Veröffentlicht in Tierschutz, Katze, Seelenmarzipan

Geweint wird nicht!…Ich bin angekommen <3

Seit mehr als einem Jahr widme ich einen Großteil meiner Zeit der Arbeit für unsere griechische Partnerorga SCARS, habe engen Kontakt mit den Freiwilligen dort, weiß bereits viel über die Abläufe und täglichen Sorgen , kenne die meisten Tiere von Bildern und Videos und trotzdem war ich schrecklich aufgeregt, endlich alle und alles persönlich kennenlernen zu dürfen. Ich hatte das Gefühl, liebe Freunde zu besuchen und als ich die Ankunftshalle in Athen betrat, als Nafsika und Rena mir entgegen kamen und wir uns spontan in die Arme fielen, war eigentlich bereits klar, dass in diesem Fall alle Träume und Vorstellungen von der Realität noch übertroffen werden würden. Ich war angekommen, am Ziel meiner Reise…in jeder Hinsicht!

Was an Eindrücken die nächsten Tage über mich hereinbrach, was mir an Gastfreundschaft und Herzenswärme entgegen flutete, passt nicht in einen einzigen Blog. Ich habe alles gesehen, was ich sehen wollte, und auch das, was ich sehen musste!

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Tierschutzarbeit in Griechenland beinhaltet all das, was wir auch bei uns zur Genüge kennen. Zusätzlich beinhaltet sie die Verwaltung des Mangels, den Umgang mit Hunger, Krankheit, Misshandlung und Tod, der Bedarf ist unendlich und die Ressourcen sind winzig. SCARS ist eine der Oasen, in denen auf wundersame Weise immer Platz für einen bedürftigen Notfall geschaffen wird, wo Hand in Hand private Unterkünfte organisiert werden, medizinische Hilfe geleistet wird, wo ganze Katzenkolonien systematisch kastriert werden und unzählige Streuner an den Futterstellen versorgt.

Das Herz dieser Orga sitzt in Alimos , einem Vorort von Athen. Dort beherbergen zwei ältere Damen, die Mutter und die Tante von Nafsika einen Teil der Schützlinge in ihrem Privathaus und ein leerstehendes Nachbargebäude dient als Kranken- und Aufnahmestation. Alle Zimmer von Katie und Marianna sind belegt, einige davon, im Nachbargebäude, ohne Wasser, Strom oder Heizmöglichkeit. Die Organisation und Pflege nimmt ihre gesamte Zeit in Anspruch und ich bin jetzt noch tief beeindruckt, wie liebevoll, organisiert, sachkundig und selbstverständlich sie diese große Herausforderung jeden Tag aufs neue meistern. Die beiden wunderbaren Ladies sind seit langem meine Idole und sie nun endlich persönlich treffen zu dürfen, war eines der großen Highlights dieser Reise für mich!

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Unterstützt von Freiwilligen, die alle täglich bei der Säuberung der Zimmer und der Versorgung mit Futter und Medikamenten helfen, gehen sie mit einem freundlichen Lächeln und ein paar lieben Worten von Zimmer zu Zimmer und schenken den Tieren, was sie nie vorher kannten, Geborgenheit und Zuneigung.

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Wie Rena, Nafsika, Fay und die anderen ehrenamtlichen Helfer die unzähligen Fahrten zum Tierarzt organisieren, denn aufgenommen werden meist nur die Härtefälle, krank, verletzt, verstümmelt, ist mir bis heute ein Rätsel. Mann muss es selbst sehen, um zu glauben, wie selbstlos und engagiert diese wunderbaren Frauen (und Männer) arbeiten. Jeden Tag!

Alles, auch im Trakt ohne Wasserversorgung, ist peinlichst sauber. Was benötigt wird, liegt bereit, obwohl die Betreuung ständig wechselt und neu organisiert werden muss, die meisten Freiwilligen sind berufstätig. Kranke Tiere kennen keinen Feierabend und die Abflugzeiten am Airport für adoptierte Tiere sind oft in den frühen Morgenstunden. Rund um die Uhr stehen Nafsika, Rena, Martha, Fay und viele andere bereit, um zu tun, was irgend getan werden muss, damit Leben gerettet und eine Zukunft geschenkt werden kann.

Trotzdem ist das Leid, das dort in jedem Zimmer wohnt, nur schwer zu ertragen. Manche Katzen sind noch zu schwach für eine benötigte OP und müssen mit ihren offenen Wunden und Verletzungen, den vereiterten Augen und absterbenden Gliedmassen ausharren, bis eine Narkose ohne Risiko möglich ist. Manche kommen so verhungert an, dass sie wie wandelnde Skelette mit verfilztem Fell vorbei huschen. Manche sind gesund und unendlich liebebedürftig und müssen trotzdem viele Monate in einem kleinen Zimmer, nur mit ihren Artgenossen verbringen, bis sich endlich jemand für sie interessiert, sich ein Adoptant findet, denn für ein Leben zurück auf der Straße sind sie zu arglos oder unerfahren. Viele von ihnen warten seit Jahren.

Den meisten Schützlingen kann trotzdem ein Happyend geschenkt werden. Irgendwann und irgendwie werden sie wieder kräftig und gesund, fassen dank der liebevollen Zuwendung wieder Vertrauen zu den Menschen und mit etwas Glück trifft ihr Bild genau in das Herz des richtigen Adoptanten.

