Kurzgeschichten

Ruby sitzt seit neuestem auf dem Fensterbrett und ich muss Facebook meiden, sonst explodiere ich!

Puh, manchmal frage ich mich, wie andere das so aushalten aber glaube die Antwort zu kennen. Tierschützer sind entweder hart wie Kruppstahl oder gebrochen oder  auf eine Weise entschlossen genug, ihr inneres Feuer, das für Veränderung brennt,  schützt sie, um all das irgendwie auszuhalten und zu kompensieren. Ich habe mir eisern vorgenommen, weiterhin in der Gruppe der „Verrückten“ mitzurudern, obwohl selbst Joggen bis zur Erschöpfung, Ablenkung durch Events oder Beschäftigung mit den positiven Aspekten nur bedingt den Zorn mildert, der mich immer mehr begleitet.

Mittlerweile wüsste ich gar nicht mehr, wo ich mit meinen Blogs anfangen sollte und wo aufhören. Tierquälerei, Misshandlungen und Ungerechtigkeit zieht sich wie ein roter Faden durch alle aber auch wirklich alle Bereiche des menschlichen Lebens, durch alle Länder, Gesellschaften, Ethnien und Schichten. Den meisten ist nicht einmal bewusst, was alles an schrecklichen Dingen hinter den Kulissen passiert und jeder, der zum Beispiel jetzt zu den erneuten Stierkämpfen in Mallorca schlau kommentiert, die Stiere hätten zumindest vorher ordentlich gelebt, dem möchte ich die Nase tief und nachdrücklich auf die Dokumentationen drücken, in denen für jeden, der die Fähigkeit zum lesen besitzt, exakt beschrieben wird, und auch belegt, wie diese armen und friedlichen Kreaturen sadistisch und phantasievoll gefoltert werden, ehe sie in die Arena gejagt werden, zum vergnüglichen Abschlachten. Pardon, zum kulturellen Ereignis.

Mein Verstand schaltet auf Error, wenn ich versuche zu begreifen, wie Menschen das bejubeln können, was daran so zum Aufgeilen reizt und besonders, wenn dann Pfaffen mit Kreuzen in der Arena herum stolzieren und das Ganze segnen.

Zeitgleich haben wir Opferfest. Schlitzen, schlagen, fesseln, bluten, töten …yeah…Religion ist etwas Feines und eine mieser als die andere, wenn es darum geht, Schwächere zu unterjochen und zu quälen. Der Wettbewerb läuft und ist noch nicht entschieden.

Ändern wird sich daran mittel- oder langfristig nichts. Wer herausfinden möchte, warum das so ist, der sollte sich die Kommentare zu den Stierkampf News durchlesen. Auf meinem Blog nicht anders als auf allen anderen Plattformen. Es sind entweder die Falschen , die sich darüber empören, weil sie instrumentalisieren (wobei ich mich ernsthaft frage, wer in der Politik nicht instrumentalisiert, wenn er etwas erreichen möchte, fragt mal die liebe Greta)  oder es wird relativiert, auf andere Misstände hingewiesen, die man vorher beheben müsste, auf das „schöne Leben“ der Stiere, darauf, dass wir uns nicht im Ausland einmischen dürfen (gilt allerdings nur für Tierschutz, ansonsten senft jeder unserer Politiker überall mit) und so weiter und so weiter.

Da wird sich nichts ändern. Und ich finde diesen Gedanken grauenhaft und schäme mich fremd und bin zornig und traurig…und muss daher Facebook diese Tage wirklich meiden sonst schreibe ich Dinge, die ich später bereuen würde 😉  . Dann wird eben weiter gemetzelt bis sich alle klugen Tierschützer einig sind, wie man am besten dagegen vorgehen könnte, wie man nicht dagegen vorgehen darf und ob es im Verhältnis zu anderen Tierquälereien überhaupt moniert werden darf. OMG!!!!

Tierschützer sind nicht immer vernünftig und auch nicht immer nett. Ich habe auch noch eine andere kleine Hässlichkeit auf Facebook gefunden. Das ist eher persönlich aber da es so stellvertretend für die Art und Weise des Umgangs miteinander ist, erzähle ich es doch.

Einige kennen sicher meine Tagebuch Einträge auf dem Facebook Karma Blog. Dort schreibe ich in Tagebuch Form über die aktuellen Tierschutzbelange und es wird sehr positiv aufgenommen. Einfach einmal eine andere Art und Weise, den Menschen die Thematik nahe zu bringen und mir liegt diese Art zu schreiben. Auf diese Weise erhalten wir viel Hilfe, für die Helfer, die an der Front jeden Tag ihren Mann stehen müssen und die wir beständig und nachhaltig dabei unterstützen. Soweit so gut. Kürzlich erhielt ich einen Screenshot, darauf zu sehen war, wie  ein anderer, noch sehr junger Verein auf seiner Facebook Seite, um Unterstützung warb:

„…Denn ihr kennt uns ja noch nicht. Wir befragen keine Tagebücher, denn bei uns geht es wirklich um das nackte Überleben vor Ort“…

Da ich bisher der einzige Vereinsvorstand bin, der auf Facebook für Tierschutzfragen sein Tagebuch führt, war klar, gegen wen sich dieser kleine Nadelstich richtet. Das hat mich noch nicht einmal gestört, ich war nur erstaunt, wie klein und armselig viele Menschen denken, die immer glauben, sie würden selbst größer, wenn sie versuchen, andere klein zu machen. Das Gegenteil ist der Fall aber das muss jeder selbst herausfinden. Es ist doch Platz im Tierschutz für alle, die helfen möchten..jeder auf seine Weise. Aber dann …was dann folgte, machte mich sehr nachdenklich: ….denn bei uns geht es wirklich um das nackte Überleben vor Ort“…

Aha, bei ihnen geht es also wirklich um das nackte Überleben vor Ort  und bei anderen nicht? Oder wie soll man diese Ausführung im Zusammenhang mit meinen Tagebüchern verstehen?

