Kurzgeschichten, Seelenmarzipan, Tierschutz

Einschreiben für mich…weiha!

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Es lag schon seit Freitag im Briefkasten. Ich erkenne solche Hiobsbotschaften, selbst wenn ich nur mit der Hand in den Briefkastenschlitz fasse und überlege, ob es sich lohnt , den Kasten zu öffnen, oder ob ich nicht einfach noch ein wenig länger warte, ehe ich mir den Tag damit verderbe.

Aber gestern Abend musste es dann einfach sein. Werbung, Werbung, eine Postkarte … und eine Benachrichtigung für ein Einschreiben. Weiha!

Habe ich schon erwähnt, dass ich eine Dokumenten und Rechnungs-Phobie habe und diese liebevoll pflege? Alle wichtigen und unvermeidlichen Dinge laufen via Dauerauftrag und natürlich kümmere ich mich notgedrungen auch um die ein oder andere Bürgerpflicht, wie Steuerbescheide und Strafzettel aber alle sin allem vermeide ich den Kontakt und er macht mir tagelang schlechte Laune und ein ungutes Gefühl. Was wohl diesmal hinter dem Einschreiben steht?

Ich grübelte den ganzen Abend und ein Horrorszenario nach dem Anderen ging mir durch den Kopf.

Wollte die Krankenkasse auch noch eine Biopsie am schlagenden Herzen und den rechten Augapfel, damit ich endlich die benötigte Bescheinigung erhielt?

War mein Führerschein Geschichte, weil ich irgendwo ein Schild übersehen hatte und neue Rekorde in Sachen Geschwindigkeitsübertretung errungen?

Hatte ich irgendeine Rechnung versemmelt und die Inkasso Unternehmen waren mir jetzt auf den Fersen?

War irgend eine Copyright Verletzung in meinem Blog passiert und jetzt sollte ich um schwindelnde Summen verklagt werden?

Je länger ich über sämtliche Optionen nachdachte, desto seltsamer wurde mir zumute, ich drehte den Benachrichtigungsschein hin- und her, als könnte er mir verraten, worum es diesmal geht. Die Antwort musste bis zum nächsten Tag warten. Um mich abzulenken stöberte ich ein wenig im Internet, sollte ich morgen pleite sein, ohne Führerschein oder im Gefängnis, dann wollte ich heute noch eine weiße Bluse oder ein weißes T-shirt kaufen, am besten mit Spitze…das beschäftigte mich bis zum Einschlafen, auch wenn ich nichts passendes fand. Immer wieder fiel mir das mysteriöse Einschreiben ein und verdarb die Kauflaune.

Am nächsten Morgen stand ich im Postamt und lauschte angespannt, als der Beamte in dem Fach mit den Einschreiben wühlte. Es knisterte und raschelte und dann zog er einen Umschlag heraus. Ich warf einen kurzen Blick darauf und strahlte von einem Ohr bis zum anderen. DAS konnte auf jeden Fall nichts wirklich unangenehmes sein, dieser Umschlag war einfach zu groß für Rechnungen, Vorladungen oder offizielle Schreiben.

Noch im Postamt riss ich ihn auf und dann war ich für einen Augenblick wirklich sprachlos. Im Umschlag war ein weisses Shirt, mit Spitzen, genau meine Größe, genau mein Geschmack, so wie ich es gestern vergeblich gesucht hatte. Wer konnte meine Gedanken lesen und das eine Woche im Voraus??? Ich hatte niemals ein solches Shirt erwähnt!

Argyro, die als Freiwillige Helferin für SCARS Athen Pflegestelle ist, hatte mir dieses Shirt einfach so geschickt … als Einschreiben, damit es auch ganz sicher aus Athen bis nach Nordbayern findet und dazu ein paar sehr persönliche und sehr nette Zeilen.

Wow, Argyro! ❤

Die Anspannung (ich übertreibe nicht, es hatte mich wirklich ziemlich verunsichert, was da auf mich wartet), wechselte in sekundenschnelle zu Freude und Dankbarkeit über. Wie sorgsam ausgesucht das Shirt war,  wie genau es meinen Geschmack traf…wie persönlich… und unerwartet … und dazu die lieben Worte von jemandem, den ich kaum kenne.

Wenn einer von uns beiden ein Geschenk verdient hätte, dann wohl eher Argyro, für das, was sie jeden Tag ehrenamtlich für die Tiere in Athen leistet und besonders für die liebevolle Pflege ihre Schützlinge , die sie privat in der eigenen Wohnung betreut.

Heute hatte ich also das erste Einschreiben erhalten, das mich zum Strahlen brachte. Meine Phobie macht Fortschritte 🙂

Dankeschön, Tausend Dank, liebe Argyro und Grüße nach Athen!!!

 

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It had been in the mailbox since Friday. I recognize such bad news, even if I only hold by hand into the mailbox slot and wondering whether it is worth opening the box, or whether I just wait a little longer, before I spoil the day with it.

But  last night i needed to check to mailbox. I could not longer postphone it. Advertising, advertising, a postcard … and an official note to get a registered letter from the post office. Ooops!

Did I mention that I have a document and bill phobia and pamper that phobia lovingly? All important and inevitable things run via standing order and of course I take care of the one or the other civic duty, as tax bills and traffic fines but all in all I avoid the contact and paying bills and taking care of documents, causes me bad mood and a bad feeling for days. What was this time behind the registered mail in my box?

