Seelenmarzipan

Du kannst jederzeit gehen…

Wenn du das Gefühl hast, am falschen Ort zu sein, dann solltest du dich bewegen…und wenn sich etwas nicht gut anfühlt, dann ist es meistens auch nicht (mehr ) gut für dich.

Zwei einfache Lebensregeln, die viel sinnlose Zeit und Kummer ersparen, oder besser gesagt, ersparen würden, wenn man sie befolgt. Meistens tut man es nicht oder erst viel später, als eigentlich gut wäre.

Gerade stehe ich wieder vor einer neuen Türe, von der ich noch nicht so genau weiß, ob sie die richtige ist. Ich überlege immer öfter, ob ich sie nicht einfach öffnen sollte, nachsehen, was sich dahinter neues, aufregendes verbirgt, denn das Zimmer, in dem ich mich gerade befinde, an dem ich so lange liebevoll gebaut, gemalert, eingerichtet und dekoriert habe, wird mir mehr und mehr fremd. Irgendetwas fehlt mir.

Vielleicht sollte ich einen Raum weiter ziehen, vielleicht alles eine Nummer kleiner, beschaulicher und wieder mehr nach meinen Vorstellungen einrichten. Es passiert mir oft, dass meine Baustellen größer und perfekter werden, als ich sie mir je erträumt habe, nur damit ich nach einer Weile feststelle, es hätte auch eine Nummer kleiner gereicht und die Instandhaltung wird mir zu anstrengend. Vielleicht bin ich aber einfach nur müde und würde mein Zimmer vermissen, wenn ich alles hinter mir lasse. Niemand kann es mir sagen und deshalb warte ich einfach ab.

Gerade bin ich mir nicht mehr sicher, ob ich so weitermachen möchte, wie ich die letzten beiden Jahre meines Lebens verbracht habe. Ich habe alles gegeben, was ich hatte. Viele denken, es wäre in erster Linie „nett schreiben“ gewesen, was ich einbringe und was meine Arbeit für unseren Verein ausgemacht hat.  „Nett schreiben“ war sicher ein wichtiger Punkt, oder besser gesagt, „mit dem eigenen Herzblut“ schreiben … denn ich habe in jede unserer Veröffentlichungen auch immer eine große Portion des eigenen Herzbluts mit eingearbeitet. Aber das ist es nicht, worauf ich stolz bin. Viele können schreiben. Es ist die bis ins Detail ausgeklügelte Strategie, mit der ich  jede Zeile, jede Veröffentlichung, jeden Kontakt, jeden Facebook Algorithmus, jede Aktion, jedes Projekt und den Gesamtaufbau sämtlicher nur denkbaren internen und externen Strukturen und Abläufe geplant und umgesetzt habe. Vor allem anderen bin ich ein Taktiker und neben den netten Katzengeschichten floss alles an Skills, Ressourcen und Ideen ein, die ich mir über die letzten Jahrzehnten angeeignet habe, dazu jeden Tag 8 – 12 h ehrenamtliche Arbeit, alle meine Blog Kontakte und so ziemlich jeder Cent, den ich irgendwie entbehren konnte.

Jeden Monat kamen neue Talente und Unterstützer hinzu, Mitstreiter und Freunde und jeden Monat wurden die Ressourcen größer, auf die wir zurück greifen konnten. Jeden Monat wurde meine (ehrenamtliche) Arbeit mehr und jeden Monat wuchs der Bedarf immer noch ein bisschen schneller als das, was wir liefern können. Das liegt in der Natur der Sache. Es wird immer zu wenig sein. Es wird immer mehr bedürftige Tiere als helfende Hände geben. Jedesmal wenn wir die Anstrengungen verdoppeln, dann hat sich die Anzahl der Notfälle über Nacht bereits verdreifacht.

Es ist für alle selbstverständlich geworden, dass ich all das tue, auch für mich ist es selbstverständlich geworden, als gäbe es gar keine andere Option mehr, kein anderes Leben für mich.  Ich bin immer verfügbar und allen dankbar, die es mit mir und für die Sache sind.  Dankbar bin ich wirklich aber ich beginne immer öfter zu hinterfragen, ob es wirklich so selbstverständlich ist, ob der Preis für mich auf Dauer nicht zu hoch ist und ob es nicht noch andere, weniger strapaziöse Optionen gäbe, zu helfen. Würde ich das, was ich für unseren Verein selbst spende, erdacht habe, ermögliche und bewege, bei einer anderen Organisation einbringen, dann würde man mich dort sehr wahrscheinlich auf Händen tragen, meine Arbeit würde ganz anders wahrgenommen werden:

Als ein Geschenk und nicht als Selbstverständlichkeit.

Meine Wünsche würden berücksichtigt, man ginge sehr umsichtig mit mir um, so wie ich jetzt mit all unseren Spendern und Unterstützern, weil man mich nicht verlieren wollte. Ich würde mich einzig um meine Angelegenheiten kümmern und alles andere, Anderen überlassen, auch die nervenzehrenden Diskussionen, Erwartungen, Anfeindungen und die Zitterpartien um Unterstützer. Ich könnte ohne schlechtes Gewissen nur dann beitragen, wenn mir danach ist, und so viel, wie ich gerade beitragen möchte. Ich könnte jederzeit zu allem, was mir missfällt, Nein sagen, meine Meinung frei äußern, mir meine Arbeitskontakte nach Sympathie aussuchen und alles ohne jede Spur von Druck oder Verpflichtung. Ich müsste niemandem dankbar sein sondern man würde sich wohl eher beständig bei mir bedanken, obwohl ich das Gleiche, sehr wahrscheinlich sogar deutlich weniger, tun würde, als ich jetzt tue. Eigentlich lustig.

Vielleicht ist es das, was ich in diesem anderen Zimmer erhoffe, vor dessen Türe ich gerade unschlüssig stehe und nicht so recht weiß, ob ich einfach nur müde bin und bald wieder anders über alles denke oder ob tatsächlich Zeit ist, für etwas ganz Neues.

Vielleicht sollte ich bei Gelegenheit den große Kürbis fragen. Er hat mich gerade mit einer Grippe beschenkt, damit ich Zeit habe, in Ruhe über alles nachzudenken. Ihm war wohl auch bereits aufgefallen, dass etwas Neues ansteht …

FB_IMG_1510618407985.jpg

 

 

 

 

Lifestyle, Seelenmarzipan, Tierschutz

Mein Urlaub im Robinson Club Kyllini Beach- Ein Reisebericht und ein Katzenblog

Kinder, wie die  Zeit vergeht! 30 Jahre ist es nun her, seit ich das erste mal „zu Gast bei Freunden“ in einem Robinson Club war, und ich muss gestehen, nach dem ersten Besuch 1987 war ich angefixt.

