Lifestyle

Das Kopftuch und ich.

Um es gleich vorweg zu nehmen, jeder sollte tragen, was er für richtig hält. Trotzdem sind meine Gedanken zum Hijab/Kopftuch sehr gespalten.

Hijab und alle anderen Formen der Verhüllung und persönlichen Einschränkung sind laut Ansicht vieler Islam Kenner nicht zwingend vorgeschrieben. Sie sind eher Ausdruck kultureller Prägung. Eine Prägung, die nach wie vor von Männern definiert wird, teilweise mit Gewalt durchgesetzt und den Kindern von klein auf als „Normalität“ vorgelebt. Braves Mädchen = Hijab Mädchen. Gehorsame Ehefrau = Hijab Ehefrau. Gott liebt Frauen, die sich züchtig verhüllen…

Soweit…  so gut. Wäre das Kopftuch also tatsächlich ein Ausdruck für Selbstbestimmung und Freiheit, ein unverzichtbares Accessoire für alle Koran-gläubigen Frauen, wie oft propagiert, dann würde ich es niemals kritisieren. Aber ganz so einfach ist es nicht.

Wer nicht ganz blind durch die Welt geht, kennt die Berichte und Bilder, die erschütternden Videos von Frauen, die mit drakonischen Strafen gepeinigt werden, wenn sie es nicht tragen,

…wenn sie sich nicht bei brütender Hitze, bei jeder Tätigkeit, immer dann wenn Männer in Sichtweite sind oder sie einen Fuß in die Öffentlichkeit setzen… „züchtig“ bedecken. Diese Regel gilt einzig für Frauen. Sie ist so diskriminierend wie einschränkend für unzählige Frauen weltweit und seit geraumer Zeit setzen tapfere Frauen ihr Leben, ihre Gesundheit und ihre Karriere aufs Spiel, um sich dagegen zu wehren.

Zeitgleich preisen viele westliche Glaubenskolleginen den Hijab als Ausdruck ihrer persönlichen“Freiheit“ an . Kopftuch Barbie lächelt stolz mit ihrem kleidsamen Hijab von vielen Covern,  und für mich erscheint dieses Bild und der Beifall dazu aus manchen Kreisen, wie eine schallende Ohrfeige  für alle Frauen, die zum Tragen buchstäblich geprügelt werden. Die drastische Strafen erwarten, wenn sie es nicht tun. Jeden Tag…weltweit.

Ich finde es gut, wenn , wie von Terre des Femmes , Alice Schwarzer und vielen anderen klugen Frauen gefordert wird, man sollte kleinen Mädchen hierzulande, die Möglichkeit geben, „ohne“ durch Kindheit und Jugend zu gehen und sich erst im Alter von 18 frei entscheiden.

Ich fände es gut, wenn „Hijab“ akzeptiert aber nicht hofiert und gehypt werden würde. Es ist zynisch, nicht gerade solidarisch und kontraproduktiv für alle Frauen, die gerade um die Freiheit, kämpfen, ihn nicht tragen zu müssen.

Und ich finde es auch eine Zumutung, dass jeder, der sich ernsthaft mit Frauenrechten, religiösen Grundlagen des Hijabs und seiner Notwendigkeit, besonders für Kinder, auseinandersetzt, sofort in die rechte Ecke gedrängt wird, sich rechtfertigen muss, warum er für etwas ganz Selbstverständliches eintritt:

Solidarität für unterdrückte Frauen und einen guten Start in ein frei bestimmtes Leben für alle Mädchen, ganz gleich welcher Religion sie angehören.

Mir ist durchaus bewusst, dass viele Hijab Trägerinnen ihn stolz und freiwillig tragen… Ob sie ihn tragen, wo sie ihn tragen und warum sie ihn tragen, interessiert mich nicht. Es ist ihre persönliche Entscheidung, die ich selbstverständlich toleriere und ich würde mir wünschen, das würden auch viele andere endlich tun!

Aber tolerieren und propagieren sind zwei paar Stiefel und im Zweifelsfall stehe ich immer auf der Seite der Schwächeren…in diesem Fall auf der Seite aller Frauen, die sich nichts mehr wünschen, als einmal den Wind in den Haaren zu spüren und frei zu entscheiden, was sie tragen und wann sie es tragen, die ihr Leben für diese Freiheit riskieren. Für sie bedeutet der Hijab und andere Verhüllungen weder persönliche Freiheit noch Ausdruck eines selbstbestimmten Lebens, für sie ist er nicht bunt nicht tolerant sondern einfach nur Zwang und Unterdrückung von Frauen!  Vielleicht sollte ihnen auch einmal eine Barbie gewidmet werden. Die Solidaritäts Barbie.

 

Chance, Lifestyle, Seelenmarzipan

Burn, Baby burn…Hilfe bei autoimmun- entzündlichen Erkrankungen.

Entzündungen gehören zu fast jeder Form von chronischen Erkrankungen. Allergien, Arthritis, selbst Depression wird damit in Verbindung gebracht.

