Aufreger

Warum ich die Nationalität eines Mörders manchmal doch nicht irrelevant finde

Es gibt nichts schrecklicheres, als einen engen Angehörigen zu verlieren. Der Super GAU des Lebens ist für Eltern nicht der eigene Tod sondern der des Kindes. Daher versuchen alle Eltern ihre Kinder zu schützen. Überall auf der Welt und immer.

Zum Teil helfen auch Gesetze dabei, verschiedene Risiken und Gefahren abzuwenden. Helme auf dem Fahrrad, Gurt im Auto, kindersichere Sitze, die Abgabe verschreibungspflichtiger Medikamente nur von Medizinern oder auch die vorgeschriebene Absicherung an Baustellen… all das sind Regeln und Gesetze, die der Staat erlassen hat, uns zu schützen und über deren Einhaltung er streng wacht.

Es gibt einige Risiken, vor denen wir unsere Kinder nicht schützen können. Neben Krankheit und Unfällen sind auch unsere Mitmenschen in manchen Fällen ein potentielles Risiko. Vergewaltigung, Körperverletzung, Mord.., Dinge, die wir uns am liebsten gar nicht vorstellen möchten, so schrecklich ist der Gedanke, dass jemand vorsätzlich das Liebste was wir haben, verletzten oder gar töten könnte.

Würde der Staat morgen einfach die Vorgabe außer Kraft setzen, dass nur diejenigen ein Fahrzeug führen dürfen, die den Führerschein haben und jemand, den wir lieben, würde dann das Opfer eines Unfalls… Jemand hat diesen Unfall verursacht, der eigentlich gar kein Fahrzeug führen dürfte,  der nie am Steuer gesessen wäre, wäre diese (sinnvolle) Vorgabe weiterhin zwingend vorgeschrieben, …dann wären wir sicher aufgebracht und würden argumentieren, dass es verantwortungslos und riskant ist,  dieses Gesetz außer Kraft zu setzen und damit alle anderen Verkehrsteilnehmer einem erhöhten Risiko auszusetzen.

Wenn dann jemand auf die Idee käme, zu sagen:

Aber es passieren doch immer schon Unfälle,  selbst wenn jemand den Führerschein hat. Was soll die Aufregung?

Wäre das dann eine gute Argumentation?

So ergeht es gerade den Angehörigen der Opfer, die nur deshalb Opfer wurden, weil Menschen in diesem Land sind, die entweder nach geltendem Recht gar nicht hier sein dürften oder längst abgeschoben sein müssten. Menschen, die ein faires Asyl Verfahren hatten und deren Bescheid abgelehnt wurde. Die teilweise eine beängstigende Anzahl Straftaten auf dem Gewissen haben…behördlich bekannt…und die trotzdem frei herum laufen dürfen.

Ist es dann auch hier eine gute Argumentation, den Angehörigen dieser Opfer zu erklären, dass es immer schon Straftaten und Gewalt gab?

Es ist nicht irrelevant, ob ein Straftäter sich widerrechtlich im Land aufhält, und daher manchmal auch nicht, welche Nation er hat. Denn ein Teil der Morde/Vergewaltigungen/Körperverletzungen der letzten Jahre, wäre bei Anwendung der geltenden Gesetze nie passiert. Die Täter wären nie zu Tätern geworden, …weil sie eigentlich nach geltendem Gesetz nie mit dem Opfer in Berührung gekommen wären. Eine Gefahr, die man hätte abwenden können..müssen… was diese Straftaten von all denen, die leider nicht verhindert werden können, deutlich unterscheidet.

Mir erschließt sich nach wie vor nicht, was es mit Rassismus zu tun hat, wenn man in Erwägung zieht, dass viele Straftäter gar nicht im Land sein dürften und auch, dass daher viele Verbrechen zu verhindern gewesen wären. Für die Betroffenen macht das sehr wohl einen Unterschied und erschwert die Trauer und die Akzeptanz einer traumatischen Erfahrung oder eines schrecklichen Verlustes

Sie sagen, hätte ihr Staat sie geschützt und geltendes Gesetz umgesetzt, wären viele Straftaten nicht passiert. Der gleiche Staat, der keinerlei Probleme damit hat, Menschen wegen Versäumnissen bei der GEZ oder für minimale Mengen Cannabis hart zu bestrafen,  hat nicht reagiert.  Ich kann sie sehr gut verstehen.

Ich bin selbst aktiv in der Flüchtlingshilfe tätig, weil ich finde, wir sind moralisch in der Verpflichtung, Kriegsflüchtlingen die Chance auf Sicherheit und eine Zukunft zu gewähren. Es ist mehr als bedauerlich, dass mittlerweile alle in Sippenhaft für Verbrechen einer eingewanderten Minderheit an Straftätern genommen werden. Aber wer hier um Schutz bittet und auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung alles erhält, was er für einen Neustart oder den Lebensunterhalt benötigt…der sollte auch schutzbedürftig sein und verinnerlichen, dass es keine so gute Idee ist, im Gastland oder der neuen Heimat Gewalt und Schrecken zu verbreiten. Davon haben wir seit jeher bereits selbst genug.

Jedem der in dieses Land kommt und um Asyl bittet, schenken wir einen Vertrauensvorschuss und offene Türen. Ein faires Anhörungsverfahren und die Chance in der Gesellschaft Fuß zu fassen. Wer all das mit Straftaten belohnt, ist keine Bereicherung für unsere Gesellschaft und die Toleranz dieses Verhaltens ist nicht bunt sondern brandgefährlich! Es ist die beste Wahlwerbung, die sich eine rechte Partei nur wünschen kann und fördert die Spaltung in der Gesellschaft. Wollen wir das wirklich?