Wir reißen uns mittlerweile seit Jahren jeden Tag drei Beine aus, um so viele Leben wie möglich zu retten und jeder Tag ist ein neuer, verzweifelter Kampf, buchstäblich um Leben oder Tod. Schon ein wenig arrogant und auch dumm, solche Sätze in die Welt zu schreiben aber auch das ist keine Ausnahme. Hätte ich nicht unser wunderbares Team um mich, die neben Tierliebe auch eine große Portion Anstand und die Fähigkeit zum fairen Teamwork mitbringen, ich glaube ich hätte längst hingeworfen. Stattdessen mache ich einfach zwei, drei Tage Facebook Pause und organisiere hinter den Kulissen, was im Verein ansteht.

Ach ja, und dann kam ein Bild mit der Post. Es ist unsere Ruby. Ruby, deren Köpfchen und Gehirn so beschädigt war, durch Misshandlungen, dass niemand an eine Genesung glaubte, nicht einmal an ein lebenswertes Leben. Aber die Hartnäckigkeit und Pflege von SCARS, die großherzige Spenden halfen ihr zurück ins Leben. Bei meinen Freunden und Team Kollegen in Berlin, bei Petra und Peter blüht das blinde Kätzchen jetzt richtig auf und alle paar Wochen gibt es neue, kleine Sensationen. Jetzt kann sie also sogar „Fensterbrett“ . Ruby geht es richtig gut :-)) .

Man sollte sich an diesen schönen Dingen festhalten und das tue ich ❤

ruby

 

 

 

Kurzgeschichten, Seelenmarzipan

Eine Geschichte über das Leben nach dem Leben…

 

Unter der Oberfläche eines kleinen Teiches lebte einmal eine Kolonie von Wasserlarven. Die Sonne schien zwar nicht bis auf den Grund des Teiches aber das störte sie nicht. Sie waren immer gut gelaunt und huschten geschäftig über den Schlamm.
Ab und an schien eine Larve keine Lust mehr auf diese Betätigung zu haben. Sie klammerte sich an den Stiel einer Teichpflanze und kletterte nach oben, immer weiter, bis sie aus dem Blickfeld verschwunden war. Sie blieb dann einfach weg.

Als wieder einmal eine Wasserlarve auf diese Art verschwand, wollten die anderen gerne wissen, was mit ihren Gefährten passiert, die nie mehr zurückkehren. Warum waren sie überhaupt erst gegangen? War es nicht schön hier, am Grund des Teiches?

Eine der Wasserlarven, ihr Anführer, wollte gerne selbst herausfinden, wohin die anderen für immer verschwunden waren und er versprach feierlich in die Runde, dass er, anders als alle vor ihm, wieder zurück kehren würde, um zu berichten,

Er fasste allen Mut zusammen, kletterte die Wasserpflanze hoch, immer weiter, bis er plötzlich an der Oberfläche des Teiches war und unsanft auf einer Seerose landete.

Die Wasserlarve war erschöpft von der langen Reise, die ungewohnte und angenehm warme Sonne, fühlte sich gut an und so fiel unser Abenteurer in einen tiefen Schlaf.
Während er schlief, veränderte sich sein Körper und als er wieder aufwachte, da hatte er sich in eine wunderschöne, funkelnde Libelle mit windschnittigen Flügeln verwandelt.

Die Wasserlarve konnte erst gar nicht glauben, was mit ihr passiert war. Es musste ein Traum sein, ein Traum, in dem plötzlich Flügel wuchsen. Und dann bewegten sich diese Flügel und die Libelle zog ihre eleganten Kreise über dem Wasser. Es fühlte sich einfach wunderbar an.

Nach einer Weile erinnerte sich die Libelle an ihr Versprechen, sie wollte zurück fliegen und ihren Freunden erzählen, welche wunderbaren Dinge an der Oberfläche des Teiches auf sie warten. Spontan änderte sie ihren Kurs Richtung Grund des Teiches. Aber es funktionierte nicht, jedesmal wenn sie Anlauf nahm, prallte sie an der Wasseroberfläche zurück. Ihr neuer Körper war nicht mehr für das Leben unter Wasser geeignet.

Die Libelle war traurig, ihr Versprechen nicht einhalten zu können. Aber dann überlegte sie:
„Selbst wenn ich zurückgehen könnte, meine Freunde würden mich mit diesem neuen Körper gar nicht mehr erkennen. Ich muss wohl einfach abwarten, bis sie auch nach oben kommen und zu Libellen werden. Dann werden sie verstehen, was mit mir passiert ist.“
Mit diesem schönen Gedanken flog die Libelle glücklich in ihrer wundervollen neuen Welt, dem Sonnenschein entgegen.

(c) Gutes Karma to go /nach dem amerikanischen Kinderbuch von Doris Stickney:Water Bugs and Dragonflies: Explaining Death to Young Children
Bildrechte: Die Welt der Wildmäuse

leben

Kurzgeschichten, Seelenmarzipan, Tierschutz

Einschreiben für mich…weiha!

Please scroll down for English text

Es lag schon seit Freitag im Briefkasten. Ich erkenne solche Hiobsbotschaften, selbst wenn ich nur mit der Hand in den Briefkastenschlitz fasse und überlege, ob es sich lohnt , den Kasten zu öffnen, oder ob ich nicht einfach noch ein wenig länger warte, ehe ich mir den Tag damit verderbe.