Die Bilder und Videos dieser Happyends sind nicht nur für mich jedesmal Glück pur. In der Küche von Marianna steht ein großer Laptop, auf dem via Facebook alle schönen Neuigkeiten der Glückspilze übermittelt werden und jeden Morgen ist es das erste, was die beiden tun…nachsehen und sich freuen, wie es denen geht, die sie retten konnten, die nun umhegt und verwöhnt nachholen dürfen, was das Leben ihnen bisher vorenthalten hat und wofür es sich immer lohnt, zu kämpfen.

Und dann war da noch Iron. Es gab während meines Besuchs einige schrecklich zugerichtete Notfälle, eigentlich waren alle Tage ausgefüllt mit Fahrten zur Tierklinik, mit Hoffen und Bangen. Aber ich muss gestehen, dass ich fast nur Augen für Iron hatte und jede kostbare Minute genoss, die ich mit ihm verbringen durfte. Dieser winzige, liebenswerte kleine Kater, ein wundervolles Geschöpf, das in seinem kurzen Leben bereits so viel Leid und Schmerz erfahren musste, er hat sich tief in mein Herz eingegraben.

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Iron musste allein in seinem Krankenkäfig bleiben, denn die unterschiedlichen Bedürfnisse und Krankheiten der Tiere erlauben nicht beliebige Zusammenführungen. Die Infektionsgefahr ist zu groß. Sein bester Freund, an den er sich immer durch die Käfiggitter geschmiegt hatte, kämpfte gerade in der Tierklinik ums Überleben und es sah nicht so aus, als ob Powder  jemals wieder zurückkommen würde.

Iron sass die meiste Zeit verloren und still, bis er hörte, dass sich jemand näherte. Dann blühte er auf. Während um uns herum geputzt, geräumt, gefüttert und organisiert wurde, vergaßen wir den Rest der Welt. Iron sog jedes liebe Wort, jede Streicheleinheit förmlich in sich auf und wir tauchten ein, reisten gemeinsam an den Ort, wo es keine Schmerzen gibt, nur Wärme und Geborgenheit. Mit jeder Berührung versuchte ich ihm Kraft und positive Energie zu schenken. Kein Mitleid, keine Tränen, sondern Zuversicht und Lebenswillen. Sein Blick wurde dann strahlender, seine Haltung entspannter, er genoss die Zuwendung, genoss die Sonnenstrahlen am Fenster, wo er auf einem Kissen aufmerksam jedem Wort lauschte. Für mich waren diese Momente unglaublich kostbar. Liebe hat viele Gesichter, und meine Begegnung mit Iron war eines davon.

Ich weinte weder auf der Krankenstation noch beim Abschied. Geweint habe ich erst am Airport. Um genau zu sein, den ganzen Flug von Athen bis Frankfurt. Es war eine überwältigende Mischung aus Dankbarkeit, Abschiedschmerz, Erschöpfung und auch Kummer, denn es gibt noch so unendlich viel zu tun! Aber eigentlich war ich glücklich, denn jetzt war ich ganz sicher: ich war tatsächlich am Ziel meiner Suche angekommen. Ich habe meine Bestimmung gefunden, meine Seelenverwandte, die wunderbare Nafsika, und neue Freunde, die ich sehr bald wiedersehen werde und über die ich im nächsten Teil des Reiseberichts noch etwas mehr erzählen möchte!

Fortsetzung folgt

Veröffentlicht in Tierschutz

Warum ich tue, was ich tue…in 30 Sekunden erklärt <3

IRON
Die Farbe meiner Seele ist eisen-grau und traurige Fledermäuse kreisen um den Kirchturm meiner Träume
(Claude Debussy)

Es gibt so unendlich viele Irons da draußen … ❤

Wieviel Leid kann ein Lebewesen ertragen?
Für die meisten Menschen war sein Leid unsichtbar. Dank unserer Partnerorga SCARS ist Iron nun in privater Pflege und wird morgen wieder dem Tierarzt vorgestellt. Es geht im gut und wir sind zuversichtlich, dass er es schaffen wird.
Wenn ihr helfen möchtet:
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IRON
Veröffentlicht in Tierschutz

The reason why so many animal welfare organisations fail!

The critical thing with working for animals is the fact, that it actually means working with humans to make it possible in the first place.
Humans are difficult. Humans who understand and adore the animals are usually not huge philanthropists. Humans actively working in animal welfare often have their own, not always easy, vita which brought them to this topic to begin with. And I’m not saying that I’m an exception. 🙂 But we all have to work together if we want to make this work, if we really mean it!
Of course you can have impact as a single person. But the one who is committed as a private person without an organisation is going to reach their limits after some time. Individuals cannot work so much, individuals cannot write contribution receipts, individuals often don’t have the much-needed financial backup on their own to help comprehensively. And if you really get into the topic, you do want to help more comprehensively, that’s for sure!

That’s why I did what I actually never wanted to do, I founded a society. This was 18 months ago and since then there hasn’t been a single day when I wasn’t exuberantly happy about what we have achieved so far, but haven’t cursed myself why I realized this stupid idea against every sense of my intuition. Because the price to pay was freedom.

