Lifestyle, Seelen Schokolade

Respektier mich oder verlier mich…Wertschätzung und Respekt erhalten und schenken.( Rama dama Teil 2)

Zugegeben, es ist wesentlich einfacher, sich von Kleidungsstücken zu trennen, die einengen, kratzen oder einfach nie zu uns gepasst haben als von Menschen. Aber zum Glück ist das in den meisten Fällen gar nicht notwendig.

Ein „Rama dama“ , diesmal nicht im Kleiderschrank sondern im zwischenmenschlichen Bereich muss nicht zwingend bedeuten, den Kontakt zu diesen Menschen komplett einzustellen, was im übrigen gar nicht immer möglich ist. Zunächst geht es darum, möglichst neutral herauszufinden, was die Ursache dafür sein könnte, dass wir uns in der Gesellschaft mancher Personen, Kollegen, Vorgesetzten, Freunden, Familie unwohl fühlen, angespannt und unsicher.

Meist liegt es daran, dass wir  von dieser Person nicht wertgeschätzt werden.

Wertschätzung und Respekt sind der Schlüssel zu so ziemlich jeder Art von angenehmer Interaktion.

Dabei geht es natürlich auch um Höflichkeit und Umgangsformen aber  Wertschätzung ist eine Grundhaltung und bedeutet liebevolle Akzeptanz des Gegenübers. Man begegnet sich auf gleicher Ebene, selbst wenn die Hierarchien im Hinblick auf Position, Vermögen oder Bildung unterschiedlich sind.

Wer einem Freund, einem Verwandten,  Kollegen oder Untergebenen Wertschätzung entgegen bringt, wird  ihm also immer das Gefühl vermitteln, gleichwertig  und „wertvoll“ zu sein. Er wird das durch sein Verhalten, seine Umgangsformen und mittels Körpersprache zeigen.

Bereits so simple Dinge wie ein Lächeln, ein Händedruck und Blickkontakt signalisieren Interesse und Sympathie. Der Verzicht auf Körperkontakt oder ausweichende Blicke geben dagegen das Gefühl, nicht wichtig zu sein. Wer Dich im wahrsten Sinne des Wortes keines Blickes würdigt, dich nie offen anlächelt, verhält sich nicht nur unhöflich sondern abweisend und verbreitet auf diese Weise eine ungute Atmosphäre.

Wertschätzung bedeutet zuhören, wenn der andere etwas zu sagen hat, nicht zu unterbrechen, Dir für die Zeit des Gespräches Aufmerksamkeit zu schenken. Wer Dich ständig unterbricht, sich während eines Gespräches mit anderen Dingen, zum Beispiel seinem Handy beschäftigt oder anderen Gesprächspartnern zuwendet, signalisiert deutliches Desinteresse an deiner Person. Du kannst niemanden dazu zwingen, an Dir Interesse zu zeigen, aber Du hast die freie Wahl, mit wem Du Zeit verbringen möchtest. Wähle klug.

Wertschätzung bedeutet, bei Sorgen mit konstruktiven Lösungen oder konstruktiver Kritik und Trost zu unterstützen, ohne  dabei klein zu machen, herabzuwürdigen oder zu entmutigen. Wer Deine Probleme eher vergrößert, dir Vorwürfe macht oder deine Sorgen ins Lächerliche zieht und bagatellisiert, der ist mit Sicherheit die falsche Anlaufstelle, auch in Zeiten, wo nicht Sorgen sondern Freude geteilt werden sollen.

Wertschätzung bedeutet Zeit zu finden, denn „Keine Zeit“ gibt es nicht, nur andere Prioritäten! Wer nie Zeit für Dich findet, etwas mit Dir gemeinsam zu unternehmen, sich um eines deiner Anliegen zu kümmern, der schätzt die Zeit mit Dir nicht und ignoriert Deine Bedürfnisse. Warum um alles in der Welt solltest Du dann Zeit mit ihm/ihr verbringen wollen ?

Wertschätzung bedeutet, die Leistung anderer anzuerkennen, auch einmal Dankeschön zu sagen oder zu loben. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, Leistung anzuerkennen. Ein Lächeln, eine Einladung, ein Dankeschön, eine Aufmerksamkeit oder die längst fällige Gehaltserhöhung. Wer alles selbstverständlich hinnimmt was Du leistest, einbringst oder schenkst, wer an Lob und Anerkennung spart, als wäre das ein kostbarer Vorrat, der irgendwann zu Ende gehen könnte, der verdient Dein Engagement nicht.

Oft laden wir andere Menschen förmlich dazu ein, uns nicht zu respektieren. Manchmal ist es einzig die Angst vor Verlust die uns daran hindert, konsequent darauf zu achten, dass niemand unsere Freundlichkeit und Gutmütigkeit missbraucht. Manchmal ist es die eigene Unsicherheit, die uns dazu bewegt, Unfreundlichkeit, Arroganz, Missachtung und unfaires Verhalten hinzunehmen, ohne Konsequenzen aufzuzeigen.

Beharrlich suchen wir die Fehler bei uns, anstatt zu erkennen, dass die Verhaltensweisen, die uns verletzen nicht wirklich mit uns zu tun haben, sondern dass es Menschen gibt, die einfach Schwierigkeiten haben, andere wertzuschätzen .

Es ist deren mangelnde Selbstachtung und Mangel an Selbstwertgefühl, der sie daran hindert, uns so akzeptieren zu können wie wir sind, uns zu respektieren und wertschätzend zu behandeln.  Nur wer sich selbst als wertvoll erachtet,  sich mit all seinen Stärken und Schwächen annimmt, kann auch anderen Menschen freundlich und offen entgegen treten. Es ist deren Baustelle, wenn sie dazu nicht in der Lage sind, nicht Deine. Es ist ein Gewinn, kein Verlust, sich von solchen Kontakten zu befreien.

Respekt, Achtung und Wertschätzung sind unerlässlich für jede funktionierende Beziehung, sie machen unsere Welt zu einem schöneren Ort.

Das heißt jedoch nicht, uneingeschränkte jede Frechheit, jede unangemessene Forderung oder  Vernachlässigung zu tolerieren. Es ist vielmehr der Versuch, verstehen zu wollen, was den anderen zu seinen Ansichten und Handlungen veranlasst hat, die Einhaltung der wichtigsten Umgangsregeln und Achtsamkeit.

