Lifestyle, Seelenmarzipan, Tierschutz

Mein Urlaub im Robinson Club Kyllini Beach- Ein Reisebericht und ein Katzenblog

Kinder, wie die  Zeit vergeht! 30 Jahre ist es nun her, seit ich das erste mal „zu Gast bei Freunden“ in einem Robinson Club war, und ich muss gestehen, nach dem ersten Besuch 1987 war ich angefixt.

Waren es anfangs nur die Disco Nächte und die nie endende Party, die lockten, begeisterte ich mich im Lauf der Jahre für die liebevolle Kinderbetreuung, das breit aufgestellte Sportangebot, lernte den Club als Single, Familie, mit und ohne Kind kennen und lieben und schätze mittlerweile auch die ruhigeren Optionen, die sich dort bieten, wie Spa, Yoga und kulinarische Highlights! Jetzt war ich neugierig auf Kyllini Beach, der seit seiner Neueröffnung vor zwei Jahren, als Geheimtipp gehandelt wird.

Ich reiste urlaubsreif wie selten und mit großen Erwartungen an…  und ich wurde nicht enttäuscht, ganz im Gegenteil! Wer mich ein wenig näher kennt, der weiß, dass ich in Sachen Service und Organisation manchmal nervtötend kritisch urteile, immer etwas finde, das noch ein wenig verbessert werden könnte. Das Robinson Konzept ist nur dann perfekt, wenn die Clubleitung und Teammitglieder es auch wirklich umsetzen und nicht jeder Club kann das von sich behaupten.

Ich schwöre, dass während des gesamten Aufenthalts in dieser traumhaft schönen und schön gelegenen Anlage, nicht ein Wort der Kritik, nicht ein einziger Verbesserungsvorschlag über meine Lippen kam. Ich war viel zu beschäftigt damit, zu genießen, was der Clubchef und sein Team für ihre Gäste aufboten. Zum Beispiel die Musik, (des öfteren Anlass zum Nörgeln, für eine bekennende Disco Fox Hasserin) war in Kyllini jeden Abend ein Highlight! Live Auftritte oder aktuelle Beats und Bässe, mit viel Liebe und Fingerspitzengefühl abgemischt.

Entertainment, Musik, Küche, Anlage, Sauberkeit, Service, Lage…. oder…oder…, in diesem Club wurde von allem noch ein wenig mehr geboten, noch ein wenig umfangreicher, mit noch ein wenig mehr Liebe zum Detail für einen gelungenen Urlaub gesorgt. Das Wort „Perfekt“ , trifft es wohl am besten.

Manchmal war es fast schon unheimlich, wie alle Wünsche von den Augen abgelesen wurden, ehe man sie aussprach. Ob es ein Schokoladen Eis war, das einfach so, als Überraschung an den Strand gebracht wurde oder ein Abend mit Piano und heißer Schokolade als Spontanprogramm in der Lobby, als es regnete… es gab ein spektakuläres kulinarisches Angebot für alle, die alles essen aber auch für Vegetarier, Veganer, Allergiker, … und Schokoholics, wie mich, und natürlich nicht zu vergessen, die sagenhaften Pina Coladas! Jeder, angefangen vom Green Team der Gärtner, über das immer gut gelaunte Service Personal, bis hin zu den Sport Trainern (die ich allerdings nur vom Hören- Sagen kenne, Sport ist nicht so mein Thema),  war freundlich und zuvorkommend und mit Freude bei der Arbeit für die Gäste. Ich war rundum glücklich und beschloss, mir für den Gala Abend noch schnell ein Kleid zu kaufen, denn sehr bald würde der Club für diese Saison schließen und der Abschluss sollte mit einem großen Gala Event gefeiert werden.

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Während ich mich im Laden umsah, hörte ich zufällig ein Gespräch mit. Offensichtlich ging es dabei um eine Katze. …“so schade, dass ihn niemand wollte….was wird jetzt aus ihm ab Freitag….er kann doch nicht fressen, was nicht püriert ist…er tut mir so leid….“ Das war der Moment, wo ich vergaß was ich eigentlich in dem Laden wollte und interessiert nachfragte, von wem die Rede war.

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ROBINSON

Die Rede war von einem Kater. Ein kleiner Kater, der  schwer verletzt und halb verhungert im Frühsommer in der Anlage aufgetaucht war. Offensichtlich hatte man ihn misshandelt, denn sein Kiefer war gebrochen und er sah insgesamt sehr mitgenommen aus. Einer der Angestellten hatte Mitleid mit ihm und er durfte bleiben.

Y, wie alle ihn nannten, konnte  keine feste Nahrung zu sich nehmen, also erhielt er sein Futter püriert, überlebte auf diese Weise den Sommer und man hoffte, irgendwann würde sich ein Gast finden, der ihn mitnehmen wollte. Y erhielt einen Aushang in der Club Info und gerade noch rechtzeitig, ehe  die Anlage über den Winter leer und verlassen zurück bleibt, und er wegen seiner Beeinträchtigungen einem sicheren Hungertod ausgeliefert wäre, bot sich ein Ehepaar an, ihn zu adoptieren. Tierliebe Mitarbeiter des Clubs organisierten die nötigen Papiere, bereiteten alles vor und jeder atmete erleichtert auf, denn der schüchterne und sanfte Überlebenskünstler war vielen ans Herz gewachsen und niemand wollte ihn zum Sterben verurteilt, hilflos zurück lassen. Einen Tag vor der geplanten Abreise, sagte die Familie wieder ab. Es war ihnen dann doch zu umständlich. Y war somit zu einem qualvollen Tod verurteilt, denn in einer Woche war niemand mehr da, der ihn füttern würde, auch niemand, der ihn aufnehmen wollte und alle reisten bald ab.

In meinem Kopf überschlugen sich die Gedanken, als mir klar wurde, dass ich noch genau 4 Tage Zeit hatte, irgendetwas zu organisieren, das diesem Tier ein trauriges und qualvolles Ende ersparen würde. Noch wusste ich nicht, wie der aktuelle Impfstatus aussah, ob die Fristen für eine Ausreise ausreichen würden, ob noch Platz im Frachtraum war, was ich mit ihm anstellen sollte, wenn wir in Frankfurt gelandet sind, ob meine Freunde ihn auf ihr Ticket eintragen lassen würden, denn meines war bereits für eine andere Flugpatenschaft vergeben. Ich wusste zu gut, was bei einer solchen Rettung alles schief gehen konnte, und auch, was sie kostet. Aber noch besser wusste ich, dass ich bis ans Ende meiner Tage bedauern würde, wenn ich nicht zumindest den Versuch unternommen hätte, diesem armen Wesen zu helfen.