Most of our society’s friends don’t even know who is behind the most of our activism, and even closed co-activists can only sense what it means to spin a wheel (a pretty cumbersome wheel) every day, 365 days a year, which becomes bigger every day. Hardly anyone can imagine, what it really means to lead a company whose customers (the hungry and sick animals) rely on the survival and functioning of this company whose employees can’t get compensated, who only show up for work because they want to and who could drop out any given day, which is something they do on a regular basis, and whose commitment for this company has to be scrounged, encouraged, hard won or aquired every day all over again. This is what the boss is doing.

In this case, the “boss” is me. A boss who is available 24/7 (and I really mean 24/7!). For 18 months, every day. Who has to supervise legal and fiscal requirements, is in contact with donors, partner organisations, activists, those who want to adopt an animal, foster homes, media, public authorities, sponsors, combatants, who has to jolly along everything and everyone and hold them in balance, who checks the publications, translates, creates, edits, shares, comments, replies and handles a thousand additional things seemingly in a breeze, which includes nearly everything from hauling heavy boxes to challenging negotiations with foreign customs. A boss who is positive, friendly, polite and balancing and simultaneously purposeful and resolute, or gives the best at all times, ….because each and every mistake costs either money, image, important allies or, even worse, animal’s lives. I am terrified of mistakes. Because that would mean that those who rely on me would have to suffer. I have to perform.

No money – no food, no money – no medical aid, no money – no way to respond to daily calls for help which are in the daily mail. So I deliver. Mostly it’s a lot of fun, because every time when I see an animal’s expression change from plain suffering to fullest satisfaction after being rescued, I am so happy and this joy never wears off. It’s quite the opposite…

I say thank you seemingly the whole day. Without a break. Everyone who contributes deserves this and it truly comes from my heart. Sometimes I can only be astounded at how much time, money and energy some of our combatants invest in this and I am almost ashamed about our donors’ generosity. I know how difficult it is for some and not maybe so difficult for others, so many pass up things, only to be able to help us and despite this I still have to ask every day anew for more of everything: more commitment, more money, because the wheel is getting bigger regularly and it has to work.

Most don’t know that I have to master a full-time job, too. A job which fortunately often leaves some time to do some things along the way. The stuff I can’t do during this time is handled in the evening and nighttime. My nights have become short. But still there are complaints if something is delayed, when mistakes happen or don’t get responded appropriately. I’m no machine, sometimes overly emotional, sometimes not informed enough, sometimes just… Me.

There wasn’t a single hostility, no defamation, no accusation, no malice, that hasn’t already been poured over me, because I do what I do, the way I do it. Instead of letting myself get tangled in destructive discussions, instead of publicly pulling apart those people with all their lies and presumptuousness, which, to be honest, is something I would like to do at times (and which is something I absolutely would be capable of with my rhetoric and temper), instead of all of this, I always subordinate my mental state, take a deep breath and think of all those who rely on me so much. It’s about the animals. Everything good for the society is good for them, too. Unfortunately that doesn’t automatically mean that it’s good for me. Everyone working with us, works for the animals, not for me. Sometimes I get the impression that this get’s confused.

Delegating is nice. Who knows a few things about legal requirements for societies also knows that the management is liable. Everyone else in the society can pull up their shoulders and say “Oops, sorry… I’m done.” and is gone for good. Not that this hasn’t happened before.
Comprehensive help needs steady structures. We have great people, we have the best 🙂,
but there is some work and responsibility that can’t be delegated. I’m not only liable financially and legally, my name and image are connected too and many of the things that work, work because the people know that they can trust me, they know that their donations are spent thoughtfully and their work gets valued.

Meanwhile I think I know why many animal welfare organisations fail. Nearly all of them are at the mercy of a few responsible persons, they all know what I am writing about here and depending on how much suffering they can take or how persistent they are, soon the wheat separates from the chaff whereas in this case the “chaff”, all the warriors at the front who give up, have my fullest understanding.

Our society is on the cusp of really taking off, all the big goals are within reach. This means the marathon is just really starting, because everything up until now was just the warm-up. I reached my first goal. 18 months ago, we had nothing, no money, no supporters, no idea! Today there is a solid society with great supporters, good know-how and excellent reputation. I should be happy and so proud! But I am tired, simply infinitely tired, too and long for the times when I, too could simply say… ooops… I’m done…. when I didn’t like something or my interests and emphasis shifted. I can’t do this anymore without causing much damage and abandoning those in need of help. Sometimes that really scares me.
But tomorrow will be a new day and giving up no option… please see above.

————–

(Thank you so much Luisa Mayr for translating this text!! Love you <3)

Veröffentlicht in Tierschutz

Warum so viele Tierschutzvereine scheitern! The reason why so many animal welfare organisations fail!

Please scroll down for English Text!

Das dumme an der Arbeit für Tiere ist die Tatsache, dass es eigentlich die Arbeit mit Menschen ist, die sie erst ermöglicht.

Menschen sind schwierig. Menschen die Tiere verstehen und lieben, sind nicht unbedingt die größten Menschenfreunde. Menschen, die im Tierschutz aktiv sind, haben meist alle ihre eigene, nicht immer leichte Vita, die sie erst zu diesem Thema herangeführt hat. Da nehme ich mich nicht aus :-). Aber wir müssen alle zwingend zusammen arbeiten, wenn es funktionieren soll, wenn wir es wirklich ernst meinen!

