Veröffentlicht in Aufreger

Warum bei dieser Wahl alle verlieren…

 

Wenn ich der AfD eines verdanke, dann viele interessante Einblicke in die Psyche und auch Erziehung meiner Mitmenschen.
Für mich macht es keinen Unterschied, ob sich jemand in der AfD als intolerant, dümmlich, ungebildet, unerzogen oder sogar gefährlich und hasserfüllt erweist oder in seiner Eigenschaft als erklärter Gegner. Man muss nicht zwingend rechts oder gar rechtsextrem sein, um menschenverachtende und dumme Gedanken zu verbreiten.
Auge um Auge… und am Ende ist die ganze Welt blind…
Wie unterirdisch und teilweise auch gefährlich braune Denke ist, darüber brauchen wir an dieser Stelle nicht zu diskutieren.

Ob es sehr klug ist, genau dieses Denken mit Methoden zu bekämpfen, die teilweise sogar weit über das angeprangerte negative Potential der politischen Gegner hinaus gehen, das wage ich allerdings zu bezweifeln.
„Kauft nicht bei AfD-lern…“erinnert mich unangenehm an „kauft nicht bei Juden“… damals ebenfalls eine sehr populäre Redewendung.
Zerstörte Wahlplakate, Exkremente im Briefkasten der politischen Gegner, Brandanschläge an Autos und Schlägereien vor den Wahlständen, um nur ein paar Beispiele zu nennen aus dem Wahlkampf 2017, hat einen Beigeschmack aus der Zeit, als eine eigens dafür geschulte Sturmtruppe jeden Widerstand gegen ein aufkeimendes Unrechtsregime im Keim erstickte. Es wird trotzdem beklatscht. Von den „Guten“.
Unliebsame Politiker und Regimekritiker durch Gerüchte gezielt und systematisch zu diskreditieren ist eine Kunst, die besonders die Stasi bis zur Perfektion beherrschte, sie hatte gute Lehrer in den 30ern unserer Vergangenheit.
Diese Kunst ist gerade wieder in voller Blüte. Seit der Begriff „Nazi Schlampe“ im TV offiziell salonfähig ist oder das Bild eines kleinen Jungen, der bei der Flucht ertrank, von einer Satire Partei als Gag verbreitet werden darf, wundert mich allerdings nichts mehr.
Seit .. „hätte“…“soll“…“vermutet“…-News die Schlagzeilen beherrschen und die sexuelle Ausrichtung einer Politikerin öfter thematisiert wird als das gewaltige, ständig wachsende Milliarden Loch in unseren Kassen und die zwangsläufig daraus resultierende, schleichende Enteignung einer gesamten Generation, stehe ich auch der Presse sehr kritisch gegenüber. Ich möchte sachlich und kompetent informiert werden

Ich weiss, dass man all das, was ich gerade kritisiere, neuerdings darf, sogar muss … wenn man sich zu den „Guten“ zählen möchte. So erklärt man mir es zumindest.
Und ich frage mich:
Wirklich? Darf man das? Muss man das? Und warum widert es mich dann so an?

Kann ich meinem Empfinden für Recht und Unrecht nicht mehr trauen? Ist dieses ganze Parteien und Ideologien Gerangel nicht einfach für manche ein tolles Ventil um Aggressionen und negative Gefühle loszuwerden? Bin auch ich jetzt neuerdings eine der „Bösen“, weil ich seit jeher alles entschieden ablehne, was die Menschen- und Frauenrechte unterdrückt und in ihrer Entfaltung behindert. Auch und besonders Religionen. Alle patriarchalischen Religionen, ja, auch das Christentum (was ich noch darf) und auch den Islam (was ich NICHT mehr darf)? Es gab nie auch nur eine einzige feindselige Mail oder einen polemischen Kommentar an mich, wenn ich die tierfeindlichen Praktiken der Christengemeinde anprangerte, was ich sehr oft tue. Wenn ich das bei der Religion des Friedens tat, hagelte es üble Beschimpfungen. (Nein, nicht von den Anhängern der Religion des Friedens, es waren andere, die mich dafür scharf verurteilten…) Ich unterlasse es seither aber mache mir so meine Gedanken…

Gibt es nicht genügend andere Möglichkeiten sachlich, nachhaltig und auch wirksam mit Fakten und einer entschiedenen Haltung all dem entgegenzutreten, was auch ich ablehne? Intoleranz. Ungerechtigkeit. Gewalt. Rassismus.

