Seelenmarzipan, Tierschutz

Jim Knopf und die 13 wilden Hühner … ein Hühner-Märchen…

„Jim Knopf? 13?  Nicht dein Ernst! Wow!!!“

so begann ein Telefonat, das ich kürzlich mit meiner lieben Freundin Nicole führte. Wir haben uns immer viel zu erzählen, denn sie wohnt am anderen Ende von Deutschland, im hohen Norden und teilt sich mit mir den Vorstandsposten im Verein Frieden für Pfoten e.V. . Gerade zieht Nicole mit ihrer gesamten Familie um. Zu dieser Familie gehören unter anderem auch 9 Katzen, drei Hunde, zwei Esel und ein halbblinder Feldhase und endlich hatten sie das perfekte Anwesen auf dem Land für den kleinen Zoo gefunden.

Die Vorbesitzer hielten einst offensichtlich auch Tiere auf dem Grundstück. Überall standen verlassene Käfige und Volieren, eine davon nicht ganz verlassen. Ein einsamer Hahn war zurück geblieben. Sein Kamm hing müde herab, aus Langeweile  hatte er sich die Federn ausgerupft und sein resignierter Blick traf meine Freundin mitten ins Herz. Warum nicht auch noch einen Hahn adoptieren? Er wurde zwar gefüttert aber niemand schien sich mehr zuständig zu fühlen und so wurde der Hahn aus seinem Gefängnis befreit und erhielt neben dem schönen Namen Jim Knopf auch die Gelegenheit, den großen Garten in Besitz zu nehmen.

Wirklich begeistert wirkte er über die neue Freiheit nicht, eher verloren und etwas ratlos.  Was soll ein Hahn ohne Hühner auch tun? Er hatte zwar nun wieder Ansprache, aber er wollte keine Menschen, er wollte Hühner! Nicole sah sich das Trauerspiel eine Weile an und beschloss dann, ihm Gesellschaft zu verschaffen.

Über unseren Verein Frieden für Pfoten hatte sie Kontakt zu Petra Degen, die sich sehr für ausgediente Batteriehühner einsetzt. Rettet das Huhn e.V. übernimmt ausgediente Legehennen aus Massentierhaltungen und vermittelt sie an tierliebe Menschen, die diesen Tieren ein artgerechtes, erfülltes Hühnerleben schenken möchten.

Die ausgemergelten Hennen aus den Legebatterien werden meist spätestens mit 16 Monate entsorgt.  Sie sind dann nichts anderes als ein lästiges Abfallprodukt der Eierindustrie, selbst für den Kochtopf wertlos. Für eine „Abwrackgebühr“ von 10 Cent werden sie brutal in Kisten gestopft, an den Schlachthof gekarrt, getötet und auf den Abfall geworfen.  „Ausstallung“, nennt sich das im Fachjargon der Branche. So sterben pro Jahr rund 45 Millionen Legehennen allein in Deutschland.

Der Verein Rettet das Huhn übernimmt jährlich  10 000 dieser Hennen aus kooperierenden Legebetrieben. Diese Hühner enden nicht ausrangiert und für wertlos befunden, unter den automatischen Messern des Schlachthofes sondern sie erfahren „Leben“.  Die Tiere, die nach nur 16 Monaten durch jüngere, „leistungsstärkere“ Hennen ersetzt werden,  dürfen zu Menschen, die ihnen ein Zuhause und artgerechtes Leben schenken.

Also schrieb Nicole Petra an und fragte nach Gesellschaft für Jim Knopf. Die Nächste Aktion des Vereins sollte erst im kommenden Jahr stattfinden. Das hätte bedeutet, Jim Knopf würde den Winter alleine verbringen müssen. Eine lange Zeit, für den einsamen Hahn. Aber es gibt noch weitere Vereine, die retten und  Petra stellte den Kontakt zu “Stark für Tiere” her. Für zehn Hühner bot Nicole dort einen Platz an. Da die geplante Rettungsaktion kurzfristig um einige Wochen verschoben wurde und weil Jim Knopf ihr in seiner Einsamkeit so leid tat, wurden schließlich erst einmal drei Hühner von einem Arche Hof in der Nähe übernommen.

