen wollen, dann müssen sie lernen, wie das geht.

Ich hätte niemals gedacht, dass wir 2019 über solche Dinge nachdenken müssten. Aber wir sollten es, wenn uns unsere Kinder am Herzen liegen ❤

Toleranz überwindet Grenzen, doch eine braucht sie selbst: Sie muss verhindern, dass die Intoleranten die tolerante Gesellschaft ausnutzen, um sie in ihr Gegenteil zu verkehren.

judo

Aufreger, Tierschutz

Aber bitte nichts mit Tieren… ich mag nichts von Tieren sehen und hören!

Um diese Überschrift zu verstehen, die ich tatsächlich ernst meine, würde ich gerne versuchen, euch auf eine Reise in meinen Kopf mitzunehmen.

Dort ist es in vieler Hinsicht ziemlich unsortiert. Eigentlich unsortierter, je älter ich werde und je mehr ich erkennen muss, dass es nichts und niemanden gibt, auf den man sich wirklich verlassen kann, außer auf sich selbst, dass nichts beständig ist, einzig der Wandel und dass Werte verhandelbar sind … zumindest für die meisten Menschen. Was aber mittlerweile deutlich und unverrückbar in meinem Kopf sortiert ist, ….  das ist mein Erwachen in Sachen Tiere.

Ich habe fast 60 Jahre dazu gebraucht, traurig genug. Aber jetzt, wo es passiert, wurde meine Welt über Nacht zu Dantes Inferno. Ich bin wacher, lebendiger aber nicht unbedingt glücklicher. Ich lebe zwischen Sadismus, Grausamkeit und Bösartigkeit in unvorstellbarem Ausmass, bin manchmal sogar Teil davon und mein Verstand bebt in den Fugen, weil ich mich fremd, unwohl und was am schlimmsten ist…hilflos fühle, in einer Welt, die für die meisten ihrer Bewohner die Hölle ist. Wir haben sie dazu gemacht.

Es geht nicht nur um die hungernden Straßentiere, um Menschen, die Tiere vorsätzlich quälen, es geht nicht nur um die geschundenen Pferde, verhungerten Hunde und Katzen, misshandelten Stadttauben… großer Gott, wenn es das „nur“ wäre, ich wüsste Lösungen!

Aber die Liste ist unendlich, weltweit, quer durch alle Nationen, Religionen und Klassen…überall, wo Menschen auf Tiere treffen, auf Haustiere, Nutztiere, auf gedrillte Polizeihunde, Zirkusbären, Fische in Fischfarmen, Schweine in Schweinemastbetrieben, Kühe und Kälber in Milchbetrieben und dann auf ihren Leidens-Transporten in den Tod.

Lebendig verbrüht, abgestochen oder lebendig aufgeschlitzt, gehäutet, wenn geschächtet wird, als Jagdtrophäe, Kampfhund, Batteriehuhn, geschreddertes Küken, zerschmetterte Greifvögel an Windkrafträdern, als missbrauchte Brieftauben, zur Isolationshaft verdammte Hamster, gequälte Zirkusbären, Kaninchen und Vögel in ihren kleinen Käfigen, vergiftete Insekten, in Netzen gefangene Singvögel, gemarterte Stiere und dazu die gepeinigten Corrida Pferde, die abgeschlachteten Wale, die vergifteten Schwäne, vertriebenen Störche, zwangs-gestopften Gänse, verstümmelten Wollschafe, gepeinigten Lastentieren, gefolterten Versuchstiere, die  abgeschossene Wölfe… die Liste ist schier endlos und hässlich, so beschämend. Beschämend für uns Menschen!

Missbraucht…misshandelt…gefoltert…ausgebeutet…getötet.

Unser Leben, unsere gesamte Zivilisation basiert auf Folter, Ausbeutung , Raub und Gewalt an Schwächeren und Wehrlosen.

Ich sehe sie! Ich sehe sie alle, und ich kann sie sogar hören, wenn ich an Tiertransporten vorbei fahre, an  Zwingern und Schlachthöfen…ich fühle mit jedem Bild mit jeder Information, was sie fühlen … und niemand hört, was ich höre und niemand sieht, was ich sehe.

Seit ich zum Beispiel weiß, dass Schweine in etwa die Intelligenz und Empfindungsfähigkeit, damit auch das Schmerzempfinden und die Fähigkeit für Angst und Verzweiflung, eines dreijährigen Kindes haben… nicht nur vermute, denn es ist unumstritten wissenschaftlich belegt…seit ich das also weiß, und sehe, was sie erdulden müssen, wie unsäglich sie gehalten werden, wie bestialisch gequält bis zur Schlachtung… wie ihnen ohne Betäubung die Hoden abgeschnitten werden… bin ich nicht mehr die gleiche Frau, ist meine heile Welt nicht mehr dieselbe und alle meine Werte wurden aus den Angeln gehoben.

Wo steht geschrieben, Menschen wären wertvoller als andere Lebewesen, nur weil sie Menschen sind? Diese Überzeugung stammt einzig von Menschen, die diesen Hochmut auf Aussagen ihrer Götter zurück führen, Götter…die vielleicht gar nicht existieren. Sicher ist einzig: Das von uns verursachte Tierleid existiert, genau wie ihre Würde und ihre Rechte. Und jetzt???