Ganz gleich, wieviele Punkte die AfD am Sonntag holt oder auch nicht. Ganz gleich, wer im Bundestag „für mich“ zukünftig entscheiden wird. In dieser Schlacht haben alle verloren. Ihre Werte. Und mein Vertrauen.
Bitte verzichtet an dieser Stelle ausnahmsweise über Diskussionen rund um Parteien und Ideologien. In diesem Beitrag ging es mir um etwas ganz anderes…um Werte… und Wahrheiten…und was aus ihnen geworden ist…

 

Veröffentlicht in Seelenmarzipan

Auf ein Wort, großer Kürbis!

Lieber großer Kürbis,

ja, ich habe es auch schon bemerkt. Wir haben mittlerweile Anfang September und noch kein einziger Kürbis in meinem Haus zu sehen.  Keine Kastanie, keine orange farbenen Kerzen, nicht einmal der zaghafte Versuch, den ersten  Hauch Halloween Feeling in Zimmer und Fenster zu zaubern. Etwas, das ich seit vielen Jahren niemals versäume, sobald der  Sommer sich verabschiedet hat. Nein, ich bin nicht spät dran! Dieses Jahr habe ich einfach keine Lust!

So langsam verliere ich die Geduld mit deinem grauenhaften Timing und schreibe nicht nur Halloween Wunschlisten sondern nehme die Dinge selbst in die Hand. Zeit mag für dich relativ sein, für mich ist sie es nicht und du hattest deine Chance!

Ich habe mich damals für dich entschieden obwohl ich unter allen Vertretern des Universums wählen konnte. Das fliegende Spaghetti Monster erschien mir zu exzentrisch, Gaia zu sehr auf dem Emanzentrip… und männliche Gottheiten, …naja, lassen wir das! Bei all deiner chaotischen Organisation und Bummelei warst du mir dann doch immer lieber als ein Gott, der pingelig Gehorsam einfordert, Regeln für mich aufschreibt, der gerne auch einmal bestraft und dazu auch noch  ständig angebetet sein möchte.  Aber jetzt hast du es vermasselt.

Es wäre ein netter Zug gewesen, wenn du ein Mal nur pünktlich und ungefähr so geliefert hättest, wie ich es dir in einem ausführlichen Brief in dein verschlafenes Kürbisfeld  geschickt habe. Soo schwer war es doch gar nicht! Ein kleines Haus, irgendwo in der Nähe meiner Stadt, das zu mir passt. Dort wollte ich an diesem Halloween wieder alles für dich vorbereiten, wollte das Kürbisregal des Supermarktes leer kaufen, Windlichter schnitzen, Fenster und Wände dekorieren, deine Lieblingskräuter verbrennen und dafür sorgen, dass Practical Magic und Du nie in Vergessenheit geraten. Viele Menschen wissen nämlich gar nicht mehr, wie man wirklich Halloween feiert.

Jetzt sieht es so aus, als würde das alte Haus nicht mehr und das neue noch nicht für deine Ankunft am 31. Oktober vorbereitet. Es gibt nämlich noch kein neues! Ich finde es einfach nirgends! Daher bleibt der Halloween Fundus  in diesem Jahr in den Kisten. Also beschwere dich bitte nicht bei mir!

Halloweenliste 2016, Punkt 2 auf der Liste, da stand es ausführlich beschrieben… (von Punkt 1 wollen wir gar nicht reden, du bist nur ein Kürbis und auch deine Möglichkeiten sind begrenzt!).  Aber noch hast du Gelegenheit, dieses Versäumnis wieder gut zu machen, noch wäre Zeit! Ich garantiere dir, dass ich jedes Haus binnen 24h in ein Practical Magic Setting verwandeln kann…wenn du mich nur lässt. Schlaf noch einmal drüber! Dir hat unser Halloween Zauber doch auch immer gut gefallen 😉 .

Dein treuer Fan

Bettina

 

 

Veröffentlicht in Tierschutz

Lügen…Lügen…nichts als Lügen! Wie wir Mord und Grausamkeit zur Normalität erklären!

Der ganz normale Wahnsinn!