Die Schulmedizin antwortet auf chronische Entzündungen mit Medikamenten, wie zum Beispiel Cortison, die diese künstlich unterdrücken.  Die wirklichen Ursachen werden vernachlässigt. Verborgene Allergien, Infektionen, Umweltgifte, Ernährung die entzündliche Prozesse fördert, (Milch, Schweinefleisch, Zucker, Zusatzstoffe ) , und vor allem Stress sind die eigentlichen Übeltäter für unzählige Autoimmunerkrankungen.

Autoimmunerkrankungen nehmen explosionsartig zu. Autoimmune Schilddrüsenerkrankungen, Lupus, entzündliche Darmleiden, Hauterkrankungen, Arthritis, …die Liste des Leidens ist unendlich und die schulmedizinischen Ansätze beschränken sich auf Symptombekämpfung, auf Unterdrückung des entzündlichen Prozesses, nicht auf Heilung. Das ist vereinfacht ausgedrückt etwa so, als würde man jede Menge Schmerzmittel schlucken, während man auf einem Glasscherben steht. Die Lösung ist nicht,  noch mehr Aspirin oder mehr Cortison, um die gesunde Schmerzreaktion zu unterdrücken sondern die Entfernung des Glasscherbens aus dem Fuß.

Wenn man also die Entzündungen im eigenen Körper herunterfahren möchte, dann muss man die Quelle finden. Das Feuer…nicht den Rauch 😉 .  In der Medizin werden die Behandler nach wie vor darauf geschult, Krankheiten nach ihren Symptomen zu diagnostizieren, nicht nach ihren Ursachen. Sie fragen: „Welche Krankheit hat der Patient“. Es wird selten die wichtigste Frage gestellt: Warum ist der Patient krank? 

 Ganzheitliche Medizin ist ein komplett anderer Ansatz,  Krankheiten zu sehen. Man sucht nach Gründen für die Beschwerden, weniger nach Wegen, wie man die Symptome unterdrücken kann. Man nimmt nicht die Batterie aus der Warnanzeige sondern macht sich auf die Suche nach der Störquelle.

Alle Autoimmunerkrankungen haben eines gemeinsam: Einen bestimmten biochemischen Prozess, ein entgleistes Immunsystem, eine systemische Entzündung, der Körper greift die eigenen Zellen an.

Unser Immunsystem ist das Verteidigungssystem gegen Eindringlinge. Unsere innere Armee, die Freund von Feind unterscheiden muss. Autoimmunerkrankungen entstehen, wenn unser Immunsystem überfordert ist und unsere eigenen Zellen irrtümlich  „beschossen“ werden. Ein Immunsystem bekämpft gerade irgendetwas…eine Infektion, ein Allergen…mit unverträglichen Nahrungsmitteln oder Stress…und irgendwie gerät der Kampf auch in die eigenen Linien, in den Darm, in die Schilddrüse, auf die Haut oder in die Gelenke.  Wenn es dumm läuft, in den gesamten Körper. Konventionelle Ansätze haben keine Methode, die Ursachen dieser Verwirrung herauszufinden. Ganzheitliche Medizin versucht sie zu finden oder das „Friendly fire“ wieder zurück auf den „Aussenfeind“ zu lenken.

Interessanterweise gibt es Autoimmunerkrankungen fast ausschließlich in wohlhabenden Ländern. Menschen in armen Regionen, ohne die Annehmlichkeiten der modernen Zivilisation, wie fließendes Wasser, Waschmaschinen oder sterilen Gärten, bleiben von Autoimmunerkrankungen weitestgehend verschont. Auch wenn man mit vielen Tieren aufwächst, als Kind im Schmutz spielt, mit Insekten, Infektionskrankheiten und co Bekanntschaft gemacht hat, scheint man dem Immunsystem frühzeitig bei der Unterscheidung zu helfen, who is who …wer ist zu bekämpfen, was ist fremd im Körper und was gehört zu mir.
Neben den schulmedizinischen Versuchen der Linderung könnte man sich zusätzlich folgende Fragen stellen:
Gibt es verborgene Infekte, Toxine, Allergien, Ernährungsfehler, Defizite, Stress…die mein Immunsystem belasten?
Wie steht es um meine Darmflora, dem Hauptsitz der körpereigenen Immunabwehr?
Welchen belastenden Umweltgiften bin ich durch meine Arbeit oder mein Freizeitverhalten ausgesetzt? Genussgifte, Strahlung, Schwermetalle?
Welche Mikronährstoffe könnten mir fehlen? Stichwort : Zink, Omega3, Vitamin D, Probiotischer Darmaufbau und die Vermeidung aller industriell verarbeiteten Lebensmittel, auch und besonders Milch, Schweinefleisch und Weizen, wirken oft kleine Wunder.
Erhält mein Körper genügend Sauerstoff, Sonne und Bewegung, damit das Immunsystem richtig arbeiten kann? Bewegung ist ein natürliches Heilmittel gegen jede Art von Entzündung!
-Fehlen mir Ruhepausen und Entspannung, oder auch Schlaf? Yoga, Meditation und andere Entspannungstechniken sind nicht nur für das seelische sondern auch für das körperliche Wohlbefinden eine große Hilfe.
-Gibt es Ursachen für Stress, die ich abstellen kann. Gibt es wichtige Veränderungen in meinem Leben, die ich angehen sollte?
-Könnte ich an meinem Säure-Basen Haushalt etwas optimieren? Stichwort: Entsäuern!

