Kurzgeschichten, Seelenmarzipan

Eine Nacht mit Bischof Tutu…

Ich werde oft gefragt, welchen interessanten Persönlichkeiten ich während meiner Arbeit als Stewardess bei der Deutschen Lufthansa begegnet bin und es gäbe tatsächlich einiges zu erzählen, was mich auch heute noch zum Lächeln bringt. Menschen verändern sich, sobald sie ein Flugzeug betreten, jedenfalls viele von ihnen und in der First Class war während eines langen Nachtfluges oft reichlich Gelegenheit, Facetten einer Persönlichkeit oder eines VIPs kennen zu lernen, die es nicht in die Yellow Press geschafft hatten. Unvergessen der Auftritt von Pinochet, dem Diktator aus Chile.

Er hatte die gesamte Firstclass im Upperdeck für sich und seinen Hofstaat exklusiv gebucht und lehnte die von Lufthansa bereitgestellten Mahlzeiten ab. Es wurde in Chile selbst gecatert, denn er hatte Angst, vergiftet zu werden. Ein riesen Aufriss, bis er dann endlich  an Bord war und seine Bodyguards klärten mich vor dem Abflug darüber auf, dass ich ihn nur ansprechen dürfte, wenn ich von ihm dazu aufgefordert werde und dann die Anrede „Admirante“ verwenden sollte. Diese Anweisung erwies sich als überflüssig, denn der Admirante ignorierte mich während des langen Fluges, verweigerte die angebotenen Speisen und arbeitete mit seinem Sekretär stundenlang an irgendwelchen Dokumenten, die sie über die leeren Sitze ausgebreitet hatten. Da er nichts aß, wagte auch keiner seiner Untergeben zu essen. Mir war es Recht und ich vertrieb mir die Zeit in der kleinen Bordküche, im Upperdeck der 747, mit den Bordillustrierten.

Kurz vor der Landung winkte er mich zu sich und ich befürchtete bereits, er war mit dem Service unzufrieden. Aber offensichtlich war das Gegenteil der Fall. Sein Sekretär öffnete einen kleinen Koffer und in dem Koffer lagen auf schwarzem  Samt ausgebreitet, verschiedene Jadeketten und Anhänger. Ich sollte mir etwas aussuchen. Es kommt nicht alle Tage vor, dass man von einem Diktator mit Schmuck bedacht wird. Ich wählte einen kleinen Anhänger aus, bedankte mich artig… erhielt erneut nur ein abwesendes Kopfnicken als Antwort und dann war ich in Gnaden entlassen. Es fühlte sich vom ersten bis zum letzten Moment ungut an, und als ich später die Liste seiner Verbrechen las, wusste ich, warum!

2011 schrieb  eine Regierungskommission von 40.018 Toten. Darunter sind auch Opfer, die gefoltert oder wegen ihrer politischen Einstellung verhaftet wurden.

„Wie Müll wurden die geschundenen Opfer auf ihre letzte Reise geschickt. Verschnürt in einen alten Sack, rollten die Leichen über Schienen bis an die Küste, und schließlich warfen Helfer sie ins Meer.“ So in etwa dürften sich die grausamen Szenen abgespielt haben, die chilenische Ermittler Jahre später aufdeckten.

Die subtile Atmosphäre der Angst, die dieser Machthaber verbreitete, war auch für mich damals in jedem Augenblick spürbar.

Wie anders war dagegen die Begegnung mit Bischof Tutu.

1984  wurde Desmond Tutu für sein Engagement gegen die Apartheid der Friedensnobelpreis verliehen, im Jahr darauf wurde er Bischof von Johannesburg und er war bereits damals eine Art Superstar der Friedensbewegung und weltbekannt.

Trotzdem hatte er nur einen Sitz für sich gebucht, bevorzugt im stillen Upperdeck der First Class, weil er die langen Nachtflüge gerne verschläft, wurde mir erzählt. In dieser Nacht gab es keinen weiteren Passagier in meinem abgeschlossenen Arbeitsbereich, außer ihm. Ich bereitete mich innerlich auf eine lange und langweilige Nacht, mit wenig Arbeit vor und begrüßte ihn freundlich an Bord, als er in Johannesburg zustieg.

