Aufreger, Tierschutz

Gebt uns eure Stimme…Warum ich diese Wettbewerbe hasse!

Wer kennt sie nicht auf Facebook, die 1001 Bettelposts? Es geht um Tiere, die sterben wenn nicht gespendet, geimpft, operiert, kastriert oder gefüttert wird. Sie kommen aus aller Herren Länder und sind meist der erste Eindruck, den ein Facebook Nutzer von der Szene hat.

Wer kennt sie nicht, die tollen Wettbewerbe, bei denen Firmen durch die Hintertüre Werbung erhalten, Adresse oder Telefonnummern generieren und zur allgemeinen Belustigung dann alle Bedürftigen Vereine gegeneinander antreten lassen. Die Resonanz ist meist ausgezeichnet. Fast jeder macht mit, besonders Tierschutzvereine.

Was bleibt Menschen auch viel anderes übrig, die in Ländern leben, in denen Otto Normalverbraucher selbst nicht das Notwendigste hat, um in Würde zu überleben, wo Krankenhäuser und medizinische Versorgung auch für Menschen Luxus sind und mehr Tierelend und Grausamkeit in einer einzigen Straße zu finden ist , als bei uns die meisten in ihrem Leben je sehen werden. Was bleibt ihnen anderes übrig, als nach jedem Strohhalm zu greifen, wenn sie dem Sterben und Leiden nicht mehr länger zusehen können oder wollen?

Mit etwas Glück finden diese Menschen sich in Gruppen zusammen, viele bleiben notgedrungen Einzelkämpfer, weil ihr Herz für Tiere in ihrem Land als exzentrische Neigung angesehen wird, im günstigsten Fall belächelt oder ignoriert, oft aber auch angefeindet und bekämpft. Mit noch mehr Glück wird irgendwo jemand aus einem wirtschaftlich besser gestellten Land auf die Bemühungen aufmerksam und beschließt, zu helfen. So entstehen die meisten Vereine, die im Ausland tätig sind. Es sind Bündnisse, zwischen denen, die vor Ort leisten und denen, die aus der Ferne versuchen, den Nachschub zu ermöglichen. Für mich eine Zusammenarbeit mit der Creme de la creme der Vorzeige Europäer ❤

Die meisten meiner Kontakte sind nicht nur fließend sondern exzellent in Englisch, oft auch in weiteren Sprachen. Sie haben Hochschulabschlüsse und sind vertraut damit, wie man Internet Auftritte erstellt oder komplizierte Reise- und Zollabwicklungen macht. Aber vor allem haben sie das Herz am rechten Fleck und Augen, die wirklich sehen! Sie sind einzig bedingt durch die Umstände, die sie nicht zu verantworten haben, zu „Bittstellern“ geworden. Die Angst, einmal erhaltene Kontakte wieder zu verlieren raubt so manchen von ihnen den Schlaf, denn es bedeutet nicht mehr oder weniger, als den Tod ihrer Tiere, die sie genauso lieben, wie wir unsere Seelentiere zuhause auf der Couch. Auch ich würde für meine geliebten Tiere so so ziemlich alles tun und am Ende tun wir es dann gemeinsam. Und da Unzuverlässigkeit die einzige Konstante ist bei dieser Arbeit, versuche ich für jeden Unterstützer, den wir wieder verlieren,  zwei neue zu gewinnen.  Zwischen allen Ungewissheiten benötigen diese Menschen mehr als alles andere eine Konstante, jemand der nicht nach Laune über Zuwendungen entscheidet, mal hier mal da wechselt sondern ein stabiles Fundament, um etwas von dem immensen Druck und der Belastung zu verringern, die jeden Tag aufs neue Kraft zehrt.

Nichts im Tierschutz ist für die Ewigkeit und so mancher Spender binnen Sekundenfrist bereit, die Lager zu wechseln und die Tiere im Stich zu lassen, wenn ihnen irgendetwas, irgendjemand in der Helferkette nicht gefallen hat, aus Gedankenlosigkeit oder wenn sie schlicht das Interesse verlieren und andere Schwerpunkte setzen. Ich erlebe es jeden Tag aufs neue. Nichts im Tierschutz ist zuverlässig, nur die Gewissheit, dass ohne beständige Hilfe keine Veränderung stattfinden kann, alle im harten Wettbewerb stehen und allein gelassen wurden, von einer Welt und einer Politik mit anderen Schwerpunkten.

Daher hasse ich diese Wettbewerbe, in denen große Firmen die armen Vereine auffordern, um Likes oder Kommentare zu kämpfen. Dem Gewinner winkt Geld. Geld, das alle Teilnehmer benötigen und in  den Beiträgen dazu ist anschaulich ersichtlich, wie verzweifelt alle kämpfen, wie dringend jeder jeden Cent braucht und auch, dass es täglich mehr werden, die um Hilfe für ihre Tiere bitten, ja fast betteln müssen. Mir kommt es immer ein wenig so vor, wie Brotkrümel auf die Straße werfen, für ausgehungerte Vögel, und dann belustigt dem Kampf zusehen. (Eine ganz persönliche Wahrnehmung zu solchen Veranstaltungen, daher bevorzuge ich Projekte auf Augenhöhe, wenn ich bei einem Unternehmen persönlich um Spenden werbe.)