Aber gestern Abend musste es dann einfach sein. Werbung, Werbung, eine Postkarte … und eine Benachrichtigung für ein Einschreiben. Weiha!

Habe ich schon erwähnt, dass ich eine Dokumenten und Rechnungs-Phobie habe und diese liebevoll pflege? Alle wichtigen und unvermeidlichen Dinge laufen via Dauerauftrag und natürlich kümmere ich mich notgedrungen auch um die ein oder andere Bürgerpflicht, wie Steuerbescheide und Strafzettel aber alle sin allem vermeide ich den Kontakt und er macht mir tagelang schlechte Laune und ein ungutes Gefühl. Was wohl diesmal hinter dem Einschreiben steht?

Ich grübelte den ganzen Abend und ein Horrorszenario nach dem Anderen ging mir durch den Kopf.

Wollte die Krankenkasse auch noch eine Biopsie am schlagenden Herzen und den rechten Augapfel, damit ich endlich die benötigte Bescheinigung erhielt?

War mein Führerschein Geschichte, weil ich irgendwo ein Schild übersehen hatte und neue Rekorde in Sachen Geschwindigkeitsübertretung errungen?

Hatte ich irgendeine Rechnung versemmelt und die Inkasso Unternehmen waren mir jetzt auf den Fersen?

War irgend eine Copyright Verletzung in meinem Blog passiert und jetzt sollte ich um schwindelnde Summen verklagt werden?

Je länger ich über sämtliche Optionen nachdachte, desto seltsamer wurde mir zumute, ich drehte den Benachrichtigungsschein hin- und her, als könnte er mir verraten, worum es diesmal geht. Die Antwort musste bis zum nächsten Tag warten. Um mich abzulenken stöberte ich ein wenig im Internet, sollte ich morgen pleite sein, ohne Führerschein oder im Gefängnis, dann wollte ich heute noch eine weiße Bluse oder ein weißes T-shirt kaufen, am besten mit Spitze…das beschäftigte mich bis zum Einschlafen, auch wenn ich nichts passendes fand. Immer wieder fiel mir das mysteriöse Einschreiben ein und verdarb die Kauflaune.

Am nächsten Morgen stand ich im Postamt und lauschte angespannt, als der Beamte in dem Fach mit den Einschreiben wühlte. Es knisterte und raschelte und dann zog er einen Umschlag heraus. Ich warf einen kurzen Blick darauf und strahlte von einem Ohr bis zum anderen. DAS konnte auf jeden Fall nichts wirklich unangenehmes sein, dieser Umschlag war einfach zu groß für Rechnungen, Vorladungen oder offizielle Schreiben.

Noch im Postamt riss ich ihn auf und dann war ich für einen Augenblick wirklich sprachlos. Im Umschlag war ein weisses Shirt, mit Spitzen, genau meine Größe, genau mein Geschmack, so wie ich es gestern vergeblich gesucht hatte. Wer konnte meine Gedanken lesen und das eine Woche im Voraus??? Ich hatte niemals ein solches Shirt erwähnt!

Argyro, die als Freiwillige Helferin für SCARS Athen Pflegestelle ist, hatte mir dieses Shirt einfach so geschickt … als Einschreiben, damit es auch ganz sicher aus Athen bis nach Nordbayern findet und dazu ein paar sehr persönliche und sehr nette Zeilen.

Wow, Argyro! ❤

Die Anspannung (ich übertreibe nicht, es hatte mich wirklich ziemlich verunsichert, was da auf mich wartet), wechselte in sekundenschnelle zu Freude und Dankbarkeit über. Wie sorgsam ausgesucht das Shirt war,  wie genau es meinen Geschmack traf…wie persönlich… und unerwartet … und dazu die lieben Worte von jemandem, den ich kaum kenne.

Wenn einer von uns beiden ein Geschenk verdient hätte, dann wohl eher Argyro, für das, was sie jeden Tag ehrenamtlich für die Tiere in Athen leistet und besonders für die liebevolle Pflege ihre Schützlinge , die sie privat in der eigenen Wohnung betreut.

Heute hatte ich also das erste Einschreiben erhalten, das mich zum Strahlen brachte. Meine Phobie macht Fortschritte 🙂

Dankeschön, Tausend Dank, liebe Argyro und Grüße nach Athen!!!

 

20190619_200635.jpg.

It had been in the mailbox since Friday. I recognize such bad news, even if I only hold by hand into the mailbox slot and wondering whether it is worth opening the box, or whether I just wait a little longer, before I spoil the day with it.

But  last night i needed to check to mailbox. I could not longer postphone it. Advertising, advertising, a postcard … and an official note to get a registered letter from the post office. Ooops!

Did I mention that I have a document and bill phobia and pamper that phobia lovingly? All important and inevitable things run via standing order and of course I take care of the one or the other civic duty, as tax bills and traffic fines but all in all I avoid the contact and paying bills and taking care of documents, causes me bad mood and a bad feeling for days. What was this time behind the registered mail in my box?

I pondered all evening and one horror thought after another came to my mind.

Did the health insurance company also want a biopsy on the beating heart and my right eyeball, so that I finally received the required certificate?

Was my driver’s license history, because I had missed a sign somewhere and achieved new records of speeding?

Had I messed up some account and the debt collection companies were now hot on my heels?

Was there any copyright infringement on my blog and now I would be sued for huge sums?

The longer I thought about all the options, the stranger I felt.  I turned the notification slip back and forth, as if he could tell me what this time was waiting for me. The answer had to wait until the next day.