Was für ein angenehmer Gast und keinerlei VIP Allüren! Der Bischof und Friedensnobelpreisträger lächelte mich an, suchte sich einen Platz am Fenster aus und verfolgte interessiert meine Vorbereitungen für den Start. Er studierte die Speisekarte,  genoss die kulinarischen Köstlichkeiten, die ich ihm im Laufe des Abends servierte und nach dem Essen lehnte er entspannt in seinem Sitz und sah hinaus, in die Dunkelheit. Keinerlei Extrawünsche. Ich machte es mir ebenfalls bequem, in der Bordküche und checkte nur von Zeit zu Zeit die Kabine, bereit für weitere Wünsche meines einzigen Gastes.

„Come here, sit down and let´s talk a little“ … forderte er mich bei einem dieser Kontrollgänge freundlich auf. Er konnte nicht schlafen und wollte gerne ein wenig Unterhaltung. Ich hatte keine anderen Pflichten, holte mir einen Tee, setzte mich neben ihn, und dann begann eines der intensivsten und wertvollsten Gespräche, die ich je im Leben führte.

Wir redeten buchstäblich über Gott und die Welt. Angefangen von meinen Fragen zur Apartheid und seinen politischen Aktivitäten in Südafrika bis hin zu Liebeskummer, Tod  und Gott. Er hatte Kinder in meinem Alter und war keinesfalls weltfremd sondern wusste genau, was meine Generation bewegte und er hatte Antworten…richtig gute Antworten, die mir bis heute im Gedächtnis sind. So verging die Zeit, Stunden, wie im Flug, seine Weisheit und Gelassenheit, aber auch der kluge Humor seiner Erzählungen und Ratschläge, waren bemerkenswert. Heute weiss ich, dass er seiner Zeit im Denken weit voraus war, nicht nur zum Thema Apartheid, deren Auswirkungen mich jedesmal wieder schockierte, wenn ich in Südafrika unterwegs war.

Er nannte mich „Child“, wie Geistliche das wohl tun, aber für ein paar Stunden fühlte ich mich in seiner Gegenwart wirklich wie ein Kind, das wie ein Schwamm, Wissen aufsaugt und aufsieht, zu einer großen Seele und einem großen Geist. Selten hat ein Friedensnobelpreisträger diesen Preis mehr verdient. In jedem Satz und in jedem Gedanken, den er in dieser Nacht mit mir teilte, war geballte Lebensweisheit, Weitsicht und Empathie, die er humorvoll und geduldig vermittelte.

„Die meisten von uns erhalten erst durch die eigene Schwäche und Verletzlichkeit Zugang zu ihrer Seele und entdecken so ihre Fähigkeit für  Empathie und Mitgefühl. Lasse sie zu!“

Dieses Zitat von ihm, hat mich bei so manchem Schmerz getröstet und wenn ich eines bedauere, dann dass ich nicht damals sofort aufgeschrieben habe, was er mir ganz persönlich mit auf den Weg gegeben hat, es waren so viele kluge Gedanken und Ratschläge.

Güte, Liebe, Mitgefühl, Sanftheit sind keine Dinge für Weicheier. Sie sind Dinge, nach denen die Welt sich letztlich sehnt.“

Er bedankte sich am Ende des Fluges, segnete mich zum Abschied und sagte mir dann, ich wäre wirklich eine „extraordinary soul“… eine außergewöhnliche Seele. Bis heute, eines der schönsten Komplimente, das mir je ein Mann gemacht hat ❤

 

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Chance, Seelenmarzipan

Die 10 Gebote, Karma Style <3

Menschen sind irrational, unvernünftig und egoistisch.

Versuche sie trotzdem zu lieben.

Wenn du Gutes tust, wird es immer jemanden geben, der dich dafür kritisiert.

Tue trotzdem Gutes.

Wenn du erfolgreich bist, wirst du falsche Freunde und echte Feinde gewinnen.

Sei trotzdem erfolgreich.

Das was du heute jemandem Gutes tust, wird man morgen bereits vergessen haben.

Tue trotzdem Gutes.

Ehrlichkeit und Offenheit machen dich verletzlich.

Sei trotzdem ehrlich und offen.

Die großartigsten Menschen mit den großartigsten Ideen, können von den armseligsten Menschen mit den armseligsten Ideen ausgebremst werden.

Träume trotzdem groß.

Was du über Jahre erbaut hast, kann über Nacht zerstört werden.

Baue trotzdem.

Menschen vergelten es dir oft mit Undank, wenn du ihnen geholfen hast.

Helfe ihnen trotzdem.

Niemand wird dafür Verständnis zeigen, wenn du dafür sorgst, dass es dir gut geht.