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Sieh mir in die Augen und sag mir womit ich dieses Leid verdiene?

Meine Werte und wie ich Tiere bisher sah, basierten einzig auf Illusionen,  auf schönen Lügen und ich denke beständig: Mein Gott, was tun wir da? Was um alles in der Welt, tun wir diesen wehrlosen Mitgeschöpfen an und warum???

Meist behalte ich es für mich. Es gibt viele Menschen, die liegen mir am Herzen, sie können trotzdem nicht sehen, was ich sehe, vielleicht benötigen sie mehr Zeit, vielleicht werden sie die Welt und unsere Mitgeschöpfe darin, niemals mit meinen Augen sehen.  Wer bin ich, es ihnen vorzuhalten? Mir ging es schließlich bis vor kurzem nicht anders und nach wie vor bin auch ich Teil dieses Infernos…

Ich versuche mich zu arrangieren und das Thema Tiere zu vermeiden. Wenn ich es Fremden erzähle, wird es oft herunter gespielt, lächerlich gemacht…ich bin lästig…oder verrückt…oder beides? Fakten und Forschungsergebnisse über Leidensfähigkeit und Intelligenz, soziale Bindungsfähigkeit und Bedürfnisse der Tiere werden ignoriert.

Ich weiß genau, dass nicht ich es bin, die verrückt ist. Es sind die anderen, die Blinden, die Tauben, die vorgeben, all das nicht zu bemerken … die ausblenden, was wir an den Tieren verbrechen. Die nur deshalb noch Morgens in den Spiegel sehen können, weil sie den anderen Lebewesen, den NICHT-Menschen, Leidensfähigkeit, Würde und Intelligenz …die Seele absprechen. Nur wenn sie das erfolgreich verleugnen, können sie weiterhin mit ruhigem Gewissen, ihr Leben ohne Rücksicht weiterleben. Sie tun genau das und sie werden mir jeden Tag fremder.

Ich gebe noch nicht auf. Aber ich möchte von Tieren nichts mehr hören und sehen, zumindest wenn Menschen dabei involviert sind. Denn Tiere und Menschen…das endet fast immer mit einer Geschichte , die ich nicht hören möchte.

Wir sind den Tieren nicht wirklich überlegen. Wir sind alle Tiere! Was uns Menschen so besonders macht:

Wir sind einfach bösartiger als jede andere Spezies!

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Betäubungslose Kastration: Legal in Deutschland!

 

Aufreger

GLS…wir müssen reden…

Meine Geschichte fängt ganz harmlos an. Es klingelt an der Türe und ich freue mich darüber, denn der heiß ersehnte Paravent war endlich da. Heiß ersehnt, …weil man mich etwas betreten darauf aufmerksam gemacht hatte, dass mein Badezimmerfenster als Abend-Event bei einigen Herren in der Straße sehr beliebt ist und der Vorhang dort, offensichtlich nicht ganz so blickdicht, wie ich mir das dachte.

Ich beschloss, es den betreffenden Herren zu verzeihen… offensichtlich ist ihr Leben so ereignislos, dass selbst die verschwommene Silhouette einer unbekleideten Frau in 100 Metern  Entfernung, noch als Highlight gilt. Hüllte mich in Schweigen und einen zweiten Vorhang über den ersten… und überlegte, dass vielleicht etwas Sichtschutz im voll verglasten Wintergarten, auch keine schlechte Idee wäre. Also bestellte ich besagten Paravent.

Der Fahrer von GLS reichte mir das große Paket und streifte damit eine Mauerdekoration im Eingangsbereich, die prompt zu Boden ging. Das hässliche Geräusch während des Aufpralls verriet mir, dass die  große Keramikkugel es nicht heil überstanden hatte.

„Nichts passiert“ … meinte der Fahrer fröhlich und wollte gehen.

„Doch, es ist etwas passiert, haben Sie eine Versicherung?“, antwortete ich freundlich und zeigte auf die Kugel am Boden, hob sie auf und deutete auf das unübersehbare Loch, samt Sprung.

„Nein, habe ich nicht!“, war die barsche Antwort und er drehte sich um und wollte gehen.

„Aber GLS hat doch bestimmt eine Versicherung, für solche Vorfälle. Die Kugel war nicht billig und ich hätte den Schaden gerne ersetzt“, hakte ich energisch nach und fotografierte die Bescherung, man weiss ja nie…

„Wer weiss, ob die nicht vorher kaputt war“, erwiderte er und war bereits fast an seinem Wagen.

Jetzt war ich richtig sauer, über diese Dreistigkeit!

„Ich bräuchte bitte noch Ihren Namen!“.

Er gab mir keine Antwort, obwohl er es offensichtlich gehört hatte, denn er schüttelte nur mit dem Kopf, stieg ein und fuhr davon.

