Katze, Tierschutz

Manchmal muss der Kopf über das Herz entscheiden und auch für Hilfe gibt es ein paar Regeln im Auslandstierschutz

Deutschland wird schier überschwemmt von Tieren, die aus dem Ausland adoptiert werden, es gibt einfach zu viele Länder, in denen einzig Rettung eine Option auf Leben und eine Chance ermöglicht. Verbleiben die Tiere in ihrem Herkunftsland, sind sie nicht selten dem Tod geweiht oder fristen ein Dasein, das wir keinem Geschöpf wünschen. Soweit so schlecht.

Trotzdem wird jeder seriöse Helfer zustimmen, dass wir nicht alle retten können. Ich stehe jeden Tag vor unliebsamen Entscheidungen. Entscheidungen, die jedoch nicht nur das Wohl des geretteten Tieres berücksichtigen dürfen sondern auch die Frage, wie das Leben der anderen Tiere in dem neuen Zuhause beeinflusst wird, ob es andere Familienmitglieder vielleicht sogar in Gefahr bringt, wenn leichtfertig jemand dazu gesetzt wird, der durch Angst und Gewalt geprägt wurde, um überleben zu können, der Kampf und Verteidigung um jeden Bissen, jeden Ruheplatz und auch jede Streicheleinheit verinnerlicht hat.

Wirklich aufmerksam auf diese Problematik wurde ich erst, als ich bei einer Nachkontrolle von einem Hund heftig gebissen wurde. Natürlich hatte ich alle Vorsichtsmaßnahmen eingehalten. Leichtfertig war der neue Besitzer, der den Hund frei laufen ließ, und ihm so Gelegenheit gab, auf mich zuzustürmen, sich in meinem Bein zu verbeißen und auf diese Weise seiner Angst und Unsicherheit Ausdruck verlieh, weil  jemand sein neues Zuhause betreten wollte. Angsthunde reagieren anders als andere Hunde und die Tierheime sind voll mit den abgegebenen Adoptionstieren, die sich als wesentlich schwieriger zu sozialisieren erwiesen, als blauäugig vermutet wurde. Hauptsache raus aus dem Shelter, rein in den Transportwagen, rein in den Flieger und nach uns die Sintflut. Die Zeche bezahlt der Auslandstierschutz als Gesamtheit, durch einen schlechten Ruf, durch nicht wenige menschliche oder tierische  Bissopfer, geschlagene Tiere, entlaufene Tiere oder andere Kollateral Schäden.

Hunde, in Einzelfällen auch Katzen, die bisher hart um ihr täglich Brot, ihr Revier oder einen Platz an der kargen Futterschüssel kämpfen mussten, die misshandelt wurden, brauchen einige Zeit, um sich an die neuen Umstände zu gewöhnen. Die Mehrzahl der adoptierten Glückspilze ist friedlich und lebt sich schnell ein. Was mit den anderen passiert, liegt meist am Geschick, der Umsicht und Geduld der vermittelnden Tierschutz Organisation.

Vor jeder geplanten Adoption ist es daher ein MUSS, sich über den Charakter des Tieres ein Bild zu machen. Krankheiten sind vorher abzuklären, die eine Gefahr für andere Tiere darstellen, die bereits im Haushalt leben. Nicht jeder Hund ist katzenfreundlich und während die meisten nach einer Zeit des Kennenlernens friedlich oder sogar freundschaftlich miteinander umgehen, kann in Härtefällen ein gezielter Nackenbiss die Annäherung beenden, ehe sie richtig passiert ist oder die Katzen für immer aus dem Haus treiben, die sich nicht an tägliche Jagdspielchen gewöhnen wollen.

Es gibt so unendlich viel zu beachten, wenn eine Adoption wirklich für alle Beteiligten stimmig sein soll, wenn die Tiere nicht zu Wanderpokalen werden sollen, die von einem Platz zum anderen, von einer Pflegestelle dann in ein Tierheim wandern.