Stich einen Hund  in den Hals: „Tiermörder!“
Stich einem Schwein in den Hals: Der Kreislauf des Lebens

Schneide einem Rhinozeros das Horn ab: „Wilderer Abschaum! Hängt ihn!“
Schneide einem Bullen das Horn ab: Routinemäßige Enthornung

Hacke einem Hund brutal den Schwanz ab: “ Tierquäler!“
Hacke einem Lamm ohne Betäubung den Schwanz ab: Schwanz kupieren

Schiebe deine Faust in die Vagina einer Katze und pumpe sie voll mit Sperma: „Perverser, verdorbener, Tierschänder!“
Schiebe deine Faust in die Vagina einer Kuh und pumpe sie voll mit Sperma: Künstliche Besamung

Sperre eine Katze für 5 Monate in einen Käfig: „Elender Tierquäler!“
Sperre ein Schwein für 5 Monate in einen Kastenstand: Qualitätsgesichertes Fleisch

Töte einen Löwen und posiere für ein Bild neben dem Leichnam: Von der Weltpresse angeprangert!
Töte ein Schwein und posiere auf einem Foto mit der Leiche: „Schön! Um wie viel Uhr beginnt das Grillen?“

Züchte Hunde nur für den Zweck, ihnen die Kehle durchzuschneiden: „Was für eine widerliche und abscheuliche Idee! Schließt diesen Ort sofort!“
Züchte Puten mit dem alleinigen Zweck, ihnen die Kehle durchzuschneiden: „Sie wurden für diesen Zweck gezüchtet!“

Ein Rudel Hunde in eine Gaskammer: Nazidenken
Eine Herde Schweine in eine Gaskammer: Nahrungskette

Koche einen Hund lebend: „Grausam. Barbarisch. Grotesk!“
Koche einen Hummer lebend: Gehobene Küche

Schneide brutal eine Falte der Haut von Rücken einer Katze: „Böser, verdorbener Schänder eines hilflosen Tieres!“ 
Schneide eine Falte der Haut vom Rücken eines Schafes: Mulesing ( Routinemäßige Entfernung der Haut um Schwanz und After, um Fliegenmaden zu verhindern)

Brich einer Amsel das Genick: „Psychopath!“
Brich einem Huhn das Genick: Bäuerlicher Familienbetrieb von nebenan

Schieße einem Hund mit einem Bolzenschussgerät in den Kopf: „Widerlicher Sadist!“
Schieße einer Kuh mit einem Bolzenschussgerät in den Kopf: Humanes töten

Befreie einen Hund aus einer chinesischen Hundefleisch-Farm: „Held!“
Befreie eine Ratte aus einem Tierversuchslabor: Terrorist

Verzichte auf den Verzehr von Kakerlaken Erbrochenem: „Normal!“
Verzichte auf den Verzehr von Bienen Erbrochenem: Extrem, viel zu radikal

Verurteile jemand der Hunde und Katzen quält: „Gutherzige, mitfühlende Seele!“
Verurteile jemand der Schweine und Kühe quält: Militanter, religiöser Fanatiker, der seine Meinung anderen aufdrängt 

Wenn sich jemand unermüdlich gegen den Hundefleischhandel einsetzt: „Ein wunderbarer Mensch! Mach weiter so!“
Wenn sich jemand unermüdlich gegen den Hühnerfleischhandel einsetzt: „Spinner! Du wirst nie etwas verändern!“

Hunde in einen überfüllten LKW auf einen mörderischen 1.000 Kilometer Transport zu packen, nur damit sie im Ausland brutal geschlachtet werden können: „Tierquäler, Abschaum!“
Schafe in einen überfüllten LKW auf einen mörderischen 1.000 Kilometer Transport zu packen, nur damit diese im Ausland brutal geschlachtet werden können: Export von Waren

Töte eine Katze für ein religiöses Fest und segne ihren Leichnam mit Gottes Gnade: „Unzivilisierter Barbar!“
Töte einen Truthahn für ein religiöses Fest und segne seinen Leichnam mit Gottes Gnade: Weihnachten

Reiße einem Papagei die Federn aus: „Kranke Persönlichkeit!“
Reiße einer Gans die Federn aus: „Wow, diese Kissen sind so weich!“

Ziehe einem Hund das Fell ab und trage es anschließend stolz: „Kranker Psychopath!“
Ziehe einer Kuh das Fell ab und trage es: Fashion statement

Hundefarm: „Dämonisch! Das ist das Werk von Satan höchstpersönlich!“
Schaffarm: „Gott hat die Schafe für uns erschaffen. Wir sollen sie uns untertan machen.“

Töte einen Welpen und iss ihn: „Feiger Bastard! Wie kannst Du nur ein wehrloses Lebewesen töten!“
Töte ein Huhn und iss es: „Wir haben uns weiter entwickelt als sie es getan haben und  stehen nun einmal an der Spitze der Nahrungskette.“

Jage eine bedrohte Spezies bis sie fast ausgestorben ist: „Beschämend! Wir müssen alles in unserer Macht stehende tun, um sie weiterhin zu bewahren!“
Fische eine Spezies großer Fische, bis sie fast ausgestorben ist: „Thunfischsalat, möchte noch jemand?“

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Der englische Original Text stammt von (c) George Martin, mit dessen freundlicher Genehmigung ich ihn hier in der deutschen Übersetzung veröffentlichen darf. Thank you so much, dearest George for that excellent text!