Also atmete ich tief durch, wandte mich an das Grüppchen, das gerade über ihn sprach und sagte:  „Ich nehme ihn .. . könnt ihr seinen Betreuern bitte ausrichten, dass ich schnellstmöglich Bilder brauche, wahrscheinlich auch etwas Hilfestellung bei der Abwicklung, aber Robinson wird mit mir nach Hause fliegen…er heißt jetzt nämlich Robinson und er ist ab jetzt meine Katze!“

Genau so war es dann auch. Während ich am Strand die letzten Sonnenstrahlen des Sommers genoss, arbeitete ich Punkt für Punkt auf der to do Liste ab, was an Telefonaten, Dokumenten, Absprachen und Planungen anstand und ein Problem bereitete mir dabei besonders große Sorgen:  Ich wusste, dass meine eigene Katze Robinson aus tiefster Seele hassen würde. Das war nichts persönliches, sie hasst seit jeher jede Katze, die auch nur annähernd in meine Nähe kommt. Da Robinson also bei mir nicht bleiben konnte, musste ich eine Pflegestelle für ihn finden, jemanden der willens war  und gutherzig genug, um bei unserer Ankunft in Frankfurt eine kranke, völlig unbekannte Katze in Obhut zu nehmen, sie zum Tierarzt zu bringen, nach der wahrscheinlich notwendigen OP zu betreuen und sie zu behalten, bis ein Platz gefunden wurde. Ich postete mein Problem auf Facebook und quasi über Nacht fand Robinson auf diese Weise seinen rettenden Engel. Um 0.30, einen Tag vor der Rückreise, besprach ich am Telefon aufgeregt mit Sabine, die sich spontan gemeldet hatte, alle Details und konnte mein Glück nicht fassen. Er hatte nicht nur eine Pflegestelle gefunden, er hatte die beste Pflegestelle gefunden. Es war an der Zeit, mich wieder meinem Urlaub zu widmen.

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Friends will be friends …

Während wir ausgelassen mit dem gesamten Clubteam den Abschied von der Saison feierten, wurde Robinson in der Tierklinik auf die Reise vorbereitet. Alle halfen zusammen. Meine Reisebegleiter Claudia und Akosh ließen Robinson auf ihrem Ticket eintragen, ich regelte Robinsons Verbleib ab Frankfurt und das wunderbare Clubteam organisierte nicht nur einen Transportkäfig und den Transport zur 60 km entfernten Tierklinik und von dort die Übergabe am Flughafen sondern übernahm sogar einen Teil der Kosten.

Robinson Clubchef Jörg überreicht  zum Abschied Robinsons Reiseunterlagen

Als ich Robinson schließlich am Flughafen verloren, verängstigt  und leise wimmernd in seinem Käfig sitzen sah, bereit für den Abflug, war ich sicher, dass er große Schmerzen haben musste. Wie ich bald erfahren sollte,  hatte mich nicht geirrt. Ich hoffte inständig, alles würde gut über die Bühne gehen, Robinson den Stress des Fluges verkraften und Sabine wie versprochen zur Stelle sein.

Endlose Stunden im Käfig für Robinson

Sabine war wie versprochen in Frankfurt zur Stelle! Sie fackelte nicht lange, sah sich das Bündel Elend an, und brachte ihn kurzentschlossen noch am Wochenende zu ihrem Tierarzt. Sie erzählte mir später, seine herzzerreißenden Schmerzschreie nach dem Fressen, wären das Schockierendste gewesen, was sie in ihrer langjährigen Erfahrung als Pflegestelle  erlebt hatte. Nicht der gebrochene Kiefer war Robinsons Problem gewesen, der war längst wieder zusammen gewachsen, sondern durch Mangelernährung vereiterte und marode Zähne und eine Virus Erkrankung. Seine Zunge war eine einzige offene Wunde und der Eiter hatte bereits tiefe Löcher in den Kieferknochen gefressen. Kein Wunder, dass er sich nicht mehr selbst säubern konnte,  nur noch breiige Nahrung zu sich nahm und nach jedem Essen laut jammerte. Seine Schmerzen müssen unvorstellbar gewesen sein und jede Mahlzeit eine einzige Qual.

Noch am gleichen Tag erhielt er eine Not OP, alle Zähne wurden gezogen, die tiefen Wunden im Mäulchen gesäubert, Antibiotika verabreicht und dann passierte ein kleines Wunder: Innerhalb von nur 24 Stunden wurde aus Robinson eine andere Katze. Der ängstliche scheue Kater, der sich nur ungern anfassen ließ, verwandelte sich in ein zufrieden schnurrendes Schmusekätzchen und himmelt seine Pflegemutter Sabine förmlich an. Er stürzte sich bald begeistert über das Essen, das ihm angeboten wurde, futtert begeistert eine Portion nach der anderen , als müsste er alles nachholen, was er all die Monate vorher vermisst hatte. Vor kurzem begann er auch wieder zaghaft mit der ersten Fellpflege. Robinson im Glück!

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Sabine mit Robinson

 

 

Es gäbe so vieles, was ich über den Robinson Club  Kyllini Beach noch erzählen könnte, weil mein Aufenthalt dort in jeder Hinsicht herausragend schön und perfekt war. Dieser Club ist ein Juwel in der Robinson Krone! Aber darüber haben bereits viele andere vor mir geschrieben… über die engagierten Clubchefs, Jörg und Jule, den 11 Kilometer langen Sandstrand vor der Türe, wo man in naturbelassener Landschaft die Sonnenuntergänge genießen kann, über die Freundlichkeit des Teams, die mitreißenden Shows, den zuvorkommenden Service … für mich ist vor allem anderen jedoch die extra Portion Herz dort, ein ganz wichtiger Grund,  um gerne wieder zu kommen. „Zu Gast bei Freunden“ ist in Kyllini Beach nicht nur ein Werbeslogan sondern der Spirit des gesamten Teams. Meine Freunde wähle ich auch und besonders  nach ihrem Herz für Tiere aus und sage im Namen von Robinson von Herzen Dankeschön!

Robinson sucht ein Zuhause

Mein besonderer Dank gilt Sabine Rentner, die sich so wunderbar um Robinson kümmert und jetzt auch ein Zuhause für ihn sucht, wo er für immer bleiben darf. Robinson ist ein Schatz, gesund und jung, er hat die Zähne eingebüßt aber ansonsten keinerlei Probleme und würde sich über einen Platz mit viel Zuwendung und der Möglichkeit für Freigang freuen. Schreibt mir einfach unter bettina.m.schneider@gmx.net

Lifestyle, Seelenmarzipan

Rama dama…für Fortgeschrittene <3

„Rama dama“ ist ja eigentlich nur für die interessant, die es erst dazu kommen ließen, dass ein gründliches und kompromissloses Aufräumen notwendig wurde. Ganz gleich ob man Schuttberge, seine Schränke, den Freundeskreis, sein Arbeitsteam oder seine Lebenseinstellungen neu sortiert…vorher musste erst einmal ein gewisses Mass an Schutt und Unbrauchbarem angesammelt werden.