 

Aufreger, Seelenmarzipan

Leben mit einer chronischen Erkrankung … ihr habt keine Ahnung!

Fast jeder von uns kennt das unschöne Gefühl, mit heftigen Kopfschmerzen den Tag zu überstehen, die Wundschmerzen nach einer Verletzung, das elende Befinden während einer Grippe. All das sind Befindlichkeiten, die sich jemand mit einer chronischen Erkrankung herbei sehnen würde. Denn selbst wenn sie noch so unangenehm sind…sie gehen im Normalfall wieder vorbei. Mit ein bisschen Standvermögen, ein paar Helferlein und Geduld wandeln sich diese Phasen in den Zustand, den sich alle chronisch Kranken herbeisehnen, wie kaum sonst etwas auf der Welt…in normale Tage. Tage mit guten und weniger guten Ereignissen, Tage mit mehr oder weniger Energie, aber immer Tage, in denen man größtenteils ohne Beschwerden seine Kreise zieht und in der Kraft ist, im günstigsten Fall sogar schmerzfrei.

Ich weiß nicht, was mich am meisten im Umgang mit chronischen Erkrankungen stört. Neben der Tatsache, dass mein Leben wegen der dadurch erzwungenen Kompromisse nur noch ein müder Abklatsch des eigentlichen Entwurfes wurde, hasse ich mehr als alles andere, das Unverständnis aller Gesunden. Sie halten uns nämlich für schwach und wehleidig und sparen nicht mit guten, meist trivialen oder nicht umsetzbaren Ratschlägen. Sie geben mir oft das Gefühl, als wäre mir mit ein wenig mehr Anstrengung, ein wenig mehr gutem Willen doch möglich, zu tun oder zu leisten, was sie von mir erwarten… als ob ich es selbst in der Hand hätte, wieder gesund zu werden und mich nur zu dumm anstelle.  Sie wissen nicht oder ignorieren, dass jeder, der mit einer chronischen Erkrankung sein Leben meistert, jeden Tag aufs neue  kämpft, alles, aber auch alles versucht hat, um seinen quälenden Zustand zu verbessern, jeden Tag aushalten muss, was Otto Normalverbraucher nicht nachempfinden kann.

„Iss endlich wieder einmal Schweinsbraten und trink einen großen Schnaps, dann geht es dir besser…das ist alles, was dir fehlt…“

Diese, liebevoll gemeinten Worte meines Vaters schnitten mir jedesmal ins Herz. Ich vertrage das eine nur in sehr dosierten Mengen, das andere gar nicht und möchte es auch nicht mehr. Gut gemeint, aber diese Worte klangen wie Hohn in meinen Ohren, da ich ihm gefühlte 1000 Mal erklärt hatte, dass meine Leber bedingt durch einen Gendefekt mit Schadstoffen aller Art sehr zu kämpfen hat und mich ein Schnaps Tage aus der Bahn werfen kann, wenn es dumm läuft und wenn ich sowieso gerade wieder kämpfe. Ein kleiner Satz, der mir immer das Gefühl gab, wie wenig auch in der Familie verstanden wird, wie ich selbst mit den trivialsten Dingen des täglichen Lebens haushalten muss und auch und besonders…dass ich für einen Hypochonder gehalten werde.

„Mach doch einfach mal Urlaub…“

Sie wissen nicht, dass ich, genau wie jeder andere mit einer chronischen Erkrankung bis an die Grenze meiner Möglichkeiten agiere und meist darüber hinaus. Aber es ist nie genug. Es wird immer Limits geben, die zu akzeptieren eine große Herausforderung ist. Wir sind allein gelassen damit, in einer Gesellschaft, die Perfektion als höchstes Ziel gesetzt hat und in einer gnadenlosen Maschinerie des Gesundheitssystems, das eigentlich ein Krankheitssystem ist.

Wehe dem, der nicht mithalten kann oder dazu gezwungen wird, sich diesem System der kalten und oft höchst schädigenden Massenabfertigung auszuliefern. Nicht mehr die Jahreszeiten und die Urlaubsplanung bestimmen den Terminkalender sondern wochenlanges warten auf Arzt-Termine oder Untersuchungen, Hoffnung und Enttäuschung über neue Versuche der Linderung, Abfertigung im 2 Minuten Takt, Symptom-Bekämpfung mit aggressiven Medikamenten, ohne die Ursachen der Krankheit zu Hinterfragen und als Sahnehäubchen die beliebte Psychoschiene für jede, aber auch jede Erkrankung.  Mittlerweile werden Psychopharmaka, Cortison, Schmerzmittel und co verteilt, wie Drops, Sie nutzen einzig der Pharmaindustrie, den Chronisch Kranken würden nur ganzheitliche Behandlungsansätze helfen. Vorausgesetzt, der Erkrankte kann sich diese (privat finanzierte) Form der Behandlung leisten. Pech für alle anderen!

