Seelen Schokolade

Es tut mir sehr leid, Oma …

Hätte der Zufall oder eine Fügung nicht kräftig nachgeholfen, wäre ich bis heute der Meinung, meine Großmutter hätte mich nie geliebt und meine Gedanken für sie wären weiter gleichgültig und unterkühlt gewesen. Eine kaltherzige Frau, die ihre erstgeborene Enkelin immer ablehnte und die auch ansonsten nicht unbedingt eine Bereicherung für die Menschheit war. So blieb sie mir in Erinnerung und bis heute war ich nie an ihrem Grab, nicht einmal auf ihrer Beerdigung vor vielen Jahren.

Ihre drei Söhne haben insgesamt 6 Kinder, meine Cousins und Cousinen. Auch ihnen gegenüber war ich reserviert und setzte stets mehr auf Freunde, wenn es um familiäre Kontakte ging. Wir waren nicht verfeindet, wie das in manchen Familien der Fall ist aber wir teilten weder Hochzeiten noch Taufen miteinander, meine Tochter wusste nicht einmal, dass noch andere Familienteile in ihrem Alter existieren, auch wenn wir alle nur wenige Kilometer auseinander wohnen.

Irgendwann traf sie auf die Freundin des Freundes ihres Freundes und im Verlauf des Abends stellten die beiden jungen Frauen  fest, dass sie sich nicht nur unglaublich mögen sondern auch, dass sie miteinander verwandt sind. Großcousinen. Ihre Mütter waren Cousinen. Ich erinnere mich noch gut an die Empörung meiner Tochter, warum ich ihr das vorenthalten hatte, da sie sich als Einzelkind stets mehr Familie wünschte, nur um zufällig zu erfahren, dass direkt vor ihrer Nase, insgesamt 12 Großcousinen und Cousins, zwei nette Familien, existierten, mit denen sie bald innige Freundschaft schloss und die Freundin von damals ist bis heute Herzensfreundin und Ersatzschwester, was mich wahnsinnig freut.

Wir begannen uns auszutauschen, treffen uns regelmäßig und fragen uns oft, wie es so weit kommen konnte, dass wir voneinander der Meinung waren, wir würden uns nicht besonders mögen, warum es Normalität geworden war, keinen Kontakt zu haben. Ich denke, es wurde uns subtil von Klein auf beigebracht.

Gestern sprachen wir über meine Großmutter. Im Gegensatz zu mir hatten meine beiden Cousinen intensiven Kontakt zu ihr. Sie erzählten von einer Frau, die mit drei Jahren die Mutter verlor.  Niemand wusste, warum sie dahin siechte Wir vermuten, auch unsere Urgroßmutter hatte den Baufehler an den Nieren, den viele Mädchen in unserer Familie haben und der erst in den nachfolgenden Generationen operativ behoben werden konnte.

Sie wuchs mutterlos in einem Männerhaushalt auf. Eine schöne und entschlossene Frau, mit dunklen Haaren und blauen Augen, die ihren jungen Mann, die Liebe ihres Lebens,  in den Armen hielt, als er an einem Gehirntumor starb. Sie erzählten die Geschichte, von der verzweifelten Mutter, die ihr totes Kind auf den Armen durch das Dorf trug, das man zu spät aus dem Dorfbrunnen gefischt hatte und die dabei so schrie, dass man sie noch im Nachbardorf hörte.  Es war eine Mutprobe, die der Siebenjährige nicht überlebt hatte.

Später verlor sie auch noch meinen Vater, ihren Zweitgeborenen an eine Frau, die sie hasste, an meine Mutter. Bis heute weiß ich nicht, wo dieser Hass von beiden Seiten den Ursprung hatte. Es musste Zeiten gegeben haben, da war mein Vater seiner Mutter sehr eng verbunden gewesen. Das änderte sich schlagartig.  Ich kenne nur die Erzählungen meiner Mutter und die hatte mir immer wieder vermittelt, dass die Abneigung einzig von der anderen Seite ausgeht, meine Großmutter mich nicht sehen wollte, als ihr erstes Enkelkind auf die Welt kam und alle anderen Enkel vergöttert…nur eben mich nicht.

Ich wuchs damit auf, dass Besuche bei der Großmutter selten und nur eine lästige Pflicht sind, sie nur notgedrungen auf mich aufpasste, wenn es gar keine andere Lösung gab und sicher strahlte ich das mit jeder Pore aus, wann immer ich in ihrer Nähe war. Sie hatte keine Chance. Sie sprach auch nie darüber. Meine Großmutter war eine stolze und verschlossene Frau und  gewohnt, emotionale Verluste zu ertragen. Aber zu meiner Hochzeit, zu der sie nicht eingeladen war, schenkte sie mir 1000 Euro. Ein Vermögen, für ihre bescheidenen Verhältnisse und es machte mich damals bereits stutzig.

Als meine Cousinen mir gestern erzählten, wie oft sie nach mir gefragt hatte, wie wichtig ihr immer war, genau zu wissen, was ich tue, wie es mir geht und dass sie immer traurig über das gestörte Verhältnis war, sich immer nach dem Grund fragte, da begann ich fast am Tisch des Biergartens zu weinen. Wie sehr hätte ich eine Großmutter gebraucht, wie viel hätte ich von ihr lernen können. Ganz sicher war sie keine einfache Person aber ganz sicher auch nicht so, wie ich sie immer gesehen hatte. Ich fühlte mich schlecht, weil ich immer nur schlecht von ihr gedacht hatte. Der Hass hatte erfolgreich Wurzeln geschlagen, der von Anfang an in mein kindliches Herz gesät worden war und ich war ihr nie liebevoll oder zumindest unvoreingenommen entgegen getreten. Jetzt war es zu spät.

Es gibt kein Bild von uns beiden zusammen. Nicht eines. Ich hatte sie nie eingeladen, bei wichtigen Lebensereignissen dabei zu sein, obwohl sie nur ein paar Straßen weiter wohnte, in ihrem kleinen Häuschen, ihr ganzer Stolz. Keine Hochzeit, keine Taufe, keine Geburtstage.

