Chance, Seelenmarzipan

Depression ist wie Schnee…

An manchen Tagen ist der Schnee nur ein paar Zentimeter hoch. Das sind die „Guten Tage“. Natürlich behindert er dich überall, aber du schaffst es trotzdem zur Arbeit oder zum Einkaufen. Vielleicht lässt du aber vorsichtshalber lieber den Sport oder die Geburtstagsparty deiner Freundin aus, denn es schneit ununterbrochen und du weisst nicht, wie die Lage heute Abend aussehen wird. Am Besten gehst du direkt nach der Arbeit nach Hause. Deine Freunde registrieren die Absagen natürlich aber sie denken wahrscheinlich, du bist ein bisschen zimperlich oder einfach nur ein Arschloch.

An manchen Tagen liegt ein halber Meter. Du verbringst eine Sunde damit, den Schnee aus deiner Einfahrt wegzuschaufeln und bist wieder einmal zu spät. Du erscheinst zur Arbeit oder zur Verabredung mit schmerzenden Händen und schmerzendem Rücken. Sie schmerzen vom Schneeschaufeln und du spürst sie den ganzen Tag. Du gehst frühzeitig, denn es schneit immer weiter. Alle registrieren das, niemand versteht den Grund.

An anderen Tagen schneit es zwei Meter hoch. Du schaufelst den ganzen langen Morgen aber schaffst es einfach nicht, den Weg passierbar zu machen. Du schaffst es weder zur Arbeit noch sonst irgendwohin. Du bist so ausgelaugt und müde und möchtest einfach nur zurück ins Bett. Wenn du wieder aufwachst, ist alles, was du vorher mühevoll freigeschaufelt hast, wieder von einer schweren Schneelast bedeckt. Du beginnst von vorn.

Du hörst dein Telefon klingeln. Man wundert sich, wo du bleibst. Dir ist nicht danach, zurückzurufen, du bist einfach zu müde vom Schneeschaufeln. Ausserdem schneit es bei allen anderen nicht, oder viel weniger, als bei dir.  Sie verstehen also nicht, warum du  feststeckst. Sinnlos, es ihnen zu erklären. Sie denken du wärst nur faul oder schwach, aber das sagen sie natürlich nicht zu dir. Nur hinter deinem Rücken.

Es gibt Wochen, da kämpfst du mit einem ausgewachsenen Blizzard. Sobald du die Haustüre aufmachst, stehst du vor einer Schneewand. Die Stromversorgung flackert, dann bricht sie komplett zusammen. Es ist mittlerweile viel zu kalt, um im Wohnzimmer zu sitzen, also legst du dich mitsamt deiner Bekleidung ins Bett. Auch der Ofen und die Mikrowelle funktionieren nicht mehr und du isst nur Knäckebrot oder Schokolade und nennst es „Abendessen“.  Du hast auch seit drei Tagen nicht mehr die Haare gewaschen aber wie hättest du das bewerkstelligen sollen, unter diesen Umständen? Es ist kalt…eiskalt…Zu kalt, um irgendetwas anderes zu tun, als aushalten und schlafen.

Manchmal ist man den gesamten Winter eingeschneit. Die Kälte ist in alle Ritzen gekrochen. Keine Kommunikation mehr möglich. Nicht hinein und nicht hinaus. Es ist nichts mehr zu Essen im Haus. Was solltest du dagegen tun? Allein einen Tunnel mit deinen bloßen Händen durch eine 10 Meter hohe Schneewehe graben? Wie weit ist es, um Hilfe zu erhalten? Würdest du es überhaupt bis dorthin durch den Blizzard schaffen? Und wenn du es schaffen würdest, wer würde dir helfen? Vielleicht ist es tödlich, im Haus zu bleiben aber es es ist mindestens genauso tödlich für dich, nach draußen zu gehen. Die „Welt da draußen“ ist sehr oft eisiger und unbarmherziger, als jeder Blizzard, wenn man nicht mehr wie gewohnt funktioniert.