Die richtige Auswahl ist die halbe Miete für eine zweite Chance, die ein Leben lang trägt….was mich angeht, …nicht die Stärksten und Fittesten sondern die kranken, die Duckmäuser und die Schwachen zuerst, denn sie haben die geringsten Chancen auf ein Überleben in den Sheltern oder auf der Straße…

Adoption ins Ausland, die weite Reise, der Stress, alle damit verbundenen Risiken sind nur deshalb notwendig, weil wir es nicht schaffen, in den betreffenden Ländern Kastration, Aufklärung und Hilfe vor Ort in ausreichendem Maß bereit zu stellen. Keine Pflegestelle ist glücklich, ihr Tier Tausende Kilometer weit weg zu wissen. Es ist einzig das Wissen um die Chance auf Leben und die Notwendigkeit den nächsten Notfall nach dem adoptierten Tier zu helfen, das sie zu diesem oft schmerzhaften Schritt bewegt. Von den Sheltern, die damit ihr schmutziges Geld verdienen, möchte ich an dieser Stelle nicht schreiben, sie zähle ich nicht zu den Tierschützern sondern ihr Handeln ist eine schmutzige Gelddruckmaschine, die den Tieren schadet und auch dem Ruf aller ehrlichen und seriösen Tierschützer, die übrigens weit in der Überzahl sind. Leider liest man nur von den anderen regelmäßig, denn die effektive und seriöse Arbeit aller beherzten Tierschützer im Ausland interessiert nicht so sehr, wie die Sensationsschlagzeilen der schwarzen Schafe.

Fazit, obwohl ich bei jeder gelungenen Adoption überglücklich für die betroffenen Tiere bin, liegt mein Augenmerk mehr und mehr auf den Maßnahmen vor Ort. Wir können nicht alle bei uns aufnehmen und daher ist Kastration, Kastration und noch einmal Kastration DIE Lösung, an der wir alle noch viel intensiver arbeiten sollten. Für jedes Tier, das nach Deutschland verbracht wird, könnten für die gleichen Kosten leicht vier andere Tiere vor Ort kastriert werden, und damit auf einen Schlag nicht nur vielfaches Leid gelindert sondern ganz verhindert werden.

Nach wie vor setze ich alles, was mir zur Verfügung steht dafür ein, chancenlosen Tieren ein Happyend in Deutschland zu schenken. Nach wie vor habe ich für jeden nur einen mitleidigen Blick übrig, der meint, Tierschutz hört an der Landesgrenze auf… aber mittel- und langfristig sollte Tierschutz in Deutschland nicht nur Hochburg der Auslandsadoptionen sein sondern engagierter und fordernder Partner für alle Länder und alle Tierschützer, die nicht an einem Tropfen interessiert sind, der die meisten Tiere gar nicht erreicht, sondern an effektiver Hilfe, die verändert…

Futterstellen und medizinische Versorgung der Tiere, die bereits vor Ort sind. Adoption für Härtefälle und spätestens dann muss ein Konzept greifen, das weitere Vermehrung verhindert, muss alles andere vor dieser immens wichtigen Aufgabe zurück stehen. Auch wenn es manchmal schwer fällt…und auch wenn diese Aktivitäten leider wenig Aufmerksamkeit und Rückhalt unter den Tierschützern hier erfahren und vor Ort nur sehr schwer durchführbar sind.

Poste ich das Bild eines verletzten Tieres und bitte um Hilfe…dann ist in fast jedem Fall eine gelungene Rettung das erfreuliche Resultat. Poste ich den Bericht über eine Kastrationsaktion, an der sich zahlreiche Helfer die Nächte um die Ohren schlugen, die mit viel Geduld und Einsatz wieder einer ganze Kolonie das Überleben ermöglicht haben…dann sinkt die Anzahl der Klicks und die Spendenbereitschaft ist wesentlich geringer obwohl auf diese Weise buchstäblich hunderte Tiere davor bewahrt werden, als nächstes in einem Post zu erscheinen, der sie abgemagert, krank, verletzt und erbarmungswürdig auf Facebook präsentiert. Klingt seltsam…ist aber so….Daran sollten wir arbeiten ❤

Katze, Seelenmarzipan, Tierschutz

Was ich von meiner Katze über das Leben gelernt habe…

Was ich von meiner Katze über das Leben gelernt habe …

Luna war als „Ersatz“ gedacht und wurde von mir sicher wegen einer gewissen Ähnlichkeit zu meiner Herzenskatze ausgewählt.