Natürlich kann man auch privat, für sich allein viel bewegen. Doch wer sich privat im Tierschutz engagiert kommt immer irgendwann an Grenzen. Privatpersonen können nur ein gewisses Pensum schaffen, Privatpersonen können keine Spendenquittungen ausstellen, Privatpersonen verfügen allein meist nicht über die so dringend benötigten Mittel, um umfassend zu helfen. Taucht man erst einmal in die Szene ein und ist nicht aus Stein, dann möchte man umfangreicher helfen, so viel steht fest!

Also tat ich das, was ich eigentlich nie wollte, ich gründete einen Verein. Das ist nun 18 Monate her und seitdem vergeht kein Tag, an dem ich zwar überglücklich über das Erreichte bin aber mich nicht dafür verfluche, warum ich diese bescheuerte Idee gegen jedes Bauchgefühl trotzdem verwirklichte. Denn der Preis war die Freiheit.

Viele Freunde unseres Vereines wissen gar nicht, wer wirklich hinter den meisten unserer Aktivitäten steckt, und selbst enge Mitstreiter ahnen nur, was es bedeutet, jeden Tag, 365 Tage im Jahr, ein Rad zu drehen, (ein ziemlich sperriges Rad), das jeden Tag größer wird.

Kaum jemand kann sich vorstellen, was es wirklich bedeutet, eine Firma zu führen, deren Kunden zum Überleben auf das Funktionieren dieser Firma angewiesen sind (die hungrigen und kranken Tiere) und deren Mitarbeiter nicht entlohnt werden können, die einzig zur Arbeit erscheinen, weil sie Lust dazu haben, die jeden Tag ausfallen könnten oder hinwerfen, was sie auch regelmäßig tun und deren Bindung an die Firma jeden Tag aufs neue erbettelt, ermutigt, erkämpft oder geworben werden muss. Das tut der Chef.

Der „Chef“ bin in diesem Fall ich. Ein Chef, der ohne Bezahlung rund um die Uhr (und damit meine ich wirklich, rund um die Uhr!) zur Verfügung steht. Seit 18 Monaten, jeden Tag. Der über rechtliche und steuerliche Vorgaben wachen muss, Kontakt hält zu Spendern, Partnervereinen, Aktiven, Adoptanten, Pflegestellen, Medien, Behörden, Sponsoren, Mitstreitern, der alle Genannten in Balance und bei Laune halten muss, der die Veröffentlichungen einholt, übersetzt, erstellt, bearbeitet, teilt, kommentiert, erwidert oder verbessert und dazu noch 1000 andere Dinge im Vorbeigehen erledigt, die von Kisten schleppen bis zu anspruchsvollen Verhandlungen mit ausländischen Zollbehörden so ziemlich alles beinhalten. Ein Chef, der dabei stets positiv, freundlich, höflich und ausgleichend, gleichzeitig aber zielgerichtet und energisch auftritt, oder das zumindest versucht,   ….denn jeder Fehler kostet entweder Geld, den Ruf, wichtige Verbündete oder, noch schlimmer …Tierleben. Ich habe panische Angst vor Fehlern. Immer werden dann die darunter leiden, die sich auf mich verlassen. Ich muss funktionieren.

Kein Geld – kein Futter, kein Geld – keine medizinische Behandlung, kein Geld -keine Möglichkeit auf die täglichen Hilferufe einzugehen, die jeden Morgen in der Post sind.

Also liefere ich das Gewünschte. Meist macht es mir großen Spaß, denn jedesmal, wenn sich der Ausdruck im Gesicht eines Tieres nach der Rettung von blankem Elend in satte Zufriedenheit verwandelt, geht mir das Herz auf und diese Freude nutzt sich nie ab. Im Gegenteil…

Ich bedanke mich eigentlich den ganzen Tag. Pausenlos. Jeder, der seinen Teil dazu beiträgt, hat diesen Dank auch verdient und er kommt ehrlich und von Herzen. Manchmal staune ich nur noch, wie hingebungsvoll einige unserer Mitstreiter Zeit, Geld und Energie für die Sache investieren, bin fast beschämt über die Großzügigkeit unserer Spender, weiß, wem es leichter oder schwerer fällt, so viele verzichten auf Dinge, nur um bei uns helfen zu können und trotzdem  muss ich jeden Tag aufs neue bitten, mehr von allem  zu erhalten, mehr Einsatz, mehr Geld, denn das Rad wird ständig größer und es muss laufen.

Viele wissen nicht, dass ich all dies neben einem Fulltime Job bewältige. Ein Job, der mir zum Glück oft die Zeit lässt, nebenbei schnell etwas zu bearbeiten. Was nicht erledigt werden kann, wird in die Nachtstunden gepackt. Meine Nächte sind kurz geworden. Trotzdem gibt es immer wieder Beschwerden, wenn sich etwas verzögert, wenn Fehler passieren oder nicht angemessen reagiert wird. Ich bin keine Maschine, manchmal zu emotional, manchmal nicht genügend informiert, manchmal einfach … Ich.

