Seelenmarzipan, Tierschutz

Die Bettelprinzessin

Kennt ihr das Gefühl, zum Jahreswechsel wenn man eigentlich bereits für das nächste Jahrzehnt seinen Anteil an Ärger, Problemen und unguten Gefühlen hatte und inständig hofft, das nächste Jahr wird besser…leichter…anders?

Ich habe gerade mit klammen Fingern Feuer im Ofen gemacht, weil die verflixte Heizung nicht in der Lage ist, einigermaßen Raumtemperatur zu schaffen… und denke dabei natürlich an alle, die gerade frieren und hungern und an den unglaublichen Berg Arbeit, der noch auf Bewältigung wartet, wenn ich ihnen weiter helfen möchte. Artikel (der angenehmere Teil) , Steuerkram, (den ich hasse), Vereinskram (den ich noch mehr hasse) und auch einige wichtige klärende Gespräche, sowohl im Team als mit unseren Partnern, damit die Arbeitsabläufe weiter greifen können. (hasse ich auch!)

Neben diesen Aufgaben gibt es ja noch ein anderes Leben, mein eigenes, das auch nicht gerade langweilig war, 2018 . Nach wie vor knirscht es an vielen Stellschrauben. Mein Köper hat in diesem Jahr wiederholt von der gelben zur roten Karte gewechselt und ich bin ungewohnt eingebremst in manchen Aktivitäten, nach wie vor suche ich mein eigenes, kleines Haus, in dem ich bis ans Ende meiner Tage einen Platz schaffen kann, den buntesten und gemütlichsten „Panic Room“, den eine müde Seele je für sich und ihre Katzen gestaltet hat. Wieder gehen die Gedanken auf Zick Zack Kurs, schweifen ab von gemütlichen Leseecken und Sprossenfenstern, mit Ausblick auf einen Apfelbaum und Rosensträuchern und wandern zu einem Shelter, dessen Kostenplanung noch nicht ganz so ausgefeilt ist, wie meine privaten Budgets und für beide Vorhaben muss 2019 noch eine große Portion Glück bereit halten, damit sie gelingen.

Bis das Holz im Ofen richtig durchglüht und im Arbeitszimmer Wärme verbreitet, sortiere ich die Post. Während im Verein die liebe Claudia über alle Einnahmen und Ausgaben wacht, muss ich das privat natürlich für mich selbst regeln. Gestern war mein Konto gesperrt, der Bankautomat verkündete, dass mein Limit erreicht wäre und ich konnte mich für einen kurzen Moment hinein fühlen, wie es ist…wenn man dringend Futter…Brot…Nudeln…irgendetwas für seine Tiere kaufen möchte und nirgends mehr einen Cent abheben kann. In meinem Fall war es ein Kartenfehler, niemand hatte am Konto manipuliert und es war auch nicht überzogen, trotzdem war ich erst einmal geschockt und ohne Geld. Aber während ich gestern immerhin mit der Gewissheit einschlafen durfte, dass sich das sicher klären lässt, sitzen heute unzählige Tierschützer verzweifelt am Küchentisch und trauen sich nicht vor die Türe, denn dort warten die hungrigen, verfrorenen Straßentiere auf ein paar Brocken Futter… und sie können ihnen nichts anbieten. Heute nicht und auch morgen nicht…vielleicht im nächsten Monat wieder.

Für diese Menschen arbeite ich. Für diese Menschen wurde Frieden für Pfoten ins Leben gerufen. Am 21. Dezember sind es drei Jahre. Seit drei Jahren widme ich jeden Tag den Straßentieren, sind über Nacht alle Straßentiere auf einmal zu „MEINEN Tieren“ geworden. Eine fürchterliche Last im Herzen, wenn man weiss, wie sie leben und sterben müssen, wenn man erst einmal erkannt hat, wie unendlich groß Not und Elend überall sind.

Langsam breitet sich im Zimmer die Wärme aus und ich mache mich an die E-Mails. Ich entschuldige mich für Fehler, die ich gemacht habe, ich entschuldige mich für Fehler, die andere gemacht haben, schlichte Streit, ermutige Teammitglieder, beantworte Fragen und bleibe so defensiv, freundlich, geduldig und zuvorkommend, wie irgend möglich. Jede Hand, jeder Spender, jedes Teammitglied wird benötigt, um unser riesen, riesen Rad weiter am laufen zu halten. Da bleibt wenig Zeit für persönliche Befindlichkeiten, zumindest nicht für meine…ich bin die Bettelprinzessin…die jedem dankbar ist…den Helfern, den Spendern, den Teammitgliedern, den Vereinskollegen, den Gruppen, den Lesern…jedem!!!! Was nicht einmal gelogen ist, das bin ich wirklich, aber manchmal bin ich auch einfach nur müde.

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Dann klingelt es an der Tür. Der Postbote hat ein kleines Päckchen. Ich habe nichts mehr bestellt, die letzten Tage, mein Hausrat ist mittlerweile komplett, für eine provisorische Wohnung sogar äußerst komplett. Der Himmel weiss, wie ich all das jemals irgendwo unterbringen soll, was noch in Kartons verstaut lagert  :-))) …

Neugierig öffne ich die Karte und schaue nach, wer mir die süßen Weihnachtskugeln geschickt hat… Sie ist von Nedde, die nicht nur in unserer Adoptanten Beratung einen wunderbaren Job macht sondern mit allen Aktivitäten eine unglaubliche Bereicherung für unseren Verein darstellt…ICH sollte IHR Dankeschön sagen und nicht umgekehrt.

