Tierschutz

Ich bin geldgeil geworden…und das ist gut so!

Mit dem Geld ist es ja so, wie mit vielen Dingen…was genug ist, liegt immer im Auge des Betrachters und es ist nie von Vorteil, wenn man beständig mehr von einer Sache haben möchte. So hielt ich das eigentlich auch mein gesamtes Leben mit Geld. Ich kam immer prima damit zurecht oder ließ mir etwas einfallen, um mehr davon zu erhalten, wenn ich der Meinung war, ich müsste dies oder jenes unbedingt haben. Aber wirklich einen Kopf machte ich mir nie darum. Das hat sich dramatisch geändert, seit geraumer Zeit rechne und raffe ich jeden Cent, grübele beständig über neue Geldquellen nach und verfolge jede Ausgabe mit Argusaugen, ob sie tatsächlich notwendig ist oder anderweitig zielbringender angelegt. Ihr ahnt es sicher bereits…diese Veränderung hat mit meiner Arbeit im Tierschutz zu tun.

Seit ich begriffen habe, wie groß die Armut, wie bitter die Not und wie immens der Bedarf ist, hat sich alles verändert. Geld macht satt, Geld rettet Leben, Geld lindert Schmerzen und Geld schenkt Chancen. Es hängt größtenteils von meinem Talent und meinen Ideen ab, ob wir unseren Partnern auch morgen noch das gewährleisten können, was sie für das Überleben ihrer Tiere benötigen. Es hängt von meiner Geduld und meiner Freundlichkeit ab, ob die Spender und Unterstützer bei uns bleiben, ob ich es schaffe, ihr Interesse zu wecken, sie zu begeistern und zu ermutigen, sich einzubringen.  Und weil nicht nur ich helfen möchte sondern unzählige kleine Vereine im Wettbewerb um Spender und Unterstützer stehen, herrscht teilweise ein ziemlich ungutes Klima des Wettbewerbs, wo eigentlich einzig Zusammenhalt wichtig wäre.

Heute haben wir wieder einmal an einem Wettbewerb teilgenommen. Wie so oft gibt es Geldspenden zu gewinnen, wenn man es schafft, die Veranstalter der Ausschreibung von seinem Verein zu überzeugen. Manchmal macht man das durch Likes, manchmal gibt es Abstimmungen, in seltenen (mir am liebsten!) Fällen, darf man sich und seine Arbeit vorstellen. Ich ging also auf die besagte Seite und mein Blick wanderte über die Kommentare der Teilnehmer. Es ist bedrückend zu lesen, wie viele Vereine Hilfe brauchen, wie sehr sie sich eine kleine Unterstützung für ihre Tiere in Deutschland wie im Ausland wünschen. Es ist herzzreißend zu lesen, was sie alles leisten und wie bescheiden die Wünsche oft sind. Und dann werde ich wütend!

Warum müssen wir alle jedem Cent hinterher jagen? Die Aufgabe, den Tieren zu helfen ist sogar im Grundgesetz verankert. Warum hat unser Staat, der wirklich für jeden Schwachsinn Geld aufbringt, für jeden Unfug Stellen schafft, nicht die Mittel, um flächendeckend zu unterstützen? Warum erhalten wir Ehrenamtlichen keine Hilfe dafür aber regelmäßig neue Auflagen, die uns das Leben schwer machen und effektives Arbeiten fast unmöglich?

Ich habe begonnen, die Politik und die Politiker förmlich zu hassen, wenn ich Abstimmungsergebnisse, Aussagen und Vorgehen in Sachen Tierschutz verfolge. Was sind wir für ein armseliges, gefühlskaltes Land, was sind wir für ein geiziges und hartherziges Volk! Es gibt nur wenige, die geben und sich um Schwächere kümmern, die Mehrheit hat andere Ziele…irgendjemand wird sich schon kümmern…Otto Normalverbraucher und Lieschen Müller verlassen sich da ganz auf die zuständigen Stellen. „Die zuständigen Stellen“ verlassen sich ganz auf die Interesselosigkeit und Dummheit von Lieschen Müller und Otto Normalverbraucher, und es funktioniert.

Also werde ich heute abend wieder schreiben und argumentieren, bitten und ermutigen, damit wir in diesem Wettbewerb vielleicht einen Anteil der Prämie erhalten. Denn wenn morgen wieder drei  neue Tiere auf einen Pflegeplatz warten, die gerade elend auf der Straße verrecken, dann kann ich keinen Antrag stellen, kein Formular ausfüllen, keine zuständige Behörde informieren… dann bleibt als einzige Option Kassensturz. Können wir einen Tierarzt, eine OP bezahlen? Ja? Das Tier wird leben, holt es bitte von der Straße. Oder Nein, lasst es sterben, wir haben leider keine Mittel.

Ich musste bisher noch nie Nein sagen. Niemand aus unserem Verein und von unseren Partnern musste das, seit wir uns alle so ins Zeug legen. Ja, ich bin geldgeil geworden…und schäme mich nicht dafür. Schämen sollten sich andere!

 

Wenn ihr gerne unterstützen möchtet… wir freuen uns immer über jede noch so kleine Spende ❤ :

spenden

Aufreger, Tierschutz

Ohhh, wie niedlich! Tierquäler Videos im Internet

Ooooh, wie niedlich…. Nein! Wie grausam!

Tiervideos und Bilder sind seit jeher der Renner im Internet. Schlecht gelaunte oder tollpatschige Katzen, Hemdchen tragende Hunde, Tiere die etwas außergewöhnliches tun oder außergewöhnlich aussehen. Millionen User lieben diese vermeintlich niedlichen Tier-Clips und leiten sie an ihre Freunde weiter.

Dabei steht sehr oft Krankheit,Todesangst oder Zwang dahinter.
Die Tiere leiden für die Aufnahmen oft Qualen oder verhalten sich aufgrund einer Erkrankung wesensfremd.

Mir ist unverständlich, wie man sich darüber amüsieren kann, dass Katzen sich vor Gurken erschrecken oder ein kleiner Sand-Frosch quietscht wie ein Gummi-Tier. (Ein Ausdruck für Todes-Ängste des Frosches).

Es ist auch weder lustig noch niedlich, wenn Halter ihre Tiere in Kleidung stecken. Die Katze im Hai-Kostüm oder der Hund im Anzug sehen für Menschen vielleicht lustig aus, doch es ist wider ihre Natur. Und die „lustigen“ Schühchen Videos oder die ekelhaften „aufrecht laufende“ Hunde Filmchen wurden den Tieren teilweise nachweislich eingeprügelt.