Eine Disziplin, in der ich Meister bin. Meine Schubladen würden jedem Krämerladen Konkurrenz machen, mein Kleiderschrank war einst so wohl sortiert und geordnet, wie ein  Ausverkaufslager bei Zara, mein Freundeskreis riesig aber nicht unbedingt rund und nicht unbedingt alles Freunde und einige meiner Lebenseinstellungen und Denkweisen brachten so manchen, der es gut mit mir meinte, zum Weinen…

Dann fing ich also irgendwann an mit dem Rama dama und mit jeder neuen Aktion wurde alles klarer. Zwar deutlich weniger von allem, aber brauchbarer, übersichtlicher und angenehmer. Manches musste ich neu anschaffen, vieles wurde neu entdeckt, verborgen und vergessen, zwischen dem Gerümpel. Und als ich vor einer Weile begann, endlich auch meine Lebenseinstellungen zu sortieren, welche davon ich mit in das letzte Drittel meines Aufenthalts hier nehmen sollte, welche mir gut tun und mit welchen ich mir selbst schade, da war ich erstaunt, was nach all dem Rama dama doch noch übersehen worden war. Es ist nach wie vor sehr ungewohnt für mich, unbequeme Dinge, wie ich worüber denke, einfach anzusprechen, Dinge einzufordern, selbstverständliche Dinge, wenn ich sie vermisse. Auch Respekt.

Ich denke, ich war eher so der Typ,  „wandelndes Diplomaten Corps“  bisher. Verbindlich, effektiv und  ein Großteil der zwischenmenschlichen Verhandlungen war daher natürlich äußerst erfolgreich aber nicht zwingend für mich selbst. Ich war oft beleidigt oder verletzt, wenn nicht gehört wurde, was ich NICHT sagte. Jetzt sind andere verletzt und beleidigt, wenn sie hören, was ICH sage. Noch bin ich dabei, herauszufinden, ob es sich so auf Dauer besser anfühlt. Aber einmal im Rama dama Fieber, gibt es wohl kein Zurück. Sieht man die Schutthalden erst und hat die Ärmel hochgekrempelt, dann ist es ein Selbstläufer.

Was ich während all der Aufräumarbeiten bisher am Tollsten fand, waren die unglaublich schönen Fundstücke, neben vergessenen Schätzen in Schubladen und Schränken, vor allem verlässliche Freundschaften, unerwartete und nette Gesten, Reaktionen, mit denen ich niemals gerechnet hätte, positiv wie negativ, oder einfach gar keine, wenn ich sie erhofft hätte …aber sie waren immer aufschlussreich. Hilfsangebote und Anerkennung in jeder nur denkbaren Art, auch für meine Arbeit, aber vor allem die Gewissheit, dass es Menschen gibt, die mich nicht nur dann schätzen, wenn ich für sie oder andere leiste, sondern für das, was ich bin. Mein Blick wurde geschärft für echte Freunde und Verbündete. Kleiner Tipp, wie man sie erkennt: Sie sind einfach da, wenn du sie brauchst ❤

Rama dama ist cool 🙂

Chance, Lifestyle, Seelenmarzipan

Quo vadis, großer Kürbis? Whats next???

Wer diesen Blog bereits ein wenig kennt, der ist schon daran gewöhnt, dass spätestens ab Ende August meine alljährliche Kürbis-Halloween Neigung wieder durchbricht. Sobald die ersten Kürbisse in den Regalen der Supermärkte erscheinen haben auch meine Artikel gerne einen Bezug zu Halloween, Herbst und all den Ritualen drum herum.

Natürlich habe ich auch im letzten Jahr im Kreise lieber Freunde treu und brav meine Wunschliste an den großen Kürbis erstellt und dann feierlich um Mitternacht dem Feuer übergeben. Die Zauberkräuter, die ich hinzu fügte, müssen diesmal eine ziemlich heftige Mischung gewesen sein, denn seitdem wurde mein Leben ziemlich durchgeschüttelt.

Gut, der Part mit dem gesund werden, den hat der große Kürbis wieder ausgelassen. Aufgeschoben, hoffe ich doch und es kommt noch. Aber er kann sich nicht um alles kümmern, die Liste war diesmal lang. Dafür gab es etwas im Überfluss, das jeder gerne haben möchte: Liebe. Vertrauen. Wertschätzung. Erfolg…und Mut.

Wenn man aufhört, darauf zu warten, beziehungsweise sich festzulegen, woher und von wem und in welcher Form diese Dinge kommen sollten, dann ist es für den großen Kürbis wesentlich einfacher, sie zu erfüllen. Er hätte mir diesen Tipp gerne schon viel früher geben können. Jedenfalls war es das Jahr der Freundschaften, der erfolgreichen Allianzen, der unerwarteten Geschenke, Einladungen, Angebote und lieben Gesten. Es war das Jahr, in dem ich begann, wirklich und unverrückbar an mich zu glauben. Ganz gleich, was passiert. Das Jahr, in dem ich feststellte, dass Fehler machen und Schwächen zeigen völlig OK sind und Forderungen stellen, auch!  Das Jahr in dem ich nichts mehr von irgend jemandem erwartete und bereit war, alles allein zu bewältigen. Weil ich es kann! Das Jahr, in dem mir dann so viel geschenkt wurde und viele Wege doch gemeinsam gegangen wurden. Verdammt coole Kräuter, die wir da ins Feuer geworfen hatten. Die werde ich heuer wieder verwenden. (Magic rituals mixture), falls jemand fragt 😉 )

Wo ich sie diesmal verbrenne weiß ich derzeit noch nicht. Auf der letzten Halloween Wunschliste stand ganz oben ein kleines Haus oder eine Haushälfte, die ich gerne nach meinen Vorstellungen in ein Hexenhaus verwandeln möchte. Klein aber fein. Unbedingt schon etwas in die Jahre gekommen, so wie ich. 😉  Solides Material, leicht antik angehaucht und unverwüstlich. Gerne auch richtig alt, denkmalgeschützt, verwunschen, und in einer Umgebung, wo Katzen ungefährdet spazieren gehen können. Gutes Karma to go in jedem Zimmer!

Wahrscheinlich habe ich den großen Kürbis etwas gelangweilt, mit meiner dann nachfolgenden Aufzählung der Details. Messing Türklopfer, Holzfenster- und Türen, Dielenböden, Fensterläden…aber ich wollte ganz auf Nummer sicher gehen. Von diesem Haus träume ich mein ganzes Leben! Dort möchte ich das nächste Halloween Ritual feiern. Falls das Haus zu klein für meine Freunde wird, mutiert die Veranstaltung eben zur Gartenparty…egal 🙂 . Nur finden müsste ich es noch. Ich bin sicher, es wartet ebenfalls bereits sein ganzes Leben auf mich ❤

Wenn ich eines gelernt habe, dann dass es sich lohnt,  zu träumen, zu wünschen und zu glauben. Nicht zu konkret…denn der große Kürbis hat seinen eigenen Kopf und manchmal einen grauenhaften Sinn für Humor, wenn er die Dinge dann ins Leben bringt. Aber wenn man ihm etwas Spielraum gibt, und die richtigen Kräuter, dann macht er einen tollen Job!