Veröffentlicht in Seelenmarzipan

Fast ein Blog…aber nur fast ;-)

Ein seltsamer Virus hat mich befallen. Er macht eigentlich kaum Beschwerden, genau genommen gar keine. Aber er scheint den massiven Stahlschalter nachhaltig beschädigt zu haben, der bei mir im Kopf immer die Türe zu den unbequemen Wahrheiten gesichert hat. Peng! Jetzt haben sie die neue Freiheit natürlich entdeckt und purzeln, strömen, quellen eine nach der anderen durch die weit offene Tür, ins Bewusstsein, manche sogar direkt zu meinem Mund. Plötzlich reagiere ich auf viele Wahrnehmungen ungehalten, ich höre ich mich die seltsamsten Dinge aussprechen. Sie sind wahr, sie sind meist gut begründet. Trotzdem hätte ich sie normalerweise da gelassen, wo sie waren. Gut verwahrt, hinter der Türe mit dem massiven Stahlschalter.

Nachdem dieser gewöhnungsbedürftige Zustand aber nicht besser wurde, kaputt ist kaputt, und ich auch nicht wusste, wie der Schalter wieder zu reparieren wäre, ließ ich den Dingen einfach ihren Lauf.  Thinking unplugged, quasi.  Wow…und spannende Dinge passieren seitdem.

Erstaunlicherweise änderte sich nichts zum Negativen. Nach wie vor bin ich eher nicht der hart aber herzlich Typ sondern formuliere Wünsche und Anliegen freundlich. Aber ich formuliere sie und siehe da…sie werden meist sogar verstanden, angenommen, umgesetzt oder zumindest diskutiert. Kein Kahlschlag in der Freundesliste, keine Auswanderung auf eine einsame Insel nötig, selbst meinen Job habe ich noch. Alles, was ich dabei verlor, war Ballast. Coole Sache so ein Virus und er hätte mich gern etwas eher befallen dürfen. Man darf gespannt sein, wie er die nächste Stufe des Unplugged Trainings für mich löst, da gibt es etwas, das ich nach wie vor nicht ausgesprochen habe.

Ich glaube, am meisten ärgert mich, wenn das, was ich tue, als selbstverständlich voraus gesetzt wird. Die meiste Zeit meines Lebens verbringe ich damit, andere zu loben, mich bei anderen zu bedanken, die Leistung anderer herauszustellen, auf die Leistung anderer hinzuweisen oder sie zur Leistung zu ermutigen. Das gilt für so ziemlich alle Bereiche meiner Arbeit, die bei der es Geld gibt und die bei der ich noch Geld lasse.

(Es gibt Ausnahmen, und die sollten sich jetzt bitte unbedingt angesprochen fühlen. Danke euch dafür *smack*. )

Wie lange möchte ich schon mein Buch fertig schreiben? Wie oft habe ich mir schon vorgenommen, weniger Zeit in die non profit und gratis-stress Arbeit zu investieren. Ich bin ja nicht nur ein Verein, eigentlich bin ich Autorin. Warum schreibe ich nur für andere? Was hält mich davon ab? Nichts! Nur meine fixe Idee, immer und jederzeit für alles zur Stelle zu sein um dafür zu sorgen, dass jeder zu jeder Zeit  hat, was er braucht. Morgens mit dem ersten Blick am Handy und Nachts im Bett mit der letzten Nachricht und natürlich die gesamte Zeit dazwischen. Ihr glaubt es nicht? Es ist so, anders wäre mein Pensum nicht zu schaffen. Man könnte riesen dicke Schmöker schreiben in dieser Zeit. Ich könnte sie schreiben!

Diese Zeit, der ganze Einsatz, meine Ideen, investiert in ein Projekt, nur für mich…wie gut müsste sich das anfühlen. Niemand, den ich um etwas bitten müsste, niemandem Rechenschaft schuldig. Keine endlosen Erklärungen, wie das Projekt funktionieren soll. Mein Einsatz, meine Arbeit, meine Fehler, meine Lorbeeren.

Wie es scheint, sind diese renitenten Gedanken auch mit durchgeschlüpft, als der Stahlschalter kaputt ging. Mal sehen, ob sie bleiben möchten.