I pondered all evening and one horror thought after another came to my mind.

Did the health insurance company also want a biopsy on the beating heart and my right eyeball, so that I finally received the required certificate?

Was my driver’s license history, because I had missed a sign somewhere and achieved new records of speeding?

Had I messed up some account and the debt collection companies were now hot on my heels?

Was there any copyright infringement on my blog and now I would be sued for huge sums?

The longer I thought about all the options, the stranger I felt.  I turned the notification slip back and forth, as if he could tell me what this time was waiting for me. The answer had to wait until the next day.

To distract myself, I rummaged a bit on the Internet, if i might be broke or without a driver’s license or in prison tomorrow, then I wanted to buy a white blouse or a white T-shirt, today…preferably with lace … that search occupied me until falling asleep, even when I found nothing suitable.

The next morning I stood in the post office and listened to the crackling noise, as the bureaucratist rummaged through the mailbox. It crackled and rustled and then he pulled out an envelope. I glanced at it, beaming from one ear to another. THAT could not be anything really unpleasant, this envelope was just too big for bills, subpoenas or official letters.

I tore it open instantly, while i was still  in the post office. I tore it open and then for a moment I was really speechless. In the envelope was a white shirt, with lace, just my size, just my taste, the shirt I had searched for in vain, yesterday evening. Who could read my thoughts and read them one week in advance? I never ever mentioned such a shirt to anybody!

Argyro, who is a volunteer helper for SCARS Athens foster care, had just sent me this shirt … as a registered letter, so that it safely found its way from Athens to northern Bavaria and with the shirt also a few very personal and very nice lines.

Wow, Argyro! ❤

The tension (I am not exaggerating, it really made me quite confused, what is waiting for me), changed in seconds to joy and gratitude. How carefully chosen the shirt was, how exactly it met my taste … how personal … and unexpectedly … and the kind words of someone, I hardly know.

If one of us deserves a gift, then it would be rather Argyro than me, for what she volunteers every day for the animals in Athens, and especially for the loving care of her foster cats, which she looks after in her private home.

So today I received the first registered letter that made me smile. My phobia is making progress 🙂

Thank you, a thousand thanks, dear Argyro and greetings to Athens !!!

Seelenmarzipan, Tierschutz

Eine Gottesanbeterin namens Joey…die bezaubernde Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft <3

Sein Name ist Joey…und auch wenn es seltsam klingen mag, dass wir einer Gottesanbeterin einen Namen gegeben haben …es gibt da eine Geschichte dahinter…

Eines Nachts ging ich auf unsere Veranda, und da lag er am Boden…komplett mit Spinnweben verschnürt, er konnte sich kaum noch bewegen.

Ich dachte zuerst, er wäre bereits tot, er sah aus, wie in einer Zwangsjacke gefangen, die Beinchen fest an seinen Körper gepresst aber als ich genauer hinsah, bemerkte ich, dass er noch am Leben war.

Ich kann einfach nicht wegsehen, wenn ein Tier leidet und Rettungs -Mission „Joey trat in Aktion. Ich schnappte ihn mir und ab ging es ins Haus mit ihm.

Kurz vorher hatte ich meine 5 Jahre alte Tochter ins Bett gebracht aber als ich mir den armen Joey geschnappt hatte, steuerte ich auf ihr Kinderzimmer zu, denn sie ist meine beste Assistentin, wann immer jemand gerettet werden muss. Nachdem ich Pinzetten, eine Tasse Wasser und meine Tochter um mich versammelt hatte, begannen wir an Joey zu arbeiten…

Ich hatte nie vorher ähnliches getan und daher hatte ich keinen Plan, ob wir ihn wohl retten könnten, er sah ziemlich mitgenommen aus und das Netz vorsichtig abzulösen, jagte mir Angst ein. Ich rechnete fast damit, dass seine Beinchen dabei brechen würden. Eines davon war bereits verletzt, ehe wir mit der Prozedur begannen und ich musste also besonders vorsichtig damit umgehen.

Das Wasser half ungemein dabei, die Spinnweben abzulösen aber wir benötigten zwei Stunden, bis er die Zwangsjacke schließlich komplett los war. Endlich befreit, zögerte er ein wenig und wir mussten ihn ermutigen, sich wieder auf die eigenen Füsse zu stellen aber dann machte er mit.

Die nächste Aufgabe war es, herauszufinden, wie wir am besten für ihn sorgen könnten, denn er würde etwas Zeit brauchen, bis er sich erholt hatte. Ich ging ins Netz und suchte nach „Gottesanbeter Pflege“ und fand zu meiner Freude heraus, dass Gottesanbeterinnen Katzenfutter mögen.

Yeah! Ich habe Katzen…also war Katzenfutter bei uns auf der Speisekarte. 🙂

Die nächste Woche stellte sich als eine unvergessliche Erfahrung heraus…für Joey zu sorgen und ihm dabei zuzusehen, wie er gesund wurde, berührte mein Herz in einer Weise, wie ich das niemals für möglich gehalten hätte.