Sie zeigte mir, dass Liebe nicht reproduzierbar ist sondern immer wieder neu entdeckt und gelebt werden muss, sie ist charakterlich so ziemlich genau das Gegeneil von dem, was ich verloren und wieder gesucht hatte…egal! Ich lernte jede Eigenheit zu lieben und auch, dass Äußerlichkeiten völlig in Vergessenheit geraten, wenn man liebt.

Luna ist launisch, egozentrisch und fordert lautstark ein, was sie möchte und braucht.

Sie zeigte mir, dass es nicht immer nachteilig sein muss, wenn man sich seiner selbst sicher ist, Eigenheiten und Vorlieben auslebt sondern Ausdruck der Persönlichkeit, die sie unverwechselbar macht und noch liebenswerter.

Luna wurde alt und krank,ihr Aussehen veränderte sich und auch das, was ihr an Beweglichkeit und Aktionsradius möglich ist.

Sie zeigte mir, dass Altern ein wunderschöner, natürlicher Prozess ist, der die Züge feiner und ausdrucksstärker macht, und wie man sich würdevoll und gelassen an Beschränkungen anpassen kann.

Luna hat manchmal Schmerzen und ist müde.

Sie zeigte mir, dass das Leben trotzdem erfüllt und lebenswert sein kann, verschläft die schlechten und genießt die guten Tage, freut sich an jedem Sonnenstrahl, an der Wärme der Heizung und in der Geborgenheit meiner Arme.

Luna ist wählerisch, verweigert alles, was sie nicht möchte, auch Medizin oder Veränderungen.

Sie zeigte mir, dass es richtig ist, und der Gesundheit förderlich, gegen alle Vorgaben dem eigenen Instinkt zu vertrauen und ohne schlechtes Gewissen dem Bauchgefühl zu folgen.

Luna vertraut und liebt bedingungslos, allerdings nur ausgewählten Personen gegenüber, alle anderen werden ignoriert oder gemieden.

Sie zeigte mir, dass Vertrauen und Liebe kostbar und nicht selbstverständlich sind und wir damit sorgsam umgehen sollten.

Luna war zu jedem Zeitpunkt genau so, wie sie war und lebt, das was ist … eine kleine Zen Meisterin auf vier Pfötchen. Mein Lieblings Zen Spruch, könnte auch von ihr sein:

“Was machst du, um dich zu entspannen?”, fragt der Schüler seinen Meister.
“Nichts”, erwiderte der Meister. “Wenn ich gehe, gehe ich, wenn ich esse, esse ich, und wenn ich schlafe, schlafe ich.”
“Das tun doch alle”, meinte der Schüler darauf.
“Eben nicht!”, antwortete der Meister.

Katze, Seelenmarzipan, Tierschutz

Briefe an Valerion…

Für Valerion…1

Liebster Valerion,

du magst Dir vielleicht allein und vergessen vorkommen, isoliert von den anderen Katzen, krank und voller Sehnsucht nach dem einzigen Menschen, der dich je geliebt hat…aber das bist du nicht!
Du bist nicht verlassen!
Das Problem ist nur…um dir zu helfen brauchen wir einen Engel oder ein Wunder, am besten beides!

Martha hat dich in die Cattery gegeben, weil du so verzweifelt auf der Suche nach Liebe warst, dass du in Konkurrenz mit den vielen anderen Katzen auf der Pflegestelle kamst und einer von ihnen hat dich sogar angegriffen.
Sie hat dein Leid gesehen, dich von der Straße geholt, zu allen OP s und schlimmen Prozeduren begleitet. Sie hat auf dich gewartet, wenn du wieder in der Klinik warst und sie wünscht sich wie wir alle, endlich ein kleines bisschen Glück, Geborgenheit und Gesundheit für dich.