Ich dachte eine Weile darüber nach, was ich jetzt tun sollte und kam dann zu dem Schluss,  es ist zwar ärgerlich mit der Kugel und er war wirklich mehr als unverschämt aber dieser Verlust wird mich nicht so viel kosten, wie Ärger mit seinem Auftraggeber für ihn, falls ich richtig Terror deswegen mache.  Können könnte ich 😉 …. Aber das ist es nicht, was ich möchte.

Ich möchte einfach, dass die Menschen in diesem Land wieder anfangen würden, sich zumindest an die einfachsten Grundregeln, für den Umgang miteinander, zu halten.

Dieser Vorfall ist so banal wie typisch, wie das, was gerade an so vielen Orten passiert und es ist der Stoff, der unsere Gesellschaft, unser gesamtes Wertesystem subtil aber fortschreitend aushöhlt und zerstört. Im kleinen wie im Großen. Die Palette reicht von Unverschämtheiten bis hin zu brutaler Gewalt, Aber immer setzt sich jemand ganz selbstverständlich über Regeln hinweg, die eine Gemeinschaft benötigt, um zu überleben und sich sicher zu fühlen.

Die alte Grundregel : „Wenn ich etwas zerstöre, bin ich dafür verantwortlich“ wurde abgelöst durch das Denken:

1.Wenn ich etwas zerstöre und niemand hat es gesehen, dann ist es nicht mein Problem. 2. Wenn ich etwas zerstöre und es gibt Zeugen, dann soll man das Ganze erst einmal nachweisen, einfordern und einklagen.

Der Fahrer von GLS, dessen Nummer ich notiert habe und dessen Arbeitgeber das Ganze sicher nicht so lustig fände, er hat Glück gehabt. Eine Abmahnung würde seine Akte dauerhaft belasten und man kann davon ausgehen, dass er den Job braucht, sonst würde er nicht diesen aufreibenden Job machen. Aber ein schlecht bezahlter und anstrengender Job ist trotzdem noch keine Entschuldigung, das Eigentum anderer zu zerstören und dann seines Weges zu gehen. Das hätte ich ihm gerne noch erklärt…

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Aufreger, Lifestyle, Seelenmarzipan

Warum ich keinen erotischen Adventskalender möchte…

Ob ich auch schon einen „Amorelli“ Erotik Kalender habe, wurde ich kürzlich gefragt. Da ich kaum Fernsehen sehe und daher auch erfreulich wenig Werbung, musste ich mir erst erklären lassen, was es mit diesem Kalender auf sich hat, der derzeit offensichtlich in jeder Gesprächsrunde und auf vielen Nachttischen zu finden ist. Ein Erotik Adventskalender, wurde ich belehrt, ein Adventskalender, gefüllt mit „hochwertigen erotischen Geschenken, für SIE und IHN. Als ich den Preis hörte, war ich neugierig, was Frau für dieses Sümmchen wohl hinter den Türchen verborgen findet und googelte mich durch das bunte Angebot der Adventskalender „für Erwachsene“… sie scheinen derzeit sehr beliebt zu sein.

Ich glaube, ich wäre fürchterlich verärgert, würde mir ein Mann dieses Sammelsurium aus Kondomen,  Plastik Sex Toys, Vibratoren, Batterien, Ladekabel, unpersönlicher Dessous und Gleitcreme, samt  „Bondage-Set für Anfänger“ als Geschenk offerieren. Dazu noch die online Anleitungen, wie das Ganze perfekt (und korrekt) eingesetzt werden kann  … unter dem Motto:, „wertvolle Anregungen“, um mein Sexleben zu optimieren…Geht´s noch etwas peinlicher??? Ist so ein Kalender nicht eher eine Bankrotterklärung für das aktuelle Sexualleben der Käufer?

Dessous… um mit dem Artikel zu beginnen, der mich noch am ehesten angesprochen hat …Dessous werden individuell ausgesucht und gekauft, wenn man auch der Trägerin eine Freude damit bereiten möchte. Irgendwelche No – name, „fit for all“ Teile hinter einem Türchen entsprechen eher nicht meiner Vorstellung von individuell und liebevoll aussuchen, zumal das gemeinsame Einkaufen auch bereits ein Teil der Freude ist…

Vibratoren, dazu eine Wagenladung Netzteile und Batterien, samt Gebrauchsanleitung … kann man mögen… ich denke nach wie vor, dass es nichts gibt, was ein Apparat besser könnte, als gefühlvolle Lippen, Zungen oder Finger … kommt das Ganze noch in Knallfarben daher und benötigt erst ausgiebiges Studium  einer Gebrauchsanleitung …sinkt mein erotisches Level alleine bei dem Gedanken daran in ungeahnte Tiefen… und Kondome mit Fruchtgeschmack hinter den Türchen eines Adventskalenders, tausche ich jederzeit gerne gegen Marzipan Pralinen 😉 .

Auch alle anderen Gimmicks in diesen Kalendern, wie Gleitgel, Massageöl und Duftkerzen kauft man meiner Ansicht nach, wenn man es kauft, doch lieber ganz nach dem individuellen Geschmack, gerne auch etwas hochwertiger und zu einem anderen Anlass. Ob die Anfänger Variante für Bondage Fans unbedingt in einem Adventskalender so optimal aufgehoben ist, sei dahin gestellt. Besinnliche und vorweihnachtliche Gefühle verbinde ich jetzt nicht gerade damit aber das ist ja auch nicht Sinn der Sache.