Es gab keine Anfeindung, keine üble Nachrede, keinen Vorwurf, keine Häme, die nicht bereits über mich ausgeschüttet wurde, weil ich tue, was ich tue und wie ich es tue.  Anstatt mich in schädliche Diskussionen verwickeln zu lassen, anstatt diese Menschen samt ihren Unverschämtheiten und Lügen öffentlich in der Luft zu zerreißen, was zugegebenermaßen manchmal sehr reizt, (und wozu ich rhetorisch und auch von meinem Temperament her durchaus in der Lage wäre) , stelle ich eigene Befindlichkeiten grundsätzlich zurück, atme tief durch und denke an die, die jetzt von meiner Geduld abhängig sind. Es geht um die Tiere. Alles, was gut für den Verein ist, ist gut für sie. Leider ist es längst nicht immer gut für mich 😉 .  Jeder, der bei uns mitwirkt, tut es für die Tiere, nicht für mich. Manchmal habe ich den Eindruck, das wird verwechselt.

Delegieren ist eine tolle Sache.  Wer sich etwas im Vereinsrecht auskennt weiß, das letztlich immer der Vorstand haftet. Jeder andere im Verein kann bei jedem Fehler sagen…ooops, sorry…mir reicht es jetzt, und weg ist er. Nicht, dass das nicht bereits passiert wäre. Umfangreiche Hilfe benötigt feste Strukturen. Wir haben tolle Leute, wir haben die Besten :-), trotzdem lässt sich ein Teil der Arbeit und die Verantwortung nicht delegieren. Ich hafte nicht nur finanziell und rechtlich, ich habe auch meinen Namen für diese Sache gegeben und vieles, was funktioniert, funktioniert deshalb, weil die Menschen wissen, sie können mir vertrauen, sie wissen, ihre Spenden werden umsichtig eingesetzt und ihre Arbeit wird sehr wertgeschätzt.

Mittlerweile glaube ich zu wissen, warum viele Tierschutzvereine scheitern. Fast alle hängen auf Gedeih und Verderb an wenigen Verantwortlichen, sie alle kennen das, was ich hier beschreibe und je nachdem wie leidensfähig oder auch wie hartnäckig diese sind, trennt sich bald die Spreu vom Weizen, wobei in diesem Fall die „Spreu“ , alle Kämpfer an der Front, die aufgeben, mein vollstes Verständnis haben.

Unser Verein befindet sich gerade an der Schwelle zum „richtig Durchstarten“, alle großen Ziele sind in Reichweite.  Damit geht der Marathon  eigentlich erst los, denn wir haben uns erst warm gelaufen. Mein erstes Ziel habe ich erreicht. Vor 18 Monaten hatten wir nichts, kein Geld, keine Unterstützer, keine Ahnung! Heute tritt ein solider Verein an, mit tollen Unterstützern, gutem know-how und einem ausgezeichnetem Ruf. Ich sollte glücklich sein, und stolz! Trotzdem  bin ich auch müde, einfach nur unendlich müde und habe Sehnsucht nach der Zeit,  als auch ich sagen konnte, ooops …. ich schmeiße jetzt hin…wenn mir etwas nicht gefallen hat oder sich meine Interessen und Schwerpunkte ändern . Ich kann es nicht mehr, ohne dabei viel Schaden anzurichten und Hilfsbedürftige im Stich zu lassen. Das macht mir manchmal Angst.

Aber morgen ist ein neuer Tag und Aufgeben keine Option…siehe oben ❤

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The reason why many animal welfare organisations fail

The critical thing with working for animals is the fact, that it actually means working with humans to make it possible in the first place.
Humans are difficult. Humans who understand and adore the animals are usually not huge philanthropists. Humans actively working in animal welfare often have their own, not always easy, vita which brought them to this topic to begin with. And I’m not saying that I’m an exception. 🙂 But we all have to work together if we want to make this work, if we really mean it!
Of course you can have impact as a single person. But the one who is committed as a private person without an organisation is going to reach their limits after some time. Individuals cannot work so much, individuals cannot write contribution receipts, individuals often don’t have the much-needed financial backup on their own to help comprehensively. And if you really get into the topic, you do want to help more comprehensively, that’s for sure!

That’s why I did what I actually never wanted to do, I founded a society. This was 18 months ago and since then there hasn’t been a single day when I wasn’t exuberantly happy about what we have achieved so far, but haven’t cursed myself why I realized this stupid idea against every sense of my intuition. Because the price to pay was freedom.

Most of our society’s friends don’t even know who is behind the most of our activism, and even closed co-activists can only sense what it means to spin a wheel (a pretty cumbersome wheel) every day, 365 days a year, which becomes bigger every day. Hardly anyone can imagine, what it really means to lead a company whose customers (the hungry and sick animals) rely on the survival and functioning of this company whose employees can’t get compensated, who only show up for work because they want to and who could drop out any given day, which is something they do on a regular basis, and whose commitment for this company has to be scrounged, encouraged, hard won or aquired every day all over again. This is what the boss is doing.

In this case, the “boss” is me. A boss who is available 24/7 (and I really mean 24/7!). For 18 months, every day. Who has to supervise legal and fiscal requirements, is in contact with donors, partner organisations, activists, those who want to adopt an animal, foster homes, media, public authorities, sponsors, combatants, who has to jolly along everything and everyone and hold them in balance, who checks the publications, translates, creates, edits, shares, comments, replies and handles a thousand additional things seemingly in a breeze, which includes nearly everything from hauling heavy boxes to challenging negotiations with foreign customs. A boss who is positive, friendly, polite and balancing and simultaneously purposeful and resolute, or gives the best at all times, ….because each and every mistake costs either money, image, important allies or, even worse, animal’s lives. I am terrified of mistakes. Because that would mean that those who rely on me would have to suffer. I have to perform.