„Personen Rama dama“,  bedeutet für mich die drastische Einschränkung des Umgangs mit Menschen, die mir durch ihr Verhalten zeigen, wie wenig sie mich wertschätzen. Wie Menschen mit mir umgehen hat auch Rückwirkung auf die eigene Persönlichkeit. Daher sollte man sich gut aussuchen, mit wem man Zeit verbringen möchte und wann immer möglich Abstand zu den Menschen halten, die nicht gut tun.

Das Bauchgefühl  ist sehr verlässlich…wenn es sich ungut anfühlt, dann ist es meist auch ungut 😉 .

Um die eigene Achtsamkeit im Umgang mit anderen zu schärfen gibt es übrigens ein paar einfache Regeln.

Regel Nr 1 : Respektiere Dich vor allem selbst!

Wer sich selbst nicht achtet, wird auch von anderen nicht geschätzt. Achte auf Dich  und deine Bedürfnisse. Jedes Nein ist erlaubt, wenn es ein freundliches Nein zu Anderen und ein ehrliches Ja zu Dir selbst ist.

Regel Nr. 2: Umgangsformen sind ein MUSS

Klingt selbstverständlich, ist es aber leider längst nicht mehr. Umgangsformen wie Grüßen, Dankeschön sagen, andere ausreden lassen oder einfach auch, sich bei Beschwerden nicht im Ton zu vergreifen, sollten immer  beherzigt werden.

 

Regel Nr. 3: Zeig deinem Gesprächspartner, dass er Dir wichtig ist!

Immer mehr Menschen widmen sich intensiver ihren Smartphones oder anderen technischen Geräten als den Menschen , die gerade mit ihnen am Tisch sitzen. Jeder kann, wenn er es denn möchte, sein Handy auch einmal für die Dauer einer Mahlzeit aus der Hand legen, es sei denn er ist im Bereitschaftsdienst oder Geheimagent auf dringender Mission. Bei allen anderen wirkt es einfach nur unhöflich und unerzogen.

 

Regel Nr. 4: Pünktlichkeit ist eine Form des Respekts

Abläufe so zu organisieren, dass man rechtzeitig dort ist, wann man versprochen hat dort zu sein, getroffene Verabredungen auch einzuhalten, mag banal klingen aber wird immer öfter als KANN und nicht als MUSS eingestuft.

 

Regel Nr. 5: Man muss Gönnen können

Jeder freut sich über ein Lob. Die Erfolge, Leistungen und kleinen Triumphe anderer anzuhören, zu loben oder sich mit ihnen zu freuen, Feedback zu geben, wenn jemand etwas Tolles zu erzählen hat, ist eine wichtige Form der Wertschätzung.

 

Regel Nr. 6: Respekt ist nicht abhängig vom „Wert“ der Person

Jeder verdient zu jeder Zeit Respekt, völlig unabhängig, ob seine Meinungen und Wertvorstellungen mit Deinen übereinstimmen und wie unterschiedlich die soziale Rangordnung sein mag.

 

Regel Nr. 7: Dulde niemals respektloses Verhalten Dir oder anderen gegenüber!
Wenn Du wiederholt respektlosen Umgang beobachtest und nicht reagierst, gibst Du stillschweigend dein  Einverständnis dazu und vermittelst, dass es Ok ist, Dich so zu behandeln.
Ein konsequent und freundlich formuliertes und auch umgesetztes „Respektier mich oder Verlier mich“, wird viele Deiner Kontakte zum Umdenken bewegen und um alle anderen ist es nicht schade. Denn dann wären wir wieder bei

Regel Nr 1 : Respektiere Dich vor allem selbst! 

 

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Seelen Schokolade, Syrien

Salem Aleikum – Grüß Gott in Bayern :-)

Wenn es darum geht, einen Grund zum Feiern zu finden und das Haus festlich zu dekorieren, bediene mich gern großzügig bei allen Kulturkreisen.

Ostern zum Beispiel, war einst ein heidnisches Fest zu Ehren der Göttin Ostara, lange bevor es von den Christen als „Ostern“ übernommen wurde. Ich feiere an diesen Tagen die Rückkehr des Lichts, die unbezwingbare Macht der Natur und das wunderbare Geschenk des Frühlings. Dazu benötige ich weder Menschen- noch Tieropfer, kein geschlachtetes Lamm, nicht einmal Ostereier von geschundenen Hennen sondern Blumen, Schokolade, gutes Essen, Kerzen und …ganz wichtig …liebe Menschen.

In diesem Jahr sollten es ganz besonders schöne Ostertage werden, endlich war Zeit und Gelegenheit, meine syrische Freundin zum ersten mal zu mir nach Hause einzuladen, die ich über meine Arbeit für Frieden für Pfoten (Tierschutz in Krisengebieten) kennengelernt hatte. Endlich wollten wir Zeit miteinander verbringen, uns noch besser kennen lernen und ich freute mich wie ein Schneekönig auf diese Begegnung.

Bereits Tage vorher wirbelte ich aufgeregt und voller Vorfreude durch das Haus, kaufte ein, dekorierte, plante…und war auch ein klein wenig nervös, ob unser Zusammentreffen die Kluft zwischen Generationen, Religionen und Kulturkreisen genauso spielend überwinden würde, ob wir uns genauso verbunden fühlen würden, wie wir das beim Schreiben via Social Media bereits seit Monaten taten. Am Karfreitag war es dann so weit, als sie am Bahnhof unseres winzigen Örtchens aus dem Zug stieg und ich endlich sagen konnte :

Salem Aleikum…Grüß Gott, in Bayern, liebe Freundin ❤

Ich wusste bereits, dass sie Regen und Schnee liebt, Tiere und Natur, Katzen und Musik. Ich wusste, dass sie eine leidenschaftliche Köchin ist, interessiert an Politik, Geographie und Biologie, …  mutig und tapfer. Jetzt wollte ich gern den Rest von ihr kennen lernen, und ihr einen kleinen Eindruck vermitteln, wie „normales Leben“ in Bayern aussehen kann,  (ich schreibe bewusst Bayern 🙂 ) jenseits von Notunterkünften, Fremdenfeindlichkeit und Vorurteilen, und ich wollte mehr über ihre Kultur erfahren, verstehen was sie denkt aber vor allem natürlich wollten wir zusammen Spass haben …und den hatten wir reichlich :-).