Wenn es ununterbrochen schneit brennst du aus, bis an deine Grenzen. Du hast es satt, beständig zu frieren. Du hast es satt, ständig mit vom Schneeschaufeln schmerzenden und wunden Händen zu leben. Aber wenn du es nicht schaffst, an den „guten Tagen“ zu schaufeln, wie ein Idiot, dann baut sich die Schneemasse  zu etwas Unüberwindbarem auf, an den schweren Tagen. Du wünscht den verdammten Schnee zum Teufel, aber das interessiert ihn nicht. Er ist eine Naturgewalt, blinde Chemie…die den Naturgesetzen folgt, und der völlig gleichgültig ist, ob sie dich unter sich begräbt oder die ganze Welt.

Diese Schneemassen erobern auch andere Gebiete deines Lebens. Gebiete, an denen du sie nicht einfach wegschaufeln kannst, manchmal liegt der Schnee an Orten, die du nicht einmal sehen kannst. Manchmal liegt er schwer auf dem Dach. Vielleicht bedeckt er aber bereits den Berg, hinter deinem Haus. Und manchmal löst sich von dort eine gewaltige Lawine, die dein Haus komplett aus den Fundamenten reißt und dich dazu. Eine Naturgewalt, gegen die niemand etwas ausrichten kann.

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Den Nachbarn und Freunden ist das im Nachhinein völlig unbegreiflich. Sie sagen, ..“was für ein Jammer, sie hat doch immer tapfer geschaufelt und kam so gut zurecht. Sie lächelte stets, wenn sie Schnee schaufelte. Wie konnten wir das ahnen?“

Ich weiß nicht, was letztlich der Auslöser ist, wenn jemand aufgibt und eine finale Lösung wählt, um der ewigen Kälte und dem sinnlosen Kampf zu entfliehen. Wenn er dem Sog der Lawine einfach nachgibt. Vielleicht werden manche von der Lawine fortgerissen, sie kommt ohne jede Vorwarnung. Für andere ist vielleicht einfach der endlose Winter nicht mehr länger zu ertragen. Vielleicht haben sie bis ganz zum Schluss tapfer geschaufelt, vielleicht auch nicht. Aber man sollte sich bewusst machen, wie es sich anfühlt…wie ewiger Schnee sich anfühlt…ehe man urteilt.

Ich glaube fest daran, dass Verständnis und Mitgefühl die Grundlage jeder Hilfe sein sollten. Ich habe leider auch keine Heilsbotschaft für Menschen mit Depressionen oder chronischen Schmerzen. Auf keinen Fall werde ich hier schreiben :

„Schaufelt fleißig weiter, denkt positiv, strengt euch mehr an, sprecht über eure Nöte, sucht euch Hilfe und alles wird gut“

Das wäre nämlich idiotisch. Denn natürlich schaufelt jeder in dieser Situation bereits, was er nur irgend bewältigt, bis zu dem Punkt an dem er körperlich einfach nicht mehr kann, an dem er zusammenbricht oder aufgibt. Denn wer um alles in der Welt, möchte freiwillig in seinem eigenen Haus zu Tode erfrieren? Wer selbst davon betroffen ist, weiß nur zu gut, was auf dem Spiel steht und hat mit großer Wahrscheinlichkeit alles bereits versucht, was ihm helfen könnte. Er weiß auch, dass Jammern keine Hilfe bringt, sondern noch einsamer macht.

Meine Heilsbotschaft geht daher nicht an euch, liebe Leser, falls ihr an Depression oder chronischen Schmerzen leidet, sondern sie geht an eure Nachbarn:

„Schnapp dir eine verdammte Schaufel und hilf deinem Nachbarn! Montiere den Schneepflug an deinen Jeep und hilf ihm, die Einfahrt zu räumen. Versorge ihn mit Streusalz und Handschuhen… auf gute Ratschläge kann dein Nachbar verzichten“

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Teilen des Textes wäre sehr nett…kopieren verletzt das Urheberrecht und ist verboten.

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Diesen Text fand ich im Netz. Anonym. Er wurde von mir übersetzt und ergänzt/abgewandelt, da ich finde, er beschreibt nicht nur treffend  Depression sondern auch sehr gut die Situation von chronisch Erkrankten, die dauerhaft  Schmerzen leiden. Nicht für eine Stunde, nicht für einen Tag , nicht für eine Woche…sondern Schnee…das ganze Jahr über…jedes Jahr!

Die „Welt da draußen“ ist sehr oft eisiger und unbarmherziger, als jeder Blizzard, wenn man nicht mehr wie gewohnt funktioniert.