Ich bastelte ihm ein Genesungszimmer aus einem Käfig und sperrte ihn darin ein, damit er in Sicherheit war. Es schien ihn in keinster Weise zu stören, denn er konnte durch die Gitterstäbe alles beobachten. Ich fütterte ihn mit einem winzigen  Babylöffel und er aß genüsslich, sobald ich ihm den Löffel hinhielt.

Nach ein paar Tagen gewann er seine Kraft zurück und wir wagten den nächsten Schritt: Lebendfutter. Ja, meine Tochter und ich waren draußen unterwegs und fingen mit einem Netz Fliegen und auch kleine Motten. Diese Dinger lebendig zu fangen war keine leichte Sache, so viel steht fest.Wenn wir sie erwischt hatten, ließen wir sie in Joeys Käfig frei und er erledigte den Rest. Diesen Teil der Fütterung wollte ich mir dann doch lieber ersparen.

Es dauerte etwas über eine Woche und unser Joey sah richtig gut aus, er bewegte sich normal, er futterte wie ein kleines Schweinchen…wir wussten, es war an der Zeit, ihn frei zu lassen. Ich stellte seinen Käfig auf die Veranda und öffnete die Tür. Er kam nicht gleich heraus, also ließ ich die Türe offen und beschäftigte mich im Garten. Alle paar Minuten sah ich nach ihm und zentimeterweise wagte er sich auf den Weg in die Freiheit. Schließlich war dann draußen, er saß auf dem Käfig aber bewegte sich nicht weg.

Jetzt war ich doch ein bisschen besorgt, ob er denn wirklich schon so weit war. Als ich mich ihm näherte sprang er auf mich, ich hielt ihn kurz in der Hand und setzte ihn wieder auf den Käfig. Er schien OK und in Bestform 🙂 .

Nach und nach dehnte Joey seine Ausflüge auf die umliegenden Pflanzen aus, aber er behielt die Heimatbasis auf unserer Veranda und jedesmal, wenn wir nach draußen kamen, sprang er auf uns, offensichtlich erfreut darüber, Besuch zu haben.

Wir waren Freunde…und es war völlig egal, ob so etwas möglich ist oder nicht. Wir waren es einfach.

Dieses Bild entstand , nachdem Joey wieder gesund war.

Quelle: https://www.facebook.com/mikeyshouse/posts/2848305128544959?__tn__=K-R

Diese Geschichte stammt von der Facebook Seite Mickey´s House und ich durfte mit freundlicher Genehmigung der Verfasserin, die deutsche Übersetzung und Bearbeitung vornehmen. Thank you for this wonderful story dearest Jenny ❤

Alle Rechte vorbehalten.

 

 

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Quelle: https://www.facebook.com/mikeyshouse/posts/2848305128544959?__tn__=K-R

 

 

 

 

 

Chance, Lifestyle, Seelenmarzipan, Tierschutz

Sag mir welches Auto du fährst und ich werde dich dann dafür verurteilen :-)

Jetzt fahre ich seit gut 40 Jahren Auto. Mein Fahrstil und Parkverhalten ist in etwa immer das Gleiche geblieben. Defensiv, etwas verpeilt und manchmal auch Gib Gas, ich will Spass. Erstaunlicherweise ist die Reaktion der anderen Autofahrer auf dieses Fahrverhalten komplett unterschiedlich, je nachdem, in welchem Fahrzeug ich sitze. Die Deutschen sind nämlich Auto-Rassisten.

Bedingt durch meine berufliche und private Situation, reichte die Palette meiner fahrbahren Untersätze vom verbeulten kleinen Transporter bis hin zum Bentley, ich war im gemütlichen Kastenwagen, mit überzogenem TÜV genauso unterwegs, wie mit dem Porsche Cabrio. Mit allen Fahrzeugen verbummelte ich grüne Ampeln, wenn ich gerade nach der Schokolade angeln musste, parkte ich vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig oder blockierte unabsichtlich die linke Spur auf der Autobahn, weil ich während des Überholvorgangs nicht schneller fahren wollte, als mein Schutzengel fliegen kann.

Die Menschen verzeihen großzügig all diese kleinen und größeren Sünden, wenn man in einem billigen Fahrzeug sitzt. Ganz ehrlich! So gut wie nie, hat jemand gehupt, äußerst selten gab es eine Ermahnung durch Gesten oder Hupen, wenn ich in einem alten Fahrzeug, oder mit einem der unteren Preiskategorie meine kleinen Fahrsünden verzapfte.

Ganz anders, wenn das Lenkrad in meinen Händen zu einem Modell der oberen Preisklasse oder gar Luxusklasse gehörte. Der Hass und der Neid entlud sich regelmäßig in Hupen, dicht auffahren, abwertenden Gesten bis hin zum Stinkefinger und ein paar Mal sogar in Zetteln am Auto, die witzig sein sollten aber eigentlich nur hässlich waren. Es ging dabei nämlich nicht um das Parken sondern um den Autotyp, der auf der weißen Linie stand und nicht ordnungsgemäß 2 cm daneben. Grundsätzlich wird man mit einem Kleinwagen auch deutlich schneller zum Einfädeln an Engstellen vorgelassen. Ich habe es oft genug erfahren …

Warum eigentlich sind wir so neidisch? Warum können wir nicht, wie zum Beispiel in USA, auch einmal anerkennend nicken, wenn ein besonders schönes Automodell an uns vorbei fährt?

