Aufreger, Katze, Syrien, Tierschutz

Die einzige Zuflucht der verlassenen Tiere von Aleppo wurde gestern bombardiert…

Gestern gab es keine Bilder, keine Berichte aus dem einzigen Zufluchtsort für die verlassenen Tiere von Aleppo. Stattdessen wurde von dort ein Video auf Facebook gepostet, ein grauenhaftes Video, auf dem die Bombeneinschläge zu hören und zu sehen waren, die gerade alles zerstörten, was mit unendlich viel Anstrengung und Liebe am Leben erhalten worden war…auch Hoffnung.

Das weltweit bekannte „Ernesto House of Cats“ in Aleppo wurde bombardiert.

Mittlerweile kennt fast jeder die Geschichte von Alaa, dem ehemaligen Elektriker, der nun als Krankenwagenfahrer in Aleppo nicht nur für alle bedürftigen Menschen schier Unglaubliches leistet. Sein Herz gehört auch den Tieren, und so eröffnete er für die unzähligen verlassenen Tiere der kriegsgebeutelten Stadt eine Zuflucht. Die meisten seiner Schützlinge sind Katzen.

Durch die Arbeit für unseren Verein Frieden für Pfoten e.V, der sich dafür einsetzt, das Elend der Tiere in Kriegs- und Krisengebieten zu lindern, bin ich mit der Problematik, mit den unglaublich schwierigen Bedingungen vor Ort vertraut.  Die Bilder, die uns erwarten würden, machten mir Angst.

Dann warteten wir auf Nachrichten. Wie viele Tiere würden tot oder verletzt sein, ohne jede Möglichkeit der medizinischen Versorgung?  War der gattaro D´Aleppo, Alaa unverletzt? Was, wenn die Bomben auch den einzigen Schutzengel der Tiere und Helden aller Bedürftigen in dieser Stadt verletzt oder getötet haben sollten?

Gegen Abend kam dann von Alessandra Abidin, die über ihre großartige Facebookgruppe seine Arbeit engagiert unterstützt, der erste Lagebericht.

Große Gebäudeschäden, zwei tote Katzen und Hope, das Maskottchen der Anlage, ein sanfter und gutmütiger Schäferhund, waren im Bombenhagel getötet worden.

Es sind „nur“ drei weitere sinnlose Tode, noch dazu die von Tieren. Gemessen an dem unendlichen Leid der Bevölkerung dort, gemessen an der Zahl der Toten insgesamt, fast eine Bagatelle…könnte man meinen.

Dieser Ort war jedoch mehr als ein Tierheim, und Hope war mehr als ein Hund.

Die toten und verletzten Katzen waren nicht irgendwelche Katzen. Es traf das letzte Bollwerk, die letzte große Kraftanstrengung gegen das Böse, an einem Ort der Gleichgültigkeit, der Zerstörung und des Hasses.  Hope, HOFFNUNG, war seit seiner wunderbaren Rettung das Maskottchen für alle, die dort Schutz gefunden haben, auch für alle, die nach Kräften daran mitwirken, „Ernesto House of Cats“ am Leben zu erhalten.

Hope ist tot. Aber nicht die Hoffnung!

Der Wille, weiter für die Schwachen, die Wehrlosen und die Unschuldigen einzutreten, ist ungebrochen. Man wird versuchen Spenden zu sammeln und zu organisieren, damit möglichst bald ein Ersatz für den (zum 3, (!) Mal) ausgebombten Krankenwagen beschafft werden kann, es wird aufgeräumt, Abschied genommen…tief durchgeatmet, dann geht es weiter. Die wunderbare Alessandra kümmert sich gerade auf Hochtouren um die Koordination der Hilfsangebote, die in ihrer Gruppe aus aller Herren Länder eintreffen.

Gerade hat Alaa dort bereits wieder begonnen zu füttern, und die verstörten Tiere einzusammeln.

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Peace…denn am Ende ist Frieden alternativlos!

„Dear Hope, see your martyred body have tore apart my soul but I will guard forever in my heart the memory of your sweet face and the glance and the vivid sweetness in your eyes. FAREWELL AND R.I.P. SWEET HOPE“

Lieber Hope, deinen gemarterten Körper zu sehen, hat mir die Seele zerrissen, aber ich werde die Erinnerung an dein liebes Gesicht und den Ausdruck der  strahlenden Liebenswürdigkeit in deinen Augen, für immer in meinem Herzen bewahren.

Lebewohl und Ruhe in Frieden. Geliebter HOPE.

(Alaas Abschiedsworte für seinen geliebten Hund)

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UPDATE:

Morgen wird das Ernesto Home for Cats, die einzige Zuflucht für die verlassenen Tiere in Aleppo geschlossen.
Nachdem kürzlich dort erst Bomben einschlugen wurden nun chemische Waffen (Chlorgas) eingesetzt.
Morgen sollen die verbliebenen Tiere zu einem anderen Gebäude/Gelände gebracht werden.
Futter ist ebenfalls knapp.
Und die Welt muss hilflos zusehen!

(18. November 2016)

Wenn ihr finanziell unterstützen möchtet:

Facebook: Frieden für Pfoten e.V.

Facebook: Il gattaro D´Aleppo

http://www.friedenfuerpfoten.org

Presse:   http://www.nordbayern.de/panorama/krieg-in-syrien-katzen-asyl-in-aleppo-bombardiert-1.5627786

Katze, Seelenmarzipan, Syrien, Tierschutz

Was wurde aus den Helden der Geschichten des Karma Blogs? Ein kunterbuntes Update!

Manchmal ist mir dieser Blog unheimlich. Damit wir uns nicht missverstehen…ich liebe mein virtuelles „Zuhause“, aber manchmal entwickelt „Gutes Karma to go“ ein Eigenleben und mir bleibt dann nichts anderes übrig, als mit dem Tempo der Entwicklungen irgendwie Schritt zu halten.

Durch die Geschichten hier bereichern beständig neue Menschen und Herausforderungen mein Leben. plötzlich sind sie einfach da, und es fühlt sich an, als würden wir uns schon ewig kennen oder als hätte ich nie etwas anderes getan.

Noor aus Syrien, für mich mittlerweile Freundin und „Patentochter“, erhielt kürzlich offiziell die Anerkennung als Flüchtling und Bleiberecht. Zusammen mit Katze Mimi und ihrer Mutter hat sie sich bereits gut in der neuen Heimat eingelebt. Es geht ihr auch gesundheitlich besser, sie besucht begeistert den Deutschunterricht und die meisten Unterhaltungen sind mittlerweile mit deutschen Sätzen ergänzt. Ich bin mega stolz auf sie und ganz sicher, sie wird hier studieren und ihren Weg machen.