 

Seelenmarzipan, Tierschutz

Jeder, der dir begegnet…trauert auf seine Weise!

Ich war in der kleinen Kapelle und wollte Kerzen anzünden. Es war der Todestag meines Vaters und diese Kapelle war seither der Platz der Trauer für mich. Ein dicker Kloß steckte in meinem Hals, als ich die Kerzen abzählte, für die ich gespendet hatte… viele Kerzen, die dann aufgereiht einen Gruß an ihn …nach wohin auch immer senden sollten. Er möchte es gerne großzügig…ein paar Kerzen wären nicht das gewesen, was er sich unter einem Gedenk-Licht vorstellte und unwillkürlich musste ich unter Tränen lächeln, als mir der Gedanke kam, wie er alles en gros eingekauft und vergeben hatte… Lebensmittel, Ratschläge, Geschenke… und meine Gedanken wanderten…

Plötzlich bemerkte ich einen Schatten hinter mir in der Kapelle. Noch ein Besucher, der ein Licht entzünden wollte. Ich fühlte mich gestört und war sehr ärgerlich über die Tatsache, dass ich diesen Moment mit jemand Fremden teilen musste. Am liebsten hätte ich gerufen… „ich weine gerade um meinen Vater…gehen Sie doch einfach!“ Aber das tat ich natürlich nicht. Ich ignorierte den Besucher und konzentrierte mich auf die vielen Teelichter, die munter im Sonnenlicht flackerten, das durch die Kapellenfenster herein schien. Dann hörte ich ein Geräusch…es war ein Schniefen…es kam von dem Mann, der hinter mir stand. Er weinte offensichtlich.

Obwohl die Tatsache nicht so ungewöhnlich war, in einer Andachtskapelle auf andere Trauernde zu treffen, traf mich die Erkenntnis wie ein Blitz! Ich war nicht die Einzige, die trauert. Hier war jemand so mit seiner eigenen Trauer beschäftigt, dass er mich gar nicht bemerkte. Und ab diesem Moment war es irgendwie in Ordnung, weiter still zu sitzen und den Raum mit jemandem zu teilen, auch wenn ich viel lieber alleine gewesen wäre. Ich drehte mich kurz um und lächelte den alten Mann an. Er nickte mir zu und wir verstanden uns ganz ohne Worte.

Jeder, der uns begegnet, trauert auf irgendeine Weise.

Er steht hinter dir, in der Schlange an der Kasse, er schreibt dir auf Facebook, sitzt neben dir im Zug, spielt im gleichen Verein oder sitzt vielleicht sogar am gleichen Tisch in der Freundesrunde.

Jeder, der uns begegnet, kämpft gerade mit einem Verlust, mit einer Angst mit einem Unglück… und es steht diesen Menschen nicht auf der Stirn geschrieben. Sie kleiden sich morgens an, sie gehen zur Arbeit, sie versorgen ihre Kinder, sie schauen abends Fernsehen und fahren in Urlaub. Sie funktionieren… und doch… jeder von ihnen ist ein Kämpfer, jeder von ihnen muss mit Verlusten und Ängsten umgehen, versucht die Ängste und Zweifel und die Trauer zurückzudrängen und nach aussen das Gesicht zu wahren,

…wenn die Ehe zerbröckelt und ein Kriegsschauplatz geworden ist

…wenn sie um ihre  Hypotheken und Schulden zittern und jeden Blick in den Briefkasten fürchten

…wenn sie gerade bange auf medizinische Testergebnisse, für sich oder einen geliebten Menschen warten.

…wenn ihre Kinder schwer oder unheilbar krank sind

…wenn sie von ihrem Partner betrogen oder schlecht behandelt werden

…wenn sie um einen  geliebten Menschen, oder um ein geliebtes Tier trauern

…wenn sie ihre Arbeit verlieren oder Angst haben, sie zu verlieren

…wenn sie chronisch krank sind und versuchen, weiter durchzuhalten

…wenn sie in der Schule oder auf der Arbeit gemobbt werden

…wenn sie nicht wissen, wie sie die Rechnungen in diesem Monat bezahlen sollen…

…wenn sie unglücklich verliebt sind

…wenn sie mit ihrem Äusseren hadern

die Liste ist unendlich.