Sinn der Sache ist, mit billigen Artikeln für einen überhöhten Preis, dem Käufer dieser Kalender die Illusion zu vermitteln, sie wären wahnsinnig trendy, hip und begehrenswert. So gesehen, sind 150 Euro eigentlich ein kleiner Preis für so viel Illusion…

Liest man die Produkt Bewertungen, scheinen auch einige Käufer dieser Meinung zu sein. Es war sicher sehr „weihnachtlich“ in den jeweiligen Schlafzimmern 😉

Voll enttäuscht, habe viel mehr erwartet. Warenwert ist bestimmt nicht mal die Hälfte vom Preis… Womanizer mit nicht aufladbaren/ersetzbaren Batterien und einem Gutschein für Premium Produkt… WTF?

Eine sehr schöne Idee, wie man seine Liebe auf andere Weise, 24 Tage und Türchen lang zelebrieren könnte,  habe ich dann bei meiner Recherche auch noch gefunden:

Einen Adventskalender  mit 24 Liebesbotschaften, die vom Schenkenden individuell von Hand ausgefüllt und ergänzt werden. Ich könnte mir vorstellen, dass das Öffnen solcher Türchen und das Lesen solcher Liebesbotschaften, aphrodisierender und  anregender für erotische Stunden wirkt, als jeder Plastik „Womanizer Premium“, mit einem extra Satz Batterien“ … nur so eine Idee 🙂

ich liebe dich

 

Aufreger, Tierschutz

Eine dunkle Stunde für den Tierschutz in Deutschland!

Tierleid Befürworterin hält Ansprache für den deutschen Tierschutzpreis

Kann man sich nicht ausdenken!!!

Wer wurde vom deutschen Tierschutzbund als Rednerin zur Verleihung des deutschen Tierschutzpreises eingeladen? Da kommt ihr nie drauf!
Julia Klöckner, Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, die mit ihrer Partei unter anderem dafür verantwortlich zeichnet, dass

  • Wildtiere nach wie vor im Zirkus leiden
  • grauenhafte Tierversuche, die nach EU Recht jederzeit verboten werden könnten, weiterhin erlaubt sind
  • Ferkel nach wie vor ohne Betäubung kastriert werden dürfen
  • Küken bei lebendigem Leib geschreddert werden
  • Auslands- Qualtransporte weiterhin erlaubt sind
  • Verzichtbare  Pflicht-Tierversuche für Studenten weiterhin zwingend sind
  • Totschlagfallen bei der Jagd weiterhin erlaubt bleiben
  • Schmerzhafte Brandzeichen weiterhin erlaubt sind (die Tiere erleiden hochgradige Verbrennungen!)
  • Tierheime nach wie vor keine Unterstützung aus dem Bundeshaushalt erhalten
  • Mastbetriebe nur alle paar Jahre kontrolliert werden 
  • Rinder weiterhin dauerhaft im Stall angekettet sein dürfen
  • es nach wie vor keine flächendeckende Videoüberwachung in Schlachthöfen gibt, die die schlimmsten Missstände und Misshandlungen aufdeckt
  • Aktivisten, die all diese Missstände dokumentieren, härter bestraft werden sollen.

(Quelle Bildmaterial: PETA)

Ja…all das Blut, all das Leid und all die ungehörten Schreie hat Frau Klöckner mit zu dieser Veranstaltung getragen. Sie stimmte mit ihrer Partei bisher konsequent gegen sämtliche Bemühungen, das unsagbare Leid der Tiere zu verringern und was noch schlimmer ist, sie duldet, dass selbst EU Regelungen umgangen werden, die Tierversuche einschränken würden. Sie schützt Tierquäler, indem sie die Aufdeckung der Missstände in den Ställen, durch härtere Strafen unterbinden möchte, sie fordert harte Strafen für jeden, der das stille Leid dort, durch Fotos und Video Aufzeichnungen dokumentiert.

Die Festrednerin auf einer Veranstaltung für den Tierschutz zeichnet mitverantwortlich, für millionenfaches, grauenhaftes… und vermeidbares Tierleid! 

Wäre es nicht so erbärmlich traurig, was sich die Verantwortlichen hier geleistet haben, wie sie Tierschutz in den Schmutz gezogen haben, mit dieser Wahl … dann wäre das die reine Comedy.
Leider war es Realität und zeigt deutlich, wie diese Veranstaltung zu werten ist.
Um Tiere ging es dabei offensichtlich nicht!
Das war eine dunkle Stunde für den Tierschutz in diesem Land und viele Unterstützer des deutschen Tierschutzbunds fragen sich zu Recht, welchen Sinn eine Veranstaltung, wie der „Deutsche Tierschutzpreis“ haben soll, wenn dort Politiker eine Bühne finden, die Tierschutz mit Füßen treten!