Allein gelassen von Politik und der breiten Öffentlichkeit spielt sich diese Schlacht, denn bei genauer Betrachtung ist es nicht mehr oder weniger, als ein einziger Kampf,  jeden Tag aufs neue ab und alles, worum wir betteln sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Wer die Ausgaben  unserer Regierung aufmerksam studiert, der wird den Posten für Tierschutz und angemessene  Hilfe für Straßentiere in der EU schmerzlich vermissen. Diese Aufgabe wird allein uns „Bittstellern“ überlassen.

Aber keiner von uns ist auch nur annähernd ein Bittsteller. Wir werden sehr gerne als solche behandelt und auf den ersten Blick mag es so aussehen… schließlich leben wir von der Hand in den Mund und sind Abhängig von der Laune und Gutwilligkeit unserer Unterstützer….

Genau genommen, sind wir jedoch unentlohnte, hochqualifizierte  Arbeiter, wir  arbeiten gemeinsam an verschiedenen Fronten, mit anspruchsvollem Wissen  und unglaublichem Engagement….

…nicht für uns, nicht für unsere Partner vor Ort sondern einzig für die Tiere! Wir sind nur deshalb gezwungen, beständig zu betteln, an Wettbewerben teilzunehmen und kostbare Zeit mit der Jagd nach Unterstützung und Unterstützern zu verbringen, anstatt sie direkt für die Hilfe zu verwenden, weil Politik und Gesellschaft versagen. Wir tun es mit Stolz und freiwillig für die, die ohne Stimme sind. ❤

Dankeschön an alle, die es gerade wieder mit uns gemeinsam tun, die gerade wieder für uns abstimmen und Zeit investieren, damit im nächsten Winter ein paar Tiere in eisiger Kälte und ohne Unterschlupf satt werden dürfen. Ihr seid so wunderbar!!!! Das einzige, was ich den Wettbewerben abgewinnen kann, ist der klare Blick, den sie mir durch das Abstimmverhalten über jede Community vermitteln, es ist immer gut, sich daran zu erinnern, wer die wirklichen Freunde sind, wenn man sie benötigt… ansonsten würde ich gern darauf verzichten. Die Firmen könnten auch einfach so spenden… nur mal so erwähn  ;-).

Wenn ihr euch für meine Projekte interessiert, die Webseite ist http://www.friedenfuerpfoten.org. Es gibt viele Artikel dazu auf diesem Blog und auf FB treffen wir uns im Freundeskreis SCARS, einfach um Aufnahme bitten, wir freuen uns über jedes neue Mitglied in unserer Community ❤

——-

Unsere Bankverbindung:
Frieden für Pfoten e.V.
GLS Bank
Konto Nr.: 1181465900
IBAN : DE 41 43060967 1181 4659 00
BIC : GENO DE M1 GLS
Paypal : info@friedenfuerpfoten.org

 

 

Aufreger

Warum bei dieser Wahl alle verlieren…

 

Wenn ich der AfD eines verdanke, dann viele interessante Einblicke in die Psyche und auch Erziehung meiner Mitmenschen.
Für mich macht es keinen Unterschied, ob sich jemand in der AfD als intolerant, dümmlich, ungebildet, unerzogen oder sogar gefährlich und hasserfüllt erweist oder in seiner Eigenschaft als erklärter Gegner. Man muss nicht zwingend rechts oder gar rechtsextrem sein, um menschenverachtende und dumme Gedanken zu verbreiten.
Auge um Auge… und am Ende ist die ganze Welt blind…
Wie unterirdisch und teilweise auch gefährlich braune Denke ist, darüber brauchen wir an dieser Stelle nicht zu diskutieren.

Ob es sehr klug ist, genau dieses Denken mit Methoden zu bekämpfen, die teilweise sogar weit über das angeprangerte negative Potential der politischen Gegner hinaus gehen, das wage ich allerdings zu bezweifeln.
„Kauft nicht bei AfD-lern…“erinnert mich unangenehm an „kauft nicht bei Juden“… damals ebenfalls eine sehr populäre Redewendung.
Zerstörte Wahlplakate, Exkremente im Briefkasten der politischen Gegner, Brandanschläge an Autos und Schlägereien vor den Wahlständen, um nur ein paar Beispiele zu nennen aus dem Wahlkampf 2017, hat einen Beigeschmack aus der Zeit, als eine eigens dafür geschulte Sturmtruppe jeden Widerstand gegen ein aufkeimendes Unrechtsregime im Keim erstickte. Es wird trotzdem beklatscht. Von den „Guten“.
Unliebsame Politiker und Regimekritiker durch Gerüchte gezielt und systematisch zu diskreditieren ist eine Kunst, die besonders die Stasi bis zur Perfektion beherrschte, sie hatte gute Lehrer in den 30ern unserer Vergangenheit.
Diese Kunst ist gerade wieder in voller Blüte. Seit der Begriff „Nazi Schlampe“ im TV offiziell salonfähig ist oder das Bild eines kleinen Jungen, der bei der Flucht ertrank, von einer Satire Partei als Gag verbreitet werden darf, wundert mich allerdings nichts mehr.
Seit .. „hätte“…“soll“…“vermutet“…-News die Schlagzeilen beherrschen und die sexuelle Ausrichtung einer Politikerin öfter thematisiert wird als das gewaltige, ständig wachsende Milliarden Loch in unseren Kassen und die zwangsläufig daraus resultierende, schleichende Enteignung einer gesamten Generation, stehe ich auch der Presse sehr kritisch gegenüber. Ich möchte sachlich und kompetent informiert werden

Ich weiss, dass man all das, was ich gerade kritisiere, neuerdings darf, sogar muss … wenn man sich zu den „Guten“ zählen möchte. So erklärt man mir es zumindest.
Und ich frage mich:
Wirklich? Darf man das? Muss man das? Und warum widert es mich dann so an?