No money – no food, no money – no medical aid, no money – no way to respond to daily calls for help which are in the daily mail. So I deliver. Mostly it’s a lot of fun, because every time when I see an animal’s expression change from plain suffering to fullest satisfaction after being rescued, I am so happy and this joy never wears off. It’s quite the opposite…

I say thank you seemingly the whole day. Without a break. Everyone who contributes deserves this and it truly comes from my heart. Sometimes I can only be astounded at how much time, money and energy some of our combatants invest in this and I am almost ashamed about our donors’ generosity. I know how difficult it is for some and not maybe so difficult for others, so many pass up things, only to be able to help us and despite this I still have to ask every day anew for more of everything: more commitment, more money, because the wheel is getting bigger regularly and it has to work.

Most don’t know that I have to master a full-time job, too. A job which fortunately often leaves some time to do some things along the way. The stuff I can’t do during this time is handled in the evening and nighttime. My nights have become short. But still there are complaints if something is delayed, when mistakes happen or don’t get responded appropriately. I’m no machine, sometimes overly emotional, sometimes not informed enough, sometimes just… Me.

There wasn’t a single hostility, no defamation, no accusation, no malice, that hasn’t already been poured over me, because I do what I do, the way I do it. Instead of letting myself get tangled in destructive discussions, instead of publicly pulling apart those people with all their lies and presumptuousness, which, to be honest, is something I would like to do at times (and which is something I absolutely would be capable of with my rhetoric and temper), instead of all of this, I always subordinate my mental state, take a deep breath and think of all those who rely on me so much. It’s about the animals. Everything good for the society is good for them, too. Unfortunately that doesn’t automatically mean that it’s good for me. Everyone working with us, works for the animals, not for me. Sometimes I get the impression that this get’s confused.

Delegating is nice. Who knows a few things about legal requirements for societies also knows that the management is liable. Everyone else in the society can pull up their shoulders and say “Oops, sorry… I’m done.” and is gone for good. Not that this hasn’t happened before.
Comprehensive help needs steady structures. We have great people, we have the best 🙂,
but there is some work and responsibility that can’t be delegated. I’m not only liable financially and legally, my name and image are connected too and many of the things that work, work because the people know that they can trust me, they know that their donations are spent thoughtfully and their work gets valued.

Meanwhile I think I know why many animal welfare organisations fail. Nearly all of them are at the mercy of a few responsible persons, they all know what I am writing about here and depending on how much suffering they can take or how persistent they are, soon the wheat separates from the chaff whereas in this case the “chaff”, all the warriors at the front who give up, have my fullest understanding.

Our society is on the cusp of really taking off, all the big goals are within reach. This means the marathon is just really starting, because everything up until now was just the warm-up. I reached my first goal. 18 months ago, we had nothing, no money, no supporters, no idea! Today there is a solid society with great supporters, good know-how and excellent reputation. I should be happy and so proud! But I am tired, simply infinitely tired, too and long for the times when I, too could simply say… ooops… I’m done…. when I didn’t like something or my interests and emphasis shifted. I can’t do this anymore without causing much damage and abandoning those in need of help. Sometimes that really scares me.
But tomorrow will be a new day and giving up no option… please see above.

————–

(Thank you so much Luisa Mayr for translating this text!! Love you <3)

Veröffentlicht in Katze, Seelenmarzipan, Tierschutz

Regel Nr 1. : Verliebe Dich nie, ehe Du weißt, dass sie überleben werden!

Es war einmal in einem fernen Land….so beginnen viele Geschichten, die das Schicksal unserer Schützlinge von SCARS in ein Märchen verwandeln. Wir schreiben diese Geschichten, weil sie uns gefallen, aber vor allem, weil wir glauben, die Realität ist manchmal einfach nicht zumutbar. Auch wenn es sich manchmal so lesen mag, die schrecklichen Schicksale, das Leid, der tägliche Kampf um das Überleben unserer Tiere ist nicht weniger grausam, als das der anderen Straßentiere, überall auf der Welt.

Als von ihm die ersten Bilder eintrafen war mir klar, dass auch eine Wagenladung Zuckerguss nicht ausreichen würde, aus seiner Geschichte die Härte zu nehmen. Sein Name ist Iron. Insgeheim nenne ich ihn aber Prinz EISENHERZ.

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Iron bestand nur noch aus einem armseligen Haufen Knochen, offenen Wunden, Eiter und Leid. Dass er überhaupt noch lebte, war ein kleines Wunder. Jemand war so barmherzig gewesen und hatte die Freiwilligen von SCARS auf ihn aufmerksam gemacht. Nafsika und Dionisos suchten ihn noch am gleichen Abend, sammelten ihn ein, oder besser gesagt, sie sammelten ein, was noch von ihm übrig geblieben war und sie brachten ihn zum Tierarzt.

Selbst unter Beruhigungsmitteln versuchte er eisern, auf den Beinen zu bleiben. Denn das war alles, worauf er sich bisher in seinem Leben verlassen konnte, seine eigene Kraft. Er hatte noch nie Hilfe von jemand anderem erhalten.

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Er hat ein zerschmettertes Bein, das amputiert werden muss und ein Loch voller Eiter, das einmal sein rechtes Auge gewesen ist. Aber vor allem verfügt er über eines: Einen eisernen Willen!
Er schläft, er hat einen gesunden Appetit und versucht zu verstehen, was gerade mit ihm passiert und wie sein Leben in Zukunft aussehen wird.