Sorge trotzdem dafür, dass es dir gut geht.

Selbst wenn du der Welt dein Bestes gegeben hast, wird sie dich vielleicht dafür mit einer schallenden Ohrfeige belohnen.

Gib der Welt trotzdem dein Bestes.

❤ ❤ ❤

(c) Gutes Karma to go.  Darf sehr gerne geteilt werden, NICHT aus dem Blog kopieren.

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Kurzgeschichten, Seelenmarzipan

Walpurgisnacht …der Zauber des Loslassens

Jeder feiert die Nacht auf den 1. Mai anders. Manche sehen es einfach als schöne Gelegenheit, einmal wieder zu tanzen, manche freuen sich nur auf den freien Tag und eine Wanderung und für einige ist diese Nacht magisch und sie feiern die Nacht des Sommeranfangs mit einer  Zeremonie.

Man ehrt die Natur, zelebriert die Fruchtbarkeit allen Seins und bittet um Schutz für das neue Jahr. Das keltische Jahr wird in die helle und in die dunkle Jahreshälfte unterteilt. Samhain läutet die Winterzeit ein, während Beltane den Beginn des Sommers markiert.  Und wenn schon gerade eine extra Portion Magie in der Luft liegt, kann man sie praktischerweise auch noch für andere Dinge nutzen. Ich wollte in diesem Jahr gerne den Zauber des Loslassens zur Anwendung bringen…

Loslassen ist die Meisterdisziplin aller Hexen, denn nichts ist schwerer als… wenn man zwar könnte...Hexen ist nichts unmöglich…aber nicht möchte…und es dann auch wirklich nicht tut….wenn man einfach loslässt. Einfach ist schwer!

Bereits vor Tagen machten wir uns auf den Weg um die nötigen Zutaten für  das Ritual zu besorgen. Mittlerweile habe ich die Rituale meinen Kochkünsten angepasst…einfach, effektiv und idiotensicher.

Ein paar Schlüsselblumen von einem Ort des Friedens, für Ruhe im Herzen, um gute Entscheidungen des Loslassens zu treffen.

Ein paar Bärlauchblätter, für Widerstandskraft und Gesundheit, um diese Entscheidungen auch standhaft zu vertreten.

Ein paar Zweige von den küssenden Weiden, um in Liebe loszulassen

Wasser aus einer reinen Quelle, die direkt aus der Erde kommt, für reine und ehrliche Absichten, die aus der tiefsten, eigenen Quelle der Seele entspringen.

Die küssenden Weiden waren leicht zu finden, sie stehen jedes Jahr brav am gleichen Ort, den ich natürlich nicht verrate, genau wie das Bärlauchfeld, aus dem wir großzügig ernteten. Neben dem Zauber sollte auch noch ein leckeres Pesto dabei herausspringen. Meine Handtasche stinkt heute noch. Note to myself: Das nächste mal eine Papiertüte mitbringen oder die Rezeptur ändern. Maiglöckchen wären auch nett.

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Auch das Quellwasser sprudelte reichlich aus der kleinen Quelle, in der Nähe von Kloster Banz. Wir stiegen über die glitschigen Steine hinunter und füllten die Fläschchen ab und machten uns dann auf den Weg, um Schlüsselblumen von einem Ort des Friedens zu pflücken.

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Besagter Ort heißt übrigens wirklich „Ort des Friedens“ im Volksmund. Dieser Name ist für den alten jüdischen Friedhof überliefert, der seit dem Jahr 1620 den ewigen Schlaf seiner Bewohner hütet, etwa 2000 waren es, über die Jahrhunderte und viele der alten Grabsteine sind auch heute noch gut erhalten, jeder für sich ein Kunstwerk. Ich liebe diesen Ort, an dem schon seit langer Zeit keine Begräbnisse mehr stattfinden. Er wird sorgsam gepflegt und ist von einer Mauer geschützt.

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Der  jüdische Friedhof hat wie durch ein Wunder die Nazizeit überstanden, er sollte mehrfach „geschleift“ werden aber immer passierte etwas, das seinen Fortbestand sicherte. Eine fast magische Kette von glücklichen „Zufällen“, bewahrte ihn vor der Zerstörung. Die ewige Ruhe und der Frieden an diesem malerischen Ort, mitten im Grünen, wurde ironischerweise dann erst in den 70er Jahren gestört, als eine Schändung des Friedhofs in der Nacht zum 24. Februar 1973 stattfand.