-Wie steht es um meine Ernährung? Gluten? Zucker? Fructose? Tierisches Eiweiss ist sehr oft ein Trigger, besser sind z. B. Hülsenfrüchte, Getreide, Pseudogetreide, Ölsaaten, Wurzelgemüse, Blattgemüse und wenn man nicht konsequent vegan lebt, auch Bio-Eier und ab und zu Fisch.

Die ehrliche Beantwortung dieser Fragen könnte mehr Linderung für chronische Beschwerden ermöglichen, als so manches Rezept  ❤
apfel
Krankheiten befallen uns nicht aus heiterem Himmel sondern entwickeln sich aus täglichen Sünden wider die Natur. Wenn sich diese gehäuft haben, brechen sie unversehens hervor. (Hippokrates)

 

 

 

 

 

 

Lifestyle, Seelenmarzipan

Essenseinladungen und Panikattacken. Hilfe ich habe Gäste!

Oh ich liebe gemütliche Runden, anregende und witzige Diskussionen mit Freunden rund um den Esstisch. Ich liebe gutes Essen, originelle Deko und anschließend vielleicht sogar ein paar Runden Spiele oder Tanzen und jeder dieser Abende ist ein kleiner Schatz im Tresor des Lebens.

Daher war ich mehr als erfreut, als ich mich unerwartet in einer Chatgruppe wiederfand. Sie hieß „Freitag Abend“ und es ging um eine Essenseinladung. Ich sagte erfreut zu, scrollte dann die Nachrichten hoch und entdeckte den Sinn dieser Gruppe. Reihum lädt jeweils ein Mitglied alle anderen ein und tischt dann einen Abend lang interessante, neue oder anspruchsvolle Gerichte auf, zaubert eine wunderschöne Tischdeko, nach einem Motto der Jahreszeit und alle verbringen einen schönen Abend gemeinsam.

Ich hatte gemischte Gefühle. Riesen Freude, in dieser Runde, in der sich sehr liebe Freunde befanden, dabei sein zu dürfen und …Panik! Ich kann nicht kochen. Ich koche nie. Bei mir gibt es seit vielen Jahren nur Gerichte, die selbst eine Fünfjährige ohne Not hinbringen würde und bei allen Einladungen mogele ich mich mit Partyservice, Fondue oder „jeder bringt etwas mit“ durch. Das schien nicht ganz das zu sein, was in dieser Gruppe erwartet wurde. Aber alle dort kannten mich seit langer Zeit. Jetzt war ich also dabei und bis ich an der Reihe wäre, würde es sicher noch etwas dauern. Man soll die Feste feiern wie sie fallen und begeistert schickte ich ein paar Herzen und Smileys in die Runde…jap, sehr gern! Ich bin dabei!

Mittlerweile sind ein paar Monate ins Land gegangen. Ich war zu Gast an wunderschönen, liebevoll gedeckten Tafeln, habe mich durch die interessantesten und leckersten Gerichte und Nachspeisen gegessen und jeder Abend war ein Genuss. Der nächste Abend wird „mein Abend“ sein und als ich Revue passieren ließ, wie hoch die Messlatte inzwischen geworden ist wurde mir ganz mau. Ich scherzte in die Runde, dass mir alle dankbar sein werden, wenn ich das hochgeschaukelte Niveau an Aufwand und Finessen bald wieder etwas herunterschraube, und alle entspannt nach mir wieder einsteigen können. Aber mein Lachen war nur halbherzig denn ich möchte natürlich nicht zurück stehen, in Sachen Mühe und Aufwand, den alle anderen vor mir eingesetzt haben. Ich habe kein Problem damit, mich zu blamieren, wohl aber zu enttäuschen. Vielleicht sollte ich einen „Ghost Cooker“ einsetzen, oder warten bis meine Tochter wieder zurück ist, sie kocht ausgezeichnet, vielleicht sollte ich einen Party Service bemühen…mit diesen Gedanken schlief ich gestern ein.

Heute Morgen waren bereits ein paar Rückmeldungen auf meinem Handy. „Soll ich den Nachtisch für dich machen?“ ..“Möchtest du vielleicht einfach wieder Fondue anbieten, ich zaubere dir leckere Soßen..“ ..“mach dir keinen Stress…“

Offensichtlich war jedem in unserer Runde bewusst, dass zwischen die begabten Hobbyköche eine absolute kulinarische Niete geraten war. Und offensichtlich war es für alle OK. Die Panik machte einem breiten Lächeln Platz. Sie waren so lieb ❤

Jap! Ich würde das Oster Thema wählen und es mit einer Heerschar von Häschen, Nestern, Eiern und Frühlingsblumen  im Haus und am Tisch zelebrieren,  als kleine Überraschung  dürfen dann alle  Osternester suchen und mit ein wenig Hilfe und einem Quentchen Mogelei könnte ich ein Frühlingsdinner zaubern, das  zwar nicht von mir gekocht wurde aber dafür allen schmecken wird. Und ich wette, jeder wird so tun, als hätte er es nicht bemerkt. Also, psst…nicht verraten ❤

 

Lifestyle, Seelenmarzipan, Tierschutz

Mein Urlaub im Robinson Club Kyllini Beach- Ein Reisebericht und ein Katzenblog

Kinder, wie die  Zeit vergeht! 30 Jahre ist es nun her, seit ich das erste mal „zu Gast bei Freunden“ in einem Robinson Club war, und ich muss gestehen, nach dem ersten Besuch 1987 war ich angefixt.