Kann ich meinem Empfinden für Recht und Unrecht nicht mehr trauen? Ist dieses ganze Parteien und Ideologien Gerangel nicht einfach für manche ein tolles Ventil um Aggressionen und negative Gefühle loszuwerden? Bin auch ich jetzt neuerdings eine der „Bösen“, weil ich seit jeher alles entschieden ablehne, was die Menschen- und Frauenrechte unterdrückt und in ihrer Entfaltung behindert. Auch und besonders Religionen. Alle patriarchalischen Religionen, ja, auch das Christentum (was ich noch darf) und auch den Islam (was ich NICHT mehr darf)? Es gab nie auch nur eine einzige feindselige Mail oder einen polemischen Kommentar an mich, wenn ich die tierfeindlichen Praktiken der Christengemeinde anprangerte, was ich sehr oft tue. Wenn ich das bei der Religion des Friedens tat, hagelte es üble Beschimpfungen. (Nein, nicht von den Anhängern der Religion des Friedens, es waren andere, die mich dafür scharf verurteilten…) Ich unterlasse es seither aber mache mir so meine Gedanken…

Gibt es nicht genügend andere Möglichkeiten sachlich, nachhaltig und auch wirksam mit Fakten und einer entschiedenen Haltung all dem entgegenzutreten, was auch ich ablehne? Intoleranz. Ungerechtigkeit. Gewalt. Rassismus.

Ganz gleich, wieviele Punkte die AfD am Sonntag holt oder auch nicht. Ganz gleich, wer im Bundestag „für mich“ zukünftig entscheiden wird. In dieser Schlacht haben alle verloren. Ihre Werte. Und mein Vertrauen.
Bitte verzichtet an dieser Stelle ausnahmsweise über Diskussionen rund um Parteien und Ideologien. In diesem Beitrag ging es mir um etwas ganz anderes…um Werte… und Wahrheiten…und was aus ihnen geworden ist…

 

Aufreger

Hat sich die Gesellschaft verändert? Die Form der Berichterstattung? Oder ich?

Früher war alles besser, hat meine Großmutter immer gesagt. Und ich nickte dann stets diplomatisch zu dieser Binsenweisheit und dachte…“Red du nur! Alles ist wunderbar, so wie es jetzt ist und es wird immer besser!“

Das war irgendwann in den 80ern und ich stelle mir in letzter Zeit öfter die Frage, woran es liegen könnte, dass ich mittlerweile nicht mehr so denke. Ist es nur mein fortgeschrittenes  Alter oder hat sich tatsächlich unmerklich irgendetwas verschoben, „verrückt“ in unserer Gesellschaft? Also dachte ich darüber nach, einfach einmal alles aufzuschreiben, von dem ich meine, es wäre seit den 80ern  schlechter geworden, neben meinem Sehvermögen und meiner Geduld…

Bei der Aufzählung all dieser Dinge, wusste ich dann gar nicht, wo anfangen und wo aufhören. Wow, da kam schon eine Menge zusammen!

Ist es der Absturz in der Rentenerwartung, eine Rente, die mir nach fast 50 Jahren ununterbrochener Anstellung (und nicht schlecht bezahlt), wenig mehr zugestehen wird, als die Grundversorgung?

Ist es der mangelnde Respekt, die Missachtung die man heute einigen Berufsgruppen entgegen bringt, die alles in allem um unser Gemeinwohl bemüht sind und die Ordnung aufrecht erhalten? Sei es ein Bahnschaffner, ein Polizist, ein Rettungshelfer,  sie sind zunehmend mit tätlichen Angriffen, Beleidigungen und Respektlosigkeit konfrontiert, die es in diesem Ausmaß nie gab.

Sind es die Lügen  seitens der Regierenden? All die gebrochenen Wahlversprechen? Die Arroganz, mit der sie die Wünsche und Nöte ihrer Wähler ignorieren und wie wir uns bereits  daran gewöhnt haben?

Sind es die Schlagzeilen, die Zeitungsartikel, die als Nachrichten daher kommen aber sehr oft Meinungen sind, und erschreckend gleichgeschaltet?

Ist es die leise Demontage unseres Grundgesetzes, dessen eindeutige Formulierungen heute nicht mehr von jedem verstanden oder angezweifelt werden?

Ist es die gesellschaftliche Verrohung, das Hetzen, das Einprügeln auf bestimmte Ethnien, Berufsgruppen, Ideologien und Meinungen, die bei mir auf vielen Ebenen die Erinnerung an den Geschichtsunterricht auffrischt? An die Zeit, wo man Menschen wegen ihres Aussehens oder religiöser Zugehörigkeit  verfolgte und verurteilte, wo man denunzierte, Häuser beschmierte, politische Gegner verprügelte und dafür Beifall erhielt?

