Tierschutz, Chance, Seelenmarzipan

„Sei ganz du selbst…und die Welt wird sich anpassen“, haben sie gesagt…stimmt das wirklich?

„Sei immer mutig, steh zu dem, was du tust, bewahre deine Phantasie und Kreativität und deine Freude, sie auch zu leben …“
Solche Sätze sollten Eltern ihren Kindern nicht nur vorsagen sondern auch vorleben, wenn sie es wirklich ernst damit meinen.
Oft sind das ja nur halbherzige Lippenbekenntnisse, die Realität sieht anders aus. Die meisten Erwachsenen verlieren diese Gabe und konsumieren nur noch Phantasie und Kreativität anderer … oder sie machen sich darüber lustig…

Was Eingangs erwähnten Satz betrifft, gehe ich wirklich mit gutem Beispiel voraus.
Ich lebe Kreativität auf meine Weise. Ich spreche und schreibe zum Beispiel mit Katzen, mit blinden, mit toten…mit kranken…mit Katzen, die sehnsüchtig warten.
Meine Briefe an Pax, Valerion, an Iron, an Lillyfee, an Prinzesschen Julchen, an so viele, haben Zukunft, Gesundheit und Glück gebracht, wo vorher niemand groß interessiert war, zu helfen, zu adoptieren oder zu spenden. Auch die kleine Hundeprinzessin Victoria, auf drei Beinchen und als Zwitter geboren, fand so ihr Glück.

Ich bewahre mir meine Freude, phantasievoll zu schreiben…an den großen Kürbis, an mein Tagebuch, notfalls an einen Baum oder an meine ausgemusterte Handtasche… und stellte dann mit großer Freude fest, dass es viele Leser gibt, die diese Form der Kreativität schätzen, die die darin verborgenen Messages verstehen oder sich einfach von meinen Texten gut unterhalten fühlen. Ich würde es aber auch einzig für mich schreiben, weil es Spaß macht.

Das meiste im Leben, was wir tun und was getan werden muss, das ist trockene Routine.
Man kann noch so klug und noch so gebildet sein, verkümmert der Teil des Gehirns, den wir als Kinder so ausgiebig und gerne nutzten, die Bereiche, zuständig für Phantasie, Spontanität, Kreativität…und auch für den Mut, Neues zu probieren, immer neugierig auf Neues zu sein und keine Angst vor dem Scheitern zu haben…sich vielleicht sogar lächerlich zu machen, …wenn wir diese Fähigkeiten verlieren, dann verliert das Leben viel von seinem wunderbaren Potential.
Und nebenbei bemerkt, es sind gerade diese Dinge, die unsere Organisation neben harter Arbeit auch zu dem machten, was sie heute ist:
Liebe, Phantasie und Kreativität.
Weil bei uns Raum dafür ist und wir uns gegenseitig bestärken und beflügeln, all das zu leben…und weil viele aus unseren Reihen dabei ungeahnte Talente für sich entdecken und weiterentwickeln, die den Tieren helfen.

Warum ich das schreibe? Weil ich es ein wenig armselig fand, dass sich jemand öffentlich über meine Kürbisbriefe lustig machte und fragte, ob man besorgt sein muss, wenn jemand an einen Kürbis schreibt.
Meine Antwort darauf:

Sorgen würde ich mir erst machen, wenn ich das nicht mehr tun möchte und falls er mir nicht mehr antwortet 

Und jetzt muss ich leider aufhören zu schreiben, denn ich muss heute noch einen wichtigen Brief an Wilbur Wildmaus fertigstellen, es geht um unseren Weihnachtszauber.
Wir freuen uns schon sehr darauf 

Lasst euch eure Freude an dem, was immer ihr auch tut, von niemandem nehmen. Ganz gleich ob ihr die Sticker von Bananen sammelt, Bauchtanz in Vollmondnächten liebt, verrückte Kleidung im Alltag, ein wildes Tattoo plant, schräg Geige spielt, eure Wände kunterbunt bemalt oder Texte an imaginäre Kürbisse zu Papier bringt.
Es sind einzig die Kleingeister, die damit ein Problem haben…weil sie diesen kostbaren Schatz längst nicht mehr besitzen oder ihn niemals hatten:
Lebensfreude, Phantasie …und den Mut sie auch zu leben 

Sei ganz du selbst…und die Welt wird sich anpassen…und wenn nicht? 