Waren es anfangs nur die Disco Nächte und die nie endende Party, die lockten, begeisterte ich mich im Lauf der Jahre für die liebevolle Kinderbetreuung, das breit aufgestellte Sportangebot, lernte den Club als Single, Familie, mit und ohne Kind kennen und lieben und schätze mittlerweile auch die ruhigeren Optionen, die sich dort bieten, wie Spa, Yoga und kulinarische Highlights! Jetzt war ich neugierig auf Kyllini Beach, der seit seiner Neueröffnung vor zwei Jahren, als Geheimtipp gehandelt wird.

Ich reiste urlaubsreif wie selten und mit großen Erwartungen an…  und ich wurde nicht enttäuscht, ganz im Gegenteil! Wer mich ein wenig näher kennt, der weiß, dass ich in Sachen Service und Organisation manchmal nervtötend kritisch urteile, immer etwas finde, das noch ein wenig verbessert werden könnte. Das Robinson Konzept ist nur dann perfekt, wenn die Clubleitung und Teammitglieder es auch wirklich umsetzen und nicht jeder Club kann das von sich behaupten.

Ich schwöre, dass während des gesamten Aufenthalts in dieser traumhaft schönen und schön gelegenen Anlage, nicht ein Wort der Kritik, nicht ein einziger Verbesserungsvorschlag über meine Lippen kam. Ich war viel zu beschäftigt damit, zu genießen, was der Clubchef und sein Team für ihre Gäste aufboten. Zum Beispiel die Musik, (des öfteren Anlass zum Nörgeln, für eine bekennende Disco Fox Hasserin) war in Kyllini jeden Abend ein Highlight! Live Auftritte oder aktuelle Beats und Bässe, mit viel Liebe und Fingerspitzengefühl abgemischt.

Entertainment, Musik, Küche, Anlage, Sauberkeit, Service, Lage…. oder…oder…, in diesem Club wurde von allem noch ein wenig mehr geboten, noch ein wenig umfangreicher, mit noch ein wenig mehr Liebe zum Detail für einen gelungenen Urlaub gesorgt. Das Wort „Perfekt“ , trifft es wohl am besten.

Manchmal war es fast schon unheimlich, wie alle Wünsche von den Augen abgelesen wurden, ehe man sie aussprach. Ob es ein Schokoladen Eis war, das einfach so, als Überraschung an den Strand gebracht wurde oder ein Abend mit Piano und heißer Schokolade als Spontanprogramm in der Lobby, als es regnete… es gab ein spektakuläres kulinarisches Angebot für alle, die alles essen aber auch für Vegetarier, Veganer, Allergiker, … und Schokoholics, wie mich, und natürlich nicht zu vergessen, die sagenhaften Pina Coladas! Jeder, angefangen vom Green Team der Gärtner, über das immer gut gelaunte Service Personal, bis hin zu den Sport Trainern (die ich allerdings nur vom Hören- Sagen kenne, Sport ist nicht so mein Thema),  war freundlich und zuvorkommend und mit Freude bei der Arbeit für die Gäste. Ich war rundum glücklich und beschloss, mir für den Gala Abend noch schnell ein Kleid zu kaufen, denn sehr bald würde der Club für diese Saison schließen und der Abschluss sollte mit einem großen Gala Event gefeiert werden.

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Während ich mich im Laden umsah, hörte ich zufällig ein Gespräch mit. Offensichtlich ging es dabei um eine Katze. …“so schade, dass ihn niemand wollte….was wird jetzt aus ihm ab Freitag….er kann doch nicht fressen, was nicht püriert ist…er tut mir so leid….“ Das war der Moment, wo ich vergaß was ich eigentlich in dem Laden wollte und interessiert nachfragte, von wem die Rede war.

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ROBINSON

Die Rede war von einem Kater. Ein kleiner Kater, der  schwer verletzt und halb verhungert im Frühsommer in der Anlage aufgetaucht war. Offensichtlich hatte man ihn misshandelt, denn sein Kiefer war gebrochen und er sah insgesamt sehr mitgenommen aus. Einer der Angestellten hatte Mitleid mit ihm und er durfte bleiben.

Y, wie alle ihn nannten, konnte  keine feste Nahrung zu sich nehmen, also erhielt er sein Futter püriert, überlebte auf diese Weise den Sommer und man hoffte, irgendwann würde sich ein Gast finden, der ihn mitnehmen wollte. Y erhielt einen Aushang in der Club Info und gerade noch rechtzeitig, ehe  die Anlage über den Winter leer und verlassen zurück bleibt, und er wegen seiner Beeinträchtigungen einem sicheren Hungertod ausgeliefert wäre, bot sich ein Ehepaar an, ihn zu adoptieren. Tierliebe Mitarbeiter des Clubs organisierten die nötigen Papiere, bereiteten alles vor und jeder atmete erleichtert auf, denn der schüchterne und sanfte Überlebenskünstler war vielen ans Herz gewachsen und niemand wollte ihn zum Sterben verurteilt, hilflos zurück lassen. Einen Tag vor der geplanten Abreise, sagte die Familie wieder ab. Es war ihnen dann doch zu umständlich. Y war somit zu einem qualvollen Tod verurteilt, denn in einer Woche war niemand mehr da, der ihn füttern würde, auch niemand, der ihn aufnehmen wollte und alle reisten bald ab.

