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Lass die verdammte Banane einfach los…lass los, was Du unbedingt haben möchtest!

Es geht in dieser Geschichte um eine Therapeutin, die versucht zu erklären, wie man das Glück findet …

„Sie wollte immer ein Baby und malte sich aus, mit spätestens 32 wäre sie verheiratet und hätte drei Kinder. Jetzt musste sie schmerzhaft einsehen, dass dieser Wunschtraum nicht für sie bestimmt war und sie fragt mich, wie ich es denn schaffe, immer das zu tun, was mich glücklich macht und immer zu erhalten, was ich möchte. Mein Lebe wäre so verdammt perfekt!

Meine Antwort kam ohne nachzudenken, als ob jemand anderer für mich sprechen würde:

Ich habe meine jetzige Situation nie gewollt, nie erwartet! Mein ganzes Leben versuchte ich einzig, zu überleben. Ich dachte nicht an den großen Tag, wenn ich erwachsen bin und heiraten werde, wenn ich Kinder in einem Haus mit einem hübschen weißen Zaun darum haben würde. Ich dachte, ich würde meinen 17. Geburtstag sowieso nicht erleben. Als ich es dann doch bis zu meinem 18. Geburtstag geschafft hatte, war mir klar, ich sollte vielleicht doch etwas aus meinem Leben machen.

Ich denke, es fällt mir leichter als anderen, erstaunliche und schöne Dinge zu erleben, weil ich nie eine vorgefasste Meinung darüber habe, wie die Dinge auszusehen haben und wann sie in mein Leben kommen. Ich habe nie alle Straßen, in denen das Glück kommen könnte, in den leuchtendsten Farben ausgemalt, dass ich zu beschäftigt mit malen war, um zu erkennen, wenn sich andere tolle Optionen auftaten. Aber ich wusste immer, wie ich mich gern fühlen möchte, und an diesem Gefühl habe ich eisern festgehalten…

Ich habe immer gesagt, ich würde niemals meine Liebe (für eine Person) meinem Lebensstil im Weg stehen lassen. Ich habe mich bei der Wahl zwischen „glücklich“ und „verliebt“,  immer für „glücklich“ entschieden, wenn diese Liebe mich verrückt gemacht hat. Diese Definition zeigt vielleicht auch das Ausmaß meiner Liebesfähigkeit, denn es ist freie Liebe, eine Wahl. Ich möchte da sein.

So oft sehe ich, wie Menschen  „Liebe“ über „Glück“ wählen, als ob sie gezwungen wären, bei der Liebe zu bleiben. Es sind die gleichen Menschen, die sich erst verlieben aber denen es nicht gut geht damit, wenn sie verliebt bleiben.

Patienten von mir kommen meist mit einer Geschichte, die sich bereits tief in jeden ihrer Neuro-Emotionalen Pfade im Gehirn eingebrannt hat, …“so muss eine Beziehung laufen“…oder… „das ist die Wahrheit über eine gute Beziehung“…oder… „ich bin jetzt in dieser Beziehung aber dies oder jenes daran kann ich einfach nicht ertragen“.

Zu meinem Bedauern oder besser gesagt, zu meinem Vorteil muss ich gestehen, dass ich nie Beispiele für eine gute Beziehung kennen lernen durfte und daher nie das Bedürfnis verspürte, eine zu haben. Ich hatte nie diese Kindheitsträume, eine Mutter zu sein und ein Hochzeitskleid zu tragen, wenn ich groß bin. Ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht, was ich einmal beruflich machen wollte oder wohin ich ziehen würde.  Was ich hier versuche zu beschreiben, funktioniert ein wenig, wie die Affen -Falle.

In Indien fängt man Affen mit einer Flasche. Sie ist groß genug, dass die Hand des Affen hinein und auch wieder heraus kommt. Im Innern wird eine Banane platziert. Der Affe ist derart besessen von der Idee, diese Banane im Inneren der Flasche zu bekommen, dass er die Banane um keinen Preis der Welt loslassen möchte. Auch nicht, wenn einer der Fänger kommt, um ihm eine Tüte über den Kopf zu stülpen, und auch nicht, obwohl er schreckliche Angst davor hat, gefangen zu werden. Die Öffnung der Flasche ist weit genug für die Hand des Affen, aber nicht groß genug,  für die Hand  UND die Banane zusammen. Der Affe gibt sein Leben, nur weil er es nicht schafft, die dumme Banane loszulassen. Wenn er es tun würde, dann wäre er frei.