Ist es das beklemmende Gefühl, dass Gewalt , Gesetzesbrüche en gros und Respektlosigkeit mittlerweile Normalität sind in unserem Alltag? Kavaliersdelikte, quasi, die niemand mehr groß beachtet?

Ist es allgemein die erschreckende Zunahme von Gewalt? Gegen Kinder, gegen Alte, gegen Schwache, gegen Frauen, gegen jeden, der sich nicht besonders gut wehren kann…besonders auch Tiere?

Ist es die unglaubliche Ignoranz, in der Tiere in unsere Gesellschaft weiterhin konsumiert, geschlachtet, getestet, gequält werden dürfen? Eine gesellschaft, die trotz neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse über die Empfindungen dieser Lebewesen einfach leugnet, dass all dies ein Verbrechen ist und die eher neue Qualen hinzufügt als bestehende zu verringern?

Ist es meine Wahrnehmung, einfach immer weniger „frei“ zu sein? Dass alles, was ich äußere, wie ich lebe, was ich tue, wohin ich reise, dass so viel Wissen über mich und meine Person irgendwo offiziell gespeichert, registriert und unter Beobachtung ist wie nie zuvor, wie ich mir das in meinen kühnsten  (1984 Alb)-Träumen nicht vorstellen konnte?

Irritiert mich, dass ich meine Ausdrucksweise vermehrt kontrollieren und auf political correctness überprüfen muss, wenn ich über Tierschutzthemen referiere, ein Thema, bei dem leider sehr vieles, alles andere als „political correct “ ist?

Beunruhigt mich, dass ich tatsächlich zum ersten Mal in meinem Leben vorher überlege, wohin und um welche Uhrzeit ich in diesem Land gehe und ob der Aufenthalt an diesem Ort vielleicht unangenehme Konsequenzen haben könnte?

Oder vielleicht nervt mich auch nur der Schönheitswahn? Dass sich flächendeckend gefühlt jeder mit der Frage beschäftigt, ob er zu dick zu dünn, zu unattraktiv oder zu alt aussieht  und all diese existentiell wichtigen Fragen jeden Tag von den Medien befeuert werden?

Könnte es daran liegen, dass ich zunehmend gefühlt überall nur Ungerechtigkeit wahrnehme, in unseren sozialen Systemen, in der Rechtssprechung, in der Entlohnung einzelner Berufsgruppen in der Verteilung öffentlicher Gelder?

Ob sich wirklich alles so zum Nachteil verändert hat?  Lese ich vielleicht nur die falschen Magazine, wird nur medial aufgepusht, was in Wirklichkeit gar nicht so stattfindet? Hat nicht die Gesellschaft sich verändert sondern wurde einfach nur mein Radar für Bullshit  über die Jahre leistungsfähiger??

An dieser Stelle höre ich dann meist auf zu sinnieren. Nutzt ja doch nichts. Wahrscheinlich hatte meine Oma einfach recht. Früher war alles besser! Aber Oma wußte noch mehr : „Jammer nicht rum, sondern tu was!“  Das hat sie  auch immer gesagt.  🙂

10295771_10204154335219153_3317833464324444254_n

Aufreger

Alles Nazi, oder was? Der leichtfertige Umgang mit einem Unwort

Offensichtlich ist über Nacht ein erschreckend großer Teil unserer Bevölkerung zum rechtsextremen Rand übergewandert und ehemals konservative oder tolerante Bürger sind zu Nazis mutiert. Jedenfalls könnte man diesen Eindruck erhalten, wenn man liest und hört, wie oft und für wen dieser Begriff neuerdings eingesetzt wird. Ich habe mir die Mühe gemacht, ein wenig zu sammeln, bei welcher Gelegenheit diese Zuordnung im Netz oder in den Medien getroffen wird. Nachfolgend ein paar Beispiele:

Du vergleichst die Hühnerbatterien mit dem Holocaust? Nazi!

Du bist strikt gegen Schächten und stellst die Rechte der Tiere über eine Religion ? Nazi!

Du bist verstört und sorgst dich, über die zunehmende Gewalt in unserem Land und kritisierst dabei auch den Umgang mit Wiederholungstätern, die zwar auf dem Papier bereits offiziell ausgewiesen wurden aber nach wie vor im Land und auf freiem Fuss sind? Nazi!

Du bist für eine kontrollierte Zuwanderung und möchtest nur denen Asyl gewähren, die tatsächlich unter Krieg- und Verfolgung leiden? Nazi!

Du bist nicht generell für Multi-Kulti sondern findest, dass dieses Ideal nicht unbedingt und überall funktioniert? Nazi!

Du findest, dass nicht alle Traditionen über Nacht entsorgt werden sollten, und Kreuze zu einem Teil deiner Kultur gehören? Nazi!

Du rechnest sachlich vor, dass bestimmte Aufgaben und Unterstützungen eine Belastungsprobe für unsere Sozialsysteme darstellen und daher vorher gut bedacht werden sollten? Nazi!

Dich ärgert, dass die Mittel für soziale Aufgaben in unserer Gesellschaft erst brutal gekürzt wurden und nun mit vollen Händen ausgegeben werden und hinterfragst die soziale Gerechtigkeit? Nazi!