Ich selbst, ganz privat…ich liebe meinen kleinen Mini, der alles hat, was mich an einem Auto glücklich macht. Sitzheizung, Klimaanlage, handlich, praktisch, klassisch. Ein guter Sound IM Auto, schöne Musik beim Fahren, das ist mir wichtiger als der Sound aus dem Auspuff und von vielen Pferdestärken. Aber ich gönne jedem sein Gefährt und denke manchmal eher sogar insgeheim mitleidig…

-mit wem muss sie wohl schlafen, damit sie dieses Auto fahren darf?

-wie viel Zeit ihres Lebens musste sie opfern und worauf hat sie alles für ihre Karriere verzichtet, damit sie sich dieses Auto leisten kann?

-was für ein gruseliger Gedanke, jetzt im Hochsommer, Anzug und Krawatte tragen zu müssen, dafür würde ich den dicksten Geschäftswagen nicht eintauschen wollen!

-ob es noch viele Leasing-Raten sind, die er bezahlen muss, damit er weiter leihweise über seine Verhältnisse fahren kann?

Manchmal denke ich auch einfach…wow…tolles Auto…und freue mich an dem Anblick, wie an dem einer Blume, an schöner Architektur oder anderen optischen Bereicherungen.

Aber zu jedem Zeitpunkt sehe ich den Menschen IM Auto, beurteile ihn nicht nach PS und Listenpreisen, schätze ihn weder gering noch überschätze ich ihn.

Es ist doch nur Blech, … einmal teurer, einmal billiger und in jedem Auto sitzt jemand, der wie du und ich Kummer, Sorgen und Nöte hat, der sich freut, wenn man nett zu ihm ist.

Ich war in jedem Auto stets der gleiche Mensch und erhielt so unterschiedliche Reaktionen. Das tolerante, bunte Deutschland, ist ein Volk der Autorassisten. Schade, eigentlich ❤

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Kurzgeschichten, Seelenmarzipan

Eine Nacht mit Bischof Tutu…

Ich werde oft gefragt, welchen interessanten Persönlichkeiten ich während meiner Arbeit als Stewardess bei der Deutschen Lufthansa begegnet bin und es gäbe tatsächlich einiges zu erzählen, was mich auch heute noch zum Lächeln bringt. Menschen verändern sich, sobald sie ein Flugzeug betreten, jedenfalls viele von ihnen und in der First Class war während eines langen Nachtfluges oft reichlich Gelegenheit, Facetten einer Persönlichkeit oder eines VIPs kennen zu lernen, die es nicht in die Yellow Press geschafft hatten. Unvergessen der Auftritt von Pinochet, dem Diktator aus Chile.

Er hatte die gesamte Firstclass im Upperdeck für sich und seinen Hofstaat exklusiv gebucht und lehnte die von Lufthansa bereitgestellten Mahlzeiten ab. Es wurde in Chile selbst gecatert, denn er hatte Angst, vergiftet zu werden. Ein riesen Aufriss, bis er dann endlich  an Bord war und seine Bodyguards klärten mich vor dem Abflug darüber auf, dass ich ihn nur ansprechen dürfte, wenn ich von ihm dazu aufgefordert werde und dann die Anrede „Admirante“ verwenden sollte. Diese Anweisung erwies sich als überflüssig, denn der Admirante ignorierte mich während des langen Fluges, verweigerte die angebotenen Speisen und arbeitete mit seinem Sekretär stundenlang an irgendwelchen Dokumenten, die sie über die leeren Sitze ausgebreitet hatten. Da er nichts aß, wagte auch keiner seiner Untergeben zu essen. Mir war es Recht und ich vertrieb mir die Zeit in der kleinen Bordküche, im Upperdeck der 747, mit den Bordillustrierten.

Kurz vor der Landung winkte er mich zu sich und ich befürchtete bereits, er war mit dem Service unzufrieden. Aber offensichtlich war das Gegenteil der Fall. Sein Sekretär öffnete einen kleinen Koffer und in dem Koffer lagen auf schwarzem  Samt ausgebreitet, verschiedene Jadeketten und Anhänger. Ich sollte mir etwas aussuchen. Es kommt nicht alle Tage vor, dass man von einem Diktator mit Schmuck bedacht wird. Ich wählte einen kleinen Anhänger aus, bedankte mich artig… erhielt erneut nur ein abwesendes Kopfnicken als Antwort und dann war ich in Gnaden entlassen. Es fühlte sich vom ersten bis zum letzten Moment ungut an, und als ich später die Liste seiner Verbrechen las, wusste ich, warum!

2011 schrieb  eine Regierungskommission von 40.018 Toten. Darunter sind auch Opfer, die gefoltert oder wegen ihrer politischen Einstellung verhaftet wurden.

„Wie Müll wurden die geschundenen Opfer auf ihre letzte Reise geschickt. Verschnürt in einen alten Sack, rollten die Leichen über Schienen bis an die Küste, und schließlich warfen Helfer sie ins Meer.“ So in etwa dürften sich die grausamen Szenen abgespielt haben, die chilenische Ermittler Jahre später aufdeckten.

Die subtile Atmosphäre der Angst, die dieser Machthaber verbreitete, war auch für mich damals in jedem Augenblick spürbar.