Die Banane steht stellvertretend für die Lebensentwürfe, an denen sich so viele Menschen festklammern. Daran, wie sie denken, dass ihr Leben sein „sollte“.

„Meine Beziehung sollte genau so aussehen. Deshalb versäume ich, die schönen Seiten zu genießen, die sie mir bietet.“

„Jetzt sollte ich längst Kinder haben. Also verwende ich meine Energie darauf, eifersüchtig auf andere Mütter zu sein!“

„Ich sollte längst eine hochwertigere Einrichtung besitzen. Also komme ich jeden Tag mit Widerwillen in meine eigenes Zuhause!

Die Liste ist schier endlos! -und es ist alles Banane! Der Affe könnte in den Dschungel gehen und eine viel bessere Banane finden! Gratis! Vielleicht sogar noch viele mehr! Aber er kann sich nicht von dem Drang befreien, gerade DIESE eine Banane haben zu müssen! Und neben dem Drang die Banane los zu lassen kann er auch nicht davon ablassen, das zu tun, was ihm die Banane verschaffen soll…auch wenn es ihn letztlich umbringt!

Meine Bananen waren immer im Dschungel. Auch mein Weg zu ihnen war manchmal angsteinflößend, aber frei von der mentalen Gefangenschaft, WIE ich sie bekommen müsste und WELCHE Banane ich mir letztlich dann auswähle. Ich musste mich nie verleugnen, um sie zu erhalten. Partnerschaft, genau wie Mutterschaft kamen einfach in mein Leben, weil ich es annehmen konnte oder aber auch sein lassen.

Wenn ich es erhielt, konnte ich es als einen Segen sehen. Wenn ich es nicht erhielt, konnte ich es als einen Segen sehen. Wenn ich es wieder verlor, konnte ich es als einen Segen sehen.

Ich konzentrierte mich darauf, wie ich mich gerne fühlen möchte und schwang mich auf einen anderen Ast, wenn ich mich nicht hundert Prozent wie ich selbst dabei fühlte. Ich fand eine ganze Plantage von Bananen, die alle meinen Namen trugen, weil ich nicht auf einem Ast sitzen blieb, in der Hoffnung, er würde sich verändern oder mehr Bananen für mich wachsen lassen. Ich fand sie, weil ich mir nicht die Lebenserfahrungen verderben ließ, von der Annahme, dass ich auf diesem Ast gefangen wäre, obwohl ich mich jederzeit frei bewegen konnte. Weil ich meine Hand nicht in der Falle eines anderen feststecken ließ , der mir vorschreiben wollte, wie mein Leben zu sein hat. Jetzt bin ich in dieser Plantage und das Angebot hier ist schier unerschöpflich!

Ich bin nicht unschlüssig darüber, was ich gerne für mich möchte! Ich möchte meinen Durst nach Leben stillen! Wenn ich gerade nicht das passende Glas habe, aus dem ich trinken kann, dann wird mich das nicht davon abhalten, meine Hände zum Trinkgefäss zu formen und damit aus dem unerschöpflichen Fluss zu schöpfen.

Ich bleibe immer offen, für Dinge die kommen und für Dinge, die wieder gehen. Diese Lebenseinstellung brachte mich an Orte, von denen ich niemals zu träumen gewagt hätte. In meinem Inneren und in meinem Leben!

Lass deine Bananen einfach los! Bleib offen! Trink das Wasser, dass dir schmeckt, ganz gleich in welchem Behältnis es serviert wird. Es wird dann alles für dich bereit stehen. Das ist ein Versprechen!“

(Thank you Nafsika for sending me this text exactly when I needed it.  Today I let my Banana go, Soulsister… <3)

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Frei übersetzt nach dem Text von Stacy Hoch im Elephant Journal. Hier geht es zum Original Beitrag: Let go of what you want!

https://www.elephantjournal.com/2015/05/let-go-of-what-you-want/

 

 

 

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Geht nicht!… Gibt es nicht…oder doch?!

Manchmal beneide ich Menschen (besonders Frauen) um die Gabe, einfach Nein sagen zu können. Meist wird es damit begründet, dass sie das, was ansteht, „nicht können“. Sie verstehen nichts davon, trauen es sich nicht zu, haben das noch nie gemacht, kennen sich in der Materie nicht aus, sind überfordert. Das funktioniert am besten. Meist wird dann verständnisvoll genickt und jemand anderer für die Aufgabe gesucht. Nur bei mir hat das nie funktioniert. Offensichtlich kann ich so ziemlich alles, wenn es erforderlich ist und wenn ich es nicht kann, dann lerne ich es subito oder suche jemanden , der diese Aufgabe mit den gerade zur Verfügung stehenden Zahlungsmitteln erledigen kann. Notfalls bitte ich auch jemanden, gebe eine Anzeige auf, oder ..oder…Aber einfach Nein sagen, mit einem bedauernden Schulterzucken, etwas hinschmeissen, weil es zu schwierig/anstrengend wird, und dann weiter zur Tagesordnung, das habe ich blöderweise noch nie geschafft und hätte es mir auch nie erlaubt. Ich gefiel mir stets in der Rolle der Mary Poppins für Erwachsene, die immer eine Lösung aus der Handtasche zaubert.