An einem sonnigen Herbstnachmittag stellte Nicole die drei  geretteten Hennen Jim Knopf vor und dann ereignete sich ein kleines Wunder. Binnen kürzester Zeit schwoll sein kleiner Kamm wieder in die Senkrechte, er stolzierte mit geschwellter Brust und aufrecht, stolz vor seinen drei Hühnern vorneweg über den Hof, kümmerte sich rührend um sie und lebte mit jedem Tag mehr auf. Auch die drei Hühner entwickelten sich prächtig.  Gemeinsam mit „ihrem“ Hahn pickten und  gackerten sie glücklich, als hätten sie nie etwas anderes gekannt und mit jedem Tag wurden sie selbstbewusster und zutraulicher. Schließlich begann Jim Knopf wieder zu krähen!
Jim Knopf3

 

Die Metamorphose der kleinen Hühnerschar berührte Nicoles Herz. Daher freute sie sich bereits sehr auf die nächste Rettungsaktion, durchgeführt von dem Verein „Stark für Tiere“, in Hamburg. An diesem Wochenende erhielten 450 weitere ausrangierte Legebatterie Hennen aus einem Freilandhaltungsbetrieb dort die Chance auf ein neues Leben und konnten dem Schlachthof entgehen, wenn sich für sie ein passendes Zuhause findet. Die Hennen wurden gegen eine Spende in artgerechte Haltung abgegeben und Nicole stand mit ihrer Box bereit, die wertvolle Fracht zu übernehmen.

Jim Knopf Freiheit

JimknopfNicole

Heute zogen also weitere 10 Hennen im Stall ein, die Jim Knopfs „Wilde 13“ komplett machen und die nun Nicoles Zoo bereichern. Stellvertretend für die Millionen anderen ausgebeuteten und missbrauchten Legehennen dürfen sie jetzt ein wenig Glück erfahren und ein Hühnerleben, wie es eigentlich sein sollte. Dankeschön dafür , Nicole ❤

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Jim Knop führt seine „wilde 13“  zum ersten gemeinsamen Spaziergang aus …

 

 

 

Wenn ihr euch für dieses Thema interessiert:

http://www.rettet-das-huhn.de/

http://www.stark-fuer-tiere.de/

Was wäre, wenn Hühner schnurren könnten?

 

 

Seelenmarzipan, Tierschutz

Reif für die Insel…aber sowas von…

Es heißt, wenn man liebt, was man beruflich tut, dann muss man keinen Tag seines Lebens arbeiten, denn es wird immer Spaß machen. Das ist natürlich Quatsch!

Ich liebe, was ich beruflich mache, denn die Arbeit mit Immobilien, der Kontakt mit Handwerkern und Mietern und immer neuen Projekten ist abwechslungsreich und anspruchsvoll und geht mir leicht von der Hand. Deshalb suchte ich mir als Freizeitaktivität eine Tätigkeit, die mich ein wenig mehr fordert. Ich wollte nach Feierabend die Welt  retten, etwas bewegen und meinen Beitrag leisten…und obwohl ich es liebe, lernte ich nach einem langen Berufsleben dann schließlich doch noch kennen, was es wirklich heißt, hart zu arbeiten.

Das Wort Spaß würde ich im Zusammenhang mit Tierschutz eher weniger verwenden. Freude, oft Dankbarkeit, vielleicht eher. Meist fallen mir aber dazu Begriffe wie Ärger, Zorn, Verzweiflung, Resignation oder Frustration ein. Heute zum Beispiel, hatte ich mir vorgenommen, endlich für den Urlaub zu packen, dabei schöne Musik zu hören, am Nachmittag  noch einen Spaziergang um das schöne Wetter auszunutzen und Abends vielleicht nach der Post schauen.  Heute einmal nicht so viel arbeiten, die letzten Wochen waren hart.

Guter Plan! Er hat nur nicht ganz so funktioniert, wie gedacht. Denn die erste Hiobsbotschaft morgens am Handy, beziehungsweise die Schadensbegrenzung dieser Hiobsbotschaft, zog sich bis Mittags hin, dazwischen wieder 1001 Anfragen, teilweise flehende Bitten an mich,  für diesen und jenen Hund/Shelter/Katze/Flugpaten/Event/Vermittlung einen Kontakt herzustellen, etwas zu schreiben oder weiterzuleiten, was ich natürlich prompt erledigt habe, dann ein paar Telefonate, sehr angenehme und einige unangenehme, doch noch heute die Vereinspost beantworten, denn Spender und potentielle Adoptanten lässt man NIEMALS warten, jedenfalls nicht in meinem Verein und dann war es auch schon Nachmittag. Gepackt hatte ich noch nichts.