Egal 🙂
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wilbur blume

(c) Copyright Bild  mit freundlicher Genehmigung von Elke Matthes Fotografie

Die Welt der Wildmäuse

Kurzgeschichten, Seelenmarzipan, Tierschutz

Was für ein Jahr… mein Jahr? … der Kürbisbrief 2019

Hallo lieber großer Kürbis,

diesmal ließ ich mir etwas Zeit für meinen jährlichen  Brandbrief an dich, denn ich musste erst die Gedanken sortieren. Manche deiner Geschenke kommen eher wie eine riesengroße, schmerzhafte Ohrfeige daher und erst nach einiger Zeit bemerke ich,  dass du mich auf diese Weise nur nachdrücklich und liebevoll in eine Richtung geschubst hast, die ich alleine nie gegangen wäre, obwohl es an der Zeit war. Zunächst erscheint alles immer wie ein riesen Verlust…

 

Luna zum Beispiel. OMG, Lunchen… ich habe bereits Tränen in den Augen, wenn ich nur ihren Namen schreibe und doch… bei allem Schmerz weiß ich, du hast den Zeitpunkt richtig gewählt, du schenktest uns noch zusätzliche zwei Jahre, weil du wusstest, dass… du weisst ja immer alles ❤

Jetzt war mein altes Mädchen müde und die Schmerzen nicht mehr tolerierbar und so wie sie von mir ging, sollte jedes Tier einschlafen dürfen. Danke dafür ❤

Dann gab es das ein oder andere Projekt, für das ich Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt hatte. Für die ich Tausende von Arbeitsstunden investierte, alle Kontakte, alles was mir an Inspiration, Bestechung, Einsatz und Beziehungen nur irgend einfiel…es wurden erfolgreiche Projekte…wo vorher nur Armut und Verzweiflung herrschte, Tiere starben und Menschen mutlos wurden, da zauberte mein Team volle Näpfe, Vernetzungen deluxe und stabiles Arbeiten. Kein Hahn hat vorher danach gekräht. Ich wollte helfen.

Manche nannten es auch ein Wunder. Ich wurde trotzdem fallen gelassen, wie eine heiße Kartoffel, als man glaubte, mich nicht mehr zu benötigen. Als zu wenig schien, was wir bieten können und möchten. „Viel“ war nicht mehr „genug“. Es ist sehr schnell vergessen, was geleistet wird, nicht nur im Tierschutz. Etwas, das sich wie ein roter Faden durch all die Arbeit zieht, seit Syrien 2015. Schon interessant.

Aber die Tiere vergessen nicht, auch wenn sie niemals erfahren werden, wer seine Finger im Spiel hatte und das auch nicht müssen. Es reicht, wenn ich das weiss. Dein Geschenk dabei? Ich habe es erst nach einigem Überlegen erkannt. Auch da hast du mir Freiheit geschenkt, so wie bei Luna. Mich aus meinem selbst gewähltem Gefängnis aus Verantwortung und Verpflichtung geholt, das keinen Raum für Anderes mehr ließ, auch wenn die Gitterstäbe aus Liebe gefertigt waren. Es blieb ein Gefängnis und es blieben Gitterstäbe. Jetzt bin ich frei.

Und dann war ich soo sauer auf dich, weil du meinen Wunsch nach einem Haus nicht erfüllen wolltest. Was habe ich Häuser besichtigt, Anzeigen verfasst, bin Strecken abgefahren,  habe Makler kontaktet, das letzte Jahr und was gab es für Pleiten, Pech und Pannen. Justament als ich diesen Traum gerade endgültig begraben wollte, schicktest du mir ein paar wundersame Wendungen, ein paar Freunde, die völlig unabhängig voneinander, wirklich verrückte Dinge für mich ermöglichten, und voila … das Haus aus dem Bilderbuch meiner Träume, das Haus, das alles aus der Wunschliste meiner Sehnsüchte erfüllt, sogar an den Bach vor dem Garten hast du gedacht ❤  wartet jetzt auf mich. Noch ist es nicht das Haus meiner Träume, aber ich werde es mir so bauen… 2020 wird mein Baumeister Jahr und dafür allein könnte ich dich niederknutschen. Ich freue mich so unendlich darauf!!