Hier noch ein Beispiel, für den „heldenhaften“ Einsatz dieser Frau für den Tierschutz:
Frau Klöckner hätte jederzeit die Möglichkeit, DAS zu beenden, hat es aber nicht für notwendig befunden:

Die FDP und die Grünen haben heute zwei unterschiedliche Anträge zum Thema Tiertransporte im Agrarausschuss des Bundestages abstimmen lassen. Die Anträge zielten darauf ab, die Vorgaben für Lebendtiertransporte strenger zu fassen. Beide wurden mit den Stimmen von CDU/CSU und SPD gegen die Stimmen der Oppositionsfraktionen abgelehnt. (Quelle Top Agrar News 26.9.2018)

„…Ratten und Mäuse zur vorgeblichen Depressionsforschung so lange zum Schwimmen gezwungen, bis sie vor Erschöpfung und Verzweiflung aufgeben und aufhören zu schwimmen. Oder ihnen werden über den Käfigboden Elektroschocks verabreicht, denen sie nicht entkommen können, bis sie nicht mehr hochspringen und den Schmerz über sich ergehen lassen. Schon die Namen dieser Versuchsmethoden – „Verzweiflungstest“ und „Erlernte Hilflosigkeit“ – lassen erahnen, was die Tiere erleiden müssen. Nach den Vorgaben der EU-Tierversuchsrichtlinie könnten solche Praktiken verboten werden.
„Deutschland hat jedoch bei der Umsetzung dieser Richtlinie in nationales Recht verfassungswidrigerweise ein Schlupfloch genutzt, um auch die schwerstbelastenden Tierversuche weiter zu erlauben“, erklärt Dr. med. vet. Corina Gericke, Vorstandsmitglied des Ärztevereins.“

(Quelle: Ärzte gegen Tierversuche e.V.)

Frau Klöckner als Festrednerin bei der Verleihung des Deutschen Tierschutzpreises einzuladen ist ungefähr so stimmig, wie wenn jemand  Herrn Höcke von der AfD als Festredner, anlässlich der Verleihung eines Preises für Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe präsentieren würde. Ziemlich schräg das ganze .

Wichtig wäre mir noch, darauf hinzuweisen, dass längst nicht alle im Deutschen Tierschutzbund diese Entscheidung billigten, die einzig vom Dachverband getroffen wurde. In den Landesverbänden reagierte man mit Unverständnis und Ratlosigkeit. Schade, dass die insgesamt hervorragende Arbeit an vielen Stellen, auf diese Weise in ein falsches Licht gerückt wurde!

 

Aufreger, Lifestyle

Ist das Kunst oder kann der Dreck weg?! VORSICHT, SATIRE!!!!

Nachdem die Auftritte der Punkbands in Chemnitz üer 65.000 Menschen mobilisiert haben, für eine gute Sache einzutreten und die Stimme zu erheben, habe ich auch ein Lied geschrieben, es richtet sich gegen Gewalt und Tierleid und wirbt für mehr Toleranz und Liebe und ich bin mir sicher, dass mit diesen Zeilen endlich jedem klar wird:
Wir wir müssen einfach friedlicher und achtsamer miteinander umgehen.
Inspiriert dazu wurde ich übrigens durch die Textvorlagen von Feine Sahne Fischfilet und K.I.Z. , denn sie haben mir vorgemacht, wie die Lyrik erfolgreicher Protestsongs gegen Hass und Gewalt und menschenverachtendes Gedankengut aussehen muss, damit man die Menschen erreicht, vom Bundeskanzler empfohlen wird und im Livestream der großen Sender läuft.
Dass ich da vorher nie drauf gekommen bin!
Danke an dieser Stelle, den feinsinnigen Dichtern der anspruchsvollen Lyrik der Hasslieder.
Wir haben so viele Künstler und Bands, die wirklich singen können und die mit ihrem Auftritt wirklich ein lautes und klares Signal gegen RECHTSEXTREMISMUS, gegen HASS und für Toleranz hätten setzen können…ohne dabei neuen Hass zu verbreiten. Aber man entschied sich für andere, warum auch immer… Ganz am Ende des Blogs ist eine Kostprobe, falls ihr die Texte, die dort vorgetragen wurden, nicht kennt…
Obwohl mir bei aller Anstrengung nicht gelungen ist, so sinnfrei und menschenverachtend zu texten, wie die Vorlagen… ich bin gespannt, ob der Bundespräsident auch meinen Text für ein Konzert empfiehlt.  (*hoffnungsvoll*) ❤ 
VORSICHT SATIRE !!!!
„Eingezwängt in Stahl und Gitter,
ohne Hoffnung ohne Recht
warten sie auf meine Stimme,
seh ich ihr Leiden wird mir schlecht,
muss ich weinen, schreien, rotzen,
möcht´ich vor Lobbytüren kotzen.
Ich scheiss auf Sitten, auf eure Werte,
ihr seid ein Schandfleck für die Erde
Hey du mieses Schlachterschwein
ich komme zu dir heut Nacht,
dann steck ich dir mein Messer rein
und schlacht´ dich einfach ab.
Dann spritzen Blut, Gedärm und Hoden,
auf den weißen Kachelboden.
Hey, hey, hey … Gerechtigkeit…mit dem Messer gegen Leid!
Schlag den Lobbys in die Fresse,
hau die Fenster ein, der Presse,
bis sie endlich Eier zeigen,
der Industrie die Meinung geigen.
Hey, hey, hey… Gerechtigkeit… mit Faust und Steinen gegen Leid.
Schmeiss Bomben drauf, wo Tiere leiden
Sadisten zuckende Körper zerschneiden,
dann frag ich sie, wie gut das tut,
und lösch sie aus, die miese Brut.
Hey hey hey…Gerechtigkeit…mit der Zündschnur gegen Leid.
Ich hab in der Schule fleissig gelernt…
Ich hab in der Schule fleissig gelernt…
Brauch kein Pferd, und auch kein Affen
lass euch in eigne Spiegel gaffen:
Erkennt ihr eure Wut, den Hass?
Wer solche Scheisse hypt ist krass.
Wer denkt mit solcher Art Satire
etwas zu schaffen, für die Tiere
verwechselt Kunst mit Müll und Gülle.
Sein Haupt in Sack und Asche hülle!!!!
MEINE AUFRICHTIGE ENTSCHULDIGUNG AN ALLE, FÜR DIE UNSÄGLICHE SPRACHE.
Aber mir war wichtig aufzuzeigen, wie man es bitte NICHT machen sollte, wenn man sich ein Quentchen Anstand und Werte bewahren möchte. Wenn man nicht möchte, dass Kinder solche unsäglichen Textzeilen mitgröhlen.