Ich könnte sie heute am Friedhof besuchen. Aber viel näher fühle ich mich ihr im Wald. Die großen, alten Bäume dort, hat meine Großmutter selbst gepflanzt. Harte Forstarbeit. Sie brachte auf diese Weise ihre drei kleinen Söhne nach dem Krieg durch. Sie liebte ihre Söhne über alles. Auch und besonders meinen Vater. Ich hoffe, in der Welt, in der sie nun ist, hat sie sich mit ihm ausgesöhnt und die beiden fanden endlich wieder zueinander.

Es gäbe so viel, was ich sie gerne noch gefragt hätte…aber vor allem würde ich ihre gerne sagen…

Es tut mir leid, Oma ❤ Wir machen das jetzt besser. Deine Enkelinnen haben sich endlich  gefunden…und deine Urenkelinnen wurden wieder Familie  ❤

 

 

 

 

Seelen Schokolade

Ich liebe die Welt…aber daheim ist daheim <3

Es war irgendwann Ende der 80er Jahre, des letzten Jahrhunderts des letzten Jahrtausends,  wir waren auf dem Rückflug von Tel Aviv nach Frankfurt. Ich bereitete mit meinen Kolleginnen die Kabine für die Landung vor und ein Gast hatte noch nicht für seinen Rotwein bezahlt. Freundlich erinnerte ich ihn daran und bat ihn um den ausstehenden Betrag. Der ältere Herr sah mich prüfend an, während ich mit gezückter Börse auf eine Reaktion wartete. Nach einer Weile sagte er schließlich auf Französisch:
„Ich werde nicht bezahlen, sie schulden mir und meinem Volk so viel mehr!“
Seine Worte kamen völlig unerwartet und machten mich sehr betroffen. Das dritte Reich und seine grauenhaften Verbrechen war seit jeher ein Thema, mit dem ich mich ausgiebig befasst hatte. Er musste mir nichts weiter erklären. Offensichtlich hatte er es auch nicht vor. Er widmete sich wieder seiner Zeitung, als wäre ich nicht vorhanden.
„Ich weiß nicht, wie mein Arbeitgeber dazu steht, aber es wäre mir eine Ehre, wenn ich sie zu diesem Wein einladen dürfte“. Ich hatte leise gesprochen, damit die anderen Passagiere es nicht mitbekommen und deutsch, denn ich war mir sicher, er hatte zu dieser Sprache familiären Bezug.  Er hatte es gehört und offensichtlich auch verstanden. Sein Lächeln, als er eilig in seiner Brieftasche nach dem Betrag suchte, ist mir noch heute gut im Gedächtnis. Ich glaube, er wusste, dass mir ernst war, mit meinen Worten und ich wusste, dass er Recht hatte, mit seinen.
Ein paar Wochen später wurde ich in Amman mit Steinen beworfen, weil ich mich, naiv und unwissend, aus dem Hotel für einen ersten Erkundungsspaziergang bewegt hatte, ohne vorher die Landesgepflogenheiten zu studieren.  Lange Jeans, Trekking Schuhe,  Sweatshirt und Sonnenhut waren bei 40 Grad im Schatten damals in Jordanien  eindeutig zu freizügig.  Ich hatte das sittliche Empfinden der Menschen dort verletzt, ohne es zu wollen. Auch diese Episode hat sich eingebrannt, als die schweren Pflastersteine völlig unerwartet, beängstigend dicht neben mir aufschlugen. Die wütenden Beschimpfungen der in schwarze, bodenlange  Gewänder eingehüllten, älteren Frauen, die zum Glück nicht genügend Kraft hatten, mich richtig zu treffen, die konnte ich erst später deuten. Ich wusste erst nicht, was sie von mir wollten. Verstört flüchtete ich wieder zurück in die Scheinwelt meines Luxushotels und musste mangels Internet  (prä-handyianische Ära  ) warten, bis mir ein älteres Crewmitglied erklärte, warum mir passiert ist, was mir passiert ist und warum es völlig normal war. Andere Länder, andere Sitten und wer diese Länder bereist, muss sich anpassen, wenn er Ärger vermeiden möchte. As simple as that  .  1981 war mir das noch nicht ganz so geläufig… aber ich lernte schnell  .
Ich liebte Indien und nutzte die Aufenthalte regelmäßig, um mit dem Taxi bestimmte karitative Einrichtungen zu besuchen oder um einfach auf bequeme Art, möglichst viel von der Umgebung zu sehen. Ich war mir nicht sicher, ob es eine gute Idee war, diese Ausflüge allein zu unternehmen, aber da nicht immer jemand Lust hatte, zwischen weinenden Babies und Kleinkindern den Tag zu verbringen, blieb mir keine andere Wahl. Einmal ging es gründlich schief.  Der Taxifahrer in Neu Delhi, wählte nicht den direkten Weg zu dem Waisenhaus, für das ich Kinderbekleidung mitgebracht hatte, sondern fuhr zügig Richtung Stadtgrenze und hielt bei einem verlassenen Fabrikgelände an. Er drehte sich vom Fahrersitz zu mir um  und sagte. „We fuck now!“ Mir war übel vor Angst, ich scannte die Umgebung, rechnete mir die Chancen aus, schneller auf andere Menschen zu treffen, als er mich einholen würde und setzte dann auf Überzeugungskraft. Er sprach Englisch und  ich konnte ihn davon überzeugen, dass er es bitter bereuen würde,  wenn er mich nicht sofort dort ablieferte, wo ich hin wollte. Keine Ahnung, ob ich heute noch die Nerven dazu hätte, aber ich kam wohlbehalten im Waisenhaus an.
Ähnliches ist mir kurze Zeit später auch im Abteil eines Intercitys auf dem Weg von Hamburg zurück nach Bayern passiert. Ein Landsmann, diesmal. Wieder hatte ich Glück. Ich konnte ihn hinhalten, bis endlich ein Schaffner auftauchte und nutzte die Gelegenheit zur Flucht.
Es gab wunderschöne aber auch gruselige Erlebnisse, in der Zeit, als ich mir vorgenommen hatte, einmal rund um die ganze Welt zu reisen, Länder und Leute und ihre Sitten zu studieren, wobei die wunderschönen, berührenden und positiven Begegnungen immer und überall den Löwenanteil ausmachten. Ich begann diese Reise völlig unvoreingenommen, naiv und mit einem so überaus positiven Menschenbild, das heute so manchen selbsternannten Political- Correctness- Heiligen vor Neid erblassen ließ.
Zwölf Jahre später hatte ich mein Vorhaben ziemlich konsequent umgesetzt. Ich fand in jedem Land und in jeder Kultur gute Freunde, aber ich erkannte mit der Zeit auch, dass manche Dinge die mir nicht gefallen, in manchen Gegenden häufiger vorkommen als in anderen,  oder sogar zur Tradition gehören. Walfang auf den Färöer Inseln, hungernde Straßenkinder in Peru, mit MPs bewaffnete Security vor der Hotelzimmertüre in Nigeria,  die brutale Versklavung der Arbeitskräfte und die Unterdrückung der Frauen in den Emiraten…
Würde ich heute ehrlich schreiben, was ich damals lernte, beobachtete und dachte, wäre ich mit Sicherheit in großen Schwierigkeiten.  Ich dürfte zwar schreiben, dass ich deutsche Hooligans abstoßend und hässlich fand, wenn sie in den großen Städten in Horden zu ihren Spielen anreisen, um sich zu betrinken, zu pöbeln und Schlägereien anzuzetteln. Sollte ich jedoch meine Beobachtungen, auch in Sachen Tierquälerei, oder einfach einmal eine ganz persönliche, private Abneigung bezüglich Menschen oder ihrer Bräuche äußern, dann wäre ich neuerdings ganz schnell  „rechts“ oder Rassistin. Meine Erfahrungen als Frau in Ländern, deren Gesellschaft von Religion dominiert war und daher immer mit strengen patriarchalischen Strukturen einher ging , übrigens auch christlichen,  die waren aber nun einmal sehr prägend und nicht immer schön.
Vor 20 Jahren hätte ich einfach aufgeschrieben, was ich  erlebt und wahrgenommen habe, meine Gedanken dazu und welche Schlüsse ich persönlich daraus zog.  Dem einen hätte es gefallen, ein anderer hätte  mit dem Kopf geschüttelt. Aber vermutlich wäre vor ein paar Jahren niemals jemand auf die wahnwitzige Idee gekommen, mich deshalb als Nazi oder Rassist zu betiteln, wenn ich schreiben würde, wie sehr ich mein Land mag, die Bräuche, die Traditionen und dass ich sie ungern aufgeben würde, ja sogar bewahren, notfalls verteidigen möchte. Heute werden ungestraft auch Menschen für kleinere Verfehlungen als „rechtes Pack“ betitelt, manchmal sogar Menschen, die mit einem Nazi so viel gemein haben, wie Albert Schweitzer mit Hannibal Lecter. Heute darf nämlich jeder so ziemlich jeden nennen, was er möchte. Naja, nicht jeder….also die „Richtigen“ dürfen jeden so nennen wie sie möchten. Alle “Anderen” werden angezeigt. Wer die “Anderen” sind, und was sie sind, ist manchmal nicht ganz einfach auszumachen, manche unbequemen Wahrheiten bleiben wahr, auch wenn die Falschen sie aussprechen, manche Begriffe erhalten ihre Bedeutung nur durch die Interpretation derer, die sie aussprechen. Das Wort “Heimat zum Beispiel.
Immer wenn ich meinen Freunden rund um die Welt vorschwärmte, warum ich meine Heimat Bayern so liebe, dann fielen auch die Worte Freiheit und Frauenrechte, Gemeinschaft und Sicherheit… und Heimat. Jeder hat mich verstanden, denn jeder vernünftige Mensch wünscht sich das für sein Land. Wir hatten es eins im Überfluss. Heute ist das Wort „Heimat“ und dessen Verwendung in manchen Kreisen anstößig. Das finde ich ziemlich seltsam…und falsch.
Wir sollten die Werte weitergeben, und nicht fahrlässig zerstören, die nicht nur für mich das Heimkommen nach Bayern  immer zu einem Fest gemacht haben.
Peace ❤