Du bist nicht unbedingt ein Freund der EU und stimmst für eine unabhängige Regierung, fern von einem zentral gesteuerten Brüssel? Nazi!

Du denkst, dass bestehende Gesetze, Länderabkommen, das Grundgesetz im allgemeinen, immer und in jedem Fall  Gültigkeit haben und auch angewendet werden sollten? Nazi!

Du findest, dass das Bild deines Großvaters seinen Ehrenplatz behalten sollte, auch wenn er darauf eine Uniform der Wehrmacht trägt? Nazi!

Ich lese all diese Einschätzungen und wundere mich, wie schnell man doch heute ein Nazi ist. Denn ein Nazi war für mich stets jemand,  der das menschenverachtende, brutale Unrechtssystem des 3. Reiches gut hieß, jemand, der sich diese Auswüchse wieder zurück wünschte, jemand der die Verbrechen des Holocausts leugnet, jemand der andere wegen ihrer Herkunft oder Religion als geringer einstuft und jeden verachtet, der nicht Deutsch und arisch daher kommt. Naja, so ungefähr jedenfalls. Und natürlich habe ich meine Hausaufgaben in Geschichte ordentlich gemacht und ich bin wie jeder halbwegs normale Mensch so weit weg von dieser kranken Denke, dass ich mich sicher wähnte, niemals, niemals, niemals damit in Verbindung gebracht zu werden.

Trotzdem passe ich neuerdings sehr genau auf, was und wie ich formuliere. Denn nie war es einfacher, missverstanden zu werden. Meine ausgeprägte Wahrnehmung für Ungerechtigkeit, der Drang nach Freiheit, mein Sinn für Gerechtigkeit, Toleranz und auch mein Eintreten für Frauenrechte, Tierrechte, auch für Menschenrechte, kollidiert zunehmend mit dem, was öffentlich gesagt und gedacht werden darf, wenn man nicht in die gleiche Ecke gestellt werden möchte, in der zu Recht die Menschen mit braunem Gedankengut sitzen,  und sich schämen sollten.

Ich schäme mich aber trotzdem nicht, dass ich selbst einem AFD Politiker, demokratisch gewählt und von einer legalen Partei, wie jedem anderen Menschen, egal welcher Herkunft, sexueller Orientierung, Geschlecht oder Meinung, körperliche Unversehrtheit, freie Meinungsäußerung und Versammlungsfreiheit zugestehe. Ethik im Umgang miteinander gilt für alle und immer!

Ich schäme mich nicht, dass ich manchmal auch interessiert nachfrage, warum bis zum Eintreffen der Flüchtlinge nie Geld vorhanden war, um zum Beispiel marode Schulen zu renovieren, die Renten ordentlich aufzustocken oder die Tierheime staatlich angemessen zu subventionieren, jetzt aber offensichtlich überall genügend Mittel in Umlauf sind. Diese Frage beinhaltet für mich keinesfalls, weniger für die Flüchtlinge zu sorgen sondern es geht mir darum, auch auf die Not der hier bereits länger Lebenden aufmerksam zu machen.

Ich bin strikt gegen das Schächten, auch wenn es gegen die religiösen Bedürfnisse vieler Menschen verstoßen sollte. Wir haben hier in den Schlachthöfen bereits Tierleid en gros und das Letzte, was ich mir als fortschrittliche Entwicklung auf diesem Sektor wünsche, ist die Erweiterung um eine neue perfide Variante.

Und ich habe Angst. Angst um die öffentliche Sicherheit, aber besonders um die meines Kindes, das ich nicht mehr Nachts Bahn fahren lassen möchte, das ich nur noch mit ungutem Gefühl auf einer Großveranstaltung weiß , da sich die Vorfälle und damit die Wahrscheinlichkeit häuft, irgendwo in etwas verwickelt zu werden, das keine Mutter ihrem Kind wünscht. Auch diese Angst darf ich nicht äußern, da mir sofort jemand erklären wird, wie dumm und hetzerisch oder unbegründet diese Angst ist, dass es immer schon so war, dass ich relativieren muss oder jemanden in seinen Gefühlen verletzen könnte. Aber sie ist trotzdem da. Zusätzlich habe ich noch Angst, missverstanden zu werden, also schweige ich. Meistens jedenfalls.

Die wirklichen  Nazis sind längst unter uns

Braunes Gedankengut, …Nazis…wie Eingangs beschrieben, sind mittlerweile in unserer Gesellschaft verbreitet, und ich stimme jedem zu, der sagt, sie müssen entschieden bekämpft werden.  Manchmal denke ich aber, wir spielen diesen Menschen in die Hände, wenn wir ihr perfides Denken mit Dingen und Meinungen in einen Topf werfen, die dort nicht wirklich hingehören und die Begriffe wie „Nazi“ und „Rechtes Gedankengut“ weichspülen und salonfähig machen, …das Gefährlichste, was unserer freiheitlichen und toleranten Gesellschaft passieren kann.

Aufreger

Streicht endlich das Wort Mutter aus eurem Wortschatz! Mein Vorschlag zur Entnazifizierung der deutschen Sprache ^^

Als Entnazifizierung wird die ab Juli 1945 umgesetzte Politik der Vier Mächte bezeichnet, die darauf abzielte, die deutsche und österreichische Gesellschaft, Kultur, Presse, Ökonomie, Justiz und Politik von allen Einflüssen des Nationalsozialismus zu befreien. (Wikipedia) .