Vorher wollte ich mit unseren Partnern in Athen kurz das eine oder andere besprechen oder abzugleichen, es gab heute jede Menge Notfälle, die auf die Vereinsseite sollten, Texte, die auf Übersetzung warten, Anfragen über Anfragen,  und wieder Telefonate, angenehme und unangenehme. Wieviel Geld haben wir eigentlich gerade? Reicht es für die geplanten Anschaffungen, was machen Notfall XY, wie laufen die Flugpatenschaften? Für meinen eigenen Urlaub habe ich natürlich auch noch kurzfristig eine Flugpatenschaft angeboten und jetzt mussten die Nachfragen dazu beantwortet werden. Gepackt hatte ich nach wie vor nichts.

Immerhin habe ich es geschafft, zwischen all dem noch Einkaufen zu gehen, ehe die Läden schließen. Luna würde mir nie verzeihen, wenn ihr Lieblingsfutter ausgehen würde und da sie sich am Rechner immer wieder in Erinnerung bringt, ist sie die einzige in der Familie, die bestens versorgt ist. Alles andere muss zurück stehen, denn eigentlich läuft mittlerweile jeder einzelne Tag so ab.

Unterbrochen nur von meiner beruflichen Arbeit oder wenn ich tatsächlich einmal wieder privat etwas unternehme… aber immer tickert das Handy mit. Auch am Abend oder spät in der Nacht, ganz gleich, wo ich mich befinde und mit wem ich zusammen bin. Jeden Tag, sieben Tage die Woche, 365 Tage im Jahr. Das ist verrückt, ich weiß …aber das Rad, das wir mittlerweile drehen, ist immens groß geworden und hilft an so vielen Orten, nur wenn ich  zu jedem Zeitpunkt informiert bin, reagieren, antworten, delegieren kann, läuft der Laden. Ein paar Mal habe ich bereits ausprobiert, was passiert, wenn ich nicht erreichbar bin… nie kam etwas dabei heraus, was mir gefallen hat…und den meisten anderen auch nicht 😉 .

Ach ja, gepackt wurde heute natürlich nichts mehr. Auch nicht spazieren gegangen, weil der Nachmittag genau wie der Abend  ablief, nämlich wie der Vormittag geendet hatte. Mit Arbeit für den Verein, für Tiere. Ein ganz normaler Tag.

Und jetzt ist irgendwie der Akku auf rot. Ich kann keine Facebook Posts mit Katzen oder Hunden oder anderen Tieren mehr sehen, obwohl ich selbst täglich zig davon verfasse. Ich will keine geschundenen, gequälten Tiere mehr sehen. Ich möchte gerade keine Nachrufe mehr verfassen und auch keine Aufrufe. Ich möchte nicht mehr beständig darum gebeten werden, dringend einen Notfall zu vermitteln, bei irgendetwas  zu helfen und ein schlechtes Gewissen haben, wenn ich es nicht kann oder nicht gleich kann. Möchte nicht mehr nonstop irgendetwas für irgendjemanden ermöglichen. Ich bin müde, zum tausendsten mal das Gleiche erklären zu müssen oder mich zu erklären. Ich mag mich gerade auch nicht mehr rechtfertigen, für alles, was wir tun. Ich bin erschöpft davon, dafür zu sorgen, dass es im Team rund läuft, jeder über alles informiert ist und alle an einem Strang ziehen, mich  pausenlos zu bedanken für etwas, das gar nicht ich sondern jemand anderer erhält.  Erschöpft, nonstop für andere um etwas zu bitten, was sie dringend zum Überleben brauchen, für jedes Problem Anlaufstelle zu sein. Ich will nicht mehr rund um die Uhr  erreichbar sein. Aber vor allem, will ich eine Zeit kein Elend mehr sehen und hören…und fühlen  …

Das Ganze nennt sich wohl Tierschutz Burnout und die alten Hasen unter den Tierschützern wissen worüber ich hier schreibe. Viele werden krank, einige wunderlich oder hart, manche aggressiv aber alle verlieren wir uns selbst über dieser Aufgabe.

Deshalb mache ich jetzt Urlaub. Seit es unseren Verein gibt, lief selbst im Urlaub  alles ab, wie Zuhause, nur in netterer Umgebung. Eingecheckt, WLAN gesucht, mich bei meinen Mitreisenden entschuldigt, Handy und Laptop auf den Tisch …und same procedure. Diesmal wird es wohl etwas anders ablaufen, auch wenn wenn es mir schwer fallen wird. Aber Abstand muss sein. Für ein paar Tage möchte ich wieder das Gefühl zurück haben, mein eigenes Leben zu leben.