Waren es anfangs nur die Disco Nächte und die nie endende Party, die lockten, begeisterte ich mich im Lauf der Jahre für die liebevolle Kinderbetreuung, das breit aufgestellte Sportangebot, lernte den Club als Single, Familie, mit und ohne Kind kennen und lieben und schätze mittlerweile auch die ruhigeren Optionen, die sich dort bieten, wie Spa, Yoga und kulinarische Highlights! Jetzt war ich neugierig auf Kyllini Beach, der seit seiner Neueröffnung vor zwei Jahren, als Geheimtipp gehandelt wird.

Ich reiste urlaubsreif wie selten und mit großen Erwartungen an…  und ich wurde nicht enttäuscht, ganz im Gegenteil! Wer mich ein wenig näher kennt, der weiß, dass ich in Sachen Service und Organisation manchmal nervtötend kritisch urteile, immer etwas finde, das noch ein wenig verbessert werden könnte. Das Robinson Konzept ist nur dann perfekt, wenn die Clubleitung und Teammitglieder es auch wirklich umsetzen und nicht jeder Club kann das von sich behaupten.

Ich schwöre, dass während des gesamten Aufenthalts in dieser traumhaft schönen und schön gelegenen Anlage, nicht ein Wort der Kritik, nicht ein einziger Verbesserungsvorschlag über meine Lippen kam. Ich war viel zu beschäftigt damit, zu genießen, was der Clubchef und sein Team für ihre Gäste aufboten. Zum Beispiel die Musik, (des öfteren Anlass zum Nörgeln, für eine bekennende Disco Fox Hasserin) war in Kyllini jeden Abend ein Highlight! Live Auftritte oder aktuelle Beats und Bässe, mit viel Liebe und Fingerspitzengefühl abgemischt.

Entertainment, Musik, Küche, Anlage, Sauberkeit, Service, Lage…. oder…oder…, in diesem Club wurde von allem noch ein wenig mehr geboten, noch ein wenig umfangreicher, mit noch ein wenig mehr Liebe zum Detail für einen gelungenen Urlaub gesorgt. Das Wort „Perfekt“ , trifft es wohl am besten.

Manchmal war es fast schon unheimlich, wie alle Wünsche von den Augen abgelesen wurden, ehe man sie aussprach. Ob es ein Schokoladen Eis war, das einfach so, als Überraschung an den Strand gebracht wurde oder ein Abend mit Piano und heißer Schokolade als Spontanprogramm in der Lobby, als es regnete… es gab ein spektakuläres kulinarisches Angebot für alle, die alles essen aber auch für Vegetarier, Veganer, Allergiker, … und Schokoholics, wie mich, und natürlich nicht zu vergessen, die sagenhaften Pina Coladas! Jeder, angefangen vom Green Team der Gärtner, über das immer gut gelaunte Service Personal, bis hin zu den Sport Trainern (die ich allerdings nur vom Hören- Sagen kenne, Sport ist nicht so mein Thema),  war freundlich und zuvorkommend und mit Freude bei der Arbeit für die Gäste. Ich war rundum glücklich und beschloss, mir für den Gala Abend noch schnell ein Kleid zu kaufen, denn sehr bald würde der Club für diese Saison schließen und der Abschluss sollte mit einem großen Gala Event gefeiert werden.

Blog6

Während ich mich im Laden umsah, hörte ich zufällig ein Gespräch mit. Offensichtlich ging es dabei um eine Katze. …“so schade, dass ihn niemand wollte….was wird jetzt aus ihm ab Freitag….er kann doch nicht fressen, was nicht püriert ist…er tut mir so leid….“ Das war der Moment, wo ich vergaß was ich eigentlich in dem Laden wollte und interessiert nachfragte, von wem die Rede war.

blog9
ROBINSON

Die Rede war von einem Kater. Ein kleiner Kater, der  schwer verletzt und halb verhungert im Frühsommer in der Anlage aufgetaucht war. Offensichtlich hatte man ihn misshandelt, denn sein Kiefer war gebrochen und er sah insgesamt sehr mitgenommen aus. Einer der Angestellten hatte Mitleid mit ihm und er durfte bleiben.

Y, wie alle ihn nannten, konnte  keine feste Nahrung zu sich nehmen, also erhielt er sein Futter püriert, überlebte auf diese Weise den Sommer und man hoffte, irgendwann würde sich ein Gast finden, der ihn mitnehmen wollte. Y erhielt einen Aushang in der Club Info und gerade noch rechtzeitig, ehe  die Anlage über den Winter leer und verlassen zurück bleibt, und er wegen seiner Beeinträchtigungen einem sicheren Hungertod ausgeliefert wäre, bot sich ein Ehepaar an, ihn zu adoptieren. Tierliebe Mitarbeiter des Clubs organisierten die nötigen Papiere, bereiteten alles vor und jeder atmete erleichtert auf, denn der schüchterne und sanfte Überlebenskünstler war vielen ans Herz gewachsen und niemand wollte ihn zum Sterben verurteilt, hilflos zurück lassen. Einen Tag vor der geplanten Abreise, sagte die Familie wieder ab. Es war ihnen dann doch zu umständlich. Y war somit zu einem qualvollen Tod verurteilt, denn in einer Woche war niemand mehr da, der ihn füttern würde, auch niemand, der ihn aufnehmen wollte und alle reisten bald ab.

In meinem Kopf überschlugen sich die Gedanken, als mir klar wurde, dass ich noch genau 4 Tage Zeit hatte, irgendetwas zu organisieren, das diesem Tier ein trauriges und qualvolles Ende ersparen würde. Noch wusste ich nicht, wie der aktuelle Impfstatus aussah, ob die Fristen für eine Ausreise ausreichen würden, ob noch Platz im Frachtraum war, was ich mit ihm anstellen sollte, wenn wir in Frankfurt gelandet sind, ob meine Freunde ihn auf ihr Ticket eintragen lassen würden, denn meines war bereits für eine andere Flugpatenschaft vergeben. Ich wusste zu gut, was bei einer solchen Rettung alles schief gehen konnte, und auch, was sie kostet. Aber noch besser wusste ich, dass ich bis ans Ende meiner Tage bedauern würde, wenn ich nicht zumindest den Versuch unternommen hätte, diesem armen Wesen zu helfen.