Ich fragte ihr Löcher in den Bauch, zum Beispiel , warum sie nach wie vor Hijab (das Tuch das Kopf und Hals und Haare bedeckt) trägt, obwohl sie das meiner Meinung nach doch gar nicht mehr muss und sie niemand mehr dazu zwingt. Sie erklärte geduldig, dass es ihre alleinige Entscheidung war, diese Kopfbedeckung zu tragen und eine Glaubensfrage, für sie so wichtig, wie für manche Christen der Kirchgang, dass man den Hijab nicht nach Laune trägt sondern immer oder gar nicht. Sie erläuterte, wie sie und die allermeisten ihrer Landsleute den Koran verstehen und ihren Glauben leben…oder auch nicht…dass beides völlig in Ordnung ist und dass in Syrien tolerant akzeptiert wird, was in Saudi Arabien ein Todesurteil bedeuten würde.

Es war sehr spannend zu erfahren, was ein Flüchtling aus Syrien über unsere planlose Flüchtlingspolitik nach dem Gießkannenprinzip  denkt, (es deckt sich mit meiner Meinung und ist wenig schmeichelnd für unsere Regierung .)  Es war erschütternd zu hören, was sie und ihre Familie bereits alles durchleben mussten, was Bürgerkrieg, IS und Flucht im Detail an Brutalität und Grausamkeit für die  Menschen aus Syrien bedeuten (wir weinten beide) .Es war deprimierend zu erfahren, wie schrecklich es sich für sie anfühlt, vor Terror und Angst zu fliehen, und nun ungerechterweise selbst für Terror und Angst verantwortlich gemacht zu werden, sie beständig das Gefühl hat, sich für Dinge entschuldigen zu müssen, die sie nicht zu verantworten hat (ich war wieder einmal ärgerlich über meine Landsleute, die nicht oder viel zu wenig differenzieren und alle Flüchtlinge in einen Topf werfen).

Sie erklärte mir am Beispiel ihrer Familie so viel über das Leben in Syrien, dem Land, das wir fast alle nur aus den Medien kennen, und ich muss gestehen, es waren auch in meinem Kopf noch zwei, drei Vorurteile, für die ich mich jetzt ein wenig schäme. Ich versuchte im Gegenzug zu erklären, warum so viele Menschen in Deutschland und Europa ein verzerrtes Bild von den Zusammenhängen in ihrer Heimat haben und zeigte ihr ein paar Videos. Unter anderem auch das, von der widerlichen Predigt über das „Korrekte Schlagen von Frauen“,  das in einer Berliner Moschee aufgezeichnet wurde und wir regten uns beide darüber auf, dass solchen dubiosen Predigern der Aufenthalt in Deutschland erlaubt ist.

Da Noor für ihr Leben gerne kocht und sie unser Ostermenü selbst zubereiten wollte, gingen wir am Samstag zusammen Lebensmittel einkaufen. Über eine Stunde waren wir im Supermarkt unterwegs, so viele Fragen, so viele Lebensmittel, deren Zutaten sie interessierten oder deren Verwendungszweck in der Küche ihr nicht ganz klar war. Anschließend bummelten wir über den Wochenmarkt und durch die Einkaufsstraße der benachbarten Kleinstadt und nutzten die Sonnenstrahlen für den ersten Espresso im Freien in diesem Jahr. Bayern zeigte sich von seiner schönsten Seite, Sonnenschein, malerische Umgebung und…Frieden ❤

Noor, stellte erfreut fest, wie wunderbar es sich anfühlt, dass man ihr hier antwortet, wenn sie eine Frage stellt dass die Leute lächeln, wenn sie mit ihr reden, und ich war glücklich über die Freundlichkeit und Höflichkeit, die man meiner Freundin überall entgegenbrachte , im Zug, in jedem Geschäft und auf der Straße. Wir beide kannten das auch ganz anders…

Das Ostermenü , das sie am Abend zubereitete war eine kulinarische Offenbarung. Während Noor Gemüse schnippelte und Gewürze mischte, sass ich mit einem Glas Wein am Küchentisch, und wir spielten Deutsch-Englisch-Arabisches Begriffe raten. Schneebesen und Knoblauchpresse musste schließlich Google Translator lösen und wir kicherten noch beim Essen über unsere kreativen Wortschöpfungen. Die Zeit verging wie im Fug und „Bridget Jones“  im Englischen Original und mit arabischen Untertiteln versehen, war dann der entspannte und lustige Abschluss eines wunderschönen Tages.

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Als wir uns nach drei wunderbaren Tagen heute am Bahnhof verabschiedeten, hätte es noch 1000 Dinge gegeben, die ich ihr noch gerne gezeigt hätte und über die ich noch gerne mit ihr gesprochen hätte. Es war so interessant, offen mit ihr über Religionsfragen und kulturelle Unterschiede zu diskutieren, mehr über die Geschichte ihres Landes zu erfahren. Es hat so viel Freude gemacht, zu sehen, wie sie Dinge genießen kann, die für mich selbstverständlich sind und die ich auf diese Weise auch wieder mehr wertschätzen lernte…

Aber vor allem war es einfach nur wunderschön, zusammen mit ihr „Die  Rückkehr des Lichts, die unbezwingbare Macht der Natur und das wunderbare Geschenk des Frühlings“ zu feiern , unsere Freundschaft …und Ostern 🙂  .

Noor und Bettina

Lifestyle, Seelen Schokolade

Der Rosenkrieg…wie ich eine Woche lang zur „Unberührbaren“ wurde

Größtenteils besteht unser Garten aus Wildwiesen, altem Baumbestand und Hecken. Alles darf wachsen, wo und wie es will. Nur den Vorgarten am Haus schmücken im Sommer alte englische Teerosen und bis zu deren Blüte wird das kleine Gärtchen saisonal bepflanz und dekoriert. So auch im letzten Frühjahr, als ich die Gartensaison mit Stiefmütterchen und bunten Primeln eröffnete.