Gerade in der letzten Zeit widmen sich viele wackere und aufrechte Verfechter der Meinungsfreiheit und der Toleranz dieser grundsätzlich wichtigen und notwendigen Aufgabe. Was mich ein wenig irritiert ist die Tatsache, dass ich diesen Prozess weitestgehend abgeschlossen wähnte und daher fasziniert mich das immens große, neue Feld an Handlungsbedarf und natürlich wollte auch ich gerne meinen Beitrag leisten.

Seltsam, dass es vorher nie jemandem aufgefallen ist, aber wir haben da etwas ganz Wichtiges übersehen. Das Wort „Mutter“.  Selbst wenn das jetzt nicht jedem einleuchtend erscheinen mag, (auch ich war einmal so naiv)  aber jetzt verstehe ich endlich, und möchte nicht länger schweigen.

Auch ich freute mich einst an den Büchern von Astrid Lindgren, aus denen mittlerweile radikal einige Passagen und Worte verbannt wurden, denn falls ihr es noch nicht wusstet…sie war Rassistin! Genau wie Michael Ende, der in seinem genialen Kinderbuch „Jim Knopf“ tatsächlich das Wort „Neger“ verwendete. Zwar wurde von einigen Seiten versucht, das Ganze etwas zu relativieren… aber wir wissen es doch besser, oder?

Damit keine Zweifel aufkommen: Michael Ende hat eine antirassistische, antiklassistische und antifaschistische Erzählung geschrieben, in der er dem damals vor 15 Jahren besiegten Nazideutschland noch eins mitgibt und zugleich bis in die heutige Zeit aktuell bleibt. (Quelle/ taz.de)

Mein Gott, ich war so naiv! Nie hätte ich den wunderbaren „Negerkönig“ aus Takka Tukka Land mit etwas Abwertendem in Verbindung gebracht, nie habe ich bei dem Lied „schwarz-braun ist die Haselnuss“ das gefährliche Gedankengut erkannt und niemals hätte ich bei dem Anblick des Bildes, meines viel zu früh verstorbenen Großvaters, von dem blöderweise nur ein einziges Bild existiert, und wo er eine Wehrmachtsuniform trägt, geglaubt, dass dies eine Verherrlichung der Wehrmacht darstellt.

Mir wurden aber dank unserer Verteidigungsministerin, Kulturschaffenden, Gleichstellungs- und Integrationsbeauftragten, von allen lieben Mitbürgern, die unsere Kultur und Sprache gerade ein bisschen besser machen, Gottseidank die Augen geöffnet. Jetzt habe ich das Prinzip endlich verstanden und daher meine Warnung:

Das Wort „Mutter“ weiterhin zu verwenden, sollten wir gründlich überdenken. Beispiel „Muttertag“. Er wurde zwar nicht von den Nationalsozialisten erfunden. Sie nutzten den Tag jedoch schamlos, um ihr Mutterideal zu propagieren. Das gleiche mit dem „Mutterverdienstkreuz“.  Der Begriff „Mutter“ wurde untrennbar mit dieser gefährlichen Ideologie verknüpft.

Gestiftet wurde dieses Kreuz durch Verordnung vom 16. Dezember 1938 vom Reichskanzler Adolf Hitler als äußeres, sichtbares Zeichen des Dankes des deutschen Volkes an kinderreiche Mütter. Die Auszeichnung wurde in 3 Stufen gestiftet. Die 1.Stufe wurde an Mütter mit 8 und mehr Kindern, die 2.Stufe an Mütter von 6 und 7 Kindern und die 3.Stufe an Mütter von 4 und 5 Kindern verliehen.
Voraussetzung für die Verleihung war dass die Mutter “deutschblütig und erbtüchtig” war und die Kinder lebend geboren wurden.

(Quelle/Ehrenzeichen-Orden.de)

Lasst uns also alle gemeinsam weiterhin an den wichtigen und längst anstehenden Änderungen unseres Wortschatzes arbeiten.  Streicht die Passagen, verbrennt die Bücher und prangert offen an, wo jemand das nötige Feingefühl vermissen lässt.

Das Wort „Mutter“ mag zwar für manche von uns eine völlig andere Bedeutung haben, dem ein oder anderen ist dieser Begriff vielleicht sogar ans Herz gewachsen. Otfried Preußler schrieb zwar engagiert gegen Ausbeutung und Unterdrückung, Astrid Lindgren war eine engagierte Kämpferin für die Rechte der Schwächeren, und Mark Twain war ein mutiger Kämpfer für die Freiheit und gegen Sklaverei. Aber wir müssen der Wahrheit ins Auge sehen! Wir sollten immer im Auge behalten, wie ein Begriff, ein Lied, eine Passage, ausgelegt und missverstanden werden KÖNNTE. 

Ich werde daher ein Zeichen setzen, und nicht den „Muttertag“ feiern sondern jetzt in der Kinderbücher Sammlung meiner Bibliothek noch einmal gründlich nachsehen, ob ich vielleicht in einem der anderen, von mir so heiß geliebten Klassiker, irgendwo noch eine verfängliche Passage finde und die entsprechenden Seiten dann sofort entfernen. Gerade fiel mir ein, dass in den Ausgaben der Gebrüder Grimm, ab 1837, Rotkäppchen als „Dirne“ bezeichnet wurde. Damals eine neutrale Bezeichnung für ein junges Mädchen. Auch jegliche Zurschaustellung von Marionetten, Stichwort, Augsburger Puppenkiste, ist für mich seit kurzem nicht mehr tolerierbar. Weg damit!