Eines der widerlichsten Beispiele war für mich ein Pakarana, der bei der vermeintlichen Körperpflege gezeigt wird. Im Internet kursiert das Video als „duschende Ratte“
Das Tier versucht verzweifelt, den Körper wieder von der unbekannten Substanz zu reinigen. Das Tier empfindet in dieser Situation ganz sicher keinen Spaß, sondern extremen Stress. Trotzdem wird Millionenfach gelikt und geteilt.
Auch ein Äffchen in der Küchenspüle „beim Geschirrspülen“ fand viel Zuspruch, wer genauer hinsah, konnte die Kette sehen, die das arme Tier dort fixierte. Es handelte sich um eine üble Dressur!

Das Problem dabei ist, dass es durch den großen Zuspruch beständig mehr Nachahmer gibt, die ihre Haustiere für solche Videos oder Bilder quälen/stressen/missbrauchen.

Durch das unbedachte Liken und Teilen der vermeintlich niedlichen Tier-Videos wird der Ansporn beständig größer, immer mehr davon zu produzieren.

Da auch auf meinem Newsfeed beständig solche Filmchen auftauchen, noch einmal die inständige Bitte:
Denkt nach, ehe ihr einen Smiley setzt und teilt!!!

Ist das Tier vielleicht einfach nur krank?
Ist es wirklich lustig, was da passiert?
Würdet ihr eurem Tier das Gleiche zumuten?
Ist es realistisch, dass ein Tier freiwillig und entspannt tut, was im Video gezeigt wurde?
Unterstützt ihr auf diese Weise vielleicht Tierquälerei?

Ich teile grundsätzlich keine solchen Videos mehr, denn diese Filmchen und Bilder dienen einzig nur der Sensationsgier und Selbstdarstellung der Ersteller. Nicht lustig oder niedlich sondern abstoßend!

Seelenmarzipan, Tierschutz

Gibt es ein Leben ohne Facebook?

Ich las den ersten Kommentar unter meinem Beitrag, war genervt und setzte zu einer Antwort an. Noch während ich die Antwort schrieb, ploppten die nächsten Kommentare auf. Sinnlos! Es ist sinnlos zu versuchen, jemandem etwas zu erklären, wenn er nicht den Hauch einer Ahnung hat, was ich tue, warum ich es tue und wie es auf mich wirkt, was da gerade wieder passierte. Ich löschte den Beitrag auf Facebook, wechselte zu meinem Privaten Profil und schrieb :

Ich bin zur Zeit nicht auf Facebook erreichbar.

Dann loggte ich mich aus all meinen Accounts aus, fuhr den Rechner herunter, deaktivierte auch den Messenger und  die Facebook App auf meinem Handy. So einfach war es also. Ich war frei. Zum ersten mal seit…ja seit meine Tochter begann, im Ausland zu studieren und Facebook unsere Nabelschnur war. Es ist also bereits eine Weile her. Seit 5 Jahren bin ich 24h am Tag online. Erst ihretwegen, um immer greifbar zu sein, wenn gerade nicht die passende Telefonkarte aufgeladen war, dann in Sachen Tierschutz. Wie praktisch das für alle war, denn dadurch gibt es jemanden, der rund um die Uhr, sieben Tage die Woche ansprechbar ist. Ganz gleich, wo er sich aufhält und ganz gleich was er tut.

Wie spaßfrei die Arbeit auf meinem Privatprofil Bettina Marie oftmals sein kann, das habe ich in der Vergangenheit bereits einige Male geschildert. Es gibt einerseits den Druck, beständig in Kontakt zu bleiben…so ziemlich mit gefühlt jedem Menschen auf der Welt, der etwas mit Tierschutz zu tun hat, dann gibt es die lästige „Aufsichtspflicht“ der Vereinsarbeit, ob in jedem Resort alles rund läuft, ob jemand aus der Reihe tanzt, abgetaucht ist, etwas missverstanden hat, ob ein Dankeschön fällig ist oder eine Geburtstags Gratulation… und dann natürlich die Vielzahl meiner Veröffentlichungen und Übersetzungen, die ich alle nebenher erstelle. Ein paar Stunden abwesend und im Schnitt warten ein paar Hundert unerledigte Benachrichtigungen und Nachrichten auf mich. Aber das ist völlig Ok so.

Im Grunde mag ich es, wenn sich etwas dreht, ich selbst habe mir das Ganze so eingerichtet und die Resultate sind durchaus erfreulich, auch wenn es verdammt anstrengend ist. Die letzte Zeit ganz besonders, …wir wachsen enorm im Verein und das hat seinen Preis in Sachen Aufwand und Zeit. Ich zahle in gern. Auch mit dem Verlust der Freiheit, denn längst ist mein privates Profil kein privates Profil mehr. Ganz gleich was ich schreibe oder poste…mittlerweile wird alles argwöhnisch beobachtet, kommentiert, verbessert, ergänzt, hinterfragt…und wenn es nicht bei mir passiert, dann bei einem Mitstreiter oder Teamkollegen und auch dort ist Eingreifen gefragt.

Eine letzte kleine Insel war mir verblieben. Immer wenn ich all dem entgehen möchte, wenn ich gern für kurze Zeit etwas tun möchte, was mir richtig Freude macht auf Facebook, wo ich noch ein Stückchen Freiheit habe, dann beschäftige ich mich mit dem Karma Blog.  Ganz bewusst habe ich den Facebook Auftritt dieses Blogs frei gehalten von dramatischen Aufrufen, den übliche Tierleid Pics, frei von politischen Diskussionen…es sollten einzig positive Dinge dort erscheinen. Manchmal auch außergewöhnliche Rezept Ideen.

Es war diese Rezept Idee, unter der sich dann die Veganer Fraktion wie gewohnt zu Wort meldete und sich nicht nehmen ließ, wieder einmal auf Knochen und totes Fleisch im Zusammenhang mit Gelatine hinzuweisen, mich zu belehren, dass Gelatine nicht pflanzlich ist, kein gutes Karma, etc, etc. Ich möchte niemandem widersprechen denn niemand weiß besser als ich, wie Gelatine hergestellt wird, ich habe sogar einen Artikel darüber geschrieben.  Ich finde es widerlich. Und natürlich ist mir auch bekannt, dass Agar Agar unter anderem ein super Ersatz für Gelatine ist. Es war mein Versäumnis zu dem leckeren und ansprechenden Früchterezept nur die Original Grundzutat zu nennen, wie sie dort vermerkt war: Gelatine.