Diese Einstellung brachte mich schon an viele spannende Orte und in interessante Situationen. In vollgelaufene, eisige Heizungskeller mit Rohrbruch (weil am 24. Dezember sonst niemand da ist, der sich kümmert), zu aufgebrachten Kunden, die sich von sonst niemandem beruhigen ließen, und niemandem sonst deren wüste Beschimpfungen zumutbar waren, zur Entsorgung eines Messi Haushalts (ich allein, nur mit ein paar Mülltüten und Mundschutz ausgestattet), da die Handwerker sich weigerten dieses Haus zu betreten, morgens um vier in einen Frachtflieger nach Amman, wo ich mich allein irgendwie zum Crewhotel durchschlagen musste, um die erkrankte Kollegin zu ersetzen, Moderationen bei Veranstaltungen, obwohl ich öffentliche Auftritte hasse, wie die Pest, Überführungsfahrten, Fahrten mit Traktoren, Oldtimern und anderen spannenden Fahrzeugen, die alle ihre Eigenheiten hatten, Kabelsalat im Motorraum, Pannenfahrten ohne Scheiben, Scheibenwischer im Platzregen und ähnlichen Späßen, als Begleitung zu OPs, Intensivstation,  oder Alibi für Seitensprünge (was dann aufflog und der Zorn des betrogenen Ehemanns richtete sich gegen mich)…. und neuerdings auch bei allem, was bei meinem Verein nicht rund läuft. Ab einer gewissen Größenordnung und ab einem gewissen „Unangenehmsfaktor“ landet jedes Problem auf meinem Tisch. 24/7 .

Immer wenn es unangenehm wird, kompliziert oder delikat, bin ich darin verwickelt, ehe ich „piep“ sagen kann…weil ich es kann… oder weil ich denke, ich müsste es können… Denn das ist der Haken bei der Sache. Das einzige was ich wirklich nicht gut kann, ist „Nein“ sagen. Erst als ich einmal wirklich nicht mehr konnte und für eine Weile komplett ausfiel, wurde es etwas besser. Manche verstanden. Einige waren weniger einfühlsam und überschütteten mich mit Vorwürfen für mein „Versagen“. Eine meiner größten Errungenschaften im Leben, war es wohl, trotzdem kein allzu schlechtes Gewissen deswegen zu haben, nicht meine Anstrengungen zu verstärken sondern den Abstand. In dieser Zeit fand ich auch heraus, wer meine wirklichen Freunde waren…aber das ist ein anderes Thema 🙂

Ja sage ich trotzdem noch viel zu oft.  Seit ich denken kann, helfe ich anderen dabei, ihre Geschäfte, Häuser, persönlichen Angelegenheiten, Pläne und Pflichten ins Reine zu bringen, ihre Wünsche und Träume zu erfüllen, ihre Ängste zu lindern, sie zu ermutigen und Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen. Es ist „mein Talent“  und ich tue es nach wie vor für jeden und gern. Trotzdem ist es wichtig, von Zeit zu Zeit inne zu halten und zu überlegen, ob man dies oder jenes auch wirklich tun muss, nur weil man es kann…dass so manches spontane JA, ein Nein zu sich selbst ist und Egoismus kein Schimpfwort sondern manchmal gesunder Selbstschutz. Leider muss ich jetzt aufhören, denn gerade braucht wieder jemand eine spontane Abholung … „Kann ich gerne übernehmen..“ habe ich mich sagen hören und meinen eigenen Termin natürlich sofort verschoben. Daran muss ich wohl noch etwas arbeiten 😉

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Manchmal dürfen auch Eltern unvernünftig sein!

Es war Schützenfest im Städtchen. In den 60er Jahren und in der abgelegenen Gegend, in der ich aufwachsen durfte, immer DAS Ereignis des Jahres und auch für uns Kinder die größte Sensation. Neben dem Kettenkarussell (Ponyreiten fanden meine Eltern damals schon doof!) hatte es mir besonders die Losbude angetan. Bunt aufgereiht saßen dort in den Regalen riesige, herausgeputzte Puppen. Sie trugen Spitzenkleider und Hochsteckfrisuren. Der Traum jedes kleinen Mädchens in dieser Zeit und für die meisten kleinen Mädchen damals, unerreichbar.