To distract myself, I rummaged a bit on the Internet, if i might be broke or without a driver’s license or in prison tomorrow, then I wanted to buy a white blouse or a white T-shirt, today…preferably with lace … that search occupied me until falling asleep, even when I found nothing suitable.

The next morning I stood in the post office and listened to the crackling noise, as the bureaucratist rummaged through the mailbox. It crackled and rustled and then he pulled out an envelope. I glanced at it, beaming from one ear to another. THAT could not be anything really unpleasant, this envelope was just too big for bills, subpoenas or official letters.

I tore it open instantly, while i was still  in the post office. I tore it open and then for a moment I was really speechless. In the envelope was a white shirt, with lace, just my size, just my taste, the shirt I had searched for in vain, yesterday evening. Who could read my thoughts and read them one week in advance? I never ever mentioned such a shirt to anybody!

Argyro, who is a volunteer helper for SCARS Athens foster care, had just sent me this shirt … as a registered letter, so that it safely found its way from Athens to northern Bavaria and with the shirt also a few very personal and very nice lines.

Wow, Argyro! ❤

The tension (I am not exaggerating, it really made me quite confused, what is waiting for me), changed in seconds to joy and gratitude. How carefully chosen the shirt was, how exactly it met my taste … how personal … and unexpectedly … and the kind words of someone, I hardly know.

If one of us deserves a gift, then it would be rather Argyro than me, for what she volunteers every day for the animals in Athens, and especially for the loving care of her foster cats, which she looks after in her private home.

So today I received the first registered letter that made me smile. My phobia is making progress 🙂

Thank you, a thousand thanks, dear Argyro and greetings to Athens !!!

Kurzgeschichten, Seelenmarzipan

Eine Nacht mit Bischof Tutu…

Ich werde oft gefragt, welchen interessanten Persönlichkeiten ich während meiner Arbeit als Stewardess bei der Deutschen Lufthansa begegnet bin und es gäbe tatsächlich einiges zu erzählen, was mich auch heute noch zum Lächeln bringt. Menschen verändern sich, sobald sie ein Flugzeug betreten, jedenfalls viele von ihnen und in der First Class war während eines langen Nachtfluges oft reichlich Gelegenheit, Facetten einer Persönlichkeit oder eines VIPs kennen zu lernen, die es nicht in die Yellow Press geschafft hatten. Unvergessen der Auftritt von Pinochet, dem Diktator aus Chile.

Er hatte die gesamte Firstclass im Upperdeck für sich und seinen Hofstaat exklusiv gebucht und lehnte die von Lufthansa bereitgestellten Mahlzeiten ab. Es wurde in Chile selbst gecatert, denn er hatte Angst, vergiftet zu werden. Ein riesen Aufriss, bis er dann endlich  an Bord war und seine Bodyguards klärten mich vor dem Abflug darüber auf, dass ich ihn nur ansprechen dürfte, wenn ich von ihm dazu aufgefordert werde und dann die Anrede „Admirante“ verwenden sollte. Diese Anweisung erwies sich als überflüssig, denn der Admirante ignorierte mich während des langen Fluges, verweigerte die angebotenen Speisen und arbeitete mit seinem Sekretär stundenlang an irgendwelchen Dokumenten, die sie über die leeren Sitze ausgebreitet hatten. Da er nichts aß, wagte auch keiner seiner Untergeben zu essen. Mir war es Recht und ich vertrieb mir die Zeit in der kleinen Bordküche, im Upperdeck der 747, mit den Bordillustrierten.

Kurz vor der Landung winkte er mich zu sich und ich befürchtete bereits, er war mit dem Service unzufrieden. Aber offensichtlich war das Gegenteil der Fall. Sein Sekretär öffnete einen kleinen Koffer und in dem Koffer lagen auf schwarzem  Samt ausgebreitet, verschiedene Jadeketten und Anhänger. Ich sollte mir etwas aussuchen. Es kommt nicht alle Tage vor, dass man von einem Diktator mit Schmuck bedacht wird. Ich wählte einen kleinen Anhänger aus, bedankte mich artig… erhielt erneut nur ein abwesendes Kopfnicken als Antwort und dann war ich in Gnaden entlassen. Es fühlte sich vom ersten bis zum letzten Moment ungut an, und als ich später die Liste seiner Verbrechen las, wusste ich, warum!

2011 schrieb  eine Regierungskommission von 40.018 Toten. Darunter sind auch Opfer, die gefoltert oder wegen ihrer politischen Einstellung verhaftet wurden.

„Wie Müll wurden die geschundenen Opfer auf ihre letzte Reise geschickt. Verschnürt in einen alten Sack, rollten die Leichen über Schienen bis an die Küste, und schließlich warfen Helfer sie ins Meer.“ So in etwa dürften sich die grausamen Szenen abgespielt haben, die chilenische Ermittler Jahre später aufdeckten.

Die subtile Atmosphäre der Angst, die dieser Machthaber verbreitete, war auch für mich damals in jedem Augenblick spürbar.

Wie anders war dagegen die Begegnung mit Bischof Tutu.

1984  wurde Desmond Tutu für sein Engagement gegen die Apartheid der Friedensnobelpreis verliehen, im Jahr darauf wurde er Bischof von Johannesburg und er war bereits damals eine Art Superstar der Friedensbewegung und weltbekannt.

Trotzdem hatte er nur einen Sitz für sich gebucht, bevorzugt im stillen Upperdeck der First Class, weil er die langen Nachtflüge gerne verschläft, wurde mir erzählt. In dieser Nacht gab es keinen weiteren Passagier in meinem abgeschlossenen Arbeitsbereich, außer ihm. Ich bereitete mich innerlich auf eine lange und langweilige Nacht, mit wenig Arbeit vor und begrüßte ihn freundlich an Bord, als er in Johannesburg zustieg.