Naiverweise ging ich davon aus, jeder Veganer der das liest, weiß sofort, was zu tun ist, ihm ist geläufig, womit er Gelatine austauschen kann. Alle anderen Leser interessieren sich eher für die wunderschönen Bilder und die coole Rezeptidee. Ich hatte diesmal und besonders an diesem Ort keine Lust, ständig mit dem erhobenen Zeigefinger unterwegs zu sein, wollte einfach einmal nur entspannt ein leckeres Rezept posten und jedem überlassen, wie er es umsetzt. Was dann aus meinem Post wurde, fand ich einfach nur traurig. Anstatt schlicht zu kommentieren: Man kann Gelatine auch mit Agar Agar ersetzen, wurde die volle Breitseite aufgefahren. Ich hätte mich also sofort einbringen müssen, erklären, (für alle Nicht-Veganer), nachbessern etc. Die Freude an der schönen Rezept-Idee, einem harmlosen Beitrag, der vielleicht neue Leser und Unterstützer bringen sollte,  war gründlich verdorben.

Hat also  nicht so gut geklappt, mit der netten Auszeit  und war wohl der letzte Anstoß den ich benötigte, um zu tun, was ich mir schon so lange einmal vorgenommen hatte, und mir  immer wieder verwehrt, weil ich auf so viele und so vieles Rücksicht nehme: Abstand von Facebook.

Diese Entscheidung wurde so einfach, als ich darüber nachdachte, wie gedankenlos eigentlich die Mehrheit der Leser  und so mancher meiner Teamkollegen mit mir umgeht, wie gedankenlos und rücksichtslos im Allgemeinen dort agiert wird. Warum ich immer diejenige sein soll, die sich um alles und jeden Gedanken macht, voraus denkt, abwägt…während der Rest der Welt seinen Gefühlen und Gedanken unplugged seinen Lauf lässt.  Und jetzt bin ich also frei.

Keine Tierquälervideos zum Frühstück. Keine verzweifelten Anfragen, während ich mich anziehe. Keine Teamnachrichten, die beantwortet werden sollten, ehe ich ins Büro fahre. Keine Meldungen, über seltsame Kontobewegungen, die nachzuprüfen sind, während ein wichtiger Kunde anruft. Keine giftigen Kommentare unter einem meiner Posts, wenn ich im Supermarkt an der Kasse stehe. Kein schlechtes Gewissen, weil ich mich nicht an einer Spendenaktion beteilige, während ich gerade die eigenen Kontoauszüge checke. Kein Grübeln, ob ich dies oder jenes, schreiben, denken, kommentieren darf, während ich mich tierisch über einen politischen Artikel aufrege. Keine Tränen während einer Einladung bei Freunden, weil der Tod eines Pflegetieres berichtet wurde. Kein Eiertanz zwischen zerstrittenen Teamkollegen, während ich eigentlich längst in einem wichtigen Meeting sein sollte. Keine Seelsorge für alle Befindlichkeiten sämtlicher Mitwirkenden, während ich versuche endlich in Ruhe etwas zu essen. Keine Horrorbilder vor dem Einschlafen, und Grübeln, wie dort schnell Hilfe möglich wäre…

…nur die Vorfreude, endlich einmal wie alle anderen, ohne ständige Unterbrechungen meinem Leben nachzugehen, in Ruhe auf dem Blog hier aufzuräumen und zu überlegen, wie der ganze Wahnsinn eigentlich weitergehen soll…Es gibt unendlich viele Möglichkeiten der Öffentlichkeitsarbeit und der Spendenbeschaffung. Ich werde sie finden und entdecken. Es gibt ein Leben ohne Facebook. Zumindest ohne einen Dauerwohnsitz auf Facebook.

Allen die gestern unter mein Rezept für Früchte in Melonen kommentiert haben…Danke! Ohne euch wäre mir nie aufgefallen, wie verrückt es eigentlich ist, was ich jeden Tag tue. Ich tue nämlich wirklich enorm viel für unsere Mitgeschöpfe, selbst wenn ich einmal nicht erwähnt habe, das man Gelatine pflanzlich ersetzen, kann/soll/muss.  Aber viel wichtiger als dieser Hinweis war die Erinnerung daran, dass es ein Leben ohne Facebook gibt…geben muss 🙂

 

Tierschutz

Frau Schneider ist sauer…

In der Vergangenheit habe ich bereits schon einmal die Arbeit in einem Tierschutz Verein mit einer Baustelle verglichen. Nachzulesen hier:  Alles reine Nervensache

Mittlerweile ist diese Baustelle zu einer Großbaustelle mutiert, es sind neben mir noch ein paar wenige Baumeister konstant, zuverlässig und genauso leidensfähig jeden Morgen erneut am Bauen, nachdem wir uns spät abends verabschiedet haben und müde ins Bett gewankt sind, oder zornig oder erleichtert, je nach Tageslage.

Insgesamt fühlt es sich jedoch zunehmend an, als ob ich den gesamten Dachstuhl als Dauerlast auf den Schultern trage. Nicht dass dieses Bauwerk keinen Nutzen bringt…es rettet jeden Tag Leben…und es findet viele Bewunderer und Helfer, die im Vorbeigehen einen Stein beisteuern, ein paar Risse flicken, Mut zusprechen oder mit viel Glück sogar in unser Haus kommen , sich ein Werkzeug schnappen und mitarbeiten.

Aber die einzige verlässliche Konstante bleibt die Not. Alles andere ist Glücksache. Teilweise von meinem Geschick und Verhalten abhängig und teilweise von Dingen, die ich nicht beeinflussen kann, oder vielleicht auch nicht mehr will. Auch mein Tag hat nur 24h,  irgendwie findet neben der ehrenamtlichen Arbeit und der anderen Arbeit (für Geld)  kein Leben mehr statt.   Mein Leben, ungezwungen und ohne Angst vor der nächsten Hiobsbotschaft hat sich irgendwo still und leise verabschiedet, genauso wie mein Vertrauen in die Menschen.  Verantwortung, gegebene Versprechen und auch der Wunsch, dass jeder sich wohl fühlt und bleibt, bestimmt meinen Tages- und Nachtplan.

Ein Chef, der seine Mitarbeiter nicht entlohnen kann, dessen Mitarbeiter alle weit verstreut im Land leben, die er nie gesehen hat und auf Verdacht eingestellt, ein Chef der aber dringend auf sie angewiesen ist, der beständig Entscheidungen über Leben und Tod treffen muss, langfristige Budgetplanungen treffen und für deren Einhaltung haften, der sich gegen Konkurrenz und Pfuscher zur Wehr setzen muss , …der ist ein armer Tropf und es ist eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis ihn diese Aufgabe aufreibt.