Die Menschen, die dir so in dein kleines Gesicht traten, als du arglos auf der Straße nach Futter und Zuneigung gebettelt hast, haben ganze Arbeit geleistet. Das Loch in deinem Gaumen, verursacht durch die Knochensplitter des Nasenbruchs, ist trotz OP bis jetzt nicht behoben. Du wirst eine zweite benötigen. Vielleicht.
Die Medikamente gegen die dadurch immer wieder aufsteigenden Entzündungen im Rachenraum haben dir weitere Probleme verursacht. Du niest und rotzt, hast offene Wunden und stehst daher nicht auf der Top 10 der Adoptionswünsche. Du hast FIV, was zwar nicht wirklich ein Hindernis ist, aber für manche Menschen, die nicht so gut informiert sind, ein weiteres Hindernis darstellt.
Wir wissen, was du für ein wunderbarer kleiner Kater bist, wir haben dein großes Herz, deine Geduld und Würde kennengelernt. Auch deinen Lebenshunger und Kampfgeist. Wir wissen, dass du trotz FIV verträglich mit anderen Katzen leben kannst und auch leben möchtest!

Du bist etwas ganz besonderes und nur zu gern würden wir wieder gut machen, was das Leben und die Menschen dir bisher zugemutet haben. Wir arbeiten daran, lieber Val!
Am Geld soll es nicht scheitern! Wir geben gern alles was wir ermöglichen können für deine Behandlung.

Aber wir suchen den Engel, der dich aufnimmt und dich auf dem Weg zum gesund werden begleitet, einen Engel, der sich nicht von deinem Schnupfen abgestoßen fühlt sondern dich so liebt, wie du bist und der deine unerschöpfliche Zuneigung genießt.
Wir suchen nach dem Wunder, dich nach Deutschland zu holen, eine Behandlung in der besten Tierklinik zu ermöglichen, dich irgendwann gesund und mit glücklichen Augen von einem Happyend Bild schnurren zu sehen.

Daran arbeiten wir lieber Val und senden dir Grüße und Zuversicht.
Halte noch ein wenig durch…es gibt einen solchen Engel…wir müssen ihn nur für dich finden!

PS: Für mich bist du einer der Schönsten 
In Liebe
Bettina

Für Valerion…2

Liebster Valerion,

auch wenn du dich einsam und hoffnungslos fühlst, es passieren wunderbare Dinge für dich und du musst durchhalten, mein Kleiner! Vielleicht gibt es dir Kraft und Trost, wenn ich dir schreibe, was wir gerade alles für dich unternehmen.

Wir hatten stets gehofft, die Zeit und deine erste OP würde es richten und du erholst dich bei SCARS. Deshalb haben wir mit einer Adoption für dich abgewartet. Du solltest gesund in dein neues Zuhause reisen. Ich fühle mich schuldig, weil ich dein wichtigstes Bedürfnis übersehen habe:
Vor allem anderen hast du dich nach Liebe und Geborgenheit gesehnt und deine endlosen Aufenthalte in der Klinik, das ständige Kommen und Gehen von anderen sehr bedürftigen Katzen, hat dich verunsichert und weiter geschwächt, du wurdest gemobbt und schließlich sogar auf eine andere Pflegestelle gesetzt. Der Krankenkäfig wurde dein Gefängnis und wir möchten dich endlich da heraus holen.

Der Mensch, der dich so misshandelt hat, wird wohl nie seine gerechte Strafe erhalten aber wir versuchen wieder gut zu machen, was dir widerfahren ist. In Athen wie in Deutschland bist du nun Chefsache.
5 Menschen sind gerade damit beschäftigt, für dich Flug, Behandlung und ein Zuhause zu finden. Es wird riskant, es wird sicher unangenehm, …noch eine weitere OP für dich, noch einmal die gefürchtete Klinik…
Ich möchte ehrlich zu dir sein: Ja, du könntest vielleicht sogar sterben. Wir wissen aber beide, dass du das sowieso gerade vor hast und daher werden wir diese Chance nutzen! Wir werden es wagen, denn du kannst wieder gesund werden.
Stell dir vor Valerion, ohne Schmerzen, mit einem eigenen Menschen, bei dem du nach Herzenslust kuscheln kannst, frei im Haus alles erforschen, zusammen mit netten Katzenfreunden und bei jemandem, der dich so liebt, wie du bist. Für immer 