ICH DISTANZIERE MICH AUSDRÜCKLICH VON DIESEN ZEILEN, SIE SOLLTEN EINZIG ALS ANSCHAULICHES BEISPIEL DIENEN, WIE DEGENERIERT UNSERE WAHRNEHMUNG MITTLERWEILE IST, DENN WESENTLICH WIDERLICHERE TEXTZEILEN WURDEN VON 65.000 KRITIKLOS, JA SOGAR FRENETISCH, GEFEIERT…FÜR DEN GUTEN ZWECK…ICH FAND DAS SEHR VERSTÖREND!

Übrigens brachte ich es nicht einmal in einem ausdrücklich gekennzeichneten Satire Beitrag übers Herz, Polizisten mit Hassnamen zu versehen, wie das in den Songtexten auf dem #wirsindmehr Konzert der Fall war. Das ist so ein Grundsatzding….Werte…Verfassung und so, auch wenn das heute für die Meisten keine Rolle mehr spielt. Man möge mir diese Unterlassung bitte nachsehen…andere sind da nicht so kleinlich..
Über die Band „Feine Sahne Fischfilet“ hieß es in einem Verfassungsschutzbericht:
…“sie spreche „ihrem politischen Gegner das Recht zur Ausübung der genannten Grundrechte schlicht ab“. Zwischen 2009 und 2016 gab es zudem 16 Ermittlungsverfahren gegen Bandmitglieder, unter anderem wegen Landfriedensbruchs, gefährlicher Körperverletzung, Bedrohung, Raub und Nötigung. Und diese Band sollte nun also ein „Zeichen gegen Gewalt“ setzen. Ausgerechnet. Und nicht nur die…“
(Philippe Debionne, Berliner Zeitung)

Hier ist einer der Texte, die tatsächlich auf dem Chemnitzer Konzert vorgetragen wurden, Zeilen die frenetisch mitgesungen wurden, auch von Jugendlichen, bei denen ich mir nicht wirklich sicher bin, in wieweit sie Kunst und Satire unterscheiden können…

„…Ich mach Mousse aus deiner Fresse
Boom verrecke
Wenn ich den Polenböller in deine Kapuze stecke
Die halbe Schule war querschnittsgelähmt von mei’n Nackenklatschern…
…..Ich ramm die Messerklinge in die Journalistenfresse…

…Trete deiner Frau in den Bauch, fresse die Fehlgeburt…

…Sei mein Gast, nimm ein Glas von mei’m Urin und entspann dich…

Ist eine Frau nicht nackt, dann beschmeiss ich sie mit Scheine
Macht sie sich dann nackt, dann beschmeiss ich sie mit Steine

…Wenn wir wieder da sind, Vierer mit Tommi und Annika
Vom Speed sieht uns’re Pisse, mittlerweile aus wie Sangria…

…Eva Herman sieht mich, denkt sich, was’n Deutscher
Und ich gebe ihr von hinten, wie ein Staffelläufer
Ich fick sie grün und blau, wie mein kunterbuntes Haus
Nich alles was man oben reinsteckt kommt unten wieder raus…

Ich war in der Schule und habe nix gelernt
Doch heute habe ich eien Affen und ein Pferd…

…Ich rasiere mein Äffchen und lass es anschaffen
Tret so lange auf dein Kopf bis vier und drei acht machen
Die Missgeburt vom Jugendamt wird sich eine Kugel fangen…