Chronische Erkrankungen sind gemeine Diebe. Sie stehlen Leistungskraft, Lebensfreude,  und Gute Laune, sie rauben wertvolle Lebenszeit, soziale Kontakte, Selbstsicherheit aber vor allem die Stabilität, wenn man nicht sehr aufpasst.   Es mag so manchen überraschen, aber für viele Schmerzen und viele Missempfindungen und Einschränkungen gibt es nicht DAS passende Medikament und wenn es existiert, darf man es nur in gewissen Dosierungen einnehmen, ohne ernste Organschäden zu riskieren. Das bedeutet im Klartext, jede Schmerzerleichterung, jede Cortisoneinnahme, jedes Medikament hinterlässt seine Spuren. Chronisch Kranke wissen das. Gesunde nicht.

„Stell dich nicht so an! Denk doch nicht immer daran! Du musst positiv denken. Es ist alles eine Sache der Einstellung!… „

Gesunde wissen nicht, wie es sich anfühlt, wenn jede Verabredung, jeder Urlaub, jeder Arbeitstag , manchmal die einfachsten Dinge im Haushalt zu einem Wagnis werden.

Kann ich es schaffen? Wird mein Körper mir diesmal erlauben zu tun, was ich so gerne möchte oder so dringend muss…oder wird der Schmerz, die Schwäche, das Herz, die schmerzenden Gelenke, der Durchfall, der Schwindel, die Behinderung, der Krankenhausaufenthalt…mir wieder einen Strich durch die Rechnung machen? Was passiert, wenn ich schon wieder absage/nicht zur Arbeit erscheine/die einfachsten Aufgaben nicht erfüllen kann?

Wie wird es weiter gehen, mit meiner Erkrankung? Werde ich daran sterben? Mit wieviel Einschränkungen muss ich noch rechnen? Wird es wieder schmerzhafte Untersuchungen, bedrückende Krankenhausaufenthalte, angstvolles Warten auf Tests und Diagnosen geben…

„Sei doch mal locker…lenk dich mit etwas Schönem ab. „

Zusätzlich zu den mehr oder weniger großen Einschränkungen, Schmerzen und Ängsten sorgen sich fast alle chronisch Kranken auch um das finanzielle Überleben. Nicht nur der Verdienstausfall ist problematisch. Gerade bei chronischen Erkrankungen hat die Schulmedizin wenig zu bieten. Oftmals verursachen die Medikamente, die wenn schon nicht heilen dann zumindest lindern sollen…große Kollateralschäden und heftige Nebenwirkungen. Die Kassen übernehmen jedoch nur die Kosten der Schulmedizin. Alle anderen Heilverfahren müssen aus eigener Tasche bezahlt werden. Ich weiss, wovon ich rede. Ich habe fast alle meine Ersparnisse in die Hilfe durch natürliche Heilverfahren investiert, sonst könnte ich heute diese Zeilen nicht mehr schreiben. Die Schulmedizin hätte mich längst umgebracht. Dafür macht die Naturheilkunde mich arm. Gesund machen mich beide nicht.

Chronisch Kranke sind anstrengend, sie sind unzuverlässig, oftmals nicht heiter und unbeschwert, sie sehen viele Dinge aus einem ganz anderen Blickwinkel, weil sie Dinge gesehen und erfahren haben, die niemand erfahren möchte und die meisten Menschen zum Glück auch niemals erfahren werden. Chronisch Kranke werden oft als schwach wahrgenommen, dabei sind sie stärker, mutiger und ausdauernder als jeder Gesunde.

Leben mit einer chronischen Erkrankung ist für jeden Betroffenen anders. Im Alltag versuchen die meisten, ihre Erkrankung und deren Folgen zu verbergen – sofern dies möglich ist.

Immer hilft eine positive Einstellung, Mut und der Wille, aktiv daran zu arbeiten, den Status Quo zu verbessern, Lebensqualität erhalten oder vielleicht auch durch Änderungen der Lebensführung irgendwann Heilung zu erfahren.

Irgendwann morgens aufwachen und sich ganz normal fühlen…ein frommer Wunsch für die meisten chronisch kranken Menschen. Trotzdem versuchen wir es jeden Tag wieder.

Solltet ihr diese Zeilen lesen und selbst nicht davon betroffen sein:

Es ist nicht euer Verdienst. Ihr habt einfach Glück! Seid dankbar dafür und ein wenig verständnisvoller allen gegenüber, die dieses Glück nicht hatten!

 

Aufreger, Tierschutz

Ohhh, wie niedlich! Tierquäler Videos im Internet

Ooooh, wie niedlich…. Nein! Wie grausam!

Tiervideos und Bilder sind seit jeher der Renner im Internet. Schlecht gelaunte oder tollpatschige Katzen, Hemdchen tragende Hunde, Tiere die etwas außergewöhnliches tun oder außergewöhnlich aussehen. Millionen User lieben diese vermeintlich niedlichen Tier-Clips und leiten sie an ihre Freunde weiter.

Dabei steht sehr oft Krankheit,Todesangst oder Zwang dahinter.
Die Tiere leiden für die Aufnahmen oft Qualen oder verhalten sich aufgrund einer Erkrankung wesensfremd.

Mir ist unverständlich, wie man sich darüber amüsieren kann, dass Katzen sich vor Gurken erschrecken oder ein kleiner Sand-Frosch quietscht wie ein Gummi-Tier. (Ein Ausdruck für Todes-Ängste des Frosches).

Es ist auch weder lustig noch niedlich, wenn Halter ihre Tiere in Kleidung stecken. Die Katze im Hai-Kostüm oder der Hund im Anzug sehen für Menschen vielleicht lustig aus, doch es ist wider ihre Natur. Und die „lustigen“ Schühchen Videos oder die ekelhaften „aufrecht laufende“ Hunde Filmchen wurden den Tieren teilweise nachweislich eingeprügelt.