Jeder Mensch, der dir heute begegnet, kämpft um seinen inneren Frieden, darum, die Angst zurückzudrängen…er wendet alle Kraft auf, um durch den Tag und die täglichen Pflichten zu kommen, ohne dabei das Gesicht zu verlieren und meist gelingt das auch. Wir bemerken es nicht. Jeder kennt nur seine eigene Trauer.

Es liegt an uns, genauer hinzusehen… es liegt an uns, die Tatsache immer wieder ins Gedächtnis zu rufen, dass jeder seine eigenen Schlachten kämpft und wenn wir genauer hinsehen, dann erkennen wir intuitiv, wie die Fassade und die Stabilität bei vielen an einem seidenem Faden hängt, der jederzeit reißen kann.

Wenn du heute also durch den Tag gehst, dann wird dir niemand, dem du begegnest, erzählen, wie sehr er gerade trauert oder wovor er gerade schreckliche Angst hat…aber wenn du den Menschen in die Augen siehst, wirst du es bemerken…und dein Lächeln wird den Unterschied machen ❤

 

 

 

 

Katze, Seelenmarzipan, Tierschutz

Wenn meine Katze alt wird…für Luna <3

Was mache ich jetzt mit Dir, wenn deine Pfötchen müde sind, dein Gang wackelig und das Fell zerrupft?

Wenn dich meine Rufe nicht mehr erreichen, weil du fast nichts mehr hören kannst und wenn deine wachen Augen müde und trübe geworden sind?

Was mache ich jetzt mit Dir, wenn dein Fell nicht mehr glänzt und dein Gesichtchen grau geworden ist?

Ich liebe Dich! Ich liebe Dich, mehr denn je!

Ich liebkose deine Pfötchen, die mir immer um die Beine getrippelt sind und zeige Dir den Weg, wenn Du ihn vergessen hast.

Ich spreche lauter und berühre dich dabei, damit du mich weiter hören kannst.

Ich küsse deine grauen Schnurrhaare und bestaune die Weisheit in deinem kleinen Greisengesicht.

Ich kämme sanft dein Fell, das Du jetzt nicht mehr alleine pflegen kannst.

Du bist jetzt alt und ich liebe Dich, mehr denn je!

Und wenn die Zeit kommt, …wenn wir uns verabschieden müssen… Du und ich…

und ich weiss, dass du einen Teil meines Herzens mitnehmen wirst, …dann werde ich dir beim Abschied zuflüstern…

In einem anderen Leben, treffen wir uns wieder…wenn wir beide Katzen sind. Warte auf mich  ❤

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Chance, Seelenmarzipan

Verzeihen bedeutet, die Hoffnung aufgeben

Du bist verletzt…traurig…man hat dich schlecht behandelt …dir Unrecht getan?

…Lass es los…

Alles, was in der Vergangenheit passiert ist,  alles was nicht JETZT gerade passiert, …lass es los, wenn du wirklich frei sein möchtest.

Sperre dich nicht selbst ständig im Gefängnis deiner Vergangenheit ein. Du verdienst es nicht, an diesem trostlosen Ort zu sitzen. Wenn du wirklich voran kommen möchtest, wirf den Ballast endlich von deinen Schultern.

Wenn du nicht möchtest, dass SIE gewinnen, dann lass los und lebe dein Leben.

Du kannst nicht verzeihen…du willst nicht vergessen, was man dir angetan hat und wie ungerecht all das ist? Wem nutzt das???

Du würdest niemals einem Einbrecher erlauben, sich einfach in deinem Haus auszubreiten und alles zu zerstören, woran dein Herz hängt. Warum erlaubst du es dann den negativen Gedanken, die dir die Lebensfreude stehlen und sich wie ein Virus in deinem Kopf breit machen? Ist es wirklich das, was du möchtest?

Du hattest gerade eine unschöne Auseinandersetzung? Lass los! Lass sie nicht weiter in deinem Kopf wohnen, und dir die Freude am restlichen Tag nehmen.

Jemand hat dir Unrecht getan? Lass los! Die Gedanken an diesen „Jemand“ würden sich sonst immer weiter wie ein Virus in deinem Kopf  breit machen und deine Lebensfreude rauben, wie ein Dieb! Es würde einzig dir schaden. Niemandem sonst!