Jeder kann dazu beitragen, die Welt ein bisschen toleranter und besser zu machen 😉 .

Aufreger

„Naked Attraction“…RTL2, ihr habt den Knall nicht gehört !

Ob man jetzt wollte oder nicht, ob man den Mist nun gesehen hat oder nicht…zwangsläufig stolperte man bei sämtlichen Nachrichtenmagazinen heute über Artikel, die von Blutpenissen handelten, von nackten Tatsachen, mit akribischen und langatmigen Beschreibungen diverser männlicher Genitalien und auch wenn sich so ziemlich jeder darüber aufregte, mokierte oder fremdschämte…es ist Realität.

Es gibt jetzt also endlich eine Dating Show im TV, wo man sich anhand der Genitalien verabredet. Die ist nicht nur so peinlich, dass mir allein die Beschreibung der „Spielregeln“ die Schamesröte des Fremdschämens Stufe 10 ins Gesicht trieb, nein, sie ist auch geschmacklos, erniedrigend und im Niveau vielleicht nur noch durch ein Format  namens „Let s Fuck“ zu unterbieten, wo Preisrichter die benötigte Zeit bis zum Orgasmus messen und das Ejakulat  anschließend zur Begutachtung in die Kamera gehalten wird. Aber wer weiß, vielleicht bastelt bereits jemand an dieser Show, wundern würde es mich nicht. 

Liebe Programmchefs von RTL2, Ihr habt den Knall nicht gehört! 

Fernsehen, hat jemand einmal geschrieben, ist so schlau oder so dumm, wie die Leute, die es ansehen. Jeder kann frei zwischen den Programmen auswählen. Anscheinend hat diese geschmackvolle Unterhaltung auf Schmuddelniveau am Fremdschäm- Oplymp trotzdem ihre Zielgruppe gefunden, es gab 1,45 Millionen Dumpfbacken (oder verirrte Zapper?) , die sich den Mist angesehen haben. Selber schuld 🙂

Was mir übrigens am besten von allen Artikeln über die neueste Errungenschaft  des Kloaken TVs gefallen hat, war der Artikel von Nicola Erdmann, die in der Welt das fiktive Szenario beschrieb, wie die Präsentation zu „Naked Attraction“ gelaufen sein könnte, als diese neue „Dating Show“ vorgestellt wurde.

„…, mal was ganz anderes. Dating ist der Trend, alle wollen daten, ihr kennt ja Tinder und so. Und Herzblatt! Aber wir machen Herzblatt und Tinder für Nackte. Ja, die Frauen finden es eigentlich scheiße, wenn man ihnen Nacktfotos auf Tinder schickt, aber wir verkaufen das ganz anders. ….

…Dann kommt der Single, am besten zuerst eine Frau, die nackte Männer anschaut, damit keiner sagen kann, dass das frauenfeindliche Fleischbeschau ist. Das kommt dann erst danach. Also, männerfeindliche Fleischbeschau zuerst…..

 ….. Da stehen also ein paar bunte Boxen mit Beinen und Penissen. Die Singlefrau und die Moderatorin gehen von Box zu Box und schauen sich die Penisse an. Das wird cool, da fallen dann Sätze wie ‚Oh schau mal, ganz symmetrisch hängt er da!’, oder ‚Ob das ein Blutpenis ist?’ oder ‚Der ist ja auch dick! Da käme ich mit einer Hand gar nicht rum.’ Aber das ist kein Trash, wir nutzen das auch total pädagogisch, echt. …

…nach den Penissen dürfen die Männer in den Boxen sich umdrehen, dann besprechen die Singlefrau und die Moderatorin die Pos. Mit ‚Oh, schau mal, da kann man nach vorne durchgucken‘, und so. Dann die Oberkörper, dann die Köpfe. Nach jeder Runde schickt die Frau eine Box nach Hause…

….und dann schickt sie halt den dicksten Typen weg. Den zeigen wir aber anschließend nochmal rundum nackt, damit alle schön erniedrigt sind…..

Der vollständige WELT Artikel ist hier zu finden Naked Attraktion auf RTL2…ob das ein Blutpenis ist?

Aufreger

Hilfe, ich bin eine aussterbende Art :-)

Irgendwie fiel es mir in der Vergangenheit leichter, Richtig und Falsch auseinander zu halten. Wobei ich das nach wie vor ziemlich sicher, tief in meinem Innersten weiß. Es passt nur nicht mehr zum Zeitgeist. Dumm gelaufen 🙂

Als in den 80er Jahren Aids aufkam, im Schlepptau eine grauenhafte Welle der Angst vor Ansteckung, die homosexuellen Männern eine Zeit lang das Leben ziemlich schwer machte, habe ich nach wie vor von einem Teller mit ihnen gegessen und sie stolz als meine Freunde präsentiert. Gleiche Rechte und Akzeptanz sind eine Selbstverständlichkeit für mich. Alles andere finde ich ziemlich blöde. Trotzdem würde ich als Leitmodell das traditionelle Familienbild, Vater, Mutter, Kind gerne behalten. Alle anderen Varianten sehe ich als gleichwertig aber nicht unbedingt als neues Leitmotiv das überall beworben werden muss. Lebt es einfach, und gut ist 🙂