Eines der widerlichsten Beispiele war für mich ein Pakarana, der bei der vermeintlichen Körperpflege gezeigt wird. Im Internet kursiert das Video als „duschende Ratte“
Das Tier versucht verzweifelt, den Körper wieder von der unbekannten Substanz zu reinigen. Das Tier empfindet in dieser Situation ganz sicher keinen Spaß, sondern extremen Stress. Trotzdem wird Millionenfach gelikt und geteilt.
Auch ein Äffchen in der Küchenspüle „beim Geschirrspülen“ fand viel Zuspruch, wer genauer hinsah, konnte die Kette sehen, die das arme Tier dort fixierte. Es handelte sich um eine üble Dressur!

Das Problem dabei ist, dass es durch den großen Zuspruch beständig mehr Nachahmer gibt, die ihre Haustiere für solche Videos oder Bilder quälen/stressen/missbrauchen.

Durch das unbedachte Liken und Teilen der vermeintlich niedlichen Tier-Videos wird der Ansporn beständig größer, immer mehr davon zu produzieren.

Da auch auf meinem Newsfeed beständig solche Filmchen auftauchen, noch einmal die inständige Bitte:
Denkt nach, ehe ihr einen Smiley setzt und teilt!!!

Ist das Tier vielleicht einfach nur krank?
Ist es wirklich lustig, was da passiert?
Würdet ihr eurem Tier das Gleiche zumuten?
Ist es realistisch, dass ein Tier freiwillig und entspannt tut, was im Video gezeigt wurde?
Unterstützt ihr auf diese Weise vielleicht Tierquälerei?

Ich teile grundsätzlich keine solchen Videos mehr, denn diese Filmchen und Bilder dienen einzig nur der Sensationsgier und Selbstdarstellung der Ersteller. Nicht lustig oder niedlich sondern abstoßend!

Aufreger, Tierschutz

Der Weihnachtskarpfen in der Badewanne

Viele der liebevollen Erinnerungen an meinen Vater haben mit Essen zu tun. Er war ein begnadeter Koch  und seine größte Freude bestand darin, die Familie mit leckerem Essen zu versorgen und zu verwöhnen. An Festtagen stand er stundenlang in der Küche und zauberte die typisch bayrischen Festtagsmenüs aus dem Ärmel. Er liebte Tiere, wie wir alle in der Familie, aber in den 60er Jahren waren „Nutztiere“ noch nicht als fühlende Lebewesen im Bewusstsein verankert und so kam es, dass am Tag vor dem heiligen Abend traditionell in der örtlichen Fischhandlung ein „Weihnachtskarpfen“ aus dem großen Bassin ausgewählt wurde. Man suchte sich den kräftigsten und damit ergiebigsten Karpfen aus der Menge heraus. Er wurde mit einem Köcher aus dem Becken geholt, in eine Plastiktüte mit Wasser gesteckt, die Tüte wurde zugeknotet, und damit der Fisch auch wirklich frisch auf den Tisch kam , wurde er anschließend Zuhause in der Badewanne „aufbewahrt“, bis ihm ein Schlag auf den Kopf den Gar aus machte, er ausgenommen wurde und dann mit Zwiebeln und leckerem Sud in der Terrine am Tisch landete.

Ich sehe die Badewanne in dem schwarz-weiß gekachelten Bad noch vor mir, den Fisch, wie er im Wasser schwamm. Ich  denke, ich versuchte sogar, ihn zu streicheln. Ich war noch sehr klein und konnte die Gefühle nicht einordnen, aber irgendwie fühlte es sich falsch an, ihn morgen aufzuessen. Offensichtlich hatten an diesem Weihnachtsfest auch meine Eltern das Gefühl, dass es sich falsch anfühlte, den Fisch zu töten. Vielleicht weil wir Kinder Bezug aufgebaut hatten, ich ihm einen Namen gegeben hatte, vielleicht weil sie selbst mehr und mehr Empathie entwickelten und begannen, Traditionen in Frage zu stellen. Vielleicht beides, ich habe es vergessen und meinen Vater kann ich leider nicht mehr fragen. Aber ich weiß, dass es an diesem Heiligabend Linsensuppe gab und der Karpfen in einem Fischweiher im nahe gelegenen Wald die Feiertage verbrachte und sehr wahrscheinlich noch viele Tage danach. Es ist mittlerweile 50 Jahre her, seit ich intuitiv, ohne jede wissenschaftliche Studie begriffen hatte, dass Karpfen fühlende Lebewesen sind, Schmerzen empfinden und leiden können. Mittlerweile belegen wissenschaftliche Studien, was eine Fünfjährige ohne Mühe erkennen konnte. Die Redakteure der Süddeutschen Zeitung verfügen über dieses Wissen leider noch nicht.

Offensichtlich hat sich dieses Wissen trotz aller wissenschaftlichen Belege nach wie vor nicht überall herumgesprochen, anders kann ich mir den unsäglich empathielosen und dümmlichen Artikel nicht erklären, der kürzlich  in der Süddeutschen Zeitung zu lesen war. Es ging um Karpfenzucht und zur Auflockerung wurde von der Züchterin  eine „heitere Anekdote“ zum besten gegeben. Eine Geschichte, die weder unterhaltsam noch heiter war sondern erbärmlich. Tierquälerei, Grausamkeit und Folter in ihrer reinsten Form.