Ach ja…die nächsten Tage schreibe ich an meinem Buch.  Sonst nichts. Deshalb reichte die Zeit heute leider nur für einen halben Blog 🙂

Veröffentlicht in Tierschutz

Wolle Katze haben? Dann Nimm! Ein paar Worte zum Thema Adoption!

Es ist nach wie vor sehr leicht an ein Tier zu kommen. Jeder kann jederzeit ein schutzloses Wesen kaufen, in manchen Fällen sogar adoptieren, selbst wenn das Tier in die Hölle auf Erden verkauft oder geschickt wird.  Das betrifft nicht nur Hunde und Katzen sondern besonders auch Kleintiere, Kaninchen, Hamster, Schildkröten, Fische… Vernachlässigung, Misshandlung, fehlerhafte Unterbringung oder Fütterung, unerlaubte Weitergabe, als Spielzeug für die Kinder missbraucht, …die Möglichkeiten sind schier unendlich. Bis dass der Tod sie scheidet sind sie auf Gedeih und Verderb den Menschen ausgeliefert, die sich für ein paar Euro oder auch mehr, dann stolz „Besitzer“ nennen dürfen. Oft ist der Tod des Tieres die einzige Gnade, die sie in ihrem leidvollen Leben erfahren.

Wir als Verein, der Adoptionen für Partnervereine aus dem Ausland vorbereitet und begleitet, können daran leider wenig ändern. Jeder Idiot, jeder Sadist darf in diesem Land Tiere halten. Was wir einzig tun können, ist dafür zu sorgen, dass unsere Schützlinge nur in ein Zuhause abgegeben werden, das vorher auf Herz und Nieren geprüft wurde. Selbst dann passieren noch Dinge, die man keinem Tier wünscht. Wer etwas anderes behauptet, lügt sich in die eigene Tasche! Tierschutz, Adoption und die dazu gehörigen Erlebnisse sind Stoff für Albträume und Thriller!

Auch mir unterliefen einige Anfangsfehler, die einzig auf der Tatsache beruhten, dass ich davon ausging, jeder, der sich für eine Adoption bewirbt, setzt die gleichen hohen Maßstäbe an, wie ich. (Diese Fehler sind mittlerweile übrigens ausgebügelt worden, die Tiere sind dort längst nicht mehr!). Das hat mich viele schlaflose Nächte gekostet, verschaffte mir schreckliche Schuldgefühle, bis alles wieder zum Wohle des Tieres geregelt war. Und ich habe daraus gelernt! Vertrauen ist gut, aber Kontrolle bis hin zur Vorstufe von Paranoia ist besser!!! Das sind wir unseren Schützlingen schuldig!

Dann haben wir gemeinsam ein ausgeklügeltes Prozedere erarbeitet, unsere Adoptanten, die hier lesen und sich erinnern, werden jetzt sicher lächeln… um möglichst lückenlos abzuklopfen, wo unsere Notfellchen zukünftig leben werden.

Neben ein paar Basic Regeln im Vorfeld, Einzelhaltung nur in Ausnahmefällen, genügend Platz und finanzielle Ressourcen und in einem dauerhaft stabilen Umfeld für die Lebenszeit des Tieres, versuchen wir das perfekte Match zu finden, indem wir einen persönlichen Eindruck von den zukünftigen Adoptanten gewinnen und auch mit einbeziehen, was genau die Bedürfnisse der Katze/des Hundes jeweils sind. Nicht jeder ehemalige Straßenkater ist glücklich in einer Wohnung eingesperrt, nicht jedes zarte Katzenseelchen hat das Zeug zum Freigänger. Es gibt Einzelgänger, Plaudertaschen, Schmusewolken, Diven, Raufbolde ….und alles dazwischen :-).

Mit der Zeit liest man bei den Bewerbungen die Untertöne, ich lese auch stets, was da nicht steht. Man lernt, auf feine Nuancen in der Stimmlage zu achten, auf Gesprächspausen, auf die Einhaltung von Terminen und Absprachen, auf die „richtigen“ Fragen und vieles mehr, was ich an dieser Stelle nicht alles verraten möchte…auch eine Wohnung mit wertvoller Deko und Mobiliar, ohne jedes Staubkörnchen und Katzenhaare ist mit einem Fragezeichen behaftet, genau wie das baufällige Studenten Quartier mit vollem Aschenbecher.

Letztendlich ist es jedoch die Summe der Eindrücke, vor allem aber unser rotes Radarlämpchen, auch „Bauchgefühl“ genannt, dem wir gelernt haben, blind zu vertrauen. Es gibt nur diesen einen Versuch und der muss stimmig sein!