Also atmete ich tief durch, wandte mich an das Grüppchen, das gerade über ihn sprach und sagte:  „Ich nehme ihn .. . könnt ihr seinen Betreuern bitte ausrichten, dass ich schnellstmöglich Bilder brauche, wahrscheinlich auch etwas Hilfestellung bei der Abwicklung, aber Robinson wird mit mir nach Hause fliegen…er heißt jetzt nämlich Robinson und er ist ab jetzt meine Katze!“

Genau so war es dann auch. Während ich am Strand die letzten Sonnenstrahlen des Sommers genoss, arbeitete ich Punkt für Punkt auf der to do Liste ab, was an Telefonaten, Dokumenten, Absprachen und Planungen anstand und ein Problem bereitete mir dabei besonders große Sorgen:  Ich wusste, dass meine eigene Katze Robinson aus tiefster Seele hassen würde. Das war nichts persönliches, sie hasst seit jeher jede Katze, die auch nur annähernd in meine Nähe kommt. Da Robinson also bei mir nicht bleiben konnte, musste ich eine Pflegestelle für ihn finden, jemanden der willens war  und gutherzig genug, um bei unserer Ankunft in Frankfurt eine kranke, völlig unbekannte Katze in Obhut zu nehmen, sie zum Tierarzt zu bringen, nach der wahrscheinlich notwendigen OP zu betreuen und sie zu behalten, bis ein Platz gefunden wurde. Ich postete mein Problem auf Facebook und quasi über Nacht fand Robinson auf diese Weise seinen rettenden Engel. Um 0.30, einen Tag vor der Rückreise, besprach ich am Telefon aufgeregt mit Sabine, die sich spontan gemeldet hatte, alle Details und konnte mein Glück nicht fassen. Er hatte nicht nur eine Pflegestelle gefunden, er hatte die beste Pflegestelle gefunden. Es war an der Zeit, mich wieder meinem Urlaub zu widmen.

böog8blog0club5blog10

Friends will be friends …

Während wir ausgelassen mit dem gesamten Clubteam den Abschied von der Saison feierten, wurde Robinson in der Tierklinik auf die Reise vorbereitet. Alle halfen zusammen. Meine Reisebegleiter Claudia und Akosh ließen Robinson auf ihrem Ticket eintragen, ich regelte Robinsons Verbleib ab Frankfurt und das wunderbare Clubteam organisierte nicht nur einen Transportkäfig und den Transport zur 60 km entfernten Tierklinik und von dort die Übergabe am Flughafen sondern übernahm sogar einen Teil der Kosten.

Robinson Clubchef Jörg überreicht  zum Abschied Robinsons Reiseunterlagen

Als ich Robinson schließlich am Flughafen verloren, verängstigt  und leise wimmernd in seinem Käfig sitzen sah, bereit für den Abflug, war ich sicher, dass er große Schmerzen haben musste. Wie ich bald erfahren sollte,  hatte mich nicht geirrt. Ich hoffte inständig, alles würde gut über die Bühne gehen, Robinson den Stress des Fluges verkraften und Sabine wie versprochen zur Stelle sein.

Endlose Stunden im Käfig für Robinson

Sabine war wie versprochen in Frankfurt zur Stelle! Sie fackelte nicht lange, sah sich das Bündel Elend an, und brachte ihn kurzentschlossen noch am Wochenende zu ihrem Tierarzt. Sie erzählte mir später, seine herzzerreißenden Schmerzschreie nach dem Fressen, wären das Schockierendste gewesen, was sie in ihrer langjährigen Erfahrung als Pflegestelle  erlebt hatte. Nicht der gebrochene Kiefer war Robinsons Problem gewesen, der war längst wieder zusammen gewachsen, sondern durch Mangelernährung vereiterte und marode Zähne und eine Virus Erkrankung. Seine Zunge war eine einzige offene Wunde und der Eiter hatte bereits tiefe Löcher in den Kieferknochen gefressen. Kein Wunder, dass er sich nicht mehr selbst säubern konnte,  nur noch breiige Nahrung zu sich nahm und nach jedem Essen laut jammerte. Seine Schmerzen müssen unvorstellbar gewesen sein und jede Mahlzeit eine einzige Qual.

Noch am gleichen Tag erhielt er eine Not OP, alle Zähne wurden gezogen, die tiefen Wunden im Mäulchen gesäubert, Antibiotika verabreicht und dann passierte ein kleines Wunder: Innerhalb von nur 24 Stunden wurde aus Robinson eine andere Katze. Der ängstliche scheue Kater, der sich nur ungern anfassen ließ, verwandelte sich in ein zufrieden schnurrendes Schmusekätzchen und himmelt seine Pflegemutter Sabine förmlich an. Er stürzte sich bald begeistert über das Essen, das ihm angeboten wurde, futtert begeistert eine Portion nach der anderen , als müsste er alles nachholen, was er all die Monate vorher vermisst hatte. Vor kurzem begann er auch wieder zaghaft mit der ersten Fellpflege. Robinson im Glück!

blog1
Sabine mit Robinson

 

 

Es gäbe so vieles, was ich über den Robinson Club  Kyllini Beach noch erzählen könnte, weil mein Aufenthalt dort in jeder Hinsicht herausragend schön und perfekt war. Dieser Club ist ein Juwel in der Robinson Krone! Aber darüber haben bereits viele andere vor mir geschrieben… über die engagierten Clubchefs, Jörg und Jule, den 11 Kilometer langen Sandstrand vor der Türe, wo man in naturbelassener Landschaft die Sonnenuntergänge genießen kann, über die Freundlichkeit des Teams, die mitreißenden Shows, den zuvorkommenden Service … für mich ist vor allem anderen jedoch die extra Portion Herz dort, ein ganz wichtiger Grund,  um gerne wieder zu kommen. „Zu Gast bei Freunden“ ist in Kyllini Beach nicht nur ein Werbeslogan sondern der Spirit des gesamten Teams. Meine Freunde wähle ich auch und besonders  nach ihrem Herz für Tiere aus und sage im Namen von Robinson von Herzen Dankeschön!