„Für dich…weil Du immer so viel einstecken musst…“hat sie dazu geschrieben.Ich merke, dass ich gleich anfange zu weinen und wundere mich gleichzeitig, wie akkurat Karma funktioniert.

„Bemerkt eigentlich überhaupt irgendjemand, was ich jeden Tag auf so vielen Ebenen zu bewältigen habe, völlig auf mich allein gestellt …und dabei auch viele Dinge, die für mich komplett neu sind oder die mir Angst machen? Denken alle, nur weil jemand gutmütig ist, entschlossen und ausdauernd, hat er keine Grenzen …und fordern immer mehr von mir ein… mehr Arbeit, mehr Verständnis, mehr Fingerspitzengefühl, mehr Hilfe, mehr ..ALLES…“ …hatte ich mir noch vor ein paar Minuten missmutig überlegt.

Nedde wusste das offensichtlich bereits ein paar Tage vorher, als sie dieses Päckchen gepackt hat und dazu die liebe Karte geschrieben. Und Karma hat am richtigen Tag geliefert.

Ja,  ich wurde zur Bettelprinzessin und muss dafür eine Menge einstecken. Aber ich habe es mir selbst ausgesucht und eigentlich bin ich es gerne… und eine erfolgreiche dazu. Hendrix, der kleine Ziegenbock, der mich von den Weihnachtskugeln anlächelt,  würde mir da zustimmen. Auch sein Happyend konnte nur Dank Frieden für Pfoten geschrieben werden. Aber das ist eine andere Geschichte, die ich bald erzählen werde, jetzt suche ich erst einmal einen schönen Platz für Neddes zauberhafte Kugeln und freue mich eine Runde.

Karma ist schon eine coole Sache ❤

 

 

 

Seelenmarzipan, Tierschutz

Karma funktioniert…ein Unfall der kein Unfall war <3

Ich liebe Karma..denn manchmal funktioniert es hart aber herzlich ❤

Rena Gatospito, eine sehr engagierte und großherzige Tierschützerin unserer Schwesterorganisation SCARS, Athen, war wieder einmal mit einigen der kranken Schützlinge in der Tierklinik. Gemeinsam mit ihrer Freundin Martha sammelt sie regelmäßig auf den Pflegestellen ein, wer gerade Impfungen, medizinische Behandlung oder Untersuchungen benötigt und kümmert sich um die kranken Tiere. Beim Verlassen der Praxis stiess sie fast mit einem jungen Pärchen zusammen, die eine große Schachtel vor sich her trugen und daher nicht sahen, dass jemand entgegen kam.

Rena war neugierig und fragte, was denn in der Schachtel sei. Die junge Frau antwortete,  sie hätten da ein Kätzchen, das sie mitten auf einer Strasse gefunden hatten. Es sei von einem Auto angefahren worden. Sie hatten mit ihrem Motorroller dann den Verkehr aufgehalten und den verletzten und schreienden Zwerg eingesammelt. Rena und Martha wünschten dem Pärchen alles Gute und sie  verabschiedeten sich, eilten zum Auto, sie waren wie immer viel zu spät für den nächsten Termin…und fuhren los…bis es ordentlich krachte und hinter ihnen  jemand laut „STOP“ schrie.

Rena stieg aus, lief  hinter ihren Firmenwagen, um zu sehen was passiert war. Sie hatte ein Motorrad umgefahren, der Spiegel fehlte und das Lenkrad hatte sich in den hinteren Stossdämpfer gebohrt.  Rena war völlig aufgelöst. So etwas war ihr noch nie vorher passiert, sie hatte das Motorrad einfach übersehen. Der Besitzer der Maschine hatte sich unerlaubterweise mitten in die Zufahrt gestellt,  wo man kein Hindernis vermuten würde. Nach einer Weile fand sich der Fahrer des Motorrads ein, es war exakt der junge Mann aus der Praxis, mit der verletzten Katze. Hinter ihm war seine Frau… vollkommen in Tränen aufgelöst! Karton hatten sie keinen mehr bei sich.

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Mittlerweile waren sie mit dem Kätzchen vorstellig gewesen und der Tierarzt hatte ihnen erklärt, wie hoch die Kosten für eine Behandlung sein würden. Eine Summe, die das junge Pärchen niemals aufbringen könnte und so entschieden sie sich schweren Herzens dazu, das Tier zumindest schmerzlos zu erlösen. Deshalb also, hatte die junge Frau so geweint. Sie hätten der Kleinen so gerne geholfen.