Rawaa, die während ihrer Flucht über die Türkei alles an Straßentieren gerettet hat, was ihr über den Weg lief und uns so aufregende Wochen verschaffte, lebt nun in den Niederlanden. Von dort berät sie ihre Landsleute nach wie vor bei allen Problemen rund um ihre Notfellchen. Ob diese nun krank sind, ein Zuhause suchen oder ausreisen sollen. Oft diskutieren wir angeregt…  🙂 , denn wenn es darum geht, ein Tier zu retten, akzeptiert sie kein Nein und keine leeren Kassen und schafft es immer irgendwie, die wundersamen Rettungen durchzuzdrücken. Auch ihre Katzen, die in Syrien zurück bleiben mussten, sind nun alle in besten Händen oder bei ihr. Sehr bald holen wir die letzten 5 nach und ich hoffe, dann wird es etwas weniger turbulent.

Kunkush/Dias, der weiße Kater, der seine Familie in Griechenland auf der Flucht verloren hatte, und nach der wir überall suchten,  lebt leider nicht mehr. Ich war  so glücklich, dass er über die internationale Suchaktion wieder mit ihnen zusammen kam. Er durfte nach Schweden nachreisen, wurde aber leider ein paar Monaten später sehr krank und überlebte es nicht. Die Zusammenführung war herzergreifend und sein Tod hat mich tagelang beschäftigt.

Bishr, unser syrischer Frieden für Pfoten Aktivist hält nach wie vor eisern die Stellung in Damaskus. Da er es nie schafft, Nein zu sagen, wenn er die Chance hat, Tierelend zu lindern, kann er sich kaum noch vor Notfellchen retten und arbeitet gerade an einer neuen Katzenunterkunft, um noch mehr Tiere bei sich beherbergen zu können. Seine Zuverlässigkeit und seine guten Kontakte ermöglichen uns vieles, was ansonsten in Sachen Tierschutz in Syrien niemals möglich wäre und nebenbei bemerkt, mit ihm jeden Abend für ein kurzes Arbeitsupdate zu chatten macht großen Spass :-). Unser gemeinsamer Traum,  Projekt „HOPE“, ein Tierheim für die syrischen Straßentiere, ist weiterhin in Arbeit und wer weiß…? Ich denke, wir schaffen das!

Pauline, meine Tochter ist nun für zwei weitere  Jahre zum Studium ins Ausland abgereist. Diesmal nach Portugal. Sie genießt die Zeit dort in vollen Zügen, was die Trennung etwas erleichtert. Dafür bleibt nun mehr Zeit, dafür zu sorgen, dass mein  „Baby“,  Frieden für Pfoten“ wächst und gedeiht.

Ach ja, der Verein…

bald können wir ersten Geburtstag feiern. Mir kommt es viel, viel länger vor. Vielleicht, weil sich ständig so viel ereignet.

Die Liste der geretteten Tiere, Partnerorgas und Unterstützer wird immer länger. Trotzdem kenne ich nach wie vor alle Namen, bin immer wieder berührt, wie wunderbar sie sich  bei uns einbringen.

Unser kleines Team ist angewachsen. Luisa, auch sie kam über den Karma Blog, wie sonst ? 🙂 , betreut nun anstatt Pauline unsere Webseite und macht einen tollen Job. Micaela, mittlerweile Freundin und Vertraute,  wurde ganz gegen ihre eigentliche Absicht zu einer vielbeschäftigten Beraterin und Adoptionsfee mit einem begnadeten Händchen für ideale Plätze. Gitta unterstützt uns mit unglaublichem Einsatz in ihrer Eigenschaft als Tierärztin und Rike und ich arbeiten nach wie vor hervorragend als Team. Alle zusammen sind wir ein cooles Team,  nebenbei bemerkt ❤

Da wären so viele zu nennen, die mittlerweile fester und lieber Bestandteil der Frieden für Pfoten Community geworden sind. Team Mitglieder, Unterstützer, Adoptanten…. Es ist so eine Bereicherung, mit ihnen zu arbeiten und sich abends auszutauschen und ich hoffe, sie alle einmal persönlich zu treffen! Mit  Claudia, Verkaufsgenie im Charity-Market und Nicole, die sich der Spendenportale annimmt,  bastele ich gerade an einer tollen Aktion, die die Wintervorräte meiner Lieblingsorga SCARS auffüllen soll und dass ausgerechnet Nicole Ornello adoptierte, war das denkbar schönste Happyend für seine niedlichen Tagebücher.

Ornellos Tagebücher zu übersetzen, überhaupt die Übersetzung und Bearbeitung, das Erstellen von Texten, wurde zu meiner absoluten Lieblingsbeschäftigung in Sachen Vereinsarbeit. Eigentlich genau das, was ich vor vielen Jahren als Beruf angestrebt und auch gelernt hatte …und dann irgendwie aus den Augen verloren. Aus den Tagebüchern des kleinen Katers soll nun ein Buch werden und ich bin fast sicher , der Blog wird es irgendwie schaffen, uns einen Verleger herbei zu zaubern … In Sachen Wunscherfüllung hat er ja schon fantastisches Talent bewiesen 🙂

Es gab auch ein paar schwarze Stunden im Verein, so schwarz, dass es uns ordentlich durchgeschüttelt hat. Mich besonders. Wer für seine Sache öffentlich eintritt muss auch aushalten, öffentlich angegriffen zu werden. Wir alle wissen schließlich, was wir leisten und sollten uns dafür nicht rechtfertigen müssen.

Klingt in der Theorie gut. In der Praxis hat es mich sehr getroffen, neben berechtigter Kritik auch Lügen, Anfeindungen, Bosheiten und Vorhaltungen hinnehmen zu müssen, die ich im Privatleben niemals geduldet hätte, vielleicht sogar angezeigt. In diesem Fall blieb mir nur die Wahl, mir ein dickeres Fell zuzulegen oder aufzugeben. Es wird immer jemand geben, der seine persönlichen Probleme versucht, auf diese Weise zu kompensieren. Tierschutz scheint eine ideale Bühne dafür zu sein.