Mein 1. Leitsatz für alle neuen Team Mitglieder lautet daher:

Wenn dir etwas komisch vorkommt, dann ist es meist komisch! 

Der 2. Leitsatz lautet dann:

Im Zweifelsfall NEIN!

Dass diese Vorgehensweise nicht immer Freunde verschafft, dürfte jedem klar sein. Aber ich lasse mich lieber 1000 mal beschimpfen, blockieren, verärgere notfalls sogar lieber jemanden zu unrecht, als einmal ein Tier verstört oder gar misshandelt/vernachlässigt irgendwo in einer Nacht – und Nebel Aktion befreien zu müssen. Denn einen Schützling zur Adoption vergeben ist immer deutlich leichter, als diesen Vorgang wieder rückgängig zu machen…notfalls auch gegen den Willen des „Besitzers“.

Das ist dann Regel Nr 3 (die wir zum Glück nie mehr brauchten!):

Egal wie …wir holen sie da wieder raus!

Ich möchte jedem, der ein Tier abgeben möchte oder Tiere vermittelt ans Herz legen,

-eine gründliche Selbstauskunft zu erstellen und diese im Vorfeld anzufordern,

-sich immer den Personalausweis zeigen zu lassen, sämtliche Angaben nachzuprüfen,

-sich Zeit zu nehmen, zu sprechen, zu beraten, zu telefonieren,

-die Netzwerke zu nutzen, sich insgesamt ein Bild zu verschaffen, das mit dem Besuch einer versierten Vertrauensperson vor Ort abgerundet wird

-und auch die Nachsorge nicht zu vergessen und weiter den Kontakt  zu halten,

-auch nach der Adoption für alle Sorgen, Fragen und Nöte, die sich daraus ergeben, Ansprechpartner zu sein!

Nur so ist annähernd gewährleistet, was wir unseren Notfellchen alle wünschen:

Ein Happyend!

Micaela Lämmle, die Leiterin unserer Adoptanten Beratung hat, als man sie einmal fragte, warum ihre Adoptionen alle so gut gelingen, den schönen Satz geprägt:

Ich gehe bei jeder Beratung so sorgfältig vor, als wäre es mein eigenes Tier, für das ich einen Platz suche!

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an unser wunderbare Adoptanten Beratung Micaela, Sabine, Nicole, Friederike, Doris und Udo …die in der Happyend Fabrik von Frieden für Pfoten e.V.  unter Micaelas Leitung mit unglaublichem Einsatz streng darüber wachen, dass am Ende immer alle glücklich sind ❤

Danke an all unsere wunderbaren Adoptanten, die mit so viel Liebe, Umsicht, Sachwissen und Einsatz für ihre Schützlinge da sind und deren Feedback und Bilder uns die Kraft geben, weiterzumachen!

Amaris
Dreibeinchen Amaris, der mit einer schweren Verletzung in Syrien gerettet wurde und via Frieden für Pfoten e.V. nach einer aufreibenden Odyssee zu „seiner“ Familie ins Glück fand ❤ Danke!!!
Veröffentlicht in Seelenmarzipan

Be your own mother…

„Be your own mother…kümmere dich um dich selbst, wie es eine gute Mutter für dich tun würde und warte nicht, dass es andere für dich tun!“

Diesen Rat gab mir einmal eine kluge Ärztin mit auf den Weg, als auch ihre ausgefeiltesten Heilkünste der chinesischen Medizin versagten, und mein Körper wieder einmal rebellierte.

Be your own mother? Also wie eine liebende Mutter mit sich selbst, mit allen Fehlern und Bedürfnissen umzugehen? Meine Bedürfnisse über die Anderer zu stellen?  Das erschien mir damals grotesk, denn es gab so vieles, was ich wichtiger erachtete, als meine eigenen Bedürfnisse. Zu viel, aus heutiger Sicht. Ich fühlte mich nur „richtig“, wenn ich für andere Leistung erbrachte.

Irgendwann in der frühen Kindheit wird uns im günstigsten Fall das Gefühl vermittelt, wichtig zu sein und uneingeschränkt geliebt zu werden. Ohne Gegenleistung. Genau so, wie wir sind. Mutterliebe ist nicht zuletzt deshalb das Sinnbild von bedingungsloser Liebe überhaupt und wenn wir sie erhalten haben und sie im Laufe unserer Entwicklung verinnerlichen, ist das Fundament für ein gesundes, glückliches Leben bereits gelegt. Diese Liebe und das Gefühl als Kind, „richtig und wichtig“ zu sein, ist das größte Geschenk, das wir unseren Kindern mit auf den Weg geben können.