Rena hörte sich die Geschichte an, ließ die verdutzten jungen Leute mitten im Gespräch stehen und jagte zurück in die Praxis. Was sie nicht wissen konnten:

Das kleine verletzte Kätzchen war durch diesen „glücklichen Unglücksfall“ zum exakt richtigen Timing an die  einzigen beiden Menschen weit und breit geraten, die mit einem glücklichen Lächeln sagen konnten:

„Keine Sorge, wir werden uns darum kümmern, wir haben Freunde, die diese Kosten übernehmen und das Kätzchen ist ab jetzt in unserer Obhut. Alles wird gut <3″

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Anschließend, als die junge Frau ihre Tränen getrocknet hatte, die  zu Freudentränen gewechselt hatten, als Martha erklärte, was Rena gerade in der Praxis macht, einigten sie sich noch gütlich über die Schadensregelung. Selten waren Menschen so glücklich über einen  Auffahr-Unfall gewesen ❤

Die kleine Shira, wie sie heute heisst,  blieb ca. 1 Woche in der Tierklinik. Die Röntgenaufnahmen zeigten ein gebrochenes Becken, das hintere Beinchen ist mehrfach gebrochen und der Darm ist nach außen gedrückt. Sie hat Durchfall und beschmutzt sich natürlich ständig. Trotzdem steht Shiras Krankenkäfig direkt neben Renas Bett…und es geht ihr heute bereits ein wenig besser. Wir drücken fest die Daumen, dass Karma es weiter gut mit ihr meint.

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Dankeschön, liebe Rena, für diese wundervolle (und wahre) Geschichte und für dein großes Herz ❤

 

Seelenmarzipan, Tierschutz

Mama, wo gehöre ich hin? Meine Gedanken zum Spendenmarathon des Tierschutz-Shops

Es ist kuschlig warm in der Küche. Ich habe Kerzen angezündet und Musik angemacht und während ich gedankenverloren auf einem Keks kaue, lese ich immer und immer wieder ein paar Zeilen durch… ich sollte sie vielleicht übersetzen… meine Freundin Martha von SCARS, Athen, hat sie mir geschrieben. Ich fühle mich plötzlich schlecht, weil ich trotz der Wärme die Kälte bis auf die Knochen spüre, die jetzt an so vielen Orten den Tieren auf der Straße in die Glieder schleicht. Wenn es Abend wird, wenn sie den ganzen Tag noch nichts Essbares gefunden haben und die Feuchte und Kälte ihnen die letzten Kräfte raubt…die Hoffnung und den Lebenswillen. Ich weiss, dass sie auch heute keinen Unterschlupf finden werden und zitternd in einer dunklen Ecke, unter einem Busch oder in einem Hauseingang kauern…bis vielleicht eine Fee vorbei kommt, die etwas Futter verteilt.

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Mavropigi…nur zwei haben überlebt…sie waren bereits halb verhungert, ehe wir sie fanden.

Alle unsere Helfer tun das jeden Abend, wenn sie sich auf den schweren Weg machen, den Ärmsten der Armen das Leben auf der Straße etwas zu erleichtern und sie tun das mit dem Futter, das wir ihnen senden. Sonst wäre auch das nicht möglich. Der Spenden Marathon des Tierschutz-Shops, der gerade läuft ist, unsere einzige Chance, als teilnehmender Verein so viel Futter zu erhalten, wie benötigt wird, um alle unsere Tiere  an den Futterstellen in Griechenland über den Winter zu bringen. 30 Vereine dürfen an diesem Marathon teilnehmen und für jeden Verein bedeutet diese Teilnahme …Futter…mit etwas Glück so viel, dass keines der Tiere in Obhut, diesen Winter hungern muss…nicht in den Sheltern und auch nicht auf der Straße an den Futterstellen.

Trotzdem  bleibt die bange Frage: Wird es reichen? Werden die Menschen auch diesmal vertrauen, dass ihre Spenden ankommen? Wissen sie, wie dringend wir auf diese Spenden angewiesen sind und dass tatsächlich jedes Gramm jeder Euro ankommt und bald viele Leben retten wird? Ich hoffe es so sehr, denn obwohl wir in unserem Verein unglaublich viel auf die Beine stellen…ohne die Aktionen des Tierschutz-Shops, die Werbung für unsere Anliegen, Logistik und vor allem Transportkosten ermöglichen, müssten wir an allen wichtigen Stellen einsparen.

Haben wir genügend Futter, können wir die restlichen Spendengelder für Kastration, medizinische Behandlung, für Unterkünfte, Hütten, Futterspender, Adoptionsvorbereitungen, Impfungen und andere wichtige Dinge verwenden. Haben wir genügend Futter, können wir immer wieder noch armen Einzelkämpfern, verzweifelten Rentnern, engagierten Helfern, zusätzlich zu unseren laufenden Projekten unter die Arme greifen, können wir ihren Tieren Leben und ihnen, Hoffnung schenken.

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Faith… in einem Beutel mit Flüssigkeit im Müll  entsorgt…er hat überlebt ❤

Ich öffne den Link zu unserer Spenden-Wunschliste und stelle erleichtert fest, dass sich langsam aber sicher, der Zähler der benötigten Menge annähert und bin so unendlich dankbar, dass wir dabei sein dürfen. Wir werden es schaffen…bald werden wieder voll beladene Trucks Richtung Griechenland rollen und dort von den ehrenamtlichen Helfern mit Tränen in den Augen in Empfang genommen werden. Tränen der Dankbarkeit, die die Spender selten zu sehen bekommen. Oh, ich wünschte, sie wüssten, wie kostbar ihre Geschenke sind… Sack für Sack, Dose für Dose…nicht nur für die Tiere sondern auch für die Menschen, die ihr Leben den Straßentieren widmen. So wie ich ❤

Dann übersetze ich doch Marthas Zeilen, schreibe ihr, dass alles gut wird und hoffe, auch für  den armen Spiro wird alles gut…irgendwann…irgendwie…und es war noch nicht zu spät, ihn von der Straße zu holen…

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Spiro…er kämpft noch ❤

 

„Mama…wo gehöre ich hin? Sie sagen, Zuhause ist da, wo man willkommen ist. Aber ich war niemals irgendwo willkommen. Mama, wo ist mein Zuhause? Ist es dort, wo ich ich hingehe, wenn ich meine Augen schließe, der ferne Ort, wo ich keinen Hunger und keine Schmerzen mehr spüre und auch nicht mehr einsam bin? Oder ist mein Zuhause da, wo meine Augen von Eiter verklebt sind, wo ich Druck auf den Lungen habe und kaum noch atmen kann, auch nicht mehr essen, weil mein Mund so weh tut und wo alle Menschen mich verachten?