 

 

 

 

Seelen Schokolade, Tierschutz

Zu Gast bei Freunden…Keep calm and smile on!

Eigentlich war diese Reise in erster Linie als Treffen mit lieben Freunden geplant aber natürlich drehte sich dann doch alles um unsere beiden Orgas, Frieden für Pfoten und SCARS. Wir packten in diesen kurzen Aufenhalt einfach beides. Wenn man liebt was man tut, dann kann auch Arbeit ein Vergnügen sein!

Wie Frieden für Pfoten ist auch SCARS eine große Gemeinschaft von vielen Freiwilligen und Freunden, die jeweils ihren wichtigen Beitrag leisten. Für Nafsika ist diese Arbeit noch ein wenig mehr, sie ist eine Berufung! Bei ihr laufen die Fäden zusammen, die das SCARS Netz weben. Nur ein funktionierendes Netzwerk kann die täglichen Bedürfnisse und Probleme auffangen, die für die Schützlinge Leben oder Tod bedeuten. Dieses zerbrechliche Gefüge intakt zu halten, immer einen Schritt vorausdenkend, ist eine Last, die nicht jeder tragen kann. Nafsika tut es mit einem Lächeln, stoischer Ruhe, viel, viel Liebe und einer Gelassenheit, um die ich sie beneide!

Wir haben im vergangenen Jahr unzählige Abende und Nächte damit verbracht, uns  zu trösten, zu ermutigen, Pläne zu schmieden, zu weinen, zu lachen und ich habe unendlich viel von ihr gelernt. Seit mehr als 15 Jahren ist sie bereits im Einsatz für die Straßentiere von Athen, hat alles gesehen, alles erfahren, was das Leben an Grausamkeiten für ein Tier bereit halten kann und betreut neben den Schützlingen im Haus ihrer Mutter und Tante so ziemlich alles rund um SCARS, von den Adoptionen bis hin zu den Finanzen. Ihr großes Talent als Künstlerin kommt dabei leider immer viel zu kurz, denn die Zeit im Atelier ist denkbar knapp.