Als ich am nächsten Morgen mein Werk bewundern wollte, fand ich alle Pflänzchen aus der Erde gerissen oder die Blumenköpfe fehlten. Von energischen  Katzenpfötchen ausgebuddelte Blumenzwiebeln kannte ich bereits zur Genüge. Das Ausmass dieser Zerstörung war nicht die Handschrift unserer Katzendiva, die außerdem mit blitzsauberen Pfötchen heute morgen neben mir im Bett aufgewacht war. Ratlos sammelte ich die Pflanzen wieder ein und startete einen zweiten Anlauf in Sachen Frühlingsbepflanzung. An diesem Abend verriegelte ich trotzdem vorsichtshalber den Ausstieg der Katzenklappe und hoffte, die Pflänzchen würden trotz der groben Behandlung möglichst schnell Wurzeln schlagen.

Aber auch in dieser Nacht hatte irgendjemand seiner Zerstörungswut freien Lauf gelassen. Zerwühlte Erde, ausgerupfte Pflanzen und abgerissene Blätter lagen  kreuz und quer verstreut auf dem Kiesweg. Luna kam als Übeltäter nicht mehr in Frage. Sie hatte ein hieb- und stichfestes Alibi, begutachtete ausgiebig den neuesten Fall von Vandalismus und sah mir gelassen dabei zu, wie ich wütend die  bereits ziemlich mitgenommenen Pflanzen ein drittes Mal in die Erde stopfte.

Am Tag 4 gleiches Prozedere, diesmal hatten die Täter jedoch deutliche Spuren in der aufgewühlten Erde hinterlassen. Es waren Rehe gewesen, die meine Gartengestaltung so grob boykottierten. Eigentlich sind sie gern gesehene Gäste bei uns. Sie dösen an heißen Tagen im hohen Gras hinter dem Haus, lieben im Winter das restliche Fallobst der Apfelbäume und die Gemüsesnacks, die wir für sie in der Krippe bereit halten. Blumen hatten sie noch nie interessiert. Das war nun offensichtlich anders. Am nächsten Morgen stellte ich den Wecker auf Rehzeit und legte mich auf die Lauer. Bingo! Zielsicher steuerte die kleine Gruppe die frische Bepflanzung vor dem Haus an. Eines der Tiere war  noch ein Kitz und hatte sichtlich Vergnügen daran, die frischen Setzlinge aus der Erde zu zupfen, ein wenig damit zu spielen und dann genüsslich die Blüten anzuknabbern. Die Rehmutter sah wohlwollend dabei zu. Hier wurde offensichtlich gerade eine neue Generation Garten Vandalen erzogen…jetzt war guter Rat teuer.

Da ich keine Lust auf Hasen- oder Stacheldraht vor der Eingangstüre hatte, versuchte ich es mit lärmenden Windspielen, dann mit blinkenden Kugeln, legte Hundehaare aus, versprühte billiges Parfüm und installierte schließlich entnervt Bewegunsmelder. Die Rehe kannten Haus und Anwohner seit Jahren , nahmen daher diese Störquellen mit mildem Interesse zur Kenntnis aber bis zum Sommer war jeder Farbtupfer aus dem Vorgarten getilgt. Auf der Wiese war sattes, grünes Gras, überall wuchsen leckere Wildblumen und frische Sprösslinge. Trotzdem überlebte nichts, was ich pflanzte länger als ein paar Tage. Ich tröstete mich damit, dass wir ja nun bald die Rosen mit ihre Blütenpracht zum Freuen hätten, sie hatten bereits pralle Knospen und viele Stacheln. Stacheln waren gut…das würde den Appetit der Blumendiebe auf natürliche Weise bremsen. Dachte ich jedenfalls…

Teerosen

Als ich dann auch sämtliche Rosen zerstört vorfand, nur noch  grüne Stiele, alle Knospen und Blüten fein säuberlich abgetrennt, riss mir der Geduldsfaden. Jetzt würde die ultimative Lösung,  jetzt würde die verschmähte Chemiekeule zum Einsatz kommen. Im Großhandel für Landwirtschaftsbedarf reichte man mir ohne große Erklärungen ein kleines Fläschchen über den Tresen und versicherte, der intensive Geruch nach Menschenschweiß werde die Rehe nachhaltig abschrecken. Nach wie vor hatte ich Zweifel, ob das auch bei so entspannte Exemplaren wie unseren wirken würde. Aber wie heißt es so schön…Versuch macht kluch… 🙂

Ohne mich lange mit dem Lesen lästiger Gebrauchsanweisungen aufzuhalten, verspritzte ich den bestialisch riechenden Inhalt großzügig über die Einfriedung des Gärtchens, über die Ziersteine, die Rosenstöcke, die Eingangstreppe und schließlich versehentlich auch über mein Handgelenk.  Die Tropfen brannten ein wenig, schnell wischte ich mit der Hand die klebrige Flüssigkeit weg, verteilte die Brühe so nur noch großflächiger auf der Haut  und beeilte mich,  die Hände gründlich mit Seife abzuschrubben. Ich stank erbärmlich. Genau genommen stank alles an mir erbärmlich. Die Haare, die Kleidung, die Schuhe…und ganz besonders meine Hände, die mittlerweile vom Schrubben mit allem, was mir an Reinigungsmitteln zur Verfügung stand,  aufgeschwollen waren.

Nachdem klar war, dass Waschen gegen den schier unerträglichen Geruch nach altem Schweiß nichts ausrichtet , entsorgte ich Kleidung und Schuhe in der Mülltonne, warf nun doch einen Blick auf die Gebrauchsanleitung des Abhaltemittels und wurde blass. …Buttersäure…unbedingt Schutzkleidung, Schutzhandschuhe tragen, …nicht in Kontakt mit der Haut bringen…Geruch bleibt lange anhaftend…. an dieser Stelle hörte ich auf zu lesen und flüchtete unter die Dusche.

Da blieb ich eine halbe Stunde, wechselte zwischen Haarshampoo (mit Kokosduft), Haarspülung (mit Kokosduft),  Bodypeeling (mit Mangoaroma), Duschgel ( mit Pfefferminze) und Duftseife, viel Duftseife. Als ich krebsrot aus der Dusche stieg,  roch es im ganzen Badezimmer…nach altem Schweiß. Panisch öffnete ich alle Fenster im Haus, denn mittlerweile war diese Duftnote überall, wo ich einen Fuß hingesetzt hatte und ich richtete mir im Gästezimmer ein Quarantänequartier ein.