Gestern brachte man mich von der Straße weg an einen Ort, der sich „Pflegestelle“ nennt. Überall gab es Futter und ich wusste gar nicht, was ich davon essen sollte…also aß ich gar nichts. Es gab ein Bettchen für mich, so groß und weich, dass ich gar nicht wusste, wohin ich mich legen sollte…also schlief ich am Boden und selbst da gab es überall Kissen für mich. Aber ich bin immer noch verwirrt. 

Mama…wenn du mich hören kannst, wo auch immer du jetzt bist…Wo ist mein Zuhause? Ist es da, wo ich bin, wenn ich die Augen öffne oder sollte ich an den friedlichen Ort gehen, den ich nur erreiche, wenn ich meine Augen für immer schließe? Wohin soll ich gehen, Mama…wohin?“

(Martha Politis Athanassiou von SCARS, für Spiro) 

 

Falls ihr ein Päckchen für Spiro und alle anderen Fellchen unserer Partner in Griechenland packen möchtet…hier geht es zum Link. Dankeschön!!!!

https://www.tierschutz-shop.de/wunschliste/frieden-fuer-pfoten-peace-for-paws-e-v/

 

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Dankeschön an alle lieben Spender und an das wunderbare Team des Tierschutz-Shops für den Spendenmarathon 2018, der so viele Leben retten wird ❤

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Herzlichst

Bettina

Ein Päckchen packen von unserer Wunschliste, einfach hier klicken ❤

Seelenmarzipan, Tierschutz

Weil Du es mir wert bist …

Liebe Lotta,

als ich das erste Mal mehr über Dich erfuhr, war ich erstaunt…Hübsch und anmutig fand ich euch Gänse schon immer aber ich hatte keine Ahnung, wie liebenswert und intelligent ihr seid. Ihr bleibt eurem Partner ein Leben lang treu, ihr trauert, wenn euer Partner oder ein Mitglied eurer Gänsefamilie stirbt,  eure soziale Intelligenz ist erstaunlich und wenn ein Mensch sich die Zeit nimmt, euch etwas Aufmerksamkeit zu schenken, dann wird er feststellen, wie ihr durch unterschiedliche Laute und Bewegungen miteinander kommuniziert, wie fürsorglich ihr euch um Schwächere in der Gruppe kümmert, wie liebevoll ihr den Nachwuchs groß zieht und wie gerne ihr badet, die meiste Zeit im Wasser verbringt und frisches Gras auf der Wiese zupft …wenn man euch lässt.

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Seit Gänsebraten, Daunen, Gänsestopfleber und Co das Einzige sind, was die meisten Menschen mit euch verbinden und dabei völlig außer Acht lassen, wer ihr seid und wie ihr eigentlich leben möchtet, seit ihr eigentlich nur noch in Massenhaltung vegetiert, gibt es die Gänsemama, die schützend ihre Flügel über den Nachwuchs ausbreitet, nur noch im Märchenbuch.

Etwa eine Million Gänseküken schlüpfen jedes Jahr in Deutschland aber das sind nur ca 15 Prozent des „produzierten Gänsefleisches“.  Der Löwenanteil kommt aus Ungarn, Polen und 95 Prozent der weltweiten Gänse leiden und sterben in China unter Bedingungen, die so grauenhaft wie unfassbar sind.

„Intensive Gänsehaltung“ nennt sich das Ganze, wenn Tausende Tiere in geschlossenen Ställen niemals Tageslicht oder gar das geliebte Wasser zu sehen bekommen. Auch Käfige mit Spalten und Gitterböden sind üblich und eure schmerzhaften Beinverletzungen werden dabei gerne in Kauf genommen, der Verbraucher weiss das nicht…und selbst wenn er es wüsste… wie bei allen wirtschaftlich genutzten Tieren steht einzig der Gewinn im Vordergrund, Geiz ist geil…

Da sich unter solchen Bedingungen auch Tiere nicht unbedingt wie gewünscht vermehren, wird künstliche Besamung eingesetzt. Ihr werdet an Flügeln, Kopf und Hals fixiert, eure Angstschreie hört niemand. Der »Inseminator« führt das Besamungswerkzeug entlang seines Fingers in die Kloake ein. Auch wenn die Geschlechtsteile bei eurer Gattung „Kloake“ genannt werden, sie bleiben trotzdem verletzlich und empfindsam und daher wehrt ihr euch gegen den Schmerz. Daher gibt es noch ein „verbessertes Verfahren“ wo ihr auf den Rücken gedreht und fixiert werdet.  Züchter wissen, dass ihr dann aus Angst regelmäßig Kot absetzt, was die Gefahr für Infektionen erhöht aber dafür gibt es schließlich Antibiotika. Ausbrüten dürfen die Gänsemütter ihre Eier natürlich auch nicht, das übernehmen Automaten.