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Fay und Nafsika

Jetzt wollte ich so bald als möglich und so viel wie möglich von dem sehen, worüber wir so oft gesprochen hatten…die Katzen! Wer braucht schon die Sehenswürdigkeiten von Athen, wenn man stattdessen Iron im Arm halten kann?  Also schlug ich Renas freundliches Angebot einer Stadtführung aus, und bat darum, sie und Nafsika bei den täglichen Arbeiten in den beiden Häusern begleiten zu dürfen. Ich wollte sie doch alle sehen, Renata, Dornröschen, Scarlet, Sternchen, Harriet …und natürlich Iron. Jedes Zimmer dort beherbergt mehrere Katzen. Kranke Katzen, gesunde Katzen, behinderte, blinde, verletzte, verstümmelte, niedliche, kränkliche, erbarmungswürdige, zutrauliche und scheue. Es hat mich schier überwältigt sie alle zu sehen und mir war bewusster denn je, dass jede einzelne davon sich nach einem Menschen sehnt, der endlich Zeit für sie hat, das der Aufenthalt bei SCARS trotz aller Fürsorge nur eine Zwischenlösung sein kann und dass so viele schon viel zu lange auf eine Adoption warten!  Ihre Versorgung teilen sich die Freiwilligen untereinander auf, wobei Rena den Großteil der Krankentransporte, die unzähligen Fahrten zum Tierarzt, und die meisten Besorgungen auf sich nimmt.rena-2

Rena

Immer wenn sie mich diese Tage vom Hotel abholte, kam sie gerade von einem Notfall oder war auf dem Weg zu einem. Das Ganze bewältigt sie mit einem schier unerschöpflichen Vorrat an positiver Energie und einem mitreißendes Lachen. Man muss sie einfach gern haben! Neben den kranken Notfellchen hatte sie nun also auch noch mich als Passagier auf der to do Liste aber wir genossen beide die Zeit im Auto, hatten wir uns doch viel zu erzählen und ganz nebenbei gab es dann doch noch  interessante Erläuterungen zu den Sehenswürdigkeiten, an denen wir vorbei fuhren, Rena arbeitet nämlich in der Touristikbranche. Wie sie es schafft, Vollzeit zu arbeiten, die Riesenschar ihrer Schützlinge zuhause zu versorgen und dazu noch die Arbeit für SCARS zu bewältigen ist mir bis heute ein Rätsel. Aber es funktioniert!

Führung durch die „Catlery“.  Das Zimmer  von Dornröschen und Renata. In diesem Video wollte ich euch gerne Renata und einige der anderen Schützlinge vorstellen, die alle auf eine Adoption warten:

Unter dem Motto, „Frieden für Pfoten meets SCARS“ war am Abend ein gemeinsames Abendessen geplant, an dem alle teilnehmen sollten, mit denen ich bisher Kontakt hatte und ich freute mich unglaublich darauf, nun auch Martha, Vassia, Lambrini, Despina und Valia (von ihr sind die tollen Videos von SCARS), persönlich kennenlernen zu dürfen. Es war toll! Einige Mitglieder von Frieden für Pfoten hatten noch eine kleine Überraschung vorbereitet, die mit viel Freude aufgenommen wurde und natürlich nutzte ich die Gelegenheit, endlich einmal allen ein großes Dankeschön für ihre wunderbare Arbeit auszusprechen.  Und was soll ich sagen? Jede Minute dieses Abends, jede Minute mit diesen wunderbaren Menschen war Vergnügen pur.

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Nafsika, Rena und ich
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Fay, Vassia, Lambrini
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Martha, Despina, Nafsika

Die Zeit in dem malerischen Lokal mit Blick auf die Boote im neuen Hafen verging wie im Flug und  jeder Außenstehende hätte den Eindruck gewonnen, hier treffen sich alte Freunde, die sich bereits sehr lange kennen. Und wie könnte es anders sein, der Abend endete dann noch mit einer Rettung! Auf dem Weg zurück zum Wagen stolperten wir förmlich über ein Kätzchen, das in  erbärmlichem Zustand auf dem Gehsteig kauerte. Der Augenblick, als Martha mangels anderer Transportmöglichkeit spontan ihren Mantel um das kleine Bündel Elend wickelte und sie sanft in ihren Armen zum Wagen trug, wird mir noch lange im Gedächtnis bleiben. Das kleine Wesen stank entsetzlich nach Benzin und Fisch, ihr Fell war verklebt und jeder Knochen war zu sehen…aber sie hielt still, als ob sie wusste, dass ihr jetzt geholfen wird und Rena verbrachte den Rest der Nacht damit, sie bei sich zuhause zu versorgen, bis der Tierarzt übernehmen würde. Wir nannten sie Destiny…Schicksal.
destiny

Nach einem aufregenden Vormittag auf der Krankenstation von SCARS wartete das nächste Highlight…ein Besuch bei Ornellos „Pflegemama und Pflegepapa“, bei Fay und Dionisos. Seit ich die erste Zeile von Fay gelesen hatte, war ich verzaubert von ihrer Art, Geschichten zu erzählen. Man kann nur schreiben, was man auch im Herzen fühlt und die liebevollen und lustigen Beschreibungen von Ornellos Alltag haben den Kleinen zu einem Star bei uns im Verein gemacht und Fay und mich zu Freunden. Gemeinsam arbeiten wir mit Nafsika im geheimen  „Lost in Translation Forum“ an den Geschichten rund um die Schützlinge von SCARS, die ich dann (mit großem Vergnügen) ins Deutsche übersetze und jetzt wollten wir gemeinsam Tee trinken und außerdem brannte ich darauf, die neuen kleinen Stars zu besichtigen, Elpida und Fawkes.