Wie anders war dagegen die Begegnung mit Bischof Tutu.

1984  wurde Desmond Tutu für sein Engagement gegen die Apartheid der Friedensnobelpreis verliehen, im Jahr darauf wurde er Bischof von Johannesburg und er war bereits damals eine Art Superstar der Friedensbewegung und weltbekannt.

Trotzdem hatte er nur einen Sitz für sich gebucht, bevorzugt im stillen Upperdeck der First Class, weil er die langen Nachtflüge gerne verschläft, wurde mir erzählt. In dieser Nacht gab es keinen weiteren Passagier in meinem abgeschlossenen Arbeitsbereich, außer ihm. Ich bereitete mich innerlich auf eine lange und langweilige Nacht, mit wenig Arbeit vor und begrüßte ihn freundlich an Bord, als er in Johannesburg zustieg.

Was für ein angenehmer Gast und keinerlei VIP Allüren! Der Bischof und Friedensnobelpreisträger lächelte mich an, suchte sich einen Platz am Fenster aus und verfolgte interessiert meine Vorbereitungen für den Start. Er studierte die Speisekarte,  genoss die kulinarischen Köstlichkeiten, die ich ihm im Laufe des Abends servierte und nach dem Essen lehnte er entspannt in seinem Sitz und sah hinaus, in die Dunkelheit. Keinerlei Extrawünsche. Ich machte es mir ebenfalls bequem, in der Bordküche und checkte nur von Zeit zu Zeit die Kabine, bereit für weitere Wünsche meines einzigen Gastes.

„Come here, sit down and let´s talk a little“ … forderte er mich bei einem dieser Kontrollgänge freundlich auf. Er konnte nicht schlafen und wollte gerne ein wenig Unterhaltung. Ich hatte keine anderen Pflichten, holte mir einen Tee, setzte mich neben ihn, und dann begann eines der intensivsten und wertvollsten Gespräche, die ich je im Leben führte.

Wir redeten buchstäblich über Gott und die Welt. Angefangen von meinen Fragen zur Apartheid und seinen politischen Aktivitäten in Südafrika bis hin zu Liebeskummer, Tod  und Gott. Er hatte Kinder in meinem Alter und war keinesfalls weltfremd sondern wusste genau, was meine Generation bewegte und er hatte Antworten…richtig gute Antworten, die mir bis heute im Gedächtnis sind. So verging die Zeit, Stunden, wie im Flug, seine Weisheit und Gelassenheit, aber auch der kluge Humor seiner Erzählungen und Ratschläge, waren bemerkenswert. Heute weiss ich, dass er seiner Zeit im Denken weit voraus war, nicht nur zum Thema Apartheid, deren Auswirkungen mich jedesmal wieder schockierte, wenn ich in Südafrika unterwegs war.

Er nannte mich „Child“, wie Geistliche das wohl tun, aber für ein paar Stunden fühlte ich mich in seiner Gegenwart wirklich wie ein Kind, das wie ein Schwamm, Wissen aufsaugt und aufsieht, zu einer großen Seele und einem großen Geist. Selten hat ein Friedensnobelpreisträger diesen Preis mehr verdient. In jedem Satz und in jedem Gedanken, den er in dieser Nacht mit mir teilte, war geballte Lebensweisheit, Weitsicht und Empathie, die er humorvoll und geduldig vermittelte.

„Die meisten von uns erhalten erst durch die eigene Schwäche und Verletzlichkeit Zugang zu ihrer Seele und entdecken so ihre Fähigkeit für  Empathie und Mitgefühl. Lasse sie zu!“

Dieses Zitat von ihm, hat mich bei so manchem Schmerz getröstet und wenn ich eines bedauere, dann dass ich nicht damals sofort aufgeschrieben habe, was er mir ganz persönlich mit auf den Weg gegeben hat, es waren so viele kluge Gedanken und Ratschläge.

Güte, Liebe, Mitgefühl, Sanftheit sind keine Dinge für Weicheier. Sie sind Dinge, nach denen die Welt sich letztlich sehnt.“

Er bedankte sich am Ende des Fluges, segnete mich zum Abschied und sagte mir dann, ich wäre wirklich eine „extraordinary soul“… eine außergewöhnliche Seele. Bis heute, eines der schönsten Komplimente, das mir je ein Mann gemacht hat ❤

 

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Chance, Seelenmarzipan

Die 10 Gebote, Karma Style <3

Menschen sind irrational, unvernünftig und egoistisch.

Versuche sie trotzdem zu lieben.

Wenn du Gutes tust, wird es immer jemanden geben, der dich dafür kritisiert.

Tue trotzdem Gutes.

Wenn du erfolgreich bist, wirst du falsche Freunde und echte Feinde gewinnen.

Sei trotzdem erfolgreich.

Das was du heute jemandem Gutes tust, wird man morgen bereits vergessen haben.

Tue trotzdem Gutes.

Ehrlichkeit und Offenheit machen dich verletzlich.

Sei trotzdem ehrlich und offen.

Die großartigsten Menschen mit den großartigsten Ideen, können von den armseligsten Menschen mit den armseligsten Ideen ausgebremst werden.

Träume trotzdem groß.

Was du über Jahre erbaut hast, kann über Nacht zerstört werden.