Um noch mehr Bruteier zu erhalten, verdunkeln einige Gänsezuchtbetriebe die Ställe für einen ganzen Monat. Ihr lebt einen ganzen Monat in völliger Dunkelheit. So versuchen sie, eine zusätzliche Legeperiode zu stimulieren. Man schreibt dazu, es wird vermutet, dass diese „Massnahme“ euer Wohlbefinden als „Augentiere“ beeinträchtigt. Ja, das vermute ich auch, 30 Tage im engen Stall in der Dunkelheit…was soll man dazu sagen?

Gänsestopfleberproduktion ist in Deutschland zwar verboten aber für den Gaumenkitzel wird eure krankhaft vergrößerte Leber einfach importiert und schon ist das Problem gelöst. Gleich über der Landesgrenze darf dann deinen Leidensgenossen mittels eines Rohrs jeden Tag so viel Nährbrühe in den Magen gepumpt werden, bis der Magen platzt oder die Schnäbel brechen oder bis sie einfach vor Angst schier wahnsinnig werden, wenn sie jeden Tag in dem engen Käfig, bewegungsunfähig am Hals eingezwängt, auf die nächste Folter warten müssen, bis der Tod sie erlöst. Viele Tiere sterben lange vor der eigentlichen „Schlachtreife“ und dieser Tod ist eine Gnade, wenn man bedenkt, welche Torturen sie erdulden müssen, bis die Leber so verfettet und aufgeschwollen ist, dass sie den Ansprüchen des Gourmets auf dem Teller genügt.  Fast jeder weiss, wie Gänsestopfleber produziert wird…aber …so leid es mir tut…den meisten ist das gleichgültig. Sie finden, ihr Genuss ist euer Leiden wert.

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Die „Delikatesse der Verzweiflung“ :Gänsestopfleber Bildquelle: PETA

Als ich dann noch lernte, dass Federn und Daunen auch lebenden Gänsen ausgerupft werden, war ich erst einmal sprachlos. Gänse in der Stopfleberproduktion werden meist vor Beginn der Zwangsfütterungsphase und Zuchtgänse insgesamt sogar bis zu 15 Mal in ihrem Leben zu diesem Zweck genutzt.

Werden euch noch durchblutete Federn aus der Haut gerissen, entstehen blutige Verletzungen der Haut und große Schmerzen. Das Ganze erfolgt im Akkord und man kann sich vorstellen, wie dabei mit euch umgegangen wird, wenn ihr vor Angst und Schmerzen kreischt,  sechs bis zwölf Minuten pro Gans… da kann schon einmal ein Flügel brechen…oder ein Beinchen… es läuft als Kollateralschaden mit.

Aber noch schlimmer ist das maschinelle Rupfen. Es führt zu schlimmen Hautverletzungen und Schmerzen. Das Ausrupfen der Rückenfedern ist besonders schmerzhaft, denn dafür ist ein größerer Kraftaufwand, ein gewisses Maß an Brutalität nötig. Anschließend werden die klaffenden Fleischwunden meist ohne tierärztliche Kontrolle und Schmerzmittel grob genäht.  Das ist in der EU eigentlich verboten. Dennoch ist diese Praktik in einigen europäischen Ländern Europas, Ungarn, Polen…immer noch üblich.

Aber die Menschen sorgen sich auch um euch, oder besser gesagt, um euer kostbares Gefieder. Am Abend vor dem Rupfen gibt es kein Futter mehr. Das soll verhindern, dass ihr vor Angst und Schmerz erbrecht oder unkontrolliert Kot absetzt und das Gefieder verschmutzt.

Es ist…wie so vieles,… eigentlich verboten, euch für diese schlimmen Prozeduren an Hals oder Flügel zu tragen aber passiert ständig und ihr verbringt dann den Rest eurer Tage mit schmerzhaften Fehlstellungen, ausgerenkten Gliedern und herunter hängenden Flügeln. Denn wenn ihr euch aus Angst und Panik wehrt, biegt man euch brutal den Kopf unter den Körper. So seid ihr wehrlos. Das führt bereits vor dem eigentlichen Rupfen zu  Stress, schweren Verletzungen und Knochenbrüchen.

All das tut mir wahnsinnig leid, liebe Lotta. Und ich denke, ich muss Dir nicht extra versichern, dass ich seither…seit ich all das erfahren habe, …weder Gänsebraten noch Daunen und schon gar keine Stopfleber konsumiere… weil Du es mir wert bist!