Was für ein angenehmer Gast und keinerlei VIP Allüren! Der Bischof und Friedensnobelpreisträger lächelte mich an, suchte sich einen Platz am Fenster aus und verfolgte interessiert meine Vorbereitungen für den Start. Er studierte die Speisekarte,  genoss die kulinarischen Köstlichkeiten, die ich ihm im Laufe des Abends servierte und nach dem Essen lehnte er entspannt in seinem Sitz und sah hinaus, in die Dunkelheit. Keinerlei Extrawünsche. Ich machte es mir ebenfalls bequem, in der Bordküche und checkte nur von Zeit zu Zeit die Kabine, bereit für weitere Wünsche meines einzigen Gastes.

„Come here, sit down and let´s talk a little“ … forderte er mich bei einem dieser Kontrollgänge freundlich auf. Er konnte nicht schlafen und wollte gerne ein wenig Unterhaltung. Ich hatte keine anderen Pflichten, holte mir einen Tee, setzte mich neben ihn, und dann begann eines der intensivsten und wertvollsten Gespräche, die ich je im Leben führte.

Wir redeten buchstäblich über Gott und die Welt. Angefangen von meinen Fragen zur Apartheid und seinen politischen Aktivitäten in Südafrika bis hin zu Liebeskummer, Tod  und Gott. Er hatte Kinder in meinem Alter und war keinesfalls weltfremd sondern wusste genau, was meine Generation bewegte und er hatte Antworten…richtig gute Antworten, die mir bis heute im Gedächtnis sind. So verging die Zeit, Stunden, wie im Flug, seine Weisheit und Gelassenheit, aber auch der kluge Humor seiner Erzählungen und Ratschläge, waren bemerkenswert. Heute weiss ich, dass er seiner Zeit im Denken weit voraus war, nicht nur zum Thema Apartheid, deren Auswirkungen mich jedesmal wieder schockierte, wenn ich in Südafrika unterwegs war.

Er nannte mich „Child“, wie Geistliche das wohl tun, aber für ein paar Stunden fühlte ich mich in seiner Gegenwart wirklich wie ein Kind, das wie ein Schwamm, Wissen aufsaugt und aufsieht, zu einer großen Seele und einem großen Geist. Selten hat ein Friedensnobelpreisträger diesen Preis mehr verdient. In jedem Satz und in jedem Gedanken, den er in dieser Nacht mit mir teilte, war geballte Lebensweisheit, Weitsicht und Empathie, die er humorvoll und geduldig vermittelte.

„Die meisten von uns erhalten erst durch die eigene Schwäche und Verletzlichkeit Zugang zu ihrer Seele und entdecken so ihre Fähigkeit für  Empathie und Mitgefühl. Lasse sie zu!“

Dieses Zitat von ihm, hat mich bei so manchem Schmerz getröstet und wenn ich eines bedauere, dann dass ich nicht damals sofort aufgeschrieben habe, was er mir ganz persönlich mit auf den Weg gegeben hat, es waren so viele kluge Gedanken und Ratschläge.

Güte, Liebe, Mitgefühl, Sanftheit sind keine Dinge für Weicheier. Sie sind Dinge, nach denen die Welt sich letztlich sehnt.“

Er bedankte sich am Ende des Fluges, segnete mich zum Abschied und sagte mir dann, ich wäre wirklich eine „extraordinary soul“… eine außergewöhnliche Seele. Bis heute, eines der schönsten Komplimente, das mir je ein Mann gemacht hat ❤

 

hexe

Kurzgeschichten, Seelenmarzipan

Walpurgisnacht …der Zauber des Loslassens

Jeder feiert die Nacht auf den 1. Mai anders. Manche sehen es einfach als schöne Gelegenheit, einmal wieder zu tanzen, manche freuen sich nur auf den freien Tag und eine Wanderung und für einige ist diese Nacht magisch und sie feiern die Nacht des Sommeranfangs mit einer  Zeremonie.

Man ehrt die Natur, zelebriert die Fruchtbarkeit allen Seins und bittet um Schutz für das neue Jahr. Das keltische Jahr wird in die helle und in die dunkle Jahreshälfte unterteilt. Samhain läutet die Winterzeit ein, während Beltane den Beginn des Sommers markiert.  Und wenn schon gerade eine extra Portion Magie in der Luft liegt, kann man sie praktischerweise auch noch für andere Dinge nutzen. Ich wollte in diesem Jahr gerne den Zauber des Loslassens zur Anwendung bringen…

Loslassen ist die Meisterdisziplin aller Hexen, denn nichts ist schwerer als… wenn man zwar könnte...Hexen ist nichts unmöglich…aber nicht möchte…und es dann auch wirklich nicht tut….wenn man einfach loslässt. Einfach ist schwer!

Bereits vor Tagen machten wir uns auf den Weg um die nötigen Zutaten für  das Ritual zu besorgen. Mittlerweile habe ich die Rituale meinen Kochkünsten angepasst…einfach, effektiv und idiotensicher.

Ein paar Schlüsselblumen von einem Ort des Friedens, für Ruhe im Herzen, um gute Entscheidungen des Loslassens zu treffen.

Ein paar Bärlauchblätter, für Widerstandskraft und Gesundheit, um diese Entscheidungen auch standhaft zu vertreten.

Ein paar Zweige von den küssenden Weiden, um in Liebe loszulassen

Wasser aus einer reinen Quelle, die direkt aus der Erde kommt, für reine und ehrliche Absichten, die aus der tiefsten, eigenen Quelle der Seele entspringen.