Gestern sahen wir einen erbarmungswürdige Haufen Knochen, der tapfer versuchte, auf den Beinen zu stehen. Der Tierarzt bereitete uns auf das Schlimmste vor. Heute  sahen wir bereits den Kämpfer, der nicht aufgeben würde! Nach einer ausgiebigen Mahlzeit, die er sichtlich genoss und einem geruhsamen Bad in der Sonne, zum ersten Mal seit ewig, ohne jede Bedrohung für ihn….da schenkte er uns diesen Blick.

Den „ICH WERDE ÜBERLEBEN“ Blick. Es ist also beschlossene Sache: Er wird es schaffen!

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Ich war sehr froh, als diese Nachricht heute Abend eintraf. Denn seinetwegen hatte ich gegen eine meiner wichtigsten Regeln im Tierschutz verstoßen. Eine Regel, die mir hilft,  zu ertragen, was eigentlich unerträglich ist:

Verliebe dich nie, ehe Du weißt, dass sie überleben werden.

Kämpfe, Prinz Eisenherz, kämpfe…und schenke Dir und uns ein neues Märchen !Wir lieben Dich jetzt schon alle ❤

Von Herzen Dankeschön an alle lieben Spender, die ihm die denkbar beste medizinische Versorgung ermöglichen! Wenn ihr gerne etwas dazu beitragen möchtet, alle Spenden unter dem Kennwort CHANCE leiten wir an seine Retter von SCARS Griechenland weiter, die sich gerade nach Kräften bemühen, ihm ein neues Leben zu schenken!

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Hier gibt es updates von Iron und mehr Info über die Arbeit unserer Partnerorga in Griechenland: Freundeskreis SCARS

Veröffentlicht in Chance, Katze, Seelenmarzipan, Tierschutz

Die berührende Geschichte von Cinnamon…man ist nie zu alt für die Liebe!

Nach 17 Jahren verlor Cinnamon alles, was sie hatte.
Als sie bei uns eintraf, war sie ärgerlich, aggressiv, und der Ausdruck in ihren Augen zeigte nichts als Hass und Misstrauen.
Viele Monate lang fragten wir uns, wer sie wirklich ist.
War sie immer schon die missgelaunte Katze gewesen, die wie ein Geist im Haus umher wandert.

Oder war es nur die Boshaftigkeit der Verwandten ihrer verstorbenen Besitzerin, die sie viele Wochen lang mit Stöcken gejagt und gepeinigt hatten?
Als wir sie bereits fast aufgegeben hatten, kam der  Durchbruch und endlich durften wir sehen, wer Cinnamon war und wer sie von jetzt an sein wird

Ihr zweites Leben begann…
Sie wird bis an ihr Lebensende einen sicheren und geborgenen Platz in privater Pflege bei SCARS, Griechenland  haben.

Ihre berührende Geschichte, erzählt in  diesem Video  ❤

 

Valia Orfanidou hat für SCARS dieses ergreifende Video erstellt.

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Veröffentlicht in Aufreger, Lifestyle, Tierschutz

Fischpediküre …Lasst es einfach!

Wellness und Shopping. Dieses Tagesprogramm wollte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen. Voller Vorfreude auf eine entspannte Maniküre und ein paar neue Katzen-T-Shirts machte ich mich mit meinen Freundinnen auf den Weg zur Einkaufsmeile unseres Urlaubsortes.

Was ich dann letztlich erhielt war die miserabelste Maniküre meines Lebens, und Einblick in eine für mich neue Form der Dekadenz, mit dem hübschen Namen: FISH SPA.

Wir bummelten durch das malerische Örtchen und stoppten an einem Schaufenster, in dem für kosmetische to go Behandlungen geworben wurde. Erst beim zweiten Hinsehen begriff ich, dass es sich bei der Pediküre um „Fish Spa“ handelte. Man hält die Füße in ein Becken mit kleinen Fischen, die dann die Hornhaut abknabbern. „Ich bin draußen“, erklärte ich eilig, denn obwohl ich mir über diese neue Variante der Schönheitspflege noch nie Gedanken gemacht hatte, wusste ich, dass es mir nicht gefallen würde. Sobald Tiere als Werkzeuge eingesetzt werden, hört bei mir der Spaß auf. Aber ich wollte kein Spielverderber sein, beschloss, die Zeit im Laden mit einer Maniküre zu überbrücken und meinen Freundinnen bei ihrem Abenteuer zusehen.

Die Kosmetikerin, ich würde behaupten, dass diese Bezeichnung ihr sehr schmeichelte, war unfreundlich und mit 4 Kundinnen auf einen Schlag sichtlich überfordert. Sie wies mir einen Stuhl in einer Ecke des kleinen Ladens zu und forderte die anderen auf, ihre Füße in ein Becken zu halten, wo sie aus zwei verschiedenen Kanistern ohne jede Erläuterung irgendeine Substanz über deren Füße goß. Ich vermutete, sie war kalt, denn die ersten iiihhs und aaaahs waren zu hören. Es hatte fast schon Comedy Charakter, wie lieblos und sichtlich uninteressiert sie die Reinigung vor der Behandlung durchführte. Glücklich über meinen Entschluss,  das Abenteuer Pediküre mittels Piranha Methode zu meiden, studierte ich die armseligen quadratischen Wasserbehälter, in denen das Fish Spa stattfinden sollte. Kein Grünzeug, kein Bodenbelag. Nur jeweils ein nacktes Becken mit Wasser gefüllt und darin viele kleine Fische. Arme Fische, entschied ich für mich und googelte interessiert nach, was mir bisher offensichtlich entgangen war.