Tja und da waren noch die Freunde…all die alten und neuen, die mir durch sämtliche Grabenkämpfe  und Irrungen und Wirrungen 2019 folgten, sei es als Teamworker für unglaublich tolle Projekte,  für Leben und Hoffnung unserer vierbeinigen Schützlinge, sei es, um mich daran zu erinnern, dass man auch ab und an Party machen muss um das ewig Leid zu überleben und natürlich, um mich daran zu erinnern, wer ich bin. Ich hatte das fast vergessen.

Ich wollte ja einst eigentlich Geschichten schreiben, lustige und positive, ich wollte natürlich auch möglichst vielen helfen und etwas bewegen aber nicht um den hohen Preis, den es mir abverlangt. Nicht in meinen düstersten Träumen hätte ich mir vorstellen können, mit welchem Irrsinn und mit welchen Anfeindungen man zu tun hat, nur weil man seinen Job erledigt. Das wird sich jetzt ändern. Ich habe bereits damit begonnen.

Wer es sich im Tierschutz leicht macht, wer hier und da und allen einmal ein paar Brosamen schenkt…der ist der Held, den lieben alle.

Wer hart und zielführend auf Ressourcen achtet, auf den punktuellen Aufbau von Strukturen und die langfristige Versorgung, der wird angefeindet, gemobbt und ist leichte Zielscheibe für jeden Proleten, Hater und Idioten und Gestörten, der des Weges kommt. Gründe findet man immer und wenn nicht, erfindet man sie.

Ansonsten fiel es ja schwer, mir etwas vorzuwerfen, wenn man sich gerne auf Facebook eine Bühne schaffen wollte…Was hätte man sonst hässliches über mich schreiben sollen?  Kaum jemand in der Szene arbeitet so hart, ehrlich und effektiv wie ich. Also zog man die Nummer mit „sie gönnt keinem etwas“ aus der Schublade… weil ich unsere Projekte schützte. Weil unser Team immer geschlossen für das stehen muss, was wir gemeinsam versprochen haben.  Weil ich nicht zum Kaffeplausch und Seele streicheln in den Gruppen bin sondern dort Ziele habe, die eingehalten werden müssen, wenn Projekte stabil bleiben sollen. Dafür wurde ich hart angegangen und darauf habe ich keine Lust mehr. Wenn alle das offensichtlich so gut finden,  (oder zumindest viele) kann ich das ab jetzt auch …allen gönnen… , wie das so schön geschrieben wurde, oft geschrieben wurde, bis ich jetzt an dem Punkt bin, an dem ich denke:

Why not? Wird bestimmt nicht lustig, aber nicht mehr mein Problem,  wenn dabei  an einigen Stellen immense Einbrüche stattfinden werden. Von nichts, kommt nichts 😉

Diese Freiheit, all das jetzt zu tun, nach links und rechts und überall zu gönnen und zu verteilen, jeden hantieren zu lassen, und wenn nichts mehr da ist, dann ist eben nichts mehr da … den Mühlstein der Verantwortung abzulegen, den ich mir selbst umgehängt hatte, diese neue Freiheit war unter dem Strich auch ein Geschenk, vielleicht dein Größtes. Freiwillig wäre ich nie darauf gekommen. Du musstest mich also unsanft schubsen. ❤

Luna würde jetzt zufrieden nicken. Sie hat mich oft vorwurfsvoll angesehen, wenn ich wieder einmal mit Tränen in den Augen las, was ich für meine Arbeit für unfaires Feedback erhalte.  Sie wusste lange vor mir, wie unsinnig es ist, alleine oder mit einigen wenigen, einen Staudamm aufhalten zu wollen….verzweifelt und mit aller Kraft dem Druck stand zu halten, während andere, links und rechts von mir, lächelnd die Schleusen öffnen und mir dabei auch noch zurufen,  was ich für ein Idiot bin… es zu versuchen.