Die küssenden Weiden waren leicht zu finden, sie stehen jedes Jahr brav am gleichen Ort, den ich natürlich nicht verrate, genau wie das Bärlauchfeld, aus dem wir großzügig ernteten. Neben dem Zauber sollte auch noch ein leckeres Pesto dabei herausspringen. Meine Handtasche stinkt heute noch. Note to myself: Das nächste mal eine Papiertüte mitbringen oder die Rezeptur ändern. Maiglöckchen wären auch nett.

IMG-20190420-WA0008.jpg

Auch das Quellwasser sprudelte reichlich aus der kleinen Quelle, in der Nähe von Kloster Banz. Wir stiegen über die glitschigen Steine hinunter und füllten die Fläschchen ab und machten uns dann auf den Weg, um Schlüsselblumen von einem Ort des Friedens zu pflücken.

20190420_183802.jpg

Besagter Ort heißt übrigens wirklich „Ort des Friedens“ im Volksmund. Dieser Name ist für den alten jüdischen Friedhof überliefert, der seit dem Jahr 1620 den ewigen Schlaf seiner Bewohner hütet, etwa 2000 waren es, über die Jahrhunderte und viele der alten Grabsteine sind auch heute noch gut erhalten, jeder für sich ein Kunstwerk. Ich liebe diesen Ort, an dem schon seit langer Zeit keine Begräbnisse mehr stattfinden. Er wird sorgsam gepflegt und ist von einer Mauer geschützt.

20190420_155005.jpg

Der  jüdische Friedhof hat wie durch ein Wunder die Nazizeit überstanden, er sollte mehrfach „geschleift“ werden aber immer passierte etwas, das seinen Fortbestand sicherte. Eine fast magische Kette von glücklichen „Zufällen“, bewahrte ihn vor der Zerstörung. Die ewige Ruhe und der Frieden an diesem malerischen Ort, mitten im Grünen, wurde ironischerweise dann erst in den 70er Jahren gestört, als eine Schändung des Friedhofs in der Nacht zum 24. Februar 1973 stattfand.

Mehr als 600 Grabsteine waren umgeworfen und teilweise zerstört worden.  Die Schlagzeilen überschlugen sich in der Weltpresse und neben rechtsextremen Tatmotiven wurde auch ein Racheakt an den Israelis, für den  Abschuss einer libyschen Verkehrsmaschine in Betracht gezogen.  Die Täter waren jedoch weder Nazis noch Terroristen sondern Idioten aus der Umgebung, junge Männer, die volltrunken nach einer Faschingsparty ihr Unwesen trieben. In Zusammenarbeit mit dem Israelitischen Landesverband wurde der Friedhof durch die Stadt Burgkunstadt wieder hergerichtet. 

Heute erinnert nichts mehr an diesen Vorfall, nur das verschlossene Tor und die hohe Mauer um den Friedhof …und hinter der hohen Mauer, blühen um diese Jahreszeit im strahlenden Sonnenlicht, unzählige Schlüsselblumen zwischen den Gräbern und auf der kleinen Wiese, wo einst die Grabsteine standen. Ein Sinnbild des Friedens und der Ruhe.

20190420_155154.jpg

 

Das war dann der sportliche Teil und der kleine Nervenkitzel unseres Ausfluges. Ich segnete zum Abschied die Bewohner des verlassenen Friedhofes, während ich mich mühsam zurück über die Mauer hievte.

Was für ein Glück, dass dieser Ort des Friedens vor der Zerstörung bewahrt wurde! Er hat seine ganz eigene, sanfte Magie.

Auf der Heimfahrt schnupperte ich immer wieder an den duftenden Blüten der Schlüsselblumen, nicht zuletzt, um den Geruch des Bärlauchs aus der Nase zu bekommen. Aber wir hatten alle Zutaten gefunden und als erfreulichen Nebeneffekt auch noch einen wunderschönen Tag verbracht.

20190420_171252.jpg

Bärlauch, Schlüsselblumen und Weidenzweige müssen jetzt nur noch im Licht des Vollmondes trocknen… und werden in der Walpurgisnacht, Punkt 24.00 Uhr, in einer Schale entzündet. Die letzte Glut dann mit dem Quellwasser löschen und anschließend den Aschenbrei Mutter Erde opfern. Während man das tut, sollte man sich überlegen, wen oder was man gerne loslassen möchte…und warum 🙂

Falls mein Zauber auch in diesem Jahr nicht funktionieren sollte, …Loslassen ist schwer, so schwer… dann hatte ich zumindest Spass…den Bärlauch lassen wir einmal außen vor 🙂

Happy Beltane, liebe Schwestern ❤

20190420_163557.jpg

 

 

 

Kurzgeschichten

Heimat. Ich liebe sie…und das ist gut so!

Es war irgendwann, Ende der 80er Jahre, des letzten Jahrhunderts des letzten Jahrtausends, wir waren auf dem Rückflug von Tel Aviv nach Frankfurt.
Ich bereitete mit meinen Kolleginnen die Kabine für die Landung vor und ein Gast hatte noch nicht für seinen Rotwein bezahlt. Freundlich erinnerte ich ihn daran und bat ihn um den ausstehenden Betrag. Der ältere Herr sah mich abschätzig an, während ich mit gezückter Börse auf eine Reaktion wartete. Nach einer Weile sagte er schließlich auf Französisch:

„Ich werde nicht bezahlen, sie schulden mir und meinem Volk so viel mehr!“

Seine Worte kamen völlig unerwartet und machten mich sehr betroffen. Das dritte Reich und seine grauenhaften Verbrechen war seit jeher ein Thema, mit dem ich mich ausgiebig befasst hatte. Er musste mir nichts weiter erklären. Offensichtlich hatte er es auch nicht vor. Er widmete sich wieder seiner Zeitung, als wäre ich nicht vorhanden.