Mehr als 600 Grabsteine waren umgeworfen und teilweise zerstört worden.  Die Schlagzeilen überschlugen sich in der Weltpresse und neben rechtsextremen Tatmotiven wurde auch ein Racheakt an den Israelis, für den  Abschuss einer libyschen Verkehrsmaschine in Betracht gezogen.  Die Täter waren jedoch weder Nazis noch Terroristen sondern Idioten aus der Umgebung, junge Männer, die volltrunken nach einer Faschingsparty ihr Unwesen trieben. In Zusammenarbeit mit dem Israelitischen Landesverband wurde der Friedhof durch die Stadt Burgkunstadt wieder hergerichtet. 

Heute erinnert nichts mehr an diesen Vorfall, nur das verschlossene Tor und die hohe Mauer um den Friedhof …und hinter der hohen Mauer, blühen um diese Jahreszeit im strahlenden Sonnenlicht, unzählige Schlüsselblumen zwischen den Gräbern und auf der kleinen Wiese, wo einst die Grabsteine standen. Ein Sinnbild des Friedens und der Ruhe.

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Das war dann der sportliche Teil und der kleine Nervenkitzel unseres Ausfluges. Ich segnete zum Abschied die Bewohner des verlassenen Friedhofes, während ich mich mühsam zurück über die Mauer hievte.

Was für ein Glück, dass dieser Ort des Friedens vor der Zerstörung bewahrt wurde! Er hat seine ganz eigene, sanfte Magie.

Auf der Heimfahrt schnupperte ich immer wieder an den duftenden Blüten der Schlüsselblumen, nicht zuletzt, um den Geruch des Bärlauchs aus der Nase zu bekommen. Aber wir hatten alle Zutaten gefunden und als erfreulichen Nebeneffekt auch noch einen wunderschönen Tag verbracht.

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Bärlauch, Schlüsselblumen und Weidenzweige müssen jetzt nur noch im Licht des Vollmondes trocknen… und werden in der Walpurgisnacht, Punkt 24.00 Uhr, in einer Schale entzündet. Die letzte Glut dann mit dem Quellwasser löschen und anschließend den Aschenbrei Mutter Erde opfern. Während man das tut, sollte man sich überlegen, wen oder was man gerne loslassen möchte…und warum 🙂

Falls mein Zauber auch in diesem Jahr nicht funktionieren sollte, …Loslassen ist schwer, so schwer… dann hatte ich zumindest Spass…den Bärlauch lassen wir einmal außen vor 🙂

Happy Beltane, liebe Schwestern ❤

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Chance, Seelenmarzipan

Depression ist wie Schnee…

An manchen Tagen ist der Schnee nur ein paar Zentimeter hoch. Das sind die „Guten Tage“. Natürlich behindert er dich überall, aber du schaffst es trotzdem zur Arbeit oder zum Einkaufen. Vielleicht lässt du aber vorsichtshalber lieber den Sport oder die Geburtstagsparty deiner Freundin aus, denn es schneit ununterbrochen und du weisst nicht, wie die Lage heute Abend aussehen wird. Am Besten gehst du direkt nach der Arbeit nach Hause. Deine Freunde registrieren die Absagen natürlich aber sie denken wahrscheinlich, du bist ein bisschen zimperlich oder einfach nur ein Arschloch.

An manchen Tagen liegt ein halber Meter. Du verbringst eine Stunde damit, den Schnee aus deiner Einfahrt wegzuschaufeln und bist wieder einmal zu spät. Du erscheinst zur Arbeit oder zur Verabredung mit schmerzenden Händen und schmerzendem Rücken. Sie schmerzen vom Schneeschaufeln und du spürst sie den ganzen Tag. Du gehst frühzeitig, denn es schneit immer weiter. Alle registrieren das, niemand versteht den Grund.

An anderen Tagen schneit es zwei Meter hoch. Du schaufelst den ganzen langen Morgen aber schaffst es einfach nicht, den Weg passierbar zu machen. Du schaffst es weder zur Arbeit noch sonst irgendwohin. Du bist so ausgelaugt und müde und möchtest einfach nur zurück ins Bett. Wenn du wieder aufwachst, ist alles, was du vorher mühevoll freigeschaufelt hast, wieder von einer schweren Schneelast bedeckt. Du beginnst von vorn.