Baue trotzdem.

Menschen vergelten es dir oft mit Undank, wenn du ihnen geholfen hast.

Helfe ihnen trotzdem.

Niemand wird dafür Verständnis zeigen, wenn du dafür sorgst, dass es dir gut geht.

Sorge trotzdem dafür, dass es dir gut geht.

Selbst wenn du der Welt dein Bestes gegeben hast, wird sie dich vielleicht dafür mit einer schallenden Ohrfeige belohnen.

Gib der Welt trotzdem dein Bestes.

❤ ❤ ❤

(c) Gutes Karma to go.  Darf sehr gerne geteilt werden, NICHT aus dem Blog kopieren.

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Kurzgeschichten, Seelenmarzipan

Walpurgisnacht …der Zauber des Loslassens

Jeder feiert die Nacht auf den 1. Mai anders. Manche sehen es einfach als schöne Gelegenheit, einmal wieder zu tanzen, manche freuen sich nur auf den freien Tag und eine Wanderung und für einige ist diese Nacht magisch und sie feiern die Nacht des Sommeranfangs mit einer  Zeremonie.

Man ehrt die Natur, zelebriert die Fruchtbarkeit allen Seins und bittet um Schutz für das neue Jahr. Das keltische Jahr wird in die helle und in die dunkle Jahreshälfte unterteilt. Samhain läutet die Winterzeit ein, während Beltane den Beginn des Sommers markiert.  Und wenn schon gerade eine extra Portion Magie in der Luft liegt, kann man sie praktischerweise auch noch für andere Dinge nutzen. Ich wollte in diesem Jahr gerne den Zauber des Loslassens zur Anwendung bringen…

Loslassen ist die Meisterdisziplin aller Hexen, denn nichts ist schwerer als… wenn man zwar könnte...Hexen ist nichts unmöglich…aber nicht möchte…und es dann auch wirklich nicht tut….wenn man einfach loslässt. Einfach ist schwer!

Bereits vor Tagen machten wir uns auf den Weg um die nötigen Zutaten für  das Ritual zu besorgen. Mittlerweile habe ich die Rituale meinen Kochkünsten angepasst…einfach, effektiv und idiotensicher.

Ein paar Schlüsselblumen von einem Ort des Friedens, für Ruhe im Herzen, um gute Entscheidungen des Loslassens zu treffen.

Ein paar Bärlauchblätter, für Widerstandskraft und Gesundheit, um diese Entscheidungen auch standhaft zu vertreten.

Ein paar Zweige von den küssenden Weiden, um in Liebe loszulassen

Wasser aus einer reinen Quelle, die direkt aus der Erde kommt, für reine und ehrliche Absichten, die aus der tiefsten, eigenen Quelle der Seele entspringen.

Die küssenden Weiden waren leicht zu finden, sie stehen jedes Jahr brav am gleichen Ort, den ich natürlich nicht verrate, genau wie das Bärlauchfeld, aus dem wir großzügig ernteten. Neben dem Zauber sollte auch noch ein leckeres Pesto dabei herausspringen. Meine Handtasche stinkt heute noch. Note to myself: Das nächste mal eine Papiertüte mitbringen oder die Rezeptur ändern. Maiglöckchen wären auch nett.

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Auch das Quellwasser sprudelte reichlich aus der kleinen Quelle, in der Nähe von Kloster Banz. Wir stiegen über die glitschigen Steine hinunter und füllten die Fläschchen ab und machten uns dann auf den Weg, um Schlüsselblumen von einem Ort des Friedens zu pflücken.

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Besagter Ort heißt übrigens wirklich „Ort des Friedens“ im Volksmund. Dieser Name ist für den alten jüdischen Friedhof überliefert, der seit dem Jahr 1620 den ewigen Schlaf seiner Bewohner hütet, etwa 2000 waren es, über die Jahrhunderte und viele der alten Grabsteine sind auch heute noch gut erhalten, jeder für sich ein Kunstwerk. Ich liebe diesen Ort, an dem schon seit langer Zeit keine Begräbnisse mehr stattfinden. Er wird sorgsam gepflegt und ist von einer Mauer geschützt.

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Der  jüdische Friedhof hat wie durch ein Wunder die Nazizeit überstanden, er sollte mehrfach „geschleift“ werden aber immer passierte etwas, das seinen Fortbestand sicherte. Eine fast magische Kette von glücklichen „Zufällen“, bewahrte ihn vor der Zerstörung. Die ewige Ruhe und der Frieden an diesem malerischen Ort, mitten im Grünen, wurde ironischerweise dann erst in den 70er Jahren gestört, als eine Schändung des Friedhofs in der Nacht zum 24. Februar 1973 stattfand.

Mehr als 600 Grabsteine waren umgeworfen und teilweise zerstört worden.  Die Schlagzeilen überschlugen sich in der Weltpresse und neben rechtsextremen Tatmotiven wurde auch ein Racheakt an den Israelis, für den  Abschuss einer libyschen Verkehrsmaschine in Betracht gezogen.  Die Täter waren jedoch weder Nazis noch Terroristen sondern Idioten aus der Umgebung, junge Männer, die volltrunken nach einer Faschingsparty ihr Unwesen trieben. In Zusammenarbeit mit dem Israelitischen Landesverband wurde der Friedhof durch die Stadt Burgkunstadt wieder hergerichtet. 