Die beste Revanche ist loszulassen, einfach dein Leben weiterleben und Dir und der Welt zu zeigen, dass dein Ego tapfer genug ist, um loszulassen. Meide die Menschen, die dir nicht gut tun und die es nicht gut mit dir meinen. Suche nicht nach fehlender Anerkennung und Zuspruch bei deiner Familie, auch nicht bei Freunden. Such sie bei dir selbst!

Konzentriere dich einzig darauf, was gut in deinem Leben ist und da ist eine Menge, wenn du genau hinsiehst,  …und versuche es zu stärken. Verschwende keine Zeit mit Gedanken an Rache.  Wenn du der Vergangenheit nachhängst wird deine Zukunft leiden. Wenn du nach Vergeltung suchst, wirst du immer verlieren.

Vergebung bedeutet, die Hoffnung aufzugeben, dass die Vergangenheit irgendwie anders hätte sein sollen.

Viele denken, verzeihen bedeutet, zu akzeptieren was dir widerfahren ist. Ja, es heisst, zu akzeptieren, dass es passiert ist. Es bedeutet aber nicht, dass es OK war, was dir passiert ist. Es bedeutet nur, zu akzeptieren, was passiert ist und dann zu überlegen …Was tue ich jetzt?

Verzeihen heisst,  nicht länger festhalten, und wünschen und hoffen, …dass es anders gewesen sein könnte.

Die beste Rache ist keine Rache…sondern loslassen. Vergiss sie einfach, sie existieren nicht mehr für dich!

Verurteile , was sie dir angetan haben aber verurteile nicht dich, weil du es zugelassen hast…und dann segne sie, denn sie haben dich stärker gemacht!

Verzeihe…Hol dir deine Macht zurück. …Konzentriere dich auf dich selbst … und DU gewinnst, …indem du loslässt, …und einfach weiterziehst, ohne Selbstvorwürfe. Im Fortgeschrittenen Level, vielleicht sogar mit einem Lächeln auf den Lippen. ❤

Blessed be ❤

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Kurzgeschichten, Seelenmarzipan, Tierschutz

Das Rosa Tütchen … Seelenmarzipan, von dem man öfter naschen sollte <3

Das Rosa Tütchen …

Als ich eines Tages, wie so oft, traurig, durch den Park schlenderte und mich auf einer Parkbank niederließ, um über alles nachzudenken, was in meinem Leben schief läuft, setzte sich ein kleines Mädchen zu mir.
Sie spürte meine Stimmung und fragte: „Warum bist Du traurig?“

„Ach“ sagte ich, „ich habe keine Freude im Leben. Alle sind gegen mich. Alles läuft schief. Ich habe kein Glück und ich weiß nicht, wie es weitergehen soll.“

„Hmmm“ meinte das Mädchen. „Wo hast Du denn Dein rosa Tütchen? Zeig es mir mal. Ich möchte gern hinein schauen.“

„Was für ein rosa Tütchen?“ fragte ich verwundert. „Ich habe nur ein schwarzes Tütchen.“

Wortlos reichte ich es ihr. Vorsichtig öffnete sie mit ihren zarten kleinen Fingern den Verschluss und sah in mein schwarzes Tütchen hinein. Ich bemerkte, wie sie erschrak. „Es ist ja ein Albtraum, voller Unglück und voller schlimmer Erlebnisse!“

„Was soll ich machen? Es ist leider so. Daran kann ich kaum etwas ändern.“

„Hier nimm!“ sagte das Mädchen und reichte mir ein rosa Tütchen. „Sieh hinein!“

Mit zittrigen Händen öffnete ich das rosa Tütchen und konnte sehen, dass es angefüllt war mit Erinnerungen an schöne Momente des Lebens. Und das, obwohl das Mädchen noch jung an Menschenjahren war.

„Wo ist Dein schwarzes Tütchen?“ fragte ich neugierig.

„Das werfe ich jede Woche in den Müll und kümmere mich nicht weiter drum!“ sagte sie.

„Für mich besteht der Sinn des Lebens darin, mein rosa Tütchen im Laufe des Lebens voll zu bekommen. Da stopfe ich soviel wie möglich hinein. Und immer, wenn ich Lust dazu habe oder wenn ich traurig bin, dann öffne ich mein rosa Tütchen und schaue hinein. Dann geht es mir sofort wieder besser.