Robinson sucht ein Zuhause

Mein besonderer Dank gilt Sabine Rentner, die sich so wunderbar um Robinson kümmert und jetzt auch ein Zuhause für ihn sucht, wo er für immer bleiben darf. Robinson ist ein Schatz, gesund und jung, er hat die Zähne eingebüßt aber ansonsten keinerlei Probleme und würde sich über einen Platz mit viel Zuwendung und der Möglichkeit für Freigang freuen. Schreibt mir einfach unter bettina.m.schneider@gmx.net

Tierschutz

Griechenland – die Krise, die Streuner …und wie ich zum Bettler wurde

Was ich tue, ist objektiv betrachtet, verrückt. Ich bin kompromisslos geworden, besessen könnte man sagen, aber auch beseelt von einer einzigen fixen Idee: Ich möchte, dass dieses sinnlose Leiden und Hungern und Sterben aufhört, oder zumindest, dass es besser wird. Ich möchte Geld, immer mehr Geld, mehr Hilfe und Aufklärung. Ich möchte meinen wunderbaren griechischen Freunden helfen, zu helfen!  Und dafür werbe und schreibe, bitte, verhandele und taktiere ich sieben Tage in der Woche, 365 Tage im Jahr. Ich wurde zum Bettler, für meine griechischen Freunde und sie wurden zum Bettler für die hungernden und leidenden Tiere, weil die Krise kaum noch Hilfe im Land erlaubt. Weil sie die Einzigen dort sind, die das Leid sehen und sich mit aller Kraft dafür einsetzen, es zu lindern. Für mich sind sie Helden!

Vier von zehn Beschäftigten in Griechenland verdienen weniger als 700 Euro brutto im Monat. (Brutto wohlgemerkt, wer rechnen kann, der weiß, was jemandem mit mehr als 40 Arbeitsstunden/Woche und einer qualifizierten Ausbildung dann netto bleibt.) Nach einer Studie der griechischen Zentralbank haben die Griechen in den Krisenjahren durchschnittlich 26 Prozent ihres Einkommens und 40 Prozent ihres Vermögens verloren. In einem Drittel der griechischen Haushalte gibt es mindestens einen Arbeitslosen. Fast die Hälfte der 18- bis 35-Jährigen ist finanziell von den Eltern abhängig. Jede zweite Familie hält sich mit den Renten der Eltern und Großeltern über Wasser. Das ist nicht leicht, denn jeder zweite Rentner in Griechenland bekommt weniger als 500 Euro im Monat. („Weniger“ bedeutet meist, um die 300 … ich weiß das ziemlich genau, denn ich kenne sehr viele von ihnen, die nur noch Wasser und eingeweichtes Brot für die Tiere abzweigen können und unglaublich darunter leiden).

Diese Zahlen lassen erahnen, dass die meisten Menschen in Griechenland mittlerweile nicht einmal mehr das Geld für die dringendsten eigenen Bedürfnisse zur Verfügung haben. Ihr durchschnittlicher Lebensstandard ist weit unter dem eines Sozialhilfeempfängers hierzulande, auch wenn sie einer hochqualifizierten Arbeit nachgehen oder ein Leben lang gearbeitet haben, denn die Lebenshaltungskosten in Griechenland sind so hoch wie bei uns. Es ist mir ein Rätsel, wie sie sie über die Runden kommen. Trotzdem teilen viele von ihnen großherzig das, was ihnen noch geblieben ist, mit den verhungernden, kranken, verletzten und misshandelten Tiere auf den Straßen. Es gibt unzählige von diesen leidenden Tieren, sie werden immer mehr, denn Geld für Kastration, die genauso viel kostet, wie in einer Tierarztpraxis hierzulande, ist unerreichbarer Luxus.

Wer sich Sorgen macht, ob morgen die Rente oder das gekürzte Gehalt noch für Lebensmittel reicht, wird eher selten 50 Euro für eine Kastration auf den Tisch legen. Daher vermehren sich die streunenden Katzen und Hunde explosionsartig, werden dann lebendig in Abfalltonnen entsorgt, getreten, geschlagen, vergiftet, ertränkt, mit ätzenden Flüssigkeiten übergossen oder einfach dem Hungertod überlassen. Was ich gerade nüchtern aufzähle, treibt mir die Tränen in die Augen. Es ist die Regel, nicht die Ausnahme und die Bilder rauben mir den Schlaf. Sie verfolgen mich, weil ich weiß, es wäre so einfach zu helfen. Weil ich manche dieser Tiere (und auch deren Menschen und Helfer)  auf ihrem Weg begleite, oft ein wunderbares Happyend ermöglichen konnte … weil wir genügend Hände hatten die helfen aber vor allem, weil genügend Mittel zur Verfügung standen um zu füttern, zu kastrieren und für die Medizinische Behandlung….Dieses Wissen raubt mir den Schlaf, weil es mich  zum Bettler gemacht hat,… immer angewiesen auf andere… immer gezwungen, eigene Meinung und Bedürfnisse für das große Ziel „Hilfe“,  zurückzustellen.

Nur wenn es jeden Tag gelingt, weiterhin genügend Spender zu mobilisieren, Adoptionsplätze aufzutreiben, den Nachschub an den Futterstellen zu gewährleisten, Spender, Teammitglieder und Adoptanten zufrieden zu stellen und unseren Verein stabil und leistungsfähig zu halten … nur dann funktioniert das gigantische Netzwerk der Hilfe. Nur dann kann jedesmal das OK gegeben werden, wenn angefragt wird, ob noch Geld für diesen oder jenen Notfall zur Aufnahme vorhanden ist, ob neues Futter zur Verteilung bestellt werden kann, eine Behandlung, die Schmerzen lindert und Leben ermöglicht, stattfinden kann, ob ein Transport nach Deutschland möglich ist und ob die nächste Kastrationsaktion finanziert ist. Meist ist die Antwort : JA!

Unsere wunderbare Community vollbringt täglich kleine Wunder an Einsatz, Großzügigkeit und was diese talentierten und engagierten Menschen bisher erreicht haben, ist für sich bereits mehr als ein „kleines“ Wunder. Trotzdem wird es nie genug sein, trotzdem stehe ich jeden Morgen wieder auf und muss erneut um alles werben, bitten, erinnern, was wir benötigen, um weiter arbeiten zu können, damit die Hilfe in Griechenland weitergehen kann, damit die Tierschützer dort arbeiten können und sich millimeterweise vorkämpfen, auf dem Weg in eine bessere Zukunft für ihre Streuner. Jeden Tag um jede Stimme betteln, die uns den Gewinn bei einem Wettbewerb sichert, denn das Geld brauchen wir dringend. Jeden Tag erneut freundlich anfragen, ob jemand spenden/adoptieren oder sich bei uns einbringen möchte. Jeden Tag bedanken, für all die Hilfe, die wir erfahren dürfen. Jeden Tag im gesamten Team dafür werben, dass alle bleiben und jeder ehrenamtlich unzählige Stunden aufwendet, damit unser System nicht kollabiert, es ist mittlerweile sehr groß geworden.