Fish Spa bedeutet, Saugbarben (lateinisch: Garra Rufa), die in der türkischen Region Kangal in  warmen Thermalbächen leben und sich unter anderem auch von Hautschuppen ernähren, werden zur Hornhautentfernung an den Füßen benutzt/missbraucht, wie immer man es nennen möchte. Der Kunde hält die Füße wie einen Köder in ein Becken und lässt sich von den hungrigen Fischen die abgestorbene Haut abknabbern. Ein lukratives Geschäft, denn die Fische sind spottbillig, der Handel boomt. Tiere, die die Haltungsbedingungen nicht überleben, (falsche Wasserqualität, Gifte, von groben Füßen zerquetscht, Stress…) werden einfach ersetzt. Wegwerf-Fische sozusagen.

Die deutschen Behörden sehen diese neue Mode zum Glück kritischer. Nicht nur in Sachen Tierschutz gibt es Vorbehalte, vor allem die gesundheitlichen Risiken sind nicht zu unterschätzen. Zum einen können Krankheitserreger von den Fischen auf Menschen übertragen werden zum anderen können über die Fische als Zwischenwirt auch Krankheiten von Mensch zu Mensch weitergegeben werden. Fischtuberkulose, gefährliche Darmkeime, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt und das warme Wasser ist eine ideale Brutstätte. Es gibt keinerlei Daten darüber, wie lange solche Keime in den Fischen überleben können. Die Wassertemperaturen zwischen 20 und 30 Grad bieten jedenfalls ideale Voraussetzungen.

Bevor die Füße ins Becken dürfen, werden sie zwar gereinigt, aber einige deutsche Tierschutzbehörden bezeichnen die Prozedur trotzdem als Tierquälerei. Füße sondern Schweiß, Talg, Nikotin, Kosmetikrückstände und Seife ab. All das ist nicht nur unangenehm sondern schädlich für die Fischchen.

Vor der Prozedur ist eine Aufklärung der Kunden über mögliche Infektionsrisiken zwingend erforderlich, offene Wunden oder Diabetes sind ein NO GO.

Ich behielt diese neuen Erkenntnisse für mich und registrierte aus den Augenwinkeln, wie meine Freundinnen unfreundlich aufgefordert wurden, sich auf eine Bank zu setzen und zaghaft die Füsse ins Wasser hielten. Aufgeklärt wurde niemand und toll fanden sie es augenscheinlich auch nicht. Es kitzelt, berichteten sie, es ist ein Gefühl wie im Thermalbad. Das war es dann auch schon.

Derweil erinnerte sich die Angestellte des Ladens an mich und obwohl ich mitterweile Werkzeug und Hygiene in Augenschein genommen hatte und am liebsten Reißaus genommen hätte, streckte ich ihr ergeben meine Hände entgegen.

Höflichkeit kann manchmal zur Plage werden. Anstatt meinem Bauchgefühl zu folgen, und den Laden schnellstmöglichst zu verlassen, ließ ich sie meine Finger und Nägel ruinieren. Als bei ihrem groben Umgang mit der Feile sogar Blut floss, war es dann auch mir zu viel und ich brach  ab, packte hastig meine Sachen zusammen und wartete vor dem Laden, bis das enttäuschende Wellness Programm meine Freundinnen beendet war. Auch sie hatten übrigens, genau wie ich, das Angebot einer zusätzlichen Fußmassage nachdrücklich abgelehnt. Allein bei dem Gedanken, die Füße in die schmuddelige Apparatur zu stellen, die für diese Dienstleistung vorgesehen war, ein elektrisches Massagegerät, fühlte ich bereits die Pilzkulturen zwischen den Zehen aufblühen.

Einhellig berichteten sie, dass diese Art der Pediküre etwas war, was sie ungerne wiederholen möchten. Auch das Ergebnis überzeugte wenig, alles wie gehabt, nur die Füße fühlten sich unangenehm trocken an. (Creme danach hatte es nicht gegeben, auch nicht auf Nachfrage).

Wir gaben sicher ein interessantes Bild ab, als wir auf einer Bank vor dem Laden Füße eincremten und Hände verpflasterten. (Ja, ich habe in meiner Handtasche IMMER ALLES dabei, was man irgend benötigen könnte, auch Olivenbalsam und Pflaster 🙂 ). Der Programmpunkt „Katzen T-shirts“ kaufen wurde dann übrigens noch in Angriff genommen und war ein voller Erfolg ❤

Falls also jemand auf die Idee kommen sollte, Fish Spa als Wellnessprogramm ausprobieren zu wollen:

Lasst es einfach!

Fish Spa ist überflüssig, bringt nicht unerhebliche gesundheitliche Risiken mit sich und nicht zuletzt…es ist Tierquälerei. Warum um alles in der Welt müssen Fische für etwas missbraucht werden, was eine menschliche Hand jederzeit mit einem Bimsstein  angenehmer erledigen kann…und billiger. 🙂 .