In meinem Kopf überschlugen sich die Gedanken, als mir klar wurde, dass ich noch genau 4 Tage Zeit hatte, irgendetwas zu organisieren, das diesem Tier ein trauriges und qualvolles Ende ersparen würde. Noch wusste ich nicht, wie der aktuelle Impfstatus aussah, ob die Fristen für eine Ausreise ausreichen würden, ob noch Platz im Frachtraum war, was ich mit ihm anstellen sollte, wenn wir in Frankfurt gelandet sind, ob meine Freunde ihn auf ihr Ticket eintragen lassen würden, denn meines war bereits für eine andere Flugpatenschaft vergeben. Ich wusste zu gut, was bei einer solchen Rettung alles schief gehen konnte, und auch, was sie kostet. Aber noch besser wusste ich, dass ich bis ans Ende meiner Tage bedauern würde, wenn ich nicht zumindest den Versuch unternommen hätte, diesem armen Wesen zu helfen.

Also atmete ich tief durch, wandte mich an das Grüppchen, das gerade über ihn sprach und sagte:  „Ich nehme ihn .. . könnt ihr seinen Betreuern bitte ausrichten, dass ich schnellstmöglich Bilder brauche, wahrscheinlich auch etwas Hilfestellung bei der Abwicklung, aber Robinson wird mit mir nach Hause fliegen…er heißt jetzt nämlich Robinson und er ist ab jetzt meine Katze!“

Genau so war es dann auch. Während ich am Strand die letzten Sonnenstrahlen des Sommers genoss, arbeitete ich Punkt für Punkt auf der to do Liste ab, was an Telefonaten, Dokumenten, Absprachen und Planungen anstand und ein Problem bereitete mir dabei besonders große Sorgen:  Ich wusste, dass meine eigene Katze Robinson aus tiefster Seele hassen würde. Das war nichts persönliches, sie hasst seit jeher jede Katze, die auch nur annähernd in meine Nähe kommt. Da Robinson also bei mir nicht bleiben konnte, musste ich eine Pflegestelle für ihn finden, jemanden der willens war  und gutherzig genug, um bei unserer Ankunft in Frankfurt eine kranke, völlig unbekannte Katze in Obhut zu nehmen, sie zum Tierarzt zu bringen, nach der wahrscheinlich notwendigen OP zu betreuen und sie zu behalten, bis ein Platz gefunden wurde. Ich postete mein Problem auf Facebook und quasi über Nacht fand Robinson auf diese Weise seinen rettenden Engel. Um 0.30, einen Tag vor der Rückreise, besprach ich am Telefon aufgeregt mit Sabine, die sich spontan gemeldet hatte, alle Details und konnte mein Glück nicht fassen. Er hatte nicht nur eine Pflegestelle gefunden, er hatte die beste Pflegestelle gefunden. Es war an der Zeit, mich wieder meinem Urlaub zu widmen.

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Friends will be friends …

Während wir ausgelassen mit dem gesamten Clubteam den Abschied von der Saison feierten, wurde Robinson in der Tierklinik auf die Reise vorbereitet. Alle halfen zusammen. Meine Reisebegleiter Claudia und Akosh ließen Robinson auf ihrem Ticket eintragen, ich regelte Robinsons Verbleib ab Frankfurt und das wunderbare Clubteam organisierte nicht nur einen Transportkäfig und den Transport zur 60 km entfernten Tierklinik und von dort die Übergabe am Flughafen sondern übernahm sogar einen Teil der Kosten.

Robinson Clubchef Jörg überreicht  zum Abschied Robinsons Reiseunterlagen

Als ich Robinson schließlich am Flughafen verloren, verängstigt  und leise wimmernd in seinem Käfig sitzen sah, bereit für den Abflug, war ich sicher, dass er große Schmerzen haben musste. Wie ich bald erfahren sollte,  hatte mich nicht geirrt. Ich hoffte inständig, alles würde gut über die Bühne gehen, Robinson den Stress des Fluges verkraften und Sabine wie versprochen zur Stelle sein.

Endlose Stunden im Käfig für Robinson

Sabine war wie versprochen in Frankfurt zur Stelle! Sie fackelte nicht lange, sah sich das Bündel Elend an, und brachte ihn kurzentschlossen noch am Wochenende zu ihrem Tierarzt. Sie erzählte mir später, seine herzzerreißenden Schmerzschreie nach dem Fressen, wären das Schockierendste gewesen, was sie in ihrer langjährigen Erfahrung als Pflegestelle  erlebt hatte. Nicht der gebrochene Kiefer war Robinsons Problem gewesen, der war längst wieder zusammen gewachsen, sondern durch Mangelernährung vereiterte und marode Zähne und eine Virus Erkrankung. Seine Zunge war eine einzige offene Wunde und der Eiter hatte bereits tiefe Löcher in den Kieferknochen gefressen. Kein Wunder, dass er sich nicht mehr selbst säubern konnte,  nur noch breiige Nahrung zu sich nahm und nach jedem Essen laut jammerte. Seine Schmerzen müssen unvorstellbar gewesen sein und jede Mahlzeit eine einzige Qual.