So wurde ich zum Bettler. Manchmal bin ich müde, oder verärgert oder enttäuscht… aber sobald ich aufhöre zu betteln, mich einfach nur wieder um meine Belange kümmern würde, werden andere dafür bezahlen. Ihre Futterstelle bleibt leer, sie sitzen dann vergeblich und warten auf die einzige Mahlzeit am Tag in der Kälte des Winters. Sie werden an ihren Verletzungen sterben, an ihren Infektionen jämmerlich zugrunde gehen, nie das Gefühl von Zuhause und Geborgenheit kennnelernen.  Die Menschen, die vor Ort für die Tiere leisten und über sich hinaus wachsen, und auf meine Hilfe zählen, wären wieder allein gelassen und enttäuscht …und ich könnte nicht mehr in den Spiegel sehen.

Jetzt muss ich leider aufhören, denn heute endet ein unglaublich wichtiger Wettbewerb, der über Leben und Tod vieler Tiere entscheiden wird.  Der Großteil unserer wunderbaren Gemeinschaft hat bereits alles mobilisiert und gegeben. Ob es reichen wird, wissen wir noch nicht. Bald ist Winter und die Situation für die Tiere wird sich noch einmal dramatisch verschärfen. Falls mich jemand suchen sollte …ich beginne gerade die neue Woche, wie die alte aufgehört hat… ich bin betteln 😉 .

Gerade findet übrigens auf Facebook ein riesiger und wunderschöner Weihnachtszauber statt, um Geld für die Behandlung der Streuner aufzubringen, die verletzt oder schwer krank auf Aufnahme warten. Es werden tolle Sachen verkauft, versteigert und verlost und unsere Preise sind legendär, einer schöner als der andere… schaut doch einmal bei uns vorbei, einfach auf diesen Link klicken und um Aufnahme in der Gruppe bitten. Wir freuen uns auf euch ❤

https://www.facebook.com/groups/852625601561978/

 

 

Tierschutz

Dankeschön Facebook, für den Blockieren Button <3

Die meisten Menschen benutzen Facebook als Freizeitaktivität. Sie loggen sich ein, wenn ihnen danach ist, haben einen ausgewählten und limitierten Freundeskreis und alles, was sie posten und schreiben kursiert in einem relativ kleinen Rahmen. Ich beneide sie oft.

Denn ich wohne auf Facebook. Tag und Nacht, 365 Tage im Jahr, 24 h am Tag tickern auf meinem Facebook Profil, in unseren Arbeitsgruppen und Foren, auf meiner FB Blogseite  und auf der Vereinsseite, Nachrichten und Informationen, müssen beständig News erstellt werden und Posts, um die Bedürfnisse unserer Schützlinge und meiner Freunde im Tierschutz erfüllen zu können, um auf die Fragen und Beiträge aller Spender, Interessenten und Teampartner antworten zu können. Freundlich, wenn irgend möglich kompetent… und zeitnah. Es ist ein riesiges und auch sehr sensibles Netzwerk von gigantischem Ausmass. Ein Netzwerk der Hilfe.

Ich denke, es gehört wenig Phantasie dazu, sich auszumalen, das diese Aktivität, besonders auf Facebook, nicht nur jede Menge Konzentration sondern auch Geduld erfordert. Trotzdem glauben offenbar immer wieder einige, sie hätten ein „angestammtes Recht“ auf meinen erstellten Plattformen herumzuturnen und dort Unruhe zu stiften, sich lautstark über etwas zu beschweren, was man sehr gut mit den Beteiligten vorab oder unter vier Augen klären könnte, andere Mitglieder anzugehen, die dort beitragen, gegen Regeln zu verstoßen oder auch einfach nur an anderer Stelle Gerüchte oder persönliche Angriffe auf meine Person zu verbreiten und sind fassungslos, wenn ich dann auf den „Blockieren“ oder „Entfernen“ Knopf drücke.

Warum eigentlich? Warum ist es für manche so schwer nachvollziehbar, dass man über konzentrierter und auch sehr aufreibender (ehrenamtlicher) Arbeit nicht auch noch permanent von Störenfrieden, eitlen Selbstdarstellern, Dummköpfen oder psychisch angeschlagenen Neurotikern umgeben sein möchte, von Menschen, denen ein herzliches Dankeschön nicht ausreicht, die ihre Beiträge für die Tiere nur dann einbringen, wenn sie beständig dafür gewürdigt und hofiert werden? Es ist zum Glück nur ein minimaler Prozentsatz, denn gerade im Umfeld von Frieden für Pfoten versammeln sich die engagiertesten, selbstlosesten und auch begabtesten Tierschützer, bündeln ihre Hingabe, ihre Talente und ihren Einsatz für eine wunderbare Sache. Sie alle möchten ungestört und in Frieden arbeiten.  Dafür stehen wir ❤

Facebook ist unser Wohnzimmer, ein Wohnzimmer das ich nie verlassen kann, ohne die Bedürfnisse unserer Schützlinge zu vernachlässigen und ich denke, niemand möchte jemand der oben beschriebenen Charaktere in seinem Wohnzimmer sitzen haben. Niemand würde es gut finden, dass die einen dort konzentriert und umsichtig arbeiten, während andern  sich primär selbst darstellen, sehr unüberlegt agieren, boykottieren, Gerüchte streuen, Schaden machen oder wertvolle Mitglieder vergraulen.

Ich sehe mir das eine Weile an …berate mich (zumindest, wenn es den Verein betrifft) mit unserem Vorstand, und bei einem einstimmigen Beschluss wird der Betreffende einfach entfernt. Blockiert. Es kommt zum Glück selten vor, zieht dann immer Anfangs Ärger und Unverständnis nach sich, denn wir stellen niemals jemanden bloß, nennen niemals  Namen und machen öffentlich, was der Grund für den Ausschluss war.  Ganz gleich, was sie auf ihren privaten Profilen schreiben und lügen, ganz gleich wieviel Schaden ihre Schmutzkampagnen verursachen oder wie verletzend und unfair der persönliche Angriff war… ich bleibe still, immer das eine Ziel vor Augen: Hilfe für die Tiere, Sicherheit für den Verein.

Natürlich fällt es mir oft verdammt schwer, auf persönliche Beleidigungen und/oder Lügen über den Verein nicht in aller Schärfe und wahrheitsgemäß zu reagieren.  Irgendwann sollte ich es wirklich tun und Ross und Reiter nennen, es wäre mit Sicherheit ein genialer Blog mit vielen Lachern. Aber öffentliche Schlammschlachten können sich nur die leisten, die selbst nichts zu verlieren haben, denen Selbstdarstellung wichtiger ist, als die Sache selbst, die Tiere. Denn jede öffentliche Schlammschlacht ist nicht nur niveaulos sondern kostet Unterstützung für die betroffenen Tiere, schadet dem Tierschutz in der Gesamtheit und lenkt von den wichtigen Zielen ab.  Leider hat sich das nach wie vor nicht herumgesprochen.