Mein Vater spendierte großzügig ein paar Lose aber wie so oft waren es Nieten und meine Enttäuschung wuchs mit jedem Los, das ich dann wütend zerriss. Eigentlich spielte ich gar nicht mit Puppen aber diese Schönheiten übten eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf mich aus und obwohl der Rummel so viel mehr zu bieten hatte, weiß ich noch gut, wie enttäuschend der Rest des Rundgangs für mich war. Ich wurde dann nach Hause gebracht während meine Eltern das Abendprogramm im Festzelt geniessen wollten.

Am nächsten Morgen erwartete mich im Esszimmer eine Überraschung, an die ich mich heute, gut 50 Jahre später, noch erinnere, als wäre es gestern gewesen:

Ich dachte, ich träume, denn auf dem Esstisch türmten sich  Stofftiere in allen Farben und Größen, Spielzeug, Plastikrosen, Sammeltassen, Wundertüten, Fächer…es war so ziemlich alles vorhanden, was es irgend an einer Losbude zu gewinnen gibt. Und auf diesem riesen Berg von Schätzen thronte eine Puppe…sie trug ein grünes Spitzenkleid und eine Hochsteckfrisur …

Mein Vater sass noch etwas übernächtigt am Tisch und strahlte mich an: „Ich habe so oft gelost heute Nacht, aber es war nie die Puppe dabei. Da habe ich einfach den ganzen Loseimer gekauft, …es gehört alles dir!“

Wir waren zu diesem Zeitpunkt weissgott keine wohlhabende Familie. Eigentlich war es Wahnsinn, was mein Vater da getan hatte. Es war pädagogisch vielleicht nicht ganz korrekt, ganz sicher aber unsinnig und verschwenderisch. Diese Aktion musste ein riesen Loch in die Haushaltskasse gerissen haben. Trotzdem bin ich unglaublich dankbar, diesen Moment in meiner Erinnerung zu haben. Die Puppe ist längst in den Müll gewandert, die Freude in seinen Augen über meine Freude, die werde ich immer mit mir tragen.

Kürzlich fragte ich mein eigenes Kind, an welche besonderen Begebenheiten aus ihrer Kindheit sie sich gern erinnert. Und wieder waren Lose im Spiel.

Da ich niemanden hatte, der auf sie aufpasste, während ich meine Baustellen betreute, und ein Hort nie in Frage kam (wenn es denn am Land einen gegeben hätte), war sie am Nachmittag immer bei der Arbeit mit dabei. Natürlich hatte ich, wie alle berufstätigen Mütter, ein schlechtes Gewissen deshalb und versuchte nach jedem Arbeitstag ein Highlight zu setzen, ein Spiel, eine kleine Belohnung…uns fiel immer etwas ein. An diesem Tag war es ein Los im Supermarkt, ihr erstes im Leben und sie gewann auf Anhieb 100 DM in bar.

„Du hättest mir das Geld abnehmen können oder mir nur einen kleinen Teil aushändigen…du hättest mir den vernünftigen Umgang mit Geld zeigen können, mich zum Spenden ermahnen oder mir erklären wie man spart. Aber weißt du, was du stattdessen gemacht hast?“ Ich wusste es noch, aber lächelte und wartete ihre Antwort ab.

„Du hast gesagt, das Geld wäre ein Geschenk des Universums, nur für mich allein und ich darf mir davon kaufen, was ich möchte. Dann bist du mit mir in den nächsten Spielzeugladen gefahren und ich habe mir mein Lieblings Playmobil und alle Figuren dazu gekauft, die es gab.  Mein erstes eigenes Geld und ich durfte alles ausgeben, das war soo cool, besser als Geburtstag oder Weihnachten! Ich werde das nie vergessen!“

Ich sah die Freude in ihren Augen als sie mir die Geschichte erzählte und musste wieder einmal an meinen Vater denken. Eltern müssen nicht immer vernünftig sein! Manchmal bleiben wunderschöne Erinnerungen, wenn sie es einmal nicht waren 😉

 

 

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Hilfe! Ich bin ein Lebensmittel Nazi!