Die Fensterläden sollten übrigens zartrosa sein. Hoffentlich hat er das letzten Herbst nicht wieder überlesen 🙂

 

Lifestyle, Seelenmarzipan

Manchmal dürfen auch Eltern unvernünftig sein!

Es war Schützenfest im Städtchen. In den 60er Jahren und in der abgelegenen Gegend, in der ich aufwachsen durfte, immer DAS Ereignis des Jahres und auch für uns Kinder die größte Sensation. Neben dem Kettenkarussell (Ponyreiten fanden meine Eltern damals schon doof!) hatte es mir besonders die Losbude angetan. Bunt aufgereiht saßen dort in den Regalen riesige, herausgeputzte Puppen. Sie trugen Spitzenkleider und Hochsteckfrisuren. Der Traum jedes kleinen Mädchens in dieser Zeit und für die meisten kleinen Mädchen damals, unerreichbar.

Mein Vater spendierte großzügig ein paar Lose aber wie so oft waren es Nieten und meine Enttäuschung wuchs mit jedem Los, das ich dann wütend zerriss. Eigentlich spielte ich gar nicht mit Puppen aber diese Schönheiten übten eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf mich aus und obwohl der Rummel so viel mehr zu bieten hatte, weiß ich noch gut, wie enttäuschend der Rest des Rundgangs für mich war. Ich wurde dann nach Hause gebracht während meine Eltern das Abendprogramm im Festzelt geniessen wollten.

Am nächsten Morgen erwartete mich im Esszimmer eine Überraschung, an die ich mich heute, gut 50 Jahre später, noch erinnere, als wäre es gestern gewesen:

Ich dachte, ich träume, denn auf dem Esstisch türmten sich  Stofftiere in allen Farben und Größen, Spielzeug, Plastikrosen, Sammeltassen, Wundertüten, Fächer…es war so ziemlich alles vorhanden, was es irgend an einer Losbude zu gewinnen gibt. Und auf diesem riesen Berg von Schätzen thronte eine Puppe…sie trug ein grünes Spitzenkleid und eine Hochsteckfrisur …

Mein Vater sass noch etwas übernächtigt am Tisch und strahlte mich an: „Ich habe so oft gelost heute Nacht, aber es war nie die Puppe dabei. Da habe ich einfach den ganzen Loseimer gekauft, …es gehört alles dir!“

Wir waren zu diesem Zeitpunkt weissgott keine wohlhabende Familie. Eigentlich war es Wahnsinn, was mein Vater da getan hatte. Es war pädagogisch vielleicht nicht ganz korrekt, ganz sicher aber unsinnig und verschwenderisch. Diese Aktion musste ein riesen Loch in die Haushaltskasse gerissen haben. Trotzdem bin ich unglaublich dankbar, diesen Moment in meiner Erinnerung zu haben. Die Puppe ist längst in den Müll gewandert, die Freude in seinen Augen über meine Freude, die werde ich immer mit mir tragen.

Kürzlich fragte ich mein eigenes Kind, an welche besonderen Begebenheiten aus ihrer Kindheit sie sich gern erinnert. Und wieder waren Lose im Spiel.

Da ich niemanden hatte, der auf sie aufpasste, während ich meine Baustellen betreute, und ein Hort nie in Frage kam (wenn es denn am Land einen gegeben hätte), war sie am Nachmittag immer bei der Arbeit mit dabei. Natürlich hatte ich, wie alle berufstätigen Mütter, ein schlechtes Gewissen deshalb und versuchte nach jedem Arbeitstag ein Highlight zu setzen, ein Spiel, eine kleine Belohnung…uns fiel immer etwas ein. An diesem Tag war es ein Los im Supermarkt, ihr erstes im Leben und sie gewann auf Anhieb 100 DM in bar.

„Du hättest mir das Geld abnehmen können oder mir nur einen kleinen Teil aushändigen…du hättest mir den vernünftigen Umgang mit Geld zeigen können, mich zum Spenden ermahnen oder mir erklären wie man spart. Aber weißt du, was du stattdessen gemacht hast?“ Ich wusste es noch, aber lächelte und wartete ihre Antwort ab.

„Du hast gesagt, das Geld wäre ein Geschenk des Universums, nur für mich allein und ich darf mir davon kaufen, was ich möchte. Dann bist du mit mir in den nächsten Spielzeugladen gefahren und ich habe mir mein Lieblings Playmobil und alle Figuren dazu gekauft, die es gab.  Mein erstes eigenes Geld und ich durfte alles ausgeben, das war soo cool, besser als Geburtstag oder Weihnachten! Ich werde das nie vergessen!“

Ich sah die Freude in ihren Augen als sie mir die Geschichte erzählte und musste wieder einmal an meinen Vater denken. Eltern müssen nicht immer vernünftig sein! Manchmal bleiben wunderschöne Erinnerungen, wenn sie es einmal nicht waren 😉

 

 

Lifestyle, Seelenmarzipan

Hilfe! Ich bin ein Lebensmittel Nazi!

Wer erwachsene Kinder hat, der kennt die Glücksmomente, wenn sie in den Semesterferien wieder einmal Zuhause logieren. Und neben vielen anderen Dingen, die ich nun endlich wieder mit meiner Tochter gemeinsam unternehmen kann, steht auch Kochen auf dem Plan. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass ich eine lausige Köchin bin. Was bei mir auf den Tisch kommt, ist entweder noch naturbelassen und somit perfekt oder es ist zubereitet, dann fällt es meist unter die Kategorie, mäßig bis ungenießbar. Die Vorbildwirkung Erwachsener ist zum Glück nicht in allen Fällen prägend, denn mein Kind ist trotzdem eine hervorragende und kreative  Köchin geworden. Sie hat es sich selbst beigebracht, zaubert aus allem im Handumdrehen irgendetwas Leckeres und daher hatten wir einen Kochkurs vereinbart. Das wollte ich jetzt auch können 🙂 .

Während sie mir über die Schulter sah und Anweisungen gab, bereitete ich die Zutaten vor. Die erste Tomate war bereits etwas eingedellt, also entsorgte ich sie. Auch die Kokosmilch schien mir verdächtig, sie lagerte aber auch schon ewig im Schrank, also weg damit, irgendwo musste noch eine frischere Packung liegen. Als ich auch vom Salat äußerst großzügig die Blätter entfernte, die mir nicht ansprechend genug aussahen, platzte ihr der Kragen. „Mama, du bist ein echter Lebensmittel Nazi! Das ist mir vorher nie so aufgefallen. Wieso brauchst du deine Lebensmittel nicht rechtzeitig auf und überhaupt… man kann vieles noch verwenden, wenn man ein bisschen bedacht vorgeht!“.