Wenn mir persönlich bei einer Person einer Gruppe oder einem Verein etwas nicht gefällt oder ich etwas nicht verstehe, dann frage ich einfach via Privatnachricht nach und wenn es nicht stimmig ist, dann gehe ich leise und wende mich etwas anderem zu. Das kommt immer wieder vor und jeder, der das tut, hat meinen größten Respekt! Nicht immer bringt man alle Wünsche und Ziele unter einen Hut, nicht jeder kann mit jedem. Nicht jeder mag die Art, wie ich arbeite oder mich. Das ist völlig OK. Es „menschelt“ auch im Tierschutz und wir alle müssen damit umgehen. Sobald dazu aber jemand den großen Auftritt benötigt, darf es erlaubt sein, zu hinterfragen, warum das nötig war, wem dieser Auftritt nutzt  und wieweit derjenige dann tatsächlich das Tierwohl im Sinn hat …oder ging es diesen „aufrechten“ Tierschützern vielleicht doch eher um die Selbstdarstellung?

Daher bin ich Facebook sehr dankbar für den „Blockieren und Entfreunden“ Button. Facebook ist groß, Facebook bietet jedem seine Plattform, lässt Raum für jedes Niveau und jeden Charakter, für Lügen, Klatsch und Selbstdarstellung. Aber bitte nicht bei mir, nicht bei uns ❤

 

Judge me by the people I avoid … beurteile mich nach den Menschen, denen ich aus dem Weg gehe ❤

 

 

 

Seelenmarzipan, Tierschutz

Jim Knopf und die 13 wilden Hühner … ein Hühner-Märchen…

„Jim Knopf? 13?  Nicht dein Ernst! Wow!!!“

so begann ein Telefonat, das ich kürzlich mit meiner lieben Freundin Nicole führte. Wir haben uns immer viel zu erzählen, denn sie wohnt am anderen Ende von Deutschland, im hohen Norden und teilt sich mit mir den Vorstandsposten im Verein Frieden für Pfoten e.V. . Gerade zieht Nicole mit ihrer gesamten Familie um. Zu dieser Familie gehören unter anderem auch 9 Katzen, drei Hunde, zwei Esel und ein halbblinder Feldhase und endlich hatten sie das perfekte Anwesen auf dem Land für den kleinen Zoo gefunden.

Die Vorbesitzer hielten einst offensichtlich auch Tiere auf dem Grundstück. Überall standen verlassene Käfige und Volieren, eine davon nicht ganz verlassen. Ein einsamer Hahn war zurück geblieben. Sein Kamm hing müde herab, aus Langeweile  hatte er sich die Federn ausgerupft und sein resignierter Blick traf meine Freundin mitten ins Herz. Warum nicht auch noch einen Hahn adoptieren? Er wurde zwar gefüttert aber niemand schien sich mehr zuständig zu fühlen und so wurde der Hahn aus seinem Gefängnis befreit und erhielt neben dem schönen Namen Jim Knopf auch die Gelegenheit, den großen Garten in Besitz zu nehmen.

Wirklich begeistert wirkte er über die neue Freiheit nicht, eher verloren und etwas ratlos.  Was soll ein Hahn ohne Hühner auch tun? Er hatte zwar nun wieder Ansprache, aber er wollte keine Menschen, er wollte Hühner! Nicole sah sich das Trauerspiel eine Weile an und beschloss dann, ihm Gesellschaft zu verschaffen.

Über unseren Verein Frieden für Pfoten hatte sie Kontakt zu Petra Degen, die sich sehr für ausgediente Batteriehühner einsetzt. Rettet das Huhn e.V. übernimmt ausgediente Legehennen aus Massentierhaltungen und vermittelt sie an tierliebe Menschen, die diesen Tieren ein artgerechtes, erfülltes Hühnerleben schenken möchten.

Die ausgemergelten Hennen aus den Legebatterien werden meist spätestens mit 16 Monate entsorgt.  Sie sind dann nichts anderes als ein lästiges Abfallprodukt der Eierindustrie, selbst für den Kochtopf wertlos. Für eine „Abwrackgebühr“ von 10 Cent werden sie brutal in Kisten gestopft, an den Schlachthof gekarrt, getötet und auf den Abfall geworfen.  „Ausstallung“, nennt sich das im Fachjargon der Branche. So sterben pro Jahr rund 45 Millionen Legehennen allein in Deutschland.

Der Verein Rettet das Huhn übernimmt jährlich  10 000 dieser Hennen aus kooperierenden Legebetrieben. Diese Hühner enden nicht ausrangiert und für wertlos befunden, unter den automatischen Messern des Schlachthofes sondern sie erfahren „Leben“.  Die Tiere, die nach nur 16 Monaten durch jüngere, „leistungsstärkere“ Hennen ersetzt werden,  dürfen zu Menschen, die ihnen ein Zuhause und artgerechtes Leben schenken.

Also schrieb Nicole Petra an und fragte nach Gesellschaft für Jim Knopf. Die Nächste Aktion des Vereins sollte erst im kommenden Jahr stattfinden. Das hätte bedeutet, Jim Knopf würde den Winter alleine verbringen müssen. Eine lange Zeit, für den einsamen Hahn. Aber es gibt noch weitere Vereine, die retten und  Petra stellte den Kontakt zu “Stark für Tiere” her. Für zehn Hühner bot Nicole dort einen Platz an. Da die geplante Rettungsaktion kurzfristig um einige Wochen verschoben wurde und weil Jim Knopf ihr in seiner Einsamkeit so leid tat, wurden schließlich erst einmal drei Hühner von einem Arche Hof in der Nähe übernommen.