„Die Fische von der Ertl-Zucht sind so frisch, die zappeln noch, wenn man sie in den Kofferraum legt. Einen Weihnachtskarpfen aus Lochhausen sollte man deshalb tunlichst mindestens fünf Stunden liegen lassen, bevor man ihn zubereitet. Sonst kann es passieren, dass er aus der Pfanne hüpft. Chefin Simone Wiesinger (Foto: A. Schellnegger) erzählt bei dieser Gelegenheit gerne die Anekdote von einem Kunden, der einen bei ihr gekauften Fisch trotz Warnung sofort in die Röhre schob. „Im Backofen zappelte der Fisch dann so herum, dass die Ofentür aufging und er auf dem Boden landete.“ Das Festessen war beendet, bevor es begann.“(Quelle: Süddeutsche Zeitung. Der Link zum vollständigen Artikel ist am Ende des Betrags eingefügt)

„Karpfen sind neugierige und freundliche Wirbeltiere mit individuellen Persönlichkeiten“ so Dr. Tanja Breining, Fachreferentin für Fische und Meerestiere bei PETA. „Sie leiden, wenn man sie aus dem Wasser holt, wo sie sich weder bewegen noch atmen können.“ Inzwischen ist es eindeutig wissenschaftlich erwiesen, dass Fische Stress und Schmerz empfinden.
Wie wir Menschen sind auch Fische Wirbeltiere, die ihre Schmerzen äußern, wenn auch für den Menschen nur schwer verständlich. Außerhalb des Wassers schnappen sie unübersehbar nach Luft, sie winden sich und zappeln, was deutlich aufzeigt, dass sie Schmerz empfinden und unter starkem Stress stehen. Das  Schmerzempfinden von Fischen ist dem Schmerzempfinden anderer Wirbeltiere sehr ähnlich. Jeder einzelne Fisch, der aus den Tiefen des Meeres in die Atmosphäre gezogen wird, leidet unvorstellbare Qualen: Aufgrund des enormen Druckunterschieds zwischen Wasser und Land reißt seine Schwimmblase, der Magen quillt ihm aus dem Mund und die Augen aus den Höhlen, während er langsam und qualvoll über Minuten oder Stunden erstickt. Tierschutz oder Mitleid ist ein Fremdwort in der Fischerei,  viele Fische leben noch und sind bei Bewusstsein, wenn sie aufgeschnitten und ausgenommen oder gar lebend auf Eis gelegt werden.

Neben internationalen wissenschaftlichen Studien, die bestätigen, dass Fische Schmerzen spüren, kommt auch das Friedrich-Loeffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, in seiner Stellungnahme für die Bundesregierung zu dem Schluss, dass „Fische zur Schmerzwahrnehmung fähig sind und entsprechend als sensible Lebewesen behandelt und geschützt werden sollten.“ [1]

 

[1] Stellungnahme des FLI zu den Veröffentlichung von Rose et al. (2012) sowie Arlinghaus und Cyrus (2013) (Berichterstatter: Dr. Michael Marahrens, Dr. Inga Schwarzlose), 2013.

 

Aufreger, Tierschutz

Gebt uns eure Stimme…Warum ich diese Wettbewerbe hasse!

Wer kennt sie nicht auf Facebook, die 1001 Bettelposts? Es geht um Tiere, die sterben wenn nicht gespendet, geimpft, operiert, kastriert oder gefüttert wird. Sie kommen aus aller Herren Länder und sind meist der erste Eindruck, den ein Facebook Nutzer von der Szene hat.

Wer kennt sie nicht, die tollen Wettbewerbe, bei denen Firmen durch die Hintertüre Werbung erhalten, Adresse oder Telefonnummern generieren und zur allgemeinen Belustigung dann alle Bedürftigen Vereine gegeneinander antreten lassen. Die Resonanz ist meist ausgezeichnet. Fast jeder macht mit, besonders Tierschutzvereine.

Was bleibt Menschen auch viel anderes übrig, die in Ländern leben, in denen Otto Normalverbraucher selbst nicht das Notwendigste hat, um in Würde zu überleben, wo Krankenhäuser und medizinische Versorgung auch für Menschen Luxus sind und mehr Tierelend und Grausamkeit in einer einzigen Straße zu finden ist , als bei uns die meisten in ihrem Leben je sehen werden. Was bleibt ihnen anderes übrig, als nach jedem Strohhalm zu greifen, wenn sie dem Sterben und Leiden nicht mehr länger zusehen können oder wollen?

Mit etwas Glück finden diese Menschen sich in Gruppen zusammen, viele bleiben notgedrungen Einzelkämpfer, weil ihr Herz für Tiere in ihrem Land als exzentrische Neigung angesehen wird, im günstigsten Fall belächelt oder ignoriert, oft aber auch angefeindet und bekämpft. Mit noch mehr Glück wird irgendwo jemand aus einem wirtschaftlich besser gestellten Land auf die Bemühungen aufmerksam und beschließt, zu helfen. So entstehen die meisten Vereine, die im Ausland tätig sind. Es sind Bündnisse, zwischen denen, die vor Ort leisten und denen, die aus der Ferne versuchen, den Nachschub zu ermöglichen. Für mich eine Zusammenarbeit mit der Creme de la creme der Vorzeige Europäer ❤