Die nächsten Tage waren ein Albtraum. Jeder mied mich. Nicht einmal meine Katze mochte bei mir liegen. Kontakt mit Kunden ging gar nicht und Einkaufen wurde zum Spießrutenlaufen. Jeder kennt das unangenehme Gefühl, wenn man hinter jemandem in einer Warteschlange ist, der offensichtlich auf Kriegsfuß mit Körperhygiene steht. Nun war ich diejenige, die auf zehn Meilen gegen den Wind nach Körperausdünstungen roch, ganz gleich, wie viele  Duftwässerchen, Desinfektionsmittel, Peelings und Parfums ich einsetzte. So mussten sich in Indien die Unberührbaren fühlen, denen jeder gesellschaftliche Kontakt verwehrt war.

Der Geruch war unglaublich hartnäckig. Selbst die Erde im Vorgarten musste abgetragen werden, denn der widerliche Gestank hatte nicht nur die Rehe vertrieben (immerhin ! ) sondern irritierte jeden Besucher, der sich dem Haus näherte. Den Rosenkrieg hatte ich zwar eindeutig gewonnen aber um welchen Preis.

Als ich endlich keine wandelnde Stinkbome mehr war, als ich mich damit abgefunden hatte, lieber wohlriechend und ohne Rosen als in einer ekligen Geruchswolke mit Blumenpracht zu leben,  gab mir ein Gärtner den Tipp, dass Rehe Hortensienblüten verschmähen würden. Das kann ich bestätigen. Mittlerweile sind prächtige weiße und blaue Hortensien meine liebsten (und einzigen 🙂 ) Blumen im Garten. Nach wie vor kommen die Rehe gern auf einen Besuch vorbei und und wer weiß, wenn das Rehkitz erwachsen und etwas verständiger geworden ist, könnte man ja noch einmal einen Versuch in Sachen Rosen wagen…

 

Unsere "Hausrehe" <3

Seelen Schokolade, Tierschutz

Happy Birthday, Gutes Karma <3

 

Als ich vor genau einem Jahr mit meiner Tochter beim Tee philosophierte, als wir wieder einmal Gott und die Welt, Tierschutz, Religion, Politik und Schönheitswahn diskutierten und sie mich fragte, warum ich eigentlich keinen Blog habe, all das aufzuschreiben, wusste ich nicht einmal genau, was ein Blog ist, wo es den gibt und wie man ihn organisiert. Kurz hatte ich den Verdacht, sie wollte nur meinen Vortrag ausbremsen aber es war ihr ernst damit. Sie erklärte geduldig, was, wie, wo ein Blog nun genau ist und es klang nach etwas, das ich dringend gerne haben würde.

Blog gefiel mir . Schreiben auch,  und an diesem Abend  verschwand ich mit dem von ihr genannten WordPress Link in mein Arbeitszimmer und begann vorsichtig , zu probieren.

Zunächst benötigte ich einen Namen. „Gutes Karma to go“ stand plötzlich wie von selbst im Anmeldeformular und auch die nächsten Schritte waren erstaunlich leicht. Warum hatte mir das vorher niemand erzählt ? Blog war aufregend, Blog machte riesen Spass und noch am gleichen Abend war der erste Artikel online.

Neben den Tipps zum technischen Vorgehen hatte mir mein Kind auch noch liebevoll mit auf den Weg gegeben, dass ich nicht traurig sein sollte, wenn sich nicht allzu viele Leser finden würden. Es gäbe unzählige Blogs und nicht alle werden wahrgenommen. Ich zuckte mit den Schultern, das würde sich alles bestimmt finden. Notfalls würde ich einzig zu meiner eigenen Unterhaltung schreiben.

Gutes Karma to go hatte jedoch von Anfang an seine ganz eigenen Wege, die richtigen Menschen zu erreichen,  wurde viel gelesen und bis heute, am ersten Geburtstag,  waren  ca 140 000 Menschen hier zu Besuch. Ganz ehrlich ?

Ich freue mich über jeden Einzelnen  Leser <3.

Die Artikel sind bei Huffington Post, PETA, Regional Zeitungen, Online Magazinen und Tierschutz Gruppen erschienen und „Gutes Karma to go“  wurde mehr und mehr zu einer Art von virtuellem Zuhause für mich, mit vielen positiven Auswirkungen auf das reale Leben.

Mit der wachsenden Anzahl an  Veröffentlichungen kam auch die Überlegung, ob man den Namen nicht schützen lassen sollte. Je mehr ich darüber nachdachte, desto sinnvoller erschien diese Maßnahme, denn der Begriff „Gutes Karma to go“ sollte nie kommerzialisiert werden dürfen, sollte weiterhin nur für positive, für Charity Dinge, im weitesten Sinn verwendet werden .

Der Antrag auf Markeneintrag wurde im Herbst gestellt, …Formulare, Formulare 🙂 ,  aber pünktlich zum 1. Geburtstag flatterte die Urkunde ins Haus. Gutes Karma to go ist nun ein eingetragenes Markenzeichen und auch als Titel für mein Buch gesichert (jetzt muss ich es nur noch zu Ende schreiben, irgendwann…) aber das ist eine andere Geschichte …

Wir alle haben die Macht zu verändern, wir alle können etwas beitragen, positives bewirken, jemanden unterstützen oder selbst wachsen, jeden Tag neu !

Konsequenz ist ganz sicher nicht meine Meister Disziplin (Euphemismus des Jahrhunderts ) aber am Ende des Tages zählt nun einmal nicht, was wir gerne gewollt hätten oder eigentlich schon immer tun wollten sondern einzig das, was wir tatsächlich getan haben.

Manchmal hilft es, einfach anzufangen, den ersten Schritt zu wagen…und zuzusehen, was Spannendes passiert …

Happy Birthday, Gutes Karma to go ….Dankeschön an alle Leser, Unterstützer, Follower, Ideenschmiede und Aktivisten.

Weil wir es können ❤

herzlichst

Bettina Marie

 

 

 

Seelen Schokolade

37 Stufen

Eigentlich ist eine defekte Sicherung der Grund, warum mir die letzten Tage in vielerlei Hinsicht ein Licht aufging. Es war eine Sicherung im Keller, deren Ausfall am späten Abend alles lahm legte und die ich auswechseln wollte.