An einem sonnigen Herbstnachmittag stellte Nicole die drei  geretteten Hennen Jim Knopf vor und dann ereignete sich ein kleines Wunder. Binnen kürzester Zeit schwoll sein kleiner Kamm wieder in die Senkrechte, er stolzierte mit geschwellter Brust und aufrecht, stolz vor seinen drei Hühnern vorneweg über den Hof, kümmerte sich rührend um sie und lebte mit jedem Tag mehr auf. Auch die drei Hühner entwickelten sich prächtig.  Gemeinsam mit „ihrem“ Hahn pickten und  gackerten sie glücklich, als hätten sie nie etwas anderes gekannt und mit jedem Tag wurden sie selbstbewusster und zutraulicher. Schließlich begann Jim Knopf wieder zu krähen!
Jim Knopf3

 

Die Metamorphose der kleinen Hühnerschar berührte Nicoles Herz. Daher freute sie sich bereits sehr auf die nächste Rettungsaktion, durchgeführt von dem Verein „Stark für Tiere“, in Hamburg. An diesem Wochenende erhielten 450 weitere ausrangierte Legebatterie Hennen aus einem Freilandhaltungsbetrieb dort die Chance auf ein neues Leben und konnten dem Schlachthof entgehen, wenn sich für sie ein passendes Zuhause findet. Die Hennen wurden gegen eine Spende in artgerechte Haltung abgegeben und Nicole stand mit ihrer Box bereit, die wertvolle Fracht zu übernehmen.

Jim Knopf Freiheit

JimknopfNicole

Heute zogen also weitere 10 Hennen im Stall ein, die Jim Knopfs „Wilde 13“ komplett machen und die nun Nicoles Zoo bereichern. Stellvertretend für die Millionen anderen ausgebeuteten und missbrauchten Legehennen dürfen sie jetzt ein wenig Glück erfahren und ein Hühnerleben, wie es eigentlich sein sollte. Dankeschön dafür , Nicole ❤

jim
Jim Knop führt seine „wilde 13“  zum ersten gemeinsamen Spaziergang aus …

 

 

 

Wenn ihr euch für dieses Thema interessiert:

http://www.rettet-das-huhn.de/

http://www.stark-fuer-tiere.de/

Was wäre, wenn Hühner schnurren könnten?

 

 

Seelenmarzipan, Tierschutz

Reif für die Insel…aber sowas von…

Es heißt, wenn man liebt, was man beruflich tut, dann muss man keinen Tag seines Lebens arbeiten, denn es wird immer Spaß machen. Das ist natürlich Quatsch!

Ich liebe, was ich beruflich mache, denn die Arbeit mit Immobilien, der Kontakt mit Handwerkern und Mietern und immer neuen Projekten ist abwechslungsreich und anspruchsvoll und geht mir leicht von der Hand. Deshalb suchte ich mir als Freizeitaktivität eine Tätigkeit, die mich ein wenig mehr fordert. Ich wollte nach Feierabend die Welt  retten, etwas bewegen und meinen Beitrag leisten…und obwohl ich es liebe, lernte ich nach einem langen Berufsleben dann schließlich doch noch kennen, was es wirklich heißt, hart zu arbeiten.

Das Wort Spaß würde ich im Zusammenhang mit Tierschutz eher weniger verwenden. Freude, oft Dankbarkeit, vielleicht eher. Meist fallen mir aber dazu Begriffe wie Ärger, Zorn, Verzweiflung, Resignation oder Frustration ein. Heute zum Beispiel, hatte ich mir vorgenommen, endlich für den Urlaub zu packen, dabei schöne Musik zu hören, am Nachmittag  noch einen Spaziergang um das schöne Wetter auszunutzen und Abends vielleicht nach der Post schauen.  Heute einmal nicht so viel arbeiten, die letzten Wochen waren hart.

Guter Plan! Er hat nur nicht ganz so funktioniert, wie gedacht. Denn die erste Hiobsbotschaft morgens am Handy, beziehungsweise die Schadensbegrenzung dieser Hiobsbotschaft, zog sich bis Mittags hin, dazwischen wieder 1001 Anfragen, teilweise flehende Bitten an mich,  für diesen und jenen Hund/Shelter/Katze/Flugpaten/Event/Vermittlung einen Kontakt herzustellen, etwas zu schreiben oder weiterzuleiten, was ich natürlich prompt erledigt habe, dann ein paar Telefonate, sehr angenehme und einige unangenehme, doch noch heute die Vereinspost beantworten, denn Spender und potentielle Adoptanten lässt man NIEMALS warten, jedenfalls nicht in meinem Verein und dann war es auch schon Nachmittag. Gepackt hatte ich noch nichts.

Vorher wollte ich mit unseren Partnern in Athen kurz das eine oder andere besprechen oder abzugleichen, es gab heute jede Menge Notfälle, die auf die Vereinsseite sollten, Texte, die auf Übersetzung warten, Anfragen über Anfragen,  und wieder Telefonate, angenehme und unangenehme. Wieviel Geld haben wir eigentlich gerade? Reicht es für die geplanten Anschaffungen, was machen Notfall XY, wie laufen die Flugpatenschaften? Für meinen eigenen Urlaub habe ich natürlich auch noch kurzfristig eine Flugpatenschaft angeboten und jetzt mussten die Nachfragen dazu beantwortet werden. Gepackt hatte ich nach wie vor nichts.

Immerhin habe ich es geschafft, zwischen all dem noch Einkaufen zu gehen, ehe die Läden schließen. Luna würde mir nie verzeihen, wenn ihr Lieblingsfutter ausgehen würde und da sie sich am Rechner immer wieder in Erinnerung bringt, ist sie die einzige in der Familie, die bestens versorgt ist. Alles andere muss zurück stehen, denn eigentlich läuft mittlerweile jeder einzelne Tag so ab.

Unterbrochen nur von meiner beruflichen Arbeit oder wenn ich tatsächlich einmal wieder privat etwas unternehme… aber immer tickert das Handy mit. Auch am Abend oder spät in der Nacht, ganz gleich, wo ich mich befinde und mit wem ich zusammen bin. Jeden Tag, sieben Tage die Woche, 365 Tage im Jahr. Das ist verrückt, ich weiß …aber das Rad, das wir mittlerweile drehen, ist immens groß geworden und hilft an so vielen Orten, nur wenn ich  zu jedem Zeitpunkt informiert bin, reagieren, antworten, delegieren kann, läuft der Laden. Ein paar Mal habe ich bereits ausprobiert, was passiert, wenn ich nicht erreichbar bin… nie kam etwas dabei heraus, was mir gefallen hat…und den meisten anderen auch nicht 😉 .

Ach ja, gepackt wurde heute natürlich nichts mehr. Auch nicht spazieren gegangen, weil der Nachmittag genau wie der Abend  ablief, nämlich wie der Vormittag geendet hatte. Mit Arbeit für den Verein, für Tiere. Ein ganz normaler Tag.