Ich habe mich daher für ersteres entschieden. Für das dicke Fell …und ein kleines bisschen weniger Vertrauensseligkeit. Aber wer mich ein wenig kennt, der weiß, …manche Dinge verzeihe ich nie! Unser Team ging aus diesen unschönen Aktionen gestärkt hervor und der Zusammenhalt wurde dadurch noch besser. Summa summarum wurde daraus also sogar eine schöne Erfahrung ❤

Aufgeben war allein deshalb schon keine Option, weil SCARS, mein Herzensprojekt gerade begann, so richtig toll anzulaufen. Seit der ersten Begegnung mit Nafsika war ich fasziniert von deren Arbeitsstil, Professionalität und Herz. Sie kümmern sich um die Straßentiere in Athen. Frieden für Pfoten und SCARS arbeiten nun eng zusammen und gemeinsam werden wir noch viel auf die Beine stellen, in Sachen Tierschutz!

Bald möchte ich sie in Athen besuchen um Nafsika, Rena und Fay…meine drei Hauptkontakte bei SCARS , endlich persönlich kennenzulernen. Ich freue mich riesig darauf ..und wer weiß, was aus dieser Zusammenarbeit noch für tolle Geschichten und Freundschaften entstehen werden. Wer weiß, was dem Blog als nächstes einfällt ? 🙂

Ich bin bereit ❤

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Katze, Lifestyle, Seelen Schokolade, Syrien, Tierschutz

Frieden für Pfoten – Peace4Paws … Die Happy End Manufaktur startet durch!

Wer liebt sie nicht, die kleinen und großen Happy Ends, die dem Leben eine Portion Zuckerguss verleihen? Da diese Happy Ends meist rar gesät sind, erzählen sich die Menschen seit jeher Geschichten, lesen Bücher oder die moderne Variante, sie gehen ins Kino.

Happy Ends lassen sich jedoch mit etwas Herz, Ausdauer und den richtigen Verbündeten auch selbst fabrizieren. Das tolle Gefühl, andere glücklich zu machen, ein klitzekleines bisschen die Welt zu retten,  ist erfüllender als jedes Leinwand Happy End.

Diese Leidenschaft ist auch der Grund dafür, dass ich, …die nie einem Verein angehören wollte, …letztlich sogar einen Verein mit gegründet habe. Eine meiner besseren Ideen, denn seit Frieden für Pfoten am Start ist, seit fast täglich neue Verbündete, Unterstützer und neue Kontakte uns Türen öffnen, die vorher verschlossen waren, seitdem gibt es Happy Ends am laufenden Band.

Wer Tiere mag, wird nachfühlen können, wie es sich anfühlt, wenn täglich die Bilder und Anfragen hereinflattern. Es sind grauenhafte Bilder von ausgemergelten, misshandelten, verletzten Tieren oder berührende Aufnahmen von behinderten oder traumatisierten Vierbeinern. Es sind Anfragen von Flüchtlingen, die ihre Tiere auf der Flucht verloren haben, sie im Land zurück lassen mussten oder gerne nachholen möchten und nicht wissen, wie.

Happyend

Happy End
Happy End ❤

Immer  ist es dringend, verzweifelt oder klingt resigniert. Ich lese die Mails, sehe mir die Bilder an und es ist ein tolles Gefühl zu wissen :

Ich kann helfen, weil ich nicht mehr allein bin,  Wir können helfen !

Denn Frieden für Pfoten ist mittlerweile ein geniales Sammelbecken für engagierte Tierschützer aus allen Bereichen und aller Herren Länder.  Wenn ich auf etwas stolz bin, dann darauf, all diese wunderbaren Menschen „gefunden“ zu haben. Jeder bringt seine Fähigkeiten, Kontakte und Möglichkeiten ein. Das Ganze gebündelt ergibt eine unglaubliche Power und ermöglicht Dinge, die in anderen Organisationen nicht denkbar wären.

Bürokratie, destruktive Reibereien und Resignation sind im geheimen „Mimi Forum“,  unserem virtuellen Vereinswohnzimmer verpönt. Hier bin ich fast immer anzutreffen,  denn eine meiner Hauptaufgabe im Verein ist nach wie vor die Kommunikation, Kontaktaufnahme und Koordination.

Das ist…vorsichtig ausgedrückt..aufreibend, bedeutet aber auch , ich darf von Anfang bis Ende miterleben, wie Millimeterweise auf ein Happy End hingearbeitet wird, wie wunderbare Menschen einen tollen Job machen, alle gemeinsam auf das eine Ziel hinwirken, und es am Ende immer wieder schaffen, Tieren eine Chance, einen Platz, Behandlung oder Futterstellen zu ermöglichen.

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Dabei hat jeder seinen unverzichtbaren Anteil. Ein Projekt kann scheitern, weil noch 100 Euro zum Ticket fehlen, es keine Transportmöglichkeit, keinen Fahrer oder Adoptanten gibt, weil eine wichtige Nachricht vor Ort nicht schnell genug übermittelt werden konnte oder der Krieg wieder einmal einen Strich durch die Rechnung macht. Aber stets findet sich jemand, der eine zündende Idee hat, einspringt, riskiert, buchstäblich das letzte Hemd gibt, um unsere Notfellchen zu retten.

Längst sind die meisten aus unseren Reihen Freunde geworden. Rike, die mit mir zusammen Frieden für Pfoten organisiert und die, im Gegensatz zu mir, Logistik, Budget und gesetzliche Regelungen immer scharf im Blick hat, Micaela, die ihre langjährige Berufserfahrung als Leiterin einer großen Abteilung nun einsetzt, um die Adoptionen vorher akribisch abzuklären und die für jeden Schützling nur den allerbesten Platz akzeptiert, und so viele mehr, die ich sehr in mein Herz geschlossen habe. Manchmal kann ich gar nicht fassen, wo all die  hilfsbereiten, großzügigen, engagierten Menschen auf einmal alle herkommen.

Gestern Nacht wurde unsere Transportkette mit den geretteten syrischen Katzen an der Grenze zum Libanon aus Willkür so lange festgehalten, dass es keine Chance mehr gab, den gebuchten Flug zu erreichen. Damit war die Arbeit, die Planung, alle Anstrengungen der letzten Wochen .. umsonst …und die letzte und einzige Chance für die bereits adoptierten Notfellchen vertan.