Mit traumwandlerischer Sicherheit fand ich den Weg ins Kellergewölbe, tastete mich zur Orientierung im Dunkeln an den Steinquadern der steilen Kellertreppe entlang und verfehlte dann dummerweise doch die letzte Stufe, ich hatte mich wohl verzählt. Es kam zu einer unfreiwilligen akrobatischen Einlage, die mich einige Bänder am Fuß kostete und meine Selbständigkeit. Peng. Einfach so.

Was in einem „normalen“ Haus und mit ganztägiger Versorgung nur eine unangenehme Phase gewesen wäre, wurde in einem 3 stöckigen Altbau zur Katastrophe. 37 Stufen trennen mich seither von jeder Tasse Tee, vom Kühlschrank, einem wohltuenden Kühlpack, TV oder frischer Wäsche. 37 Stufen um der jammernden Katze eine  Portion Katzenfutter zu bereiten oder um eine Nase frische Luft zu schnappen, wenn ich das Gefühl habe, ich würde verrückt, zur Untätigkeit verdammt auf meinem Bett.

Genau zu dieser Zeit hatte das Universum wohl beschlossen, meine Belastbarkeit einer gründlichen Testung zu unterziehen. Mein Vater erkrankte im Urlaub plötzlich schwer, alle verfügbaren Familienmitglieder, auch meine Tochter, die mich bislang versorgt hatte, reisten an, ihm und meiner Mutter  beizustehen.

Ich konnte nur aus der Ferne verfolgen, wie es ihm beständig schlechter ging und verbrachte den Rest des Tages , nachdem ich telefonisch von seinem Tod erfahren hatte, allein auf besagtem Bett. Niemand hatte es für notwendig erachtet, mich noch einmal mit ihm sprechen zu lassen, als er noch dazu in der Lage war und ich darum bat, ihm das Telefon ans Bett zu reichen und er hatte offensichtlich nicht darum gebeten. Ich werde nie erfahren, ob er es wollte.

Ich starrte an die Decke  und verfluchte meine Hilflosigkeit, die mir nicht erlaubt hatte, bei ihm zu sein, die jetzt nicht einmal einen Spaziergang oder einen ordentlichen Schluck irgendeines Trostwässerchens möglich machte.

37  unüberwindliche Stufen und mein Stolz, jemanden anzurufen und um Beistand zu bitten, haben das verhindert. Zumindest das Trostbesäufnis. Spaziergang wäre auch mit Unterstützung unmöglich gewesen.

Ich denke, wir alle neigen dazu, bei vielen Dingen nicht so genau hinsehen zu wollen, besonders bei den Dingen, die unangenehm und schmerzhaft sind. Wir lenken uns ab, durch Arbeit, Vergnügungen, bürden uns lieber Pflichten auf oder konzentrieren uns auf irgendetwas völlig Unwesentliches, aber vermeiden meist ganz geschickt die Auseinandersetzung mit den Großbaustellen unseres Lebens.

Wenn diese Ablenkung wegfällt, wenn gewohnte Abläufe nicht mehr funktionieren, dann wird der Blick klarer und für mich kann ich nur resümieren, dass ich nie vergessen werde,  wie es sich anfühlt, völlig auf andere angewiesen zu sein,  wie es sich anfühlt, nicht Abschied nehmen zu können,  und dass ich nicht vergessen werde, wer in diesen Tagen was für mich getan hat, wer was zu mir gesagt hat,   als ich verletzlich war, wie nie zuvor. … wer mir Trost zugesprochen hat,  wer für mich da war, wer mir Schuld zugesprochen hatte, wo keine Schuld war und wer die Augen verschloss vor Ungerechtigkeit und Lügen …und auch, wer nicht. In diesen Tagen hatte ich mehr verloren als nur meinen Vater. Viel mehr. Obwohl es schon viel länger verloren war, ich wollte es nur nie wahrhaben.

Ich werde nie vergessen, dass am Nachmittag des besagten Tages überraschend zwei liebe Freundinnen bei mir vorbei kamen (obwohl ich jedem gesagt hatte, ich will niemanden sehen) , die sich mitten im Chaos aus Papiertaschentüchern und Essensresten neben mich ans Bett setzten , mich weinen und erzählen ließen.

Ich bin unendlich dankbar für die  Freunde , die trotz meiner Versicherung, niemand zu brauchen,  Zeit hatten,  mich zum Arzt zu fahren, Obst oder Blumen vorbei zu bringen, einen Mülleimer zu leeren,  liebe Nachrichten zu schreiben , mir Suppe zu kochen oder etwas einzukaufen. Die Freunde, die bei der Trauerfeier teilnahmen, die wussten, wie unendlich ich trauere, die wussten, dass mein Vater und ich sehr eng verbunden waren, ganz gleich, was erzählt wurde.

Ganz sicher werde ich  ab jetzt nicht mehr vergessen, welches Geschenk es ist, beweglich und unabhängig zu sein, Auto fahren zu können, Treppen zu überwinden und anderen helfen zu dürfen, kommen und gehen, wann immer ich das möchte und wie toll es ist, eine Tochter zu haben, die alles stehen und liegen lässt, um mir beizustehen, die nicht nur für mich sondern auch anstatt meiner einspringt. ❤

37 Stufen haben mir nachhaltig demonstriert,  was für unglaublich überflüssige Dinge mich oft im Haus beschäftigt haben, dass das bereits begonnene „Rama dama“ noch auf viele Bereiche ausgedehnt werden muss, sobald  die Krücken wieder auf dem Dachboden lagern, die vertrockneten Blumentöpfe entsorgt, die Wäscheberge bewältigt und die Vorräte wieder aufgefüllt sind.

37  Stufen, zwangen mich, genau hinzusehen und Entscheidungen zu treffen, die so wichtig wie schmerzhaft waren.

37 Stufen waren letztlich auch ein Geschenk, denn sie haben mich dazu gezwungen,  die Stunden und den Schmerz,  vor denen ich mich  mein ganzes Leben gefürchtet hatte, allein und ohne die kleinste Ablenkung zu durchleben und das war gut so, denn am besten verstanden wir uns immer schon, wenn wir miteinander allein waren. Und so war auch unser Abschied. Einsam. Aber aus tiefstem Herzen.