Der eine geht, weil er keine Lust mehr hat, der andere erscheint nicht, weil er sich mit jemand gestritten hat, der dritte fühlt sich nicht genügend gewürdigt, der vierte hat private Probleme, die vor gehen, der fünfte ist krank, der sechste hat etwas missverstanden, dem siebten gefällt meine Nase nicht , der achte ist über Kritik an seinem Beitrag verärgert,  der neunte…ach was weiss ich… ! Letztlich ist es auch ganz gleich warum jemand ausfällt, geht oder hinwirft. Das Ergebnis ist immer das Gleiche. Ich habe ein Problem. Noch eines, zu den 1000 anderen.

Es wird manche überraschen, aber auch mir gefallen gute Umgangsformen, auch ich habe ab und an noch menschliche Regungen und bin verletzt oder enttäuscht von manchen Reaktionen. Keine Maschine, kein Perpetuum Mobile, das unendlich funktioniert, keine Klagemauer, nicht im diplomatischen Corps angestellt und auch kein Hellseher. Na gut, FAST kein Hellseher. Mittlerweile sehe ich Ärger kommen, auch wenn er noch hinter drei Ecken lauert  und jeder meint, ich sehe zu schwarz 😉 .

Ich weiss gerade nicht, ob ich mir das weiterhin antun soll, denn es wird sich nie ändern. Der Bedarf und die Verantwortung wird beständig größer. Die dazu nötige Sicherheit und das Fundament jedoch leider nicht stärker.

Ich weiss nur, dass all die wunderbaren Unterstützer, enttäuscht wären, wenn ich hier das Gleiche mache, was so viele im Team oder auch Spender für sich in Anspruch nehmen. (Und was ich absolut verstehe, nur ich kann das leider nie!)

Dass es keine gute Vorbildfunktion im Team wäre, für alle, die zähneknirschend mit mir durchhalten…

…und vor allem, dass es ein super Gau für alle Helfer an der Front wäre, deren Schützlinge im wahrsten Sinn des Wortes auf Gedeih und Verderb meiner Entschlossenheit ausgeliefert sind, all das irgendwie immer zu kompensieren.

Heute bin ich einfach einmal nur sauer. Über mich, weil ich mir auch in Hundert Jahren nicht das dicke Fell zulegen und die Empathie ablegen kann, die zum Durchhalten notwendig wären. Weil ich aus Gewissensgründen, wegen inniger Freundschaften, die mir am Herzen liegen und aus Prinzip keinen Rückzieher machen kann. Nicht einmal eine Pause. Ich halte meine Versprechen. Immer. Und weil alle Bemühungen um Stabilität und auch die sorgsamste Arbeit nicht verhindern können, das nichts im Tierschutz von Bestand ist. Außer der Not.

Irgendwann auch einmal einfach sagen dürfen: „Ich bin raus“… „ich ziehe mich zurück“ … „ich kann das nicht vereinbaren, mit“ … oder noch besser: ohne ein Wort verschwinden, aus Gruppen, aus Chats, die übernommene Aufgabe vernachlässigen und die anderen im Unklaren lassen, wie es weiter geht. Einfach einmal anderen die Erklärungen, Entschuldigungen und Kompensation für fehlende Unterstützer überlassen. Das würde sich gut anfühlen, wenn ich das ein einziges Mal dürfte. Wenn ich alle Verpflichtungen, vom Finanzamt bis hin zu laufenden Zahlungen, allen Anforderungen, allen verzweifelten Bitten um Hilfe so begegnen könnte. Dann würde zwar das Haus in kürzester Zeit zusammenbrechen, aber ich hätte wieder ein Leben. Und es ist nicht mein Haus. Es wurde für die gebaut, die es so dringend benötigen. Ich habe nur das Pech, auf der Baustelle zu wohnen 😉 .

 

Ich hasse es, wenn ich während der Arbeit ständig Dinge verliere … meinen Stift, meine Notizen, mein Leben, meine Träume, den Verstand

 

 

 

Katze, Tierschutz

Manchmal muss der Kopf über das Herz entscheiden und auch für Hilfe gibt es ein paar Regeln im Auslandstierschutz

Deutschland wird schier überschwemmt von Tieren, die aus dem Ausland adoptiert werden, es gibt einfach zu viele Länder, in denen einzig Rettung eine Option auf Leben und eine Chance ermöglicht. Verbleiben die Tiere in ihrem Herkunftsland, sind sie nicht selten dem Tod geweiht oder fristen ein Dasein, das wir keinem Geschöpf wünschen. Soweit so schlecht.

Trotzdem wird jeder seriöse Helfer zustimmen, dass wir nicht alle retten können. Ich stehe jeden Tag vor unliebsamen Entscheidungen. Entscheidungen, die jedoch nicht nur das Wohl des geretteten Tieres berücksichtigen dürfen sondern auch die Frage, wie das Leben der anderen Tiere in dem neuen Zuhause beeinflusst wird, ob es andere Familienmitglieder vielleicht sogar in Gefahr bringt, wenn leichtfertig jemand dazu gesetzt wird, der durch Angst und Gewalt geprägt wurde, um überleben zu können, der Kampf und Verteidigung um jeden Bissen, jeden Ruheplatz und auch jede Streicheleinheit verinnerlicht hat.

Wirklich aufmerksam auf diese Problematik wurde ich erst, als ich bei einer Nachkontrolle von einem Hund heftig gebissen wurde. Natürlich hatte ich alle Vorsichtsmaßnahmen eingehalten. Leichtfertig war der neue Besitzer, der den Hund frei laufen ließ, und ihm so Gelegenheit gab, auf mich zuzustürmen, sich in meinem Bein zu verbeißen und auf diese Weise seiner Angst und Unsicherheit Ausdruck verlieh, weil  jemand sein neues Zuhause betreten wollte. Angsthunde reagieren anders als andere Hunde und die Tierheime sind voll mit den abgegebenen Adoptionstieren, die sich als wesentlich schwieriger zu sozialisieren erwiesen, als blauäugig vermutet wurde. Hauptsache raus aus dem Shelter, rein in den Transportwagen, rein in den Flieger und nach uns die Sintflut. Die Zeche bezahlt der Auslandstierschutz als Gesamtheit, durch einen schlechten Ruf, durch nicht wenige menschliche oder tierische  Bissopfer, geschlagene Tiere, entlaufene Tiere oder andere Kollateral Schäden.