Wer erwachsene Kinder hat, der kennt die Glücksmomente, wenn sie in den Semesterferien wieder einmal Zuhause logieren. Und neben vielen anderen Dingen, die ich nun endlich wieder mit meiner Tochter gemeinsam unternehmen kann, steht auch Kochen auf dem Plan. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass ich eine lausige Köchin bin. Was bei mir auf den Tisch kommt, ist entweder noch naturbelassen und somit perfekt oder es ist zubereitet, dann fällt es meist unter die Kategorie, mäßig bis ungenießbar. Die Vorbildwirkung Erwachsener ist zum Glück nicht in allen Fällen prägend, denn mein Kind ist trotzdem eine hervorragende und kreative  Köchin geworden. Sie hat es sich selbst beigebracht, zaubert aus allem im Handumdrehen irgendetwas Leckeres und daher hatten wir einen Kochkurs vereinbart. Das wollte ich jetzt auch können 🙂 .

Während sie mir über die Schulter sah und Anweisungen gab, bereitete ich die Zutaten vor. Die erste Tomate war bereits etwas eingedellt, also entsorgte ich sie. Auch die Kokosmilch schien mir verdächtig, sie lagerte aber auch schon ewig im Schrank, also weg damit, irgendwo musste noch eine frischere Packung liegen. Als ich auch vom Salat äußerst großzügig die Blätter entfernte, die mir nicht ansprechend genug aussahen, platzte ihr der Kragen. „Mama, du bist ein echter Lebensmittel Nazi! Das ist mir vorher nie so aufgefallen. Wieso brauchst du deine Lebensmittel nicht rechtzeitig auf und überhaupt… man kann vieles noch verwenden, wenn man ein bisschen bedacht vorgeht!“.

„Container-Surfen“

Dann erzählte sie mir, dass sie und  ihr Freund an den Wochenenden immer zu den Abfallcontainern der Discounter in Innsbruck, ihres damaligen Studienortes gefahren sind. Zum „Container-Surfen“. Natürlich ist das nicht ganz legal, und ich fand die Idee zunächst sehr gewöhnungsbedürftig, mir meine Tochter auf der Suche nach Lebensmitteln in Müllcontainern herumkletternd vorzustellen. Aber ihre begeisterte Schilderung brachte mich dann doch zum Lächeln.

Die beiden suchten sich damals also die geeigneten Container, in denen die noch original verpackten Früchte der Discounter am Wochenende gelandet waren. Das gratis Angebot war überwältigend. Tadellose Muffins und tausend andere Dinge, alles noch frisch aber am Montag eben nicht mehr frisch genug für die Obst- und Gemüse Abteilung, oder das Haltbarkeitsdatum knapp überschritten. Nach der Kletteraktion (ich wollte es mir lieber nicht so genau vorstellen),  brachten sie ihre Schätze in Sicherheit und veranstalteten an den Ufern des Inns ein Picknick der Superlative, mit Unmengen Obst, Erdbeeren, Stachelbeeren, Aprikosen und vielen anderen Leckereien. Gewusst wie 🙂 . Sie war zum Glück zu keinem Zeitpunkt darauf angewiesen, sich auf diese Weise zu versorgen aber der Gedanke, all die kostbaren und noch hochwertigen Produkte sinnlos im Müll verschwinden zu lassen, erschien ihr unsinnig und sie nutzte das ersparte Geld lieber für andere Dinge. Wieder einmal gefiel mir ihre Art, die Welt zu sehen und natürlich hatte sie recht! Ich sollte sorgsamer mit den Lebensmitteln umgehen. Den „Lebensmittel Nazi“ wollte ich nicht auf mir sitzen lassen!

Ob es offizielle Zahlen darüber gab, wieviel Essen wir insgesamt verschwenden/wegwerfen? Nach unserem (sehr gelungenen) Essen googelte ich bei der Bundesverbraucherzentrale nach und wurde fündig:

Jahr für Jahr landen in Deutschland 11 Millionen Tonnen Lebensmittel im Wert von circa 25 Milliarden Euro im Müll. Das sind 440.000 Sattelschlepper! Für die Menge der weggeworfenen Lebensmittel werden knapp 30 Prozent der weltweit verfügbaren Anbauflächen unnötig „genutzt“. Das sind selbst für eine „Wohlstandsgesellschaft“ noch irrsinnige Zahlen.

Die Gründe sind vielfältig. In der Landwirtschaft werden Erzeugnisse, die nicht marktfähig sind einfach untergepflügt, wenn sie in Form, Farbe oder Größe abweichen oder zu niedrige Preise erzielen.

Manche Lebensmittel, wie Erdbeeren, sind sehr empfindlich. Transport und Lagerung müssen fachgemäß erfolgen und alles immer bis zum Wochenende verkauft sein.