Und jetzt ist irgendwie der Akku auf rot. Ich kann keine Facebook Posts mit Katzen oder Hunden oder anderen Tieren mehr sehen, obwohl ich selbst täglich zig davon verfasse. Ich will keine geschundenen, gequälten Tiere mehr sehen. Ich möchte gerade keine Nachrufe mehr verfassen und auch keine Aufrufe. Ich möchte nicht mehr beständig darum gebeten werden, dringend einen Notfall zu vermitteln, bei irgendetwas  zu helfen und ein schlechtes Gewissen haben, wenn ich es nicht kann oder nicht gleich kann. Möchte nicht mehr nonstop irgendetwas für irgendjemanden ermöglichen. Ich bin müde, zum tausendsten mal das Gleiche erklären zu müssen oder mich zu erklären. Ich mag mich gerade auch nicht mehr rechtfertigen, für alles, was wir tun. Ich bin erschöpft davon, dafür zu sorgen, dass es im Team rund läuft, jeder über alles informiert ist und alle an einem Strang ziehen, mich  pausenlos zu bedanken für etwas, das gar nicht ich sondern jemand anderer erhält.  Erschöpft, nonstop für andere um etwas zu bitten, was sie dringend zum Überleben brauchen, für jedes Problem Anlaufstelle zu sein. Ich will nicht mehr rund um die Uhr  erreichbar sein. Aber vor allem, will ich eine Zeit kein Elend mehr sehen und hören…und fühlen  …

Das Ganze nennt sich wohl Tierschutz Burnout und die alten Hasen unter den Tierschützern wissen worüber ich hier schreibe. Viele werden krank, einige wunderlich oder hart, manche aggressiv aber alle verlieren wir uns selbst über dieser Aufgabe.

Deshalb mache ich jetzt Urlaub. Seit es unseren Verein gibt, lief selbst im Urlaub  alles ab, wie Zuhause, nur in netterer Umgebung. Eingecheckt, WLAN gesucht, mich bei meinen Mitreisenden entschuldigt, Handy und Laptop auf den Tisch …und same procedure. Diesmal wird es wohl etwas anders ablaufen, auch wenn wenn es mir schwer fallen wird. Aber Abstand muss sein. Für ein paar Tage möchte ich wieder das Gefühl zurück haben, mein eigenes Leben zu leben.

Der nächste Blog wird ein Urlaubsblog, …ausnahmsweise ohne Katzengeschichten aber dafür mit  Pina Colada Testberichten und anderen wichtigen Dingen des Lebens, die ich mittlerweile fast vergessen habe.

Aber jetzt sollte ich langsam wirklich beginnen zu packen.

Fortsetzung folgt ❤

Time for change

 

 

 

 

Seelenmarzipan, Tierschutz

Warum ich niemals Pflegestelle für ein Tier sein werde.

Alle lieben unsere Happyend Bilder. Ich auch, und hinter jedem einzelnen von ihnen steht eine Geschichte voller Leid, Angst, Hoffnung und oft auch Tränen, die sich dank einer wunderbaren Fee in ein Märchen verwandelt hat.

Wer in diesen Märchen dann oft vergessen wird, das sind die Pflegemütter, die hinter  diesen Rettungen stehen, sie sind die wahren Märchenfeen und ohne sie wäre all das nicht möglich.

Es sind die Menschen, die ohne zu zögern, ein krankes, verflohtes, stinkendes kleines Bündel Elend aufnehmen, es mit allem versorgen, was ihnen zur Verfügung steht…oft ist es nicht viel… die nie wissen, ob eine weitere Sterbebegleitung nun ihr Herz schwer machen wird oder ob sie Hoffnung und Leben schenken können.

Sie nehmen auf und stellen keine Fragen. Sie werben für ihre Schützlinge unentwegt um Futter, medizinische Behandlung und vor allem um eine Adoption. Teilweise betteln sie sogar, denn nicht alle kleine Orgas sind so gut aufgestellt, dass Futter und medizinische Behandlung für jeden Notfall zur Verfügung steht.

Und wenn sich dann alles gefügt hat, wenn ein Adoptant gefunden wurde und der große Moment gekommen ist, wenn sie das Tier in eine Box setzen, das sie mit so viel Liebe dem Tod entrissen haben und manchmal mit unfassbarem Einsatz gesund gepflegt,  wenn sie weinend am Flughafen stehen  und wissen, sie sehen  ihren Schützling nie mehr… dann bewundere ich die Kraft und die Stärke dieser Frauen.

Sie leisten nicht nur körperlich sondern auch emotional Schwerstarbeit. Sie übernehmen Verantwortung, die andere ablehnten und sie sind die rettenden Engel, denen ich nur zu gerne beistehe, damit sie ihre Arbeit unter leichteren Bedingungen ausüben können, mehr Platz, mehr Futter, mehr Medikamente , mehr Adoption.. letztlich dann aber auch mehr Herzschmerz. Jeder Abschied ist aufs neue ein großer Einschnitt und in diesem Moment ist auch der Gedanke an das schönste Zuhause, die beste Zukunft für ihre Schützlinge nur ein kleiner Trost.

Spätestens am Heimweg vom Flughafen, wenn links und rechts am Straßenrand bereits die nächsten Elendsgestalten kauern, lässt der Schmerz nach, die Freude über die wunderschöne Zukunft ihrer Fellchen und die wunderbaren Adoptanten überwiegt und der Gedanke beflügelt, nun wieder einen Platz für den nächsten Notfall frei zu haben.

Daher meine Bitte an alle Adoptanten, ganz gleich, bei welcher Organisation. Denkt an die Pflegemütter, schenkt ihnen ab und an ein Bild, eine Rückmeldung. Es bedeutet ihnen mehr, als ihr euch vorstellen könnt und ich bin sehr froh, dass wir in unserer Organisation einen sehr engen und schönen Austausch zwischen Pflegemüttern und Endstellen pflegen, der beide freut und der das Loslassen sehr viel leichter macht.

Ich persönlich könnte nicht loslassen und würde daran zerbrechen. Die Vorstellung, eine Katze oder einen Hund in der Familie aufzunehmen, sie über Monate zu pflegen , alle kleinen Eigenheiten zu kennen und zu lieben und sie dann in eine Box auf Nimmerwiedersehen zu fremden Menschen zu schicken, würde ich emotional nicht bewältigen und damit wäre meine Pflegestelle in kürzester Zeit verloren, für alle Notfälle die warten. Ich wäre der klassische „Pflegestellenversager“, wie wir dieses Verhalten nennen.

Chapeau an alle beherzten Pflegemütter- (und Väter) , die dieses Opfer immer wieder aufs neue bringen. Ihr seid wunderbar ❤

 

tall
Ein letztes mal Pfötchen geben für die Pflegemutter, ehe es auf die Reise geht…