„Container-Surfen“

Dann erzählte sie mir, dass sie und  ihr Freund an den Wochenenden immer zu den Abfallcontainern der Discounter in Innsbruck, ihres damaligen Studienortes gefahren sind. Zum „Container-Surfen“. Natürlich ist das nicht ganz legal, und ich fand die Idee zunächst sehr gewöhnungsbedürftig, mir meine Tochter auf der Suche nach Lebensmitteln in Müllcontainern herumkletternd vorzustellen. Aber ihre begeisterte Schilderung brachte mich dann doch zum Lächeln.

Die beiden suchten sich damals also die geeigneten Container, in denen die noch original verpackten Früchte der Discounter am Wochenende gelandet waren. Das gratis Angebot war überwältigend. Tadellose Muffins und tausend andere Dinge, alles noch frisch aber am Montag eben nicht mehr frisch genug für die Obst- und Gemüse Abteilung, oder das Haltbarkeitsdatum knapp überschritten. Nach der Kletteraktion (ich wollte es mir lieber nicht so genau vorstellen),  brachten sie ihre Schätze in Sicherheit und veranstalteten an den Ufern des Inns ein Picknick der Superlative, mit Unmengen Obst, Erdbeeren, Stachelbeeren, Aprikosen und vielen anderen Leckereien. Gewusst wie 🙂 . Sie war zum Glück zu keinem Zeitpunkt darauf angewiesen, sich auf diese Weise zu versorgen aber der Gedanke, all die kostbaren und noch hochwertigen Produkte sinnlos im Müll verschwinden zu lassen, erschien ihr unsinnig und sie nutzte das ersparte Geld lieber für andere Dinge. Wieder einmal gefiel mir ihre Art, die Welt zu sehen und natürlich hatte sie recht! Ich sollte sorgsamer mit den Lebensmitteln umgehen. Den „Lebensmittel Nazi“ wollte ich nicht auf mir sitzen lassen!

Ob es offizielle Zahlen darüber gab, wieviel Essen wir insgesamt verschwenden/wegwerfen? Nach unserem (sehr gelungenen) Essen googelte ich bei der Bundesverbraucherzentrale nach und wurde fündig:

Jahr für Jahr landen in Deutschland 11 Millionen Tonnen Lebensmittel im Wert von circa 25 Milliarden Euro im Müll. Das sind 440.000 Sattelschlepper! Für die Menge der weggeworfenen Lebensmittel werden knapp 30 Prozent der weltweit verfügbaren Anbauflächen unnötig „genutzt“. Das sind selbst für eine „Wohlstandsgesellschaft“ noch irrsinnige Zahlen.

Die Gründe sind vielfältig. In der Landwirtschaft werden Erzeugnisse, die nicht marktfähig sind einfach untergepflügt, wenn sie in Form, Farbe oder Größe abweichen oder zu niedrige Preise erzielen.

Manche Lebensmittel, wie Erdbeeren, sind sehr empfindlich. Transport und Lagerung müssen fachgemäß erfolgen und alles immer bis zum Wochenende verkauft sein.

Hersteller vernichten ihre Überproduktionen, wenn zum Beispiel bei schlechtem Wetter weniger Grillwaren gekauft werden.

Der Handel entsorgt Lebensmittel oft bereits kurz vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatum.

Bäckereien bieten Brot vom Vortag oft nicht mehr an, sondern werfen es weg.

In  allen Kantinen, bei Airlinern und co  müssen sämtliche Buffetreste aus hygienischen Gründen immer entsorgt werden.

Lebensmittel haben leider insgesamt nicht mehr den Stellenwert, den sie noch vor 50 Jahren hatten. Während in den 50er und 60er Jahren für Nahrungs- und Genussmittel noch 50 Prozent des Haushaltseinkommens ausgegeben wurde, ist dieser Anteil auf aktuell nur noch 9,5 Prozent gesunken. Lebensmittel sind immer billiger geworden und die „Geiz ist Geil“ Mentalität nach wie vor fest im Denken verwurzelt. Fast 40 Prozent der Lebensmittelausgaben erfolgen mittlerweile in der „Außer-Haus-Verpflegung“. Tendenz steigend!  Das Wissen und die Kompetenzen der Lebensmittelauswahl, Lagerung und Zubereitung bleiben auf der Strecke, denn immer weniger Menschen lernen, wie man Lebensmittel richtig lagert und zubereitet. Jeder Bundesbürger wirft durchschnittlich im Jahr ca 80 kg Lebensmittel in den Müll. Zwei Drittel davon wären vermeidbar! Nachfolgend habe ich ein paar Anregungen zusammen gestellt aber sicher gibt es noch viel mehr Optionen, etwas bewusster mit den wertvollen Lebensmitteln umzugehen.

  • Einkaufslisten erstellen, sie helfen dabei, damit nur die notwendigen Lebensmittel im Einkaufswagen landen
  • Vorräte sollten so gelagert werden, dass man den Überblick über das jeweilige Verfallsdatum behält und nichts in Vergessenheit gerät.
  • Obst und Gemüse immer schnellstmöglichst verwerten und überreifes Obst eignet sich noch sehr gut als Kompott, Smoothie, Marmelade oder zur Verarbeitung in einem Kuchen.
  • Kühlschränke und Vorratsschränke sollten peinlichst sauber sein und regelmäßig gereinigt werden, damit Bakterien und co keine Chance haben, das Verfallsdatum zu beschleunigen.
  • Reste einfach in geschlossenen Behältern einfrieren und später genießen oder kühl lagern und als Snack to go mitnehmen.
  • Frische und leicht verderbliche Lebensmittel lieber in kleinen Mengen und öfter einkaufen
  • Falls es einen Hofladen in der Nähe gibt  –  auch einmal Obst und Gemüse kaufen, das noch individuell aussieht, dort gibt es auch noch krumme Gurken und unrunde Tomaten!

 

Und wie immer gilt der Grundsatz: Weniger ist mehr…und dann von guter Qualität…Bioware und fair erzeugt ❤
Lifestyle, Seelenmarzipan

true fruits…true love…Geständnis einer Süchtigen

Keine Ahnung, wie mir das passieren konnte. Aber seit ich das erste Mal, mehr oder weniger zufällig, eines der Fläschchen in die Hand bekam, vergeht kein Tag ohne mindestens eine Dosis von diesem Stoff.

Im Kühlschrank lagert immer ein Wochenvorrat und allein der Anblick der rot, gelb, grün oder milchig weißen Mixturen verschafft mir bereits den ersten angenehmen Kick.