Wenn ich einmal alt bin und mein Ende naht, dann habe ich immer noch mein rosa Tütchen. Es wird voll sein bis obenhin und ich kann sagen,  „ja, ich hatte etwas vom Leben. Mein Leben hatte einen Sinn!“

Noch während ich verwundert über ihre Worte nachdachte, gab sie mir einen Kuss auf die Wange und war verschwunden.

Neben mir auf der Bank lag ein rosa Tütchen. Ich öffnete es zaghaft und warf einen Blick hinein. Es war fast leer, bis auf einen kleinen zärtlichen Kuss, den ich von einem kleinen Mädchen auf einer Parkbank erhalten hatte. Bei dem Gedanken daran musste ich lächeln und mir wurde warm ums Herz.

Glücklich machte ich mich auf den Heimweg,  und vergaß nicht, gleich am nächsten Papierkorb, mein schwarzes Tütchen zu entsorgen.

Also, denkt immer an das rosa Tütchen … und daran, das Schwarze regelmäßig zu entsorgen ❤

Ich wünsche uns allen ein gut gefülltes rosa Tütchen. 🛍

 

tüte(Verfasser leider unbekannt)

Seelenmarzipan, Tierschutz

Die Bettelprinzessin

Kennt ihr das Gefühl, zum Jahreswechsel wenn man eigentlich bereits für das nächste Jahrzehnt seinen Anteil an Ärger, Problemen und unguten Gefühlen hatte und inständig hofft, das nächste Jahr wird besser…leichter…anders?

Ich habe gerade mit klammen Fingern Feuer im Ofen gemacht, weil die verflixte Heizung nicht in der Lage ist, einigermaßen Raumtemperatur zu schaffen… und denke dabei natürlich an alle, die gerade frieren und hungern und an den unglaublichen Berg Arbeit, der noch auf Bewältigung wartet, wenn ich ihnen weiter helfen möchte. Artikel (der angenehmere Teil) , Steuerkram, (den ich hasse), Vereinskram (den ich noch mehr hasse) und auch einige wichtige klärende Gespräche, sowohl im Team als mit unseren Partnern, damit die Arbeitsabläufe weiter greifen können. (hasse ich auch!)

Neben diesen Aufgaben gibt es ja noch ein anderes Leben, mein eigenes, das auch nicht gerade langweilig war, 2018 . Nach wie vor knirscht es an vielen Stellschrauben. Mein Köper hat in diesem Jahr wiederholt von der gelben zur roten Karte gewechselt und ich bin ungewohnt eingebremst in manchen Aktivitäten, nach wie vor suche ich mein eigenes, kleines Haus, in dem ich bis ans Ende meiner Tage einen Platz schaffen kann, den buntesten und gemütlichsten „Panic Room“, den eine müde Seele je für sich und ihre Katzen gestaltet hat. Wieder gehen die Gedanken auf Zick Zack Kurs, schweifen ab von gemütlichen Leseecken und Sprossenfenstern, mit Ausblick auf einen Apfelbaum und Rosensträuchern und wandern zu einem Shelter, dessen Kostenplanung noch nicht ganz so ausgefeilt ist, wie meine privaten Budgets und für beide Vorhaben muss 2019 noch eine große Portion Glück bereit halten, damit sie gelingen.

Bis das Holz im Ofen richtig durchglüht und im Arbeitszimmer Wärme verbreitet, sortiere ich die Post. Während im Verein die liebe Claudia über alle Einnahmen und Ausgaben wacht, muss ich das privat natürlich für mich selbst regeln. Gestern war mein Konto gesperrt, der Bankautomat verkündete, dass mein Limit erreicht wäre und ich konnte mich für einen kurzen Moment hinein fühlen, wie es ist…wenn man dringend Futter…Brot…Nudeln…irgendetwas für seine Tiere kaufen möchte und nirgends mehr einen Cent abheben kann. In meinem Fall war es ein Kartenfehler, niemand hatte am Konto manipuliert und es war auch nicht überzogen, trotzdem war ich erst einmal geschockt und ohne Geld. Aber während ich gestern immerhin mit der Gewissheit einschlafen durfte, dass sich das sicher klären lässt, sitzen heute unzählige Tierschützer verzweifelt am Küchentisch und trauen sich nicht vor die Türe, denn dort warten die hungrigen, verfrorenen Straßentiere auf ein paar Brocken Futter… und sie können ihnen nichts anbieten. Heute nicht und auch morgen nicht…vielleicht im nächsten Monat wieder.