Ich versuche den Menschen nahe zu bringen, welches unendliche Leid das „Ganserl Essen“,  die  „Martinsgans“, die Daunenjacke und vor allem die Gänsestopfleber bedeutet …und ich schäme mich dafür…was wir Dir und deinen wunderschönen, intelligenten und liebenswerten Artgenossen antun… „Weil wir es uns wert“ sind und weil ihr keine Stimme habt. Lass mich Deine Stimme sein, Lotta… vielleicht hört uns jemand  ❤

 

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Weil DU es mir wert bist ❤

Info/Quelle:  PETA, Albert Schweizer Stiftung

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Quelle. PETA Stopfen für Gänsestopfleber
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Quelle: PETA :  Daunen
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Quelle: Vier Pfoten/Greenpeace ( Martinsgänse)
Aufreger, Lifestyle, Seelenmarzipan

Warum ich keinen erotischen Adventskalender möchte…

Ob ich auch schon einen „Amorelli“ Erotik Kalender habe, wurde ich kürzlich gefragt. Da ich kaum Fernsehen sehe und daher auch erfreulich wenig Werbung, musste ich mir erst erklären lassen, was es mit diesem Kalender auf sich hat, der derzeit offensichtlich in jeder Gesprächsrunde und auf vielen Nachttischen zu finden ist. Ein Erotik Adventskalender, wurde ich belehrt, ein Adventskalender, gefüllt mit „hochwertigen erotischen Geschenken, für SIE und IHN. Als ich den Preis hörte, war ich neugierig, was Frau für dieses Sümmchen wohl hinter den Türchen verborgen findet und googelte mich durch das bunte Angebot der Adventskalender „für Erwachsene“… sie scheinen derzeit sehr beliebt zu sein.

Ich glaube, ich wäre fürchterlich verärgert, würde mir ein Mann dieses Sammelsurium aus Kondomen,  Plastik Sex Toys, Vibratoren, Batterien, Ladekabel, unpersönlicher Dessous und Gleitcreme, samt  „Bondage-Set für Anfänger“ als Geschenk offerieren. Dazu noch die online Anleitungen, wie das Ganze perfekt (und korrekt) eingesetzt werden kann  … unter dem Motto:, „wertvolle Anregungen“, um mein Sexleben zu optimieren…Geht´s noch etwas peinlicher??? Ist so ein Kalender nicht eher eine Bankrotterklärung für das aktuelle Sexualleben der Käufer?

Dessous… um mit dem Artikel zu beginnen, der mich noch am ehesten angesprochen hat …Dessous werden individuell ausgesucht und gekauft, wenn man auch der Trägerin eine Freude damit bereiten möchte. Irgendwelche No – name, „fit for all“ Teile hinter einem Türchen entsprechen eher nicht meiner Vorstellung von individuell und liebevoll aussuchen, zumal das gemeinsame Einkaufen auch bereits ein Teil der Freude ist…

Vibratoren, dazu eine Wagenladung Netzteile und Batterien, samt Gebrauchsanleitung … kann man mögen… ich denke nach wie vor, dass es nichts gibt, was ein Apparat besser könnte, als gefühlvolle Lippen, Zungen oder Finger … kommt das Ganze noch in Knallfarben daher und benötigt erst ausgiebiges Studium  einer Gebrauchsanleitung …sinkt mein erotisches Level alleine bei dem Gedanken daran in ungeahnte Tiefen… und Kondome mit Fruchtgeschmack hinter den Türchen eines Adventskalenders, tausche ich jederzeit gerne gegen Marzipan Pralinen 😉 .

Auch alle anderen Gimmicks in diesen Kalendern, wie Gleitgel, Massageöl und Duftkerzen kauft man meiner Ansicht nach, wenn man es kauft, doch lieber ganz nach dem individuellen Geschmack, gerne auch etwas hochwertiger und zu einem anderen Anlass. Ob die Anfänger Variante für Bondage Fans unbedingt in einem Adventskalender so optimal aufgehoben ist, sei dahin gestellt. Besinnliche und vorweihnachtliche Gefühle verbinde ich jetzt nicht gerade damit aber das ist ja auch nicht Sinn der Sache.

Sinn der Sache ist, mit billigen Artikeln für einen überhöhten Preis, dem Käufer dieser Kalender die Illusion zu vermitteln, sie wären wahnsinnig trendy, hip und begehrenswert. So gesehen, sind 150 Euro eigentlich ein kleiner Preis für so viel Illusion…

Liest man die Produkt Bewertungen, scheinen auch einige Käufer dieser Meinung zu sein. Es war sicher sehr „weihnachtlich“ in den jeweiligen Schlafzimmern 😉

Voll enttäuscht, habe viel mehr erwartet. Warenwert ist bestimmt nicht mal die Hälfte vom Preis… Womanizer mit nicht aufladbaren/ersetzbaren Batterien und einem Gutschein für Premium Produkt… WTF?

Eine sehr schöne Idee, wie man seine Liebe auf andere Weise, 24 Tage und Türchen lang zelebrieren könnte,  habe ich dann bei meiner Recherche auch noch gefunden:

Einen Adventskalender  mit 24 Liebesbotschaften, die vom Schenkenden individuell von Hand ausgefüllt und ergänzt werden. Ich könnte mir vorstellen, dass das Öffnen solcher Türchen und das Lesen solcher Liebesbotschaften, aphrodisierender und  anregender für erotische Stunden wirkt, als jeder Plastik „Womanizer Premium“, mit einem extra Satz Batterien“ … nur so eine Idee 🙂

ich liebe dich

 

Kurzgeschichten, Lifestyle, Seelenmarzipan

Der Friedhof der wertlosen Träume

Meine Leidenschaft für Vintage, für Kostbarkeiten aus vergangenen Dekaden, führt mich immer wieder an interessante Orte. Das kann ein verlassener Friedhof sein, dessen Grabsteine spannende Geschichten erzählen, Trödelmärkte oder Second Hand Boutiquen. Heute war ich an einem Ort, den ich trotz aller Schätze, die dort in den Regalen standen, trauriger und bedrückender empfand, als jeden Friedhof, den ich bisher besuchte. Es war der Gebrauchtwarenmarkt der Diakonie, wo in erster Linie die Erben den Hausrat ihrer Eltern und Großeltern entsorgen, eine Fundgrube für schönes Geschirr, alte Schränke, Vasen, Bilder  … alles was das Herz eines Vintage Freaks  begehrt und was heute gar nicht mehr hergestellt wird.