Bisher war es immer ziemlich schwierig, meinen Bedarf an naturbelassenen Drogen zu decken, zumal der Eigenanbau oft umständlich, wenn nicht verboten ist. Dieses Zeug gibt es im Supermarkt um die Ecke. Einfach Richtung Obst und Gemüse Abteilung, Griff ins Kühlregal und ab damit an die Kasse. Alles legal, alles easy.

Das Zeug schmeckt nicht nur überirdisch gut, es enthält neben dem, was drin sein sollte absolut nichts anderes. Null Konservierung, Null Farbstoff, Null Aromen und Null extra Zucker. Die aufgedruckte Zutaten Liste liest sich wie das „Who is Who“ der Beauty- und Health Food Stars und die teilweise auf den ersten Blick ziemlich gewagten Zusammenstellungen, da noch ein bisschen Ingwer, dort etwas Pfefferminz und Matcha, ergeben in der Gesamtheit immer einen genialen Mix. Und auf einmal stehen so Lebensmittel wie Grünkohl und Spinat, Chiasamen und Cashewkerne auf meinem täglichen Speiseplan. Lebensmittel, die ich zwar schon immer gerne öfter essen wollte, einfach weil sie irre gesund sind, …aber unter uns…es war dann meistens doch die Semmel beim Bäcker um die Ecke…

Seit ich also entdeckt habe, dass ich für den perfekten Smoothie, der natürlich auch vegan ist, weder schälen, schnippeln oder spülen muss, seit ich herausgefunden habe, wie gut sich Chiasamen als Ersatz für ein mieses Fastfood Mittagessen machen, wenn man sie nur mit den richtigen Früchtchen zusammenbringt und dass man von dem Zeug eigentlich nur positive Nebenwirkungen hat, seitdem sind alle Hemmungen gefallen. Dann bin ich eben süchtig. Na und? Außerdem wird im Kleingedruckten des Kokos-Cashew-Erdbeer-Vanille Samttraum- Smoothies sogar ausdrücklich auf die Suchtgefahr hingewiesen. Vielleicht rufe ich rein aus Neugierde einmal bei der Suchtberatungs-Hotline dort an. Die Nummer steht auf jeder Flasche 🙂 .

Kürzlich recherchierte ich ein wenig im Netz über die Smoothie Dealer meines Herzens und was ich über sie herausfand, hat mir fast so gut gefallen, wie das Produkt selbst. Sie sind ein bisschen anders, frech, innovativ, selbstbewusst, straight und sie haben Humor. Falls ihr mir nicht glaubt, schaut euch mal an, was so auf ihren Verpackungen steht.

Da, wo sonst die endlos Liste der E-Nummern und Zusatzstoffe aufgedruckt ist, …da steht bei true fruits immer nur ein Text, der mich zum Lächeln bringt. Zum Beispiel auf dem Smoothie mit Spinat, dass Schokolade mehr bringt als Spinat, in Sachen Eisengehalt und man daher lieber den Kauf von Schokolade empfiehlt… was ich auf dem Weg zur Kasse dann prompt noch getan habe, denn Schokoladen Junkie bin ich ja auch 🙂

PS: Das ist kein Produktplacing und auch keine Werbung…ehrlich! Ich finde die Idee und das Produkt einfach nur so gut, dass ich gern (freiwillig) davon erzählen wollte. Wir essen und trinken heute aus Zeitmangel und 1000 anderen Gründen so viel Mist. Es ist eine tolle Sache, im Supermarkt auf die Schnelle auch einmal Fertigprodukte zu finden, die alles erfüllen, was ich mir von einem Lebensmittel wünsche. Plus Lächeln ❤

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Wer mehr wissen möchte, der klickt einfach hier   http://www.true-fruits.com/

Lifestyle, Seelenmarzipan

Eine Kreuzfahrt die ist lustig…Unser Costa Diadema Desaster

„An Bord unserer facettenreichen Schiffe kann jeder seinen ganz persönlichen Urlaubstraum wahr werden lassen. Wir haben viele Neuerungen eingeführt und dabei wirklich an alles gedacht…“

Wow! Der Text der Reisebroschüre klang wirklich einladend und so buchten meine Tochter und ich spontan eine Mittelmeerkreuzfahrt, endlich einmal ausgiebig verwöhnen lassen und Urlaub gemeinsam, für den uns immer die Zeit gefehlt hatte.

Sie fand es keine so gute Idee 😉

Um es gleich vorweg zu nehmen, wir hatten einen riesen Spaß und genossen jede Minute, obwohl wir uns den Aufenthalt auf der Costa Diadema irgendwie anders vorgestellt hatten. Irgendwie ganz anders! Sie hatten auf der Costa Diadema tatsächlich an alles gedacht… mir kam es aber so vor, am allermeisten daran, wie man die Passagiere am effektivsten dazu bringt, zusätzliche Leistungen zu buchen.

Um es einmal positiv zu formulieren: In der Woche auf dem Flaggschiff der Costa Flotte lernten wir wieder, uns auch über Kleinigkeiten zu freuen, über ein paar Nüsse zum Frühstück, ein freundliches Lächeln oder eine Flasche Wasser. Ich erhielt ausgiebig Gelegenheit, wichtige Charaktereigenschaften zu trainieren: Geduld und Flexibilität! Mein Improvisationstalent wurde gefordert und jede Mahlzeit war ein spannendes Abenteuer.

Bereits der erste Kontakt mit dem Personal der Costa ließ ahnen, dass ab jetzt ein anderer Ton herrschen würde. „You must bring your Luggage yourself, over here…“ war die barsche Aufforderung an mich, als ich mit einem freundlichen Lächeln fragend auf meinen Koffer zeigte. Also wuchteten wir unter den strengen Blicken der Crew die schweren Koffer selbst noch bis an den zugewiesenen Platz vor dem Eingangsbereich und machten uns auf den Weg, erst die Rezeption und dann unser Zimmer zu finden. Ein ziemlich gewagtes Unterfangen auf einem Schiff dieser Größe und in den Menschenmassen, die sich kreuz und quer in alle Richtungen schoben. Irgendwie schien niemand zuständig. Aber zumindest war es eine hervorragende Gelegenheit, das Schiff über all den Irrwegen treppauf treppab gleich ein wenig kennenzulernen und dabei vielleicht sogar irgendwo noch etwas Essbares aufzutreiben. Wie es aussah war nicht mit einem Begrüßungscocktail zu rechnen, auch nicht mit einer Begrüßung aber vorerst waren wir von anderen Dingen abgelenkt, denn der erste Eindruck war einfach nur überwältigend.