Es war ein Abschied, der nur uns beiden gehört hat. Meinem Vater und mir.<3

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Katze, Seelen Schokolade, Syrien, Tierschutz

Dias kommt bald nach Hause …<3

Da so viele Leser dieses Blogs geteilt, mitgefiebert und beigetragen haben, die Geschichte von Dias in ganz Europa zu verbreiten, möchte ich gerne die neueste Entwicklung hier erzählen.

Dias hat seine Familie endlich gefunden!!!

Die Nachricht , dass er überlebt hat, und verzweifelt nach seiner Familie gesucht wird, hat auf die vielen , vielen Umwegen Dias Besitzer in Norwegen erreicht.

Anhand von Bildern und der Reisedaten konnten seine Lieblingsmenschen eindeutig beweisen  : „Dias gehört zu uns !“ Sein richtiger Name ist übrigens „Kunkush“ und er reagiert  deutlich darauf , wenn man ihn so anspricht ❤ .

Gerade wird seine Wiedervereinigung koordiniert, seine Pflegefamilie, alle Helfer und Unterstützer arbeiten gemeinsam daran, dass er bald die letzte große Reise Etappe zum Happy End in Norwegen antreten darf.

Es wird wenig Zeugen bei diesem Wiedersehen geben. Verständlicherweise wünscht sich die Familie für diese, sicher sehr emotionale Begegnung , Privatsphäre. Aber sie haben versprochen, Bilder zu senden, die ich dann gern veröffentlichen werde  ❤

Dias darf also tatsächlich bald nach Hause und seine Geschichte ist wieder einmal der Beweis dafür,  was für unglaublich schöne Dinge Realität werden können, wenn Mitgefühl, Entschlossenheit und Liebe zusammen agieren.  1000 Dank an alle, die mitgeholfen haben, dieses kleine Wunder durch Teilen, Veröffentlichen, Übersetzen  und Weiterreichen zu ermöglichen.

Hier ist seine  Geschichte   …Klick….

und hier, auf Dias , bzw Kunkushs eigener Facebook Seite,  kann man nachlesen, was gerade Spannendes passiert

Reunite Dias 1
So wurde Dias auf Lesbos aufgefunden, nachdem er seine Familie bei der Ankunft verloren hatte und hilflos herumirrte.
Seelen Schokolade, Tierschutz

Eine „Gute Nacht Geschichte“ aus Syrien… A Bedtime Story from Syria

Please scroll down for English version .

Manchmal läuft nicht alles so, wir uns das wünschen, manchmal entpuppt sich bei allen Bemühungen „gut gemeint“  als die kleine Schwester von  (pardon), Scheiße.

Es war ein solcher Tag gewesen, als ich wie meist in den späten Abendstunden am  Rechner sass und auf Nachricht von unseren syrischen Tierschutzengeln wartete. Heute von Bishr , dessen Liebe zu Literatur und Musik unsere Gespräche über die tägliche Arbeit immer bereichert. Wir haben viel gemeinsam, und mit der Zeit  entwickelte sich aus den Diskussionen über verletzte Tiere, Medikamente und Futterstellen in Syrien auch ein persönlicher Austausch.

An diesem Abend bemerkte er schnell, dass ich nicht wie sonst mit ihm scherzte und plauderte sondern etwas verhalten die einzelnen Punkte mit ihm durchging.  Es war bereits sehr spät, ich war müde und ich wollte ihn nicht mit meinen „Luxusproblemchen “  im Tierschutz hierzulande belasten, die sich immer so lächerlich ausnehmen, gegen den Alltag in einem kriegsgebeutelten Land ohne Versorgung, ausreichend Strom und mit täglichen Risiken, die wir uns in unseren kühnsten Albträumen nicht vorstellen können.

Unvermittelt brach er ab, und meinte, „wir machen Schluss für heute, Du bist erschöpft. Aber ich werde Dir jetzt noch eine Gute Nacht  Geschichte erzählen, sie wird Dir gefallen. “ Und dann schrieb er mir diese kleine Geschichte, die mich wieder einmal so berührte, dass ich sie gerne teilen möchte.

Bishr dokumentiert freundlicherweise alle Tierschutz Aktionen für den Verein mit Bildern oder Videos. Da ich ihn gebeten hatte, eine Kastrationsaktion auch in den Räumen der Tierklinik zu fotografieren, wartete er dort auf das Eintreffen des Tierarztes.

… „Der Tierarzt war noch nicht da, also wartete ich draußen vor der Klinik und sah ein kleines Mädchen das eine Katze auf der Schulter trug. Die Katze war sorgsam in ein Wolltuch gewickelt und ließ sich ohne Gegenwehr auf diese Weise tragen.

Ich fragte, was dem Tier fehlt und sie antwortete kummervoll, dass er sich verletzt hat und sie fürchtet,  der Schwanz wäre gebrochen.  Sie meinte, sie hätte ihn aus dieser Klinik adoptiert, als er nur eine Woche alt war und mit der Flasche aufgezogen, Sein Name wäre „Bisso“.

Sie lebte in der gleichen Stadt, wo die Klinik war, aber am ganz anderen Ende. Es war bemerkenswert, wie sie es geschafft hatte, ihn auf diese Weise zu tragen, mit ihm Bus zu fahren, ohne Transportkorb. Ich nehme an, sie hatte einfach nichts zur Verfügung.

Wir warteten ewig, aber der Tierarzt erschien einfach nicht zur Sprechstunde. Die Katze wurde langsam nervös und so besorgte ich einen kleinen Karton aus einem nahe gelegenen Laden, wir setzten Bisso hinein und da er brav war, nutzte ich die Gelegenheit, ein paar Kekse aus der Bäckerei für das kleine Mädchen zu kaufen.

Jodi, so war ihr Name, war glücklich über dieses unerwartete Geschenk und über den Keksen verpassten wir, dass der Tierarzt mittlerweile angekommen war.

Ich wollte uns ankündigen, drückte ihr die Box mit der Katze in die Hand, der Pappboden gab nach und Bisso verschwand Richtung Straße.

Wir verfolgten ihn 10 Minuten, bis er endlich in ein Gebäude floh und dort  jagten wir ihn zusammen bis in das höchste Stockwerk, ehe wir ihn wieder einfangen konnten.