Hersteller vernichten ihre Überproduktionen, wenn zum Beispiel bei schlechtem Wetter weniger Grillwaren gekauft werden.

Der Handel entsorgt Lebensmittel oft bereits kurz vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatum.

Bäckereien bieten Brot vom Vortag oft nicht mehr an, sondern werfen es weg.

In  allen Kantinen, bei Airlinern und co  müssen sämtliche Buffetreste aus hygienischen Gründen immer entsorgt werden.

Lebensmittel haben leider insgesamt nicht mehr den Stellenwert, den sie noch vor 50 Jahren hatten. Während in den 50er und 60er Jahren für Nahrungs- und Genussmittel noch 50 Prozent des Haushaltseinkommens ausgegeben wurde, ist dieser Anteil auf aktuell nur noch 9,5 Prozent gesunken. Lebensmittel sind immer billiger geworden und die „Geiz ist Geil“ Mentalität nach wie vor fest im Denken verwurzelt. Fast 40 Prozent der Lebensmittelausgaben erfolgen mittlerweile in der „Außer-Haus-Verpflegung“. Tendenz steigend!  Das Wissen und die Kompetenzen der Lebensmittelauswahl, Lagerung und Zubereitung bleiben auf der Strecke, denn immer weniger Menschen lernen, wie man Lebensmittel richtig lagert und zubereitet. Jeder Bundesbürger wirft durchschnittlich im Jahr ca 80 kg Lebensmittel in den Müll. Zwei Drittel davon wären vermeidbar! Nachfolgend habe ich ein paar Anregungen zusammen gestellt aber sicher gibt es noch viel mehr Optionen, etwas bewusster mit den wertvollen Lebensmitteln umzugehen.

  • Einkaufslisten erstellen, sie helfen dabei, damit nur die notwendigen Lebensmittel im Einkaufswagen landen
  • Vorräte sollten so gelagert werden, dass man den Überblick über das jeweilige Verfallsdatum behält und nichts in Vergessenheit gerät.
  • Obst und Gemüse immer schnellstmöglichst verwerten und überreifes Obst eignet sich noch sehr gut als Kompott, Smoothie, Marmelade oder zur Verarbeitung in einem Kuchen.
  • Kühlschränke und Vorratsschränke sollten peinlichst sauber sein und regelmäßig gereinigt werden, damit Bakterien und co keine Chance haben, das Verfallsdatum zu beschleunigen.
  • Reste einfach in geschlossenen Behältern einfrieren und später genießen oder kühl lagern und als Snack to go mitnehmen.
  • Frische und leicht verderbliche Lebensmittel lieber in kleinen Mengen und öfter einkaufen
  • Falls es einen Hofladen in der Nähe gibt  –  auch einmal Obst und Gemüse kaufen, das noch individuell aussieht, dort gibt es auch noch krumme Gurken und unrunde Tomaten!

 

Und wie immer gilt der Grundsatz: Weniger ist mehr…und dann von guter Qualität…Bioware und fair erzeugt ❤
Veröffentlicht in Seelenmarzipan, Tierschutz

Post, die mich zum Weinen brachte…

Meinen eigenen Briefkasten leere ich bestenfalls einmal in der Woche. Sollte tatsächlich auch einmal eine Einladung oder eine Postkarte zwischen den lästigen Werbesendungen und unvermeidlichen Rechnungen sein, dann finde ich sie noch schnell genug. Wenn der Wust an Prospekten und Wochenblättchen, die kein Mensch braucht, (ich schon gar nicht), irgendwann das Volumen sprengt, dann klingelt der nette Postbote freundlich an der Tür und reicht mir mit vorwurfsvollem Blick die durchweichten Bündel Papier.

Ganz anders, die Vereinspostfächer. Morgens fällt bereits der erste Blick auf die Spendeneingänge, die dann die Optionen für den Tag diktieren und meine bange Frage beantworten, ob heute etwas an unsere Partner und Helfer vor Ort überwiesen werden kann oder ob ich wieder bedauernd vertrösten muss.  Anfragen müssen beantwortet werden, denn wer uns anschreibt, hat meist ein dringliches Problem, eine dringliche Frage und wann immer möglich, steht jemand aus unserem Team bereit, sie zu beantworten oder zu lösen. Ich leite also weiter.