Wenn ein Designer von jemandem mit einer Schwäche für psychedelische Musterkombinationen, Schmuddelfarben, Plastik, geschmacklosem Dekor und klaustrophobischer Raumgestaltung den Auftrag erhalten würde, ein Schiff zu gestalten dann könnte er sich auf der Costa Diadema  super inspirieren lassen. Dort hat das bereits jemand prima hinbekommen. In manchen Bereichen des Schiffes sind ungelogen mehr als 15 verschiedene Muster, Materialien und Farben kombiniert, (ich konnte der Versuchung nicht widerstehen, sie zu zählen), die in ihrer Gesamtheit so scheußlich sind, dass es dann doch fast wieder wie Kunst wirkt. Aber nur fast. Ich habe in meinem ganzen Leben nie etwas Geschmackloseres gesehen.

Als wir auf der Suche nach unserem Zimmer eine der Hauptattraktionen des Schiffs durchquerten, stockte mir schier der Atem, denn das Schwimmbad, das gleichzeitig auch als Essbereich und Buffet dient, roch durchdringend nach Chlor. Zumindest die gefühlt 1000 Kinder, die dort mit ohrenbetäubendem Lärm zwischen den Plastikstühlen und dem Plastikgeschirr plantschten und herumsprangen, schien das nicht zu stören. Wir bahnten uns einen Weg zwischen den Menschenmengen hindurch, die mit vollbeladenen Tellern nach einem Sitzplatz suchten. Gegessen hatten wir an diesem Tag zwar beide noch nichts, aber Hallenbad mit einem optischen Touch Burger King entsprach nicht ganz dem Ambiente, das ich mir für unsere erste Mahlzeit an Bord vorgestellt hatte.

Endlich erreichten wir unser Zimmer, das für die gesamte Reise der schönste Platz auf dem  Schiff sein sollte. Der kleine Balkon bot einen genialen Ausblick, zwei  Stühle, Sonne und das Meer. Im Zimmer gab es ein bequemes Bett, genügend Stauraum, eine Minibar, (sie wurde nie nachgefüllt und bereits einen Tag vor der Abreise verschlossen)  und EINE einzige Steckdose. Die war während der gesamten Woche nach einem ausgeklügelten Plan im Einsatz, denn irgendein Handy, Laptop oder eine Kamera musste immer gerade dringend aufgeladen werden und wenn auch noch der Föhn zum Einsatz kommen sollte, feilschten wir um jede Minute. Strom ist kostbar auf der Diadema, genauso wie Trinkwasser oder WLAN. Nachdem wir die herumliegenden Anweisungen und Prospekte studiert hatten, war uns klar, dass dies eine sehr teuere Woche werden würde, denn so ziemlich alles wurde extra berechnet, bis auf die Atemluft. Aber ganz sicher bin ich auch da nicht, weil die Kreditkartenabrechnung noch aussteht.

Wir buchten also zähneknirschend das exorbitant teure WLAN, das leider nur intervallmässig funktionierte, ein sündhaft teures Getränkepaket für Wasser (!) und beschlossen gute Miene zum bösen Spiel zu machen, wir würden uns den Spaß nicht verderben lassen und schließlich müssen reiche Reeder auch von irgendetwas leben.

Wenn es denn ein Stückchen Butter auf Nachfrage gab, wurde es mit Stil serviert

Fairnesshalber möchte ich erwähnen, dass alles, was es auf der Costa zu Essen gab ausgezeichnet schmeckte. Trotzdem sind schmuddlig aussehende Plastikgläser am Buffet und der Kampf um einen Sitzplatz bei jedem Essen und ewiges Anstehen nicht Jedermanns Sache, meine jedenfalls nicht… Ich bin auch ein wenig eigen und bevorzuge freundliches Servicepersonal. Es wurde streng zugeteilt und mit Argusaugen überwacht, wer -wann -wo seine Mahlzeiten einnehmen darf und wie lange, was den Genuss doch etwas schmälerte. Unbarmherzig wurde bereits lange vor Ende der Essenszeiten vom Buffet entfernt oder erst gar nicht angeboten, was die Verwaltung als unnötigen Luxus einstufte, zum Beispiel Frühstückseier. („Eggs only third floor, Madame, must go there, …). Nüsse oder Butter, wurden nicht freiwillig angeboten (Nüsse in den Bars nur zu alkoholischen Getränken, unser Soya Cappuccino fiel leider immer durchs Raster)  und waren bei einigen Mahlzeiten nur auf Nachfrage erhältlich. Während meine Tochter eher mit einem freundlichen Augenaufschlag versuchte, das Gewünschte zu erhalten , gewöhnte ich mir an, dem Servicepersonal fest in die Augen zu sehen und mit einem stählernen Unterton in der Stimme nach Informationen, Nüssen zum Frühstück, Zitrone im Mineralwasser oder gar nach einer Serviette zu fragen. Die Frage nach den fehlenden Servietten (die wieder einmal vergriffen waren) wurde übrigens von einem der Kellner mit einem vorwurfsvollen „open your eyes!“ beantwortet. Dann ließ er mich stehen, nach wie vor ohne Serviette, und zu verdutzt, um angemessen auf diese Unverschämtheit zu reagieren.

Aber mittlerweile waren wir daran gewöhnt, dass die Service Crew der Costa Diadema eine, sagen wir etwas ungewöhnliche Schulung erhalten haben muss. Selbst einfachste Fragen, nach dem Weg, nach der Abfahrtszeit der Shuttlebusse oder dem Ablauf einer Tour, blieben oft unbeantwortet, meist verwies man auf das Bordjournal oder den Service Desk. Fast alle Crewmitglieder wirkten genervt, überlastet oder sogar grenzwertig unfreundlich. Sicherheit an Bord wird groß geschrieben. Deshalb gab es jeden verdammten Nachmittag die Durchsagen für die Rettungsübung laut und deutlich, ausführlich und in vier verschiedenen Sprachen in der Kabine zu hören. Als extra Service auch noch die Anweisungen zur Rettungsübung, die eigentlich nur für die Crew bestimmt waren.

Immerhin beherrschen wir nun alle nötigen Abläufe im Schlaf, wobei mir ein Nachmittagsschlaf dann doch lieber gewesen wäre. Apropos Abläufe, die meisten der Angestellten auf dem Schiff, die ich irgendetwas fragte, scheinen auch nicht die leiseste Ahnung über irgendwelche Abläufe oder Zusammenhänge zu haben. Wahrscheinlich fragte ich immer die Falschen. Dafür ist man wenig zimperlich, wenn es darum geht, Gästen klar zu machen, was sie zu tun und zu lassen haben. Als wir nach dem Mittagessen gerade überlegten, welchen der leckeren Nachtische wir uns aussuchen wollten, wurden wir aufgefordert, den Tisch zu verlassen, der Platz wird jetzt für andere Gäste gebraucht. Während ich mit dem Teller in der Hand und ohne Sitzplatz mein Mittagessen beendete, überlegte ich, ob der Amerikaner, der bereits an der ersten Anlegestelle nach Barcelona, empört über den Service, wieder ausgestiegen war, nicht doch das einzig Richtige getan hatte.