Obwohl ich mir für mich eine Abtreibung nie wirklich vorstellen konnte, war ich mit den Thesen von Alice Schwarzer als eine erbitterte Streiterin für das Recht jeder Frau auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper unterwegs als es  gesellschaftlich ein NO GO war. Frauenrechte beschäftigen mich seit Jahrzehnten. Weil ich es richtig und wichtig finde. Trotzdem habe ich Bauchweh bei der neuen Umgestaltung unserer Sprache, verweigere eisern das /INNEN an jedem Wort, denn den Kampf um Gleichberechtigung möchte ich lieber weiterhin auf anderen Ebenen austragen. Wie schön, wenn mehr Energie in die finanzielle Gleichheit der Frau investiert würde. Geld ist Macht, Schwestern! Buchstaben sind jetzt nicht so hilfreich, wenn eine ganze Generation Frauen bald mit einer Rente vegetiert, die nicht nur ungerecht sondern eine Frechheit ist, gemessen an der Leistung, die sie erbracht haben.

Ich gehe jedem an die Gurgel, der es wagt, meine syrischen Freunde oder sonstwen in irgendeiner Form aufgrund seiner Herkunft oder Religion herabzusetzen. Trotzdem halte ich die tätlichen Angriffe auf Politiker einer rechten aber legalen Partei für mehr als bedenklich, auch der Umgangston mit denen die Politiker aus deren Reihen bedacht werden ist ein NO GO für mich und ich komme mit Fremdschämen nicht mehr nach.

Ich schäme mich für ALLE diffamierenden und persönlich verletzenden Äußerungen gegen JEDEN…und dabei ist mir piep- schnurz -egal, ob sie von rechts, von links aus der Mitte oder der Kirche kommen.  Es gibt die, bei denen sowieso Hopfen und Malz verloren ist, die werden weiter diffamieren und hetzen…. aber für die anderen, wollte ich doch einmal deutlich aussprechen:

Ethik im Umgang miteinander ist nicht relativierbar.

Auch die “Guten”, für die “gute Sache”  (für die sich dummerweise jeweils jede politische Gruppierung hält),  dürfen für ihre Ziele weder verbale noch tätliche Gewalt einsetzen , sollten weder diffamieren noch sich auf das Niveau begeben, das sie selbst (zu Recht) anprangern! Ich versuche auch nach Kräften eine rechtspolitische Einstellung, (bis vor nicht all zu langer Zeit war das ein Begriff für eine Partei der politischen Mitte), von braunem Gedankengut zu trennen und klar zu differenzieren. Ersteres muss man nicht mögen, aber hat es zu akzeptieren, Letzteres ist aus gutem Grund verpönt und strafbar!

Bitte nicht missverstehen…aber brennende Asylheime, “Deutschland verrecke” Rufe , geprügelte Polizisten und Naziparolen landen bei mir alle im gleichen Topf und machen es mir immer schwerer, GUT und BÖSE auseinander zu halten. Es ist ziemlich abstoßend in der Gesamtheit.

Bin ich die einzige, die nicht nur schrecklich Bauchweh bekommt, wenn man einem Flüchtlingsmädchen das Kopftuch herunter reißt sondern auch, wenn sie einen blutüberströmten Polizisten sieht, der zum Dienst auf eine Demo  geschickt wurde?

Geht es nur mir so, dass ich finde, die Kinder von politischen Gegnern, deren Sexleben und auch ihre geistige Gesundheit (letzteres besonders, wenn es sich um reine Spekulationen handelt) sollten außen vor bleiben, wenn man ihr Handeln kritisiert?

Und dann war da noch das Recht auf die eigene Meinung. Was bin ich froh, dass ich zu gewissen Zeiten noch kein Internet zur Verfügung hatte, als ich Dinge von mir gab, die zwar heute politisch mega korrekt und gesellschaftlich Mainstream sind, mich aber damals Kopf und Kragen, vielleicht auch die berufliche Laufbahn gekostet hätten. Stichwort „Legalize“ :-).  Viel Unsinn war auch dabei, aber man darf sich ja entwickeln… Früher durfte man das jedenfalls. Wäre meine armselige Protest-Band (sorry Mädels, so toll waren wir ja nun wirklich nicht, smile) ,  jemals auf Youtube erschienen, weiha 😉 .

Dummerweise stehe ich mit diesen Gedanken meist ziemlich allein und zwischen allen Fronten. Missverständnisse sind vorprogrammiert. Natürlich könnte ich auch einfach die Klappe halten.  Das hat aber schon in den 80ern nicht funktioniert und rückblickend bin ich froh darüber. Also beziehe ich weiter klar Stellung  für Toleranz, für Frauenrechte, gegen Rassismus, gegen jede Art von Unterdrückung, Ungerechtigkeit und Ausbeutung. Aber auch für Meinungsfreiheit und Fairness, und fühle mich zunehmend als eine aussterbende Art, die einem neuen Zeitgeist weichen muss. Kein schöner Gedanke 😦