Noch am gleichen Tag erhielt er eine Not OP, alle Zähne wurden gezogen, die tiefen Wunden im Mäulchen gesäubert, Antibiotika verabreicht und dann passierte ein kleines Wunder: Innerhalb von nur 24 Stunden wurde aus Robinson eine andere Katze. Der ängstliche scheue Kater, der sich nur ungern anfassen ließ, verwandelte sich in ein zufrieden schnurrendes Schmusekätzchen und himmelt seine Pflegemutter Sabine förmlich an. Er stürzte sich bald begeistert über das Essen, das ihm angeboten wurde, futtert begeistert eine Portion nach der anderen , als müsste er alles nachholen, was er all die Monate vorher vermisst hatte. Vor kurzem begann er auch wieder zaghaft mit der ersten Fellpflege. Robinson im Glück!

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Sabine mit Robinson

 

 

Es gäbe so vieles, was ich über den Robinson Club  Kyllini Beach noch erzählen könnte, weil mein Aufenthalt dort in jeder Hinsicht herausragend schön und perfekt war. Dieser Club ist ein Juwel in der Robinson Krone! Aber darüber haben bereits viele andere vor mir geschrieben… über die engagierten Clubchefs, Jörg und Jule, den 11 Kilometer langen Sandstrand vor der Türe, wo man in naturbelassener Landschaft die Sonnenuntergänge genießen kann, über die Freundlichkeit des Teams, die mitreißenden Shows, den zuvorkommenden Service … für mich ist vor allem anderen jedoch die extra Portion Herz dort, ein ganz wichtiger Grund,  um gerne wieder zu kommen. „Zu Gast bei Freunden“ ist in Kyllini Beach nicht nur ein Werbeslogan sondern der Spirit des gesamten Teams. Meine Freunde wähle ich auch und besonders  nach ihrem Herz für Tiere aus und sage im Namen von Robinson von Herzen Dankeschön!

Robinson sucht ein Zuhause

Mein besonderer Dank gilt Sabine Rentner, die sich so wunderbar um Robinson kümmert und jetzt auch ein Zuhause für ihn sucht, wo er für immer bleiben darf. Robinson ist ein Schatz, gesund und jung, er hat die Zähne eingebüßt aber ansonsten keinerlei Probleme und würde sich über einen Platz mit viel Zuwendung und der Möglichkeit für Freigang freuen. Schreibt mir einfach unter bettina.m.schneider@gmx.net

Lifestyle, Seelenmarzipan

Rama dama…für Fortgeschrittene <3

„Rama dama“ ist ja eigentlich nur für die interessant, die es erst dazu kommen ließen, dass ein gründliches und kompromissloses Aufräumen notwendig wurde. Ganz gleich ob man Schuttberge, seine Schränke, den Freundeskreis, sein Arbeitsteam oder seine Lebenseinstellungen neu sortiert…vorher musste erst einmal ein gewisses Mass an Schutt und Unbrauchbarem angesammelt werden.

Eine Disziplin, in der ich Meister bin. Meine Schubladen würden jedem Krämerladen Konkurrenz machen, mein Kleiderschrank war einst so wohl sortiert und geordnet, wie ein  Ausverkaufslager bei Zara, mein Freundeskreis riesig aber nicht unbedingt rund und nicht unbedingt alles Freunde und einige meiner Lebenseinstellungen und Denkweisen brachten so manchen, der es gut mit mir meinte, zum Weinen…

Dann fing ich also irgendwann an mit dem Rama dama und mit jeder neuen Aktion wurde alles klarer. Zwar deutlich weniger von allem, aber brauchbarer, übersichtlicher und angenehmer. Manches musste ich neu anschaffen, vieles wurde neu entdeckt, verborgen und vergessen, zwischen dem Gerümpel. Und als ich vor einer Weile begann, endlich auch meine Lebenseinstellungen zu sortieren, welche davon ich mit in das letzte Drittel meines Aufenthalts hier nehmen sollte, welche mir gut tun und mit welchen ich mir selbst schade, da war ich erstaunt, was nach all dem Rama dama doch noch übersehen worden war. Es ist nach wie vor sehr ungewohnt für mich, unbequeme Dinge, wie ich worüber denke, einfach anzusprechen, Dinge einzufordern, selbstverständliche Dinge, wenn ich sie vermisse. Auch Respekt.

Ich denke, ich war eher so der Typ,  „wandelndes Diplomaten Corps“  bisher. Verbindlich, effektiv und  ein Großteil der zwischenmenschlichen Verhandlungen war daher natürlich äußerst erfolgreich aber nicht zwingend für mich selbst. Ich war oft beleidigt oder verletzt, wenn nicht gehört wurde, was ich NICHT sagte. Jetzt sind andere verletzt und beleidigt, wenn sie hören, was ICH sage. Noch bin ich dabei, herauszufinden, ob es sich so auf Dauer besser anfühlt. Aber einmal im Rama dama Fieber, gibt es wohl kein Zurück. Sieht man die Schutthalden erst und hat die Ärmel hochgekrempelt, dann ist es ein Selbstläufer.