Hunde, in Einzelfällen auch Katzen, die bisher hart um ihr täglich Brot, ihr Revier oder einen Platz an der kargen Futterschüssel kämpfen mussten, die misshandelt wurden, brauchen einige Zeit, um sich an die neuen Umstände zu gewöhnen. Die Mehrzahl der adoptierten Glückspilze ist friedlich und lebt sich schnell ein. Was mit den anderen passiert, liegt meist am Geschick, der Umsicht und Geduld der vermittelnden Tierschutz Organisation.

Vor jeder geplanten Adoption ist es daher ein MUSS, sich über den Charakter des Tieres ein Bild zu machen. Krankheiten sind vorher abzuklären, die eine Gefahr für andere Tiere darstellen, die bereits im Haushalt leben. Nicht jeder Hund ist katzenfreundlich und während die meisten nach einer Zeit des Kennenlernens friedlich oder sogar freundschaftlich miteinander umgehen, kann in Härtefällen ein gezielter Nackenbiss die Annäherung beenden, ehe sie richtig passiert ist oder die Katzen für immer aus dem Haus treiben, die sich nicht an tägliche Jagdspielchen gewöhnen wollen.

Es gibt so unendlich viel zu beachten, wenn eine Adoption wirklich für alle Beteiligten stimmig sein soll, wenn die Tiere nicht zu Wanderpokalen werden sollen, die von einem Platz zum anderen, von einer Pflegestelle dann in ein Tierheim wandern.

Die richtige Auswahl ist die halbe Miete für eine zweite Chance, die ein Leben lang trägt….was mich angeht, …nicht die Stärksten und Fittesten sondern die kranken, die Duckmäuser und die Schwachen zuerst, denn sie haben die geringsten Chancen auf ein Überleben in den Sheltern oder auf der Straße…

Adoption ins Ausland, die weite Reise, der Stress, alle damit verbundenen Risiken sind nur deshalb notwendig, weil wir es nicht schaffen, in den betreffenden Ländern Kastration, Aufklärung und Hilfe vor Ort in ausreichendem Maß bereit zu stellen. Keine Pflegestelle ist glücklich, ihr Tier Tausende Kilometer weit weg zu wissen. Es ist einzig das Wissen um die Chance auf Leben und die Notwendigkeit den nächsten Notfall nach dem adoptierten Tier zu helfen, das sie zu diesem oft schmerzhaften Schritt bewegt. Von den Sheltern, die damit ihr schmutziges Geld verdienen, möchte ich an dieser Stelle nicht schreiben, sie zähle ich nicht zu den Tierschützern sondern ihr Handeln ist eine schmutzige Gelddruckmaschine, die den Tieren schadet und auch dem Ruf aller ehrlichen und seriösen Tierschützer, die übrigens weit in der Überzahl sind. Leider liest man nur von den anderen regelmäßig, denn die effektive und seriöse Arbeit aller beherzten Tierschützer im Ausland interessiert nicht so sehr, wie die Sensationsschlagzeilen der schwarzen Schafe.

Fazit, obwohl ich bei jeder gelungenen Adoption überglücklich für die betroffenen Tiere bin, liegt mein Augenmerk mehr und mehr auf den Maßnahmen vor Ort. Wir können nicht alle bei uns aufnehmen und daher ist Kastration, Kastration und noch einmal Kastration DIE Lösung, an der wir alle noch viel intensiver arbeiten sollten. Für jedes Tier, das nach Deutschland verbracht wird, könnten für die gleichen Kosten leicht vier andere Tiere vor Ort kastriert werden, und damit auf einen Schlag nicht nur vielfaches Leid gelindert sondern ganz verhindert werden.

Nach wie vor setze ich alles, was mir zur Verfügung steht dafür ein, chancenlosen Tieren ein Happyend in Deutschland zu schenken. Nach wie vor habe ich für jeden nur einen mitleidigen Blick übrig, der meint, Tierschutz hört an der Landesgrenze auf… aber mittel- und langfristig sollte Tierschutz in Deutschland nicht nur Hochburg der Auslandsadoptionen sein sondern engagierter und fordernder Partner für alle Länder und alle Tierschützer, die nicht an einem Tropfen interessiert sind, der die meisten Tiere gar nicht erreicht, sondern an effektiver Hilfe, die verändert…

Futterstellen und medizinische Versorgung der Tiere, die bereits vor Ort sind. Adoption für Härtefälle und spätestens dann muss ein Konzept greifen, das weitere Vermehrung verhindert, muss alles andere vor dieser immens wichtigen Aufgabe zurück stehen. Auch wenn es manchmal schwer fällt…und auch wenn diese Aktivitäten leider wenig Aufmerksamkeit und Rückhalt unter den Tierschützern hier erfahren und vor Ort nur sehr schwer durchführbar sind.

Poste ich das Bild eines verletzten Tieres und bitte um Hilfe…dann ist in fast jedem Fall eine gelungene Rettung das erfreuliche Resultat. Poste ich den Bericht über eine Kastrationsaktion, an der sich zahlreiche Helfer die Nächte um die Ohren schlugen, die mit viel Geduld und Einsatz wieder einer ganze Kolonie das Überleben ermöglicht haben…dann sinkt die Anzahl der Klicks und die Spendenbereitschaft ist wesentlich geringer obwohl auf diese Weise buchstäblich hunderte Tiere davor bewahrt werden, als nächstes in einem Post zu erscheinen, der sie abgemagert, krank, verletzt und erbarmungswürdig auf Facebook präsentiert. Klingt seltsam…ist aber so….Daran sollten wir arbeiten ❤

Seelenmarzipan, Tierschutz

SPARKLE…Marthas Geheimnis

Please scroll down for English text.

Für eine wunderbare und außergewöhnliche  Frau…für Martha ❤

Es ist still geworden in unserem Chat. Ein Chat der seit Tagen angefüllt ist, von zauberhaften Videos, Wünschen, Träumen und stündlichen Updates.

Wir warten. Martha, viele Tausend Kilometer weg und doch ganz nah bei mir. Und ich. Ich warte auf eine Nachricht, die ich nicht erhalten möchte.

Aber vielleicht sollte ich ganz am Anfang beginnen. Vor 7 Tagen erhielt ich eine Sprachnachricht, die ich anfangs missverstand. Martha sprach aufgeregt und schnell, Blut..Schock…tot…Ruby, waren die Wortfetzen, die ich übersetzen konnte.