Die meisten meiner Kontakte sind nicht nur fließend sondern exzellent in Englisch, oft auch in weiteren Sprachen. Sie haben Hochschulabschlüsse und sind vertraut damit, wie man Internet Auftritte erstellt oder komplizierte Reise- und Zollabwicklungen macht. Aber vor allem haben sie das Herz am rechten Fleck und Augen, die wirklich sehen! Sie sind einzig bedingt durch die Umstände, die sie nicht zu verantworten haben, zu „Bittstellern“ geworden. Die Angst, einmal erhaltene Kontakte wieder zu verlieren raubt so manchen von ihnen den Schlaf, denn es bedeutet nicht mehr oder weniger, als den Tod ihrer Tiere, die sie genauso lieben, wie wir unsere Seelentiere zuhause auf der Couch. Auch ich würde für meine geliebten Tiere so so ziemlich alles tun und am Ende tun wir es dann gemeinsam. Und da Unzuverlässigkeit die einzige Konstante ist bei dieser Arbeit, versuche ich für jeden Unterstützer, den wir wieder verlieren,  zwei neue zu gewinnen.  Zwischen allen Ungewissheiten benötigen diese Menschen mehr als alles andere eine Konstante, jemand der nicht nach Laune über Zuwendungen entscheidet, mal hier mal da wechselt sondern ein stabiles Fundament, um etwas von dem immensen Druck und der Belastung zu verringern, die jeden Tag aufs neue Kraft zehrt.

Nichts im Tierschutz ist für die Ewigkeit und so mancher Spender binnen Sekundenfrist bereit, die Lager zu wechseln und die Tiere im Stich zu lassen, wenn ihnen irgendetwas, irgendjemand in der Helferkette nicht gefallen hat, aus Gedankenlosigkeit oder wenn sie schlicht das Interesse verlieren und andere Schwerpunkte setzen. Ich erlebe es jeden Tag aufs neue. Nichts im Tierschutz ist zuverlässig, nur die Gewissheit, dass ohne beständige Hilfe keine Veränderung stattfinden kann, alle im harten Wettbewerb stehen und allein gelassen wurden, von einer Welt und einer Politik mit anderen Schwerpunkten.

Daher hasse ich diese Wettbewerbe, in denen große Firmen die armen Vereine auffordern, um Likes oder Kommentare zu kämpfen. Dem Gewinner winkt Geld. Geld, das alle Teilnehmer benötigen und in  den Beiträgen dazu ist anschaulich ersichtlich, wie verzweifelt alle kämpfen, wie dringend jeder jeden Cent braucht und auch, dass es täglich mehr werden, die um Hilfe für ihre Tiere bitten, ja fast betteln müssen. Mir kommt es immer ein wenig so vor, wie Brotkrümel auf die Straße werfen, für ausgehungerte Vögel, und dann belustigt dem Kampf zusehen. (Eine ganz persönliche Wahrnehmung zu solchen Veranstaltungen, daher bevorzuge ich Projekte auf Augenhöhe, wenn ich bei einem Unternehmen persönlich um Spenden werbe.)

Allein gelassen von Politik und der breiten Öffentlichkeit spielt sich diese Schlacht, denn bei genauer Betrachtung ist es nicht mehr oder weniger, als ein einziger Kampf,  jeden Tag aufs neue ab und alles, worum wir betteln sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Wer die Ausgaben  unserer Regierung aufmerksam studiert, der wird den Posten für Tierschutz und angemessene  Hilfe für Straßentiere in der EU schmerzlich vermissen. Diese Aufgabe wird allein uns „Bittstellern“ überlassen.

Aber keiner von uns ist auch nur annähernd ein Bittsteller. Wir werden sehr gerne als solche behandelt und auf den ersten Blick mag es so aussehen… schließlich leben wir von der Hand in den Mund und sind Abhängig von der Laune und Gutwilligkeit unserer Unterstützer….

Genau genommen, sind wir jedoch unentlohnte, hochqualifizierte  Arbeiter, wir  arbeiten gemeinsam an verschiedenen Fronten, mit anspruchsvollem Wissen  und unglaublichem Engagement….

…nicht für uns, nicht für unsere Partner vor Ort sondern einzig für die Tiere! Wir sind nur deshalb gezwungen, beständig zu betteln, an Wettbewerben teilzunehmen und kostbare Zeit mit der Jagd nach Unterstützung und Unterstützern zu verbringen, anstatt sie direkt für die Hilfe zu verwenden, weil Politik und Gesellschaft versagen. Wir tun es mit Stolz und freiwillig für die, die ohne Stimme sind. ❤

Dankeschön an alle, die es gerade wieder mit uns gemeinsam tun, die gerade wieder für uns abstimmen und Zeit investieren, damit im nächsten Winter ein paar Tiere in eisiger Kälte und ohne Unterschlupf satt werden dürfen. Ihr seid so wunderbar!!!! Das einzige, was ich den Wettbewerben abgewinnen kann, ist der klare Blick, den sie mir durch das Abstimmverhalten über jede Community vermitteln, es ist immer gut, sich daran zu erinnern, wer die wirklichen Freunde sind, wenn man sie benötigt… ansonsten würde ich gern darauf verzichten. Die Firmen könnten auch einfach so spenden… nur mal so erwähn  ;-).