„Ich weiß nicht, wie mein Arbeitgeber dazu steht, aber es wäre mir eine Ehre, wenn ich sie zu diesem Wein einladen dürfte“. Ich hatte leise gesprochen, damit die anderen Passagiere es nicht mitbekommen und deutsch, denn ich war mir sicher, er hatte zu dieser Sprache familiären Bezug. Er hatte meine Antwort gehört und offensichtlich auch verstanden. Sein Lächeln, als er eilig in seiner Brieftasche nach dem Betrag suchte, ist mir noch heute gut im Gedächtnis. Ich glaube, er wusste, dass mir ernst war, mit meinen Worten und ich wusste, dass er Recht hatte, mit seinen.

Ein paar Wochen später wurde ich in Amman mit Steinen beworfen, weil ich mich, naiv und unwissend, aus dem geschützten Hotel, für einen ersten Erkundungsspaziergang bewegt hatte, ohne vorher die Landesgepflogenheiten zu studieren.

Lange Jeans, Trekking Schuhe, Sweatshirt und Sonnenhut waren bei 40 Grad im Schatten damals in Jordanien eindeutig zu freizügig. Ich hatte das sittliche Empfinden der Menschen dort verletzt, ohne es zu wollen. Auch diese Episode hat sich eingebrannt, als die schweren Pflastersteine völlig unerwartet und beängstigend dicht, neben mir aufschlugen. Die wütenden Beschimpfungen der in schwarze, bodenlange Gewänder eingehüllten, älteren Frauen, die zum Glück nicht genügend Kraft hatten, mich richtig zu treffen, die konnte ich erst später deuten. Ich wusste absolut nicht, was sie von mir wollten. Verstört flüchtete ich wieder zurück in die Scheinwelt meines Luxushotels und musste mangels Internet (prä-handyianische Ära ) warten, bis mir ein älteres Crewmitglied erklärte, warum mir passiert ist, was mir passiert ist und warum es völlig normal war. Andere Länder, andere Sitten und wer diese Länder bereist, muss sich anpassen, wenn er Ärger vermeiden möchte. As simple as that . 1981 war mir das noch nicht ganz so geläufig… aber ich lernte schnell…manchmal auch auf die harte Tour.

Ich liebte Indien und nutzte die Aufenthalte regelmäßig, um mit dem Taxi bestimmte karitative Einrichtungen zu besuchen oder um einfach auf bequeme Art, möglichst viel von der Umgebung zu sehen. Ich war mir auch damals nicht sicher, ob es eine gute Idee war, diese Ausflüge allein zu unternehmen, aber da nicht immer jemand Lust hatte, zwischen weinenden Babies und Kleinkindern den Tag zu verbringen, blieb mir keine andere Wahl. Einmal ging es gründlich schief. Der Taxifahrer in Neu Delhi, wählte nicht den direkten Weg zu dem Waisenhaus, für das ich Kinderbekleidung mitgebracht hatte, sondern fuhr zügig Richtung Stadtgrenze und hielt bei einem verlassenen Fabrikgelände an. Er drehte sich vom Fahrersitz zu mir um und sagte. „We fuck now!“
Mir war übel vor Angst, ich scannte die Umgebung, rechnete mir die Chancen aus, schneller auf andere Menschen zu treffen, als er mich einholen würde und setzte dann auf Überzeugungskraft. Er sprach Englisch und ich konnte ihn davon überzeugen, dass er es bitter bereuen würde, wenn er mich nicht sofort dort ablieferte, wo ich hin wollte. Keine Ahnung, ob ich heute noch die Nerven dazu hätte, aber ich kam wohlbehalten im Waisenhaus an.
Es gab wunderschöne aber auch gruselige Erlebnisse, in der Zeit, als ich mir vorgenommen hatte, einmal rund um die ganze Welt zu reisen, Länder und Leute und ihre Sitten zu studieren, wobei die wunderschönen, berührenden und positiven Begegnungen immer und überall den Löwenanteil ausmachten.

Ich begann diese Reise völlig unvoreingenommen, naiv und mit einem so überaus positiven Menschenbild, das heute so manchen selbsternannten Political- Correctness- Heiligen, vor Neid erblassen ließ.

Zwölf Jahre später hatte ich mein Vorhaben ziemlich konsequent umgesetzt. Ich fand in jedem Land und in jeder Kultur gute Freunde, aber ich erkannte mit der Zeit auch, dass manche Dinge die mir nicht gefallen, in manchen Gegenden häufiger vorkommen als in anderen, oder sogar dort zur Tradition gehören. Oftmals hatten sie mit Religion zu tun.

Leider kann ich über all das nicht mehr offen berichten, ohne mich dabei in Teufels Küche zu schreiben.

Würde ich heute ehrlich schreiben, was ich in den jeweiligen Ländern damals lernte, beobachtete und dachte, wäre ich mit Sicherheit in großen Schwierigkeiten. Ich müsste jedes Wort, jeden Satz gründlich überlegen und political correct zensieren, auch wenn das Erlebte noch so wahr ist auch wenn meine Schlussfolgerungen noch so nachvollziehbar sind. Besonders meine Erfahrungen als Frau in Ländern, deren Gesellschaft von Religion dominiert war und daher immer mit strengen patriarchalischen Strukturen einher ging, die waren nicht immer schön, dafür sehr lehrreich.