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Neben jeder Menge billigem Tand und Scheusslichkeiten, der Stilrichtung „Gelsenkirchener Barock“ sah ich auch kostbare Kristallgläser, mit handgemaltem Goldrand, Teeservice aus feinstem China Porzellan oder kunstvoll gefertigte Vitrinen aus der Gründerzeit, die in billigen Regalen oder achtlos auf dem nackten Betonboden aufgereiht standen und zum Spottpreis verscherbelt wurden.

Unvermittelt musste ich an meine Großmutter denken, wie sie zu feierlichen Anlässen die „feinen“ Gläser aus der Vitrine nahm und mit Argusaugen darüber wachte, dass kein Rand, kein Tropfen Flüssigkeit auf ihren auf Hochglanz polierten Wohnzimmertisch kam. So wie sie müssen wohl auch die ehemaligen Besitzer über ihre Schätze gewacht haben, die teilweise wie neu aussahen, obwohl sie viele Jahrzehnte auf dem Buckel hatten. Jedes dieser Teile war einmal sehr kostbar für jemanden gewesen, vielleicht musste er lange darauf sparen, vielleicht waren es wertvolle Erinnerungen, wie die Silberpokale und Bierkrüge mit Widmung, die es in dieser Lagerhalle dutzendweise und fast geschenkt zu kaufen gab.

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Ich fragte mich, wie die ehemaligen Besitzer sich wohl fühlen würden, wenn sie sehen könnten, wie ihr behütetes Klavier zwischen billigen Pappbildern und vergilbten Stofflampen feil geboten wird, wie jetzt  ihre mit viel Liebe zusammengetragenen Sammeltassen zu Pfennigspreisen den Besitzer wechseln und an ihrer Prachtvitrine die Türe aus den Angeln hängt, weil jemand unachtsam damit umging, während sie in die Lagerhalle transportiert wurde.

Ob sie all die wunderschönen Dinge vielleicht öfter benutzt hätten? Ob sie vielleicht nicht lieber bereits zu Lebzeiten einen guten Verkauf arrangiert hätten und das Geld dann gespendet? Ob sie sich ärgern, dass sie sich über jeden Fleck und jeden Kratzer unnötig aufgeregt haben?  Ich weiss es nicht aber ich konnte die Atmosphäre des Bedauerns fast sichtbar zwischen den alten Möbeln und Gläsern wabern sehen, die Gegenstände erzählten mir ihre Geschichten, während ich von Regal zu Regal schlenderte und überlegte, wen ich „retten“ könnte, wer zu mir passt und noch einmal sein großes Comeback als wertgeschätzter und oft benutzter Gegenstand feiern sollte.

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Ich entschied mich heute für eine Lampe aus Gusseisen und ziseliertem Glas. Sie sah so aus, als wäre sie einst in einem Wohnzimmer zuhause gewesen, wo jemand Freude an verspielten Details und Qualität hatte. Das Eisen war auf Hochglanz poliert. selbst die Schrauben waren sorgsam gefertigt und die  Glasschirmchen versprachen angenehmes Licht. Sie kostete trotzdem kaum mehr als die dazu passenden Glühbirnen oder ein Plastikteil aus Fernost. Der Wert vieler Dinge ist sehr relativ, heutzutage ganz besonders…

Fast schon am Ausgang fiel mein Blick auf einen Karton mit Kakteen, viele Kakteen. Sie waren mir bereits vorher aufgefallen. Irgendjemand musste sie einmal liebevoll gesammelt und gepflegt haben. Jetzt standen sie viel zu eng aneinander gereiht in einem Pappkarton auf dem Fussboden und überall in der Lagerhalle verteilt, in der eisigen Zugluft und warteten darauf, zu verdorren oder vielleicht doch … mitgenommen zu werden.

Eigentlich mag ich keine Kakteen, mein rechter Mittelfinger ist jetzt noch geschwollen, von der letzten Umtopfaktion mit einem besonders widerspenstigen Exemplar, voller scharfer Stacheln  … aber sie gingen mir nicht aus dem Kopf. Sie waren einst einmal sicher sehr wertvoll für jemanden … der Traum einer eigenen kleinen Kakteen Sammlung, die hübsch aufgereiht auf der Fensterbank steht, die Töpfchen liebevoll mit Ziersteinen bestückt…und von einem Tag auf den anderen, mehr oder weniger Abfall…

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Ich glaube, morgen werde ich nachsehen, ob die Pflanzen noch dort stehen…

Lifestyle, Seelenmarzipan, Tierschutz

Das rote Kleid…

Wer meinen Beitrag über chronische Erkrankungen kennt, der ahnt, dass ich auf diesem Gebiet mitreden kann.  Mal gewinnt der chronifizierte Virus, mal gewinne ich aber in Zeiten von Stress hat er einfach die besseren Waffen und seit geraumer Zeit verliere ich eine Schlacht nach der anderen… wann wäre schon einmal kein Stress ? Das war übrigens auch der  Grund, warum es mir nicht möglich war, diesen Sommer zu Dreharbeiten nach Griechenland zu reisen. Hätte ich es mal getan, insgesamt wäre der Stress dann wohl geringer ausgefallen, aber das ist eine andere Geschichte..,

In dieser Geschichte geht es um eine Feier…auch nicht ganz unwichtig, wenn man manchmal den Kopf frei tanzen muss, um wieder Platz zu machen, für das nächste Elend, das herein drängt und für seine Freunde, die nicht ganz das Gefühl haben sollen, einzig mit einer verbitterten Version von „Mutter Teresa reloaded“, Kontakt zu pflegen.