…In der Schule hatte ich eine eins im Tiere quäl’n
Nach meinem Uppercut kannst du dein Arsch ohne Spiegel seh’n…

…Ich hoff, dass ihr bald alle abhaut in die Staaten
Zum Geburtstag wünsche ich mir, dass ihr aufhört zu atmen…“

( Auszüge aus dem in Chemnitz vorgetragenen Liedertext: „Ein Affe und ein Pferd“ von K.I.Z)

 

Ich für meinen Teil, setze  lieber andere Zeichen gegen Rechtsextremismus, gegen Gewalt  und Hass, denn wer mit Schmutz wirft, wird zwangsläufig immer auch selbst schmutzig, … Ich stehe entschieden gegen Brauntöne, ganz gleich, aus welchem politischem und ideologischem Gülletopf  sie stammen…ganz gleich, ob sie stahlblau oder schillernd bunt verpackt wurden…
Peace. ❤
Aufreger, Seelenmarzipan

Leben mit einer chronischen Erkrankung … ihr habt keine Ahnung!

Fast jeder von uns kennt das unschöne Gefühl, mit heftigen Kopfschmerzen den Tag zu überstehen, die Wundschmerzen nach einer Verletzung, das elende Befinden während einer Grippe. All das sind Befindlichkeiten, die sich jemand mit einer chronischen Erkrankung herbei sehnen würde. Denn selbst wenn sie noch so unangenehm sind…sie gehen im Normalfall wieder vorbei. Mit ein bisschen Standvermögen, ein paar Helferlein und Geduld wandeln sich diese Phasen in den Zustand, den sich alle chronisch Kranken herbeisehnen, wie kaum sonst etwas auf der Welt…in normale Tage. Tage mit guten und weniger guten Ereignissen, Tage mit mehr oder weniger Energie, aber immer Tage, in denen man größtenteils ohne Beschwerden seine Kreise zieht und in der Kraft ist, im günstigsten Fall sogar schmerzfrei.

Ich weiß nicht, was mich am meisten im Umgang mit chronischen Erkrankungen stört. Neben der Tatsache, dass mein Leben wegen der dadurch erzwungenen Kompromisse nur noch ein müder Abklatsch des eigentlichen Entwurfes wurde, hasse ich mehr als alles andere, das Unverständnis aller Gesunden. Sie halten uns nämlich für schwach und wehleidig und sparen nicht mit guten, meist trivialen oder nicht umsetzbaren Ratschlägen. Sie geben mir oft das Gefühl, als wäre mir mit ein wenig mehr Anstrengung, ein wenig mehr gutem Willen doch möglich, zu tun oder zu leisten, was sie von mir erwarten… als ob ich es selbst in der Hand hätte, wieder gesund zu werden und mich nur zu dumm anstelle.  Sie wissen nicht oder ignorieren, dass jeder, der mit einer chronischen Erkrankung sein Leben meistert, jeden Tag aufs neue  kämpft, alles, aber auch alles versucht hat, um seinen quälenden Zustand zu verbessern, jeden Tag aushalten muss, was Otto Normalverbraucher nicht nachempfinden kann.

„Iss endlich wieder einmal Schweinsbraten und trink einen großen Schnaps, dann geht es dir besser…das ist alles, was dir fehlt…“

Diese, liebevoll gemeinten Worte meines Vaters schnitten mir jedesmal ins Herz. Ich vertrage das eine nur in sehr dosierten Mengen, das andere gar nicht und möchte es auch nicht mehr. Gut gemeint, aber diese Worte klangen wie Hohn in meinen Ohren, da ich ihm gefühlte 1000 Mal erklärt hatte, dass meine Leber bedingt durch einen Gendefekt mit Schadstoffen aller Art sehr zu kämpfen hat und mich ein Schnaps Tage aus der Bahn werfen kann, wenn es dumm läuft und wenn ich sowieso gerade wieder kämpfe. Ein kleiner Satz, der mir immer das Gefühl gab, wie wenig auch in der Familie verstanden wird, wie ich selbst mit den trivialsten Dingen des täglichen Lebens haushalten muss und auch und besonders…dass ich für einen Hypochonder gehalten werde.

„Mach doch einfach mal Urlaub…“

Sie wissen nicht, dass ich, genau wie jeder andere mit einer chronischen Erkrankung bis an die Grenze meiner Möglichkeiten agiere und meist darüber hinaus. Aber es ist nie genug. Es wird immer Limits geben, die zu akzeptieren eine große Herausforderung ist. Wir sind allein gelassen damit, in einer Gesellschaft, die Perfektion als höchstes Ziel gesetzt hat und in einer gnadenlosen Maschinerie des Gesundheitssystems, das eigentlich ein Krankheitssystem ist.