Für diese Menschen arbeite ich. Für diese Menschen wurde Frieden für Pfoten ins Leben gerufen. Am 21. Dezember sind es drei Jahre. Seit drei Jahren widme ich jeden Tag den Straßentieren, sind über Nacht alle Straßentiere auf einmal zu „MEINEN Tieren“ geworden. Eine fürchterliche Last im Herzen, wenn man weiss, wie sie leben und sterben müssen, wenn man erst einmal erkannt hat, wie unendlich groß Not und Elend überall sind.

Langsam breitet sich im Zimmer die Wärme aus und ich mache mich an die E-Mails. Ich entschuldige mich für Fehler, die ich gemacht habe, ich entschuldige mich für Fehler, die andere gemacht haben, schlichte Streit, ermutige Teammitglieder, beantworte Fragen und bleibe so defensiv, freundlich, geduldig und zuvorkommend, wie irgend möglich. Jede Hand, jeder Spender, jedes Teammitglied wird benötigt, um unser riesen, riesen Rad weiter am laufen zu halten. Da bleibt wenig Zeit für persönliche Befindlichkeiten, zumindest nicht für meine…ich bin die Bettelprinzessin…die jedem dankbar ist…den Helfern, den Spendern, den Teammitgliedern, den Vereinskollegen, den Gruppen, den Lesern…jedem!!!! Was nicht einmal gelogen ist, das bin ich wirklich, aber manchmal bin ich auch einfach nur müde.

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Dann klingelt es an der Tür. Der Postbote hat ein kleines Päckchen. Ich habe nichts mehr bestellt, die letzten Tage, mein Hausrat ist mittlerweile komplett, für eine provisorische Wohnung sogar äußerst komplett. Der Himmel weiss, wie ich all das jemals irgendwo unterbringen soll, was noch in Kartons verstaut lagert  :-))) …

Neugierig öffne ich die Karte und schaue nach, wer mir die süßen Weihnachtskugeln geschickt hat… Sie ist von Nedde, die nicht nur in unserer Adoptanten Beratung einen wunderbaren Job macht sondern mit allen Aktivitäten eine unglaubliche Bereicherung für unseren Verein darstellt…ICH sollte IHR Dankeschön sagen und nicht umgekehrt.

„Für dich…weil Du immer so viel einstecken musst…“hat sie dazu geschrieben.Ich merke, dass ich gleich anfange zu weinen und wundere mich gleichzeitig, wie akkurat Karma funktioniert.

„Bemerkt eigentlich überhaupt irgendjemand, was ich jeden Tag auf so vielen Ebenen zu bewältigen habe, völlig auf mich allein gestellt …und dabei auch viele Dinge, die für mich komplett neu sind oder die mir Angst machen? Denken alle, nur weil jemand gutmütig ist, entschlossen und ausdauernd, hat er keine Grenzen …und fordern immer mehr von mir ein… mehr Arbeit, mehr Verständnis, mehr Fingerspitzengefühl, mehr Hilfe, mehr ..ALLES…“ …hatte ich mir noch vor ein paar Minuten missmutig überlegt.

Nedde wusste das offensichtlich bereits ein paar Tage vorher, als sie dieses Päckchen gepackt hat und dazu die liebe Karte geschrieben. Und Karma hat am richtigen Tag geliefert.

Ja,  ich wurde zur Bettelprinzessin und muss dafür eine Menge einstecken. Aber ich habe es mir selbst ausgesucht und eigentlich bin ich es gerne… und eine erfolgreiche dazu. Hendrix, der kleine Ziegenbock, der mich von den Weihnachtskugeln anlächelt,  würde mir da zustimmen. Auch sein Happyend konnte nur Dank Frieden für Pfoten geschrieben werden. Aber das ist eine andere Geschichte, die ich bald erzählen werde, jetzt suche ich erst einmal einen schönen Platz für Neddes zauberhafte Kugeln und freue mich eine Runde.