Gestern war eine Mail in der Post, die mich schlucken ließ. Es ging um einen Todesfall und die Bitte der Angehörigen, anstatt Blumen, eine Geldspende an unseren Verein zu überweisen. Der Text der Traueranzeige wurde mitgesendet, in diesem Text wurde auch noch kurz erläutert, warum gerade unser Verein ausgewählt wurde. Ich schrieb sofort zurück, bedankte mich und hoffte, meine Worte konnten vermitteln, wie glücklich und dankbar wir über diese Geste sind.

Neben der Tatsache, dass wegen der Kittenschwemme jeder Euro diese Tage besonders dringend benötigt wird und einige der Helfer in den Krisengebieten gerade wieder  verzweifelt auf eine finanzielle Hilfe warten, war ich für einen Moment auch unglaublich stolz und glücklich zu lesen, dass unsere Arbeit wahrgenommen und geschätzt wird. Diese Art der Hilfe ist für jeden Verein etwas Besonderes und ein Segen!

Als mein Vater  vor gut einem Jahr verstarb, wurde um Spenden für den deutschen Tierschutzbund gebeten. Eine schöne Geste, die ich dieser großen aber doch bereits recht gut situierten Organisation von Herzen gönnte. Aber ich habe nun einmal einen eigenen Verein! Jetzt stand schwarz auf weiß zu lesen, dass jemand  (meine) unsere Arbeit wahrgenommen hat und so wertvoll fand, dass er sie anderen Organisationen vorzog. Es hat mir viel bedeutet. ❤

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No Name Cat…Blog eines Straßenkaters Teil3

Ich würde euch gerne meine Geschichte erzählen. Ihr alle kennt mittlerweile meinen Namen. Aber ich hatte nicht immer schon einen…

Nach einem zehntägigen Aufenthalt in der Klink, die Details möchte ich euch ersparen, zog ich also bei diesem Menschen ein. Ich hatte jetzt mein eigenes Zimmer, Bett, Spielsachen, frisches Wasser und Essen. ESSEN, das ich nun tatsächlich auch essen konnte!

Aber so glücklich ich auch über all diese wunderbaren Dinge war, bisher kannte ich nur Angst. Sie war in all der Zeit auf der Straße der einzige Begleiter, der immer an meiner Seite war. Und dieser Begleiter war nach wie vor da, fand immer wieder neue Gründe, in mir zu wachsen.

Daher ignorierte ich anfangs mein kuschliges Körbchen und wählte als Schlafplatz sicherheitshalber den nackten Boden unter dem Bett, man weiß ja nie! Sie stellte dann einfach noch ein anderes Körbchen für mich unter das Bett.
Ich hatte auch Angst vor den Spielsachen, die sie mir anbot. Keine Ahnung, was mir daran so Angst machte, aber spielen war mir nie in den Sinn gekommen. Ich entschuldigte mich bei Martha für mein Desinteresse, indem ich meinen Kopf zärtlich an ihr rieb und sie nonstop anschnurrte. Ich glaube, sie war mir nicht wirklich böse, weil ich nicht spielen konnte. Mein Vertrauen zu ihr wuchs. Ich fühlte mich sicher. 

Mit dem Gefühl der Sicherheit, begannen all meine „Kommunikations Kanäle“ plötzlich wieder zu funktionieren.

Plötzlich konnte ich dieses warme Gefühl wieder spüren. Ihr wisst schon, das Gefühl, das die Menschen Liebe nennen. Dieses Mal fühlte es sich aber noch ein bisschen anders an.
Diesmal fühlte es sich so an, als kam es von ganz weit her, von einem Ort, der sich Deutschland nennt. Aber die räumliche Entfernung spielte keine Rolle. Die größte Entfernung zwischen zwei Lebewesen ist Gleichgültigkeit, nicht die Anzahl der Kilometer!
Für mich fühlte es sich so an, als wären all diese Menschen gleich im Haus neben uns! Und sie mochten mich wirklich, das zeigten sie mir auf viele Weise.

Jetzt hatte ich sogar eine Patin. Ich habe sie immernoch! (Hey Patin Monika, ich liiiiebe dich ❤ ).

Mittlerweile hat man mir auch einen einzigartigen Namen geschenkt. Das wäre fast daneben gegangen, denn meine schusselige Pflegemama Martha hielt mich anfangs für ein Mädchen. Das hat sie allen tatsächlich erzählt! (Aber ich denke, irgendwann werde ich ihr das dann doch verzeihen…)
Um es kurz zu machen, ich war umgeben von unendlich viel Liebe und Glück. Leider auch von unendlich viel Krankheit. Und ehe ich mich versah, musste ich zurück in die Tierklinik.Darüber würde ich euch gern das nächste mal mehr erzählen…Ihr alle kennt mittlerweile meinen Namen. Aber ich hatte nicht immer schon einen.Mein Name ist Valerion…

 

Fortsetzung folgt

(c) Martha Politis Athanassiou/ BMS

Valerion sucht ein Zuhause!