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Dionisos und Elpida

Zuhause bei Fay und Dionisos sind neben Meli, dem Hund immer einige Katzen- Findelkinder zu Gast und werden dort mit viel Geduld und Liebe auf den großen Moment vorbereitet, bis sie ihre Reise ins Glück antreten dürfen. Fay, die genau so ist, wie ihr Name 😉 , arbeitet als Weddingplannerin wenn sie nicht gerade als Vorstand für SCARS tätig ist. Dionisos, der übrigens sehr gut Deutsch spricht, unterstützt das SCARS Team und sein Charme und sein Händchen, nicht nur für Tiere sondern auch für Menschen, öffnet der Orga viele Türen! Leider ließ sich Elpida auch von ihm nicht dazu überreden, Hallo zu sagen. Ihr war der Trubel etwas zu groß und sie versteckte sich in einem Küchenfach. Gentleman Fawkes legte sich sofort beschützend über sie und einmal mehr war ich dankbar dafür, dass die zwei nun gemeinsam adoptiert wurden, es wäre ein Jammer gewesen, sie zu trennen! Pflegekatze im Hause Fay/Dionisos zu sein, wo mit viel Humor, Musik und Herzenswärme die tägliche Arbeit bewältigt wird, ist wohl immer der Jackpot bei SCARS. Ich jedenfalls genoss jede Minute dort mit den beiden!

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Es waren so viele besondere Begegnungen, so viele Eindrücke, die noch einige Blogs füllen würden! Am besten, ihr besucht selbst einmal diese tolle Orga in Athen, und lernt all die wunderbaren Menschen kennen …Denn eines weiß ich genau, sobald wir unser Haus der Chancen gefunden haben, wird dort nicht nur hart gearbeitet werden damit es den Schützlingen gut geht, es wird auch viel gelacht

Hier findet ihr uns auf Facebook: Freundeskreis SCARS

Seelen Schokolade

Everbody´s darling is everybody´s Depp

 

Zu den sogenannten „Soft Skills“ gehören zum Beispiel Kommunikations- und Teamfähigkeit, Geduld, Einfühlungsvermögen, Kritik- und Konfliktfähigkeit.

Unbestritten kann es von Vorteil sein, reichlich  darüber zu verfügen. Es gibt Leute, die eine Menge Geld damit verdienen, diese nicht nur von der Wirtschaft heiß begehrten Skills an andere zu vermitteln. Aber wie bei allem  ist zu viel des Guten eben nicht noch besser…sondern schlicht und ergreifend zu viel.

Immer verständnisvoll, immer hilfsbereit, verfügbar, nachsichtig und vermittelnd zu agieren ist auf Dauer nur für fortgeschrittene Zen Meister ohne Folgeschäden zu verkraften.

Alle anderen landen früher oder später im Burn Out oder resignieren an einer Welt, die leider nicht so zurück ruft, wie es in den Wald schallt, sondern immer mehr fordern wird.

Wer immer für andere da ist, wird auf Unverständnis stoßen, wenn er einmal etwas verweigert. Menschen, die öfter einmal „Nein“ sagen, wird das nicht übel genommen.

Wer nie darauf hinweist, wenn Grenzen überschritten werden, wird auf Unverständnis stoßen, wenn er es doch einmal tut.

Wer immer geduldig und einfühlsam reagiert, wird auf Unverständnis stoßen, wenn auch ihm der Geduldsfaden reißt, selbst wenn es Dinge waren, die man jemand anderem schon von Haus aus nie zugemutet hätte.

Man kann von Franz Josef Strauss denken, was man mag. Ich würde mich nicht zu seinem engeren Fankreis zählen, schließlich war er Jäger 🙂 …aber sein Ausspruch ist für mich bis heute das treffenste, was je zu diesem Thema gesagt wurde und ersetzt den Inhalt eines kompletten Selbsthilfebuches. Es war nie seine Art, etwas zu beschönigen.

Everbody´s darling ist everybody´s Depp.

Wenn bei mir die offensichtlich zu reichlich vorhandenen Softskills wieder einmal die Überhand genommen haben und die Forderungen unangenehm am Akku ziehen, dann versuche ich weder mich zu ändern (klappt sowieso nie ), noch andere,  (klappt noch weniger ) sondern gehe einen Schritt zurück. Eine meiner größten Errungenschaften in Sachen Lebenserfahrung ist  die Erkenntnis,  dass ich mittlerweile zwar eine Menge kann aber im Grunde genommen nichts muss, wirklich nichts,  ausser sterben vielleicht. ..

Ich bleibe eine Weile für mich allein, beschäftige mich mit etwas komplett anderem, bevorzugt  ohne jeden Handlungsbedarf, bis der Energie Akku wieder mit den Soft Skill Forderungen Schritt halten kann und hoffe, …dass das Ding mit dem „Guten Karma“ wirklich stimmt, denn dann sind zumindest für die ferne Zukunft blendende Aussichten.

 

 

 

 

 

Katze, Lifestyle, Seelen Schokolade, Syrien, Tierschutz

Frieden für Pfoten – Peace4Paws … Die Happy End Manufaktur startet durch!

Wer liebt sie nicht, die kleinen und großen Happy Ends, die dem Leben eine Portion Zuckerguss verleihen? Da diese Happy Ends meist rar gesät sind, erzählen sich die Menschen seit jeher Geschichten, lesen Bücher oder die moderne Variante, sie gehen ins Kino.

Happy Ends lassen sich jedoch mit etwas Herz, Ausdauer und den richtigen Verbündeten auch selbst fabrizieren. Das tolle Gefühl, andere glücklich zu machen, ein klitzekleines bisschen die Welt zu retten,  ist erfüllender als jedes Leinwand Happy End.

Diese Leidenschaft ist auch der Grund dafür, dass ich, …die nie einem Verein angehören wollte, …letztlich sogar einen Verein mit gegründet habe. Eine meiner besseren Ideen, denn seit Frieden für Pfoten am Start ist, seit fast täglich neue Verbündete, Unterstützer und neue Kontakte uns Türen öffnen, die vorher verschlossen waren, seitdem gibt es Happy Ends am laufenden Band.