Was ich während all der Aufräumarbeiten bisher am Tollsten fand, waren die unglaublich schönen Fundstücke, neben vergessenen Schätzen in Schubladen und Schränken, vor allem verlässliche Freundschaften, unerwartete und nette Gesten, Reaktionen, mit denen ich niemals gerechnet hätte, positiv wie negativ, oder einfach gar keine, wenn ich sie erhofft hätte …aber sie waren immer aufschlussreich. Hilfsangebote und Anerkennung in jeder nur denkbaren Art, auch für meine Arbeit, aber vor allem die Gewissheit, dass es Menschen gibt, die mich nicht nur dann schätzen, wenn ich für sie oder andere leiste, sondern für das, was ich bin. Mein Blick wurde geschärft für echte Freunde und Verbündete. Kleiner Tipp, wie man sie erkennt: Sie sind einfach da, wenn du sie brauchst ❤

Rama dama ist cool 🙂

Chance, Lifestyle, Seelenmarzipan

Quo vadis, großer Kürbis? Whats next???

Wer diesen Blog bereits ein wenig kennt, der ist schon daran gewöhnt, dass spätestens ab Ende August meine alljährliche Kürbis-Halloween Neigung wieder durchbricht. Sobald die ersten Kürbisse in den Regalen der Supermärkte erscheinen haben auch meine Artikel gerne einen Bezug zu Halloween, Herbst und all den Ritualen drum herum.

Natürlich habe ich auch im letzten Jahr im Kreise lieber Freunde treu und brav meine Wunschliste an den großen Kürbis erstellt und dann feierlich um Mitternacht dem Feuer übergeben. Die Zauberkräuter, die ich hinzu fügte, müssen diesmal eine ziemlich heftige Mischung gewesen sein, denn seitdem wurde mein Leben ziemlich durchgeschüttelt.

Gut, der Part mit dem gesund werden, den hat der große Kürbis wieder ausgelassen. Aufgeschoben, hoffe ich doch und es kommt noch. Aber er kann sich nicht um alles kümmern, die Liste war diesmal lang. Dafür gab es etwas im Überfluss, das jeder gerne haben möchte: Liebe. Vertrauen. Wertschätzung. Erfolg…und Mut.

Wenn man aufhört, darauf zu warten, beziehungsweise sich festzulegen, woher und von wem und in welcher Form diese Dinge kommen sollten, dann ist es für den großen Kürbis wesentlich einfacher, sie zu erfüllen. Er hätte mir diesen Tipp gerne schon viel früher geben können. Jedenfalls war es das Jahr der Freundschaften, der erfolgreichen Allianzen, der unerwarteten Geschenke, Einladungen, Angebote und lieben Gesten. Es war das Jahr, in dem ich begann, wirklich und unverrückbar an mich zu glauben. Ganz gleich, was passiert. Das Jahr, in dem ich feststellte, dass Fehler machen und Schwächen zeigen völlig OK sind und Forderungen stellen, auch!  Das Jahr in dem ich nichts mehr von irgend jemandem erwartete und bereit war, alles allein zu bewältigen. Weil ich es kann! Das Jahr, in dem mir dann so viel geschenkt wurde und viele Wege doch gemeinsam gegangen wurden. Verdammt coole Kräuter, die wir da ins Feuer geworfen hatten. Die werde ich heuer wieder verwenden. (Magic rituals mixture), falls jemand fragt 😉 )

Wo ich sie diesmal verbrenne weiß ich derzeit noch nicht. Auf der letzten Halloween Wunschliste stand ganz oben ein kleines Haus oder eine Haushälfte, die ich gerne nach meinen Vorstellungen in ein Hexenhaus verwandeln möchte. Klein aber fein. Unbedingt schon etwas in die Jahre gekommen, so wie ich. 😉  Solides Material, leicht antik angehaucht und unverwüstlich. Gerne auch richtig alt, denkmalgeschützt, verwunschen, und in einer Umgebung, wo Katzen ungefährdet spazieren gehen können. Gutes Karma to go in jedem Zimmer!

Wahrscheinlich habe ich den großen Kürbis etwas gelangweilt, mit meiner dann nachfolgenden Aufzählung der Details. Messing Türklopfer, Holzfenster- und Türen, Dielenböden, Fensterläden…aber ich wollte ganz auf Nummer sicher gehen. Von diesem Haus träume ich mein ganzes Leben! Dort möchte ich das nächste Halloween Ritual feiern. Falls das Haus zu klein für meine Freunde wird, mutiert die Veranstaltung eben zur Gartenparty…egal 🙂 . Nur finden müsste ich es noch. Ich bin sicher, es wartet ebenfalls bereits sein ganzes Leben auf mich ❤

Wenn ich eines gelernt habe, dann dass es sich lohnt,  zu träumen, zu wünschen und zu glauben. Nicht zu konkret…denn der große Kürbis hat seinen eigenen Kopf und manchmal einen grauenhaften Sinn für Humor, wenn er die Dinge dann ins Leben bringt. Aber wenn man ihm etwas Spielraum gibt, und die richtigen Kräuter, dann macht er einen tollen Job!