Du hörst dein Telefon klingeln. Man wundert sich, wo du bleibst. Dir ist nicht danach, zurückzurufen, du bist einfach zu müde vom Schneeschaufeln. Außerdem schneit es bei allen anderen nicht, oder viel weniger, als bei dir.  Sie verstehen also nicht, warum du  feststeckst. Sinnlos, es ihnen zu erklären. Sie denken du wärst nur faul oder schwach, aber das sagen sie natürlich nicht zu dir. Nur hinter deinem Rücken.

Es gibt Wochen, da kämpfst du mit einem ausgewachsenen Blizzard. Sobald du die Haustüre aufmachst, stehst du vor einer Schneewand. Die Stromversorgung flackert, dann bricht sie komplett zusammen. Es ist mittlerweile viel zu kalt, um im Wohnzimmer zu sitzen, also legst du dich mitsamt deiner Bekleidung ins Bett. Auch der Ofen und die Mikrowelle funktionieren nicht mehr und du isst nur Knäckebrot oder Schokolade und nennst es „Abendessen“.  Du hast auch seit drei Tagen nicht mehr die Haare gewaschen aber wie hättest du das bewerkstelligen sollen, unter diesen Umständen? Es ist kalt…eiskalt…Zu kalt, um irgendetwas anderes zu tun, als aushalten und schlafen.

Manchmal ist man den gesamten Winter eingeschneit. Die Kälte ist in alle Ritzen gekrochen. Keine Kommunikation mehr möglich. Nicht hinein und nicht hinaus. Es ist nichts mehr zu Essen im Haus. Was solltest du dagegen tun? Allein einen Tunnel mit deinen bloßen Händen durch eine 10 Meter hohe Schneewehe graben? Wie weit ist es, um Hilfe zu erhalten? Würdest du es überhaupt bis dorthin durch den Blizzard schaffen? Und wenn du es schaffen würdest, wer würde dir helfen? Vielleicht ist es tödlich, im Haus zu bleiben aber es es ist mindestens genauso tödlich für dich, nach draußen zu gehen.

Die „Welt da draußen“ ist sehr oft eisiger und unbarmherziger, als jeder Blizzard, wenn man nicht mehr wie gewohnt funktioniert.

Wenn es ununterbrochen schneit brennst du aus, bis an deine Grenzen. Du hast es satt, beständig zu frieren. Du hast es satt, ständig mit vom Schneeschaufeln schmerzenden und wunden Händen zu leben. Aber wenn du es nicht schaffst, an den „guten Tagen“ zu schaufeln, wie ein Idiot, dann baut sich die Schneemasse  zu etwas Unüberwindbarem auf, an den schweren Tagen. Du wünscht den verdammten Schnee zum Teufel, aber das interessiert ihn nicht. Er ist eine Naturgewalt, blinde Chemie…die den Naturgesetzen folgt, und der völlig gleichgültig ist, ob sie dich unter sich begräbt oder die ganze Welt.

Diese Schneemassen erobern auch andere Gebiete deines Lebens. Gebiete, an denen du sie nicht einfach wegschaufeln kannst, manchmal liegt der Schnee an Orten, die du nicht einmal sehen kannst. Manchmal liegt er schwer auf dem Dach. Vielleicht bedeckt er aber bereits den Berg, hinter deinem Haus.

Und manchmal löst sich von dort eine gewaltige Lawine, die dein Haus komplett aus den Fundamenten reißt und dich dazu. Eine Naturgewalt, gegen die niemand etwas ausrichten kann. Dann gibst du endgültig auf. Du tauchst für immer ein und verschmilzt mit der Kälte, du bist müde, zu kämpfen und heißt die ewige Stille willkommen.

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Den Nachbarn und Freunden ist das im Nachhinein völlig unbegreiflich. Sie sagen, ..“was für ein Jammer, sie wirkte so stark, sie hat doch immer tapfer geschaufelt und kam so gut zurecht. Sie lächelte sogar stets, wenn sie Schnee schaufelte. Wie konnten wir das ahnen?“

Ich weiß nicht, was letztlich der Auslöser ist, wenn jemand aufgibt und eine finale Lösung wählt, um der ewigen Kälte und dem sinnlosen Kampf zu entfliehen. Wenn er dem Sog der Lawine einfach nachgibt. Vielleicht werden manche von der Lawine fortgerissen, sie kommt ohne jede Vorwarnung. Für andere ist vielleicht einfach der endlose Winter nicht mehr länger zu ertragen. Vielleicht haben sie bis ganz zum Schluss tapfer geschaufelt, vielleicht auch nicht. Aber man sollte sich bewusst machen, wie es sich anfühlt…wie ewiger Schnee sich anfühlt…ehe man urteilt.