Heute erinnert nichts mehr an diesen Vorfall, nur das verschlossene Tor und die hohe Mauer um den Friedhof …und hinter der hohen Mauer, blühen um diese Jahreszeit im strahlenden Sonnenlicht, unzählige Schlüsselblumen zwischen den Gräbern und auf der kleinen Wiese, wo einst die Grabsteine standen. Ein Sinnbild des Friedens und der Ruhe.

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Das war dann der sportliche Teil und der kleine Nervenkitzel unseres Ausfluges. Ich segnete zum Abschied die Bewohner des verlassenen Friedhofes, während ich mich mühsam zurück über die Mauer hievte.

Was für ein Glück, dass dieser Ort des Friedens vor der Zerstörung bewahrt wurde! Er hat seine ganz eigene, sanfte Magie.

Auf der Heimfahrt schnupperte ich immer wieder an den duftenden Blüten der Schlüsselblumen, nicht zuletzt, um den Geruch des Bärlauchs aus der Nase zu bekommen. Aber wir hatten alle Zutaten gefunden und als erfreulichen Nebeneffekt auch noch einen wunderschönen Tag verbracht.

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Bärlauch, Schlüsselblumen und Weidenzweige müssen jetzt nur noch im Licht des Vollmondes trocknen… und werden in der Walpurgisnacht, Punkt 24.00 Uhr, in einer Schale entzündet. Die letzte Glut dann mit dem Quellwasser löschen und anschließend den Aschenbrei Mutter Erde opfern. Während man das tut, sollte man sich überlegen, wen oder was man gerne loslassen möchte…und warum 🙂

Falls mein Zauber auch in diesem Jahr nicht funktionieren sollte, …Loslassen ist schwer, so schwer… dann hatte ich zumindest Spass…den Bärlauch lassen wir einmal außen vor 🙂

Happy Beltane, liebe Schwestern ❤

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Chance, Seelenmarzipan

Depression ist wie Schnee…

An manchen Tagen ist der Schnee nur ein paar Zentimeter hoch. Das sind die „Guten Tage“. Natürlich behindert er dich überall, aber du schaffst es trotzdem zur Arbeit oder zum Einkaufen. Vielleicht lässt du aber vorsichtshalber lieber den Sport oder die Geburtstagsparty deiner Freundin aus, denn es schneit ununterbrochen und du weisst nicht, wie die Lage heute Abend aussehen wird. Am Besten gehst du direkt nach der Arbeit nach Hause. Deine Freunde registrieren die Absagen natürlich aber sie denken wahrscheinlich, du bist ein bisschen zimperlich oder einfach nur ein Arschloch.

An manchen Tagen liegt ein halber Meter. Du verbringst eine Sunde damit, den Schnee aus deiner Einfahrt wegzuschaufeln und bist wieder einmal zu spät. Du erscheinst zur Arbeit oder zur Verabredung mit schmerzenden Händen und schmerzendem Rücken. Sie schmerzen vom Schneeschaufeln und du spürst sie den ganzen Tag. Du gehst frühzeitig, denn es schneit immer weiter. Alle registrieren das, niemand versteht den Grund.

An anderen Tagen schneit es zwei Meter hoch. Du schaufelst den ganzen langen Morgen aber schaffst es einfach nicht, den Weg passierbar zu machen. Du schaffst es weder zur Arbeit noch sonst irgendwohin. Du bist so ausgelaugt und müde und möchtest einfach nur zurück ins Bett. Wenn du wieder aufwachst, ist alles, was du vorher mühevoll freigeschaufelt hast, wieder von einer schweren Schneelast bedeckt. Du beginnst von vorn.

Du hörst dein Telefon klingeln. Man wundert sich, wo du bleibst. Dir ist nicht danach, zurückzurufen, du bist einfach zu müde vom Schneeschaufeln. Ausserdem schneit es bei allen anderen nicht, oder viel weniger, als bei dir.  Sie verstehen also nicht, warum du  feststeckst. Sinnlos, es ihnen zu erklären. Sie denken du wärst nur faul oder schwach, aber das sagen sie natürlich nicht zu dir. Nur hinter deinem Rücken.

Es gibt Wochen, da kämpfst du mit einem ausgewachsenen Blizzard. Sobald du die Haustüre aufmachst, stehst du vor einer Schneewand. Die Stromversorgung flackert, dann bricht sie komplett zusammen. Es ist mittlerweile viel zu kalt, um im Wohnzimmer zu sitzen, also legst du dich mitsamt deiner Bekleidung ins Bett. Auch der Ofen und die Mikrowelle funktionieren nicht mehr und du isst nur Knäckebrot oder Schokolade und nennst es „Abendessen“.  Du hast auch seit drei Tagen nicht mehr die Haare gewaschen aber wie hättest du das bewerkstelligen sollen, unter diesen Umständen? Es ist kalt…eiskalt…Zu kalt, um irgendetwas anderes zu tun, als aushalten und schlafen.