Wir können es uns aber auch jederzeit selbst schenken. Es hat nichts mit Egozentrik oder Egoismus zu tun sondern bedeutet unter dem Strich sogar eine Bereicherung für andere. Im Flugzeug wird vor jedem Flug darauf hingewiesen, die Sauerstoffmaske bei einem Notfall immer erst sich selbst anzulegen. Erst dann sind wir in der Lage, anderen behilflich zu sein. Nur wenn wir genügend Sauerstoff zur Verfügung haben, können wir nicht nur uns sondern auch andere retten und einsatzfähig sein. Im Flugzeug wie im Leben.

Um bei dieser Metapher zu bleiben…ich habe mich also kürzlich entschlossen und tatsächlich nach der Sauerstoffmaske gegriffen. Ich werde ab jetzt dafür Sorge tragen, dass es mir gut geht und mein Leben noch einmal komplett neu erfinden.  Unter anderem möchte ich zukünftig meine Zeit in erster Linie dem Schreiben und meiner Tierschutzarbeit widmen. Ohne schlechtes Gewissen. Für andere und anderes zu sorgen und alle Bedürfnisse zu erfüllen, war mir immer eine Herzensangelegenheit und Freude. Jetzt ist es an der Zeit mir selbst diese Aufmerksamkeit zu schenken.  Zeit zu überlegen, welche Wünsche nur Wünsche sind und was davon eigentlich ganz einfach umsetzbar wäre, wenn ich es endlich schaffe, in den „be your own mother“ Modus umzuschalten.

Dieser Modus wird viel Veränderung mit sich bringen, vielleicht auch Verluste und er fühlt sich nach wie vor fremd an.  Ganz sicher wird er mich tatsächlich auch einigen entfremden. Zum Glück nicht allen, denn erstaunlicherweise standen in meinem Leben bereits viel mehr Menschen für mich ein, als ich es jemals für mich selbst tat. Ihnen wird der neue Modus gefallen ❤  …

„Be your own mother!“  …  Ich denke, es ist einer der heilendsten Sätze, die je ausgesprochen wurden und ich würde ihn gern weiter reichen …

 

Veröffentlicht in Tierschutz

Ein Teil von uns stirbt immer mit…vom Umgang mit dem Tod unserer vierbeinigen Freunde…

Auf einer Skala von Eins bis Zehn in der Einschätzung, wie sehr mich der Verlust einer geliebten Seele mitnimmt, würde ich mich ohne zu zögern als elf einsortieren. Daher bin ich wohl eher nicht diejenige, die anderen Ratschläge geben sollte, wie man damit am besten umgeht. Aber über die Zeit habe ich vieles gelernt, auch dass der Tod nicht immer Gegner sondern manchmal sogar ein Verbündeter sein kann. Es ist eine Frage der Betrachtungsweise und des eigenen Glaubens an die unverrückbaren Grundregeln des Universums für uns alle.

Als vor vielen Jahren meine erste Katze, mein Herzenskater, einst Kindersatz, Seelentröster, Spielgefährte und Sonnenschein von mir ging, verlor ich vor Kummer fast den Verstand.  Nachdem er vom Tierarzt Zuhause eingeschläfert worden war, weigerte ich mich, ihn für eine Bestattung im Garten herzugeben, verbrachte sinnlos betrunken (ich trinke nie Alkohol, nebenbei bemerkt)  die gesamte Nacht wach mit seinem toten und kalten Körper im Arm. Anstatt über all die 1000 schönen Dinge nachzudenken, die wir gemeinsam erlebt hatten, zerfleischte ich mich mit Erinnerungen an all meine Fehler im Umgang mit ihm. Meine Gedanken kreisten einzig darum, was ich in den 16 Jahren mit ihm hätte besser, anders machen können, ob ich ihn zu oft allein gelassen hatte, wenn ich auf Reisen oder in Urlaub war, dass ich ihm die schmerzhaften Infusionen zum Schluss besser erspart hätte und ob die Entscheidung, ihn gehen zu lassen auch richtig und zum richtigen Zeitpunkt war.

Irgendwann am nächsten Tag kam ich wieder zur Besinnung. Er wurde liebevoll im Garten bestattet, eingewickelt in meinen weißen Lieblingssari, mit frischen Rosenblüten bedeckt und mit jeder Schaufel Erde fiel ein Stück meiner Seele mit ins Grab. Bis heute wollte ich nicht über Mickey schreiben, so intensiv sind die Erinnerungen an diese Nacht noch wach und es dauerte lange, bis ich wieder mein Herz für eine Katze öffnen konnte. Diesen Schmerz wollte ich nie mehr im Leben spüren müssen.