Der nächste Blog wird ein Urlaubsblog, …ausnahmsweise ohne Katzengeschichten aber dafür mit  Pina Colada Testberichten und anderen wichtigen Dingen des Lebens, die ich mittlerweile fast vergessen habe.

Aber jetzt sollte ich langsam wirklich beginnen zu packen.

Fortsetzung folgt ❤

Time for change

 

 

 

 

Seelenmarzipan, Tierschutz

Warum ich niemals Pflegestelle für ein Tier sein werde.

Alle lieben unsere Happyend Bilder. Ich auch, und hinter jedem einzelnen von ihnen steht eine Geschichte voller Leid, Angst, Hoffnung und oft auch Tränen, die sich dank einer wunderbaren Fee in ein Märchen verwandelt hat.

Wer in diesen Märchen dann oft vergessen wird, das sind die Pflegemütter, die hinter  diesen Rettungen stehen, sie sind die wahren Märchenfeen und ohne sie wäre all das nicht möglich.

Es sind die Menschen, die ohne zu zögern, ein krankes, verflohtes, stinkendes kleines Bündel Elend aufnehmen, es mit allem versorgen, was ihnen zur Verfügung steht…oft ist es nicht viel… die nie wissen, ob eine weitere Sterbebegleitung nun ihr Herz schwer machen wird oder ob sie Hoffnung und Leben schenken können.

Sie nehmen auf und stellen keine Fragen. Sie werben für ihre Schützlinge unentwegt um Futter, medizinische Behandlung und vor allem um eine Adoption. Teilweise betteln sie sogar, denn nicht alle kleine Orgas sind so gut aufgestellt, dass Futter und medizinische Behandlung für jeden Notfall zur Verfügung steht.

Und wenn sich dann alles gefügt hat, wenn ein Adoptant gefunden wurde und der große Moment gekommen ist, wenn sie das Tier in eine Box setzen, das sie mit so viel Liebe dem Tod entrissen haben und manchmal mit unfassbarem Einsatz gesund gepflegt,  wenn sie weinend am Flughafen stehen  und wissen, sie sehen  ihren Schützling nie mehr… dann bewundere ich die Kraft und die Stärke dieser Frauen.

Sie leisten nicht nur körperlich sondern auch emotional Schwerstarbeit. Sie übernehmen Verantwortung, die andere ablehnten und sie sind die rettenden Engel, denen ich nur zu gerne beistehe, damit sie ihre Arbeit unter leichteren Bedingungen ausüben können, mehr Platz, mehr Futter, mehr Medikamente , mehr Adoption.. letztlich dann aber auch mehr Herzschmerz. Jeder Abschied ist aufs neue ein großer Einschnitt und in diesem Moment ist auch der Gedanke an das schönste Zuhause, die beste Zukunft für ihre Schützlinge nur ein kleiner Trost.

Spätestens am Heimweg vom Flughafen, wenn links und rechts am Straßenrand bereits die nächsten Elendsgestalten kauern, lässt der Schmerz nach, die Freude über die wunderschöne Zukunft ihrer Fellchen und die wunderbaren Adoptanten überwiegt und der Gedanke beflügelt, nun wieder einen Platz für den nächsten Notfall frei zu haben.

Daher meine Bitte an alle Adoptanten, ganz gleich, bei welcher Organisation. Denkt an die Pflegemütter, schenkt ihnen ab und an ein Bild, eine Rückmeldung. Es bedeutet ihnen mehr, als ihr euch vorstellen könnt und ich bin sehr froh, dass wir in unserer Organisation einen sehr engen und schönen Austausch zwischen Pflegemüttern und Endstellen pflegen, der beide freut und der das Loslassen sehr viel leichter macht.

Ich persönlich könnte nicht loslassen und würde daran zerbrechen. Die Vorstellung, eine Katze oder einen Hund in der Familie aufzunehmen, sie über Monate zu pflegen , alle kleinen Eigenheiten zu kennen und zu lieben und sie dann in eine Box auf Nimmerwiedersehen zu fremden Menschen zu schicken, würde ich emotional nicht bewältigen und damit wäre meine Pflegestelle in kürzester Zeit verloren, für alle Notfälle die warten. Ich wäre der klassische „Pflegestellenversager“, wie wir dieses Verhalten nennen.