Wenn ihr euch für meine Projekte interessiert, die Webseite ist http://www.friedenfuerpfoten.org. Es gibt viele Artikel dazu auf diesem Blog und auf FB treffen wir uns im Freundeskreis SCARS, einfach um Aufnahme bitten, wir freuen uns über jedes neue Mitglied in unserer Community ❤

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Unsere Bankverbindung:
Frieden für Pfoten e.V.
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Aufreger

Warum bei dieser Wahl alle verlieren…

 

Wenn ich der AfD eines verdanke, dann viele interessante Einblicke in die Psyche und auch Erziehung meiner Mitmenschen.
Für mich macht es keinen Unterschied, ob sich jemand in der AfD als intolerant, dümmlich, ungebildet, unerzogen oder sogar gefährlich und hasserfüllt erweist oder in seiner Eigenschaft als erklärter Gegner. Man muss nicht zwingend rechts oder gar rechtsextrem sein, um menschenverachtende und dumme Gedanken zu verbreiten.
Auge um Auge… und am Ende ist die ganze Welt blind…
Wie unterirdisch und teilweise auch gefährlich braune Denke ist, darüber brauchen wir an dieser Stelle nicht zu diskutieren.

Ob es sehr klug ist, genau dieses Denken mit Methoden zu bekämpfen, die teilweise sogar weit über das angeprangerte negative Potential der politischen Gegner hinaus gehen, das wage ich allerdings zu bezweifeln.
„Kauft nicht bei AfD-lern…“erinnert mich unangenehm an „kauft nicht bei Juden“… damals ebenfalls eine sehr populäre Redewendung.
Zerstörte Wahlplakate, Exkremente im Briefkasten der politischen Gegner, Brandanschläge an Autos und Schlägereien vor den Wahlständen, um nur ein paar Beispiele zu nennen aus dem Wahlkampf 2017, hat einen Beigeschmack aus der Zeit, als eine eigens dafür geschulte Sturmtruppe jeden Widerstand gegen ein aufkeimendes Unrechtsregime im Keim erstickte. Es wird trotzdem beklatscht. Von den „Guten“.
Unliebsame Politiker und Regimekritiker durch Gerüchte gezielt und systematisch zu diskreditieren ist eine Kunst, die besonders die Stasi bis zur Perfektion beherrschte, sie hatte gute Lehrer in den 30ern unserer Vergangenheit.
Diese Kunst ist gerade wieder in voller Blüte. Seit der Begriff „Nazi Schlampe“ im TV offiziell salonfähig ist oder das Bild eines kleinen Jungen, der bei der Flucht ertrank, von einer Satire Partei als Gag verbreitet werden darf, wundert mich allerdings nichts mehr.
Seit .. „hätte“…“soll“…“vermutet“…-News die Schlagzeilen beherrschen und die sexuelle Ausrichtung einer Politikerin öfter thematisiert wird als das gewaltige, ständig wachsende Milliarden Loch in unseren Kassen und die zwangsläufig daraus resultierende, schleichende Enteignung einer gesamten Generation, stehe ich auch der Presse sehr kritisch gegenüber. Ich möchte sachlich und kompetent informiert werden

Ich weiss, dass man all das, was ich gerade kritisiere, neuerdings darf, sogar muss … wenn man sich zu den „Guten“ zählen möchte. So erklärt man mir es zumindest.
Und ich frage mich:
Wirklich? Darf man das? Muss man das? Und warum widert es mich dann so an?

Kann ich meinem Empfinden für Recht und Unrecht nicht mehr trauen? Ist dieses ganze Parteien und Ideologien Gerangel nicht einfach für manche ein tolles Ventil um Aggressionen und negative Gefühle loszuwerden? Bin auch ich jetzt neuerdings eine der „Bösen“, weil ich seit jeher alles entschieden ablehne, was die Menschen- und Frauenrechte unterdrückt und in ihrer Entfaltung behindert. Auch und besonders Religionen. Alle patriarchalischen Religionen, ja, auch das Christentum (was ich noch darf) und auch den Islam (was ich NICHT mehr darf)? Es gab nie auch nur eine einzige feindselige Mail oder einen polemischen Kommentar an mich, wenn ich die tierfeindlichen Praktiken der Christengemeinde anprangerte, was ich sehr oft tue. Wenn ich das bei der Religion des Friedens tat, hagelte es üble Beschimpfungen. (Nein, nicht von den Anhängern der Religion des Friedens, es waren andere, die mich dafür scharf verurteilten…) Ich unterlasse es seither aber mache mir so meine Gedanken…

Gibt es nicht genügend andere Möglichkeiten sachlich, nachhaltig und auch wirksam mit Fakten und einer entschiedenen Haltung all dem entgegenzutreten, was auch ich ablehne? Intoleranz. Ungerechtigkeit. Gewalt. Rassismus.

Ganz gleich, wieviele Punkte die AfD am Sonntag holt oder auch nicht. Ganz gleich, wer im Bundestag „für mich“ zukünftig entscheiden wird. In dieser Schlacht haben alle verloren. Ihre Werte. Und mein Vertrauen.
Bitte verzichtet an dieser Stelle ausnahmsweise über Diskussionen rund um Parteien und Ideologien. In diesem Beitrag ging es mir um etwas ganz anderes…um Werte… und Wahrheiten…und was aus ihnen geworden ist…

 

Aufreger

Hat sich die Gesellschaft verändert? Die Form der Berichterstattung? Oder ich?

