Aufreger, Lifestyle, Tierschutz

Fischpediküre …Lasst es einfach!

Wellness und Shopping. Dieses Tagesprogramm wollte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen. Voller Vorfreude auf eine entspannte Maniküre und ein paar neue Katzen-T-Shirts machte ich mich mit meinen Freundinnen auf den Weg zur Einkaufsmeile unseres Urlaubsortes.

Was ich dann letztlich erhielt war die miserabelste Maniküre meines Lebens, und Einblick in eine für mich neue Form der Dekadenz, mit dem hübschen Namen: FISH SPA.

Wir bummelten durch das malerische Örtchen und stoppten an einem Schaufenster, in dem für kosmetische to go Behandlungen geworben wurde. Erst beim zweiten Hinsehen begriff ich, dass es sich bei der Pediküre um „Fish Spa“ handelte. Man hält die Füße in ein Becken mit kleinen Fischen, die dann die Hornhaut abknabbern. „Ich bin draußen“, erklärte ich eilig, denn obwohl ich mir über diese neue Variante der Schönheitspflege noch nie Gedanken gemacht hatte, wusste ich, dass es mir nicht gefallen würde. Sobald Tiere als Werkzeuge eingesetzt werden, hört bei mir der Spaß auf. Aber ich wollte kein Spielverderber sein, beschloss, die Zeit im Laden mit einer Maniküre zu überbrücken und meinen Freundinnen bei ihrem Abenteuer zusehen.

Die Kosmetikerin, ich würde behaupten, dass diese Bezeichnung ihr sehr schmeichelte, war unfreundlich und mit 4 Kundinnen auf einen Schlag sichtlich überfordert. Sie wies mir einen Stuhl in einer Ecke des kleinen Ladens zu und forderte die anderen auf, ihre Füße in ein Becken zu halten, wo sie aus zwei verschiedenen Kanistern ohne jede Erläuterung irgendeine Substanz über deren Füße goß. Ich vermutete, sie war kalt, denn die ersten iiihhs und aaaahs waren zu hören. Es hatte fast schon Comedy Charakter, wie lieblos und sichtlich uninteressiert sie die Reinigung vor der Behandlung durchführte. Glücklich über meinen Entschluss,  das Abenteuer Pediküre mittels Piranha Methode zu meiden, studierte ich die armseligen quadratischen Wasserbehälter, in denen das Fish Spa stattfinden sollte. Kein Grünzeug, kein Bodenbelag. Nur jeweils ein nacktes Becken mit Wasser gefüllt und darin viele kleine Fische. Arme Fische, entschied ich für mich und googelte interessiert nach, was mir bisher offensichtlich entgangen war.

Fish Spa bedeutet, Saugbarben (lateinisch: Garra Rufa), die in der türkischen Region Kangal in  warmen Thermalbächen leben und sich unter anderem auch von Hautschuppen ernähren, werden zur Hornhautentfernung an den Füßen benutzt/missbraucht, wie immer man es nennen möchte. Der Kunde hält die Füße wie einen Köder in ein Becken und lässt sich von den hungrigen Fischen die abgestorbene Haut abknabbern. Ein lukratives Geschäft, denn die Fische sind spottbillig, der Handel boomt. Tiere, die die Haltungsbedingungen nicht überleben, (falsche Wasserqualität, Gifte, von groben Füßen zerquetscht, Stress…) werden einfach ersetzt. Wegwerf-Fische sozusagen.

Die deutschen Behörden sehen diese neue Mode zum Glück kritischer. Nicht nur in Sachen Tierschutz gibt es Vorbehalte, vor allem die gesundheitlichen Risiken sind nicht zu unterschätzen. Zum einen können Krankheitserreger von den Fischen auf Menschen übertragen werden zum anderen können über die Fische als Zwischenwirt auch Krankheiten von Mensch zu Mensch weitergegeben werden. Fischtuberkulose, gefährliche Darmkeime, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt und das warme Wasser ist eine ideale Brutstätte. Es gibt keinerlei Daten darüber, wie lange solche Keime in den Fischen überleben können. Die Wassertemperaturen zwischen 20 und 30 Grad bieten jedenfalls ideale Voraussetzungen.

Bevor die Füße ins Becken dürfen, werden sie zwar gereinigt, aber einige deutsche Tierschutzbehörden bezeichnen die Prozedur trotzdem als Tierquälerei. Füße sondern Schweiß, Talg, Nikotin, Kosmetikrückstände und Seife ab. All das ist nicht nur unangenehm sondern schädlich für die Fischchen.

Vor der Prozedur ist eine Aufklärung der Kunden über mögliche Infektionsrisiken zwingend erforderlich, offene Wunden oder Diabetes sind ein NO GO.

Ich behielt diese neuen Erkenntnisse für mich und registrierte aus den Augenwinkeln, wie meine Freundinnen unfreundlich aufgefordert wurden, sich auf eine Bank zu setzen und zaghaft die Füsse ins Wasser hielten. Aufgeklärt wurde niemand und toll fanden sie es augenscheinlich auch nicht. Es kitzelt, berichteten sie, es ist ein Gefühl wie im Thermalbad. Das war es dann auch schon.