Karma ist schon eine coole Sache ❤

 

 

 

Seelenmarzipan, Tierschutz

Karma funktioniert…ein Unfall der kein Unfall war <3

Ich liebe Karma..denn manchmal funktioniert es hart aber herzlich ❤

Rena Gatospito, eine sehr engagierte und großherzige Tierschützerin unserer Schwesterorganisation SCARS, Athen, war wieder einmal mit einigen der kranken Schützlinge in der Tierklinik. Gemeinsam mit ihrer Freundin Martha sammelt sie regelmäßig auf den Pflegestellen ein, wer gerade Impfungen, medizinische Behandlung oder Untersuchungen benötigt und kümmert sich um die kranken Tiere. Beim Verlassen der Praxis stiess sie fast mit einem jungen Pärchen zusammen, die eine große Schachtel vor sich her trugen und daher nicht sahen, dass jemand entgegen kam.

Rena war neugierig und fragte, was denn in der Schachtel sei. Die junge Frau antwortete,  sie hätten da ein Kätzchen, das sie mitten auf einer Strasse gefunden hatten. Es sei von einem Auto angefahren worden. Sie hatten mit ihrem Motorroller dann den Verkehr aufgehalten und den verletzten und schreienden Zwerg eingesammelt. Rena und Martha wünschten dem Pärchen alles Gute und sie  verabschiedeten sich, eilten zum Auto, sie waren wie immer viel zu spät für den nächsten Termin…und fuhren los…bis es ordentlich krachte und hinter ihnen  jemand laut „STOP“ schrie.

Rena stieg aus, lief  hinter ihren Firmenwagen, um zu sehen was passiert war. Sie hatte ein Motorrad umgefahren, der Spiegel fehlte und das Lenkrad hatte sich in den hinteren Stossdämpfer gebohrt.  Rena war völlig aufgelöst. So etwas war ihr noch nie vorher passiert, sie hatte das Motorrad einfach übersehen. Der Besitzer der Maschine hatte sich unerlaubterweise mitten in die Zufahrt gestellt,  wo man kein Hindernis vermuten würde. Nach einer Weile fand sich der Fahrer des Motorrads ein, es war exakt der junge Mann aus der Praxis, mit der verletzten Katze. Hinter ihm war seine Frau… vollkommen in Tränen aufgelöst! Karton hatten sie keinen mehr bei sich.

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Mittlerweile waren sie mit dem Kätzchen vorstellig gewesen und der Tierarzt hatte ihnen erklärt, wie hoch die Kosten für eine Behandlung sein würden. Eine Summe, die das junge Pärchen niemals aufbringen könnte und so entschieden sie sich schweren Herzens dazu, das Tier zumindest schmerzlos zu erlösen. Deshalb also, hatte die junge Frau so geweint. Sie hätten der Kleinen so gerne geholfen.

Rena hörte sich die Geschichte an, ließ die verdutzten jungen Leute mitten im Gespräch stehen und jagte zurück in die Praxis. Was sie nicht wissen konnten:

Das kleine verletzte Kätzchen war durch diesen „glücklichen Unglücksfall“ zum exakt richtigen Timing an die  einzigen beiden Menschen weit und breit geraten, die mit einem glücklichen Lächeln sagen konnten:

„Keine Sorge, wir werden uns darum kümmern, wir haben Freunde, die diese Kosten übernehmen und das Kätzchen ist ab jetzt in unserer Obhut. Alles wird gut <3″

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Anschließend, als die junge Frau ihre Tränen getrocknet hatte, die  zu Freudentränen gewechselt hatten, als Martha erklärte, was Rena gerade in der Praxis macht, einigten sie sich noch gütlich über die Schadensregelung. Selten waren Menschen so glücklich über einen  Auffahr-Unfall gewesen ❤

Die kleine Shira, wie sie heute heisst,  blieb ca. 1 Woche in der Tierklinik. Die Röntgenaufnahmen zeigten ein gebrochenes Becken, das hintere Beinchen ist mehrfach gebrochen und der Darm ist nach außen gedrückt. Sie hat Durchfall und beschmutzt sich natürlich ständig. Trotzdem steht Shiras Krankenkäfig direkt neben Renas Bett…und es geht ihr heute bereits ein wenig besser. Wir drücken fest die Daumen, dass Karma es weiter gut mit ihr meint.

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Dankeschön, liebe Rena, für diese wundervolle (und wahre) Geschichte und für dein großes Herz ❤