Ruby ist eine Katze, die schwerst misshandelt wurde, Brüche, Gehirntrauma und dadurch bleibend gezeichnet. Sie ist blind, lebt in ihrer eigenen Welt aber eroberte vom ersten Tag an alle Herzen durch ihr zauberhaftes, liebevolles Wesen und ihre Engelsgeduld. Ruby ist allen sehr ans Herz gewachsen und meines krampfte sich bei dieser Nachricht zusammen, weil ich dachte, sie hätte einen Unfall gehabt, irgendetwas schreckliches wäre mit ihr passiert.

Beim zweiten Abhören hatte ich verstanden. Als Martha nach Hause kam, fand sie Ruby in einer Blutpfütze vor und mit zwei Kätzchen. Ruby war schwanger gewesen, die Schwangerschaft hatte alle Misshandlungen, den Aufenthalt in der Klinik und all die Aufregung überstanden. Ein Kätzchen war bereits tot auf die Welt gekommen, aber das zweite, …es atmete noch, auch wenn es bereits begann, auszukühlen. Ruby war leider nicht an ihren Babies interessiert. Sie war weiterhin in ihrer Welt und schien gar nicht bemerkt zu haben, was passiert war.

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Martha wusste, wie schlecht die Chancen für ein Neugeborenes ohne Mutter standen und dass ein schneller, gnädiger Tod vielleicht das Beste wäre. Aber was ist schon das Beste…und weil sie dem winzigen Wesen etwas Liebe und Wärme mit auf die Reise geben wollte, nahm sie es in ihre Hände. Das Wunder passierte. Der Winzling begann sich zu regen, wollte trinken und Martha hatte völlig unerwartet zusätzlich zu all ihren anderen Schützlingen ein weiteres Baby. Ihr Baby! Denn die Verbindung, die die beiden aufbauten, war außergewöhnlich, stark, intensiv und ich hatte sie noch nie so erlebt.

Niemand sollte davon erfahren, denn wir wollten abwarten, ob das Kätzchen es schafft, keine Hoffnungen wecken, nicht stündlich Updates geben… wir wollten abwarten. Ich war glücklich, eingeweiht worden zu sein und verfolgte die Entwicklung mit großer Skepsis aber auch Begeisterung. Martha fütterte alle 90 Minuten, rund um die Uhr, bastelte ein Wärmebettchen, widmete jede freie Minute dem kleinen Wesen, das sie als Ersatzmutter akzeptiert hatte und freundlich und hungrig nach Leben, sein Fläschchen trank, sich in ihre Hand kuschelte… zerbrechlich und winzig, kaum größer als Marthas Daumen. Das ausdrucksstarke Charaktergesichtchen war das Berührendste, was ich seit ewig gesehen hatte. Ich verliebte mich unsterblich, genau wie Martha…was sonst. Und dann zählten wir die Stunden, die Tage, die Fortschritte und jeder Tag liess uns ein wenig zuversichtlicher werden.

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Nach drei Tagen wagten wir es, über einen Namen nachzudenken. Es sollte ein Name sein, der kostbar und besonders war, wie das kleine Wesen und ich schlug „Sparkle“ vor. Funke. Martha war begeistert.  Unser Fünkchen. ❤

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Nach wie vor wussten nur ganz wenige Eingeweihte von Marthas Geheimnis. Ich freute mich über jedes Bild, jedes Video, jeden Fortschritt und sah Sparkle wachsen und gedeihen. Tag 4, Tag 5, Tag 6, …ein Meilenstein, denn die erste Woche war jeder überstandene Tag ein Wunder. Aber Sparkle verhielt sich so, als wusste er von all dem nichts, als wäre es das natürlichste der Welt, in Marthas Hand zu liegen und mittels einer winzigen Spritze die warme Milch zu nuckeln, die umgebaute Wärmeflasche war sein geborgenes Nest und der Ausdruck auf seinem winzigen Gesicht wurde immer wacher und interessierter.

Tag 7. Ein Video, zum niederknien schön und berührend, Sparkle in der Hand seiner Pflegemutter und bei der Fütterung.

 

 

 

Und vor einer halben Stunde kam wieder eine Sprachnachricht. Martha bereite mich darauf vor, dass wir Sparkle vielleicht verlieren werden. Nach so vielen Jahren als Pflegemutter kennt man die Zeichen. Auch wenn man sich verzweifelt wünscht, man irrt sich, man ist nur hysterisch und alles wird wieder gut…

Ich weiss wie sehr sie alle ihre Tiere liebt, und ich weiss auch, dass selten ein Wesen ihr Herz und ihre Seele so berührt hat, wie Sparkle, der nun seit einer Woche im 90 Minuten Rhythmus ihre Tage und Nächte taktet, den sie wie ein Baby umsorgt und wärmt und tröstet und den sie bei sich  behalten wollte…wenn er es schafft. Wir haben jeden Satz so beendet…“wenn er es schafft“. Aber geglaubt habe ich eigentlich immer…er schafft es.

Und jetzt warte ich. Ich bin weit weg, aber nahe bei ihr, weiss genau, dass er in dieser Minute in ihrer Hand liegt, dass Martha gerade schreibt, um ihr Herz zu erleichtern, so wie ich, dass sie dabei weint und jeden Atemzug und jede Regung verfolgt, nach wie vor verzweifelt wünscht, sie irrt sich, es wird nicht passieren, was die Zeichen verraten.

Wir schweigen. Das Handy schweigt. Und ich schreibe diese Geschichte. Sie sollte eine völlig andere Geschichte werden. Noch ein paar Tage wollten wir das süße Geheimnis bewahren, ich freute mich schon auf den  „Sparkle Blog“,  von seiner wundersamen Rettung zu erzählen, diese verrückte Idee des Universums,  der misshandelten und gebrochenen Ruby ein gesundes kleines Kätzchen zu schenken,  und dann wollten wir Sparkles Geschichte mit liebevollen Bildern und Videos unterlegt, veröffentlichen. „Your story“, meinte Martha, und ich war dankbar und stolz, sie mit ihr teilen zu dürfen.

Seit Iron habe ich mein Herz nicht mehr vergeben, aus gutem Grund. Und auch diesmal fühlt es sich an, als würde etwas darin zerspringen und ich mag mir nicht vorstellen, wie es Martha gerade geht. Mag mir nicht zum tausendsten Mal die Frage stellen, wo dieser Gott ist, den so viele anbeten und warum niemandem auffällt, wie grausam und gemein er zu den Schwachen und Wehrlosen ist, warum nicht derjenige in der Hölle schmort, der Ruby so brutal getreten und geschlagen hat,  dass sie ihre Babies nicht mehr versorgen kann, warum unschuldige und hilflose Wesen dafür die Zeche bezahlen. Und ich wünschte, ich könnte jetzt bei Martha sitzen und ihr Herz halten. Es wird ihr schwer sein, sehr schwer. Und doch ist noch ein Funke da, ein Fünkchen Hoffnung, das sie verzweifelt versucht, am Leben zu halten, damit es nicht verlischt.