Chapeau an alle beherzten Pflegemütter- (und Väter) , die dieses Opfer immer wieder aufs neue bringen. Ihr seid wunderbar ❤

 

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Ein letztes mal Pfötchen geben für die Pflegemutter, ehe es auf die Reise geht…

 

Katze, Seelenmarzipan, Tierschutz

Briefe an Valerion…

Für Valerion…1

Liebster Valerion,

du magst Dir vielleicht allein und vergessen vorkommen, isoliert von den anderen Katzen, krank und voller Sehnsucht nach dem einzigen Menschen, der dich je geliebt hat…aber das bist du nicht!
Du bist nicht verlassen!
Das Problem ist nur…um dir zu helfen brauchen wir einen Engel oder ein Wunder, am besten beides!

Martha hat dich in die Cattery gegeben, weil du so verzweifelt auf der Suche nach Liebe warst, dass du in Konkurrenz mit den vielen anderen Katzen auf der Pflegestelle kamst und einer von ihnen hat dich sogar angegriffen.
Sie hat dein Leid gesehen, dich von der Straße geholt, zu allen OP s und schlimmen Prozeduren begleitet. Sie hat auf dich gewartet, wenn du wieder in der Klinik warst und sie wünscht sich wie wir alle, endlich ein kleines bisschen Glück, Geborgenheit und Gesundheit für dich.

Die Menschen, die dir so in dein kleines Gesicht traten, als du arglos auf der Straße nach Futter und Zuneigung gebettelt hast, haben ganze Arbeit geleistet. Das Loch in deinem Gaumen, verursacht durch die Knochensplitter des Nasenbruchs, ist trotz OP bis jetzt nicht behoben. Du wirst eine zweite benötigen. Vielleicht.
Die Medikamente gegen die dadurch immer wieder aufsteigenden Entzündungen im Rachenraum haben dir weitere Probleme verursacht. Du niest und rotzt, hast offene Wunden und stehst daher nicht auf der Top 10 der Adoptionswünsche. Du hast FIV, was zwar nicht wirklich ein Hindernis ist, aber für manche Menschen, die nicht so gut informiert sind, ein weiteres Hindernis darstellt.
Wir wissen, was du für ein wunderbarer kleiner Kater bist, wir haben dein großes Herz, deine Geduld und Würde kennengelernt. Auch deinen Lebenshunger und Kampfgeist. Wir wissen, dass du trotz FIV verträglich mit anderen Katzen leben kannst und auch leben möchtest!

Du bist etwas ganz besonderes und nur zu gern würden wir wieder gut machen, was das Leben und die Menschen dir bisher zugemutet haben. Wir arbeiten daran, lieber Val!
Am Geld soll es nicht scheitern! Wir geben gern alles was wir ermöglichen können für deine Behandlung.

Aber wir suchen den Engel, der dich aufnimmt und dich auf dem Weg zum gesund werden begleitet, einen Engel, der sich nicht von deinem Schnupfen abgestoßen fühlt sondern dich so liebt, wie du bist und der deine unerschöpfliche Zuneigung genießt.
Wir suchen nach dem Wunder, dich nach Deutschland zu holen, eine Behandlung in der besten Tierklinik zu ermöglichen, dich irgendwann gesund und mit glücklichen Augen von einem Happyend Bild schnurren zu sehen.

Daran arbeiten wir lieber Val und senden dir Grüße und Zuversicht.
Halte noch ein wenig durch…es gibt einen solchen Engel…wir müssen ihn nur für dich finden!

PS: Für mich bist du einer der Schönsten 
In Liebe
Bettina

Für Valerion…2

Liebster Valerion,

auch wenn du dich einsam und hoffnungslos fühlst, es passieren wunderbare Dinge für dich und du musst durchhalten, mein Kleiner! Vielleicht gibt es dir Kraft und Trost, wenn ich dir schreibe, was wir gerade alles für dich unternehmen.

Wir hatten stets gehofft, die Zeit und deine erste OP würde es richten und du erholst dich bei SCARS. Deshalb haben wir mit einer Adoption für dich abgewartet. Du solltest gesund in dein neues Zuhause reisen. Ich fühle mich schuldig, weil ich dein wichtigstes Bedürfnis übersehen habe:
Vor allem anderen hast du dich nach Liebe und Geborgenheit gesehnt und deine endlosen Aufenthalte in der Klinik, das ständige Kommen und Gehen von anderen sehr bedürftigen Katzen, hat dich verunsichert und weiter geschwächt, du wurdest gemobbt und schließlich sogar auf eine andere Pflegestelle gesetzt. Der Krankenkäfig wurde dein Gefängnis und wir möchten dich endlich da heraus holen.