Wer Tiere mag, wird nachfühlen können, wie es sich anfühlt, wenn täglich die Bilder und Anfragen hereinflattern. Es sind grauenhafte Bilder von ausgemergelten, misshandelten, verletzten Tieren oder berührende Aufnahmen von behinderten oder traumatisierten Vierbeinern. Es sind Anfragen von Flüchtlingen, die ihre Tiere auf der Flucht verloren haben, sie im Land zurück lassen mussten oder gerne nachholen möchten und nicht wissen, wie.

Happyend

Happy End
Happy End ❤

Immer  ist es dringend, verzweifelt oder klingt resigniert. Ich lese die Mails, sehe mir die Bilder an und es ist ein tolles Gefühl zu wissen :

Ich kann helfen, weil ich nicht mehr allein bin,  Wir können helfen !

Denn Frieden für Pfoten ist mittlerweile ein geniales Sammelbecken für engagierte Tierschützer aus allen Bereichen und aller Herren Länder.  Wenn ich auf etwas stolz bin, dann darauf, all diese wunderbaren Menschen „gefunden“ zu haben. Jeder bringt seine Fähigkeiten, Kontakte und Möglichkeiten ein. Das Ganze gebündelt ergibt eine unglaubliche Power und ermöglicht Dinge, die in anderen Organisationen nicht denkbar wären.

Bürokratie, destruktive Reibereien und Resignation sind im geheimen „Mimi Forum“,  unserem virtuellen Vereinswohnzimmer verpönt. Hier bin ich fast immer anzutreffen,  denn eine meiner Hauptaufgabe im Verein ist nach wie vor die Kommunikation, Kontaktaufnahme und Koordination.

Das ist…vorsichtig ausgedrückt..aufreibend, bedeutet aber auch , ich darf von Anfang bis Ende miterleben, wie Millimeterweise auf ein Happy End hingearbeitet wird, wie wunderbare Menschen einen tollen Job machen, alle gemeinsam auf das eine Ziel hinwirken, und es am Ende immer wieder schaffen, Tieren eine Chance, einen Platz, Behandlung oder Futterstellen zu ermöglichen.

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Dabei hat jeder seinen unverzichtbaren Anteil. Ein Projekt kann scheitern, weil noch 100 Euro zum Ticket fehlen, es keine Transportmöglichkeit, keinen Fahrer oder Adoptanten gibt, weil eine wichtige Nachricht vor Ort nicht schnell genug übermittelt werden konnte oder der Krieg wieder einmal einen Strich durch die Rechnung macht. Aber stets findet sich jemand, der eine zündende Idee hat, einspringt, riskiert, buchstäblich das letzte Hemd gibt, um unsere Notfellchen zu retten.

Längst sind die meisten aus unseren Reihen Freunde geworden. Rike, die mit mir zusammen Frieden für Pfoten organisiert und die, im Gegensatz zu mir, Logistik, Budget und gesetzliche Regelungen immer scharf im Blick hat, Micaela, die ihre langjährige Berufserfahrung als Leiterin einer großen Abteilung nun einsetzt, um die Adoptionen vorher akribisch abzuklären und die für jeden Schützling nur den allerbesten Platz akzeptiert, und so viele mehr, die ich sehr in mein Herz geschlossen habe. Manchmal kann ich gar nicht fassen, wo all die  hilfsbereiten, großzügigen, engagierten Menschen auf einmal alle herkommen.

Gestern Nacht wurde unsere Transportkette mit den geretteten syrischen Katzen an der Grenze zum Libanon aus Willkür so lange festgehalten, dass es keine Chance mehr gab, den gebuchten Flug zu erreichen. Damit war die Arbeit, die Planung, alle Anstrengungen der letzten Wochen .. umsonst …und die letzte und einzige Chance für die bereits adoptierten Notfellchen vertan.

Wir konnten einzig organisieren, dass sie wieder in ihre Notunterkünfte gebracht wurden.
Dann passierte wieder einmal, was unsere verschworene Truppe so besonders macht: gemeinsam mit unseren unglaublich tollen Unterstützern und Aktivisten haben wir die Nacht durch einen neuen Plan auf die Beine gestellt, bereits einen Teil der benötigten Spenden gesammelt und eine neue Möglichkeit aufgetan, die Tiere reisen zu lassen.

 

Rawaaa Kilani hat dieses Happy End ermöglicht <3
Rawaa Kilani hat dieses Happy End ermöglicht ❤

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Während ich diese Zeilen schreibe, erhielt ich die Nachricht, dass alle mittlerweile einzeln erfolgreich über die Grenze verbracht werden konnten und unsere Transportkette wieder in Bewegung ist….das nächste Happy End lässt nicht mehr lange auf sich warten.

Für die Welt sind es nur ein paar überflüssige Katzen… aber für uns bedeuten sie die Welt , wenn wir Leben retten und Glück schenken dürfen. Schaut doch einfach einmal bei uns vorbei :  www.friedenfuerpfoten.org.

Man kann natürlich auch ins Kino gehen….oder sich beschweren, warum niemand etwas unternimmt, gegen all das Elend in der Welt ;-).

Bettina Marie Schneider Frieden für Pfotenn
Dieses Kätzchen wurde unter den Trümmern eines zerbombten Hauses geborgen und genießt bereits ihr Happy End in Holland.
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Frieden für Pfoten…überall ❤

 

 

 

Aufreger, Seelen Schokolade

Das traurige Märchen von der verteufelten Pflanze

In einem fernen Land, wo die Menschen alles glaubten, was ihnen Lobbyisten und Marktschreier erzählten, wuchs einst eine magische Pflanze. Diese Pflanze verfügte über Heilkräfte, schier unerschöpfliche Nutzungsmöglichkeiten und ihr Genuss schenkte den Menschen Entspannung.

Ihre Vielseitigkeit war so beeindruckend, dass die mächtigen Kaufleute des Reiches fürchteten, ihre eigenen Waren in Konkurrenz mit diesem günstigen Rohstoff nicht mehr vermarkten zu können, zumal es kein Patent für diese Pflanze gab und sie jedermann zur Verfügung stand.

Zusammen mit den  verknöcherten Moralaposteln des Rates, die dem einfachen Volk keinen verantwortungsbewussten Umgang mit der Pflanze zutrauten und den Apothekern,  die lieber ihre eigenen Drogen verkaufen wollten, beschwerten sie sich beim König, flüsterten ihm allerlei Lügen ein und der Anbau und Besitz der magischen Pflanze wurde schließlich verboten und streng bestraft.