Es ist bereits weit nach Mitternacht. Ich sollte endlich ein paar Stunden schlafen. Martha wird wach bleiben.  Sparkle schläft still, er liegt direkt auf ihrem Herzen. Vielleicht schläft er mit diesem beruhigendem und vertrauten Geräusch ihres Herzschlages für immer ein. Vielleicht wird er in ein paar Stunden aufwachen und nach seinem Fläschchen verlangen.  Wir werden sehen.

Martha00

Als ich heute morgen aufwachte, fiel der erste Blick auf mein Handy, eine Nachricht blinkte.

„Sparkle verbrachte eine friedliche Nacht, keine Atemprobleme mehr. Er wachte auf als wäre nie etwas geschehen, er trank seine Milch,  und tauchte dann ab in einen erneuten Atemstillstand. Anschließend meldete er sich mit seinem Stimmchen bei mir. Ich drückte ihn fest an mein Herz und sagte ihm, es ist OK, wenn er gehen möchte. Und dann machte er sich auf die Reise…  Punkt 8:00 Uhr heute morgen. Du kannst deine Geschichte beenden…“

 

SPARKLE…FUNKE

A sparkle can become either a fire or an instant memory.But even if lives for a second, a sparkle can enlighten the darkest sides of your soul in a way that you will never be the same person again…(Martha Politis Athanassiou)

Aus einem Funken kann entweder ein Feuer oder eine sofortige Erinnerung werden. Selbst wenn er nur für eine Sekunde existiert, kann ein Funke die dunkelsten Winkel deiner Seele so erhellen, dass du nie mehr die gleiche Person sein wirst.

Martha Politis Athanassiou

 

(C) Alle Bilder Eigentum von Martha Politis Athanssiou


SPARKLE…MARTHA´S SECRET

It has become quiet in our chat. A chat that has been filled for days, with magical videos, wishes, dreams and hourly updates.

We are waiting. Martha, many thousands of miles away and yet very close to me. And me. I’m waiting for a message that I do not want to receive.

But maybe I should start at the very beginning. 7 days ago I received a voice message that I initially misunderstood. Martha spoke excitedly and quickly, „…blood … shock … dead … Ruby“… were the word fragments that I could translate.

Ruby is a cat that has been severely abused, fractures, brain trauma, and thus permanently drawn to a world only she knows.  She is blind, lives in her own world but from day one conquered all hearts through her enchanting, loving nature and her angelic patience. Ruby conquered all our hearts and my heart was cramping,  because I thought she had an accident, something terrible had happened to her.

At the second interception I had understood. When Martha came home, she found Ruby in a puddle of blood and  two kittens at her side. Ruby had been pregnant, the pregnancy had withstood all the maltreatment, the hospital stay, and all the anxieties.  One kitten had already been born dead, but the second one … it was still breathing, even though it was already starting to become hypothermic. Unfortunately, Ruby was not interested in her babies. She was still in her own world and did not seem to have realized what had happened.

Martha knew how bad the odds were for a newborn without a mother, and that a quick, merciful death might be the best. But what is the best … and because she wanted to give the tiny creature some love and warmth for the journey, she took it in her hands. The miracle happened. The little one began to move, wanted to drink, and Martha unexpectedly had another baby in addition to all her other charges. Her baby! Because the connection they set up was extraordinary, strong, intense and I had never experienced Martha behaving  like this before.

Nobody should know about it, because we wanted to wait and see if the kitten could do it, not raise hopes, not give updates every hour … we wanted to wait. I was happy to be involved and followed the development with great skepticism but also enthusiasm. Martha fed him every 90 minutes, around the clock, making a bed of warmth, devoting every spare minute to the little creature that had accepted Martha as surrogate mother and drinking his vial, friendly and hungry for life, cuddling in her hand … barely larger than Martha’s thumb. The expressive, tiny  character face was the most touching thing I’ve seen in ages. I also fell in love immortally, just like Martha … of course I did. And then we counted the hours, the days, the progress and every day made us a little more confident.

After three days, we dared to think about a name. It should be a name that was precious and special, like the little creature and I suggested „Sparkle“. Martha liked it. And so the little one became „Sparkle“.

Still, very few initiates knew about Martha’s secret. I enjoyed every picture, every video, every progress and saw Sparkle grow and thrive. Day 4, Day 5, Day 6, … a milestone, because the first week was a miracle, every day he survived. But Sparkle acted as if he knew nothing of all this, as if it were the most natural thing in the world to lie in Martha’s hand and to suckle the warm milk through a tiny syringe, the converted hot-water bottle was his salvaged nest and the expression on his tiny face was always sirene and interested.

Day 7: A video, so heartwarming and touching, sparkle in the hand of his foster mother and feeding.

 

 

 

And half an hour ago , again a voice message. Martha is preparing me that we might lose Sparkle. After so many years as a foster mother, you know the signs. Even if you desperately want, that you are wrong, that you are just acting hysterical and everything will be fine. I know how much she loves all of her animals, and I also know that seldom a being has touched her heart and soul like Sparkle, who has been clocking her days and nights every 90 minutes for a week, for whim she has cared for like a baby which she desperately wanted to keep. … We were prepared for that moment…in a way… we ended each sentence like that … IF he will survive, ..IF he can do it. But I’ve always believed … he will survivem he can do it.

And now I’m waiting. I’m far away, but still very close to her, knowing that he’s snuggling in her hand at this minute, Martha writes down her thoughts, as I do now,  I feel that she cries and pursues every breath and every movement, that she desperately wishes, she would be wrong,  that it will not happen, what the signs reveal.

We are silent. The phone is silent. And I write this story. It should become a completely different story.  We wanted to keep our sweet secret just a few days longer and I was looking forward to write the „Sparkle Blog“, to tell of his miraculous rescue, this crazy idea of ​​the universe, to let the abused and broken Ruby give birth to a healthy kitten, and then wanted to ad all the lovely pics and videos to  Sparkle’s story. „Your story,“ Martha said,  „I want you to write it down for us“ …and I was grateful and proud to share with her our secret and the joy of watching Sparkle grow.