Nafsika kümmert sich in Athen weiter um deine Versorgung, Micaela sucht auf Hochtouren nach einem Zuhause und einem Flug für dich und Gitta nach der besten medizinischen Option.
Ich werde in der Zwischenzeit die Menschen hier um Hilfe für deine Behandlung bitten. Ich habe zwar noch keine Ahnung wie…aber du wirst alles erhalten, was du brauchst um gesund zu werden. Wir schaffen das! DU schaffst es!
Daran musst du fest glauben, Valerion!
Das Leben und die Menschen waren bisher nicht gut zu dir, du kennst nur Schmerz und Einsamkeit …aber Du bist jung, du bist stark und du hast es so verdient, glücklich zu sein!
Bitte glaub an dich, denn ich tue das, seit ich dich zum ersten Mal gesehen habe, seit Martha und Rena dich von der Straße geholt haben.
Bald holen wir dich. Und jetzt kämpfe!

In Liebe
Bettina

——————————-
Hilfe für Valerions OP
Unsere Bankverbindung:
Frieden für Pfoten e.V.
Kennwort Valerion
GLS Bank
Konto Nr.: 1181465900
IBAN : DE 41 43060967 1181 4659 00
BIC : GENO DE M1 GLS
Paypal : info@friedenfuerpfoten.org

 

val3


 

Katze, Seelenmarzipan, Tierschutz

No Name Cat…Blog eines Straßenkaters Teil3

Ich würde euch gerne meine Geschichte erzählen. Ihr alle kennt mittlerweile meinen Namen. Aber ich hatte nicht immer schon einen…

Nach einem zehntägigen Aufenthalt in der Klink, die Details möchte ich euch ersparen, zog ich also bei diesem Menschen ein. Ich hatte jetzt mein eigenes Zimmer, Bett, Spielsachen, frisches Wasser und Essen. ESSEN, das ich nun tatsächlich auch essen konnte!

Aber so glücklich ich auch über all diese wunderbaren Dinge war, bisher kannte ich nur Angst. Sie war in all der Zeit auf der Straße der einzige Begleiter, der immer an meiner Seite war. Und dieser Begleiter war nach wie vor da, fand immer wieder neue Gründe, in mir zu wachsen.

Daher ignorierte ich anfangs mein kuschliges Körbchen und wählte als Schlafplatz sicherheitshalber den nackten Boden unter dem Bett, man weiß ja nie! Sie stellte dann einfach noch ein anderes Körbchen für mich unter das Bett.
Ich hatte auch Angst vor den Spielsachen, die sie mir anbot. Keine Ahnung, was mir daran so Angst machte, aber spielen war mir nie in den Sinn gekommen. Ich entschuldigte mich bei Martha für mein Desinteresse, indem ich meinen Kopf zärtlich an ihr rieb und sie nonstop anschnurrte. Ich glaube, sie war mir nicht wirklich böse, weil ich nicht spielen konnte. Mein Vertrauen zu ihr wuchs. Ich fühlte mich sicher. 

Mit dem Gefühl der Sicherheit, begannen all meine „Kommunikations Kanäle“ plötzlich wieder zu funktionieren.

Plötzlich konnte ich dieses warme Gefühl wieder spüren. Ihr wisst schon, das Gefühl, das die Menschen Liebe nennen. Dieses Mal fühlte es sich aber noch ein bisschen anders an.
Diesmal fühlte es sich so an, als kam es von ganz weit her, von einem Ort, der sich Deutschland nennt. Aber die räumliche Entfernung spielte keine Rolle. Die größte Entfernung zwischen zwei Lebewesen ist Gleichgültigkeit, nicht die Anzahl der Kilometer!
Für mich fühlte es sich so an, als wären all diese Menschen gleich im Haus neben uns! Und sie mochten mich wirklich, das zeigten sie mir auf viele Weise.

Jetzt hatte ich sogar eine Patin. Ich habe sie immernoch! (Hey Patin Monika, ich liiiiebe dich ❤ ).