Wir konnten einzig organisieren, dass sie wieder in ihre Notunterkünfte gebracht wurden.
Dann passierte wieder einmal, was unsere verschworene Truppe so besonders macht: gemeinsam mit unseren unglaublich tollen Unterstützern und Aktivisten haben wir die Nacht durch einen neuen Plan auf die Beine gestellt, bereits einen Teil der benötigten Spenden gesammelt und eine neue Möglichkeit aufgetan, die Tiere reisen zu lassen.

 

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Rawaa Kilani hat dieses Happy End ermöglicht ❤

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Während ich diese Zeilen schreibe, erhielt ich die Nachricht, dass alle mittlerweile einzeln erfolgreich über die Grenze verbracht werden konnten und unsere Transportkette wieder in Bewegung ist….das nächste Happy End lässt nicht mehr lange auf sich warten.

Für die Welt sind es nur ein paar überflüssige Katzen… aber für uns bedeuten sie die Welt , wenn wir Leben retten und Glück schenken dürfen. Schaut doch einfach einmal bei uns vorbei :  www.friedenfuerpfoten.org.

Man kann natürlich auch ins Kino gehen….oder sich beschweren, warum niemand etwas unternimmt, gegen all das Elend in der Welt ;-).

Bettina Marie Schneider Frieden für Pfotenn
Dieses Kätzchen wurde unter den Trümmern eines zerbombten Hauses geborgen und genießt bereits ihr Happy End in Holland.
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Frieden für Pfoten…überall ❤

 

 

 

Aufreger, Syrien

Eine Würdigung für Dr. Muhammad Waseem Maaz und eine Schande für die westliche Welt!

Während gerade menschliche Tragödien von unglaublichem Ausmaß einfach ignoriert werden, während bei uns die Bürokratie, realitätsfern und unfähig wie immer, an Lösungen strickt, die keine sind, während der eine Teil der Bevölkerung hier über Luxusproblemen sinniert und der andere Teil in dumpfe Schuldzuweisungen verfällt…kämpfen in Aleppo tapfere und mutige Männer und Frauen. Sie kämpfen Tag und Nacht verzweifelt um Leben, auch um das Leben der Kinder von Aleppo… und sie sind dabei völlig allein gelassen vom Rest der Welt.

Es ist ein Verbrechen was diesen Menschen widerfährt, eine Schande für die westliche Welt und wir sind alle mitschuldig, weil wir nichts unternehmen, weil wir abwarten, hinnehmen oder ignorieren.

Nachfolgender Brief erschien auf Facebook.Ich habe ihn übersetzt weil ich finde, sein Inhalt sollte jedem zugänglich sein, jedem der wissen möchte, was gerade vor den Augen der gesamten Welt passiert. Er wurde von dem Direktor des Kinderhospitals in Aleppo verfasst.

Liebe Freunde,

ich bin Dr. Hatem, der Direktor des Kinder Hospitals in Aleppo.
Letzte Nacht wurden 27 Mitarbeiter und Patienten bei einem Luftangriff auf das Al-Quds-Krankenhaus ganz in der Nähe unseres Hospitals getötet. Mein Freund Dr. Muhammad Waseem Maaz, der qualifizierteste Kinderarzt der Stadt, wurde bei diesem Angriff ebenfalls getötet.
Er arbeitete während desTages bei uns im Kinderkrankenhaus und anschließend verbrachte er die Nacht im Al-Quds-Krankenhaus, unterstützte dort die Notaufnahme.
Dr. Maaz und ich verbrachten täglich sechs Stunden zusammen. Er war immer besonders freundlich, nett und humorvoll, zu Patienten und zu den Mitarbeitern. Er war der beliebteste Arzt in unserem Krankenhaus.

Ich bin jetzt in der Türkei, und er wollte nach meiner Rückkehr ebenfalls seine Familie dort besuchen, die er vier Monate nicht gesehen hatte.
Aus Hingabe zu seinen kleinen Patienten blieb Dr. Maaz in Aleppo, in der gefährlichsten Stadt der Welt. Krankenhäuser sind oft gezielten Angriffen durch die russische Luftwaffe ausgesetzt.
Wenige Tage bevor Dr. Maaz durch einen Luftangriff ums Leben kam, schlug nur 200 Meter von unserem Krankenhaus entfernt eine Bombe ein. Als der Bombenhagel zunahm, flüchtete niemand sondern das gesamte medizinische Personal eilte ins Erdgeschoss des Krankenhauses um die hilflosen Säuglinge in ihren Inkubatoren zu schützen.
Wie so viele andere wurde Dr. Maaz getötet, weil er versucht hat Leben zu retten. Heute möchten wir Dr. Maaz gedenken, seiner Menschlichkeit und seiner Tapferkeit.

Bitte teilt seine Geschichte damit alle erfahren, womit medizinisches Personal in Aleppo und in ganz Syrien konfrontiert ist.

Die jetzige Situation ist dramatisch – Aleppo wird vielleicht bald belagert. Wir sind darauf angewiesen, dass die Welt uns wahrnimmt.

Danke, dass Sie uns in Ihren Gedanken behalten.

Dr. Hatem

 

Was haben diese unschuldigen Kinder verbrochen, dass wir ihr Leid , ihr Sterben ignorieren ? What did they do to this silent world … What is their fault??

‫#‏ملأ_الدم_وطني‬
‪#‎Syria‬
‪#‎Save_Syria‬
‫#‏حلب_تحترق‬
‫#‏انقذوا_حلب‬
‪#‎SaveAleppo‬
‪#‎StopTheHolocaust‬
‪#‎AleppoIsBurning‬

kinder Syrien

engel weich

 

Seelen Schokolade, Syrien

Salem Aleikum – Grüß Gott in Bayern :-)

Wenn es darum geht, einen Grund zum Feiern zu finden und das Haus festlich zu dekorieren, bediene mich gern großzügig bei allen Kulturkreisen.

Ostern zum Beispiel, war einst ein heidnisches Fest zu Ehren der Göttin Ostara, lange bevor es von den Christen als „Ostern“ übernommen wurde. Ich feiere an diesen Tagen die Rückkehr des Lichts, die unbezwingbare Macht der Natur und das wunderbare Geschenk des Frühlings. Dazu benötige ich weder Menschen- noch Tieropfer, kein geschlachtetes Lamm, nicht einmal Ostereier von geschundenen Hennen sondern Blumen, Schokolade, gutes Essen, Kerzen und …ganz wichtig …liebe Menschen.