Since Iron, I have not given my heart to any of the cats that were rescued, for good reason. And once again, it feels like something is shattering in it and I can not imagine how Martha is doing right now. I ask myself for the thousandth time, where this god is, whom so many worship and why no one notices, how cruel and mean he is to the weak and defenseless, why not those burn  in hell who kicked Ruby so brutally, that she can no longer care for her babies, and why innocent and helpless beings pay for the bill. And I wish I could sit with Martha now and hold her heart. It’s going to be heavy, very heavy tonight. But still there is hope. A sparkle of hope and she is trying to preserve it.

It’s already  past midnight. I should finally sleep for a few hours. Martha will stay awake. Sparkle sleeps silently, he is right on her heart. Maybe he’ll fall asleep forever with that reassuring and familiar sound of her heartbeat. Maybe he’ll wake up in a few hours and ask for his vial. We will see.

 

This morning, there was a message blinking. Martha wrote:

Sparkle spent a peaceful night,no breathing crisis,woke up as if no health issue had never occurred drunk his milk, took a dive at the same breathing crisis, used his voice to call me,kept him close to my heart, told him it’s OK to go and he died… 8:00 sharp in the morning…. 

SPARKLE…

A sparkle can become either a fire or an instant memory.But even if lives for a second, a sparkle can enlighten the darkest sides of your soul in a way that you will never be the same person again…(Martha Politis Athanassiou)

Martha11

 

 

Tierschutz

Gute Schleimer – Schlechte Schleimer. Ein paar interessante Fakten über Schnecken

Schnecken haben keinen allzu guten Ruf, sie gelten als eklig und vielen Gärtnern ist ihr Anblick im Garten verhasst. Besonders die Nacktschnecken haben einen eher niedrigen Kuschelfaktor und so handeln die meisten Artikel über die sanftmütigen Kriecher meist davon, wie man sie am besten vertreibt oder tötet. 
Dabei haben Schnecken viele erstaunliche Talente und einige von ihnen, wie die Weinbergschnecken, sind nicht nur streng geschützt sondern auch äußerst nützlich in unseren Gärten. 
 Gartenhelden
 Die meisten Schnecken sind Aasfresser,  das bedeutet, sie vertilgen mit Vorliebe die Überreste anderer Tiere, verrottendes Holz, welke Pflanzen, Pilze, Fallobst, sie sind emsige und wichtige Totengräber im Ökosystem, denn sie räumen den Garten auf und beschaffen dabei frischen Humus. Igel und viele Vogelarten, die wir gerne in unseren Gärten sehen, schätzen sie als besonderen Leckerbissen.
Manche von ihnen, wie der große Tigerschnegel, ernähren sich nicht nur von abgestorbenen Pflanzen. Auf ihrem Speiseplan stehen Pflanzenschädlinge wie Maden, Larven, Insekten und auch die Eier anderer Nacktschnecken, auch die der Spanischen Wegschnecke.  Wer Tigerschnegel  im Garten entdeckt, sollte sich freuen, denn er hat mit ihnen starke Verbündete gegen die ungeliebten „Schadschnecken“. Die Spanische Wegschnecke ist für 90% der Schneckenfraßschäden in unseren Gärten verantwortlich und sie schleimt so bitter, dass natürliche Feinde sie meiden.
 
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Gartenheld und Schädlingsbekämpfer
 
Warum Schnecken schleimig sind
 Jede Schnecke hinterlässt eine Schleimspur, die unter anderem von einer großen Drüse am Kopfende produziert wird.  Schleim kann tödlich sein. Jedenfalls für Bakterien. Schnecken schützen sich mit ihrem Schleim vor Krankheiten. Dieses antibakterielles Sekret, das den ganzen Körper umgibt, dient nicht nur dem Schutz sondern erleichtert die Fortbewegung und schützt vor dem Austrocknen. Je nach Anforderung dient er als Haftmittel oder verbessert die Gleitfähigkeit. Schnecken lieben es daher warm und feucht, denn nur dann können sie genügend Schleim erzeugen, auf dem der Schneckenfuß gleiten kann. Dank dieser ausgefeilten Technik überwinden Schnecken auch glatte Wände oder scharfe Kanten.
 
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Artisten

Schneckentempo

Weinbergschnecken sind unglaublich langsam und gemütlich unterwegs. Sie bewältigen etwa drei Meter pro Stunde. Dafür können die Tiere senkrecht oder sogar über Kopf kriechen, Exemplare ohne Gehäuse schlüpfen mühelos durch enge Fugen und in lockeren Boden. In einer Nacht legen sie ca. 25 Meter Wegstrecke zurück.

Futter können Schnecken übrigens bis auf 50 Meter Entfernung wahrnehmen.  Geruchssinn und Augen befinden sich an der Spitze der Fühler. Beobachtet man eine Weinbergschnecke, so kann man die Augen als kleinen dunklen Punkt auf der Fühlerspitze gut erkennen. Mit den unteren Fühlern tastet und schmeckt die Weinbergschnecke.

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Weinbergschnecken sind defensiv, sie verletzen oder töten weder Artgenossen noch  andere Lebewesen. Genau wie die kleineren Schnirkelschnecken richten sie im Garten keinen nennenswerten Schaden an. Es sind die in Massen auftretenden, besonders gefräßigen, Nacktschnecken, die über Nacht ganze Beete verspeisen können und damit die Vernichtung aller Schnecken im Garten heraufbeschwören.

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Schneckenkorn  ist schädlich für das Ökosystem im Garten

Viele Gartenbesitzer ziehen bald wieder in den Kampf gegen die ungeliebten Gäste im Gemüsebeet und die beliebteste Waffe ist Gift. Dabei ist längst nicht jeder Schleimer im Garten schädlich.  Jede Schnecke, ob sie nun auf den ersten Blick nützlich erscheint oder nicht, hat einen wichtigen Platz in einem funktionierenden Ökosystem. Wird diese Lebensgemeinschaft gestört, endet es oft damit, dass die gefräßigen Nacktschnecken Überhand nehmen. Schneckenkorn löst dieses Problem nicht. Ganz im Gegenteil, es schafft neue!  Das Gift tötet nicht nur wahllos alle Schnecken sondern stellt auch eine Gefahr für Igel, Vögel, Haustiere und nicht zuletzt, Kleinkinder dar.

Haben sich neben den Weinbergschnecken doch einmal zu viele „böse Schleimer“ im Gemüsebeet eingenistet, dann gibt es eine Umwelt- und tierfreundliche Alternative zum Schneckenkorn. Einfach Apfelschalen und anderen Biomüll neben das Beet legen und darüber einen Karton. Schnecken lieben es dunkel und sie lieben Apfelfruchtfleisch. Sie sammeln sich unter dem Brett und können dann bequem umgesiedelt werden.

 

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Friedlich, nützlich und anmutig. Weinbergschnecken