Bitte sag ihr, wie sehr sie mir fehlt und dass ich an Halloween eine Kerze für sie anzünden werde, …meine schönste …

Lieber großer Kürbis, die persönliche Wunschliste für mich wird diesmal an Halloween sehr übersichtlich sein. Du hast sie mir, bis auf einen, bereits alle erfüllt. Auch wenn es anfangs oft nicht so aussah, 2019 war MEIN Jahr. Und das mit der Gesundheit wird sich sicher auch noch finden, wenn ich zukünftig anders arbeiten werde. Ganz anders ❤

Deine Bettina

PS: Wie findest du meinen großen Kürbis vor der Türe…es war der Größte, den ich jemals finden konnte…und mehr als angemessen für deine Hammer Leistung ❤

 

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Katze, Kurzgeschichten, Seelenmarzipan

Im Sternengarten …

 

Im Sternengarten

 

Als Katzenmutter Bastet sah,

wie krank du bist und schwach,

und keine Heilung möglich ist, ….da küsste sie dich wach.

Sie streckte ihre Arme aus und flüsterte:

„Komm her,

dein Weg ist jetzt zu Ende

er wurde dir zu schwer.

Dein Weltengarten wechselt jetzt

und wird zum Sternengarten

und dort wirst du als Hoffnungslicht

auf deinen Menschen warten.

 

Wenn sie dich liegen sehen wird,

so friedlich, ohne Pein

dann wird dein Mensch erst weinen

und doch getröstet sein.

Sie weiß dass du jetzt glücklich bist,

befreit von Schmerz und Leid

im Sternengarten  warten wirst,

bis auch sie  bereit.“

 

Die Katzenmutter Bastet,

trug lächelnd meinen Schatz

hinauf zum Sternengarten,

jetzt Lunas neuer Platz

 

Bettina Marie Schneider

 

Katze, Kurzgeschichten, Seelenmarzipan, Tierschutz

Für mein süßes Katzenmädchen mit dem Herzen aus Kruppstahl <3

Es war nicht so, als ob all das überraschend kam… wenn man mit einem schwer kranken und steinalten Lebewesen zusammen lebt, dann ist man vorbereitet. Ich war seit langem vorbereitet und trotzdem zog es mir den Boden unter den Füßen weg.
Vielleicht, weil sie wirklich etwas besonderes war. Ihre Intelligenz war manchmal fast erschreckend.
Ganz sicher aber auch, weil wir in 18 Jahren unglaublich eng zusammen gewachsen waren und es niemanden sonst gab, neben ihr, auf den die Liebe aufgeteilt werden konnte. Besonders das letzte Jahr, war Luna mehr oder weniger 24h mein Schatten. Meine Gedanken drehten sich einzig um ihr Wohlbefinden… und umgekehrt genauso…wenn ich Beistand benötigte, als zum Beispiel im letzten Winter mein Augenlicht große Sorgen machte und ich panisch vor Angst war, nicht mehr arbeiten zu können…oder Auto fahren.. oder als … ach, es gab einiges im letzten Jahr, bei dem ich Beistand benötigte… Und wann immer ich eine Hand brauchte, reichte sie mir ihr Pfötchen.

Als die Tierärztin gegangen war, wiegte ich den toten, aber noch weichen und warmen Körper eine Zeit lang in meinen Armen und verabschiedete ihre Seele.
„Gib mir Zeichen. Zeichen, die ich auch erkenne…“ ,weinte ich in ihr Fell. „Bitte lass mich nicht allein…“.
Dann tat ich, was man so tut, wenn man etwas unglaublich Wertvolles verloren hat.

Eine Kerze anzünden. Weinen. Nachsehen, ob sie auch bequem in ihrem kleinen Sarg liegt. Dann weinen. Überlegen, wo ich sie begraben soll. Dann noch mehr weinen, denn an dem Abend, genau an dem Abend, als ich strahlend nach Hause kam und ihr erzählte, dass ich das perfekte Haus für uns gefunden hatte…da war sie die erste Nacht nicht von der Couch mit ins Schlafzimmer gefolgt. Zum ersten mal, in ihrem gesamten Leben. Sie war zu schwach. Da wusste ich, es geht zu Ende.
Sie würde nie mehr den wunderschönen Garten am Wald, mit dem kleinen Bächlein erleben, den ich für sie ausgesucht und endlich, endlich gefunden hatte.
Vielleicht war ihre Mission jetzt erfüllt, mich bis zu diesem Schritt zu begleiten. Ich glaube, ohne sie an meiner Seite, hätte ich es niemals geschafft. Ein Wunder, wie ihr kleines Herz eisern durchgehalten hat, woher sie die Kraft nahm… ich glaube, es war die Magie der Liebe. Sie wusste, dass ich sie in diesem Jahr, mehr denn je brauchte. Es war noch keine Zeit zum sterben…