Die Fensterläden sollten übrigens zartrosa sein. Hoffentlich hat er das letzten Herbst nicht wieder überlesen 🙂

 

Lifestyle, Seelenmarzipan

Manchmal dürfen auch Eltern unvernünftig sein!

Es war Schützenfest im Städtchen. In den 60er Jahren und in der abgelegenen Gegend, in der ich aufwachsen durfte, immer DAS Ereignis des Jahres und auch für uns Kinder die größte Sensation. Neben dem Kettenkarussell (Ponyreiten fanden meine Eltern damals schon doof!) hatte es mir besonders die Losbude angetan. Bunt aufgereiht saßen dort in den Regalen riesige, herausgeputzte Puppen. Sie trugen Spitzenkleider und Hochsteckfrisuren. Der Traum jedes kleinen Mädchens in dieser Zeit und für die meisten kleinen Mädchen damals, unerreichbar.

Mein Vater spendierte großzügig ein paar Lose aber wie so oft waren es Nieten und meine Enttäuschung wuchs mit jedem Los, das ich dann wütend zerriss. Eigentlich spielte ich gar nicht mit Puppen aber diese Schönheiten übten eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf mich aus und obwohl der Rummel so viel mehr zu bieten hatte, weiß ich noch gut, wie enttäuschend der Rest des Rundgangs für mich war. Ich wurde dann nach Hause gebracht während meine Eltern das Abendprogramm im Festzelt geniessen wollten.

Am nächsten Morgen erwartete mich im Esszimmer eine Überraschung, an die ich mich heute, gut 50 Jahre später, noch erinnere, als wäre es gestern gewesen:

Ich dachte, ich träume, denn auf dem Esstisch türmten sich  Stofftiere in allen Farben und Größen, Spielzeug, Plastikrosen, Sammeltassen, Wundertüten, Fächer…es war so ziemlich alles vorhanden, was es irgend an einer Losbude zu gewinnen gibt. Und auf diesem riesen Berg von Schätzen thronte eine Puppe…sie trug ein grünes Spitzenkleid und eine Hochsteckfrisur …

Mein Vater sass noch etwas übernächtigt am Tisch und strahlte mich an: „Ich habe so oft gelost heute Nacht, aber es war nie die Puppe dabei. Da habe ich einfach den ganzen Loseimer gekauft, …es gehört alles dir!“

Wir waren zu diesem Zeitpunkt weissgott keine wohlhabende Familie. Eigentlich war es Wahnsinn, was mein Vater da getan hatte. Es war pädagogisch vielleicht nicht ganz korrekt, ganz sicher aber unsinnig und verschwenderisch. Diese Aktion musste ein riesen Loch in die Haushaltskasse gerissen haben. Trotzdem bin ich unglaublich dankbar, diesen Moment in meiner Erinnerung zu haben. Die Puppe ist längst in den Müll gewandert, die Freude in seinen Augen über meine Freude, die werde ich immer mit mir tragen.

Kürzlich fragte ich mein eigenes Kind, an welche besonderen Begebenheiten aus ihrer Kindheit sie sich gern erinnert. Und wieder waren Lose im Spiel.

Da ich niemanden hatte, der auf sie aufpasste, während ich meine Baustellen betreute, und ein Hort nie in Frage kam (wenn es denn am Land einen gegeben hätte), war sie am Nachmittag immer bei der Arbeit mit dabei. Natürlich hatte ich, wie alle berufstätigen Mütter, ein schlechtes Gewissen deshalb und versuchte nach jedem Arbeitstag ein Highlight zu setzen, ein Spiel, eine kleine Belohnung…uns fiel immer etwas ein. An diesem Tag war es ein Los im Supermarkt, ihr erstes im Leben und sie gewann auf Anhieb 100 DM in bar.

„Du hättest mir das Geld abnehmen können oder mir nur einen kleinen Teil aushändigen…du hättest mir den vernünftigen Umgang mit Geld zeigen können, mich zum Spenden ermahnen oder mir erklären wie man spart. Aber weißt du, was du stattdessen gemacht hast?“ Ich wusste es noch, aber lächelte und wartete ihre Antwort ab.

„Du hast gesagt, das Geld wäre ein Geschenk des Universums, nur für mich allein und ich darf mir davon kaufen, was ich möchte. Dann bist du mit mir in den nächsten Spielzeugladen gefahren und ich habe mir mein Lieblings Playmobil und alle Figuren dazu gekauft, die es gab.  Mein erstes eigenes Geld und ich durfte alles ausgeben, das war soo cool, besser als Geburtstag oder Weihnachten! Ich werde das nie vergessen!“

Ich sah die Freude in ihren Augen als sie mir die Geschichte erzählte und musste wieder einmal an meinen Vater denken. Eltern müssen nicht immer vernünftig sein! Manchmal bleiben wunderschöne Erinnerungen, wenn sie es einmal nicht waren 😉