Alle Güter, die aus ihr hergestellt worden waren, weil sie schnell wuchs und kostengünstig zu kultivieren war, wurden nun aus anderen Rohstoffen gefertigt, zum Beispiel das Papier, was für die Wälder des Reiches sehr schlimme Folgen hatte.

Die Kranken, die mit den Blüten der Pflanze  ihre Schmerzen gelindert hatten, wurden nun bestraft und eingesperrt, wenn sie trotzdem heimlich versuchten, ihr Leid damit zu erleichtern.

Die weisen Männer des Reiches durften nicht mehr daran forschen, bei welchen Krankheiten die Pflanze heilsame Wirkung zeigt, obwohl sie unglaubliche Erfolge bei vielen Krankheitsbildern bewiesen hatte und unendlich segensreiches Potential in ihren Blättern und Blüten steckte, Potential, das die Wissenschaft der Heilung revolutionieren könnte.

Um die Untertanen zu blenden, ließ man verbreiten, dass diese Pflanze eine gefährliche Einstiegsdroge wäre, und sehr schädlich. Jeder Untertan, der damit ertappt wurde, kam ins Gefängnis oder wurde an den Pranger gestellt. Dafür war der König sehr nachsichtig wenn es um andere Drogen ging, wie Braugetränke oder Tabakblätter, um seine Untertanen ruhig zu stellen.

Bald gab es einen zwielichtigen Schwarzmarkt. Allerlei übles Gesindel mischte giftige Substanzen unter die reinen Blüten der Pflanze, um den Ertrag zu strecken. Nun war es wirklich gefährlich, von der Pflanze zu probieren, besonders für die Kinder des Königreiches, die neugierig wie alle Jungspunde, den Genuss des Verbotenen erleben wollten. Ihnen verkaufte das Gesindel nicht nur die verderblich gepanschten Blütenextrakte der Pflanze sondern weit schädlichere und gefährlichere Substanzen aus den Hexenküchen der Unterwelt.

Obwohl die Blüten der Pflanze noch nie jemanden getötet hatten, das gar nicht vermochten, kam es doch immer wieder zu traurigen Zwischenfällen, weil durch den florierenden Schwarzmarkt auch unheilvolles Gebräu und Pillen in Umlauf kamen und Menschen starben.

Manche Untertanen wollten sich nicht verbieten lassen, was sie seit vielen Generationen in Maßen und als kleine Freude genossen hatten, sie beschlossen daher, die magische Pflanze selbst anzubauen. Aber die Soldaten durchkämmten im Auftrag des Königs Häuser und Wohnungen, konfiszierten alle Gewächse und die unbescholtenen, braven Handwerker und Arbeiter, Künstler und Studenten des Landes mussten dafür ins Gefängnis. Es war eine sehr traurige Zeit und niemand wagte, gegen diese Ungerechtigkeiten aufzubegehren.

Eines Tages konnte die Pflanze es nicht mehr ertragen, wie sie zu Unrecht verteufelt wurde und erschien dem König im Traum, erzählte ihm, was er in seiner Verblendung nicht erkannt hatte. ….

von den unerschöpflichen und größtenteils noch unerschlossenen Möglichkeiten in der Herstellung von günstigen Verbrauchsgütern aus ihrem Rohstoff, der schnell nachwächst,

von ihren Erfolgen bei der Heilung und Linderung bei vielen Beschwerden und Schmerzen,

von ihrer Harmlosigkeit im Vergleich zu anderen berauschenden Substanzen, wie Alkohol und Nikotin, alles Substanzen die töten können, was die magische Pflanze nicht vermag, und die trotzdem überall erhältlich sind,

von den Kindern und Jugendlichen, deren Wohl viel mehr gefährdet ist, solange es einen unkontrollierbaren Schwarzmarkt gibt, wo die reinen Bestandteile der Pflanze mit giftigen Mitteln gestreckt werden und wo sie mit kriminellem Volk in Berührung kommen, das ihnen Drogen aus der Chemie Giftküche aufschwatzt,

von dem Heer unbescholtener Bürger, die durch die Willkür des Königs zu Verbrechern gestempelt werden,

von überfüllten Gefängnissen, dem Personalmangel bei den Soldaten, die viel Zeit mit der Überwachung aller Verbote rund um die Pflanze verbringen,

von ihren lukrativen Möglichkeiten als legale Steuerquelle für das Königreich.

An dieser Stelle erwachte der König aus seinem Traum und dachte belustigt…was habe ich da für wirres Zeug geträumt. Wenn die Pflanze all dies könnte, wenn von all dem nur ein Quentchen wahr wäre, dann müsste ich ja der größte Dummkopf des Reiches sein, Cannabis zu verbieten.

Und wenn sie nicht gestorben sind dann leben sie noch heute …ohne die Gaben, die ihnen die magische Pflanze Cannabis schenken könnte.

Märchen 3

Seelen Schokolade, Tierschutz

Auch Powerfrauen weinen manchmal…

 

Ingrid Newkirk war und ist seit jeher eine meiner grössten  Heldinnen, die Powerfrau, die zu Beginn der 80er Jahre mit gewagten Kampagnen für ihre Organisation PETA alle Tabus brach und Forderungen für Tiere stellte, die zu dieser Zeit  vielen lächerlich erschienen.

Sie hatte viel Gegenwind auszuhalten, viele Schmutzkampagnen und interne Kämpfe auszustehen. Sie arbeitete unermüdlich und kämpft bis heute jeden Tag darum, ihren Traum von einer Welt, in der die Rechte der Tiere gewahrt werden, Wirklichkeit werden zu lassen.

Hätte ich damals bereits gewusst, was ich heute weiß , ich hätte sie noch viel mehr bewundert.