In diesem Jahr sollten es ganz besonders schöne Ostertage werden, endlich war Zeit und Gelegenheit, meine syrische Freundin zum ersten mal zu mir nach Hause einzuladen, die ich über meine Arbeit für Frieden für Pfoten (Tierschutz in Krisengebieten) kennengelernt hatte. Endlich wollten wir Zeit miteinander verbringen, uns noch besser kennen lernen und ich freute mich wie ein Schneekönig auf diese Begegnung.

Bereits Tage vorher wirbelte ich aufgeregt und voller Vorfreude durch das Haus, kaufte ein, dekorierte, plante…und war auch ein klein wenig nervös, ob unser Zusammentreffen die Kluft zwischen Generationen, Religionen und Kulturkreisen genauso spielend überwinden würde, ob wir uns genauso verbunden fühlen würden, wie wir das beim Schreiben via Social Media bereits seit Monaten taten. Am Karfreitag war es dann so weit, als sie am Bahnhof unseres winzigen Örtchens aus dem Zug stieg und ich endlich sagen konnte :

Salem Aleikum…Grüß Gott, in Bayern, liebe Freundin ❤

Ich wusste bereits, dass sie Regen und Schnee liebt, Tiere und Natur, Katzen und Musik. Ich wusste, dass sie eine leidenschaftliche Köchin ist, interessiert an Politik, Geographie und Biologie, …  mutig und tapfer. Jetzt wollte ich gern den Rest von ihr kennen lernen, und ihr einen kleinen Eindruck vermitteln, wie „normales Leben“ in Bayern aussehen kann,  (ich schreibe bewusst Bayern 🙂 ) jenseits von Notunterkünften, Fremdenfeindlichkeit und Vorurteilen, und ich wollte mehr über ihre Kultur erfahren, verstehen was sie denkt aber vor allem natürlich wollten wir zusammen Spass haben …und den hatten wir reichlich :-).

Ich fragte ihr Löcher in den Bauch, zum Beispiel , warum sie nach wie vor Hijab (das Tuch das Kopf und Hals und Haare bedeckt) trägt, obwohl sie das meiner Meinung nach doch gar nicht mehr muss und sie niemand mehr dazu zwingt. Sie erklärte geduldig, dass es ihre alleinige Entscheidung war, diese Kopfbedeckung zu tragen und eine Glaubensfrage, für sie so wichtig, wie für manche Christen der Kirchgang, dass man den Hijab nicht nach Laune trägt sondern immer oder gar nicht. Sie erläuterte, wie sie und die allermeisten ihrer Landsleute den Koran verstehen und ihren Glauben leben…oder auch nicht…dass beides völlig in Ordnung ist und dass in Syrien tolerant akzeptiert wird, was in Saudi Arabien ein Todesurteil bedeuten würde.

Es war sehr spannend zu erfahren, was ein Flüchtling aus Syrien über unsere planlose Flüchtlingspolitik nach dem Gießkannenprinzip  denkt, (es deckt sich mit meiner Meinung und ist wenig schmeichelnd für unsere Regierung .)  Es war erschütternd zu hören, was sie und ihre Familie bereits alles durchleben mussten, was Bürgerkrieg, IS und Flucht im Detail an Brutalität und Grausamkeit für die  Menschen aus Syrien bedeuten (wir weinten beide) .Es war deprimierend zu erfahren, wie schrecklich es sich für sie anfühlt, vor Terror und Angst zu fliehen, und nun ungerechterweise selbst für Terror und Angst verantwortlich gemacht zu werden, sie beständig das Gefühl hat, sich für Dinge entschuldigen zu müssen, die sie nicht zu verantworten hat (ich war wieder einmal ärgerlich über meine Landsleute, die nicht oder viel zu wenig differenzieren und alle Flüchtlinge in einen Topf werfen).

Sie erklärte mir am Beispiel ihrer Familie so viel über das Leben in Syrien, dem Land, das wir fast alle nur aus den Medien kennen, und ich muss gestehen, es waren auch in meinem Kopf noch zwei, drei Vorurteile, für die ich mich jetzt ein wenig schäme. Ich versuchte im Gegenzug zu erklären, warum so viele Menschen in Deutschland und Europa ein verzerrtes Bild von den Zusammenhängen in ihrer Heimat haben und zeigte ihr ein paar Videos. Unter anderem auch das, von der widerlichen Predigt über das „Korrekte Schlagen von Frauen“,  das in einer Berliner Moschee aufgezeichnet wurde und wir regten uns beide darüber auf, dass solchen dubiosen Predigern der Aufenthalt in Deutschland erlaubt ist.

Da Noor für ihr Leben gerne kocht und sie unser Ostermenü selbst zubereiten wollte, gingen wir am Samstag zusammen Lebensmittel einkaufen. Über eine Stunde waren wir im Supermarkt unterwegs, so viele Fragen, so viele Lebensmittel, deren Zutaten sie interessierten oder deren Verwendungszweck in der Küche ihr nicht ganz klar war. Anschließend bummelten wir über den Wochenmarkt und durch die Einkaufsstraße der benachbarten Kleinstadt und nutzten die Sonnenstrahlen für den ersten Espresso im Freien in diesem Jahr. Bayern zeigte sich von seiner schönsten Seite, Sonnenschein, malerische Umgebung und…Frieden ❤

Noor, stellte erfreut fest, wie wunderbar es sich anfühlt, dass man ihr hier antwortet, wenn sie eine Frage stellt dass die Leute lächeln, wenn sie mit ihr reden, und ich war glücklich über die Freundlichkeit und Höflichkeit, die man meiner Freundin überall entgegenbrachte , im Zug, in jedem Geschäft und auf der Straße. Wir beide kannten das auch ganz anders…

Das Ostermenü , das sie am Abend zubereitete war eine kulinarische Offenbarung. Während Noor Gemüse schnippelte und Gewürze mischte, sass ich mit einem Glas Wein am Küchentisch, und wir spielten Deutsch-Englisch-Arabisches Begriffe raten. Schneebesen und Knoblauchpresse musste schließlich Google Translator lösen und wir kicherten noch beim Essen über unsere kreativen Wortschöpfungen. Die Zeit verging wie im Fug und „Bridget Jones“  im Englischen Original und mit arabischen Untertiteln versehen, war dann der entspannte und lustige Abschluss eines wunderschönen Tages.