Manchmal ist man den gesamten Winter eingeschneit. Die Kälte ist in alle Ritzen gekrochen. Keine Kommunikation mehr möglich. Nicht hinein und nicht hinaus. Es ist nichts mehr zu Essen im Haus. Was solltest du dagegen tun? Allein einen Tunnel mit deinen bloßen Händen durch eine 10 Meter hohe Schneewehe graben? Wie weit ist es, um Hilfe zu erhalten? Würdest du es überhaupt bis dorthin durch den Blizzard schaffen? Und wenn du es schaffen würdest, wer würde dir helfen? Vielleicht ist es tödlich, im Haus zu bleiben aber es es ist mindestens genauso tödlich für dich, nach draußen zu gehen. Die „Welt da draußen“ ist sehr oft eisiger und unbarmherziger, als jeder Blizzard, wenn man nicht mehr wie gewohnt funktioniert.

Wenn es ununterbrochen schneit brennst du aus, bis an deine Grenzen. Du hast es satt, beständig zu frieren. Du hast es satt, ständig mit vom Schneeschaufeln schmerzenden und wunden Händen zu leben. Aber wenn du es nicht schaffst, an den „guten Tagen“ zu schaufeln, wie ein Idiot, dann baut sich die Schneemasse  zu etwas Unüberwindbarem auf, an den schweren Tagen. Du wünscht den verdammten Schnee zum Teufel, aber das interessiert ihn nicht. Er ist eine Naturgewalt, blinde Chemie…die den Naturgesetzen folgt, und der völlig gleichgültig ist, ob sie dich unter sich begräbt oder die ganze Welt.

Diese Schneemassen erobern auch andere Gebiete deines Lebens. Gebiete, an denen du sie nicht einfach wegschaufeln kannst, manchmal liegt der Schnee an Orten, die du nicht einmal sehen kannst. Manchmal liegt er schwer auf dem Dach. Vielleicht bedeckt er aber bereits den Berg, hinter deinem Haus. Und manchmal löst sich von dort eine gewaltige Lawine, die dein Haus komplett aus den Fundamenten reißt und dich dazu. Eine Naturgewalt, gegen die niemand etwas ausrichten kann.

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Den Nachbarn und Freunden ist das im Nachhinein völlig unbegreiflich. Sie sagen, ..“was für ein Jammer, sie hat doch immer tapfer geschaufelt und kam so gut zurecht. Sie lächelte stets, wenn sie Schnee schaufelte. Wie konnten wir das ahnen?“

Ich weiß nicht, was letztlich der Auslöser ist, wenn jemand aufgibt und eine finale Lösung wählt, um der ewigen Kälte und dem sinnlosen Kampf zu entfliehen. Wenn er dem Sog der Lawine einfach nachgibt. Vielleicht werden manche von der Lawine fortgerissen, sie kommt ohne jede Vorwarnung. Für andere ist vielleicht einfach der endlose Winter nicht mehr länger zu ertragen. Vielleicht haben sie bis ganz zum Schluss tapfer geschaufelt, vielleicht auch nicht. Aber man sollte sich bewusst machen, wie es sich anfühlt…wie ewiger Schnee sich anfühlt…ehe man urteilt.

Ich glaube fest daran, dass Verständnis und Mitgefühl die Grundlage jeder Hilfe sein sollten. Ich habe leider auch keine Heilsbotschaft für Menschen mit Depressionen oder chronischen Schmerzen. Auf keinen Fall werde ich hier schreiben :

„Schaufelt fleißig weiter, denkt positiv, strengt euch mehr an, sprecht über eure Nöte, sucht euch Hilfe und alles wird gut“

Das wäre nämlich idiotisch. Denn natürlich schaufelt jeder in dieser Situation bereits, was er nur irgend bewältigt, bis zu dem Punkt an dem er körperlich einfach nicht mehr kann, an dem er zusammenbricht oder aufgibt. Denn wer um alles in der Welt, möchte freiwillig in seinem eigenen Haus zu Tode erfrieren? Wer selbst davon betroffen ist, weiß nur zu gut, was auf dem Spiel steht und hat mit großer Wahrscheinlichkeit alles bereits versucht, was ihm helfen könnte. Er weiß auch, dass Jammern keine Hilfe bringt, sondern noch einsamer macht.

Meine Heilsbotschaft geht daher nicht an euch, liebe Leser, falls ihr an Depression oder chronischen Schmerzen leidet, sondern sie geht an eure Nachbarn:

„Schnapp dir eine verdammte Schaufel und hilf deinem Nachbarn! Montiere den Schneepflug an deinen Jeep und hilf ihm, die Einfahrt zu räumen. Versorge ihn mit Streusalz und Handschuhen… auf gute Ratschläge kann dein Nachbar verzichten“

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Teilen des Textes wäre sehr nett…kopieren verletzt das Urheberrecht und ist verboten.

blizzard

Diesen Text fand ich im Netz. Anonym. Er wurde von mir übersetzt und ergänzt/abgewandelt, da ich finde, er beschreibt nicht nur treffend  Depression sondern auch sehr gut die Situation von chronisch Erkrankten, die dauerhaft  Schmerzen leiden. Nicht für eine Stunde, nicht für einen Tag , nicht für eine Woche…sondern Schnee…das ganze Jahr über…jedes Jahr!

Die „Welt da draußen“ ist sehr oft eisiger und unbarmherziger, als jeder Blizzard, wenn man nicht mehr wie gewohnt funktioniert.