Der Mensch, der dich so misshandelt hat, wird wohl nie seine gerechte Strafe erhalten aber wir versuchen wieder gut zu machen, was dir widerfahren ist. In Athen wie in Deutschland bist du nun Chefsache.
5 Menschen sind gerade damit beschäftigt, für dich Flug, Behandlung und ein Zuhause zu finden. Es wird riskant, es wird sicher unangenehm, …noch eine weitere OP für dich, noch einmal die gefürchtete Klinik…
Ich möchte ehrlich zu dir sein: Ja, du könntest vielleicht sogar sterben. Wir wissen aber beide, dass du das sowieso gerade vor hast und daher werden wir diese Chance nutzen! Wir werden es wagen, denn du kannst wieder gesund werden.
Stell dir vor Valerion, ohne Schmerzen, mit einem eigenen Menschen, bei dem du nach Herzenslust kuscheln kannst, frei im Haus alles erforschen, zusammen mit netten Katzenfreunden und bei jemandem, der dich so liebt, wie du bist. Für immer 

Nafsika kümmert sich in Athen weiter um deine Versorgung, Micaela sucht auf Hochtouren nach einem Zuhause und einem Flug für dich und Gitta nach der besten medizinischen Option.
Ich werde in der Zwischenzeit die Menschen hier um Hilfe für deine Behandlung bitten. Ich habe zwar noch keine Ahnung wie…aber du wirst alles erhalten, was du brauchst um gesund zu werden. Wir schaffen das! DU schaffst es!
Daran musst du fest glauben, Valerion!
Das Leben und die Menschen waren bisher nicht gut zu dir, du kennst nur Schmerz und Einsamkeit …aber Du bist jung, du bist stark und du hast es so verdient, glücklich zu sein!
Bitte glaub an dich, denn ich tue das, seit ich dich zum ersten Mal gesehen habe, seit Martha und Rena dich von der Straße geholt haben.
Bald holen wir dich. Und jetzt kämpfe!

In Liebe
Bettina

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Hilfe für Valerions OP
Unsere Bankverbindung:
Frieden für Pfoten e.V.
Kennwort Valerion
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Lifestyle, Seelenmarzipan

Rama dama…für Fortgeschrittene <3

„Rama dama“ ist ja eigentlich nur für die interessant, die es erst dazu kommen ließen, dass ein gründliches und kompromissloses Aufräumen notwendig wurde. Ganz gleich ob man Schuttberge, seine Schränke, den Freundeskreis, sein Arbeitsteam oder seine Lebenseinstellungen neu sortiert…vorher musste erst einmal ein gewisses Mass an Schutt und Unbrauchbarem angesammelt werden.

Eine Disziplin, in der ich Meister bin. Meine Schubladen würden jedem Krämerladen Konkurrenz machen, mein Kleiderschrank war einst so wohl sortiert und geordnet, wie ein  Ausverkaufslager bei Zara, mein Freundeskreis riesig aber nicht unbedingt rund und nicht unbedingt alles Freunde und einige meiner Lebenseinstellungen und Denkweisen brachten so manchen, der es gut mit mir meinte, zum Weinen…

Dann fing ich also irgendwann an mit dem Rama dama und mit jeder neuen Aktion wurde alles klarer. Zwar deutlich weniger von allem, aber brauchbarer, übersichtlicher und angenehmer. Manches musste ich neu anschaffen, vieles wurde neu entdeckt, verborgen und vergessen, zwischen dem Gerümpel. Und als ich vor einer Weile begann, endlich auch meine Lebenseinstellungen zu sortieren, welche davon ich mit in das letzte Drittel meines Aufenthalts hier nehmen sollte, welche mir gut tun und mit welchen ich mir selbst schade, da war ich erstaunt, was nach all dem Rama dama doch noch übersehen worden war. Es ist nach wie vor sehr ungewohnt für mich, unbequeme Dinge, wie ich worüber denke, einfach anzusprechen, Dinge einzufordern, selbstverständliche Dinge, wenn ich sie vermisse. Auch Respekt.

Ich denke, ich war eher so der Typ,  „wandelndes Diplomaten Corps“  bisher. Verbindlich, effektiv und  ein Großteil der zwischenmenschlichen Verhandlungen war daher natürlich äußerst erfolgreich aber nicht zwingend für mich selbst. Ich war oft beleidigt oder verletzt, wenn nicht gehört wurde, was ich NICHT sagte. Jetzt sind andere verletzt und beleidigt, wenn sie hören, was ICH sage. Noch bin ich dabei, herauszufinden, ob es sich so auf Dauer besser anfühlt. Aber einmal im Rama dama Fieber, gibt es wohl kein Zurück. Sieht man die Schutthalden erst und hat die Ärmel hochgekrempelt, dann ist es ein Selbstläufer.