Vor 20 Jahren hätte ich einfach aufgeschrieben, was ich erlebt und wahrgenommen habe und meine Gedanken dazu. Aber das darf ich nicht mehr. Die Political Correctness, die neuen, ungeschriebenen aber durchaus vorhandenen Zensur Gesetze, die sich beständig verschärfen, hindern mich daran.

Auch über mein eigenes Land darf ich nicht mehr schreiben, was ich gerne möchte.
Noch vor wenigen Jahren wäre niemals jemand auf die wahnwitzige Idee gekommen, mich als Rassist oder Nationalist zu diskreditieren, nur weil ich schreibe, wie sehr ich mein Land mag, die Bräuche, die Traditionen und dass ich sie ungern aufgeben würde, ja sogar bewahren, …notfalls verteidigen möchte.
Heute kann mir das durchaus passieren und daher schreibe ich es nicht mehr. Allerdings muss ich gestehen: Ich denke es noch.
Ich liebe mein Land, meine Heimat und sehe keinen Grund, mich dafür zu schämen.
Immer wenn ich meinen Freunden rund um die Welt vorschwärme, warum ich meine Heimat Bayern so liebe, dann fallen auch die Worte: Freiheit, Gemeinschaft, Werte, Tradition und Sicherheit… Heimat eben.
Ein wunderschönes Wort, mit positiver Bedeutung, das nicht abgrenzt sondern vereint!

Es ist nicht meine Schuld, dass  manche ein Problem mit dem Wort „Heimat haben“. Es ist ihr Problem, nicht meines!

Und was die Reiseberichte angeht…die erzähle ich irgendwann einmal, meinen Enkelkindern unter vier Augen. Für sie bewahre ich auch die wunderschönen Kinderbücher-Klassiker im Original auf, die mittlerweile alle umgeschrieben wurden. Man übermalt kein Kunstwerk, weil es nicht mehr zeitgemäß erscheint und man schreibt auch keine Bücher um, das tun einzig Diktaturen! Aber,… Pssst ❤

20190311_013048.jpg
Das letzte Bild, ehe ich die Uniform für immer auszog …weil ich HEIMWEH nach der HEIMAT hatte ❤
Kurzgeschichten, Seelenmarzipan, Tierschutz

Das Rosa Tütchen … Seelenmarzipan, von dem man öfter naschen sollte <3

Das Rosa Tütchen …

Als ich eines Tages, wie so oft, traurig, durch den Park schlenderte und mich auf einer Parkbank niederließ, um über alles nachzudenken, was in meinem Leben schief läuft, setzte sich ein kleines Mädchen zu mir.
Sie spürte meine Stimmung und fragte: „Warum bist Du traurig?“

„Ach“ sagte ich, „ich habe keine Freude im Leben. Alle sind gegen mich. Alles läuft schief. Ich habe kein Glück und ich weiß nicht, wie es weitergehen soll.“

„Hmmm“ meinte das Mädchen. „Wo hast Du denn Dein rosa Tütchen? Zeig es mir mal. Ich möchte gern hinein schauen.“

„Was für ein rosa Tütchen?“ fragte ich verwundert. „Ich habe nur ein schwarzes Tütchen.“

Wortlos reichte ich es ihr. Vorsichtig öffnete sie mit ihren zarten kleinen Fingern den Verschluss und sah in mein schwarzes Tütchen hinein. Ich bemerkte, wie sie erschrak. „Es ist ja ein Albtraum, voller Unglück und voller schlimmer Erlebnisse!“

„Was soll ich machen? Es ist leider so. Daran kann ich kaum etwas ändern.“

„Hier nimm!“ sagte das Mädchen und reichte mir ein rosa Tütchen. „Sieh hinein!“

Mit zittrigen Händen öffnete ich das rosa Tütchen und konnte sehen, dass es angefüllt war mit Erinnerungen an schöne Momente des Lebens. Und das, obwohl das Mädchen noch jung an Menschenjahren war.

„Wo ist Dein schwarzes Tütchen?“ fragte ich neugierig.

„Das werfe ich jede Woche in den Müll und kümmere mich nicht weiter drum!“ sagte sie.

„Für mich besteht der Sinn des Lebens darin, mein rosa Tütchen im Laufe des Lebens voll zu bekommen. Da stopfe ich soviel wie möglich hinein. Und immer, wenn ich Lust dazu habe oder wenn ich traurig bin, dann öffne ich mein rosa Tütchen und schaue hinein. Dann geht es mir sofort wieder besser.

Wenn ich einmal alt bin und mein Ende naht, dann habe ich immer noch mein rosa Tütchen. Es wird voll sein bis obenhin und ich kann sagen,  „ja, ich hatte etwas vom Leben. Mein Leben hatte einen Sinn!“

Noch während ich verwundert über ihre Worte nachdachte, gab sie mir einen Kuss auf die Wange und war verschwunden.

Neben mir auf der Bank lag ein rosa Tütchen. Ich öffnete es zaghaft und warf einen Blick hinein. Es war fast leer, bis auf einen kleinen zärtlichen Kuss, den ich von einem kleinen Mädchen auf einer Parkbank erhalten hatte. Bei dem Gedanken daran musste ich lächeln und mir wurde warm ums Herz.

Glücklich machte ich mich auf den Heimweg,  und vergaß nicht, gleich am nächsten Papierkorb, mein schwarzes Tütchen zu entsorgen.

Also, denkt immer an das rosa Tütchen … und daran, das Schwarze regelmäßig zu entsorgen ❤

Ich wünsche uns allen ein gut gefülltes rosa Tütchen. 🛍

 

tüte(Verfasser leider unbekannt)