Ich glaube fest daran, dass Verständnis und Mitgefühl die Grundlage jeder Hilfe sein sollten. Ich habe leider auch keine Heilsbotschaft für Menschen mit Depressionen oder chronischen Schmerzen.

Auf keinen Fall werde ich hier schreiben :“Schaufelt fleißig weiter, denkt positiv, strengt euch mehr an, sprecht über eure Nöte, sucht euch Hilfe und alles wird gut“

Das wäre nämlich idiotisch. Denn natürlich schaufelt jeder in dieser Situation bereits, was er nur irgend bewältigt, bis zu dem Punkt an dem er körperlich einfach nicht mehr kann, an dem er zusammenbricht oder aufgibt. Denn wer um alles in der Welt, möchte freiwillig in seinem eigenen Haus zu Tode erfrieren?

Wer selbst davon betroffen ist, weiß nur zu gut, was auf dem Spiel steht und hat mit großer Wahrscheinlichkeit alles bereits versucht, was ihm helfen könnte. Er weiß auch, dass Jammern keine Hilfe bringt, sondern noch einsamer macht. Und auch, dass unser Gesundheitssystem, der eiskalte  Bürokratie-Moloch,  eher eine weitere Lawine darstellt, anstatt Hilfe zu gewähren. Vergesst es!

Meine Heilsbotschaft geht daher nicht an euch, liebe Leser, falls ihr an Depression oder chronischen Schmerzen leidet, sondern sie geht an eure Nachbarn:

„Schnapp dir eine verdammte Schaufel und hilf deinem Nachbarn! Montiere den Schneepflug an deinen Jeep und hilf ihm, die Einfahrt zu räumen. Versorge ihn mit Streusalz und Handschuhen… auf gute Ratschläge kann dein Nachbar verzichten“

(c) Bettina Marie Schneider

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Teilen des Textes wäre sehr nett…kopieren verletzt das Urheberrecht und ist verboten.

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Diesen Text fand ich im Netz. Anonym. Er wurde von mir übersetzt und ergänzt/abgewandelt, da ich finde, er beschreibt nicht nur treffend  Depression sondern auch sehr gut die Situation von chronisch Erkrankten, die dauerhaft  Schmerzen leiden. Nicht für eine Stunde, nicht für einen Tag , nicht für eine Woche…sondern Schnee…das ganze Jahr über…jedes Jahr!

Die „Welt da draußen“ ist sehr oft eisiger und unbarmherziger, als jeder Blizzard, wenn man nicht mehr wie gewohnt funktioniert.

 

Seelenmarzipan, Tierschutz

Jeder, der dir begegnet…trauert auf seine Weise!

Ich war in der kleinen Kapelle und wollte Kerzen anzünden. Es war der Todestag meines Vaters und diese Kapelle war seither der Platz der Trauer für mich. Ein dicker Kloß steckte in meinem Hals, als ich die Kerzen abzählte, für die ich gespendet hatte… viele Kerzen, die dann aufgereiht einen Gruß an ihn …nach wohin auch immer senden sollten. Er möchte es gerne großzügig…ein paar Kerzen wären nicht das gewesen, was er sich unter einem Gedenk-Licht vorstellte und unwillkürlich musste ich unter Tränen lächeln, als mir der Gedanke kam, wie er alles en gros eingekauft und vergeben hatte… Lebensmittel, Ratschläge, Geschenke… und meine Gedanken wanderten…

Plötzlich bemerkte ich einen Schatten hinter mir in der Kapelle. Noch ein Besucher, der ein Licht entzünden wollte. Ich fühlte mich gestört und war sehr ärgerlich über die Tatsache, dass ich diesen Moment mit jemand Fremden teilen musste. Am liebsten hätte ich gerufen… „ich weine gerade um meinen Vater…gehen Sie doch einfach!“ Aber das tat ich natürlich nicht. Ich ignorierte den Besucher und konzentrierte mich auf die vielen Teelichter, die munter im Sonnenlicht flackerten, das durch die Kapellenfenster herein schien. Dann hörte ich ein Geräusch…es war ein Schniefen…es kam von dem Mann, der hinter mir stand. Er weinte offensichtlich.