Zum Glück gab es jeden Tag die Möglichkeit, an Land zu gehen, in einen Bus oder ein Taxi zu steigen und zwischen malerischen Gassen und in atemberaubend schöner Atmosphäre den Tag an Land zu genießen, was wir ausgiebig taten.

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Abends gab es zwar nur ziemlich unspektakuläre Unterhaltung im Theater aber dafür unseren wunderschönen Balkon, den traumhaft schönen Sternenhimmel, freundlichen Zimmerservice (ja, einige der Service Mitarbeiter waren tatsächlich sehr, sehr nett und zuvorkommend), unglaublich leckeres Eis und Schokoladen Crepes in der bordeigenen Eisdiele (extra berechnet, versteht sich), unseren geliebten Soya Cappuccino in den diversen Bars, wo es jede Menge Stoff zum Lästern und Lachen gab, Tanzwettbewerbe, deren Teilnehmer eher an das Ensemble des Timewarps in der Rocky Horror Picture Show erinnerten, leider ohne deren gute Musik, und …Bingo. Bingo war cool! Da konnte selbst die sparsame Costa Animation wenig falsch machen und der Zahlensalat, vorgetragen in fünf Sprachen (Bordsprache Italienisch, dazu Englisch, Spanisch, Französisch und Deutsch) machte mächtig Spaß.

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Das sündhaft teuer gebuchte Internet funktionierte leider nur äußerst langsam auf dem Zimmer, unsere Lieblingssoaps zu streamen und endlich wieder einmal gemeinsam Game of Thrones zu sehen, wie wir das geplant hatten, fiel daher leider flach aber immerhin gab es deutsches TV. Ich schaltete nur ein einziges Mal ein. Es lief…kein Witz…die Titanic! Da ich mir insgeheim immer ein wenig Sorgen machte, ob der Kapitän hoffentlich sein Handwerk besser beherrscht als der Chef des Servicepersonals, zappte ich schnell weiter. Die Disco, oder das, was sich so nannte, war auch nicht wirklich eine Option. Auf meine Frage, ob wir da vielleicht hingehen sollten, antwortete meine Tochter mit einer eindeutigen Geste. Na gut, dann doch Balkon und Sternenhimmel.

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yey 😉

Am letzten Abend war im Bordjournal das große Osterfestessen angekündigt und es wurde um pünktliches Erscheinen um 21.00 Uhr (unsere zugeteilte Essenszeit) im Speisesaal gebeten. Anstehen hatten wir in dieser Woche gründlich geübt, denn man steht auf diesem Schiff so ziemlich überall und für alles an, ein wenig fühlte ich mich oft an die ehemalige DDR erinnert. Trotzdem fand ich nach 30 Minuten in der Warteschlange vor dem Speisesaal, es wäre jetzt doch ganz nett, etwas Essbares zu erhalten, schließlich war es bereits 21:30 Uhr.

Um 22:00 Uhr, nach wie vor in der gleichen Schlange anstehend, knurrte mein Magen und meine Halsschlagader pochte. Ich machte mich auf, den Service Desk zu befragen, warum wir nun seit über einer Stunde wie die Bettler vor der verschlossenen Türe des Restaurants stehen, dann wollte ich gerne noch wissen, warum niemand sich für die Wartezeit entschuldigt oder vielleicht sogar…verwegene Idee…mit einem Tablett Prosecco die Lage etwas entspannt. Leider konnte ich diese Anregung nicht loswerden, denn der Servicedesk war, wie üblich, in Zweierreihen belagert und es hätte endlos gedauert, bis ich an der Reihe gewesen wäre. Außerdem befand er sich praktischerweise direkt neben der Bühne, auf der beständig ein anderer Künstler „Folklore“ in ordentlicher Lautstärke zum Besten gab. Die Verständigung über den Lärm hinweg war anstrengend und funktionierte nicht immer ohne Missverständnisse. Ich ging also wieder zurück in die andere Schlange vor dem Restaurant, und gegen 23.00 Uhr hatten wir tatsächlich einen Platz und etwas zu Essen auf dem Teller. Nicht dort wo wir gerne sitzen wollten und nicht ganz das, was wir ausgesucht hatten, der Kellner brachte beständig das Falsche, und es verzögerte sich noch das ein oder andere bei diesem Festessen, Getränke zum Beispiel oder Besteckteile. Aber mittlerweile waren wir dankbar, überhaupt essen zu dürfen und wenn wir eines bei dieser Kreuzfahrt gelernt hatten, dann dieses:

Man erhält im Leben nicht immer, was man möchte…und auf der Costa Diadema schon gar nicht!

Eines der Restaurants

Daher schluckten wir auch nur kurz und waren nicht wirklich überrascht, als wir erfuhren, dass die Kabinen am Tag der Abreise bereits um 8 Uhr geräumt sein müssen. Dummerweise stellte sich heraus, dass auch unsere gebuchte Abholung im Shuttlebus nicht funktionieren würde und nur mit einem Taxi auf eigene Kosten der Flughafen rechtzeitig zu erreichen ist. Damit waren wir aus dem bordeigenen System in Sachen Gepäck raus. Unsere Koffer schleppten wir am nächsten Morgen dann also selbst die endlos langen Gänge und kreuz und quer durch das Schiff bis zum Frühstücksbuffet. Vor dem Abstellraum für das Gepäck (praktischerweise nur ein Gepäckraum und am anderen Ende des Schiffs) waren nämlich so lange Schlangen, dass wir wohl jetzt dort noch darauf warten würden, unser Gepäck kurz einstellen zu dürfen. Es war das erste Mal, dass ich ein Hotel ohne Verabschiedung und ohne ein Dankeschön verließ. Aber ich fand es in diesem Fall durchaus angemessen. Über manche Dinge, die uns missfallen haben, kann man diskutieren, die Geschmäcker sind nun einmal verschieden …über einige Dinge jedoch nicht!

Als der Taxifahrer uns am Airport zuvorkommend die Autotüre zum Aussteigen öffnete, die Koffer aus dem Kofferraum hob und uns mit einem freundlichen Lächeln eine gute Heimreise wünschte, sahen meine Tochter und ich uns an und lächelten…wir waren wieder in der zivilisierten Welt angekommen!

Fazit nach einer Woche am Mittelmeer, die wir TROTZ Costa Diadema in vollen Zügen genossen hatten: Neues Schiff …Neues Glück! Aber ganz sicher NIE WIEDER COSTA!!!!

Übrigens wurde den Passagieren großzügig angeboten, die Bordkarte gratis als Souvenir behalten zu dürfen. Bei unserem Abschiedscappuccino  am Airport entstand dieses Bild 😉