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Als wir uns nach drei wunderbaren Tagen heute am Bahnhof verabschiedeten, hätte es noch 1000 Dinge gegeben, die ich ihr noch gerne gezeigt hätte und über die ich noch gerne mit ihr gesprochen hätte. Es war so interessant, offen mit ihr über Religionsfragen und kulturelle Unterschiede zu diskutieren, mehr über die Geschichte ihres Landes zu erfahren. Es hat so viel Freude gemacht, zu sehen, wie sie Dinge genießen kann, die für mich selbstverständlich sind und die ich auf diese Weise auch wieder mehr wertschätzen lernte…

Aber vor allem war es einfach nur wunderschön, zusammen mit ihr „Die  Rückkehr des Lichts, die unbezwingbare Macht der Natur und das wunderbare Geschenk des Frühlings“ zu feiern , unsere Freundschaft …und Ostern 🙂  .

Noor und Bettina

Katze, Seelenmarzipan, Syrien, Tierschutz

Die Geschichte von Frieden für Pfoten… alles begann mit Mimi und Noor…

 

Eigentlich ist die Geschichte von Frieden für Pfoten die Geschichte von Mimi und Noor.
Alles begann mit einem Foto von UNHCR, der Hilfsorganisation für Flüchtlinge in Skopje. Auf dem Bild war ein junges Paar, die ihren kleinen Hund zig tausend Kilometer mit auf die Flucht genommen hatten und nach der erfolgreichen Bewältigung der ersten Etappe abgekämpft aber hoffnungsvoll in die Kamera lächelten. Im Begleittext war zu lesen, dass sie ihren Hund abwechselnd in einer Babytrage transportiert hatten, wenn er zu erschöpft zum Laufen war .Syrisches Pärchen
Dieses eindrucksvolle Bild ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Wie mochte es sich anfühlen, das geliebte Haustier im Kriegsgebiet zurücklassen zu müssen, wie erträgt man den Gedanken, dass dieses nun schutzlos Hunger, Durst oder Misshandlungen ausgeliefert war ?  Wie kommen all die Menschen zurecht, die ihr Tier mit auf diese gefährliche Reise genommen haben ? Das sollte ich sehr bald herausfinden.

Help for Refugees with Pets

Nachdem ich einen Artikel zu diesem Thema auf meinem Blog „Gutes Karma to go “ veröffentlicht hatte, meldeten sich Sonja Buholzer und Pamela Selwyn bei mir und wir gründeten zu dritt auf Facebook eine Seite, die eine Plattform für Hilfesuchende und Helfer rund um dieses Thema werden sollte. “Help for Refugees with Pets”. Niemals hätten wir mit einem solchen Ansturm gerechnet.

Wir erstellten Dateien mit Hilfsangeboten und Informationen, übersetzten diese in mehrere Sprachen, versuchten alles auf der Facebookseite zu bündeln, was für die Menschen und ihre Tiere unterwegs hilfreich sein könnte und was zu beachten ist, wenn man mit einem Tier Asyl beantragen möchte.
Es kamen Hilfsangebote aus ganz Europa . Die Tiertafel Schweiz, Tierhilfsnetzwerk Europa, Tierärzte, Pflegestellen und Spender, alle wollten unbürokratisch und effektiv unterstützen.
Unter der täglichen Nachrichtenflut war auch die Anfrage einer syrischen Tierschutz Aktivistin. Sie fragte an, ob es uns möglich wäre, eine Katze nach Deutschland und wieder mit ihrer Besitzerin zusammenzubringen. Beigefügt war ein Bild von Mimi. Die kleine weiße Katze lag an den Arm ihrer Besitzerin gekuschelt und in diesem Arm steckte eine Infusionsnadel.

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Noor, Mimis Besitzerin, leidet an einer chronischen Bluterkrankung. Sie ist auf regelmäßige Infusionen angewiesen und da diese in Syrien nicht mehr gewährleistet waren, hatte sie sich mit ihrer Mutter zu Fuß auf den Weg zur rettenden medizinischen Versorgung gemacht. Mimi, die von der jungen Frau als winziges Kitten gefunden und mit der Flasche aufgezogen worden war, die immer an ihrer Seite am Krankenbett beistand, war nun allein im Haus zurück geblieben und ihr weiteres Schicksal ungewiss. Noor wusste bereits im Vorfeld, dass sie diesen Kraftakt der Flucht selbst kaum überstehen würde, mehrfach war sie unterwegs  kollabiert und verbrachte auf allen Reiseetappen Tage im Krankenhaus an der Infusion oder musste pausieren. Mimi wäre niemals heil angekommen und daher wurde diese schmerzhafte Entscheidung getroffen.

Der erste Kontakt

Noch am gleichen Abend schrieb ich zurück, dass ich zwar noch nicht genau wüsste, wie…aber dass wir in jedem Fall versuchen würden, dieses Happy End möglich zu machen. Ich bat um die Kontaktdaten der jungen Syrerin und gemeinsam mit meiner Mitstreiterin, Rike Kantner, wurde „Das Mimi Projekt“ auf den Weg gebracht.

Es war ein Sonntag, als ich die übermittelte Handy Nummer wählte und so zum ersten mal Kontakt zu Noor hatte, ein Kontakt, der zunächst ganz anders verlief als geplant, denn sehr schnell stellte sich heraus, dass es zunächst nicht Mimi sondern Noor war, die gerade dringend Hilfe benötigte.
Sie war in einem der großen Auffanglager in Sachsen Anhalt untergebracht und konnte sich in dem zu diesem Zeitpunkt vorherrschenden Flüchtlings Andrang und zwischen Helfern, die oft kein Englisch sprachen, nicht verständlich machen. Ihr ging es sehr schlecht, sie brauchte dringend die nächste Infusion und niemand war greifbar oder zuständig.

Nachdem ich vergeblich versucht hatte, Lagerleitung oder medizinisches Personal ausfindig zu machen, rief ich kurzentschlossen in der Polizeizentrale der Stadt an und bat nachdrücklich um Hilfe, während ich Noor einen Text zum Vorzeigen aufs Handy tippte. Binnen einer Stunde war sie im Behandlungszimmer des zuständigen Arztes und kurz danach bereits zur Infusion im Krankenhaus. Das war der aufregende Beginn unserer wunderbaren Freundschaft.
Durch den von da an täglichen Austausch, erhielt ich intensiv Einblick in den Alltag eines Flüchtlings in Deutschland, erlebte Hürden und Missverständnisse, Ängste und Ablehnung eins zu eins mit. All ihre Anliegen und Fragen übersetze ich vom Englischen ins Deutsche, was sie dann bei den zuständigen Sachbearbeitern oder den behandelnden Ärzten auf dem Display ihres Handys vorzeigen konnte. Viele waren hilfsbereit aber oft war ich sehr, sehr wütend darüber, wie man ihr entgegentrat. Mittlerweile hat Noor übrigens längst alle offiziellen Deutschtests mit Bravour bestanden und sie benötigt diese Hilfe längst nicht mehr.