Obwohl die Tatsache nicht so ungewöhnlich war, in einer Andachtskapelle auf andere Trauernde zu treffen, traf mich die Erkenntnis wie ein Blitz! Ich war nicht die Einzige, die trauert. Hier war jemand so mit seiner eigenen Trauer beschäftigt, dass er mich gar nicht bemerkte. Und ab diesem Moment war es irgendwie in Ordnung, weiter still zu sitzen und den Raum mit jemandem zu teilen, auch wenn ich viel lieber alleine gewesen wäre. Ich drehte mich kurz um und lächelte den alten Mann an. Er nickte mir zu und wir verstanden uns ganz ohne Worte.

Jeder, der uns begegnet, trauert auf irgendeine Weise.

Er steht hinter dir, in der Schlange an der Kasse, er schreibt dir auf Facebook, sitzt neben dir im Zug, spielt im gleichen Verein oder sitzt vielleicht sogar am gleichen Tisch in der Freundesrunde.

Jeder, der uns begegnet, kämpft gerade mit einem Verlust, mit einer Angst mit einem Unglück… und es steht diesen Menschen nicht auf der Stirn geschrieben. Sie kleiden sich morgens an, sie gehen zur Arbeit, sie versorgen ihre Kinder, sie schauen abends Fernsehen und fahren in Urlaub. Sie funktionieren… und doch… jeder von ihnen ist ein Kämpfer, jeder von ihnen muss mit Verlusten und Ängsten umgehen, versucht die Ängste und Zweifel und die Trauer zurückzudrängen und nach aussen das Gesicht zu wahren,

…wenn die Ehe zerbröckelt und ein Kriegsschauplatz geworden ist

…wenn sie um ihre  Hypotheken und Schulden zittern und jeden Blick in den Briefkasten fürchten

…wenn sie gerade bange auf medizinische Testergebnisse, für sich oder einen geliebten Menschen warten.

…wenn ihre Kinder schwer oder unheilbar krank sind

…wenn sie von ihrem Partner betrogen oder schlecht behandelt werden

…wenn sie um einen  geliebten Menschen, oder um ein geliebtes Tier trauern

…wenn sie ihre Arbeit verlieren oder Angst haben, sie zu verlieren

…wenn sie chronisch krank sind und versuchen, weiter durchzuhalten

…wenn sie in der Schule oder auf der Arbeit gemobbt werden

…wenn sie nicht wissen, wie sie die Rechnungen in diesem Monat bezahlen sollen…

…wenn sie unglücklich verliebt sind

…wenn sie mit ihrem Äusseren hadern

die Liste ist unendlich.

Jeder Mensch, der dir heute begegnet, kämpft um seinen inneren Frieden, darum, die Angst zurückzudrängen…er wendet alle Kraft auf, um durch den Tag und die täglichen Pflichten zu kommen, ohne dabei das Gesicht zu verlieren und meist gelingt das auch. Wir bemerken es nicht. Jeder kennt nur seine eigene Trauer.

Es liegt an uns, genauer hinzusehen… es liegt an uns, die Tatsache immer wieder ins Gedächtnis zu rufen, dass jeder seine eigenen Schlachten kämpft und wenn wir genauer hinsehen, dann erkennen wir intuitiv, wie die Fassade und die Stabilität bei vielen an einem seidenem Faden hängt, der jederzeit reißen kann.

Wenn du heute also durch den Tag gehst, dann wird dir niemand, dem du begegnest, erzählen, wie sehr er gerade trauert oder wovor er gerade schreckliche Angst hat…aber wenn du den Menschen in die Augen siehst, wirst du es bemerken…und dein Lächeln wird den Unterschied machen ❤

 

 

 

 

Katze, Seelenmarzipan, Tierschutz

Wenn meine Katze alt wird…für Luna <3

Was mache ich jetzt mit Dir, wenn deine Pfötchen müde sind, dein Gang wackelig und das Fell zerrupft?

Wenn dich meine Rufe nicht mehr erreichen, weil du fast nichts mehr hören kannst und wenn deine wachen Augen müde und trübe geworden sind?

Was mache ich jetzt mit Dir, wenn dein Fell nicht mehr glänzt und dein Gesichtchen grau geworden ist?

Ich liebe Dich! Ich liebe Dich, mehr denn je!

Ich liebkose deine Pfötchen, die mir immer um die Beine getrippelt sind und zeige Dir den Weg, wenn Du ihn vergessen hast.