Der Gesetzgeber hat kein Herz für Tiere, stellt selbst an die kleinste Organisation , eigentlich an jede offizielle Tierschutzaktivität Anforderungen, die ans Lächerliche grenzen. Bis ein Verein ein Verein sein darf, ein Konto führen, Spendenquittungen erstellen und tätig werden kann vergehen viele Monate. Bis ein Gnadenhof die Dokumente zusammen hat, dass er Tiere beherbergen darf, sind diese oft bereits an Altersschwäche verstorben.

Papierkram, Formulare, Amtsgänge,  Kosten…Vorschriften über den Transport von geretteten Tieren, Vorschriften, wer, wie und ob man Tiere vermitteln darf. Die Liste ist schier unendlich. Der Gesetzgeber interessiert sich wenig für Tiere dafür um so mehr für Tierschützer.

Helfen möchten viele. Eigentlich. Letztlich bleibt immer nur eine handvoll Aktiver übrig. Alle anderen wissen dafür genau, wie es geht, was man besser anders oder schneller machen sollte und was gar nicht gut war und sie werden das bei jeder Gelegenheit einbringen.

Eine der wichtigsten Aufgaben der Powerfrauen im Tierschutz, sei es für ein Tierheim, einen Verein, eine Arbeitsgruppe oder Aktion ist es daher, die Zahl der wirklich Aktiven und Interessierten konstant ansteigen zu lassen, immer neue, engagierte und motivierte Leute ins Boot zu holen.

Sie selbst müssen dabei jederzeit verfügbar und einsatzbereit  sein und vor allem flexibel, denn anders als in einer Firma gibt es keine Verlässlichkeit, ist nie irgend jemand dazu verpflichtet etwas zu tun, geht es nicht um Finanzen oder Projekte sondern um Lebewesen, die hungern, leiden und auf Hilfe angewiesen sind.

Es gibt keinerlei staatliche Unterstützung, keine verlässlichen Geldquellen und die einzige Konstante auf dem Bankkonto ist der eiserne Wille der Powerfrauen.

Ihre eigenen Befindlichkeiten, ihr Privatleben stellen sie stets hinten an, immer die ersten an der Front, wenn die tägliche Arbeit immer neue Brennpunkte hervorbringt und eine Lösung gefunden werden muss.

Sie haben schlaflose Nächte, wenn die Mittel wieder einmal knapp sind und der Bedarf riesig, wenn daher  Entscheidungen über Leben und Tod getroffen werden müssen und wenn die Erfolge teilweise bescheiden ausfallen, gemessen an der unendlich großen Zahl von leidenden  Tieren.

Sie müssen die Kraftquelle sein, die zusammenhält, organisiert, vernetzt, motiviert und beflügelt. Sie selbst müssen ohne Motivation auskommen. Ihre Arbeit ist selbstverständlich.

Sie sind immer für ihre Tiere da, die gefüttert werden wollen, medizinische Versorgung brauchen, Unterkunft, Schutz oder einfach nur eine Stimme.

Die Powerfrauen hinter einer Tierschutzorganisation müssen über unendliche Zeit verfügen. Ihr Tag muss mehr als 24 Stunden haben, denn meist arbeiten sie Vollzeit, um ihre ehrenamtliche Arbeit zu finanzieren.

Sie erledigen Arbeit, die kein Geld bringt sondern welches kostet und sie verwenden jede freie Minute, jeden Abend, jedes Wochenende dafür, fahren endlose Strecken, um Tiere zu retten, Kampagnen zu starten, Spenden zu sammeln und andere Menschen um Unterstützung zu bitten.

Diese Powerfrauen wissen, dass ihre Arbeit unendlich dringend benötigt wird. Sie sind mit Leid und Brutalität, mit Grausamkeit in unvorstellbarem Ausmass konfrontiert und weil sie wissen, dass sie helfen und lindern können, verstärken sie ihre Anstrengungen bis zur Erschöpfung.

Für Außenstehende sind diese Powerfrauen manchmal schwer zu begreifen. Sie haben wenig  Sinn für Small Talk, wollen sich nicht an Nebensächlichkeiten  aufhalten, haben alles Tierleid dieser Welt bereits gesehen und diese Erfahrung hat sie geprägt. Ihr Bild von den Menschen hat sich verändert.

Sie erkennen das allgegenwärtige Leiden der Tiere , wo immer es zu finden ist und sind ungeduldig mit all jenen, die davor die Augen verschließen.

Sie Befassen sich mit Themen und Aufgaben, von denen sie sich nie hätten träumen lassen, sie einmal ausfüllen zu müssen. Aber sie wissen, wenn sie es nicht tun, tut es kein anderer an ihrer Stelle.  Sie allein sind Stimme und Hoffnung der Tiere.

Ich durfte die letzten Monate viele dieser Powerfrauen kennen lernen.

Sie bauen und führen Tierheime, leiten Gnadenhöfe, retten Hühner, organisieren Kastrationsaktionen, versorgen Straßentiere, pflegen verletze Notfälle, kümmern sich um Tauben, halten Mahnwachen vor Schlachthöfen, gründen Organisationen oder Parteien, vernetzen Tierschützer in Europa, betreuen Tiertafeln, starten Kampagnen, klären auf oder vermitteln behinderte und kranke Tiere.

…Wenn diese Powerfrauen müde sind und auch ihre Kraft manchmal nachlässt,

…wenn für sie, die für alle anderen Halt und Anker sind, manchmal selbst kein Strohhalm mehr zur Verfügung steht,

…wenn selbst der dickste Panzer um das verletzliche Herz nicht zum Schutz ausreicht

..wenn wieder einmal Gegenwind aus den eigenen Reihen kommt und zusätzlich belastet

…dann weinen auch die stärksten Powerfrauen aber sie weinen heimlich. Im Tierschutz       bleibt keine Zeit für Tränen. Powerfrauen bleiben stark, für die Schwachen.

Liebe Powerfrauen, Ihr seid wunderbar, bitte gebt niemals auf  ❤

PS: Die wunderbare Ingrid Newkirk  gibt ihren Mitstreitern den Rat, sie sollen, wenn sie traurig sind, oder wütend, diese Gefühle nehmen und etwas daraus daraus machen. Diese Gefühle in Energie umkehren,  für die Tiere, um weiter zu machen.

 

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