Das „Mimi Projekt“ macht Fortschritte

An den Abenden chatteten wir. Noor erzählte von Mimi, die sie so gerne mitgenommen hätte aber ihr nicht zumuten wollte, die vielen Wochen während des endlosen Fußmarsches, eingesperrt im Transportkäfig zu verbringen, dass sie ihr die gefährliche Überfahrt, alle Risiken der ungewissen Reise ersparen wollte. Wie es ihr jedesmal das Herz bricht, wenn die Nachbarn aus Syrien schreiben, dass sie Mimi bis auf die Straße jammern hören, weil sie ganz allein im Haus und durch ihre Taubheit völlig isoliert und verängstigt ist. Sie erzählte von ihrem trotz Krankheit einst sehr schönem Leben in Syrien, von Verlust und geplatzten Zukunftsplänen.

Auch wenn ich ihr gegenüber zuversichtlich auftrat, anfangs war ich nicht sicher, ob es uns tatsächlich gelingen würde, Mimi  zu ihr zu bringen. Zu groß erschienen die logistischen, bürokratischen und auch die finanziellen Hürden. Wir waren nur eine handvoll Leute, mit wenig Erfahrung, mit sehr begrenzten finanziellen Mitteln aber dafür um so entschlossener.

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Ich versuchte zu trösten, soweit man in dieser Situation trösten kann, erzählte ihr, was wir gerade gemeinsam alles anstellen, damit Mimi bald bei ihr sein kann. Und  tatsächlich war es bemerkenswert, was da gerade alles angestellt wurde…
Bereits bei unserem ersten Kontakt hatte ich ihr  stellvertretend für uns alle versprochen, dass wir Himmel und Hölle in Bewegung setzen würden, damit sie wieder mit ihrer Katze zusammen kommen kann. Dass wir es gemeinsam schaffen würden, Geld aufzutreiben, den Transport zu organisieren und eine Pflegestelle in Deutschland zu finden, wo Mimi vorerst bleiben darf. Währenddessen würden Rawaa und Bishr in Syrien alles vorbereiten , damit für Mimi die nötigen Einreise Anforderungen erfüllt sind.

Nach wie vor waren wir kein Verein, nur eine Facebookgruppe, in die täglich neue, wunderbare Menschen fanden. Wir durften offiziell nicht um Spenden bitten aber die Großzügigkeit und Hilfsbereitschaft aller Beteiligten übertraf selbst die kühnsten Erwartungen.
Angefangen bei unseren syrischen Freunden, die Mimis Papiere für die Ausreise vervollständigten , sie in den Libanon verbrachten und auf die weite Reise schickten, bis hin zu den großzügigen Spendern, unermüdlichen Bastlern und Verkäufern, die uns die finanziellen Mittel dazu ermöglichten, war jeder unglaublich hilfsbereit, motiviert und mit ganzem Herzen dabei.

Als wir auch noch eine liebevolle Pflegemutter für Mimi in Berlin fanden, denn es würde noch eine Weile dauern, bis Noor über eigene Räumlichkeiten verfügte, war die Planung perfekt. Weil das alles so gut funktionierte, beschlossen wir auf diesen Flug noch weitere Notfellchen zu packen, auch für sie meldeten sich Pflegestellen und Adoptanten und auf alle  wartete ein ein wunderschönes Zuhause.
Während sich unsere Aktionen im Mimi Forum ausweiteten, während immer klarer wurde, wie dringend Hilfe in Syrien für die zurückgelassenen Tiere benötigt wird, dass es noch unzählige Katzen und Hunde gibt, die gefüttert, kastriert, in Pflegestellen oder vielleicht sogar in ein neues Zuhause gebracht werden müssen, und wir alle nach Kräften daran arbeiteten, näherte sich Noors erstes Weihnachten in Deutschland.
Noor hatte für sich und ihre Mutter die Genehmigung erhalten, aus dem Lager in eine winzige Notunterkunft zu ziehen, dort besuchte ich sie. Endlich konnten wir uns zum ersten mal in die Arme schließen und die Gastfreundschaft und Herzlichkeit, die sie und ihre Mutter mir an diesem Tag zuteil werden ließen, werde ich nie vergessen.

Als Gastgeschenk erhielt sie ihren ersten Weihnachtskalender und wir lachen noch heute über ihr Ensetzen, als sie später erfuhr, dass man nicht alle Türchen gleichzeitig öffnet und der Inhalt des Kalenders eigentlich bis zum 24. Dezember stückchenweise genossen wird. Seit sie wußte, daß Mimi bald sicher und wohlbehalten in Deutschland sein würde, lachte sie überhaupt wieder gern und oft und ganz langsam fasste die kleine Familie Fuß in der Fremde. Für mich war und ist die Freundschaft mit dieser zarten aber doch so energischen und lebensbejahenden jungen Frau eine große Bereicherung. Noors Name bedeutet „Licht“ in ihrer Sprache und wer einmal dieses innere Leuchten erleben durfte, das von ihr ausgeht, der weiß, wie treffend der Name für sie gewählt wurde.

Mimi geht auf die Reise

Endlich war es so weit. Wir hatten genügend Geld gesammelt, Pflegestellen und Endplätze für alle Notfellchen gefunden, die Tickets waren gebucht und  Mimi ging auf die große Reise ins Glück. Nach der Ankunft in Europa wurde für sie und ihre kleine Katzenreisegruppe unsere erste Transportkette ins Leben gerufen.

Auch diesen Part teilten unsere Aktiven ganz selbstverständlich unter sich auf, nahmen stundenlange Autofahrten in Kauf oder buchten Inlands Flüge auf eigene Kosten. Zum ersten mal durften wir mitfiebern, erlebten gemeinsam online den magischen Moment, wenn die Transportkette sich in Bewegung setzt um schließlich viele Stunden später die kostbare Fracht  zu übergeben.

Seither gab es einige dieser aufregenden, magischen Momente, wenn die Arbeit von vielen Wochen mit einem Happy End gekrönt wird. Immer wieder aufs neue ist dieser  Glücksmoment die schönste Belohnung, dieses unvergleichliche  Gefühl, einen sicheren Todeskandidat in einem liebevolles Zuhause zu wissen.