Mittlerweile hat man mir auch einen einzigartigen Namen geschenkt. Das wäre fast daneben gegangen, denn meine schusselige Pflegemama Martha hielt mich anfangs für ein Mädchen. Das hat sie allen tatsächlich erzählt! (Aber ich denke, irgendwann werde ich ihr das dann doch verzeihen…)

Um es kurz zu machen, ich war umgeben von unendlich viel Liebe und Glück. Leider auch von unendlich viel Krankheit. Und ehe ich mich versah, musste ich zurück in die Tierklinik.Darüber würde ich euch gern das nächste mal mehr erzählen…Ihr alle kennt mittlerweile meinen Namen. Aber ich hatte nicht immer schon einen.Mein Name ist Valerion…

 

Fortsetzung folgt

(c) Martha Politis Athanassiou/ BMS

Valerion sucht ein Zuhause!

Wenn ihr seine /RetterinPflegestelle in Athen, Martha, gerne mit einem Carepaket, einer Patenschaft oder bei der Vermittlung unseres Val unterstützen möchtet, dann kommentiert bitte auf FB oder schreibt mir.

info@friedenfuerpfoten.org

Unsere Bankverbindung:

Kennwort Valerion
Frieden für Pfoten e.V.
GLS Bank
Konto Nr.: 1181465900
IBAN : DE 41 43060967 1181 4659 00
BIC : GENO DE M1 GLS
Paypal : info@friedenfuerpfoten.org

 

https://guteskarmatogoblog.wordpress.com/2017/10/08/briefe-an-valerion/So ging es weiter…

 
Katze, Seelenmarzipan, Tierschutz

No Name Cat…Blog eines Straßenkaters Teil1

Ich würde euch gern meine Geschichte erzählen.

Mittlerweile kennt ihr mich alle bei meinem Namen. Aber ich hatte nicht immer schon einen.

Wisst ihr, ich war nämlich eine dieser namenlosen Katzen und die Straßen waren mein Zuhause. Nachdem ich nicht gerade der Typ Katze war, in den sich jeder sofort verliebt, war alles, was ich mir erhoffen konnte, ab und zu ein Plätzchen in der Sonne.

Oder vielleicht auch nur einen Platz, an dem man mich in Ruhe lässt, wo mir niemand weh tut.  Selbst wenn dort nicht die Sonne schien, sondern es nur Regen und Schnee gab. Ich war auch krank, sehr krank aber ich habe gelernt, es zu ertragen.

Ich war nie niedlich und der strenge Geruch, den ich durch meine Krankheit ausströmte, stieß jeden ab. Aber auch damit habe ich gelernt zu leben.

Ich fühlte mich elend, so elend, und hatte mich daran gewöhnt. Und ich war bereit, zu sterben…

In gewisser Weise war ich fast überzeugt davon, dass ich unsichtbar oder vielleicht schon tot war.  Denn die Menschen, die an mir vorüber gingen, ignorierten mich komplett.

Und dann…eines kalten Tages, hielt ein Fahrrad neben mir an, jemand wandte sich mir zu, und irgendwie musste es ihr gelungen sein, mich doch zu sehen, denn sie sprach mit mir.  Sie sprach mit mir auf eine Weise, wie das niemand jemals zuvor getan hat. Und obwohl es immer noch Winter war, wurde mir plötzlich irgendwie warm, nicht von der Umgebung sondern wegen der Art, wie mich diese Person ansah. (Später habe ich herausgefunden, dass diese Art einen Namen hat, man nennt es „Liebe“.)

Seitdem hat sich ALLES verändert!

Ich würde euch gerne meine Geschichte erzählen. Mittlerweile kennt ihr mich alle bei meinem Namen. Aber das war nicht immer so. Mein Name ist …Valerion

 

Fortsetzung folgt

(c) Martha Politis Athanasiou/BMS

https://guteskarmatogoblog.wordpress.com/2017/10/08/briefe-an-valerion/Briefe an Valerion…

 

Katze, Seelenmarzipan, Tierschutz

Geweint wird nicht!…Ich bin angekommen <3

Seit mehr als einem Jahr widme ich einen Großteil meiner Zeit der Arbeit für unsere griechische Partnerorga SCARS, habe engen Kontakt mit den Freiwilligen dort, weiß bereits viel über die Abläufe und täglichen Sorgen , kenne die meisten Tiere von Bildern und Videos und trotzdem war ich schrecklich aufgeregt, endlich alle und alles persönlich kennenlernen zu dürfen. Ich hatte das Gefühl, liebe Freunde zu besuchen und als ich die Ankunftshalle in Athen betrat, als Nafsika und Rena mir entgegen kamen und wir uns spontan in die Arme fielen, war eigentlich bereits klar, dass in diesem Fall alle Träume und Vorstellungen von der Realität noch übertroffen werden würden. Ich war angekommen, am Ziel meiner Reise…in jeder Hinsicht!