Wehe dem, der nicht mithalten kann oder dazu gezwungen wird, sich diesem System der kalten und oft höchst schädigenden Massenabfertigung auszuliefern. Nicht mehr die Jahreszeiten und die Urlaubsplanung bestimmen den Terminkalender sondern wochenlanges warten auf Arzt-Termine oder Untersuchungen, Hoffnung und Enttäuschung über neue Versuche der Linderung, Abfertigung im 2 Minuten Takt, Symptom-Bekämpfung mit aggressiven Medikamenten, ohne die Ursachen der Krankheit zu Hinterfragen und als Sahnehäubchen die beliebte Psychoschiene für jede, aber auch jede Erkrankung.  Mittlerweile werden Psychopharmaka, Cortison, Schmerzmittel und co verteilt, wie Drops, Sie nutzen einzig der Pharmaindustrie, den Chronisch Kranken würden nur ganzheitliche Behandlungsansätze helfen. Vorausgesetzt, der Erkrankte kann sich diese (privat finanzierte) Form der Behandlung leisten. Pech für alle anderen!

Chronische Erkrankungen sind gemeine Diebe. Sie stehlen Leistungskraft, Lebensfreude,  und Gute Laune, sie rauben wertvolle Lebenszeit, soziale Kontakte, Selbstsicherheit aber vor allem die Stabilität, wenn man nicht sehr aufpasst.   Es mag so manchen überraschen, aber für viele Schmerzen und viele Missempfindungen und Einschränkungen gibt es nicht DAS passende Medikament und wenn es existiert, darf man es nur in gewissen Dosierungen einnehmen, ohne ernste Organschäden zu riskieren. Das bedeutet im Klartext, jede Schmerzerleichterung, jede Cortisoneinnahme, jedes Medikament hinterlässt seine Spuren. Chronisch Kranke wissen das. Gesunde nicht.

„Stell dich nicht so an! Denk doch nicht immer daran! Du musst positiv denken. Es ist alles eine Sache der Einstellung!… „

Gesunde wissen nicht, wie es sich anfühlt, wenn jede Verabredung, jeder Urlaub, jeder Arbeitstag , manchmal die einfachsten Dinge im Haushalt zu einem Wagnis werden.

Kann ich es schaffen? Wird mein Körper mir diesmal erlauben zu tun, was ich so gerne möchte oder so dringend muss…oder wird der Schmerz, die Schwäche, das Herz, die schmerzenden Gelenke, der Durchfall, der Schwindel, die Behinderung, der Krankenhausaufenthalt…mir wieder einen Strich durch die Rechnung machen? Was passiert, wenn ich schon wieder absage/nicht zur Arbeit erscheine/die einfachsten Aufgaben nicht erfüllen kann?

Wie wird es weiter gehen, mit meiner Erkrankung? Werde ich daran sterben? Mit wieviel Einschränkungen muss ich noch rechnen? Wird es wieder schmerzhafte Untersuchungen, bedrückende Krankenhausaufenthalte, angstvolles Warten auf Tests und Diagnosen geben…

„Sei doch mal locker…lenk dich mit etwas Schönem ab. „

Zusätzlich zu den mehr oder weniger großen Einschränkungen, Schmerzen und Ängsten sorgen sich fast alle chronisch Kranken auch um das finanzielle Überleben. Nicht nur der Verdienstausfall ist problematisch. Gerade bei chronischen Erkrankungen hat die Schulmedizin wenig zu bieten. Oftmals verursachen die Medikamente, die wenn schon nicht heilen dann zumindest lindern sollen…große Kollateralschäden und heftige Nebenwirkungen. Die Kassen übernehmen jedoch nur die Kosten der Schulmedizin. Alle anderen Heilverfahren müssen aus eigener Tasche bezahlt werden. Ich weiss, wovon ich rede. Ich habe fast alle meine Ersparnisse in die Hilfe durch natürliche Heilverfahren investiert, sonst könnte ich heute diese Zeilen nicht mehr schreiben. Die Schulmedizin hätte mich längst umgebracht. Dafür macht die Naturheilkunde mich arm. Gesund machen mich beide nicht.

Chronisch Kranke sind anstrengend, sie sind unzuverlässig, oftmals nicht heiter und unbeschwert, sie sehen viele Dinge aus einem ganz anderen Blickwinkel, weil sie Dinge gesehen und erfahren haben, die niemand erfahren möchte und die meisten Menschen zum Glück auch niemals erfahren werden. Chronisch Kranke werden oft als schwach wahrgenommen, dabei sind sie stärker, mutiger und ausdauernder als jeder Gesunde.

Leben mit einer chronischen Erkrankung ist für jeden Betroffenen anders. Im Alltag versuchen die meisten, ihre Erkrankung und deren Folgen zu verbergen – sofern dies möglich ist.

Immer hilft eine positive Einstellung, Mut und der Wille, aktiv daran zu arbeiten, den Status Quo zu verbessern, Lebensqualität erhalten oder vielleicht auch durch Änderungen der Lebensführung irgendwann Heilung zu erfahren.

Irgendwann morgens aufwachen und sich ganz normal fühlen…ein frommer Wunsch für die meisten chronisch kranken Menschen. Trotzdem versuchen wir es jeden Tag wieder.

Solltet ihr diese Zeilen lesen und selbst nicht davon betroffen sein:

Es ist nicht euer Verdienst. Ihr habt einfach Glück! Seid dankbar dafür und ein wenig verständnisvoller allen gegenüber, die dieses Glück nicht hatten!