Derweil erinnerte sich die Angestellte des Ladens an mich und obwohl ich mitterweile Werkzeug und Hygiene in Augenschein genommen hatte und am liebsten Reißaus genommen hätte, streckte ich ihr ergeben meine Hände entgegen.

Höflichkeit kann manchmal zur Plage werden. Anstatt meinem Bauchgefühl zu folgen, und den Laden schnellstmöglichst zu verlassen, ließ ich sie meine Finger und Nägel ruinieren. Als bei ihrem groben Umgang mit der Feile sogar Blut floss, war es dann auch mir zu viel und ich brach  ab, packte hastig meine Sachen zusammen und wartete vor dem Laden, bis das enttäuschende Wellness Programm meine Freundinnen beendet war. Auch sie hatten übrigens, genau wie ich, das Angebot einer zusätzlichen Fußmassage nachdrücklich abgelehnt. Allein bei dem Gedanken, die Füße in die schmuddelige Apparatur zu stellen, die für diese Dienstleistung vorgesehen war, ein elektrisches Massagegerät, fühlte ich bereits die Pilzkulturen zwischen den Zehen aufblühen.

Einhellig berichteten sie, dass diese Art der Pediküre etwas war, was sie ungerne wiederholen möchten. Auch das Ergebnis überzeugte wenig, alles wie gehabt, nur die Füße fühlten sich unangenehm trocken an. (Creme danach hatte es nicht gegeben, auch nicht auf Nachfrage).

Wir gaben sicher ein interessantes Bild ab, als wir auf einer Bank vor dem Laden Füße eincremten und Hände verpflasterten. (Ja, ich habe in meiner Handtasche IMMER ALLES dabei, was man irgend benötigen könnte, auch Olivenbalsam und Pflaster 🙂 ). Der Programmpunkt „Katzen T-shirts“ kaufen wurde dann übrigens noch in Angriff genommen und war ein voller Erfolg ❤

Falls also jemand auf die Idee kommen sollte, Fish Spa als Wellnessprogramm ausprobieren zu wollen:

Lasst es einfach!

Fish Spa ist überflüssig, bringt nicht unerhebliche gesundheitliche Risiken mit sich und nicht zuletzt…es ist Tierquälerei. Warum um alles in der Welt müssen Fische für etwas missbraucht werden, was eine menschliche Hand jederzeit mit einem Bimsstein  angenehmer erledigen kann…und billiger. 🙂 .

 

10 thoughts on “Fischpediküre …Lasst es einfach!”

  1. Grauenvoll!!!!
    Ich hoffe, ihr habt alle eine entsprechende Bewertung im Netz abgegeben.
    Bei sowas versteh ich keinen Spaß mehr, solche Läden dürfte es nicht geben.

    Ich bin auch immer hin und hergerissen, wenn es um die Blutegel-Therapie geht. Einerseits hilft sie sehr gut, andererseits sind die Egel hinterher ja tot, bzw. werden getötet, wenn ich mich recht erinnere.

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  2. Dennoch sollte man so etwas nicht hinnehmen, die Fische haben keine Stimme, aber wir können ihnen eine geben.
    Und wir Verbraucher haben die Macht.
    Es ist ja keine Böswilligkeit, wenn man in diesem Fall eine negative Bewertung schreibt, finde ich.
    Man muss nicht alles hinnehmen.

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  3. Es ist leider legal, was mit den armen Wesen passiert. Eine kritische Bewertung, falls es diesen Laden im Netz überhaupt gibt, würde wenig helfen. Aber ich hoffe, mit diesem Artikel vielleicht einige davon abzuhalten, das miese Geschäft (das auch in Deutschland auf dem Vormarsch ist) mit den Fischen zu unterstützen.

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  4. Ich denke schon, dass es helfen würde. Ich schau mir auch Bewertungen an, bevor ich irgendeinen Laden betrete. Deshalb bin ich auch vorsichtig damit, schlechte Bewertungen abzugeben.
    Was du beschreibst, das klingt fahrlässig und unhygienisch und das sollten Leute wissen, finde ich.
    Meine Nachbarn und ich haben jetzt auch einen Architekten zu Fall gebracht, er konnte dicht machen, bekommt aufgrund unserer Bewertungen keine Aufträge mehr, genau wie die Firma, die unsere Sanierungsarbeiten ausgeführt hat, die konnte auch aufgeben.
    Wir haben lange diskutiert und uns dann für die schlechten Bewertungen entschieden, um andere zu warnen.
    Er und seine Firma haben Fehler um Fehler gemacht, letztlich ist es nach einem Jahr immer noch nicht fertig und statt der angesetzten 800.000 Euro, kostete es uns bis jetzt fast 2 Millionen und es stehen noch Rechnungen aus.
    Es ist kein wirklich gutes Gefühl, jemanden zu Fall zu bringen, aber ich finde, dass jeder auch die Konsequenzen seines Handelns tragen muss.

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  5. Das ist leider nicht nur in diesem Laden so!In vielen Läden (zumindest hier auf Kreta) werden noch nicht mal die Füße vorher gewaschen.Desinfektionsmittel kann man nicht benutzen,da die Garra Rufa -Fische es nicht überleben würden.Ich habe selbst fast 3 Sommer-Jahre in einem Fish-Spa gearbeitet.Das Wasser selbst wird nur einmal pro Woche gewechselt.

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