Was an Eindrücken die nächsten Tage über mich hereinbrach, was mir an Gastfreundschaft und Herzenswärme entgegen flutete, passt nicht in einen einzigen Blog. Ich habe alles gesehen, was ich sehen wollte, und auch das, was ich sehen musste!

dscn1790

Tierschutzarbeit in Griechenland beinhaltet all das, was wir auch bei uns zur Genüge kennen. Zusätzlich beinhaltet sie die Verwaltung des Mangels, den Umgang mit Hunger, Krankheit, Misshandlung und Tod, der Bedarf ist unendlich und die Ressourcen sind winzig. SCARS ist eine der Oasen, in denen auf wundersame Weise immer Platz für einen bedürftigen Notfall geschaffen wird, wo Hand in Hand private Unterkünfte organisiert werden, medizinische Hilfe geleistet wird, wo ganze Katzenkolonien systematisch kastriert werden und unzählige Streuner an den Futterstellen versorgt.

Das Herz dieser Orga sitzt in Alimos , einem Vorort von Athen. Dort beherbergen zwei ältere Damen, die Mutter und die Tante von Nafsika einen Teil der Schützlinge in ihrem Privathaus und ein leerstehendes Nachbargebäude dient als Kranken- und Aufnahmestation. Alle Zimmer von Katie und Marianna sind belegt, einige davon, im Nachbargebäude, ohne Wasser, Strom oder Heizmöglichkeit. Die Organisation und Pflege nimmt ihre gesamte Zeit in Anspruch und ich bin jetzt noch tief beeindruckt, wie liebevoll, organisiert, sachkundig und selbstverständlich sie diese große Herausforderung jeden Tag aufs neue meistern. Die beiden wunderbaren Ladies sind seit langem meine Idole und sie nun endlich persönlich treffen zu dürfen, war eines der großen Highlights dieser Reise für mich!

blogladies

Unterstützt von Freiwilligen, die alle täglich bei der Säuberung der Zimmer und der Versorgung mit Futter und Medikamenten helfen, gehen sie mit einem freundlichen Lächeln und ein paar lieben Worten von Zimmer zu Zimmer und schenken den Tieren, was sie nie vorher kannten, Geborgenheit und Zuneigung.

16681595_1751186555195318_6110800125912058103_n1

Wie Rena, Nafsika, Fay und die anderen ehrenamtlichen Helfer die unzähligen Fahrten zum Tierarzt organisieren, denn aufgenommen werden meist nur die Härtefälle, krank, verletzt, verstümmelt, ist mir bis heute ein Rätsel. Mann muss es selbst sehen, um zu glauben, wie selbstlos und engagiert diese wunderbaren Frauen (und Männer) arbeiten. Jeden Tag!

Alles, auch im Trakt ohne Wasserversorgung, ist peinlichst sauber. Was benötigt wird, liegt bereit, obwohl die Betreuung ständig wechselt und neu organisiert werden muss, die meisten Freiwilligen sind berufstätig. Kranke Tiere kennen keinen Feierabend und die Abflugzeiten am Airport für adoptierte Tiere sind oft in den frühen Morgenstunden. Rund um die Uhr stehen Nafsika, Rena, Martha, Fay und viele andere bereit, um zu tun, was irgend getan werden muss, damit Leben gerettet und eine Zukunft geschenkt werden kann.