Ich weinte, als ich ihren kleinen Sarg mit Blumen schmückte, als ich zum 1000. Mal nachsah, ob sie auch wirklich tot ist und ob sie gut liegt…ich weinte, während ich ein paar Besorgungen machte, alles was ich auf ihr Grab pflanzen möchte und dann später samt ihrem Sarg mit umziehen … und wer das nicht verstehen kann, weil „es ja nur eine Katze war“ … der hat keine Ahnung von Liebe, die sich in so vielen Gestalten zeigt und die keinen Unterschied macht, ob das Herz, das man liebt, in einem Körper mit zwei oder vier Beinen schlägt.
Ich weinte, als ich die Erde über das kleine Kistchen mit ihrem Körper schaufelte, als ich die Blumen pflanzte, ein Bild machte.

„Ich werde nie mehr schreiben können, ohne traurig darüber zu sein, dass sie nicht hinter mir am Rechner sitzt oder auf dem Schoss“, dachte ich, während ich auf einem langen Spaziergang im Wald die Gedanken sortierte. Schreiben und Luna waren immer untrennbar miteinander verknüpft.
Es gab nichts mehr für mich zu tun.
Alles war erledigt, Luna war begraben, vorbei, Geschichte.
Ich wollte nicht schreiben, nicht lesen, nicht einmal, was man mir Liebes zu ihrem Tod geschrieben hat, nicht essen, … ich war erschöpft und müde. Trauer macht müde und zieht die Energie wie ein riesen Staubsauger aus den Knochen und die Lebensfreude aus dem Herzen. Ich schlief ein.

Auch im Traum verfolgte mich die Trauer. Ich sprach mit ihr.
„Es reicht mir nicht, dass du immer bei mir im Herzen bist. Ich möchte dich anfassen und streicheln, dich um mich haben. Ich kann nicht arbeiten ohne dich. Ich werde nie mehr arbeiten und schreiben können…“
Luna zuckte in meinem Traum nur kurz mit der Schwanzspitze. Immer ein Zeichen, dass ich ihre Geduld überstrapaziert hatte und gleich ihren spitzen Zähnchen ausweichen musste.
„Du musst wieder schreiben. Das wissen wir beide. Und ich werde dir jemanden schicken, den du streicheln kannst..“

Dann spürte ich ihre Schnurrhaare an meiner Hand und wachte auf.
Es waren tatsächlich Schnurrhaare an meiner Hand. Aber nicht Lunas. Es war die Nachbarkatze, die bisher noch niemals zu mir in den Garten oder in die Wohnung gekommen ist. Heute schon.
Sie sprang zu mir auf die Couch und dachte wahrscheinlich, „diese Frau ist völlig verrückt. Warum weint sie, wenn man nur für einen kurzen Besuch vorbei schaut? Mag sie keine Katzen?“ … und dann schmusten wir eine Runde.
Eine Katze war das einzige Lebewesen, das ich gerade um mich haben wollte und Luna hatte es mir vorbei geschickt. Als sie neugierig das Wohnzimmer erkundete und all die Katzenfiguren bestaunte, musste ich zum ersten mal seit Lunas Tod lächeln…

Ach Luna… du hast immer gesagt, niemand sollte sich dafür schämen, Magie zu besitzen, tiefe Emotionen und dabei ein bisschen verrückt zu sein.
„Normal“, kann schließlich jeder…
Ich werde das weiterhin beherzigen und auf deine Zeichen achten … und unsere Geschichten erzählen  .
Du fehlst …

Lunas Abschied

Lifestyle, Seelenmarzipan

DIE EINLADUNG … einer der schönsten und wertvollsten Texte, den ich je gelesen habe. Kennt ihr ihn schon?