Wenn ihr seine /RetterinPflegestelle in Athen, Martha, gerne mit einem Carepaket, einer Patenschaft oder bei der Vermittlung unseres Val unterstützen möchtet, dann kommentiert bitte auf FB oder schreibt mir.

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Zeit für Veränderungen!

Es gibt immer wieder Dinge im Leben, die irgendwann nicht mehr so recht zu uns passen wollen, an die wir uns einfach gewöhnt haben. So sehr,  dass wir gar nicht mehr bemerken, wie sehr sie uns zur Last geworden sind. Wie ein enges Mieder, dass zwar nie genug Luft zum Atmen lässt, aber dessen Druck uns nach ein paar Stunden nicht mehr bewusst ist.

Oft ist dieses Mieder nur ein vages Gefühl. Vielleicht zunehmend die Unlust jemanden zu sehen, etwas zu tun, Dinge zu vertreten, hinter denen wir längst nicht mehr stehen. Das Bauchgefühl weiß in der Regel lange vor dem Kopf, was angezeigt wäre und daher ist es nie verkehrt, sich zwischendurch immer einmal zu fragen: Will ich das überhaupt noch? Brauche ich das? Passt das noch zu mir? Muss ich das wirklich?

Seit ich diese Art der Lebensweise pflege, habe ich einige Menschen losgelassen, TV, Zeitschriften, Labels, die meisten tierischen Lebensmittel, Religion, die Angst vor Falten und vieles mehr! Im Nachhinein wunderte ich mich immer, warum ich jemals glaubte, nicht „ohne“ leben zu können.

Je knapper die verbleibende Zeit wird, desto öfter überprüfe ich, was mir wirklich wichtig ist, versuche den Fokus darauf zu legen und tauche dann einfach ein oder aber höre damit auf. Wenn ich etwas verändern wollte, dann tat ich es, wenn ich gerne etwas sein wollte, dann war ich es. Weltenbummlerin, Mutter, Landfrau, Unternehmerin, Nerd oder Bloggerin. Immer wieder neue Metamorphose. Mal Schmetterling, mal Motte. Manchmal auch Raupe 🙂 .

Meine neueste Leidenschaft, die so neu nun auch nicht mehr ist, immerhin versuche ich nun bereits seit zwei Jahren die Welt zu retten, hat mir meine Grenzen aufgezeigt. Ich hoffe, es ist nicht die nachlassende Kraft sondern eher das gewaltige Ausmass dieser Aufgabe, die nie zu bewältigen ist und wo auf einen Sieg 100 Niederlagen folgen oder auch einmal gar kein Sieg und nur Niederlagen. Wer sich einmal eingehend mit dem Thema Frustration befassen möchte, dem rate ich zu einem Ehrenamt im Tierschutz. Nachhaltiger kann man es nirgends lernen.

Es fühlt sich gerade wieder einmal so an, es wäre an der Zeit, eine neue Herausforderung zu suchen oder zumindest wieder etwas Raum für eine zu schaffen. Denn selbst wenn diese bereits längst mit einem Vorschlaghammer an meine Türe geklopft hat, ich war einfach zu beschäftigt, sie zu hören. Aber zum Schluss war sie so laut, diese neue Herausforderung, dass ich sie endlich herein bat. Und wieder stellte sie mir die vertrauten Fragen: Willst du das überhaupt noch? Brauchst du das? Passt das noch zu dir? Musst du das wirklich?

Plötzlich hatte ich den dringlichen Wunsch, mich nicht mehr ausschließlich um die Belange anderer zu kümmern, Zwei- oder Vierbeiner, so wichtig sie mir auch sind, ich möchte mir die Zeit schenken, mein Buch zu Ende zu schreiben, mich zur Abwechslung wieder einmal um mein eigenes Bankkonto sorgen,  nicht nur Arbeitsgruppen sondern auch wieder den Garten pflegen, meine Meinung ungefiltert äußern  und mich erinnern, wie es sich anfühlt, Langweile zu haben. Das würde mir jetzt gefallen. Why not?

Keine Ahnung, wie ich es anstellen werde. Aber bisher hat jede Veränderung auch gleich ein paar Vorschläge unterbreitet, während ich noch ratlos mit den Kopf schüttelte und dann haben wir es gemeinsam durchgezogen. Ich bin schon gespannt ❤