Trotzdem ist das Leid, das dort in jedem Zimmer wohnt, nur schwer zu ertragen. Manche Katzen sind noch zu schwach für eine benötigte OP und müssen mit ihren offenen Wunden und Verletzungen, den vereiterten Augen und absterbenden Gliedmassen ausharren, bis eine Narkose ohne Risiko möglich ist. Manche kommen so verhungert an, dass sie wie wandelnde Skelette mit verfilztem Fell vorbei huschen. Manche sind gesund und unendlich liebebedürftig und müssen trotzdem viele Monate in einem kleinen Zimmer, nur mit ihren Artgenossen verbringen, bis sich endlich jemand für sie interessiert, sich ein Adoptant findet, denn für ein Leben zurück auf der Straße sind sie zu arglos oder unerfahren. Viele von ihnen warten seit Jahren.

Den meisten Schützlingen kann trotzdem ein Happyend geschenkt werden. Irgendwann und irgendwie werden sie wieder kräftig und gesund, fassen dank der liebevollen Zuwendung wieder Vertrauen zu den Menschen und mit etwas Glück trifft ihr Bild genau in das Herz des richtigen Adoptanten.

Die Bilder und Videos dieser Happyends sind nicht nur für mich jedesmal Glück pur. In der Küche von Marianna steht ein großer Laptop, auf dem via Facebook alle schönen Neuigkeiten der Glückspilze übermittelt werden und jeden Morgen ist es das erste, was die beiden tun…nachsehen und sich freuen, wie es denen geht, die sie retten konnten, die nun umhegt und verwöhnt nachholen dürfen, was das Leben ihnen bisher vorenthalten hat und wofür es sich immer lohnt, zu kämpfen.

Und dann war da noch Iron. Es gab während meines Besuchs einige schrecklich zugerichtete Notfälle, eigentlich waren alle Tage ausgefüllt mit Fahrten zur Tierklinik, mit Hoffen und Bangen. Aber ich muss gestehen, dass ich fast nur Augen für Iron hatte und jede kostbare Minute genoss, die ich mit ihm verbringen durfte. Dieser winzige, liebenswerte kleine Kater, ein wundervolles Geschöpf, das in seinem kurzen Leben bereits so viel Leid und Schmerz erfahren musste, er hat sich tief in mein Herz eingegraben.

dscn1827

Iron musste allein in seinem Krankenkäfig bleiben, denn die unterschiedlichen Bedürfnisse und Krankheiten der Tiere erlauben nicht beliebige Zusammenführungen. Die Infektionsgefahr ist zu groß. Sein bester Freund, an den er sich immer durch die Käfiggitter geschmiegt hatte, kämpfte gerade in der Tierklinik ums Überleben und es sah nicht so aus, als ob Powder  jemals wieder zurückkommen würde.

Iron sass die meiste Zeit verloren und still, bis er hörte, dass sich jemand näherte. Dann blühte er auf. Während um uns herum geputzt, geräumt, gefüttert und organisiert wurde, vergaßen wir den Rest der Welt. Iron sog jedes liebe Wort, jede Streicheleinheit förmlich in sich auf und wir tauchten ein, reisten gemeinsam an den Ort, wo es keine Schmerzen gibt, nur Wärme und Geborgenheit. Mit jeder Berührung versuchte ich ihm Kraft und positive Energie zu schenken. Kein Mitleid, keine Tränen, sondern Zuversicht und Lebenswillen. Sein Blick wurde dann strahlender, seine Haltung entspannter, er genoss die Zuwendung, genoss die Sonnenstrahlen am Fenster, wo er auf einem Kissen aufmerksam jedem Wort lauschte. Für mich waren diese Momente unglaublich kostbar. Liebe hat viele Gesichter, und meine Begegnung mit Iron war eines davon.

Ich weinte weder auf der Krankenstation noch beim Abschied. Geweint habe ich erst am Airport. Um genau zu sein, den ganzen Flug von Athen bis Frankfurt. Es war eine überwältigende Mischung aus Dankbarkeit, Abschiedschmerz, Erschöpfung und auch Kummer, denn es gibt noch so unendlich viel zu tun! Aber eigentlich war ich glücklich, denn jetzt war ich ganz sicher: ich war tatsächlich am Ziel meiner Suche angekommen. Ich habe meine Bestimmung gefunden, meine Seelenverwandte, die wunderbare Nafsika, und neue Freunde, die ich sehr bald wiedersehen werde und über die ich im nächsten Teil des Reiseberichts noch etwas mehr erzählen möchte!

Fortsetzung folgt