DIE EINLADUNG …

„Es interessiert mich nicht, wie du dein Geld verdienst.
Ich will wissen, wonach du dich sehnst, und ob du riskieren wirst, wie ein Idiot dazustehen, für die Liebe, für deinen Traum, für das Abenteuer, lebendig zu sein.

Es interessiert mich nicht, wie alt du bist.
Ich will wissen, ob du es riskierst, dich für die Liebe lächerlich zu machen, für deine Träume, für das Abenteuer, lebendig zu sein.

Es interessiert mich nicht, welche Planeten im Quadrat zu deinem Mond stehen.
Ich will wissen, ob du den Kern deines Leidens berührt hast, ob du durch die Enttäuschungen des Lebens geöffnet worden bist, oder zusammengezogen und verschlossen, aus Angst vor weiterem Schmerz.

Ich will wissen, ob du im Schmerz stehen kannst, in meinem oder deinem eigenen, ohne etwas zu tun, um ihn zu verstecken, ihn zu verkleinern, oder ihn in Ordnung zu bringen.

Ich will wissen, ob du mit Freude umgehen kannst, meiner oder deiner eigenen, ob du mit Wildheit tanzen und dich von Ekstase füllen lassen kannst, bis in die Spitzen deiner Finger und Zehen, ohne uns zu ermahnen, vorsichtiger zu sein, realistischer zu sein oder an die Beschränkungen des Menschlichen Daseins zu erinnern.

Es interessiert mich nicht, ob die Geschichte, die du mir erzählt hast, wahr ist.
Ich will wissen, ob du jemand anderen enttäuschen kannst, um dir selber treu zu bleiben. Ob du den Vorwurf des Verrats ertragen kannst und trotzdem nicht deine eigene Seele verrätst.

Ich will wissen, ob du die Schönheit sehen kannst, auch wenn es nicht jeden Tag schön ist, und ob du deine Lebenskraft aus dieser Quelle schöpfen kannst.

Ich will wissen, ob du mit Versagen leben kannst, deinem und meinem, und dann trotzdem noch am Ufer eines Sees stehen, und dem silbernen Vollmond zurufen, „Ja„!

Es interessiert mich nicht zu wissen, wo du lebst, und wie viel Geld du hast.
Ich will wissen, ob du nach der Nacht der Trauer und Verzweiflung aufstehen kannst, müde und zerschlagen bis auf die Knochen, um zu tun, was getan werden muss, damit unsere Kinder satt werden.

Es interessiert mich nicht, wer du bist, und aus welchem Grund du hier bist.
Ich will wissen, ob du in der Mitte des Feuers mit mir stehst, ohne zurück zu weichen.

Es interessiert mich nicht, wo oder was oder mit wem du studiert hast.
Ich will wissen, was dich von innen trägt, wenn alles andere wegbricht.

Ich will wissen, ob du alleine mit dir sein kannst, und ob du deine eigene Gesellschaft in den leeren Momenten wirklich erträgst.“

  

Die englische original Version dieses wunderschönen Texts, stammt von Oriah Mountain Dreamer
http://www.oriahmountaindreamer.com/
By Oriah © Mountain Dreaming,
from the book The Invitation
published by HarperONE, San Francisco,
1999 All rights reserved

 

Kurzgeschichten, Seelenmarzipan

Eine Geschichte über das Leben nach dem Leben…

 

Unter der Oberfläche eines kleinen Teiches lebte einmal eine Kolonie von Wasserlarven. Die Sonne schien zwar nicht bis auf den Grund des Teiches aber das störte sie nicht. Sie waren immer gut gelaunt und huschten geschäftig über den Schlamm.
Ab und an schien eine Larve keine Lust mehr auf diese Betätigung zu haben. Sie klammerte sich an den Stiel einer Teichpflanze und kletterte nach oben, immer weiter, bis sie aus dem Blickfeld verschwunden war. Sie blieb dann einfach weg.

Als wieder einmal eine Wasserlarve auf diese Art verschwand, wollten die anderen gerne wissen, was mit ihren Gefährten passiert, die nie mehr zurückkehren. Warum waren sie überhaupt erst gegangen? War es nicht schön hier, am Grund des Teiches?