Ich spreche lauter und berühre dich dabei, damit du mich weiter hören kannst.

Ich küsse deine grauen Schnurrhaare und bestaune die Weisheit in deinem kleinen Greisengesicht.

Ich kämme sanft dein Fell, das Du jetzt nicht mehr alleine pflegen kannst.

Du bist jetzt alt und ich liebe Dich, mehr denn je!

Und wenn die Zeit kommt, …wenn wir uns verabschieden müssen… Du und ich…

und ich weiss, dass du einen Teil meines Herzens mitnehmen wirst, …dann werde ich dir beim Abschied zuflüstern…

In einem anderen Leben, treffen wir uns wieder…wenn wir beide Katzen sind. Warte auf mich  ❤

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Chance, Seelenmarzipan

Verzeihen bedeutet, die Hoffnung aufgeben

Du bist verletzt…traurig…man hat dich schlecht behandelt …dir Unrecht getan?

…Lass es los…

Alles, was in der Vergangenheit passiert ist,  alles was nicht JETZT gerade passiert, …lass es los, wenn du wirklich frei sein möchtest.

Sperre dich nicht selbst ständig im Gefängnis deiner Vergangenheit ein. Du verdienst es nicht, an diesem trostlosen Ort zu sitzen. Wenn du wirklich voran kommen möchtest, wirf den Ballast endlich von deinen Schultern.

Wenn du nicht möchtest, dass SIE gewinnen, dann lass los und lebe dein Leben.

Du kannst nicht verzeihen…du willst nicht vergessen, was man dir angetan hat und wie ungerecht all das ist? Wem nutzt das???

Du würdest niemals einem Einbrecher erlauben, sich einfach in deinem Haus auszubreiten und alles zu zerstören, woran dein Herz hängt. Warum erlaubst du es dann den negativen Gedanken, die dir die Lebensfreude stehlen und sich wie ein Virus in deinem Kopf breit machen? Ist es wirklich das, was du möchtest?

Du hattest gerade eine unschöne Auseinandersetzung? Lass los! Lass sie nicht weiter in deinem Kopf wohnen, und dir die Freude am restlichen Tag nehmen.

Jemand hat dir Unrecht getan? Lass los! Die Gedanken an diesen „Jemand“ würden sich sonst immer weiter wie ein Virus in deinem Kopf  breit machen und deine Lebensfreude rauben, wie ein Dieb! Es würde einzig dir schaden. Niemandem sonst!

Die beste Revanche ist loszulassen, einfach dein Leben weiterleben und Dir und der Welt zu zeigen, dass dein Ego tapfer genug ist, um loszulassen. Meide die Menschen, die dir nicht gut tun und die es nicht gut mit dir meinen. Suche nicht nach fehlender Anerkennung und Zuspruch bei deiner Familie, auch nicht bei Freunden. Such sie bei dir selbst!

Konzentriere dich einzig darauf, was gut in deinem Leben ist und da ist eine Menge, wenn du genau hinsiehst,  …und versuche es zu stärken. Verschwende keine Zeit mit Gedanken an Rache.  Wenn du der Vergangenheit nachhängst wird deine Zukunft leiden. Wenn du nach Vergeltung suchst, wirst du immer verlieren.

Vergebung bedeutet, die Hoffnung aufzugeben, dass die Vergangenheit irgendwie anders hätte sein sollen.

Viele denken, verzeihen bedeutet, zu akzeptieren was dir widerfahren ist. Ja, es heisst, zu akzeptieren, dass es passiert ist. Es bedeutet aber nicht, dass es OK war, was dir passiert ist. Es bedeutet nur, zu akzeptieren, was passiert ist und dann zu überlegen …Was tue ich jetzt?

Verzeihen heisst,  nicht länger festhalten, und wünschen und hoffen, …dass es anders gewesen sein könnte.

Die beste Rache ist keine Rache…sondern loslassen. Vergiss sie einfach, sie existieren nicht mehr für dich!

Verurteile , was sie dir angetan haben aber verurteile nicht dich, weil du es zugelassen hast…und dann segne sie, denn sie haben dich stärker gemacht!

Verzeihe…Hol dir deine Macht zurück. …Konzentriere dich auf dich selbst … und DU gewinnst, …indem du loslässt, …und einfach weiterziehst, ohne Selbstvorwürfe. Im Fortgeschrittenen Level, vielleicht sogar mit einem Lächeln auf den Lippen. ❤

Blessed be ❤

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