Mit dem seltsamen Sinn des Universums für Humor, gehört es heute zu meiner Tätigkeit in der Tierschutzarbeit, fast im Wochentakt loszulassen. Immer wieder aufs neue Hoffnungen und mit ihnen kleine, starre Körper gedanklich zu begraben, andere auf diesem Weg  zu trösten und zu begleiten.

Aber genauer betrachtet, ist es nicht ihr Schmerz, den wir beweinen. Es ist einzig unserer! Von dem Moment an, wenn sich ein Seelchen entschließt, den Weg auf der Erde nicht mehr weiter gehen zu wollen, oft wissen sie es lange vorher, …von diesem Moment an, ist für sie der Kampf überstanden. Meist kann ich es intuitiv in ihren Augen lesen, wie sie sich entschieden haben, selbst wenn sie keine mehr besitzen. Sie wählen für sich die geborgene und ruhige Zuflucht des Todes und es scheint, als ob bereits ein kleiner Teil dieser neuen Welt durch ihre Augen schimmert. Sie sind bereit und wir sollten es dann auch sein.

Es sind unsere ureigensten Träume und Wünsche, die uns verzweifeln lassen, weil sie nicht oder nicht mehr erfüllt werden können. Für ein Tier zählt nur der Moment. Was war ist vorbei und was werden könnte, oder hätte sein müssen, ist nicht von Bedeutung. Ich bin sicher, sie wissen, dass ihr Mensch zu jedem Zeitpunkt das Bestmögliche für sie getan hat und der Ort hinter der Regenbogenbrücke ist ein heller und heiterer, ganz gleich, wie er aussehen mag.

Wenn die Trauer und der Schmerz über den Verlust, die Niederlage, übermächtig werden, dann hilft es mir, zu hinterfragen, warum mich der Verlust gerade so trifft. Ob etwas daran vielleicht meine eigenen Ängste und Defizite tangiert, und wenn ja, ob ich daran etwas ändern könnte. Wenn die Tränen für das Elend im allgemeinen fließen und Wut und Trauer sich mischen, dann versuche ich, diese Emotionen in etwas Positives umzuwandeln. Irons Tod, Pumas Leid, waren vielleicht vermeidbar aber nicht sinnlos! Wir werden die Trauer um sie in Hoffnung verwandeln und ihr Leid in Heilung und Glück, für andere nach ihnen. Die vergessenen und verlorenen Irons und Pumas dieser Welt, weisen uns sanft den Weg.

Loslassen gehört zum Leben…genau wie unsere Aufgabe, die Welt ein wenig besser zu machen, ehe wir sie verlassen. Wir sollten beides mit offenem Herzen und Liebe tun.

Mickey, und alle, die nach ihm über die Regenbogenbrücke von mir gingen, haben in meiner Seele  wunderschöne Pfötchenabdrücke  hinterlassen und einen Weg gebahnt. Auf diesem Weg durften schon viele Vierbeiner ins Glück ziehen und heute kann ich lächeln, wenn ich sein Grab im Garten besuche. Geblieben ist das warme Gefühl und die schönen Erinnerungen an unsere gemeinsame Zeit und die Chancen, die er anderen ermöglicht hat. Das wünsche ich euch auch…von Herzen ❤

 

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Wenn die geliebte Katze über die Regenbogenbrücke gegangen ist…
dann ist der Gedanke manchmal tröstlich, ihr ein Andenken zu bewahren, etwas zu tun, was anderen Katzen hilft.

In Athen gibt es einen Ort für die Ärmsten der Straßentiere, die Winzlinge, die kranken , blinden und behinderten Katzen.
In Irons Haus der Chancen werden sie gesund gepflegt, kastriert und erhalten die Chance auf ein schönes Zuhause, Geborgenheit…und Leben! 
Dieses Haus wurde möglich, weil viele „Baumeister“ IHREN Stein gesetzt haben, er entspricht einer monatlichen Überweisung von 10, 15, 20 Euro oder mehr und gewährleistet Miete, Strom, Futter und Tierarztkosten.

Wer seinem Seelentier einen Stein als Andenken mit dem Namen setzen möchte und dabei Gutes tun und anderen Leben und Chancen schenken…hier geht es zu unserem schönen Projekt. Irons Haus der Chancen. Benannt nach Iron, einem kleinen Kater, dem wir diese Chance leider nicht schenken konnten.

http://www.friedenfuerpfoten.org/haus-der-chancen