Was ich während all der Aufräumarbeiten bisher am Tollsten fand, waren die unglaublich schönen Fundstücke, neben vergessenen Schätzen in Schubladen und Schränken, vor allem verlässliche Freundschaften, unerwartete und nette Gesten, Reaktionen, mit denen ich niemals gerechnet hätte, positiv wie negativ, oder einfach gar keine, wenn ich sie erhofft hätte …aber sie waren immer aufschlussreich. Hilfsangebote und Anerkennung in jeder nur denkbaren Art, auch für meine Arbeit, aber vor allem die Gewissheit, dass es Menschen gibt, die mich nicht nur dann schätzen, wenn ich für sie oder andere leiste, sondern für das, was ich bin. Mein Blick wurde geschärft für echte Freunde und Verbündete. Kleiner Tipp, wie man sie erkennt: Sie sind einfach da, wenn du sie brauchst ❤

Rama dama ist cool 🙂

Seelenmarzipan

Auf ein Wort, großer Kürbis!

Lieber großer Kürbis,

ja, ich habe es auch schon bemerkt. Wir haben mittlerweile Anfang September und noch kein einziger Kürbis in meinem Haus zu sehen.  Keine Kastanie, keine orange farbenen Kerzen, nicht einmal der zaghafte Versuch, den ersten  Hauch Halloween Feeling in Zimmer und Fenster zu zaubern. Etwas, das ich seit vielen Jahren niemals versäume, sobald der  Sommer sich verabschiedet hat. Nein, ich bin nicht spät dran! Dieses Jahr habe ich einfach keine Lust!

So langsam verliere ich die Geduld mit deinem grauenhaften Timing und schreibe nicht nur Halloween Wunschlisten sondern nehme die Dinge selbst in die Hand. Zeit mag für dich relativ sein, für mich ist sie es nicht und du hattest deine Chance!

Ich habe mich damals für dich entschieden obwohl ich unter allen Vertretern des Universums wählen konnte. Das fliegende Spaghetti Monster erschien mir zu exzentrisch, Gaia zu sehr auf dem Emanzentrip… und männliche Gottheiten, …naja, lassen wir das! Bei all deiner chaotischen Organisation und Bummelei warst du mir dann doch immer lieber als ein Gott, der pingelig Gehorsam einfordert, Regeln für mich aufschreibt, der gerne auch einmal bestraft und dazu auch noch  ständig angebetet sein möchte.  Aber jetzt hast du es vermasselt.

Es wäre ein netter Zug gewesen, wenn du ein Mal nur pünktlich und ungefähr so geliefert hättest, wie ich es dir in einem ausführlichen Brief in dein verschlafenes Kürbisfeld  geschickt habe. Soo schwer war es doch gar nicht! Ein kleines Haus, irgendwo in der Nähe meiner Stadt, das zu mir passt. Dort wollte ich an diesem Halloween wieder alles für dich vorbereiten, wollte das Kürbisregal des Supermarktes leer kaufen, Windlichter schnitzen, Fenster und Wände dekorieren, deine Lieblingskräuter verbrennen und dafür sorgen, dass Practical Magic und Du nie in Vergessenheit geraten. Viele Menschen wissen nämlich gar nicht mehr, wie man wirklich Halloween feiert.

Jetzt sieht es so aus, als würde das alte Haus nicht mehr und das neue noch nicht für deine Ankunft am 31. Oktober vorbereitet. Es gibt nämlich noch kein neues! Ich finde es einfach nirgends! Daher bleibt der Halloween Fundus  in diesem Jahr in den Kisten. Also beschwere dich bitte nicht bei mir!

Halloweenliste 2016, Punkt 2 auf der Liste, da stand es ausführlich beschrieben… (von Punkt 1 wollen wir gar nicht reden, du bist nur ein Kürbis und auch deine Möglichkeiten sind begrenzt!).  Aber noch hast du Gelegenheit, dieses Versäumnis wieder gut zu machen, noch wäre Zeit! Ich garantiere dir, dass ich jedes Haus binnen 24h in ein Practical Magic Setting verwandeln kann…wenn du mich nur lässt. Schlaf noch einmal drüber! Dir hat unser Halloween Zauber doch auch immer gut gefallen 😉 .