Früher war alles besser, hat meine Großmutter immer gesagt. Und ich nickte dann stets diplomatisch zu dieser Binsenweisheit und dachte…“Red du nur! Alles ist wunderbar, so wie es jetzt ist und es wird immer besser!“

Das war irgendwann in den 80ern und ich stelle mir in letzter Zeit öfter die Frage, woran es liegen könnte, dass ich mittlerweile nicht mehr so denke. Ist es nur mein fortgeschrittenes  Alter oder hat sich tatsächlich unmerklich irgendetwas verschoben, „verrückt“ in unserer Gesellschaft? Also dachte ich darüber nach, einfach einmal alles aufzuschreiben, von dem ich meine, es wäre seit den 80ern  schlechter geworden, neben meinem Sehvermögen und meiner Geduld…

Bei der Aufzählung all dieser Dinge, wusste ich dann gar nicht, wo anfangen und wo aufhören. Wow, da kam schon eine Menge zusammen!

Ist es der Absturz in der Rentenerwartung, eine Rente, die mir nach fast 50 Jahren ununterbrochener Anstellung (und nicht schlecht bezahlt), wenig mehr zugestehen wird, als die Grundversorgung?

Ist es der mangelnde Respekt, die Missachtung die man heute einigen Berufsgruppen entgegen bringt, die alles in allem um unser Gemeinwohl bemüht sind und die Ordnung aufrecht erhalten? Sei es ein Bahnschaffner, ein Polizist, ein Rettungshelfer,  sie sind zunehmend mit tätlichen Angriffen, Beleidigungen und Respektlosigkeit konfrontiert, die es in diesem Ausmaß nie gab.

Sind es die Lügen  seitens der Regierenden? All die gebrochenen Wahlversprechen? Die Arroganz, mit der sie die Wünsche und Nöte ihrer Wähler ignorieren und wie wir uns bereits  daran gewöhnt haben?

Sind es die Schlagzeilen, die Zeitungsartikel, die als Nachrichten daher kommen aber sehr oft Meinungen sind, und erschreckend gleichgeschaltet?

Ist es die leise Demontage unseres Grundgesetzes, dessen eindeutige Formulierungen heute nicht mehr von jedem verstanden oder angezweifelt werden?

Ist es die gesellschaftliche Verrohung, das Hetzen, das Einprügeln auf bestimmte Ethnien, Berufsgruppen, Ideologien und Meinungen, die bei mir auf vielen Ebenen die Erinnerung an den Geschichtsunterricht auffrischt? An die Zeit, wo man Menschen wegen ihres Aussehens oder religiöser Zugehörigkeit  verfolgte und verurteilte, wo man denunzierte, Häuser beschmierte, politische Gegner verprügelte und dafür Beifall erhielt?

Ist es das beklemmende Gefühl, dass Gewalt , Gesetzesbrüche en gros und Respektlosigkeit mittlerweile Normalität sind in unserem Alltag? Kavaliersdelikte, quasi, die niemand mehr groß beachtet?

Ist es allgemein die erschreckende Zunahme von Gewalt? Gegen Kinder, gegen Alte, gegen Schwache, gegen Frauen, gegen jeden, der sich nicht besonders gut wehren kann…besonders auch Tiere?

Ist es die unglaubliche Ignoranz, in der Tiere in unsere Gesellschaft weiterhin konsumiert, geschlachtet, getestet, gequält werden dürfen? Eine gesellschaft, die trotz neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse über die Empfindungen dieser Lebewesen einfach leugnet, dass all dies ein Verbrechen ist und die eher neue Qualen hinzufügt als bestehende zu verringern?

Ist es meine Wahrnehmung, einfach immer weniger „frei“ zu sein? Dass alles, was ich äußere, wie ich lebe, was ich tue, wohin ich reise, dass so viel Wissen über mich und meine Person irgendwo offiziell gespeichert, registriert und unter Beobachtung ist wie nie zuvor, wie ich mir das in meinen kühnsten  (1984 Alb)-Träumen nicht vorstellen konnte?

Irritiert mich, dass ich meine Ausdrucksweise vermehrt kontrollieren und auf political correctness überprüfen muss, wenn ich über Tierschutzthemen referiere, ein Thema, bei dem leider sehr vieles, alles andere als „political correct “ ist?

Beunruhigt mich, dass ich tatsächlich zum ersten Mal in meinem Leben vorher überlege, wohin und um welche Uhrzeit ich in diesem Land gehe und ob der Aufenthalt an diesem Ort vielleicht unangenehme Konsequenzen haben könnte?

Oder vielleicht nervt mich auch nur der Schönheitswahn? Dass sich flächendeckend gefühlt jeder mit der Frage beschäftigt, ob er zu dick zu dünn, zu unattraktiv oder zu alt aussieht  und all diese existentiell wichtigen Fragen jeden Tag von den Medien befeuert werden?

Könnte es daran liegen, dass ich zunehmend gefühlt überall nur Ungerechtigkeit wahrnehme, in unseren sozialen Systemen, in der Rechtssprechung, in der Entlohnung einzelner Berufsgruppen in der Verteilung öffentlicher Gelder?

Ob sich wirklich alles so zum Nachteil verändert hat?  Lese ich vielleicht nur die falschen Magazine, wird nur medial aufgepusht, was in Wirklichkeit gar nicht so stattfindet? Hat nicht die Gesellschaft sich verändert sondern wurde einfach nur mein Radar für Bullshit  über die Jahre leistungsfähiger??

An dieser Stelle höre ich dann meist auf zu sinnieren. Nutzt ja doch nichts. Wahrscheinlich hatte meine Oma einfach recht. Früher war alles besser! Aber Oma wußte noch mehr : „Jammer nicht rum, sondern tu was!“  Das hat sie  auch immer gesagt.  🙂

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