Damit solche Auszeiten auch Spass machen, benötige ich vorher eine osteopathische Behandlung, das Einzige was mir wirklich hilft, ohne Schmerzmittel über die Runden zu kommen und was als extra Bonus auch immer einen wunderbar entspannten Ausdruck in meine Gesichtszüge zaubert…es hält leider nur  für ein paar Stunden an aber es funktioniert.. und ich liebe diese Sessions.  Sie finden in der Praxis meiner Freundin statt, die nicht nur begnadete Hände und jede Menge Fachwissen ihr eigen nennt sondern auch einen exquisiten Geschmack.

„Was wirst du anziehen, heute Abend?“, fragte sie mich, als wir fast fertig waren.

„Hm, keine Ahnung“ Ich betrachtete nachdenklich meine abgebrochenen und von den Malerarbeiten noch verklebten Fingernägel… „der Großteil meiner Kleidung ist sowieso noch irgendwo unter den Kartons mit Halloween und Weihnachtsdeko verpackt…Jeans, vielleicht und einen Blazer… und Schuhe habe ich derzeit nur in schwarz, die passen würden, für den Anlass. Blöd, der Blazer ist dunkelblau…“, sinnierte ich laut.

„Du wirst heute Abend ganz sicher nicht wieder in Jeans gehen! Zieh ein Kleid an, du kannst jedes Kleid tragen, andere würden dich darum beneiden. Irgendein kleines Schwarzes hat doch jede Frau.“

„Ich aber nicht! Ich besitze kein einziges Kleid, und außerdem bin ich nicht „jede Frau“, antwortete ich fast schon beleidigt.

Sie dachte erst, ich scherze, sah mich abschätzend an und dann unterbrach sie die Behandlung und griff zum Telefon.“Sei so lieb und bring aus meinem Kleiderschrank das Rote Kleid, es ist knielang, mit Trompetenärmeln und hochgeschlossen, du findest es ganz leicht“ bat sie ihre Tochter und 5 Minuten später hatte ich ein knallrotes Kleid unter dem Arm und verließ damit die Praxis.

Noch war  ich nicht so ganz überzeugt und nach der ersten Anprobe, fühlte ich mich  eher wie für Fasching als für eine Abendveranstaltung gekleidet, zu auffällig…fremd…aber irgendwie…auf den zweiten Blick…besser als das, was ich derzeit aufzubieten hätte und außerdem wäre sie sicher gekränkt, wenn ich es nicht trage…Kleinstadt, …sie würde es ganz sicher erfahren 🙂 . Also kramte ich in den Kartons nach dem passenden Schmuck, Nagellack und was Frau sonst so benötigt und machte mich an die Arbeit.

An diesem Abend erhielt ich mehr Komplimente als die letzten Jahre zusammen genommen…, an diesem Abend war mir plötzlich seit langem wieder bewusst, dass es  Spass macht, sich auch einmal weiblich zu kleiden und sich manchmal (ok, nicht zu oft 🙂 ) völlig unwichtigen und überflüssigen Dingen zu widmen, auf diese Weise neue Kraft zu tanken… Noch in derselben Nacht schickte ich meiner Freundin eine Whats App  mit vielen Herzen und der Ankündigung, …dass sie dieses Kleid nie mehr wiedersehen wird,  ❤

Hier lesen so viele Tierschützer(INNEN) mit, die teilweise völlig vergessen haben, wie es ist, sich Auszeiten zu gönnen, sich selbst etwas zu gönnen, und wenn es ein leckeres Essen, ein Museumsbesuch, ein Konzert oder einfach Blumen sind, just for fun…es muss nicht unbedingt ein Kleid sein…aber es ist unglaublich wichtig, zwischen den täglichen Gängen durch die Hölle, kleine, luxuriöse  Inseln einzubauen, sonst wird man Opfer der Glut und verbrennt viel zu schnell. Falls ihr keine so tolle Freundin habt, wie ich, dann erinnere ich euch hiermit daran ❤

Natürlich war auch während der Feier mein Handy nicht aus und mittlerweile gibt es auch in meiner kleinen Stadt eine Frieden für Pfoten Community auf jeder Veranstaltung, wo die aktuellen Geschehnisse in und um unsere Oganisation für Gesprächsstoff sorgen…aber alles in allem, waren es wunderschöne und sorgenfreie Stunden und ich denke, morgen werde ich mich einmal umsehen, wo es schöne Kleider in unserer Region zu kaufen gibt. Der letzte Versuch dieser Art endete mit einer Katzen Rettung (Robinson) und ohne Kleid. Wir werden sehen ❤

Kleid