Dein treuer Fan

Bettina

 

 

Seelenmarzipan

Fast ein Blog…aber nur fast ;-)

Ein seltsamer Virus hat mich befallen. Er macht eigentlich kaum Beschwerden, genau genommen gar keine. Aber er scheint den massiven Stahlschalter nachhaltig beschädigt zu haben, der bei mir im Kopf immer die Türe zu den unbequemen Wahrheiten gesichert hat. Peng! Jetzt haben sie die neue Freiheit natürlich entdeckt und purzeln, strömen, quellen eine nach der anderen durch die weit offene Tür, ins Bewusstsein, manche sogar direkt zu meinem Mund. Plötzlich reagiere ich auf viele Wahrnehmungen ungehalten, ich höre ich mich die seltsamsten Dinge aussprechen. Sie sind wahr, sie sind meist gut begründet. Trotzdem hätte ich sie normalerweise da gelassen, wo sie waren. Gut verwahrt, hinter der Türe mit dem massiven Stahlschalter.

Nachdem dieser gewöhnungsbedürftige Zustand aber nicht besser wurde, kaputt ist kaputt, und ich auch nicht wusste, wie der Schalter wieder zu reparieren wäre, ließ ich den Dingen einfach ihren Lauf.  Thinking unplugged, quasi.  Wow…und spannende Dinge passieren seitdem.

Erstaunlicherweise änderte sich nichts zum Negativen. Nach wie vor bin ich eher nicht der hart aber herzlich Typ sondern formuliere Wünsche und Anliegen freundlich. Aber ich formuliere sie und siehe da…sie werden meist sogar verstanden, angenommen, umgesetzt oder zumindest diskutiert. Kein Kahlschlag in der Freundesliste, keine Auswanderung auf eine einsame Insel nötig, selbst meinen Job habe ich noch. Alles, was ich dabei verlor, war Ballast. Coole Sache so ein Virus und er hätte mich gern etwas eher befallen dürfen. Man darf gespannt sein, wie er die nächste Stufe des Unplugged Trainings für mich löst, da gibt es etwas, das ich nach wie vor nicht ausgesprochen habe.

Ich glaube, am meisten ärgert mich, wenn das, was ich tue, als selbstverständlich voraus gesetzt wird. Die meiste Zeit meines Lebens verbringe ich damit, andere zu loben, mich bei anderen zu bedanken, die Leistung anderer herauszustellen, auf die Leistung anderer hinzuweisen oder sie zur Leistung zu ermutigen. Das gilt für so ziemlich alle Bereiche meiner Arbeit, die bei der es Geld gibt und die bei der ich noch Geld lasse.

(Es gibt Ausnahmen, und die sollten sich jetzt bitte unbedingt angesprochen fühlen. Danke euch dafür *smack*. )

Wie lange möchte ich schon mein Buch fertig schreiben? Wie oft habe ich mir schon vorgenommen, weniger Zeit in die non profit und gratis-stress Arbeit zu investieren. Ich bin ja nicht nur ein Verein, eigentlich bin ich Autorin. Warum schreibe ich nur für andere? Was hält mich davon ab? Nichts! Nur meine fixe Idee, immer und jederzeit für alles zur Stelle zu sein um dafür zu sorgen, dass jeder zu jeder Zeit  hat, was er braucht. Morgens mit dem ersten Blick am Handy und Nachts im Bett mit der letzten Nachricht und natürlich die gesamte Zeit dazwischen. Ihr glaubt es nicht? Es ist so, anders wäre mein Pensum nicht zu schaffen. Man könnte riesen dicke Schmöker schreiben in dieser Zeit. Ich könnte sie schreiben!

Diese Zeit, der ganze Einsatz, meine Ideen, investiert in ein Projekt, nur für mich…wie gut müsste sich das anfühlen. Niemand, den ich um etwas bitten müsste, niemandem Rechenschaft schuldig. Keine endlosen Erklärungen, wie das Projekt funktionieren soll. Mein Einsatz, meine Arbeit, meine Fehler, meine Lorbeeren.

Wie es scheint, sind diese renitenten Gedanken auch mit durchgeschlüpft, als der Stahlschalter kaputt ging. Mal sehen, ob sie bleiben möchten.

Ach ja…die nächsten Tage schreibe ich an meinem Buch.  Sonst nichts. Deshalb reichte die Zeit heute leider nur für einen halben Blog 🙂