Mimi 6
Ich lass Dich nie mehr los ❤

Auch Mimi gefiel es sichtlich gut in ihrem neuen Zuhause bei der Pflegemutter. Endlich wieder Gesellschaft, endlich wieder kuscheln und dazu ein  Aquarium  in der Wohnung, ihr auserkorener Lieblingsplatz. Noor war selig, Mimi so glücklich zu sehen, auch wenn sie selbst noch nicht bei ihr sein konnte.

Das erste Wiedersehen

Wir beschlossen, als Weihnachtsüberraschung endlich ein Treffen zwischen den beiden zu ermöglichen. Nach einem gemeinsamen Abendessen mit (fast) allen Mimi Projekt Aktivisten, fuhren wir zu dritt zum großen Wiedersehen zu Mimis wunderbarer Pflegemutter, Brigitte.  Es waren berührende Momente, die niemand je vergessen wird, der dabei sein durfte. Ganz im Vertrauen…wir haben alle ordentlich geweint…. 🙂

Mimi erkannte Noor nach einem kurzen Augenblick des Zögerns sofort wieder. Sie ließ sich von ihr herzen und küssen, schnurrte laut, klammerte sich an ihren Arm, aalte sich auf ihrem Schoß und beide strahlten so unendlich viel Seligkeit und Glück aus, es ist mit Worten nur schwer zu beschreiben. Wir ließen die beiden allein, damit sie die kostbare Zeit zusammen in Ruhe genießen konnten, denn am nächsten Morgen musste Noor wieder zurück sein.

Glücksmomente des Wiedersehens ❤

Während ich diese Zeilen schreibe, konnten Noor und ihre Mutter und Mimi längst eine kleine Wohnung beziehen, die sie liebevoll ausgestattet haben. Mimi wurde als Einzugsgeschenk aus Berlin angeliefert und machte das Glück perfekt. Auf meine Frage, was sie sich sonst noch zum Einzug wünschte, antwortete Noor:

„Samen und Erde, ich würde gern Samen und Blumen auf meiner Fensterbank wachsen und gedeihen sehen“. Diesen bescheidenen Wunsch habe ich ihr nur zu gern erfüllt und seitdem erhalte ich regelmäßig Bilder, auf denen Scherben und ein Haufen Blumenerde auf dem Fußboden verstreut zu sehen sind…und eine kleine weiße Katze, die kein bisschen schuldbewusst in die Kamera blickt. Mimi liebt ebenfalls Blumenerde und Pflanzen, …nur anders :-).

Mimi die Gärtnerin

Frieden für Pfoten-Peace4Paws.e.V.

Da wir gerne noch viel mehr HappyEnds, noch viel mehr Hilfe für die Tiere und Unterstützung für die Tierschutzaktivisten in Syrien und anderen Krisengebieten ermöglichen wollten und dazu langfristig die Hilfe eines rechtlich eingetragenen Vereins benötigten, gründeten wir am 21. Dezember in Berlin  „Frieden für Pfoten – Peace4Paws e.V. “

Unser Ziel ist es, das Elend der Tiere in Kriegs- und Krisengebieten lindern. Wir unterstützen private Helfer vor Ort bei Fütterung der ausgesetzten und zurück gelassenen Tiere, finanzieren Kastrationsaktionen, medizinische Notversorgung und sind dabei behilflich, Flüchtlinge wieder mit ihren geliebten Haustieren zusammenzubringen. Nach wie vor organisieren wir vereinzelt auch, dass besonders bedürftige Tiere nach Deutschland adoptiert werden können. 

Mittlerweile helfen wir den verlassenen Straßentieren an einigen Brennpunkten in Europa. Besonders in Athen fanden wir in der Organisation SCARS Griechenland Partner, die unsere Ideale und Ziele teilen. „Frieden für Pfoten meets SCARS“ war ein Meilenstein in der Vereinsgeschichte und seither kämpfen wir Seite an Seite gegen das Elend der Straßentiere.

 

Abschließend ein herzliches Dankeschön an alle tollen  Unterstützer, Spender, Bastler, Verkäufer, Berater, Logistik Genies, Fahrer, Pflegestellen, Adoptanten, Organisateure, Designer, Übersetzer, an unser fantastisches Team  …schön, dass es Euch gibt! ❤

Finaler Vorschlag

 

 

Katze, Seelen Schokolade, Syrien, Tierschutz

Dias kommt bald nach Hause …<3

Da so viele Leser dieses Blogs geteilt, mitgefiebert und beigetragen haben, die Geschichte von Dias in ganz Europa zu verbreiten, möchte ich gerne die neueste Entwicklung hier erzählen.

Dias hat seine Familie endlich gefunden!!!

Die Nachricht , dass er überlebt hat, und verzweifelt nach seiner Familie gesucht wird, hat auf die vielen , vielen Umwegen Dias Besitzer in Norwegen erreicht.

Anhand von Bildern und der Reisedaten konnten seine Lieblingsmenschen eindeutig beweisen  : „Dias gehört zu uns !“ Sein richtiger Name ist übrigens „Kunkush“ und er reagiert  deutlich darauf , wenn man ihn so anspricht ❤ .

Gerade wird seine Wiedervereinigung koordiniert, seine Pflegefamilie, alle Helfer und Unterstützer arbeiten gemeinsam daran, dass er bald die letzte große Reise Etappe zum Happy End in Norwegen antreten darf.

Es wird wenig Zeugen bei diesem Wiedersehen geben. Verständlicherweise wünscht sich die Familie für diese, sicher sehr emotionale Begegnung , Privatsphäre. Aber sie haben versprochen, Bilder zu senden, die ich dann gern veröffentlichen werde  ❤

Dias darf also tatsächlich bald nach Hause und seine Geschichte ist wieder einmal der Beweis dafür,  was für unglaublich schöne Dinge Realität werden können, wenn Mitgefühl, Entschlossenheit und Liebe zusammen agieren.  1000 Dank an alle, die mitgeholfen haben, dieses kleine Wunder durch Teilen, Veröffentlichen, Übersetzen  und Weiterreichen zu ermöglichen.

Hier ist seine  Geschichte   …Klick….

und hier, auf Dias , bzw Kunkushs eigener Facebook Seite,  kann man nachlesen, was gerade Spannendes passiert

Reunite Dias 1
So wurde Dias auf Lesbos aufgefunden, nachdem er seine Familie bei der Ankunft verloren hatte und hilflos herumirrte.