Jetzt erst fiel mir auf, wie arm sie sein musste. Ihre Kleidung war abgetragen und verschlissen und auch nicht angemessen für die kalte Jahreszeit. Sie würde niemals die Kosten für eine Behandlung aufbringen können.

In der Klinik war nur der Stellvertretende Tierarzt, nicht sehr geschickt im Umgang mit verängstigten Katzen und er liess Bisso erneut entwischen, der durch die gesamte Klinik rannte. Unwirsch forderte der Tierarzt Jodi auf, ihren Bisso wieder einzufangen und mitzunehmen.
Jodi
Da mischte ich mich ein und sagte, ich würde für seinen Aufenthalt und die Behandlung bezahlen, er sollte bei dieser Gelegenheit auch gleich kastriert werden.

Jodi war überglücklich, dass ihrem Bisso nun geholfen werden würde. Ich hatte zwar jetzt immer noch keine Bilder von der Kastration, wie geplant aber fotografierte dafür Jodi, der das gefiel und dann war es für uns beide Zeit, nach Hause zu gehen.

Nach fünf Tagen konnte Jodi ihren Kater wieder abholen. Der Schwanz war nicht gebrochen gewesen, es war eine Bisswunde, die jedoch dringend aufgeschnitten und versorgt werden musste. Kastriert war er nun ebenfalls.

Mittlerweile habe ich erfahren, dass Bisso wieder ganz gesund ist und Jodi ihren kleinen Kater eisern gegen die Mutter verteidigt, die das Tier gerne loswerden möchte. Aber da die Kleine bereits ein Jahr gut für ihn sorgt, denke ich, sie wird das weiter schaffen.“
Bisso

Bishr hatte bereits öfter am Rande erwähnt, dass er die Tierarztkosten für arme Leute übernimmt, die ihrem Tier gerne helfen würden , sich aber die Behandlung nicht leisten können.  Jodis und Bissos Geschichte ist nur eine von unzähligen Hilfsaktionen, die er für die Tiere in Damaskus jeden Tag ermöglicht. Einfach so…weil er es kann.

Überflüssig zu erwähnen, wie ich diesen Mann schätze und bewundere für seine Arbeit und Warmherzigkeit.
Er hatte recht behalten. Ich mochte diese Geschichte und ich habe fast den Verdacht, er hat sie mir an diesem Abend erzählt,  um mich daran zu erinnern, dass ich es ebenfalls kann und auch muss. Es gibt so unendlich viel zu tun !
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Sie sind mittlerweile alle in Sicherheit !
 A Bedtime Story from Syria
 Sometimes things don’t go as we would like, and sometimes well intended is just another way of saying fucked up (pardon my French). It had been one of those days, and as usual I found myself at the computer late at night, waiting for news from our Syrian animal rescue angels. Tonight it was the turn of Bishr, whose love of literature and music always enriches our conversations about everyday tasks. We have a lot in common, and with time our working discussions about injured animals, medicines, and feeding sites in Syria have

evolved into a more personal exchange.

This evening he soon noticed that I wasn’t joking and chatting as usual, but going through the individual points with him in a rather subdued manner. It was already very late, I was tired, and I didn’t want to burden him with our first world animal rescue problems, which always seem so ridiculous in comparison to everyday life in a war-torn country without enough food or electricity and with daily dangers beyond our wildest nightmares.

He suddenly paused and said “let’s stop for now, you’re exhausted. But I’ll tell you a bedtime story; you’ll like it. ” And then he jotted down this little story, which I found so moving that I would like to share it.

Bishr documents all of the rescue actions for our association with photos or videos. Since I had asked him to photograph a spay/neuter action at the animal hospital, he was waiting there for the veterinarian to arrive. …

…“The vet wasn’t there yet, so I was waiting outside the clinic and saw a little girl carrying a cat on her shoulder. The cat was carefully wrapped in a woolen shawl and was allowing himself to be carried this way without protest. I asked what was wrong with the cat and she answered in a worried voice that she was afraid his tail was broken. She told me she had adopted the cat from this clinic when he was just one week old and raised him with the bottle. His name was Bisso.

She lived in the same city as the clinic, but on the other end of town. I was impressed at how she had managed to carry him like this and travel by bus without a transport box. I assume there was simply none available. We waited forever, but the vet hadn’t arrived yet. The cat was getting nervous so I went to a nearby shop for a box, we put Bisso inside, and since he was being so good I took the opportunity to buy some cookies for the little girl at a bakery. Jodi—that was her name—was happy with this unexpected gift and because of the cookies we didn’t notice the vet’s arrival.

I wanted to announce our presence, handed her the box with the cat, the cardboard bottom gave way and Bisso ran out to the street. We followed him for 10 minutes until he finally fled into a building, then chased him up to the top floor before managing to capture him again. Only now did I notice how poor she must be. Her clothes were old and worn-out and inadequate for the cold weather. She would never be able to pay for the treatment.

At the clinic the vet was only an assistant, not very adept at dealing with frightened cats, and allowed Bisso to escape again and run around the clinic. The vet rudely ordered Jodi to catch Bisso and leave. At that point I intervened and said I would pay for his stay and treatment, and asked that he be neutered as well.

Jodi was thrilled to hear that her Bisso would get the help he needed. I still didn’t have any pictures of the spay/neuter action as planned, but instead I photographed Jodi, who happily participated, and then it was time for both of us to go home.

Five days later Jodi was able to pick up her cat. His tail had not been broken. He had an infected bite wound in urgent need of cleaning and treatment. He was now neutered as well. I have heard in the meantime that Bisso has completely recovered, and Jodi is valiantly defending the little cat against her mother, who would like to get rid of the creature. But since she has been caring for him for a year now, I think Jodi will stand her ground.”

Bishr has mentioned in passing that he frequently pays vet bills for poor people who would like to help their animals but cannot afford the treatment. The story of Jodi and Bisso is just one of the countless instances of assistance for animals that he makes possible in Damascus every day. Just… because he can.

It goes without saying that I admire and appreciate this man so much for the work  he does and his compassion towards people or animals in need.

He was right. I liked this story and rather suspect that he told it to me yesterday night to remind me that I can, and must, keep going. There is so very much to do!
 Jodi