Eine der Wasserlarven, ihr Anführer, wollte gerne selbst herausfinden, wohin die anderen für immer verschwunden waren und er versprach feierlich in die Runde, dass er, anders als alle vor ihm, wieder zurück kehren würde, um zu berichten,

Er fasste allen Mut zusammen, kletterte die Wasserpflanze hoch, immer weiter, bis er plötzlich an der Oberfläche des Teiches war und unsanft auf einer Seerose landete.

Die Wasserlarve war erschöpft von der langen Reise, die ungewohnte und angenehm warme Sonne, fühlte sich gut an und so fiel unser Abenteurer in einen tiefen Schlaf.
Während er schlief, veränderte sich sein Körper und als er wieder aufwachte, da hatte er sich in eine wunderschöne, funkelnde Libelle mit windschnittigen Flügeln verwandelt.

Die Wasserlarve konnte erst gar nicht glauben, was mit ihr passiert war. Es musste ein Traum sein, ein Traum, in dem plötzlich Flügel wuchsen. Und dann bewegten sich diese Flügel und die Libelle zog ihre eleganten Kreise über dem Wasser. Es fühlte sich einfach wunderbar an.

Nach einer Weile erinnerte sich die Libelle an ihr Versprechen, sie wollte zurück fliegen und ihren Freunden erzählen, welche wunderbaren Dinge an der Oberfläche des Teiches auf sie warten. Spontan änderte sie ihren Kurs Richtung Grund des Teiches. Aber es funktionierte nicht, jedesmal wenn sie Anlauf nahm, prallte sie an der Wasseroberfläche zurück. Ihr neuer Körper war nicht mehr für das Leben unter Wasser geeignet.

Die Libelle war traurig, ihr Versprechen nicht einhalten zu können. Aber dann überlegte sie:
„Selbst wenn ich zurückgehen könnte, meine Freunde würden mich mit diesem neuen Körper gar nicht mehr erkennen. Ich muss wohl einfach abwarten, bis sie auch nach oben kommen und zu Libellen werden. Dann werden sie verstehen, was mit mir passiert ist.“
Mit diesem schönen Gedanken flog die Libelle glücklich in ihrer wundervollen neuen Welt, dem Sonnenschein entgegen.

(c) Gutes Karma to go /nach dem amerikanischen Kinderbuch von Doris Stickney:Water Bugs and Dragonflies: Explaining Death to Young Children
Bildrechte: Die Welt der Wildmäuse

leben

Chance, Katze, Seelenmarzipan, Tierschutz

Das Gebet einer Streunerkatze

Ich bin so müde vom Laufen, vor Verzweiflung ganz krank und warte auf Rettung, hier unter der Bank.

Ich sitze im Regen, jeder Knochen tut weh, während ich zaghaft um Hilfe fleh. Ich such einen Menschen, für mich ganz allein, ein Zuhause, ein Bettchen, geborgen sein.

Mein letzter Besitzer, der jagte mich fort, seitdem esse ich Abfall und es gibt keinen Ort, an dem ich erwünscht bin, nicht einmal hier, sie traktieren mich mit Stöcken, werfen Steine nach mir.

Ich fühl mich so müde, hungrig und kalt und ich fürchte, ich werde nicht mehr sehr alt. Ich glaube, ich schaffe es nicht allein, es ist schwer, immer hungrig und einsam zu sein. Ich habe Würmer und Flöhe, die auf mir leben, trotzdem kann ich so viel Liebe geben.

Bitte schick´mir ein Wunder, ein Mensch, der mich sieht, jemand der nicht vor meiner Hässlichkeit flieht. Jemand, der auch an uns Streuner denkt und der Verlierern wie mir eine Chance schenkt.

Ich habe Angst, hier zu sterben, unter der Bank, ich bin verzweifelt,  so müde und krank.

Ich flehe dich an, bitte schick mir den Engel, der mich bei sich aufnimmt, trotz all meiner Mängel, der mich liebt und beschützt und für immer behält, bitte schenke mir einen Platz auf der Welt. ❤

(c) Text : Bettina Marie Schneider

 

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Geschrieben für Iron… und Luna …  für alle heimatlosen Katzen…